James Bond - Alle 14 Romane von Ian Fleming - Ian Fleming - ebook

James Bond - Alle 14 Romane von Ian Fleming ebook

Ian Fleming

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Opis

Alle 14 James-Bond-Originalromane im Paket! Wer in diesem Sommer ferne, exotische Länder und pulsierende Städte bereisen will, muss in keinen Flieger steigen. Eine Welt abseits des Alltags voller halsbrecherischer Missionen und erotischer Eskapaden inkl. einer Reise um den Globus bieten auch die 14 James-Bond-Romane. Das Paket beinhaltet alle Geschichten, die den britischen Autor Ian Fleming weltberühmt und die 007 zum Markenzeichen von actionreichem Agententum und britischer Coolness gemacht haben. Passend dazu hat der Illustrator Michael Gillette für jedes Buchcover eine Femme fatale entworfen, die den Geschichten entnommen sind und jedem Buch einen eigenen Charakter verleihen. Das ideale Geschenk für alle Bond-Liebhaber und -Liebhaberinnen! Endlich ist es möglich, Titel wie "Goldfinger", "Thunderball" oder "You Only Live Twice" komplett in ungekürzten Übersetzungen und mit den ursprünglichen Kapitelabschnitten und -überschriften zu lesen. Eine einzigartige James-Bond-Bibliothek, die dazu einlädt, dem Kult um den britischen Gentleman-Geheimdienstler mit der "Lizenz zum Töten" auf den Grund zu gehen.

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Popularność




JAMES BOND

Alle 14 Romane

von

IAN FLEMING

Foto © Hulton-Deutsch Collection/CORBIS

IAN LANCASTER FLEMING wurde am 28. Mai 1908 in London geboren und ging vor seinem Sprachstudium in Europa auf das Eton Elite-College. Seinen ersten Job hatte er bei der Nachrichtenagentur Reuters. Danach verdingte er sich kurzzeitig als Börsenmakler. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde er zum Assistenten des Direktors der Marineaufklärung, Admiral Godfrey, ernannt und spielte eine zentrale Rolle bei britischen und alliierten Spionage-Operationen.

Nach dem Krieg heuerte er bei Kemsley Newspaper als Auslandsbeauftragter für die Sunday Times an, die sich intensiv mit dem Kalten Krieg auseinandersetzte. Sein erster Roman „Casino Royale“ wurde 1953 publiziert und stellte der Welt erstmals James Bond, Agent 007, vor. Die erste Auflage war innerhalb eines Monats ausverkauft. Nach diesem Erfolg veröffentlichte er bis zu seinem Tod jährlich einen Bond-Titel. Raymond Chandler pries ihn als „den eindringlichsten und energischsten Thriller-Autor Englands“. Der fünfte Roman „Liebesgrüße aus Moskau“ wurde besonders gut aufgenommen und der Verkauf boomte, als Präsident Kennedy ihn als eines seiner Lieblingsbücher bezeichnete. Die Bond-Romane haben sich über 100 Millionen Mal verkauft und waren Inspiration für das immens erfolgreiche Film-Franchise, das 1962 mit dem Start von „Dr. No“ und Sean Connery in der Hauptrolle als 007 begann.

Die Bond-Bücher schrieb Fleming auf Jamaika, ein Land, in das er sich während des Krieges verliebt hatte und wo er sich ein Haus – „Goldeneye“ genannt – baute. 1952 heiratete er Anne Rothermere. Seine Geschichte über ein magisches Auto, die er 1961 für sein einziges Kind Caspar schrieb, wurde zum vielgeliebten Buch und Film „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“. Fleming starb am 12. August 1964 an Herzversagen.

JAMES BOND

CASINO ROYALE

von

IAN FLEMING

Ins Deutsche übertragenvon Stephanie Pannen und Anika Klüver

Die deutsche Ausgabe von JAMES BOND – CASINO ROYALEwird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg.

Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern,Übersetzung: Stephanie Pannen und Anika Klüver;verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde;Lektorat: Katrin Aust und Gisela Schell;Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik; Cover Artwork: Michael Gillette.

Printausgabe gedruckt von CPI Morvia Books s.r.o., CZ-69123 Pohorelice.Printed in the Czech Republic.

Titel der Originalausgabe: JAMES BOND – CASINO ROYALE

German translation copyright © 2012, by Amigo Grafik GbR.

Copyright © Ian Fleming Publications Limited 1953The moral rights of the author have been asserted.Die Persönlichkeitsrechte des Autors wurden gewahrt.

JAMES BOND and 007 are registered trademarks of Danjaq LLC,used under license by Ian Fleming Publications Limited. All Rights Reseved.

Print ISBN 978-3-86425-070-5 (September 2012)E-Book ISBN 978-3-86425-071-2 (September 2012)

WWW.CROSS-CULT.DE · WWW.IANFLEMING.COM

DER GEHEIMAGENT

Der Gestank nach Rauch und Schweiß ist in einem Casino um drei Uhr morgens äußerst widerlich. An diesem Punkt wird die durchs Spielen vorangetriebene Mischung aus Gier, Angst und nervöser Anspannung unerträglich, und die Sinne rebellieren dagegen.

James Bond merkte plötzlich, dass er übernächtigt war. Er wusste immer, wenn sein Körper oder Geist genug hatte, und er handelte stets nach diesem Wissen. Es half ihm, die Erschöpfung und Stumpfheit zu umgehen, die zu Fehlern führten.

Unauffällig entfernte er sich vom Roulettetisch, an dem er gespielt hatte, und stellte sich für einen Moment an das Messinggeländer, das den Haupttisch im salle privée in Brusthöhe umgab.

Le Chiffre spielte noch immer und gewann offensichtlich auch noch immer. Vor ihm stapelte sich ein ungeordneter Haufen Hunderttausender-Jetons. Im Schatten seines breiten linken Arms versteckte sich ein diskreter Stapel großer gelber Jetons, von denen jeder eine halbe Million Franc wert war.

Bond betrachtete das beeindruckende Profil eine Weile lang, dann zuckte er mit den Schultern und ging weiter.

Die Trennwand, die die caisse umgab, war kinnhoch, und der caissier saß auf einem Hocker und zählte seine Stapel aus Geldscheinen und Jetons. Im Allgemeinen hatte der caissier zum Schutz einen Totschläger und eine Pistole bei sich. Über die Trennwand zu springen, Bargeld an sich zu reißen und das Casino durch die Gänge und Türen zu verlassen, war also unmöglich. Und die caissiers arbeiteten normalerweise auch zu zweit.

Bond dachte über das Problem nach, während er zuerst das Bündel mit den Hunderttausend- und dann das Bündel mit den Zehntausend-Franc-Noten abholte. Gleichzeitig stellte er sich die morgendliche Besprechung des Casinokomitees vor.

