Makrofotografie - Cyrill Harnischmacher - ebook

Makrofotografie ebook

Cyrill Harnischmacher

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Opis

Sowohl ambitionierte Einsteiger als auch gestandene Makrofotografen finden in diesem umfassenden Handbuch neben den erforderlichen Grundlagen unzählige nützliche Tipps zur fotografischen Praxis: vom Planen der Ausrüstung über die Vor- und Nachteile verschiedener Kamerasysteme, Makroobjektive, Spezialzubehör wie Nahlinsen, Zwischen- oder Umkehrringe bis hin zum kreativen Umgang mit vorhandenem und künstlichem Licht oder zur Kamerasteuerung per Smartphone. Einen besonderen Schwerpunkt bilden speziellere Aufnahmetechniken wie die Kurzzeitfotografie mit Lichtschranken, der Einsatz von Lightbrush-Techniken, das Focus-Stacking zur Erweiterung der Schärfentiefe, die Erstellung von Makropanoramen und Infrarotmakros, die Kontrastbewältigung mit HDR-Technik, die Lichtführung in einem mobilen Studio, die Tabletop-Fotografie sowie kreative Effekte mithilfe von Mehrfachbelichtungen. Auch die Bildgestaltung durch Licht, Farbe, Kamerastandpunkt und Schärfe sowie kreative Herangehensweisen an unterschiedliche Motive und die Motivsuche werden ausführlich behandelt. Weit über 600 Fotos und Grafiken illustrieren, wie sich Motive aus den unterschiedlichsten Bereichen der Nah- und Makrofotografie umsetzen lassen. So versteht sich dieses Buch nicht nur als technische Anleitung, sondern auch als Ideenfundgrube, die Raum für eigene kreative Interpretationen und Ideen bietet. Der Blick über die Schulter professioneller Makroexperten ermöglicht tiefere Einblicke in deren individuelle Arbeitsweisen. So erweitern die Gastbeiträge des Focus-Stacking-Experten Jan Metzler, des Kurzzeitfotografen Hans Christian Steeg, des Miniature-Street-Art-Künstlers Bernd Schloemer und des Pilzfotografen Stefan Dittmann das Spektrum der Motive und Techniken. Interessante Do-it-yourself-Projekte runden das Buch ab und zeigen Lösungsvorschläge für den fotografischen Alltag, aber auch für spezielle Aufgaben in der Makrofotografie.

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Cyrill Harnischmacher

Nach einem Studium der freien Kunst und einigen Jahren als angestellter Grafiker in unterschiedlichen Werbeagenturen hat Cyrill Harnischmacher sich 1997 als Grafiker selbstständig gemacht.

Er schreibt seit vielen Jahren als Autor für Fachzeitschriften über Themen aus dem Bereich Fotografie und digitale Bildbearbeitung und gestaltet Bücher für diverse Verlage. Beruflich kennt er beide Seiten der Fotografie, als Auftraggeber und als Fotograf. Sein Interesse gilt vor allem der Makro- und Tabletop-Fotografie und unkonventionellen technischen Lösungen. Bisher sind sieben Bücher von ihm erschienen, von denen vier mit dem Prädikat »Auswahltitel Deutscher Fotobuchpreis« ausgezeichnet und in mehreren Sprachen veröffentlicht wurden.

2007 entwickelte er mit flash2softbox ein System, mit dem sich Lichtformer professioneller Studioblitzanlagen an Systemblitzgeräte adaptieren lassen.

www.lowbudgetshooting.de

www.flash2softbox.de

Makrofotografie

Gestaltung, Licht und Technik in Natur und Studio

Cyrill Harnischmacher

Cyrill Harnischmacher

www.makrofotografie.com

Lektorat: Rudolf Krahm

Copy-Editing: Marita Böhm, München

Layout, Satz: Cyrill Harnischmacher, Reutlingen, www.lowbudgetshooting.de

Herstellung: Frank Heidt

Umschlaggestaltung: Helmut Kraus, www.exclam.de

Druck und Bindung: Stürtz GmbH, Würzburg

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN

Buch 978-3-86490-086-0

PDF 978-3-86491-538-3

ePub 978-3-86491-539-0

1. Auflage 2014

Copyright © 2014 dpunkt.verlag GmbH

Wieblinger Weg 17

69123 Heidelberg

Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten.

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In diesem Buch werden eingetragene Warenzeichen, Handelsnamen und Gebrauchsnamen verwendet. Auch wenn diese nicht als solche gekennzeichnet sind, gelten die entsprechenden Schutzbestimmungen.

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Für Urte, Tabea und Jona

Vorwort

In Japan hat das Kirschblütenfest eine jahrhundertelange Tradition und markiert den Beginn des Frühlings. Darüber hinaus ist die Kirschblüte aber auch ein Symbol für die perfekte Schönheit und die Vergänglichkeit des Augenblicks.

Diese Aspekte sind in gewisser Weise auch in der Makrofotografie von Bedeutung. Mit dem Ende der kalten Jahreszeit kommt wieder Leben und Bewegung in die Natur, Insekten beginnen zu fliegen und die ersten Pflanzen zu blühen.

Die Suche nach dem perfekten Augenblick, in dem Motiv, Perspektive und Licht eine ideale Verbindung eingehen, beschäftigt auch viele Fotografen. Kamera und Objektiv sind dabei die Hilfsmittel, eben diese vergänglichen Augenblicke für sich selbst und für andere festzuhalten. Die Art und Weise, wie man dabei vorgeht, hat gerade in der Makrofotografie viel mit technischen Aspekten zu tun, sie sind aber eigentlich nur Mittel zum Zweck auf dem Weg zum eigenen Ausdruck. Allerdings sind es Mittel, auf die wir nicht verzichten können. Je mehr technisches Know-how man sich aneignet, umso leichter fällt es, die vorgefundenen Motive in das zu übersetzen, was uns in diesen Momenten bewegt.

Genau diese Mischung aus Perfektion und Intuition ist es, die die Fotografie so spannend macht. Der Reiz, technische Hürden zu meistern, genauso wie die Herausforderung, geduldig auf das richtige Licht zu warten und sich in beiden Fällen nicht mit einem Kompromiss zufriedenzugeben, der den eigenen Erwartungen nicht entspricht.

Trotz dieses Wissens über die Disziplin, die ich aufbringen muss, um meinen fotografischen Ansprüchen gerecht zu werden, möchte ich eines nicht missen: mich in einer Blumenwiese durch ein Meer von Motiven treiben lassen und rein aus dem Bauch heraus fotografieren, den Augenblick nicht suchen, sondern einfach auf mich zukommen lassen.

