James Bond 05 - Liebesgrüße aus Moskau - Ian Fleming - ebook

James Bond 05 - Liebesgrüße aus Moskau ebook

Ian Fleming

0,0

Opis

Liebesgrüße aus Moskau ist der fünfte von Ian Flemings James-Bond-Romanen und bringt Bond nach Istanbul, wo eine schöne Frau und der Tod auf ihn warten ... Jede wichtige Regierung der Welt hat eine Akte über James Bond, den britischen Geheimagenten. Nun hat ihn Russlands tödliche SMERSCH-Organisation auf ihre Abschussliste gesetzt - und setzt als perfekten Köder die unwiderstehliche Tatjana Romanowa ein. Ihre Mission lautet, Bond nach Istanbul zu locken und ihn dort zu verführen, während ihre Vorgesetzten den Rest erledigen. Aber als Bond bereitwillig in die Falle tappt, folgt ein Spiel aus Finten und Verrat - und Bond ist gleichzeitig Einsatz und Preis ... Jeder kennt sie: die teils stark von den Vorlagen abweichenden Verfilmungen der James-Bond-Romane. Pünktlich zum 50-jährigen Jubliäum der Filmreihe gilt es die Ian-Fleming-Originale erstmals im "Director's Cut" zu entdecken! Eine der größten Filmikonen überhaupt wird 50 Jahre alt! Passend dazu kommt Ende 2012 der 23. Teil der Saga mit dem Titel "Skyfall" in die Kinos! Cross Cult schließt sich den Jubilaren des Mythos mit einer Wiederentdeckung der meisterhaft erzählten Agenten- und Spionageromane aus der Feder Ian Flemings an und beginnt die schrittweise Veröffentlichung aller James-Bond-Originalromane. Endlich wird es möglich sein, Titel wie "Goldfinger", "Thunderball" oder "You Only Live Twice" komplett in ungekürzten Übersetzungen und mit den ursprünglichen Kapitelabschnitten und -überschriften zu lesen. Es verspricht eine einzigartige James-Bond-Bibliothek zu werden, die dazu einlädt, dem Kult um den britischen Gentleman-Geheimdienstler mit der "Lizenz zum Töten" auf den Grund zu gehen.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 413

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



JAMES BOND

LIEBESGRÜSSEAUS MOSKAU

von

IAN FLEMING

Ins Deutsche übertragenvon Stephanie Pannen und Anika Klüver

Die deutsche Ausgabe von JAMES BOND – LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg.

Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern,

Übersetzung: Stephanie Pannen und Anika Klüver;

verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde;

Lektorat: Katrin Aust und Gisela Schell;

Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik; Cover Artwork: Michael Gillette.

Printausgabe gedruckt von CPI Morvia Books s.r.o., CZ-69123 Pohorelice.

Printed in the Czech Republic.

Titel der Originalausgabe: JAMES BOND – FROM RUSSIA WITH LOVE

German translation copyright © 2013, by Amigo Grafik GbR.

Copyright © Ian Fleming Publications Limited 1957

The moral rights of the author have been asserted.

Die Persönlichkeitsrechte des Autors wurden gewahrt.

JAMES BOND and 007 are registered trademarks of Danjaq LLC, used under license by Ian Fleming Publications Limited. All Rights Reseved.

Print ISBN 978-3-86425-078-1 (März 2013)

E-Book ISBN 978-3-86425-079-8 (März 2013)

WWW.CROSS-CULT.DE · WWW.IANFLEMING.COM

ANMERKUNG DES AUTORS

Nicht dass es wichtig wäre, aber ein Großteil der Rahmenhandlung dieser Geschichte ist real.

SMERSCH, Kurzform für Smert Schpionam – Tod den Spionen –, existiert wirklich und ist zurzeit die geheimste Abteilung der sowjetischen Regierung.

Anfang des Jahres 1956, als dieses Buch geschrieben wurde, betrug die Stärke von SMERSCH im In- und Ausland um die vierzigtausend Mann, und General Grubozaboischikow war ihr Leiter. Meine Beschreibung seines Aussehens ist korrekt.

Das SMERSCH-Hauptquartier ist tatsächlich dort, wo ich es in Kapitel 4 platziert habe – Sretenka Ulitsa Nr. 13, Moskau. Der Besprechungsraum wurde wirklichkeitsgetreu beschrieben, und die Geheimdienstleiter, die sich dort am Tisch versammeln, sind echte Funktionäre, die regelmäßig dorthin bestellt werden, aus Gründen, die denen ähnlich sind, die ich beschrieben habe.

