Jerry Cotton 3266 - Krimi-Serie - Jerry Cotton - ebook

Jerry Cotton 3266 - Krimi-Serie ebook

Jerry Cotton

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Opis

Der Wissenschaftler Dr. Elija Blooming kam bei einem spektakulären Bombenanschlag ums Leben. Bei der Explosion wurden sein Labor und die technischen Geräte zerstört. Zeitgleich mit dem Anschlag versuchte man, Bloomings hochbegabten Sohn David zu entführen. Ein Fall für uns. Schnell fanden Phil und ich heraus, dass Blooming versucht hatte, das Konzept eines von ihm entwickelten Hochleistungscomputers an Terroristen zu verkaufen. Und: David hatte das vom Vater entwickelte Konzept im Kopf! Als wir den Jungen in Sicherheit bringen wollen, gerieten wir in eine Falle, und der Junge fiel in die Hände der Entführer. So arbeiten wir an zwei Fronten: Wir mussten den Jungen retten und Bloomings Mörder finden ...

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Inhalt

Cover

Impressum

Gefährliches Wissen

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelfoto: FrameStockFootages/shutterstock

Datenkonvertierung eBook: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-9266-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Gefährliches Wissen

Gary brauste mit dem Moped über die Landstraße. Er liebte seine morgendliche Tour als Postbote, vorbei an den einsam gelegenen Landhäusern hier draußen auf Long Island. Die frische Luft mit ihrem Herbstgeruch vermischte sich mit dem Aroma des nahen Ozeans.

Er hielt an der nächsten Hausnummer und griff in seine Tasche. Hier wohnte ein gewisser Dr. Blooming, der regelmäßig Fachzeitschriften erhielt.

Gerade wollte Gary die Magazine in den großen Briefkasten werfen, da zerschlug eine Explosion die morgendliche Stille.

Als ich Phil auf dem Weg zum Dienst an der üblichen Straßenecke abholte, hatten wir beide schon von der Explosion auf Long Island gehört. Die Morgennachrichten hatten die Neuigkeit gebracht, und das Internet wimmelte nur so von Meldungen.

Ein einsames Landhaus war in die Luft geflogen und fast komplett zerstört worden. Der Besitzer war dabei umgekommen.

Nachdem wir uns begrüßt hatten und während ich mich wieder in den Verkehr einfädelte, nahm Phil den Tablet-Computer, um nach weiteren Informationen zu suchen.

»Seltsam, dass niemand schreibt, worauf die Explosion zurückzuführen ist«, wunderte er sich und wischte auf der glatten Fläche herum. »In manchen Meldungen wird gemutmaßt, es hätte an einer defekten Gasleitung gelegen.«

»Wäre ja möglich«, meinte ich. »Keine Ahnung, in welchem Zustand die Leitungen da oben sind.«

»Eatons Neck«, sagte Phil. »Ziemlich abgelegen.«

Es war eine kleine Halbinsel an der Nordküste von Long Island, die nur über einen schmalen Landstreifen erreichbar war. Im Abstand von fünfzig bis hundert Yards gab es immer wieder schmale Zufahrten zu einzeln gelegenen Häusern, die man von der Straße aus meist gar nicht sehen konnte.

»Vielleicht hatte jemand eine defekte Heizung«, überlegte ich. »Jetzt kommt der Herbst. Da sind alte Geräte schon mal überlastet.«

Phil vertiefte sich weiter in die Meldungen. Ich wusste, was in seinem Kopf vorging. Explosionen ließen uns immer gleich an Anschläge denken. Diese Verbindung war uns regelrecht einprogrammiert, obwohl es ja auch andere Gründe für solche Unglücke gab.

Eine gute Stunde später wussten wir, dass uns unser Gefühl nicht getrogen hatte.

Wir hatten uns gerade an unsere Schreibtische im Gemeinschaftsbüro gesetzt, da kam ein Anruf von Helen aus dem Vorzimmer des Chefs, die uns zu Mr. High ins Büro rief.