»Monsieur Le Chiffre hat zwei Millionen gemacht. Er hat sein übliches Spiel gespielt. Miss Fairchild hat innerhalb einer Stunde eine Million gewonnen und ist dann gegangen. Sie hat drei Bancos von Monsieur Le Chiffre angenommen und mit einer gewissen Nüchternheit gespielt. Monsieur le Vicomte de Villorin hat beim Roulette eins Komma zwei Millionen gemacht. Er hat auf das erste und letzte Dutzend den Höchstbetrag gesetzt. Er hatte Glück. Dann hat Mister Bond, der Engländer, seine Gewinne innerhalb der letzten zwei Tage auf genau drei Millionen erhöht. Er hat an Tisch fünf ein progressives System auf Rot gespielt. Duclos, der chef de partie, kennt die weiteren Einzelheiten. Er ist anscheinend sehr beharrlich und spielt jeweils die Höchstsummen. Er hat Glück und scheint gute Nerven zu haben. Insgesamt hat das Chemin de fer Gewinn x gemacht, das Baccara Gewinn y und das Roulette Gewinn z. Das Boule, das mal wieder sehr schlecht frequentiert wurde, hat seine Kosten dennoch wieder reingeholt.«

»Merci, Monsieur Xavier.«

»Merci, Monsieur le President.«

Oder so ähnlich, dachte Bond, während er sich seinen Weg durch die Schwingtüren des salle privée bahnte und dem gelangweilten Mann in Abendgarderobe zunickte, dessen Aufgabe es war, das Kommen und Gehen zu verfolgen. Dabei hatte er den Fuß auf einem Schalter, mit dem er die Türen beim kleinsten Hinweis auf Ärger verschließen konnte.

Und das Casinokomitee würde seinen Geschäftsabschluss machen und zum Mittagessen nach Hause oder in ein Café gehen.

Was das Ausrauben der caisse anging, woran Bond nicht persönlich, sondern nur allgemein interessiert war, so überlegte er, dass es zehn guter Männer bedürfte, die mit ziemlicher Sicherheit ein oder zwei Mitarbeiter würden töten müssen. Und dass man wahrscheinlich in ganz Frankreich oder sonst wo keine zehn verschwiegenen Männer dafür finden würde.

Nachdem er der Garderobiere tausend Franc als Trinkgeld gegeben hatte und die Stufen des Casinos hinabgestiegen war, entschied Bond, dass Le Chiffre unter keinen Umständen versuchen würde, die caisse auszurauben, und schlug sich den Gedanken aus dem Kopf. Stattdessen erforschte er seine gegenwärtigen körperlichen Empfindungen. Er nahm den unangenehm harten Kies unter seinen Abendschuhen, einen schlechten Geschmack im Mund und ein wenig Schweiß unter seinen Achseln wahr. Er konnte spüren, wie seine Augen schwer in ihren Höhlen lagen. Seine Nase war leicht verstopft. Tief atmete er die süße Nachtluft ein und konzentrierte seine Sinne und seinen Verstand. Er wollte wissen, ob jemand sein Zimmer durchsucht hatte, seit er es zum Abendessen verlassen hatte.

Er ging über den breiten Boulevard und durch die Gärten zum Hôtel Splendide. Er lächelte dem Concierge zu, der ihm seinen Schlüssel gab – Nr. 45 im ersten Stock –, und nahm ein Telegramm entgegen.

Es war aus Jamaika und darin stand:

KINGSTONJA XXXX XXXXXX XXXX XXX BOND SPLENDIDE ROYALE-LES-EAUX SEINE INFERIEURE HAVANA ZIGARRENPRODUKTION ALLE KUBANISCHEN FABRIKEN 1915 ZEHN MILLIONEN WIEDERHOLE ZEHN MILLIONEN STOPP HOFFE DIES IST DIE BENÖTIGTE ZAHL

GRÜSSE DASILVA

Das bedeutete, dass die zehn Millionen Franc zu ihm unterwegs waren. Es war die Antwort auf eine Forderung nach weiteren Mitteln, die Bond gestern Nachmittag über Paris an sein Hauptquartier in London geschickt hatte. Paris hatte mit London gesprochen, wo Clements, Bonds Abteilungsleiter, wiederum mit M gesprochen hatte. Dieser hatte nur gelächelt und den »Mittelsmann« angewiesen, das mit dem Schatzamt zu klären.

Bond hatte mal auf Jamaika gearbeitet, und seine Tarnung bei seinem jetzigen Royale-Auftrag war die eines sehr reichen Klienten von Messrs Chaffery, Jamaikas größter Import-Export-Firma. Also erhielt er seine Anweisungen von Jamaika, von einem wortkargen Mann, der Leiter der Fotoredaktion beim Daily Gleaner war, der berühmten karibischen Zeitung.

Dieser Mann beim Gleaner, dessen Name Fawcett lautete, war früher Buchhalter bei einer der führenden Schildkrötenfischereien auf den Kaimaninseln gewesen. Er hatte sich bei Kriegsausbruch freiwillig gemeldet und war bei Kriegsende in der Position eines Zahlmeisterassistenten in einer kleinen Geheimdienstorganisation der Marine auf Malta gelandet. Als er dann schweren Herzens wieder auf die Kaimaninseln zurückgekehrt war, hatte er die Aufmerksamkeit der Karibikabteilung des Secret Service auf sich gezogen. Er war gründlich in Fotografie und einigen anderen Künsten ausgebildet worden und mit der stillschweigenden Duldung eines einflussreichen Mannes auf Jamaika schließlich in der Fotoredaktion des Gleaners gelandet.

Während er also Fotografien durchging, die von den großen Agenturen eingereicht wurden – Keystone, Wide-World, Universal, INP und Reuters –, bekam er per Telefon ab und zu Instruktionen von einem Mann, den er nie getroffen hatte, um gewisse simple Einsätze auszuführen, die nichts weiter erforderten als absolute Diskretion, Schnelligkeit und Sorgfalt. Für diese gelegentlichen Dienste erhielt er pro Monat zwanzig Pfund, die von einem fiktiven Verwandten in England auf sein Konto bei der Royal Bank of Canada eingezahlt wurden.

Fawcetts derzeitiger Auftrag bestand darin, Bond den Text von Botschaften weiterzuleiten, die er selbst von seinem anonymen Kontakt übers Telefon erhalten hatte. Dieser Kontakt hatte ihm versichert, dass nichts, worum er bitten würde, das Misstrauen der jamaikanischen Post auf sich ziehen würde. Also war er nicht weiter überrascht, als er sich plötzlich in einer Korrespondenz mit der »Maritime Press and Photo Agency« mit Zweigstellen in Frankreich und England wiederfand und dafür ein zusätzliches Honorar von zehn Pfund im Monat bekam.

