Katzenminze & Co. - Marie Haberland - ebook

Katzenminze & Co. ebook

Marie Haberland

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Opis

Eigentlich heißt Herr Reineke gar nicht Herr Reineke, sondern Herr Schmitt. Doch wie kam er zu seinem Namen? Was haben Goethe und Brockhaus miteinander zu schaffen und weshalb ist Hilda beim Einkaufen immer ein ganz besonderer Blickfang? Antworten auf diese und andere Fragen liefert Marie Haberland in ihrer kunterbunten und spitzfindigen Kurzgeschichtensammlung. Mit ihrer feinen Beobachtungsgabe regt sie zum Nachdenken an, beflügelt Ihre Fantasie und erheitert zuweilen auch vom Alltagsstress vereinnahmte Gemüter. Gönnen Sie sich eine kleine Auszeit, lehnen Sie sich zurück und schicken Sie Ihre Gedanken auf Reisen.

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EPUB
MOBI

Liczba stron: 61




Inhaltsverzeichnis

Impressum

Einleitung

Vorwort

Der Geheimrat und Herr Brockhaus

Herr Reineke

Die Linken und die Rechten

Die Türglocke

„Katzenminze“ oder „Wie kam das Klo aufs Dach“

Der Scanner

„Wolkenschiffe“ oder „Der Weg des Wassers“

Tanz der Wellen

Frau Claras Neffe und das Roll-man-toll

Stummerleider

Alles paletti

Mirakel, Mirakel

Die Schnapsdrossel

Ein unmöglicher Geburtstag

Hildas Kittelschürzen

„Septemberkraut“ oder „Der verrückte Kater“

Der Aalfänger

Träume sind Schäume

Ei, was blinkt denn da?

Kochlöffel versus Pfanne

Danksagung

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2019 novum Verlag

ISBN Printausgabe: 978-3-95840-821-0

ISBN e-book: 978-3-95840-822-7

Lektorat: Silvia Zwettler

Umschlagfoto: Marie Haberland

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum Verlag

Innenabbildungen: Marie Haberland

www.novumverlag.com

Einleitung

Fantasien sind Gedanken,

die uns in eine andere Welt entführen.

Sie möchten sich ausdrücken in Worten,

Taten oder Schrift und geben der Seele Nahrung.

Die Geschichten mögen ein Lächeln ins Gesicht zaubern,

der Seele guttun, das Gemüt freudig stimmen und

die Vorstellungskraft anregen.

Vorwort

Neulich las ich in einer Zeitschrift eine Geschichte über eine Dame, die in Gläsern Steine sammelte. Auf die Frage eines Reporters, warum sie dies täte, erklärte sie, dass in Zeiten, in denen es ihr nicht gut gegangen sei, sie gemerkt habe, dass es aber auch Dinge gab, für die sie dankbar sein konnte. Daher habe sie angefangen, für jedes, wofür sie dankbar war, einen Stein in ein Glas zu werfen. Als das Glas voll war, habe sie ein zweites angefangen und festgestellt, dass mit jedem Dankbarsein mehr Dinge und Situationen in ihr Leben kamen, wofür sie wiederum danken konnte.

Meine Beobachtungsgabe und mein Einfühlungsvermögen in die Stärken und Schwächen der Menschen und Bruchstücke von Ereignissen gaben mir Inspiration und ließen mich mit Fantasie daraus diese Geschichten weben.

Auch dafür kann ich Steinchen in Gläser werfen.

Alle Namen von Personen oder Orten sind frei erfunden und zum Teil auch die Geschichten.

Die farbigen Bilder entstammen der Idee der „Klecksbilder“, wie ich sie schon in der frühesten Schulzeit gestaltet habe.

Der Geheimrat und Herr Brockhaus

„Gestatten, Goethe“, sagte der Geheimrat und neigte sich ein wenig zur Seite.

„Brockhaus“, kam es kurz zurück.

„Eingebildeter Fatzke“, dachte der Geheimrat. „Nur weil er sich ein paar Dinge von mir einverleibt hat, braucht er nicht so arrogant zu tun“, und rückte ein klein wenig von ihm ab. Viel Platz blieb nicht; denn auf der anderen Seite, rechts neben ihm, hatte sich Clemens Kuby mit ein paar Bänden breitgemacht. Der gehörte zwar nicht hierhin, meinte aber aus seiner „anderen Dimension“ die Verbindung zu „Faust“ zu haben, und so hatte er sich dazugesellt. Neben Kuby standen Hermann Hesses „Glasperlenspiel“ und daneben „Fit for Life“ und verschiedene Ausgaben über den Jakobsweg.

Herr Brockhaus hatte schon viele und auch edle Bekanntschaften gemacht und sie in seinem Gedächtnis gespeichert. Von Kuby jedoch hatte er noch nie etwas gehört, oder? Im Augenblick wusste er nicht, ob er in seinem Inneren vorhanden sei oder ob man ihn dort vergeblich suchen würde.

Ja, und Goethe, mit dem hatte er doch schon von Anfang an Bekanntschaft gemacht, nur schien der Geheimrat das vergessen zu haben.