I. F.

INHALT

TEIL EINS • DER PLAN

1. Rosenland

2. Der Schlächter

3. Ein weiterführendes Studium

4. Die Mogule des Todes

5. Konspiratsia

6. Tötungsbefehl

7. Der Zauberer aus Eis

8. Der wunderschöne Köder

9. Ein Liebesdienst

10. Die Lunte brennt

TEIL ZWEI • DIE AUSFÜHRUNG

11. Das ruhige Leben

12. Ein Kinderspiel

13. »BEA bringt Sie ans Ziel ...«

14. Darko Kerim

15. Hintergrund eines Spions

16. Der Tunnel voller Ratten

17. Zeit zum Totschlagen

18. Starke Empfindungen

19. Der Mund von Marilyn Monroe

20. Schwarz auf Pink

21. Der Orientexpress

22. Raus aus der Türkei

23. Raus aus Griechenland

24. Außer Gefahr?

25. Eine Krawatte mit Windsorknoten

26. Die Falle schnappt zu

27. Fünf Liter Blut

28. La Tricoteuse

TEIL EINS

DER PLAN

ROSENLAND

Der nackte Mann, der ausgestreckt neben dem Swimmingpool auf dem Bauch lag, hätte ebenso gut tot sein können.

Er hätte ertrunken, aus dem Pool herausgefischt und zum Trocknen auf das Gras gelegt worden sein können, während die Polizei oder die Angehörigen verständigt wurden. Selbst der kleine Haufen aus Gegenständen im Gras neben seinem Kopf hätten seine persönliche Habe sein können, die peinlich genau und deutlich sichtbar zusammengetragen worden war, damit niemand auf die Idee kam, seine erfolglosen Retter hätten etwas entwendet.

Dem funkelnden Stapel nach zu urteilen, war er ein reicher Mann, oder war es zumindest gewesen. Dort lagen die typischen Mitgliedsausweise des Clubs der reichen Männer – eine Geldklammer, gefertigt aus einer mexikanischen Fünfzigdollarmünze, zwischen der ein beachtliches Bündel Scheine steckte, ein abgenutztes Dunhill-Feuerzeug, ein ovales Zigarettenetui aus Gold mit den welligen Rillen und dem diskreten türkisfarbenen Punkt, der es als Produkt von Fabergé auszeichnete, sowie die Art von Roman, die ein reicher Mann aus seinem Bücherregal zieht, um sie im Garten zu lesen – Das kleine Nugget – ein alter P. G. Wodehouse. Außerdem war noch eine massive goldene Armbanduhr mit einem abgenutzten braunen Krokodillederband dabei. Es war ein Modell von Girard-Perregaux, entworfen für Leute, die Schnickschnack mögen, und verfügte über eine Zentralsekunde und zwei kleine Fenster auf dem Zifferblatt, die das Datum und die Mondphase angaben. Momentan zeigte die Uhr an, dass es vierzehn Uhr dreißig am zehnten Juli und der Mond zu drei Viertel voll war.

Aus den Rosenbüschen im hinteren Teil des Gartens schoss eine blaugrüne Libelle hervor und schwebte ein paar Zentimeter über dem Rücken des Mannes. Sie wurde von dem goldenen Schimmer der Junisonne angezogen, die von den feinen blonden Haaren über dem Steißbein reflektiert wurde. Vom Meer her wehte eine Brise heran. Die Libelle schoss nervös hin und her, verweilte dann über der linken Schulter des Mannes und sah hinab. Das junge Gras unter seinem offenen Mund bewegte sich. Ein großer Schweißtropfen lief an der Seite der fleischigen Nase herunter und tropfte glitzernd in das Gras. Das war genug. Die Libelle schoss wieder durch die Rosen davon und über die Glasscherben auf der hohen Gartenmauer hinweg. Es mochte gutes Futter sein, aber es bewegte sich.

Der Garten, in dem der Mann lag, bestand aus etwa viertausend Quadratmetern gepflegtem Rasen, an drei Seiten umgeben von dichten und hohen Rosenbüschen, aus denen beständiges Bienensummen drang. Hinter dem einschläfernden Geräusch der Bienen rauschte sanft das Meer am Fuß der Klippe am Ende des Gartens.