»Ich dachte, sie ruft an, um uns zu sagen, dass der Kaffee fertig ist«, maulte Phil, während wir über den Flur gingen.

»Ich bin sicher, das eine schließt das andere nicht aus«, gab ich zurück.

Als wir ins Vorzimmer kamen, war die Tür zu Mr. Highs Büro offen. Helen nickte uns grüßend zu. In der Kaffeemaschine stand eine volle Kanne.

»Kommen Sie ruhig durch«, rief Mr. High von drinnen.

Kurz darauf saßen wir in der Besprechungsecke mit den ledergepolsterten Stühlen und hatten dampfende Tassen vor uns.

Der Assistant Director in Charge machte ein betrübtes Gesicht. Auf dem Tisch lagen ausgedruckte Akten.

»Ich bin sicher, Sie haben von der Explosion auf Long Island gehört«, begann Mr. High. »Ich warte jede Minute auf die Analyse der Ursache. Aber egal, woran es gelegen hat, die Sache sollte uns zu denken geben. Und zwar schon wegen des Opfers.«

»Ist es jemand Prominentes, Sir?«, fragte ich.

Mr. High nickte. »Ganz recht, Jerry. Es ist Dr. Elija Blooming, ein berühmter Wissenschaftler am renommierten MIT. Er war der Besitzer des Hauses in Long Island. Dass er bei der Explosion ums Leben gekommen ist, haben wir erst einmal geheim gehalten.«

»Einen Moment, Sir«, unterbrach ihn Phil. »Das Massachusetts Institute of Technology befindet sich doch in Cambridge, in der Nähe von Boston. Wieso lebte der Doktor dann hier im Staat New York?«

»Offenbar hat er sich immer wieder hierher zurückgezogen, um seinen Forschungen abseits des Betriebes der Hochschule nachzugehen. Viele kreative Geister suchen ja die Abgeschiedenheit.«

Das konnte ich mir gut vorstellen. Das MIT war eines der wichtigsten Entwicklungszentren für Hochtechnologie. Da herrschte sicher ein ungeheurer Alltagsdruck.

Mr. High blätterte in den Papieren und zog ein Foto hervor. Es zeigte einen bärtigen, schwarzhaarigen Mann mit dicker Brille, hinter deren Gläsern die Augen fast winzig erschienen.

»Das ist Doktor Blooming«, sagte er. »Er war nicht nur Forscher am MIT, sondern auch Mitglied einer besonderen Abteilung. Er war im Science and Artificial Intelligence Laboratory.«

»Er hat also im Bereich künstliche Intelligenz geforscht«, stellte ich fest.

»Und er war Geheimnisträger«, ergänzte der Chef. »Viele Ergebnisse dieser Forschungen sind enorm wertvoll. Nicht nur für Großkonzerne, sondern auch für Regierungen. Darunter natürlich auch solche, die nicht unbedingt auf unserer Seite stehen.«

Mr. High machte eine bedeutungsvolle Pause.

Ich sah Phil an. Uns war beiden die Tragweite des Verbrechens klar. Falls es sich um ein Verbrechen handelte. Und wir waren für die Sache zuständig. Erstens, weil sie durch die Verbindung zum MIT mehrere Bundesstaaten betraf. Zweitens, weil ein Terroranschlag nicht ausgeschlossen werden konnte.

»Gibt es irgendwelche Zeugen, Sir?«, wollte ich wissen. »Oder Hinweise?«

»Nur einen. Es ist der Postbote, der gerade am Briefkasten von Doktor Bloomings Haus war, als es geschah. Zum Glück ist er mit dem Schrecken davongekommen. Er hat die Feuerwehr geholt, und dann kamen die Kollegen von der Suffolk County Police. Als sie erfuhren, wer das Opfer war, haben sie das einzig Richtige getan: uns benachrichtigt. Ein Forensik-Team ist bereits vor Ort.«

Mr. Highs Telefon klingelte. Der Chef erhob sich.