Er fühlte sich sicher und ermutigt, träumte von einer British-Empire-Medaille und leistete die erste Anzahlung auf einen Morris Minor. Außerdem kaufte er sich eine grüne Schirmmütze, die er sich schon lange hatte zulegen wollen und die ihm dabei helfen sollte, in der Fotoredaktion Eindruck zu schinden.

Ein Teil dieser Hintergrundgeschichte schoss Bond durch den Kopf, während er das Telegramm in den Händen hielt. Er war an diese indirekte Kontrolle gewöhnt und mochte sie. Sie verschaffte ihm das Gefühl, ein wenig verhätschelt zu werden, und ersparte ihm die Kommunikation mit M. Er wusste, dass dies wahrscheinlich ein Trugschluss war und dass es in Royale-les-Eaux vermutlich einen weiteren Agenten gab, der unabhängig berichtete, aber so gab er sich der Illusion hin, mehr als die tatsächlichen zweihundertvierzig Kilometer über den Kanal von diesem kühlen Gebäude in der Nähe vom Regent’s Park entfernt zu sein, von dem aus ihn diese paar gleichgültigen Gehirne, die die ganze Show am Laufen hielten, beobachteten und beurteilten. Genau wie Fawcett, der Kaimaninsulaner in Kingston, wusste, dass jemand aus London von der Sache erfahren und wissen wollen würde, woher das Geld gekommen war, wenn er sich den Morris Minor direkt gekauft hätte, statt den Ratenvertrag zu unterschreiben.

Bond las sich das Telegramm ein zweites Mal durch. Dann riss er einen Telegrammvordruck vom Block an der Rezeption (wieso sollte er ihnen einen Durchschlag geben?) und schrieb seine Antwort in Großbuchstaben:

DANKE INFORMATION SOLLTE GENÜGEN

-BOND

Diese Nachricht übergab er dem Concierge und steckte das von »Dasilva« unterzeichnete Telegramm in seine Tasche. Die Angestellten des Concierge (wenn er denn welche hatte), mochten den Beamten im Postamt für eine Kopie bestochen haben, sofern der Concierge den Umschlag nicht bereits über Dampf gehalten oder das Telegramm in Bonds Händen über Kopf mitgelesen hatte.

Er nahm seinen Schlüssel und wünschte eine gute Nacht. Auf den fragenden Blick des Fahrstuhlführers hin schüttelte er den Kopf und nahm die Treppe. Bond wusste, was für ein beliebtes Warnsignal der Aufzug sein konnte. Er erwartete zwar nicht, dass jemand im ersten Stock herumschlich, aber er war lieber vorsichtig.

Während er leise die Stufen hinaufstieg, bedauerte er die Anmaßung in seiner Antwort an M via Jamaika. Als Spieler wusste er, dass es ein Fehler war, auf ein zu kleines Kapital zu vertrauen. Aber M würde ihm wahrscheinlich ohnehin nicht mehr bewilligen. Achselzuckend verließ er das Treppenhaus und ging leise zu seiner Zimmertür.

Bond wusste genau, wo der Schalter war, und so bedurfte es nur einer flüssigen Bewegung, um in der offenen Tür mit gezückter Waffe das Licht anzuschalten. Der sichere, leere Raum schien ihn zu verhöhnen. Fürs Erste ignorierte er den halboffenen Durchgang zum Badezimmer, zog stattdessen die Tür hinter sich zu und schloss ab. Er schaltete die Nachttischlampe und die Spiegelbeleuchtung an und warf seine Pistole auf das Sofa neben dem Fenster. Danach kniete er sich hin und sah nach einem seiner schwarzen Haare, das immer noch dort hing, wo er es am Rand der Schreibtischschublade eingeklemmt hatte.

Als Nächstes untersuchte er eine schwache Spur Talkumpuder auf dem Porzellangriff am Kleiderschrank. Auch sie schien unberührt zu sein. Er ging ins Badezimmer, hob den Deckel des Toilettenspülkastens an und glich den Wasserstand mit einer kleinen Markierung am Schwimmerhahn ab.

Er kam sich bei der Kontrolle dieser kleinen Einbruchstests nicht albern vor. Er war ein Geheimagent und hatte es genau dieser Detailgenauigkeit zu verdanken, dass er noch am Leben war. Vorsichtsmaßnahmen waren für ihn genauso sinnvoll wie für einen Tiefseetaucher, einen Testpiloten oder sonst jemanden, der sein Geld auf gefährliche Art und Weise verdiente.

Bond, der zufrieden feststellte, dass sein Zimmer während seines Abstechers ins Casino nicht durchsucht worden war, zog sich aus und nahm eine kalte Dusche. Dann zündete er seine siebzigste Zigarette an diesem Tag an und setzte sich mit dem dicken Geldbündel seines Wetteinsatzes und seines Gewinns an den Schreibtisch. Dort schrieb er ein paar Zahlen in ein kleines Notizbuch. In den vergangenen zwei Tagen hatte er genau drei Millionen Franc gewonnen. In London hatte man ihn mit zehn Millionen ausgestattet, und nun hatte er London um weitere zehn gebeten. Mit diesem Geld, das sich auf dem Weg zur örtlichen Filiale der Crédit Lyonnais befand, belief sich sein Arbeitskapital auf dreiundzwanzig Millionen Franc oder etwa dreiundzwanzigtausend Pfund.

Bond saß einen Moment lang reglos da und blickte aus dem Fenster auf das dunkle Meer. Dann schob er das Bündel Geldscheine unter das Kissen des kunstvoll verzierten Einzelbetts, putzte sich die Zähne, schaltete das Licht aus und schlüpfte erleichtert unter die übermäßig gestärkte Bettdecke. Zehn Minuten lag er auf der Seite und dachte über die Ereignisse des Tages nach. Schließlich drehte er sich herum und konzentrierte sich auf den Schlaf.

Er schob die Hand unter das Kissen, bis sie am Griff des .38 Colt Police Positive mit dem abgesägten Lauf lag. Dann schlief er ein, und ohne die Wärme und den Humor in seinen Augen verwandelte sich sein Gesicht in eine unbewegte Maske eiskalter Brutalität.

DOSSIER FÜR M

Zwei Wochen zuvor war dieses Memorandum von Station S des Secret Service an M gegangen, dem Leiter dieses Zweigs des britischen Verteidigungsministeriums:

An: M.

Von: Leiter von S.

Betreff: Ein Projekt zur Ausschaltung von Monsieur Le Chiffre (alias »The Number«, »Heir Mummer«, »Herr Ziffer« usw.), einem der führenden Agenten der Gegenseite in Frankreich und Zahlmeister des »Syndicat des Ouvriers d’Alsace«, der kommunistisch kontrollierten Gewerkschaft der Schwer- und Transportindustrie im Elsass, die, soweit wir wissen, eine wichtige fünfte Kolonne für den Fall eines Krieges mit den Roten.