Cyrill Harnischmacher

im Mai 2014

Inhalt

Faszination Makrofotografie

01 Grundlagen

Die Grundlagen in der Theorie

Die Grundlagen in Zahlen

In tiefsten Tiefen

02 Ausrüstung

Kameras für die Makrofotografie

Standardobjektive

Makroobjektive

Nahlinsen

Telekonverter und Zwischenringe

Umkehrringe und Kupplungsringe

Balgengeräte

Schärfentiefebereich verändern

Lichtquellen für die Nah- und Makrofotografie

Lichtfarben und Farbwiedergabe

Aufnahme- und Auslösezubehör

Kamerasteuerung über Smartphone oder Tablet-PC

Kamerasteuerung mit Triggertrap

Optische Filter

Stative, Neiger und Kugelköpfe

Transport und Sicherheit

Weiteres Makrozubehör

03 Aufnahmetechniken

Strategien gegen die Unschärfe

Die richtige Kamera- und Körperhaltung

04 Makrofotografie im Studio

Licht im Studio

Lichtvergleich

Ein kleines Makrostudio einrichten

Natur im Studio

Leuchtendes Schneckenhaus

Tabletop-Fotografie

Rauch, Dampf und Nebel

05 Makrofotografie in der Natur

Im Garten und auf dem Balkon

In der freien Natur

Stefan Dittmann Pilzfotografie

Fotografieren im Reich der Pilze

06 Spezielle Aufnahmetechniken

Mehrfachbelichtungen

Focus-Stacking

Lightpainting

Intervallaufnahmen, Zeitraffer und Stop-Motion

Kurzzeitfotografie

Kurzzeitfotografie im Studio ohne Lichtschranke

High Dynamic Range – HDR

Makropanoramen

Kreative Experimente

Infrarotmakros

Jan Metzler Focus-Stacking

Focus-Stacking mit erweiterter Technik

Hans Christian Steeg Kurzzeitfotografie

Im Flug erwischt

07 Motive finden

Suchen, Finden, Sammeln

Ein Thema, verschiedene Umsetzungen

Abstrakte Motive

08 Ein Tag im Zoo

Zoologische Gärten

Botanische Gärten

Schmetterlingshäuser

Aquarien und Terrarien

09 Bildbearbeitung

Aufnahmen nachbearbeiten

Schwarzweiß-Umwandlung

10 Mit Licht arbeiten

Belichtungsmessung

Mit Licht unterwegs

Aufheller für unterwegs im Vergleich

11 Bildgestaltung

Gestaltung des Bildes

Kamerastandpunkt kreativ einsetzen

Mit Licht modellieren

Schärfe gezielt einsetzen

Farbakzente setzen

Farben reduzieren

Bernd Schloemer Miniature Street Art

Das Colognies-Projekt

12 Do it yourself

Makroobjektiv als Mikroskop nutzen

Linearführung für Makropanoramen

Bohnensackstativ

Reflektorkarte für den Systemblitz

Danksagung

Index

Faszination Makrofotografie

Sicherlich kennen Sie Jules Vernes Roman »Die Reise zum Mittelpunkt der Erde«. Als Kind habe ich dieses Buch verschlungen und davon geträumt, auch solche Abenteuer zu erleben, seltsame Tiere zu entdecken und Dinge zu sehen, die anderen Menschen verborgen bleiben. Statt, wie die Romanhelden in den Krater des isländischen Vulkans Snæfellsjökull hinabzusteigen, habe ich mich dann aber doch entschieden, zu Kamera und Makroobjektiv zu greifen und damit in heimischen Gefilden auf Entdeckungsreisen zu gehen. Denn auch mit der Nah- und Makrofotografie können wir Dinge entdecken, die der normalen Wahrnehmung verborgen bleiben. Welten, die parallel zu unserer Welt des Großen im Kleinen und ganz Kleinen existieren.

Illustration des französischen Illustrators Édouard Riou zum Roman von Jules Verne, »Die Reise zum Mittelpunkt der Erde«, mit einem meterhohen Pilzwald.

Bild: Public Domain

Formen, Materialien und Konstruktionen

Die Entdeckungen, die durch die Erforschung des Mikrokosmos erreicht wurden, haben sogar einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf unser Leben gehabt und haben es noch. Ohne die Möglichkeiten, die Mikroskope, aber auch die Makrofotografie bieten, wären viele Dinge, die uns heute im Großen faszinieren, nicht entstanden. Denn für viele architektonische und technische Meisterleistungen stand die Natur Pate.

Ein Wissenschaftszweig, der sich ganz der Erforschung der Techniken, die die Natur anwendet, verschrieben hat, ist die Bionik. Hier werden Werkstoffe entwickelt, die Materialien aus der Natur als Vorbild nehmen. So hat beispielsweise Spinnenseide eine Zugfestigkeit, die modernste Hightech-Materialien bei Weitem übertrifft. Schneckenhäuser und Bienenwaben zeigen, wie man mit minimalem Materialeinsatz einen möglichst großen Raum umbauen kann.

In den Strukturen in Blättern sieht man, wie sich alle Bereiche des Blattes in erstaunlich ökonomischer Weise mit Nährstoffen versorgen lassen, und die Oberfläche der Haut von Haien zeigt, wie sich die Oberflächen von Schiffsrümpfen optimieren lassen, um dem Wasser so wenig Widerstand wie möglich entgegenzusetzen.

Auch viele Dinge des täglichen Lebens beinhalten Biotechnologie, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Etwa der Klettverschluss, der Lotuseffekt, also sich selbst reinigende Oberflächen, Dachkonstruktionen moderner Industriebauten, Flugzeugtragflächen, ja sogar die Entwicklung von Datennetzwerken und natürlich die Linsen eines Objektivs haben ihre Vorbilder in der Natur.

Pilzwäldchen

Foto: Stefan Dittmann

Faszinierend ist auch die Formensprache der Natur. Das ist für mich persönlich einer der Gründe, warum ich mich mit der Kamera auf die Reise in den Mikrokosmos begebe. Verschiedene Gestaltungselemente begegnen einem beim Betrachten von Makroaufnahmen immer wieder. Symmetrien, Spiralformen, sich in die Unendlichkeit wiederholende Strukturen und so weiter. Auch wenn die Natur als »Designer« nie nur um der Schönheit selbst willen gestaltet und alles seinen Sinn und Zweck erfüllen muss, so sind die Ergebnisse doch von einer atemberaubenden Ästhetik und für mich als Grafiker immer wieder Inspiration.