„Ja, ja, wenn die Leute in die Jahre kommen“, dachte Herr Brockhaus laut, „scheinen sie manches einfach zu vergessen.“

Er hatte das Glück, dass seine Zellen von Zeit zu Zeit einfach überprüft und gegebenenfalls erneuert wurden. So verjüngte er sich und alterte nicht.

„Was heißt vergessen?!“, konterte der Geheimrat. „Mich wird man ewig lesen, unverändert. Sie werden vielleicht irgendwann durch jemand anderen ersetzt. Man munkelt doch vom Worldwideweb, irgendsoein Drahtnetz ohne Draht. Aber mich kann man weder verjüngen noch erweitern oder kürzen. Ich bin, wie ich bin, und das ewig.“

Beleidigt drehte sich Herr Brockhaus zur anderen Seite, wo er gegen die „Handlesekunst“ stieß. „Vielleicht könnten wir ja mal hier nachfragen, was die Zukunft uns sagt.“

Die „Handlesekunst“ war gerade im Gespräch mit Steven King, und Herr Brockhaus hörte, wie sie sagte: „Nein, mit schmutzigen Händen arbeite ich nicht.“ Damit drehte sie sich um zu Herrn Brockhaus und meinte, für heute sei sie bedient, und verzog sich nach hinten ins Regal.

Über Chirologie, wie man die Handlesekunst nennt, wusste Herr Brockhaus einiges, traute der Sache aber nicht so recht, und so ließ er es dabei bewenden.

Der Geheimrat stieß ihn in die Seiten: „Mein Gott, was haben wir für eine Nachbarschaft. Hätten wir nichts Besseres verdient? Irgendwie scheine ich in die falsche Abteilung geraten zu sein“, sprach’s und stürzte sich hinunter auf den Boden in der Hoffnung, dass er später ins richtige Fach gestellt werden würde zwischen Schiller und Herder und Morgenstern und all die anderen gebildeten Leuten.

Herr Duden, den Goethe ein wenig gestreift hatte, bekam es mit der Angst zu tun und schaute nach oben, ob wohl noch jemand herunterspringen würde.

Die anderen schauten vorsichtig über den Rand und warteten auf ein Lamentieren des Geheimrates. Obwohl der sich eine Ecke angestoßen hatte, kam kein Laut. Der hoffte nur auf einen besseren Standplatz; denn bei diesem kunterbunten Sammelsurium wäre es an der Zeit, dass hier mal jemand gründlich aufräumen würde.

Herr Brockhaus blieb oben, denn er fürchtete, dass alle seine vielen Errungenschaften sich in einem Wirrwarr verirren und es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern könnte, bis alles wieder geordnet wäre.

Herr Reineke

Herr Reineke war unser Nachbar.

Eigentlich hieß er Schmitt, mit zwei „t“. Aber wir nannten ihn „Herr Reineke“, weil er jedem, der es wissen wollte oder nicht, seine Geschichte von Reineke, dem Fuchs, stets neu erzählte.

Von seiner Wohnung aus hatte er eine tolle Aussicht über das Städtchen auf der einen und über die Wiesen und Felder bis hin zum Wald auf der anderen Seite.

Er erzählte von den Rehen im Wald, den Mäusebussarden, die über den Wiesen rüttelten und Ausschau nach Mäusen hielten. Und deren gab’s viele in diesem Sommer; denn im Winter hatte es zwar reichlich Schnee gegeben, aber darunter war es warm gewesen, sodass viele Mäuse überlebt und sich reichlich vermehrt hatten.

Er sprach von den Lerchen, die hoch in die Luft stiegen und dabei ihr Lied trällerten, und immer wieder von Reineke, dem Fuchs, der jetzt über die abgemähten Wiesen schlich und seine Nase in die Mäuselöcher steckte.

Mal wäre der Fuchs sogar im Hühnerstall von der alten Berta gewesen und hätte ein Huhn mitgenommen. Es hätte ein fürchterliches Theater im Hühnerstall gegeben, aber die alte Berta konnte nicht so schnell hinterher.

Nun ja, so kam Herr Schmitt zu seinem Namen.

Einmal schenkte er uns ein Lesebuch, in dem die Geschichte von Reineke, dem Fuchs, stand.

Wir haben es der Betti gegeben, die im zweiten Schuljahr war; denn wir waren für so „Kindergeschichten“ nun wirklich schon zu groß, meinten wir.

Dafür hockten wir, wenn es dunkel war, unter seinem Schlafzimmerfenster und warfen kleine Steinchen dagegen.

Sobald das Licht anging, rannten wir um die Ecke oder versteckten uns hinter der Hecke. Aber irgendwann war Herr Schmitt, ach so, Herr Reineke, so schlau und machte kein Licht an, sondern riss das Fenster auf und hatte uns erwischt.

Am nächsten Tag schlich ich im Gang, ganz dicht an die Wand gepresst, an ihm vorbei, und Herr Schmitt war ganz freundlich.