Vom Garten aus hatte man keinen Ausblick aufs Meer, eigentlich hatte man gar keine Aussicht, außer auf den Himmel und die Wolken über der dreieinhalb Meter hohen Mauer. Einen Blick über das Grundstück hinaus konnte man nur aus einem der beiden im ersten Stock gelegenen Schlafzimmer des Häuschens werfen. Das Häuschen bildete die vierte Seite des sehr privaten Grundstücks. Von dort aus konnte man nicht nur die riesige Wasserfläche sehen, sondern rechts und links auch die oberen Fenster der angrenzenden Villen und die Baumwipfel in deren Gärten – mediterran angehauchte Steineichen, Pinien, Kasuarinen und ab und zu auch eine Palme.

Das Häuschen wirkte modern – ein flacher, länglicher Kasten ohne Zierrat. Auf der Gartenseite wurde die ebene rosafarbene Fassade von vier Fenstern und einer mittig gelegenen Glastür durchbrochen, die zu einem kleinen Quadrat blassgrüner Fliesen führte. Die Fliesen gingen in den Rasen über. Die andere Seite des Bungalows, die ein paar Meter von einer staubigen Straße zurückgesetzt stand, war mit dieser fast identisch. Aber auf dieser Seite waren die vier Fenster vergittert, und die Eingangstür war aus Eichenholz.

Das Häuschen hatte zwei mittelgroße Schlafzimmer im oberen Stockwerk und im Erdgeschoss ein Wohnzimmer und eine Küche, von der ein Teil als Toilette abgetrennt worden war. Ein Badezimmer gab es nicht.

Das schläfrige, luxuriöse Schweigen des frühen Nachmittags wurde vom Geräusch eines Wagens unterbrochen, der sich über die Straße näherte. Er hielt vor dem Bungalow an. Das blecherne Scheppern einer zufallenden Autotür ertönte, und der Wagen fuhr weiter. Die Türglocke ging zwei Mal. Der nackte Mann neben dem Swimmingpool bewegte sich nicht, doch das Geräusch der Glocke und des wegfahrenden Autos ließen seine Augen für einen Moment weit aufspringen. Es war, als ob sich seine Lider wie die Ohren eines Tiers gespitzt hätten. Sofort fielen dem Mann wieder sein Aufenthaltsort sowie Wochentag und Uhrzeit ein. Die Geräusche konnten eingeordnet werden. Die Lider mit ihren kurzen rotblonden Wimpern senkten sich erneut über die blassblauen Augen mit dem nach innen gekehrten Blick. Die schmalen und grausam wirkenden Lippen öffneten sich zu einem breiten Gähnen, das Speichel in seinen Mund brachte. Der Mann spuckte den Speichel ins Gras und wartete.

Eine junge Frau, die ein kleines Einkaufsnetz dabeihatte und ein weißes Baumwollhemd und einen kurzen, aber reizlosen blauen Rock trug, kam durch die gläserne Terrassentür und stapfte über die Fliesen und den Rasen auf den nackten Mann zu. Ein paar Meter von ihm entfernt legte sie ihren Beutel auf den Boden und setzte sich, um ihre billig aussehenden und staubigen Schuhe abzustreifen. Dann stand sie wieder, knöpfte ihre Bluse auf, zog sie aus und legte sie sorgfältig gefaltet neben den Beutel.

Unter der Bluse hatte die Frau nichts weiter an. Ihre Haut war angenehm gebräunt, und ihre Schultern und Brüste schimmerten in einem gesunden Ton. Als sie ihre Arme beugte, um den Seitenverschluss des Rocks zu öffnen, konnte man helles Haar in ihren Achseln sehen. Der Eindruck eines gesunden Mädchens vom Lande wurde durch die breiten Hüften in der hellblauen Badehose und die kurzen stämmigen Beine verstärkt, die zum Vorschein kamen, nachdem sie ihren Rock ausgezogen hatte.

Sie legte den Rock ordentlich zusammengefaltet neben ihre Bluse, öffnete den Beutel und holte eine alte Limonadenflasche hervor, in der sich eine dicke farblose Flüssigkeit befand. Es handelte sich um ein leichtes Olivenöl, das, wie alles in diesem Teil der Welt, stark parfümiert war. Dann ging sie zu dem Mann hinüber und kniete sich neben ihn ins Gras. Sie goss etwas von der Flüssigkeit zwischen seine Schulterblätter, und nachdem sie ihre Finger wie ein Pianist gedehnt hatte, begann sie, Nacken- und Rückenmuskulatur zu massieren.