Bilder nächste Doppelseite:

Links oben: Ahornsamen

Blende 26, 1/200 s, ISO 100, 60 mm, Studioblitzanlage

Links unten: Der Flügel einer Stubenfliege

Blende 22, 1/200 s, ISO 100, 90-mm-Makroobjektiv an Balgengerät, Systemblitzgerät mit Softbox

Rechts oben: Arm eines Tintenfisches Blende 9,5, 1/60 s, ISO 200, 50 mm, Systemblitzgerät mit Softbox

Rechts unten: Farnwedel Blende 5,6, 1/90 s, ISO 200, 90 mm, Tageslicht

Biene und Kleiner Fuchs

Blende 4,8, 1/500 s, ISO 400, 150 mm

01 Grundlagen

Das Interesse der Fotografen für die Makrofotografie hat oft unterschiedliche Gründe. Das kann vom »Einfach nur schöne Bilder machen« über wissenschaftliches Interesse bis hin zur künstlerischen Fotografie gehen.

Was für alle gleich bleibt, sind die technischen und optischen Grundlagen. Sie sind, wenn man sie beherrscht, der Schlüssel zum Erfolg. Dabei geht es nicht nur darum, technisch perfekte Bilder zu erhalten, sondern das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen ist auch ein wichtiges Gestaltungsmittel bei der Komposition der eigenen Bilder.

Für mich persönlich ist die Neugier der Hauptgrund, mich mit der Makrofotografie zu beschäftigen. Dinge zu entdecken, die mit bloßem Auge nicht sichtbar, aber dennoch vorhanden sind. Einen Blick in parallel zu unserer eigenen Wirklichkeit existierende Welten zu werfen.

Und natürlich der Wunsch, das gerade Entdeckte in möglichst ästhetischer Form wiederzugeben.

Die Grundlagen in der Theorie

Um nicht nur durch Zufall zu ansprechenden Ergebnissen zu kommen, sollte man sich zuerst mit einigen grundlegenden Dingen vertraut machen und lernen, sie gezielt zur Bildgestaltung einzusetzen. Werfen wir also zunächst einen Blick auf die Begriffe, denen man in der Makrofotografie immer wieder begegnen wird.

Abbildungsmaßstab

Der Abbildungsmaßstab beschreibt das Verhältnis der Größe eines Objektes zu seiner Größe als Abbildung auf dem Aufnahmeformat. Ein Abbildungsmaßstab von 1:1 ist dann erreicht, wenn das Motiv in seiner natürlichen Größe auf dem Film bzw. Sensor abgebildet ist. Das bedeutet: 1 cm in der Natur entspricht exakt 1 cm auf dem Aufnahmematerial, unabhängig von dem verwendeten Aufnahmeformat. Bei einem Abbildungsmaßstab von 2:1 wird das Objekt in doppelter natürlicher Größe abgebildet. Jetzt entsprechen demnach 0,5 cm in der Natur einem Zentimeter auf dem Aufnahmematerial. Hier würde ich ergänzen: Der Abbildungsmaßstab ist abhängig von der Brennweite des Objektivs und dem Motivabstand.

Aufnahmeformate

Kleinere Aufnahmeformate wie z. B. die 1/2,5“-Sensoren, wie sie in digitalen Kompaktkameras verbaut werden, erreichen im Vergleich zu den deutlich größeren Sensoren digitaler Spiegelreflexkameras oder gar dem Kleinbildfilm eine größere Schärfentiefe.

Das resultiert daraus, dass sich bei unterschiedlichen Aufnahmeformaten ein unterschiedlicher Abbildungsmaßstab ergibt, wenn man das Objekt formatfüllend abbildet. Je nach Abbildungsmaßstab ist auch die Schärfentiefe eine andere.

Der Abbildungsmaßstab ist völlig unabhängig vom Aufnahmeformat.

Um einen Käfer von 36 mm Länge formatfüllend auf einem 18 mm breiten Sensor abzubilden, ist ein Abbildungsmaßstab von 1:2 erforderlich. Daraus resultiert bei Blende 8 eine Schärfentiefe von 2,4 mm. Um denselben Käfer formatfüllend auf den Sensor einer Vollformatkamera (36 mm) zu bekommen, ist jetzt schon ein Abbildungsmaßstab von 1:1 nötig, mit einer entsprechend geringeren Schärfentiefe. Hier sind es, ebenfalls bei Blende 8, nur noch 0,96 mm. Eine digitale Spiegelreflexkamera mit einem möglichst großen Sensor ist daher nicht immer das Optimum, manchmal kann auch eine kleine Kompaktkamera die richtige Wahl für ein bestimmtes Motiv sein.

Zerstreuungskreise

Wird ein Objekt scharf gestellt, werden diejenigen Punkte des Motivs auch als Punkte auf dem Sensor abgebildet, die exakt auf der Fokusebene liegen. Alle anderen Punkte des Motivs werden nicht punktförmig, sondern als mehr oder weniger große Scheibe, der sogenannte Zerstreuungskreis, dargestellt. Unser Sehvermögen nimmt aber diese zunehmend größer werdenden Scheibchen bis zu einem gewissen Grad noch als punktförmig und daher scharf wahr. Überschreitet die Größe des Zerstreuungskreises einen bestimmten Wert, werden die Bildpunkte von uns als unscharf interpretiert. Die Größe der maximal zulässigen Zerstreuungskreise hängt von der Größe des Aufnahmeformats ab.

Die Form der Zerstreuungskreise wird von der Anzahl der Lamellen und dem Aufbau der Blende bestimmt. Hier sind es sechs Blendenlamellen.

Bokeh

Die Form der Zerstreuungskreise hat zwar keinen Einfluss auf die Schärfentiefe, aber dennoch auf die Ästhetik der Aufnahme. Ihre Form wird von der Blendenform und der Anzahl der Blendenlamellen bestimmt. Bei vielen Objektiven sind sie sechs- oder achteckig, oder wie zum Beispiel bei Spiegelteleobjektiven ringförmig. Im Idealfall sind sie kreisrund. Diese eher subjektive Qualitätseinschätzung wird als Bokeh bezeichnet und bestimmt die Art des Übergangs zwischen den scharfen und den unscharfen Bereichen in einer Aufnahme. Das Bokeh ist für viele mittlerweile auch ein Maßstab für die Abbildungsgüte eines Objektivs.

Je weiter die Blende geöffnet ist, umso kleiner ist der durch die Größe der Zerstreuungskreise bestimmte wahrnehmbare Schärfentiefebereich. offene Blende – geringe Schärfentiefe geschlossene Blende – große Schärfentiefe

Förderliche Blende und Beugungsunschärfe

Da die Schärfentiefe mit zunehmendem Abbildungsmaßstab auf wenige oder gar Bruchteile von Millimetern zusammenschrumpfen kann, ist man verständlicherweise versucht, dieses Problem durch Abblenden bis zum technisch Machbaren auszugleichen. Bis zu einem gewissen Punkt ist das auch sinnvoll. Überschreitet man diese förderliche Blende genannte Grenze, kommt es zu einem allgemeinen Schärfeverlust, der durch die Ablenkung des Lichts an den Blendenlamellen hervorgerufen wird.