Dokumente: Anhang A ist eine Biografie von Le Chiffre, zusammengestellt vom Archivleiter, Anhang B eine Anmerkung über SMERSCH.

Wir hegen seit einiger Zeit die Vermutung, dass Le Chiffre in Schwierigkeiten steckt. Er ist in fast jeder Hinsicht ein ausgezeichneter Agent der UdSSR, aber seine unappetitlichen körperlichen Gewohnheiten und Vorlieben sind eine Achillesferse, aus der wir ab und an einen Vorteil ziehen konnten. Und eine seiner Gespielinnen ist eine Eurasierin (Nr. 1860), die von Station F kontrolliert wird und vor Kurzem Einblick in seine Privatangelegenheiten erhielt.

Zusammengefasst scheint Le Chiffre am Rande einer finanziellen Krise zu stehen. 1860 bemerkte gewisse Hinweise – einige diskrete Schmuckverkäufe, den Verkauf einer Villa in Antibes, und eine allgemeine Tendenz, den kostspieligen Lebensstil, der bis dahin immer eines seiner Markenzeichen gewesen war, zu mäßigen. Mithilfe unserer Freunde vom Deuxième Bureau (mit dem wir zusammen an diesem Fall arbeiten) konnten weitere Untersuchungen angestellt werden, durch die eine seltsame Geschichte zutage getreten ist.

Im Januar 1946 erkaufte sich Le Chiffre die Kontrolle über eine als Cordon Jaune bekannte Bordellkette in der Normandie und der Bretagne. Er war dumm genug, für diesen Zweck etwa fünfzig Millionen Franc des Geldes aufzuwenden, das ihm von Leningrad-Sektion III für die Finanzierung von SODA anvertraut worden war, der oben erwähnten Gewerkschaft.

Normalerweise hätte sich das Cordon Jaune als hervorragende Investition erwiesen. Und es ist möglich, dass Le Chiffre stärker von dem Wunsch getrieben war, den Gewerkschaftsfond zu vermehren, als von dem, seine eigene Tasche zu füllen, indem er mit dem Geld seiner Arbeitgeber spekulierte. Er hätte viel einträglichere Investitionen finden können als die Prostitution, wenn ihn nicht die Aussicht auf grenzenlosen Frauennachschub zu seinem persönlichen Gebrauch verführt hätte.

Doch das Schicksal bestrafte ihn mit erschreckender Schnelligkeit.

Kaum drei Monate später, am 13. April, wurde in Frankreich das Gesetz Nr. 46685 mit dem Titel Loi Tendant à la Fermeture des Maisons de Tolérance et au Renforcement de la Lutte contre le Proxénitisme verabschiedet.

Als M bei diesem Satz ankam, stöhnte er und drückte auf einen Knopf des Haustelefons.

»Leiter von S?«

»Sir?«

»Was zur Hölle bedeutet dieses Wort?« Er buchstabierte es.

»Zuhälterei.«

»Wir sind hier nicht in der Sprachschule. Wenn Sie schon mit Ihrem Wissen über ausländische Zungenbrecher angeben wollen, seien Sie doch wenigstens so gütig, eine Übersetzung mitzuliefern. Oder noch besser, schreiben Sie auf Englisch.«

»Entschuldigung, Sir.«

M ließ den Knopf los und wandte sich wieder dem Memorandum zu.

Dieses Gesetz, [las er], allgemein bekannt als »La Loi Marthe Richard«, das alle Häuser von schlechtem Ruf schloss und den Verkauf pornografischer Bücher und Filme untersagte, entzog seiner Investition praktisch über Nacht die Grundlage, und plötzlich sah sich Le Chiffre mit einem ernsthaften Defizit seines Gewerkschaftskapitals konfrontiert. Verzweifelt wandelte er seine eigenen Häuser in maisons de passe um, in denen heimliche Treffen an der Grenze zur Illegalität arrangiert werden konnten, und führte ein, zwei cinémas bleus im Untergrund weiter. Aber alle Versuche, seine Investition zu verkaufen, selbst mit großem Verlust, scheiterten kläglich. Währenddessen war ihm die Police des Moeurs auf der Spur, und nach kurzer Zeit wurden zwanzig oder mehr seiner Einrichtungen wieder geschlossen.

Die Polizei sah diesen Mann natürlich nur als Bordellbesitzer, und erst als wir ein Interesse an seinen Finanzen bekundeten, kramte das Deuxième Bureau ein zweites Dossier über ihn hervor, das sich mit dem der Polizei deckte.

Uns und unseren französischen Freunden wurde die Bedeutung der Situation bewusst, und in den vergangenen Monaten hat die Polizei eine gründliche Suche nach den Häusern der Cordon Jaune durchgeführt. Mit dem Resultat, dass heute nichts mehr von Le Chiffres ursprünglicher Investition übrig ist, und jede Routineuntersuchung des ihm anvertrauten Gewerkschaftsfonds das Fehlen von fünfzig Millionen Franc enthüllen würde.

Leningrad scheint noch nicht misstrauisch geworden zu sein, aber zu Le Chiffres Pech ist es möglich, dass ihm zumindest SMERSCH schon auf der Spur ist. Letzte Woche hat eine hochkarätige Quelle von Station P berichtet, dass ein hoher Beamter dieser effizienten Organisation Warschau verlassen hat, um über Ostberlin nach Straßburg zu reisen. Es gibt keine Bestätigung dieses Berichts, weder vom Deuxième Bureau noch von den Kollegen aus Straßburg (die zuverlässig und gründlich sind). Und es gibt auch aus Le Chiffres Hauptquartier, in das wir zusätzlich zu 1860 noch einen Doppelagenten eingeschleust haben, keine Neuigkeiten.

Wenn Le Chiffre wüsste, dass ihm SMERSCH auf der Spur ist oder den leisesten Verdacht gegen ihn hegt, hätte er keine andere Wahl, als Selbstmord zu begehen oder einen Fluchtversuch zu unternehmen. Seine derzeitigen Pläne deuten allerdings darauf hin, dass er zwar verzweifelt ist, jedoch noch nicht begreift, dass sein Leben in Gefahr ist. Es sind seine recht spektakulären Pläne, die uns auf eine Idee für eine Gegenoperation brachten, die wir am Ende dieses Memorandums vorstellen werden, auch wenn sie riskant und unkonventionell erscheinen mag.

Kurz gefasst, gehen wir davon aus, dass Le Chiffre plant, dem Beispiel vieler Verzweifelter zu folgen, die Geld veruntreut haben, und den fehlenden Betrag durch Glücksspiel zurückzugewinnen versucht. Börsenspekulationen sind zu langsam, genau wie der illegale Handel mit Drogen oder teuren Medikamenten. Keine Rennbahn würde die Summen annehmen, die er einsetzen müsste, und wenn doch, würde man ihn im Falle eines Gewinns wahrscheinlich eher töten, statt ihn auszuzahlen.