Phil nutzte die Pause, um seinen Kaffee auszutrinken.

»Vielleicht war es ja doch nur ein Unfall«, sagte er leise.

Der Chef führte ein kurzes Gespräch. Dann bedankte er sich, legte auf und blieb an seinem Schreibtisch stehen.

»Wir haben Gewissheit«, sagte er. »Und es sind keine guten Nachrichten. Das Forensik-Team hat eindeutige Spuren gefunden. Die Ursache für die Explosion war eine ferngezündete Bombe. Es besteht kein Zweifel mehr: Dr. Blooming ist einem Anschlag zum Opfer gefallen.«

»David? Du bist doch David, nicht wahr?«

Der Junge, der am Rand des großen Areals der Franklin School stand, öffnete die Augen. Er tat es ungern, denn wenn er die Augen schloss, geschahen zwei Dinge, die ihm äußerst angenehm waren.

Zum einen trat die Welt mit ihrer verwirrenden Unordnung in seinem Bewusstsein zurück. Zum anderen konnte er sich voll und ganz auf seine Gedanken konzentrieren, die fast vollständig aus Zahlen bestanden. Reihen von Primzahlen, Formeln, Gleichungen, Logarithmen.

Die lange Kette der Zahl Pi, die man für die Kreisberechnung brauchte. David konnte auswendig 12.423 ihrer Nachkommaziffern aufsagen. Das war eine ganz schöne Leistung, aber noch weit vom Weltrekord entfernt, der bei siebzigtausend lag. Aber er war ja auch erst zwölf Jahre alt.

»David, komm doch bitte her.«

Die Frau stand am Zaun. Ihr Gesicht war blass. Sie schien ängstlich zu sein, denn sie sah sich immer wieder um. Offenbar wollte sie nicht gesehen werden.

David bewegte sich keinen Yard.

»Du brauchst keine Angst zu haben«, sagte die Frau.

»Wer sind Sie?«, fragte er.

Sie zögerte einen Moment. Dann sah sie sich wieder um und beugte sich etwas näher an den Zaun, hinter dem ein kleiner Wald lag, durch den sie abseits der üblichen Wege gekommen sein musste.

»David, ich bin deine Mutter«, behauptete sie. »Und ich vermisse dich. Komm mit mir. Du brauchst nur vorne durch das Tor zu gehen, und …«

»Sie sind nicht meine Mutter«, rief der Junge scharf. »Meine Mutter ist tot.«

»Aber David …«

»Meine Mutter ist tot«, wiederholte er laut und schloss die Augen.

Dann drehte er sich um und öffnete die Augen wieder. Etwa hundert Yards entfernt, am Ende einer mit Inseln aus Büschen und kleinen Bäumen durchsetzten Wiese, stand das Hauptgebäude der Schule.

»David, bitte, ich will es dir erklären …«

Er lief los bis zur nächsten Baumgruppe. Dort hielt er an und drehte sich um.

Die Frau war nicht mehr da. Von jenseits des Waldes ertönte das Geräusch eines Motors, der gestartet wurde.

David kannte den typischen Ton. Das gehörte zu seinen Talenten. Es war derselbe Wagen, den die Frau auch schon beim letzten Mal gefahren hatte. Einmal hatte er ihn durch den Wald sogar sehen können.

David lief weiter bis zum Haupthaus, das er durch den Hintereingang der Mensa betrat. Der Weg zu seinem Zimmer führte am Büro der Direktorin vorbei.

Die Tür stand offen. Mrs. Daniels telefonierte gerade.

Da hörte David seinen Namen. Im selben Moment sah ihn die Schulleiterin auf dem Flur.