Dieser Beugungsunschärfe genannte Effekt ist zwar auch bei offener Blende vorhanden, nur fällt er dabei nicht sonderlich ins Gewicht, denn der überwiegende Teil des Lichts kann die sehr große Blendenöffnung geradlinig passieren.

Als Anhaltspunkt kann man bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 von einer förderlichen Blende von 22 ausgehen. In der Praxis wird man diese Blende aber eher selten erreichen, da hierbei die Belichtungszeiten sehr lang werden. Begibt man sich weiter in den Makrokosmos, sieht es schon etwas anders aus. Bei einem Abbildungsmaßstab von 2:1 ist Blende 16 die förderliche Blende, bei 5:1 sogar nur noch Blende 5,6.

50-mm-Makroobjektiv, Abbildungsmaßstab 1:3, Blende 5,6

Das kann in manchen Bereichen, beispielsweise der technischen Makrofotografie, schon zu Problemen führen. Hier stehen aber glücklicherweise besondere Aufnahmemethoden zur Verfügung, wie etwa das Focus-Stacking, bei dem ein durchgehend scharfes Bild aus mehreren Einzelaufnahmen mit unterschiedlichem Fokus zusammengesetzt wird.

Schärfentiefe in der Makrofotografie

Die Blende hat nicht nur direkten Einfluss auf die Belichtungszeit, sondern zusammen mit dem Abbildungsmaßstab auch auf den Grad der erreichbaren Schärfentiefe, also die Bereiche der Aufnahme, die wir bei der Betrachtung des Bildes noch als scharf wahrnehmen (Zerstreuungskreise).

105-mm-Makroobjektiv, Abbildungsmaßstab 1:3, Blende 5,6

Möchte man bei einer Aufnahme ein großes Maß an Schärfentiefe erreichen, muss die Blende weiter geschlossen werden (größere Blendenzahl), ein Öffnen der Blende (kleinere Blendenzahl) führt zu einer knapperen Schärfentiefe. Beides, Schärfe und Unschärfe, sind wichtige Gestaltungsmittel. Viele Spiegelreflexkameras verfügen deshalb über eine Abblendtaste, mit der man die Schärfentiefe bei unterschiedlichen Blendeneinstellungen visuell überprüfen kann.

Auch die Brennweite des Objektivs beeinflusst normalerweise die Schärfentiefe, da je nach Brennweite auch der Abbildungsmaßstab ein anderer ist. Mit einem Weitwinkelobjektiv erreichen Sie eine größere Schärfentiefe als mit einem Teleobjektiv.

Das gilt so aber nur bei gleichbleibendem Aufnahmeabstand. Ist wie in der Makrofotografie der Abbildungsmaßstab das Maß der Dinge, hat die Brennweite bei gleichem Abbildungsmaßstab und gleicher Blende keinen Einfluss auf die Schärfentiefe.

Will man ein Motiv mit unterschiedlichen Brennweiten in der gleichen Größe abbilden, ist dazu ein anderer Aufnahmeabstand notwendig. Das gleicht im Makrobereich den Einfluss der Brennweite komplett aus.

Anders bei gleichem Aufnahmeabstand, hier ändert sich die Schärfentiefe mit unterschiedlichen Brennweiten, aber auch das Bildfeld und der Abbildungsmaßstab verändern sich, d. h., ein anderer Bildausschnitt wird abgebildet, und das Motiv ist je nach Brennweite größer oder kleiner auf dem Sensor zu sehen.

150-mm-Makroobjektiv, Abbildungsmaßstab 1:3, Blende 5,6.

Die Schärfentiefe ist in allen drei Fällen gleich, denn im Makrobereich wird bei gleichem Abbildungsmaßstab der Einfluss der Brennweite auf die Schärfentiefe durch einen anderen Aufnahmeabstand wieder ausgeglichen. Aber bei den längeren Brennweiten ist aufgrund des unterschiedlichen Bildwinkels ein deutlich kleinerer Ausschnitt des Hintergrundes sichtbar.

Blende, Belichtungszeit und ISO

Das Verhältnis von Blendenwert zu Blendenwert ändert sich um den Faktor von etwa 1,41. Aus Blende 2,8 wird also im nächsten Schritt Blende 4, dann Blende 5,6, Blende 8 usw. Schließt man die Blende um einen ganzen Wert, ist die doppelte Lichtmenge notwendig, um dieselbe Belichtung zu erreichen. Oder anders gesagt: Wird die Blende um einen Wert geschlossen, hat das eine längere Belichtungszeit zur Folge, denn die gleiche Menge an Licht benötigt jetzt die doppelte Zeit, um die kleinere Blendenöffnung zu passieren.

Blende 5,6, 1/250 s bei 300 mm

Erschwerend kommt in der Makrofotografie hinzu, dass auch mit der Verlängerung des Auszugs, also je weiter Sie in den Makrobereich vordringen, ein zusätzlicher Lichtverlust einhergeht (Verlängerungsfaktor). Sie können das gut selbst beobachten, indem Sie die Kamera auf Zeitautomatik stellen und bei gleichbleibender Blende ein Objekt aus unterschiedlichen Entfernungen im Nahbereich fokussieren. Die im Sucher angezeigte Belichtungszeit ändert sich. Sie wird umso länger, je näher Sie dem Objekt kommen.

Blende 9,5, 1/90 s bei 300 mm

Da im Makrobereich die äußerst geringe Schärfentiefe noch zusätzlich ein Abblenden erfordert, muss der durch Abblenden und Verlängerungsfaktor verursachte Lichtverlust durch Belichtungszeiten kompensiert werden, die eine verwacklungsfreie Aufnahme aus der freien Hand nicht mehr zulassen.

Um wieder zu akzeptablen Zeiten zurückzukehren, muss man die Lichtverhältnisse ändern, also für mehr Licht sorgen. Hier kommen Aufheller in Form von Reflektoren zum Einsatz, aber auch weitere Lichtquellen wie Blitzgeräte oder LED-Leuchten.

Blende 19, 1/15 s bei 300 mm. Durch das Schließen der Blende vergrößert sich zwar die Schärfentiefe, dafür verändern sich die Belichtungszeiten aber deutlich.