Auf jeden Fall wissen wir, dass er die letzten fünfundzwanzig Millionen Franc aus der Kasse seiner Gewerkschaft entnommen und ab morgen in zwei Wochen für sieben Tage eine kleine Villa in der Nähe von Royale-les-Eaux, gleich nördlich von Dieppe, gemietet hat.

Es wird erwartet, dass das Casino in Royale diesen Sommer die höchsten Wetteinsätze sehen wird. Die Société des Bains de Mer de Royale hat in einem Versuch, den Gemeinden von Deauville und Le Touqeuet das große Geld zu entreißen, die Baccara- und zwei der Chemin-de-fer-Tische an das Mahomet-Ali-Syndikat vermietet, eine Gruppe emigrierter ägyptischer Banker und Geschäftsmänner mit, so heißt es, Zugriff auf gewisse königliche Geldmittel. Diese versucht schon seit Jahren, die Profite von Zographos und seinen griechischen Geschäftspartnern zu drosseln, die sie aus ihrem Monopol der höchsten französischen Baccara-Banken erzielen.

Mithilfe diskreter Werbung wurde eine beträchtliche Anzahl der größten amerikanischen und europäischen Spieler dazu ermutigt, diesen Sommer nach Royale zu reisen, und es scheint möglich, dass dieses altmodische Kaff dadurch zumindest teilweise zu seinem ehemaligen viktorianischen Ruhm zurückfindet.

Wir sind jedenfalls davon überzeugt, dass Le Chiffre am oder ab dem 15. Juni versuchen wird, beim Baccara mit einem Arbeitskapital von fünfundzwanzig Millionen Franc einen Profit von fünfzig Millionen zu erzielen (und damit sein Leben zu retten).

Vorgeschlagene Gegenoperation: Es wäre sehr im Interesse dieses Landes und dem der anderen Nationen der NATO, dass dieser einflussreiche sowjetische Agent bloßgestellt und zerstört und seine kommunistische Gewerkschaft in den Bankrott getrieben wird. Und dass diese potenzielle fünfte Kolonne mit einer Stärke von 50.000 Mann, die im Falle eines Krieges einen großen Bereich von Frankreichs nördlicher Grenze kontrollieren könnte, ihren Zusammenhalt verliert. All dies wäre die Folge, wenn Le Chiffre am Spieltisch geschlagen werden könnte. (Anm.: Ein Attentat ist zwecklos. Leningrad würde seine Unterschlagung schnell vertuschen und ihn zu einem Märtyrer machen.)

Wir empfehlen daher, dass der beste Spieler, der dem Geheimdienst zur Verfügung steht, mit den notwendigen Mitteln ausgestattet wird, um zu versuchen, diesen Mann am Spieltisch zu schlagen.

Die Risiken sind offensichtlich und das finanzielle Verlustpotenzial für den Secret Service enorm, aber andere Operationen, in die hohe Summen gesteckt wurden, hatten geringere Erfolgsaussichten, oftmals auch für viel kleinere Ziele.

Wenn die Entscheidung ungünstig ausfällt, besteht die einzige Alternative darin, unsere Informationen und Empfehlungen in die Hände des Deuxième Bureau oder unserer amerikanischen Kollegen von der Central Intelligence Agency in Washington zu geben. Beide Organisationen wären zweifellos erfreut, den Plan zu übernehmen.

Unterzeichnet: S.

Anhang A.

Name: Le Chiffre

Decknamen: Variationen der Wörter »Zahl« oder »Ziffer« in verschiedenen Sprachen.

Herkunft: Unbekannt

Das erste Mal aufgetaucht im Juni 1945 als verschleppte Person im Konzentrationslager Dachau in der US-Zone von Deutschland. Litt vorgeblich an Amnesie und Lähmung der Stimmbänder (vorgetäuscht?). Stummheit konnte in der Therapie überwunden werden, aber die Zielperson behauptete weiter, unter totalem Gedächtnisverlust zu leiden, abgesehen von einer gewissen Assoziation mit Elsass-Lothringen und Straßburg, wohin er im September 1945 mit dem Reiseausweis für Staatenlose Nr. 204-596 überstellt wurde. Nahm den Namen »Le Chiffre« an (»da ich ja nur eine Nummer auf einem Ausweis bin«). Kein Vorname.

Alter: Ungefähr 45

Beschreibung: Größe etwa 1,72 m. Gewicht 114 kg. Sehr helle Haut. Glatt rasiert. Haare rotbraun, kurz geschnitten. Augenfarbe dunkelbraun. Das Weiße ist überall um seine Iris herum zu sehen. Ein kleiner, weiblich wirkender Mund. Teurer Zahnersatz. Kleine Ohren mit großen Ohrläppchen, möglicherweise ein Hinweis auf jüdische Abstammung. Kleine gepflegte Hände mit leichter Behaarung. Kleine Füße. Rassisch gesehen ist die Zielperson wahrscheinlich südländischer Herkunft mit preußischem oder polnischem Einschlag. Kleidet sich gut und peinlich genau, meistens in dunkle Zweireiher. Raucht ständig starke Zigaretten, die er aber eine Zigarettenspitze mit einem Aktivkohlefilter steckt. Benutzt in regelmäßigen Abständen einen Benzedrin-Inhalator. Die Stimme ist weich und gleichmäßig. Spricht fließend Französisch und Englisch sowie gutes Deutsch. Spuren eines Marseille-Akzents. Lächelt selten. Lacht nie.

Gewohnheiten: Kostspielig, aber diskret. Beträchtliche sexuelle Gelüste. Sadist. Fährt gerne schnelle Autos. Experte für Handwaffen und andere Formen des Nahkampfes, einschließlich Messer. Versteckt drei Rasierklingen im Hutband, im Absatz seines linken Schuhs und in seinem Zigarettenetui. Kenntnisse in Buchführung und Mathematik. Guter Spieler. Immer von zwei bewaffneten, gut gekleideten Wachen begleitet, einer französisch, der andere deutsch. (Einzelheiten verfügbar).

Kommentar: Ein beeindruckender und gefährlicher Agent der UdSSR, gesteuert von Leningrad-Sektion III via Paris.

Unterzeichnet: Der Archivar

Anhang B.

Betreff: SMERSCH

Quellen: Unser eigenes Archiv und ein paar Informationen des Deuxième Bureau und der CIA in Washington.

SMERSCH ist eine Verbindung zweier russischer Wörter: »Smert Schpionam«, was in etwa »Tod den Spionen« bedeutet.