Es war harte Arbeit. Der Mann war unheimlich stark, und die hervortretenden Muskeln am Genick gaben ihren Daumen kaum nach, selbst wenn sie ihr ganzes Gewicht einsetzte. Wenn sie mit dem Mann fertig war, würde sie so nass geschwitzt und erschöpft sein, dass sie in den Swimmingpool springen und sich danach in den Schatten legen würde. Dort würde sie dann dösen, bis der Wagen sie wieder abholte. Aber das war es nicht, worüber sie nachdachte, während sich ihre Hände wie von selbst über den Rücken des Mannes bewegten. Es war ihre instinktive Angst vor dem prächtigsten Körper, den sie jemals gesehen hatte.

Im flachen, ausdruckslosen Gesicht der Masseuse zeichnete sich zwar nichts davon ab, und die schrägstehenden schwarzen Augen unter dem kurzen schwarzen Pony wirkten so blank wie zwei Ölflecken, doch innerlich schien ein Tier verängstigt zu winseln, und ihr Puls wäre, wenn es ihr eingefallen wäre, ihn zu messen, recht hoch gewesen.

Wieder einmal, wie so oft in den letzten zwei Jahren, fragte sie sich, warum sie diesen herrlichen Körper so verabscheute, und wieder versuchte sie, ihren Abscheu zu analysieren. Vielleicht würde es ihr dieses Mal endlich gelingen, jene Gefühle loszuwerden, die noch viel unprofessioneller waren als das sexuelle Verlangen, das einige ihrer anderen Patienten bei ihr auslösten.

Um bei den kleinen Dingen anzufangen: seine Haare. Sie blickte auf den kleinen runden Kopf über dem kräftigen Nacken. Er wurde von rotgoldenen Locken bedeckt, die sie auf angenehme Weise an das Haar klassischer Statuen erinnern sollte, die sie von Fotos kannte. Doch irgendwie waren die Locken zu klein, zu eng aneinander und an den Schädel gepresst. Der Anblick ging ihr durch Mark und Bein, wie Fingernägel, die über eine Tafel kratzten. Und die goldenen Locken reichten bis tief in den Nacken – fast bis zum fünften (sie dachte in Fachbegriffen) Vertebra cervicalis. Und dort hörten sie in einer geraden Linie kleiner steifer goldener Haare abrupt auf.

Die junge Frau hielt kurz inne, um ihre Hände auszuruhen und sich zurückzulehnen. Die hübsche obere Hälfte ihres Körpers begann bereits, vor Schweiß zu glänzen. Sie wischte sich mit dem Arm über die Stirn und griff nach der Ölflasche. Dann goss sie etwa einen Esslöffel davon auf die kleine haarige Erhebung am unteren Ende des Rückgrats, dehnte ihre Finger erneut und beugte sich wieder über ihn.

Dieser kleine Fleck Haar am Steißbein – bei einem Liebhaber wäre es aufregend gewesen, aber bei diesem Mann wirkte es bestialisch. Nein, reptilienhaft. Schlangen hatten zwar keine Haare, aber sie konnte es nicht anders beschreiben. Es kam ihr reptilienhaft vor. Sie glitt mit ihren Händen zu den Gesäßmuskeln. Das war der Moment, in dem viele ihrer Patienten, besonders die jungen aus der Fußballmannschaft, mit ihr zu scherzen begannen. Und wenn sie nicht aufpasste, wurde daraus ein Flirt. Manchmal konnte sie das beenden, indem sie fest auf den Ischiasnerv drückte. Doch wenn sie den Patienten attraktiv fand, folgte bisweilen Gekicher, ein kurzes Gerangel, und eine schnelle herrliche Kapitulation.

Doch bei diesem Mann war es auf eine fast unheimliche Weise anders. Vom ersten Mal an war er ihr wie ein Stück totes Fleisch vorgekommen. In zwei Jahren hatte er nicht einmal das Wort an sie gerichtet. Wenn sie mit seinem Rücken fertig war und der Moment kam, in dem er sich herumdrehen musste, hatten weder seine Augen noch sein Körper irgendein Interesse an ihr gezeigt. Wenn sie ihm auf die Schulter tippte, rollte er sich einfach herum, blickte unter halb geschlossenen Lidern zum Himmel auf und stieß ab und zu ein langes, schauderndes Gähnen aus – das einzige Anzeichen dafür, dass er überhaupt zu menschlichen Reaktionen fähig war.