Alternativ kann man die Lichtempfindlichkeit durch Veränderung des ISO-Wertes erhöhen, was aber ab einem gewissen Punkt mit einer Verschlechterung der Bildqualität einhergeht. Das Bild wird grobkörniger bzw. zeigt mehr Rauschen. Bei modernen Spiegelreflexkameras, insbesonders bei Kameras mit einem Vollformatsensor, lassen sich aber mittlerweile ISO-Werte nutzen, die bis vor einigen Jahren undenkbar waren. So liefern aktuelle Kameras, je nach Modell, auch noch bei ISO 800 oder ISO 1.600 fast rauschfreie Bilder. Neben der Auflösung der Kameras ist somit die Lichtempfindlichkeit einer der größten Fortschritte, die die Kameratechnik aus Sicht der Makrofotografie in den letzten Jahren gemacht hat.

Schlussendlich kann man die Kamera natürlich auch auf ein Stativ setzen und mit einer längeren Belichtungszeit arbeiten oder ein Objektiv bzw. eine Kamera mit Bildstabilisator einsetzen. Beides setzt aber ein sehr ruhiges Motiv voraus, da ansonsten die Gefahr besteht, dass es zu Bewegungsunschärfen kommt.

Die Grundlagen in Zahlen

Die Theorie hat selbstverständlich auch ihre Auswirkungen auf die praktische Seite der Makrofotografie. Das fängt bei der Wahl der passenden Kamera an und hört bei der Bildgestaltung noch lange nicht auf.

Keine Sorge, es wird wahrscheinlich niemals der Fall eintreten, in dem Sie ein Objekt in einem bestimmten Abbildungsmaßstab fotografieren müssen. Aber schon bei der Schärfentiefe fängt es an, für die eigene Arbeit interessant zu werden.

In der Regel fotografiert man aus dem Bauch heraus und kümmert sich bei der Aufnahme um die Komposition des Bildes, um das notwendige Licht oder darum, die Fluchtdistanz nicht zu unterschreiten. Aber genau deshalb ist es wichtig, die grundlegenden Regeln der Makrofotografie zu beherrschen. nämlich um sich den Rücken freizuhalten und routiniert die richtigen Entscheidungen vor Ort zu treffen.

Was aber nicht bedeutet, dass man als Einsteiger nicht spontan drauflosfotografieren darf. Denn erstens sollte die Fotografie auch Spaß machen, und zweitens sind Zufallstreffer oft der Auslöser, sich mit der Entstehung des Bildes näher zu beschäftigen. Dann schaut man doch mal in die Exif-Daten, um herauszufinden, mit welchen Einstellungen an der Kamera dieses Ergebnis reproduzierbar wäre.

Auf den folgenden Seiten finden Sie einige Formeln und Tabellen, die beim theoretischen Umgang mit der Fotografie nützlich sein können, aber auch einen gewissen Praxiswert haben. Zeigen sie doch, dass alle unterschiedlichen Faktoren zusammenhängen und ein gemeinsames Ganzes bilden.

Onlinerechner und Apps

Wer nicht gerne den Taschenrechner benutzen möchte, um den einen oder anderen benötigten Wert zu berechnen, kann auch im Internet oder dem App-Store fündig werden. Interaktive Rechner für Schärfentiefe, Abbildungsmaßstab bei Nahlinsen, Zerstreuungskreise usw. findet man beispielsweise unter:http://www.elmar-baumann.de/fotografie/rechner/index.htmlhttp://www.erik-krause.de/schaerfe.htm

Abbildungsmaßstab berechnen

Der Abbildungsmaßstab einer Aufnahme lässt sich mit der folgenden Formel berechnen:

Gesamtleitzahl mehrerer Blitzgeräte ermitteln

Will man beispielsweise mehrere Blitzgeräte einsetzen, um mehr Schärfentiefe zu erreichen, kann man die Gesamtleitzahl aller Blitzgeräte ausrechnen.

Beispiel: Statt eines einzigen kleinen Blitzgerätes mit Leitzahl 12 bei ISO 100 und 35 mm Brennweite möchte man vier identische Blitzgeräte gleichzeitig verwenden oder alternativ bei einer Langzeitbelichtung viermal hintereinander aus derselben Entfernung blitzen.

Daraus ergibt sich eine Gesamtleitzahl von 24. Das sieht nach einer recht ordentlichen Steigerung der Lichtleistung aus, bedeutet aber nur einen Gewinn von zwei Blendenstufen, etwa von Blende 8 auf Blende 16. Der Gewinn an Schärfentiefe ist dann wiederum vom erreichten Abbildungsmaßstab abhängig.

Die förderliche Blende bei unterschiedlichen Abbildungsmaßstäben

Abbildungsmaßstab

förderliche Blende

1:2

32

1:1

22

2:1

16

3:1

11

4:1

8

5:1

5.6

Abblenden über die förderliche Blende hinaus führt zu einem Schärfeverlust durch die Beugungsunschärfe, hervorgerufen durch die Ablenkung des Lichts an den Blendenlamellen.

Das Verhältnis zwischen Blende, Zeit, ISO und Beleuchtung

Durch die Änderungen von Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert lassen sich Fotografien vielfältig gestalten. Manchmal ist es aber auch wichtig, beispielsweise die Belichtungszeit möglichst kurz zu halten, um Bewegungsunschärfen zu vermeiden, aber trotzdem abzublenden, um genügend Schärfentiefe zu erhalten. Die nachfolgenden Tabellen sollen zeigen, wie ISO-Werte, Blendenöffnung und Belichtungszeit miteinander verbunden sind bzw. welchen Kompromiss man notfalls eingehen muss, um zu einer ansprechenden Aufnahme zu gelangen.

Blende – Zeit – ISO bei gleichbleibender Beleuchtung

Blende

Blende 2,8

Blende 4

Blende 5,6

Blende 8

Blende 11

 

 

 

 

 

 

ISO 1.600

1/8.000 s

1/4.000 s

1/2.000 s

1/1.000 s

1/500 s

ISO 800

1/4.000 s

1/2.000 s

1/1.000 s

1/500 s

1/250 s

ISO 400

1/2.000 s

1/1.000 s

1/500 s

1/250 s

1/125 s

ISO 200

1/1.000 s

1/500 s

1/250 s

1/125 s

1/60 s

ISO 100

1/500 s

1/250 s

1/125 s

1/60 s

1/30 s

kurze Belichtungszeiteingefrorene Bewegung

lange BelichtungszeitBewegungsunschärfe

niedriger ISO-Wertwenig Rauschen

hoher ISO-Werthohes Rauschen

offene Blendegeringe Schärfentiefe

geschlossene Blendegroße Schärfentiefe

Beispiel: Angenommen, es ist bei gegebenem Aufnahmeabstand und gegebener Brennweite eine Belichtungszeit von 1/500 s erforderlich, um ein sich schnell bewegendes Objekt scharf abzubilden, um die hier erforderliche Schärfentiefe zu erzielen, Blende 11. Zeigt der interne Belichtungsmesser eine Belichtungszeit von 1/500 s bei ISO 100 und Blende 4 an, muss der ISO-Wert, um die Belichtungszeit beizubehalten, um 3 Lichtwertstufen (LW) auf ISO 800 erhöht werden, damit die Blende um 3 LW auf den Wert 11 geschlossen werden kann. Dadurch muss man aber ein stärkeres Bildrauschen in Kauf nehmen. Möchte man diesen Kompromiss nicht eingehen, muss man die Beleuchtung verändern, zum Beispiel durch den Einsatz eines Blitzgerätes.