Steht noch über dem MWD (ehemals NKWD) und läuft Gerüchten zufolge unter der direkten Leitung von Beria.

Hauptquartier: Leningrad (Unterstelle in Moskau).

Ihre Aufgabe besteht in der Eliminierung aller Formen von Verrat und dem Umgang mit Abtrünnigen der verschiedenen Zweige des sowjetischen Geheimdienstes und der Geheimpolizei im In- und Ausland. Sie ist die mächtigste und gefürchtetste Organisation der UdSSR und es wird gemeinhin angenommen, dass sie in einer Rachemission noch niemals versagt hat.

SMERSCH trat zum ersten Mal international in Erscheinung, als Hitler Russland angriff. Damals wurde die Organisation rasch ausgebaut, um während des Rückzugs der sowjetischen Truppen 1941 mit Verrat und Doppelagenten fertigzuwerden. Zu diesem Zeitpunkt fungierte sie als Hinrichtungskommando des NKWD. Ihre gegenwärtige Mission ist nicht so eindeutig bestimmt.

Die Organisation selbst wurde nach dem Krieg gründlich ausgesiebt, und man nimmt an, dass sie derzeitig aus nur ein paar Hundert Agenten sehr hoher Qualität besteht, die sich in fünf Sektionen unterteilen:

Abteilung I: Verantwortlich für Spionageabwehr in sowjetischen Organisationen im In- und Ausland.

Abteilung II: Einsätze, einschließlich Exekutionen.

Abteilung III: Verwaltung und Finanzen.

Abteilung IV: Untersuchungen und Rechtliches. Personalabteilung.

Abteilung V: Strafverfolgung: die Abteilung, die das Urteil über alle Opfer fällt.

Seit dem Krieg ist uns nur ein SMERSCH-Agent in die Hände gefallen, Goytchev alias Garrad-Jones. Er erschoss Petchora, den medizinischen Offizier der jugoslawischen Botschaft im Hyde Park, am 7. August 1948. Während des Verhörs beging er mit einer Kapsel Kaliumzyanid Selbstmord. Über seine Mitgliedschaft bei SMERSCH hinaus gestand er nichts, aber mit dieser prahlte er auf arroganteste Weise.

Wir glauben, dass die folgenden Doppelagenten SMERSCH zum Opfer fielen: Donovan, Harthrop-Vane, Elizabeth Dumont, Ventnor, Mace, Savarin. (Für Einzelheiten siehe Leichenschauhaus: Abteilung Q.)

Fazit: Es sollte jede Anstrengung unternommen werden, um mehr über diese sehr mächtige Organisation in Erfahrung zu bringen und ihre Agenten zu eliminieren.

NUMMER 007

Der Leiter von S (der Abteilung des Secret Service, die sich mit der Sowjetunion befasste) war so begeistert von seinem Plan zur Eliminierung von Le Chiffre – und es war im Wesentlichen sein eigener Plan –, dass er das Memorandum persönlich ins oberste Stockwerk des düsteren Gebäudes am Regent’s Park durch die mit grünem Stoff bezogene Tür und zum letzten Raum des Korridors brachte.

Er marschierte streitlustig auf Ms Stabschef zu. Dieser hatte sich seine Sporen als Mitarbeiter im Sekretariat des Generalstabskomitees verdient, nachdem er 1944 während eines Sabotageeinsatzes verwundet worden war. Trotz beider Erfahrungen hatte er sich seinen Humor bewahrt.

»Hören Sie mal, Bill. Ich will dem Chef was verkaufen. Ist das ein guter Zeitpunkt?«

»Was denken Sie, Penny?« Der Stabschef drehte sich zu Ms privater Sekretärin um, die sich das Vorzimmer mit ihm teilte.

Ohne ihren Blick, der einfach zu kühl, direkt und spöttisch war, wäre Miss Moneypenny durchaus attraktiv gewesen.

»Sollte in Ordnung gehen. Er hat heute im Außenbüro einen kleinen Sieg errungen und ist in der nächsten halben Stunde nicht verplant.« Sie lächelte den Leiter von S ermutigend an. Sie mochte ihn, um seiner selbst und um der Wichtigkeit seiner Abteilung willen.

»Tja, hier sind die Informationen, Bill.« Er reichte ihm die schwarze Mappe mit dem roten Stern, der für die höchste Geheimhaltungsstufe stand. »Und wirken Sie bitte ein bisschen enthusiastisch, wenn Sie sie ihm geben. Und sagen Sie ihm, dass ich hier warte und ein gutes Codebuch lese, während er sie sich ansieht. Vielleicht will er noch ein paar weitere Details. Außerdem will ich Sie beide ohnehin im Auge behalten, damit Sie ihn nicht belästigen, bis er fertig ist.«

»In Ordnung, Sir.« Der Stabschef drückte eine Taste und lehnte sich zur Sprechanlage auf seinem Schreibtisch vor.

»Ja?«, fragte eine flache, leise Stimme.

»Der Leiter von S hat ein dringendes Dokument für Sie.«

Eine Pause.

»Bringen Sie es rein«, sagte die Stimme.

Der Stabschef ließ die Taste los und erhob sich.

»Danke, Bill. Ich warte dann mal nebenan«, sagte der Leiter von S.

Der Stabschef ging zu den Doppeltüren, die zu Ms Büro führten. Sobald er es betreten hatte, blinkte über dem Eingang ein kleines blaues Licht auf, das bedeutete, dass M nicht gestört werden wollte.

Später sagte der triumphierende Leiter von S zu seinem Stellvertreter: »Der letzte Absatz hat uns ein wenig in Schwierigkeiten gebracht. M bezeichnete ihn als subversiv und erpresserisch. Er war deswegen ziemlich ungehalten. Aber er hat zugestimmt. Er findet die Idee zwar verrückt, meint aber, dass es einen Versuch wert ist. Natürlich nur, wenn das Schatzamt mitspielt, aber er ist überzeugt, das wird es. Er wird ihnen sagen, dass die Gewinnchancen höher sind als bei dem Geld, das wir in desertierte russische Generäle stecken, die dann nach ein paar Monaten »Asyl« doch wieder zurückgehen. Und er will unbedingt Le Chiffre drankriegen. Außerdem hat er genau den richtigen Mann für die Sache und will ihn bei diesem Auftrag ausprobieren.«

»Wer ist es?«, fragte der Stellvertreter.

»Einer von den Doppelnullen, ich schätze 007. Er ist hart im Nehmen, und M denkt, dass es mit diesen Handlangern von Le Chiffre Ärger geben könnte. Er muss beim Kartenspiel ziemlich gut sein, sonst hätte er vor dem Krieg nicht zwei Monate lang in dem Casino in Monte Carlo gesessen und dieses rumänische Team dabei beobachtet, wie es die Sache mit der unsichtbaren Tinte und den dunklen Brillen durchgezogen hat. Er und das Deuxième haben sie am Ende erwischt, und 007 lieferte eine Million Franc ab, die er beim Shemmy gewonnen hatte. Das war damals gutes Geld.«

James Bonds Besprechung mit M war kurz gewesen.