Die Frau veränderte leicht ihre Position und arbeitete sich langsam über das rechte Bein zur Achillessehne hinunter. Als sie dort angekommen war, betrachtete sie noch einmal den schönen Körper. War ihr Abscheu nur körperlicher Natur? War es die rötliche Farbe des Sonnenbrands auf der von Natur aus milchweißen Haut, die sie an Bratenfleisch erinnerte? War es die Beschaffenheit der Haut selbst, die tiefen und großen Poren in der samtigen Oberfläche? Die dicht gesprenkelten orangefarbenen Sommersprossen auf den Schultern? Oder war es die Sexualität dieses Mannes? Die Gleichgültigkeit der prächtigen, stark hervortretenden Muskeln? Oder war es etwas Geistiges – ein animalischer Instinkt, der darauf beharrte, dass in diesem wunderschönen Körper eine böse Person steckte?

Die Masseuse erhob sich und dehnte langsam ihren Nacken und die Schultern. Sie streckte ihre Arme zuerst zur Seite und dann nach oben. Dort hielt sie sie für einen Moment, um das Blut aus ihnen fließen zu lassen. Schließlich ging sie zu ihrem Beutel, holte ein Handtuch heraus und wischte sich damit den Schweiß von Gesicht und Körper.

Als sie sich wieder zu dem Mann umdrehte, hatte dieser sich bereits herumgerollt, lag nun mit der Hand im Nacken auf dem Rücken und starrte ausdruckslos in den Himmel.

Der freie Arm lag auf dem Gras und erwartete sie. Sie kehrte zu ihm zurück und kniete sich hinter seinen Kopf. Dann verrieb sie etwas Öl zwischen den Händen, hob die schlaffe halb geöffnete Hand an und begann, die kurzen dicken Finger zu kneten.

Das Mädchen blickte nervös zu dem rotbraunen Gesicht unter der Krone aus dichten goldenen Locken. Oberflächlich betrachtet war alles in Ordnung – es war auf eine bodenständige Art und Weise gut aussehend, mit vollen rosigen Wangen, nach oben gerichteter Nase und einem abgerundeten Kinn. Doch wenn man genauer hinsah, lag ein grausamer Zug um die dünnen Lippen, die breiten Nasenflügel hatten etwas Schweineartiges an sich, und die Leere in den hellblauen Augen ließ an einen Ertrunkenen im Leichenschauhaus denken. Es war, dachte sie, als ob jemand eine Porzellanpuppe genommen und sie so grausig wie möglich angemalt hätte.

Die Masseuse arbeitete sich über den Arm zum großen Bizeps hinauf. Wo hatte der Mann nur diese fantastischen Muskeln her? War er ein Boxer? Was stellte er mit diesem beeindruckenden Körper an? Gerüchte besagten, dass dieses Häuschen im Besitz der Polizei war. Die beiden Diener fungierten offensichtlich als eine Art Wärter, auch wenn sie kochten und die Hausarbeit erledigten. Der Mann fuhr regelmäßig jeden Monat für ein paar Tage fort, und man teilte ihr mit, dass sie nicht kommen sollte. Und von Zeit zu Zeit wurde ihr auch gesagt, sie solle eine Woche wegbleiben oder zwei Wochen oder einen ganzen Monat. Einmal waren nach einer solchen Abwesenheit der Hals und Oberkörper des Manns voller Blutergüsse gewesen. Bei einer anderen Gelegenheit hatte unter einem großen Verband auf seinen Rippen die rote Ecke einer halb abgeheilten Wunde hervorgelugt. Sie hatte es niemals gewagt, sich im Krankenhaus oder in der Stadt nach ihm zu erkundigen. Als sie das erste Mal zu diesem Haus bestellt worden war, hatte ihr einer der Diener erklärt, dass man sie ins Gefängnis werfen würde, falls sie über das sprechen sollte, was sie hier sah. Wieder zurück im Krankenhaus hatte der Direktor nach ihr schicken lassen und ihr das Gleiche gesagt. Sie würde ins Gefängnis gehen. Die starken Hände der Frau griffen nervös in den großen Deltamuskel am Schultergelenk. Sie hatte von Anfang an gewusst, dass es sich um eine Staatsangelegenheit handelte. Vielleicht war es das, was sie an diesem prächtigen Körper so abstieß. Vielleicht war es nur die Angst vor der Organisation, die den Körper kontrollierte. Bei dem Gedanken daran, wer er sein mochte, was man ihm befehlen mochte, ihr anzutun, schloss sie die Augen. Schnell öffnete sie sie wieder. Vielleicht hatte er es bemerkt. Doch die Augen starrten nur ausdruckslos in den Himmel.