Schärfentiefe bei unterschiedlichen Aufnahmeabständen, Brennweiten und Abbildungsmaßstäben

In der Makrofotografie kann bei unterschiedlicher Brennweite und konstanter Blende dieselbe Schärfentiefe erzielt werden, indem der Aufnahmeabstand geändert wird, sodass das Bildfeld erhalten bleibt. Bei unverändertem Aufnahmeabstand führt eine Änderung der Brennweite dazu, dass sich sowohl Bildfeld und Abbildungsmaßstab als auch die Schärfentiefe ändern.

Vergleich Brennweite – Schärfentiefe – Aufnahmeabstand (Werte gerundet)

Brennweite

Blende

Schärfentiefe

Aufnahmeabstand

Abbildungsmaßstab

Bildfeld

150 mm

8

5,8 mm

80 cm

1:3

10,8 x 7,2 cm

100 mm

8

5,8 mm

53 cm

1:3

10,8 x 7,2 cm

50 mm

8

5,8 mm

27 cm

1:3

10,8 x 7,2 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

150 mm

8

1,0 mm

60 cm

1:1

3,6 x 2,4 cm

100 mm

8

8,3 mm

60 cm

1:4

13,3 x 8,8 cm

50 mm

8

51 mm

60 cm

1:10

36 x 24 cm

Schärfentiefetabelle für Spiegelreflexkameras mit Vollformat (Werte gerundet)

Abbildungsmaßstab

Blende 2,8

Blende 4

Blende 8

Blende 16

Blende 22

1:4

3,7 mm

5,3 mm

10,7 mm

21,3 mm

29,4 mm

1:3

2,3 mm

3,3 mm

6,5 mm

13,0 mm

17,9 mm

1:2

1,1 mm

1,6 mm

3,2 mm

6,4 mm

8,8 mm

1:1

0,4 mm

0,5 mm

1,1 mm

2,1 mm

2,9 mm

2:1

0,1 mm

0,2 mm

0,4 mm

0,8 mm

1,1 mm

4:1

0,06 mm

0,08 mm

0,2 mm

0,3 mm

0,5 mm

Mit zunehmend größerem Abbildungsmaßstab schrumpft die Schärfentiefe auf Werte, die teilweise nur noch den Bruchteil eines Millimeters ausmachen. Hier ist es nur noch mit speziellen Techniken wie dem Focus-Stacking möglich, zu durchgehend scharfen Aufnahmen zu gelangen. Eine Anleitung dazu finden Sie weiter hinten in diesem Buch.

In tiefsten Tiefen

Und wie weit kann man nun hinabtauchen in die Welt der Makrofotografie? Welche Ergebnisse erreicht man mit welcher Ausrüstung?

Mit einem echten Makroobjektiv an einer Spiegelreflexkamera kommt man ohne weitere optische Hilfsmittel bis zu einem Abbildungsmaßstab 1:1 und dabei zu qualitativ sehr hochwertigen Aufnahmen. Ebenso lassen sich Makroobjektive auch auf unendlich fokussieren und eignen sich daher auch für herkömmliche Motive wie Landschaften. Makroaufnahmen mit einem größeren Abbildungsmaßstab als 1:1 sind in vernünftiger Qualität nur noch mit einer Spiegelreflexkamera und speziellem Zubehör möglich.

Kompaktkameras und Bridgekameras haben auch meistens eine Makrofunktion. Diese ist aber von Modell zu Modell sehr unterschiedlich ausgelegt, sodass man hier nur einen groben Anhaltswert geben kann. Der Abbildungsmaßstab liegt etwa zwischen 1:3 und 1:2. Je nach Kamera gibt es aber auch hier einige Möglichkeiten, bis 1:1 und weiter zu kommen. Dazu später mehr.

Wie auf den Beispielaufnahmen gut zu erkennen ist, reduziert sich die Schärfentiefe deutlich mit zunehmendem Abbildungsmaßstab. Bei manchen Brennweiten in Kombination mit einem Balgengerät kommt auch eine weitere Schwierigkeit hinzu, nämlich die Beleuchtung. Hier ist das Objektiv so nah am Objekt, dass eine vernünftige Lichtführung schwierig wird.

Standard-Zoomobjektiv mit Makroeinstellung bei 70 mm. Je nach Nahgrenze bzw. Makrofunktion des Objektivs kann die zu erreichende Abbildungsgröße variieren.

Standard-Zoomobjektiv mit Makroeinstellung bei 70 mm, Nahlinse +2 Dioptrien. Nahlinsen sind eine kostengünstige Möglichkeit, etwas weiter in den Makrobereich vorzudringen.

50-mm-Objektiv mit 12-mm-Zwischenring. Der Hintergrund ist dank Blende 16 noch scharf zu erkennen. Hier ist auch für viele Kompaktkameras mit Makromodus Schluss.

Standard-Zoomobjektiv mit Makroeinstellung bei 70 mm, Nahlinse +10 Dioptrien. Auch hier Blende 16, die Schärfentiefe nimmt mit größerem Abbildungsmaßstab deutlich ab.

Mit einem Makroobjektiv, hier mit einer Brennweite von 105 mm, erreicht man einen Abbildungsmaßstab von 1:1.

Mit einem 2-fach-Konverter wird das 50-mm-Makroobjektiv zu einem 100-mm-Objektiv mit einem Abbildungsmaßstab von 2:1.

Ein 90-mm-Makroobjektiv an einem Balgengerät mit maximalem Auszug von 150 mm bringt uns zu einem Abbildungsmaßstab von 2,7:1.

35-mm-Objektiv in Retrostellung am Balgengerät, maximaler Auszug, Abbildungsmaßstab 5:1. Hier ist für den normalen Makrofotografen Schluss, mehr geht nur mit speziellen Lupenobjektiven.