»Was halten Sie davon, Bond?«, fragte M, als Bond wieder in den Raum zurückkam, nachdem er das Memorandum des Leiters von S gelesen und zehn Minuten lang aus dem Fenster des Wartezimmers auf den Park gestarrt hatte.

Bond sah über den Schreibtisch hinweg in die intelligenten, klaren Augen seines Gegenübers.

»Das ist sehr freundlich von Ihnen, Sir. Ich würde es gerne machen. Aber ich kann nicht garantieren, dass ich gewinne. Die Chancen beim Baccara sind die besten nach denen beim Trente et quarante – nach Abzug der kleinen cagnotte sogar gleich –, aber ich könnte eine Pechsträhne haben und rausfliegen. Der Spieleinsatz wird recht hoch gehen. Ich schätze, die Startsumme wird sich auf etwa eine halbe Million belaufen.«

Bond wurde von einem kalten Blick gestoppt. M wusste all diese Dinge bereits und kannte die Risiken genauso gut wie Bond. Das war schließlich seine Aufgabe – immer die Risiken zu kennen. Und die Agenten zu kennen, seine eigenen wie die der Gegenseite. Bond wünschte, er hätte seine Zweifel für sich behalten.

»Er könnte ebenfalls eine Pechsträhne haben«, sagte M. »Sie haben jede Menge Kapital. Bis zu fünfundzwanzig Millionen, das gleiche wie er. Wir geben Ihnen erst mal zehn und schicken Ihnen weitere zehn, wenn Sie sich umgesehen haben. Die zusätzlichen fünf können Sie sich selbst erspielen.« Er lächelte. »Fahren Sie schon ein paar Tage vor dem großen Spiel hin und akklimatisieren Sie sich. Sprechen Sie mit Q über Unterkunft, Anreise und die Ausrüstung, die Sie benötigen. Der Zahlmeister wird das Kapital zur Verfügung stellen. Ich werde dem Deuxième mitteilen, dass sie sich bereithalten sollen. Es ist ihr Territorium, und so wie die Dinge stehen, können wir uns glücklich schätzen, wenn sie keinen Ärger machen. Ich versuche, sie zu überreden, Mathis zu schicken. Sie scheinen in Monte Carlo bei diesem anderen Casinoauftrag gut mit ihm zurechtgekommen zu sein. Und wegen des NATO-Aspekts werde ich Washington informieren müssen. Die CIA hat in Fontainebleau auch ein paar gute Männer. Sonst noch etwas?«

Bond schüttelte den Kopf. »Ich würde sehr gerne wieder mit Mathis zusammenarbeiten, Sir.«

»Nun, wir werden sehen. Versuchen Sie, es hinzubekommen. Wenn Sie scheitern, stehen wir ganz schön dumm da. Und passen Sie auf sich auf. Es klingt wie ein entspannter Auftrag, aber ich glaube nicht, dass es das sein wird. Le Chiffre ist ein gefährlicher Gegner. Dann mal viel Glück.«

»Danke, Sir«, sagte Bond und ging zur Tür.

»Einen Moment noch.«

Bond drehte sich um.

»Ich denke, ich werde Ihnen Rückendeckung mitschicken. Vier Augen sehen mehr als zwei, und Sie werden jemanden brauchen, der Ihren Nachrichtenaustausch erledigt. Ich werde darüber nachdenken. Man wird Sie in Royale kontaktieren. Machen Sie sich keine Sorgen. Es wird jemand Fähiges sein.«

Bond hätte lieber allein gearbeitet, aber mit M diskutierte man nicht. Er verließ das Büro in der Hoffnung, dass der Mann, den sie schicken würden, loyal sein würde und nicht dämlich oder, schlimmer noch, ambitioniert.

L’ENNEMI ÉCOUTE

Zwei Wochen später erwachte James Bond in seinem Zimmer im Hôtel Splendide.

Als er zwei Tage zuvor in Royale-les-Eaux gerade rechtzeitig zum Mittagessen angekommen war, hatte es keinen Versuch gegeben, ihn zu kontaktieren. Und es hatte auch keine Neugier erregt, als er ins Gästebuch »James Bond, Port Maria, Jamaika« eingetragen hatte.

M hatte kein Interesse an seiner Tarnung gezeigt.

»Sobald Sie Le Chiffre am Spieltisch gegenübersitzen, spielt Ihre Tarnung ohnehin keine Rolle mehr«, sagte er. »Aber wählen Sie trotzdem eine, die dort zur allgemeinen Öffentlichkeit passt.«

Bond kannte Jamaika gut, also bat er darum, seine Anweisungen von dort aus zu erhalten. Er würde sich als jamaikanischer Plantagenbesitzer ausgeben, dessen Vater durch Tabak- und Zuckeranbau reich geworden war. Der Sohn zog es jedoch vor, diesen Reichtum an der Börse und in Casinos zu verspielen. Sollte jemand nachhaken, würde er auf Charles DaSilva von Chaffery’s, Kingston, als seinen Anwalt verweisen. Charles würde die Geschichte schon glaubhaft machen.

Bond hatte die beiden vergangenen Nachmittage und einen Großteil der Nächte im Casino verbracht und mit einem komplizierten Progressionssystem auf die geraden Zahlen gesetzt. Immer, wenn beim Chemin de fer ein hohes Banco angeboten wurde, spielte er mit. Wenn er verlor, sagte er einmal suivi, verfolgte es aber nicht weiter, wenn er ein zweites Mal verlor.

Auf diese Weise hatte er drei Millionen Franc zusammenbekommen und sowohl seinen Nerven als auch seinem Kartensinn ein gründliches Training verpasst. Den Grundriss des Casinos hatte er sich bereits eingeprägt. Doch vor allem hatte er Le Chiffre am Spieltisch beobachten können und voller Bedauern festgestellt, dass es sich um einen Spieler handelte, der keine Fehler beging und das Glück gepachtet zu haben schien.

Bond frühstückte gerne ausgiebig. Nach einer kalten Dusche saß er am Schreibtisch vor dem Fenster. Er sah auf den schönen Tag hinaus und genoss ein Glas Orangensaft, Rührei mit Speck und eine doppelte Portion Kaffee ohne Zucker. Er zündete sich seine erste Zigarette an, eine Spezialmischung aus Balkantabak und türkischem Tabak, die er sich von Morlands in Londons Grosvenor Street herstellen ließ, und beobachtete, wie sanfte Wellen an die Küste brandeten und sich die Fangflotte von Dieppe, gefolgt von einem Schwarm Silbermöwen, in die sommerlichen Hitzeschleier aufmachte.