Nun – sie griff nach dem Öl – war das Gesicht an der Reihe.

Die Daumen des Mädchens hatten sich noch kaum in die geschlossenen Augenhöhlen des Manns gedrückt, als das Telefon im Haus zu klingeln begann. Das Geräusch schrillte ungeduldig in den Garten hinaus. Sofort war der Mann auf einem Knie, wie ein Läufer, der auf den Startschuss wartete. Aber er bewegte sich nicht. Das Klingeln hörte auf. Eine Stimme sagte etwas. Das Mädchen konnte nicht hören, was es war, doch es klang demütig, als ob Befehle entgegengenommen wurden. Die Stimme erstarb, und einer der Diener erschien kurz in der Tür, winkte den Mann herbei und kehrte ins Innere zurück. Noch bevor die Geste vollendet war, lief der nackte Mann bereits auf das Haus zu. Sie sah dem sonnenverbrannten Rücken hinterher, als dieser durch die gläserne Terrassentür verschwand. Es war besser, wenn er sie nicht hier vorfand, wenn er wieder herauskam – untätig, vielleicht sogar lauschend. Sie stand auf, trat zwei Schritte auf den Betonrand des Pools zu und tauchte anmutig hinein.

Auch wenn es ihre Instinkte dem Mann gegenüber erklärt hätte, war es für den Seelenfrieden des Mädchens doch besser, nicht zu wissen, mit wem sie es zu tun hatte.

Sein richtiger Name war Donovan Grant, oder »Red« Grant. Aber in den letzten zehn Jahren hatte man ihn Krassno Granitski genannt und sein Tarnname lautete »Granit«.

Er war der oberste Scharfrichter von SMERSCH, des für Mord zuständigen Apparats des MGBs, und in diesem Moment erhielt er seine Instruktionen über eine Direktleitung aus Moskau.

DER SCHLÄCHTER

Grant legte den Telefonhörer vorsichtig wieder auf die Gabel, saß da und betrachtete ihn.

Der Wärter mit dem dicken Kopf stand neben ihm. »Sie sollten sich besser in Bewegung setzen.«

»Hat man Ihnen Einzelheiten genannt?« Grant sprach hervorragend Russisch, wenn auch mit starkem Akzent. Er konnte als Staatsbürger einer sowjetbaltischen Provinz durchgehen. Die Stimme war hoch und flach, als ob er etwas Langweiliges aus einem Buch vorlesen würde.

»Nein. Nur dass Sie in Moskau gewünscht werden. Das Flugzeug ist auf dem Weg. Es wird in etwa einer Stunde hier sein. Eine halbe Stunde fürs Auftanken und dann drei oder vier Stunden, je nachdem, ob Sie in Charkiw runtergehen. Sie sollten besser packen. Ich werde den Wagen bestellen.«

Grant kam nervös auf die Beine. »Ja. Sie haben recht. Aber haben sie nicht mal erwähnt, ob es um einen Einsatz geht? Ich würde es gerne wissen. Es war eine sichere Leitung. Sie hätten wenigstens einen Hinweis geben können. Normalerweise tun sie das.«

»Dieses Mal nicht.«

Grant kehrte langsam durch die Glastür in den Garten zurück. Wenn er das Mädchen bemerkte, das am anderen Ende des Pools saß, ließ er es sich nicht anmerken. Er bückte sich, hob sein Buch und die goldenen Trophäen seines Berufsstands auf, kehrte ins Haus zurück und ging die paar Stufen zu seinem Schlafzimmer hinauf.

Der Raum war trostlos und nur mit einem eisernen Bettgestell, von dem an einer Seite eine zerknitterte Decke herunterhing, einem Korbstuhl, einem unlackierten Kleiderschrank und einem billigen Waschtisch mit einer Waschschüssel aus Blech ausgestattet. Der Boden war mit britischen und amerikanischen Zeitschriften übersät. Unter dem Fenster waren grelle Taschenbücher und gebundene Krimis gegen die Wand gestapelt.

Grant bückte sich und zog einen ramponierten italienischen Kunststoffkoffer unter dem Bett hervor. Er nahm eine Auswahl verwaschener, kostengünstiger, aber respektabler Kleidung aus dem Schrank. Dann wusch er sich schnell mit kaltem Wasser und der unausweichlichen Rosenseife und trocknete sich mit einem Bettlaken ab.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!