Eidechse an einer Gartenmauer

Blende 7, 1/160 s, ISO 400, 60 mm

02 Ausrüstung

Gibt es die ideale Allroundkamera für die Makrofotografie, das ultimative Makroobjektiv? Nein, die Anforderungen an die unterschiedlichen Motive sind viel zu verschieden. Und auch die persönlichen Vorlieben des Fotografen spielen eine große Rolle.

Auch ich habe ein paar Lieblingsobjektive, die ich nie mehr missen möchte. Da ist einmal das AF Nikkor 28-105 mm 1:3,5-4,5 D. Die Aufnahme der Eidechse auf dieser Doppelseite ist damit entstanden. Das Objektiv ist schon ein älteres Semester, aber es bietet einen Abbildungsmaßstab bis 1:2 von 50 bis 105 mm und eine gute Schärfe.

Für Nah- und Makroaufnahmen im Studio bevorzuge ich das 60-mm-Micro-Nikkor von Nikon. Aufnahmeabstand, Schärfe, Abbildungsleistung und ein cremiges Bokeh, hier stimmt – für mich – einfach alles.

In der freien Natur ist oft ein Sigma 180 mm Telemakro meine Wahl. Zusammen mit einem passenden Telekonverter kann ich auch weiter entfernte Motive gut erreichen.

Insgesamt ist mein Fotorucksack also verhältnismäßig leer. Das gibt mir die Möglichkeit, gezielt und ohne großen Ballast unterwegs zu sein und mich unbeschwert auf die Aufnahmen zu konzentrieren. Die Befürchtung, ich könnte ein Motiv verpassen, weil ich nicht das richtige Objektiv dabeihabe, kenne ich glücklicherweise nicht.

Kameras für die Makrofotografie

Neben Auflösung, Kaufpreis und Naheinstellgrenze kommt es bei der Wahl der richtigen Kamera auch auf persönliche Vorlieben an, genauer gesagt, die Kamera muss zum Fotografen passen. Denn auch die Ergonomie hat indirekt einen nicht geringen Einfluss auf die Qualität Ihrer Bilder. Zu kleine, unübersichtliche Bedienelemente oder eine manuelle Steuerung, die nur über mehrere Untermenüs zu erreichen ist, sind nicht nur ärgerlich, sondern schränken auch die Gestaltungsmöglichkeiten ein. Deshalb ist es vor dem Kauf besonders wichtig, die Kamera der Wahl im Fachgeschäft, bei Freunden, Bekannten oder auf einer Messe einmal in die Hand zu nehmen und ausgiebig zu testen.

Wer schon eine Kamera besitzt, findet hier einen Anhaltspunkt, wie weit man mit dem bestehenden System in den Makrobereich vordringen kann und mit welchem Zubehör sich die Makrofähigkeit deutlich steigern lässt.

Smartphones und Tablet-PCs mit integrierter Kamera

Auch wenn die Auflösung von Handykameras immer neue Rekorde bricht, für die Makrofotografie sind sie nicht geeignet. Das Gleiche gilt für die in vielen Tablet-PCs eingebauten Kameras. Es gibt zwar im Zubehörhandel spezielle Makroaufsätze, die eine bessere Naheinstellgrenze versprechen, sie sind aber in den meisten Fällen nur dafür geeignet, um im Eiscafé mal die Dekoration des Eisbechers zu knipsen.

Vorteil:

immer mit dabei

Nachteil:

für die Makrofotografie zu viele Einschränkungen

Resümee:

Für die Makrofotografie nicht geeignet. Da die technische Entwicklung aber rasant fortschreitet, ist nicht auszuschließen, dass sich da noch etwas tut.

Kompaktkameras

Digitale Kompaktkameras gibt es mittlerweile in allen Preisklassen, vom einfachen Einsteigermodell bis hin zur edlen Lifestylekamera im Retrolook. Bei Auflösungen von 12 Megapixeln aufwärts muss man sich um die Bildqualität nicht viel Sorgen machen, gute Lichtverhältnisse vorausgesetzt. Wird es aber etwas dämmriger, fangen viele Kompakte schon ab ISO 400 an, unangenehm zu rauschen.

Kompaktkameras gibt es von der günstigen Einsteigerkamera ...

Die gängigen digitalen Kompaktkameras bieten meist einen guten Makromodus, der als Mindestabstand vom Objekt angegeben wird. Die auf den ersten Blick verführerische Angabe »Makro bis 1 cm« ist aber fast immer nur im Weitwinkelbereich möglich. Damit ist ein maximaler Abbildungsmaßstab von etwa 1:2 erreichbar. Bei solchen Aufnahmeabständen ist an eine motivgerechte Lichtführung gar nicht mehr zu denken. Man steht sich oft nur selbst im Licht.

... bis zur edlen Premium-Kompakten mit Festbrennweite.

Foto: Fujifilm

Die meisten Kompaktkameras bieten heute eine Monitorgröße von 2,5 bis 3,5 Zoll, also 6,3 bis 8,9 mm. Mit diesen Maßen wird die Bildschirmdiagonale angegeben. Ist der Monitor schwenkbar, werden auch Aufnahmen in Bodennähe oder aus der Froschperspektive möglich.

Da der Monitor aber die einzige Möglichkeit ist, das Bild vor der Aufnahme zu kontrollieren, ist man auf einigermaßen vernünftige Lichtverhältnisse angewiesen. Bei hellem Sonnenlicht ist es dann oft aus mit der Bildkontrolle. Abhilfe kann ein Lichtschacht aus schwarzem Karton bringen, den man einfach auf den Monitor aufsetzt.

Die manuelle Scharfstellung ist bei vielen dieser Kameras ein Schwachpunkt, sie erfolgt oft über einen Wippschalter. Ein feinfühliges Platzieren der Schärfe auf einen bestimmten Punkt ist damit nur eingeschränkt möglich.

Vorteil:

kompakt und handlich

Nachteile:

im Makrobereich umständliche Bedienung

schlecht erweiterbar

Resümee:

Ohne Frage, tolle Kameras, aber wegen der eingeschränkten Makrofähigkeit eher nur im Nahbereich sinnvoll einsetzbar. Für Aufnahmen von größeren Blüten, Pilzen und Ähnlichem sind sie je nach Modell gut bis sehr gut geeignet.

Kompaktkameras eignen sich gut für die Nahfotografie, für die Makrofotografie sind sie eher weniger geeignet.

Bridgekameras

Eigentlich ein »Rundum-glücklich-Paket« für die Makrofotografie. Das Bedienungskonzept ist dem einer Spiegelreflexkamera sehr ähnlich, daher werden diese Kameras auch immer beliebter. Das liegt aber auch an der oft opulenten Ausstattung mit klappbarem Sucher, riesigem Zoombereich, Bildstabilisator und vielem mehr zu einem Preis, für den man nicht einmal ein einzelnes Makroobjektiv bekommt.