»Einen Moment, da kommt er gerade«, sagte sie und wandte sich an den Jungen. »David, komm bitte herein.«

Sie beendete das Gespräch, legte den Hörer auf und sah den Jungen an. Sie wusste, dass er in den Pausen gerne draußen in dem kleinen Park war, um allein zu sein. Abseits der anderen Schüler. Er war eben ein Einzelgänger.

Eigentlich war es nicht erlaubt, alleine auf dem Gelände unterwegs zu sein, aber sie tadelte ihn deswegen nicht.

»Es tut mir sehr leid, David«, sagte sie. »Aber ich habe eine traurige Nachricht für dich.«

Mr. High hatte vorgeschlagen, dass wir uns direkt mit dem Field Office in Boston in Verbindung setzten, das für die benachbarte Stadt Cambridge ebenfalls zuständig war.

Dr. Ben Bruckner, Supervisory Special Agent und das Computergenie unserer Abteilung, richtete mir auf dem Bildschirm meines Rechners ein Programm für eine Videokonferenz ein. Als er damit nach wenigen Minuten fertig war, wollte er wieder in sein eigenes Reich zurückkehren, aber ich hielt ihn zurück.

»In dem Fall geht es um einen Wissenschaftler vom MIT«, sagte ich. »Wir werden dabei sicher deine Hilfe brauchen, und es wäre besser, wenn du bei dem Gespräch dabei wärst.«

»Kein Problem«, sagte Ben und nahm sich einen der Bürostühle.

Dann saßen wir zu dritt vor meinem Computer. Phil balanciert eine Kaffeetasse auf den Knien, die er sich aus dem Vorzimmer des Chefs mitgebracht hatte.

Kurz darauf hatten wir unseren Gesprächspartner auf dem Schirm. Es war Special Agent in Charge Norman Galston, der Leiter des Field Office in Boston. Wir wussten, dass Galston sich vom Streifenpolizisten zum höheren FBI Agent hochgearbeitet hatte. Er war nicht der Typ, der lange um den heißen Brei herumredete.

»Das ist ein verdammter Mist«, sagte er nach der Begrüßung. »Wir haben Doktor Blooming schon lange im Visier. Wir wussten, dass er manchmal in New York in seinem Haus gearbeitet hat. Eigentlich wollte er, dass das niemand erfährt, aber so was kann man heutzutage nicht geheim halten. Wenn es irgendwer auf ihn abgesehen hat, war das Haus dort in Eatons Neck der perfekte Platz, um ihm was anzutun.«

»Abgesehen von anderen Möglichkeiten«, meinte Phil. »Wenn jemand Blooming ermorden wollte, konnte er es auch in Cambridge tun. Oder wenn es schon hier auf Long Island sein sollte, hätte man ihm einfach auflauern und ihn erschießen können.«

»Wer schaut schon in die Köpfe von solchen Mördern?«, fragte Galston und hob die Schultern.

»Wir müssen zumindest versuchen, uns einen Reim darauf zu machen, was das Motiv der Täter war«, stellte ich klar. »Wir gehen im Moment davon aus, dass es nicht nur darum ging, Blooming zu töten, sondern in dem Haus auch irgendetwas Wichtiges zu zerstören. Etwas, was sonst niemandem in die Hände fallen sollte. Forschungsergebnisse, Dokumente mit Berechnungen, irgendetwas in der Art.«

Galston kratzte sich am Kopf. »Es sieht ganz danach aus. Ich habe bereits mit Professor Woodgrave gesprochen, das ist Bloomings Chef am MIT. Er hat mir bestätigt, dass Blooming einiges von seinem Forschungsmaterial auch in New York hatte. Aber das meiste hatte er ganz woanders …«

»Auf Datenträgern?«, fragte Ben. »Oder in einer Cloud?«

Galston lachte, und auf Bens Wangen erschienen rote Flecken. Offenbar war unser Kollege verwirrt und verstand nicht, was der SAC so lustig fand.