Bridgekameras haben meist einen recht guten Makromodus. Wer tiefer in die Welt der Makrofotografie einsteigen möchte, muss zusätzlich Nahlinsen einsetzen.

Die Makrofähigkeit liegt ohne weitere Hilfsmittel je nach Modell zwischen 1:4 und 1:2. Das macht besonders die Kameras mit Bildstabilisator und großem Zoombereich zum idealen Werkzeug, um Insekten, etwa in der Größe von Schmetterlingen, zu fotografieren. Will man näher heran, kommen als Hilfsmittel nur Nahlinsen infrage, da sich bei Bridgekameras die Objektive nicht wechseln lassen. Damit lassen sich Abbildungsmaßstäbe bis etwa 1:1 erreichen, teilweise sogar etwas darüber. Mit einem in Retrostellung per Kupplungsadapter vor dem Objektiv der Bridgekamera befestigten Weitwinkel oder Normalobjektiv können sogar 2:1 und mehr realisiert werden.

Beim Kauf sollte man neben der Naheinstellgrenze auch darauf achten, wie gut sich der manuelle Fokus bedienen lässt. Ein manueller Fokusring ist wesentlich einfacher und exakter zu bedienen als ein Wippschalter. Auch eine Anschlussmöglichkeit für ein Blitzgerät sollte vorhanden sein. Ein normaler Blitzschuh ist dabei aber völlig ausreichend. Entfesselte Blitzgeräte kann man dann über einen passenden Adapter anschließen.

Kreuzspinne im Garten. Maximale Abbildungsgröße einer Fuji-HS10-Bridgekamera im Supermakromodus.

Vorteile:

großer Zoombereich

ausklappbarer und drehbarer Monitor

meistens mit integriertem Bildstabilisator

Nachteile:

digitaler Sucher

makrorelevante Bedienung manchmal etwas umständlich

Auslöseverzögerung

Resümee:

Wegen ihrem großen Zoombereich, verbunden mit einem Bildstabilisator, sind Bridgekameras ideal für die Aufnahmen von größeren Insekten wie Libellen und Schmetterlingen.

Ameise auf Löwenzahnblüte. Mit einer Nahlinse +1 Dioptrie kommt man dem Makrobereich noch etwas näher.

Spiegellose Systemkameras

Die Flexibilität einer Spiegelreflexkamera wird durch die spiegellosen Systemkameras nicht ganz erreicht, was aber hauptsächlich daran liegt, dass diese Kameragattung noch nicht so lange auf dem Markt verfügbar ist und man daher nicht auf eine solche Vielzahl an Objektiven und Zubehör von Drittherstellern zurückgreifen kann.

Das Beste aus zwei Welten. Spiegellose Systemkameras verbinden viele Vorteile unterschiedlicher Kamerasysteme. Foto: Olympus

Die Vorteile für die Makrofotografie liegen vor allem im geringen Gewicht und den kompakten Maßen, die Kamera und Objektive gleichermaßen betreffen. Weitere Pluspunkte sind die Möglichkeit, auf echte Makroobjektive zurückgreifen zu können, und die Tatsache, dass durch den fehlenden Spiegel keine Erschütterungen durch einen Spiegelschlag die Aufnahmequalität beeinträchtigen können.

Besonders Freunde elektronischer Unterstützung werden hier auf ihre Kosten kommen: QR-Code-Verbindung, Wi-Fi-Funktion, Wasserwaage, einblendbare Hilfslinien für die Bildgestaltung und elektronische Sucherlupe bei Makroaufnahmen, umfangreiche Videofunktionen, integrierter Bildstabilisator und vieles mehr.

Die erreichbare Bildqualität der verbauten Micro-Four-Thirds-oder APS-C-Sensoren liegt auf hohem bis sehr hohem Niveau. Sie erreicht zwar nicht die Güte einer Vollformatkamera, zieht aber mit Spiegelreflexkameras mit Halbformatsensor gleich.

Vorteile:

Wechselobjektive

geringes Gewicht im Vergleich zu Spiegelreflexkameras

ausklappbarer und dreh- und schwenkbarer Monitor

oft mit integriertem Bildstabilisator

keine Erschütterungen durch Spiegelschlag

Nachteile:

digitaler Sucher

noch relativ begrenzte Auswahl an Zubehör von Drittherstellern

Resümee:

Zwischen Bridgekamera und DSLR angesiedelt, können die spiegellosen Systemkameras in vielen Bereichen punkten und sind eine ernst zu nehmende Alternative in der Makrofotografie.

Dank der Möglichkeit, unterschiedliche Objektive zu verwenden, können spiegellose Systemkameras weit in den Makrobereich vordringen.

Foto: Olympus

Fuji S5 Pro mit Sigma 180 mm 1:3,5 D APO Macro. Durch die 1,5-fache scheinbare Brennweitenverlängerung wird aus dem 180-mm-Objektiv ein 270-mm-Teleobjektiv.

Spiegelreflexkameras mit Halbformatsensor

Kein anderes Kamerasystem bietet so vielseitige Möglichkeiten im Makrobereich wie die Spiegelreflexkamera. Wer hohe Ansprüche an Bildqualität, Bedien- und Erweiterbarkeit hat bzw. über den Abbildungsmaßstab von 1:1 hinausgehen möchte, kommt an ihnen kaum vorbei. Gerade im Makrobereich kann man hier auf eine Vielzahl von individuellen Lösungen für so gut wie jedes fotografische Problem zurückgreifen – angefangen von Makroobjektiven bis hin zu ausgefeilten Blitzsteuerungsmöglichkeiten. Diese Flexibilität hat allerdings auch ihren Preis, denn jedes Zubehörteil, ob Objektiv, Winkelsucher oder Balgengerät, muss separat erworben und natürlich auch später transportiert werden.

Das im Vergleich zum Kleinbildfilm etwas kleinere Aufnahmeformat ergibt eine 1,5- oder 1,6-fache scheinbare Brennweitenverlängerung, die man korrekter als Formatfaktor bezeichnet. Der kleinere Sensor erfasst einen engeren Bildwinkel, was einem Teleeffekt gleichkommt. So hat z. B. ein 150-mm-Objektiv bei einem DX- oder APS-C-Format-Sensor denselben Teleeffekt wie ein 225-mm-Objektiv an einer Kleinbild- oder Vollformatkamera. Auf den erreichbaren Abbildungsmaßstab hat das aber keinen Einfluss.

Wildbiene. Dank der Brennweitenverlängerung bleibt man auch mit mittleren Teleobjektiven außerhalb der Fluchtdistanz scheuer Tiere.