»In seinem Kopf«, sagte Galston. »Blooming konnte sich extrem komplexe Dinge merken.«

»Dann könnte das auch eine Erklärung sein«, meinte ich. »Sie haben Bloomings Haus mit den Dokumenten beseitigt und ihn noch dazu, weil die brisantesten Informationen in seinem Gehirn waren.«

»So sieht’s aus«, bestätigte der SAC.

Er versprach, uns auf dem Laufenden zu halten. Wir verabschiedeten uns und trennten die Verbindung.

»Das hat ja nicht viel gebracht«, meinte Phil, nippte an seinem Kaffee und rollte mit Schwung auf seinem Bürostuhl an seinen Platz zurück.

Ben saß immer noch da und blickte gedankenverloren auf den Bildschirm. Er griff ins Jackett seines Anzugs, holte aus der Innentasche eines seiner geliebten Lakritzbonbons und steckte es in den Mund.

»Darf ich mal, Jerry?«, fragte er

Doch er wartete meine Antwort gar nicht ab, sondern zog sich die Tastatur heran und begann schnell zu tippen. In Sekundenbruchteilen öffneten sich mehrere Fenster mit Informationen. In einem davon war wieder das Foto von Blooming zu sehen, andere zeigten technische Fachartikel. Ich war sicher, dass weder ich noch Phil das verstanden, was Ben aufgerufen hatte. Trotzdem kam mein Partner wieder herüber und sah zu, was unser Kollege da zauberte.

Schließlich hörte Ben auf zu tippen. Die Computerfenster waren wieder zu.

Der Supervisory Special Agent hatte unglaubliche Fähigkeiten. Sein IQ war gewaltig hoch, und er verfügte über ein fotografisches Gedächtnis. Er hatte alle aufgerufenen Texte gelesen und konnte sie jetzt auswendig.

»Mir ist eingefallen, dass ich den Namen Blooming schon mal gehört habe«, sagte er. »Und jetzt weiß ich auch, was sein Spezialgebiet war: Quantencomputer.«

»Du meinst, diese superschnellen neuen Computer?«, fragte Phil.

»Wenn sie sich auf breiter Front durchsetzen, ist das eine Revolution wie der Computer heute im Vergleich zu den Methoden des Mittelalters«, sagte Ben.

»Wie muss man sich das vorstellen?«, fragte ich.

Ben suchte nach Worten. Offenbar musste er darüber nachdenken, wie er uns dieses Thema am einfachsten erklärte.

»Ein Quantencomputer arbeitet anders als das Ding, das hier auf dem Tisch steht«, sagte er schließlich. »Er kann extrem komplizierte Rechenleistungen erbringen, weil er nicht mit Prozessoren rechnet, sondern mit Quantenzuständen von Molekülen.«

»Aha«, sagte Phil. Es klang sarkastisch.

»Das Problem dabei ist, dass Einflüsse von außen diese Rechnungen stören können«, fuhr Ben unbeirrt fort. »Es ist schwierig, eine physikalische Situation aufrechtzuerhalten, in der diese Berechnungen immer wieder korrekt ablaufen können. Diese Schwierigkeit verhindert, dass sich die Technologie auf breiter Front durchsetzt. Und genau daran hat Dr. Blooming geforscht. Es sieht so aus, als hätte er eine Lösung gefunden. Oder eine Idee für eine Lösung.«

»Die wiederum eine Menge wert ist«, fasste ich zusammen.

Ben nickte nur.

Kurz darauf informierten wir Mr. High.

»Ich habe mit Director Fuller und den anderen Assistant Directors in Charge gesprochen«, informierte er uns. »Wir haben beschlossen, die Details dieses Falls so gut es geht geheim zu halten, bis wir weitere Informationen haben. Offiziell war die Ursache der Explosion eine defekte Gasleitung. Dass Blooming im Haus war und dabei umkam, verschweigen wir. Wenn die Täter im Unklaren darüber sind, ob ihre Tat gelungen ist, unternehmen sie vielleicht etwas, das uns auf ihre Spur führt. Das ist eine Chance, die wir nutzen sollten.«

Bis nach Eatons Neck waren es knapp anderthalb Stunden Fahrzeit. Wir nahmen in meinem Jaguar F-Type den Weg über die Brooklyn Bridge. Dann ging es über Williamsburg auf den Long Island Expressway durch Queens und immer weiter nach Osten, bevor wir bei Hicksville auf eine kleine Straße abbogen, die uns an die nördliche Küste der riesigen Halbinsel brachte.

»Es ist immer wieder unglaublich, wie schnell man von Manhattan aus in eine vollkommen ländliche Gegend gelangt«, meinte Phil, während die Besiedlung immer dünner wurde. »Und das Meer sieht hier auch ganz anders aus.«

Neben der Straße ging der Blick auf das graublaue Wasser, auf dem im herbstlichen Licht weiße Boote schaukelten. Auf dem letzten Stück bis Eatons Neck begleiteten uns Sanddünen, hinter denen sich ein Strand hinzog.

»Würdest du hier ein Haus kaufen und herziehen?«, fragte mein Partner, nachdem wir einige der Einfahrten passiert hatten.

»Dann müsste ich mir ja selbst mein Essen kochen«, gab ich zurück. »Oder ist uns hier schon ein Sandwichladen begegnet? Abgesehen davon würde ohne uns das Mezzogiorno zumachen. Das könnte ich unserem Stammitaliener nicht antun.«

»Und auf Helens Kaffee müsstest du auch verzichten.« Er seufzte. »Die Leute, die hier wohnen, wissen gar nicht, was ihnen entgeht.«

Hundert Yards vor Dr. Bloomings Einfahrt war eine Hälfte der ohnehin schmalen Straße abgesperrt. Hier standen die Einsatzfahrzeuge des forensischen Teams vom NYPD Police Crime Lab, dazu einige Streifenwagen aus Huntington, die das ganze absicherten. Nachdem wir unsere Ausweise gezeigt hatten, ließen uns die Beamten durch.

Die Einfahrt war mit Kies bedeckt und ging etwa hundertfünfzig Yards um eine Rechtskurve. Links und rechts davon wuchsen Büsche und kleine Bäume.

Wir hatten das Haus noch gar nicht im Blick, da sahen wir schon zerbrochenes Glas, Mauerteile und Holzlatten. Es waren Reste der Fenster, die bei der Explosion herausgerissen worden waren.

Dann sahen wir die ganze Katastrophe. Die komplette Vorderwand des zweistöckigen Gebäudes war nach außen gestürzt, das Dach hing halb herunter. In dem entstandenen Loch war alles verkohlt. So gut es ging, waren die Reste des Hauses durch die Sicherheitskräfte mit Metallstreben gesichert worden, damit die Forensiker, die in weißen Schutzanzügen alles unter die Lupe nahmen, gefahrlos ihren Job machen konnten.

Wir erkundigten uns nach dem Einsatzleiter. Es war ein gewisser Porter, ein Schwarzer von etwa Mitte dreißig. Er führte uns zu einem Transporter, der ebenfalls im Eingang stand und in dem sich ein kleines Labor befand. Dort zeigte er uns die Reste der Bombe. Wir konnten nur noch verkohltes Plastik erkennen, aber Porter erklärte uns, worum es sich handelte.

»Ein ganz klassischer Aufbau«, sagte er. »Mehrere gut platzierte Dynamitladungen, die ferngezündet wurden, wahrscheinlich einfach mit einem Prepaidhandy. Obwohl wir weit draußen sind, ist gerade hier die Netzabdeckung ziemlich gut. Zweihundert Yards weiter wäre das auf diese Weise gar nicht machbar gewesen.«