Er war ganz in Gedanken versunken, als das Telefon klingelte. Es war der Concierge, der ihm mitteilte, dass unten ein Mitarbeiter von Radio Stentor mit dem Gerät wartete, das er aus Paris bestellt hatte.

»Natürlich«, sagte Bond. »Schicken Sie ihn hoch.«

Das war die Tarnung, die sich das Deuxième Bureau für Bonds Kontaktmann ausgedacht hatte. Bond behielt die Tür im Blick und hoffte, dass es Mathis sein würde.

Als Mathis hereinkam, ein respektabler Geschäftsmann mit einem großen, rechteckigen Paket, breitete sich ein Lächeln auf Bonds Gesicht aus. Er hätte ihn warmherzig begrüßt, wenn Mathis, nachdem er sorgfältig die Tür geschlossen hatte, nicht die Stirn gerunzelt und seine freie Hand gehoben hätte.

»Ich bin gerade aus Paris angekommen, Monsieur, und hier ist das Set, das Sie zur Ansicht bestellt haben – fünf Röhren, ich glaube, in England nennt man es Superhet. Sie sollten von Royale aus die Sender aller europäischen Hauptstädte empfangen können. Es gibt in einem Umkreis von über sechzig Kilometern keine Berge.«

»Das klingt ja ganz gut«, erwiderte Bond und hob eine fragende Augenbraue.

Doch Mathis ignorierte seine Geste. Er stellte das Gerät, das er inzwischen aus der Verpackung befreit hatte, auf den Boden neben den ausgeschalteten elektrischen Kamin.

»Es ist kurz nach elf«, sagte er, »und ich weiß, dass die Compagnons de la Chanson gerade auf der Mittelwellenfrequenz zu hören sind. Sie touren durch Europa. Mal sehen, wie der Empfang ist. Sollte ein guter Test sein.«

Er zwinkerte. Bond bemerkte, dass er die Lautstärke voll aufgedreht hatte und das rote Licht der Mittelwelle leuchtete, auch wenn das Gerät noch stumm war.

Mathis fummelte an der Rückseite des Radios herum. Plötzlich erfüllte ein entsetzlich lautes Rauschen das Zimmer. Mathis betrachtete das Gerät ein paar Sekunden lang gut gelaunt, dann schaltete er es ab. Seine Stimme klang entsetzt.

»Mein lieber Monsieur – bitte vergeben Sie mir – es war falsch eingestellt.« Dann wandte er sich wieder den Drehknöpfen des Geräts zu. Nach ein paar Neueinstellungen erklangen melodische französische Stimmen. Mathis ging zu Bond herüber, klopfte ihm auf den Rücken und ergriff seine Hand so fest, dass Bonds Finger schmerzten.

Bond lächelte ihn an. »Was sollte das eben?«

»Mein lieber Freund«, sagte Mathis hocherfreut, »Sie sind so was von aufgeflogen. Dort oben«, er deutete zur Decke, »befindet sich gerade entweder Monsieur Muntz oder seine angebliche Ehefrau, die mit einer angeblichen Grippe im Bett liegt, und hält sich seine oder ihre schmerzenden Ohren.« Als er Bonds skeptischen Blick sah, grinste er vergnügt.

Mathis setzte sich aufs Bett und riss mit seinem Daumen eine Packung Caporal-Zigaretten auf. Bond wartete.

Mathis war mit der Verwirrung, die seine Worte gestiftet hatten, zufrieden. Er wurde ernst.

»Wie es passiert ist, weiß ich nicht. Die müssen schon ein paar Tage vor Ihrer Ankunft auf Sie angesetzt gewesen sein. Die Gegenseite hat viele Leute hier. Über Ihnen wohnt die Familie Muntz. Er ist Deutscher. Sie ist irgendwo aus Mitteleuropa, vielleicht der Tschechoslowakei. Dies ist ein altmodisches Hotel. Hinter diesen elektrischen Kaminen befinden sich stillgelegte Schächte. Genau hier«, er deutete auf eine Stelle ein paar Zentimeter über dem Kamin, »wurde ein sehr leistungsfähiges Mikrofon angebracht. Die Drähte laufen den Schacht hinauf zu einem Verstärker. In ihrem Zimmer haben sie ein Aufnahmegerät und einen Kopfhörer, mit dem die beiden abwechselnd lauschen. Darum hat Madame Muntz die Grippe und nimmt all ihre Mahlzeiten im Bett ein. Und darum muss Monsieur Muntz immer an ihrer Seite sein, anstatt den Sonnenschein und das Casino dieses herrlichen Ortes zu genießen.

Einiges davon wissen wir, weil wir in Frankreich einfach außerordentlich clever sind. Den Rest konnten wir ein paar Stunden vor Ihrer Ankunft bestätigen, indem wir Ihren Kamin aufgeschraubt haben.«

Misstrauisch ging Bond zum Kamin und untersuchte die Schrauben, mit denen die Platte an der Wand befestigt war. Die Schraubenschlitze wiesen winzige Kratzer auf.

»Jetzt müssen wir wieder ein bisschen schauspielern«, sagte Mathis. Er ging zum Radio, das seinem dreiköpfigen Publikum immer noch ein Lied vorspielte, und schaltete es aus.

»Sind Sie zufrieden, Monsieur?«, fragte er. »Sie haben selbst gehört, was für einen klaren Klang es hat. Ist das nicht eine tolle Truppe?« Er machte mit seiner rechten Hand eine kreisende Bewegung und hob seine Augenbrauen.

»Sie sind so gut«, erwiderte Bond, »dass ich gerne den Rest des Programms hören würde.« Er grinste bei dem Gedanken an die wütenden Blicke, die sich die beiden Agenten im Zimmer über ihm wahrscheinlich zuwarfen. »Das Gerät selbst scheint großartig zu sein. Genau das, was ich mit nach Jamaika nehmen wollte.«

Mathis verzog sarkastisch das Gesicht und schaltete den Rom-Sender wieder ein.

»Sie und Ihr Jamaika«, bemerkte er und setzte sich erneut aufs Bett.

Bond sah ihn schräg an. »Tja, was geschehen ist, ist geschehen«, erwiderte er. »Wir haben ohnehin nicht erwartet, dass meine Tarnung ewig hält. Aber es ist schon ein wenig beunruhigend, dass sie so schnell durchschaut wurde.« Vergeblich durchforstete er sein Gehirn nach Hinweisen. Hatten die Russen einen ihrer Codes entschlüsselt? Wenn ja, konnten sie genauso gut einpacken und nach Hause gehen. Er und seine Mission wären dann im Eimer.

Mathis schien seine Gedanken lesen zu können. »Es kann kein Code gewesen sein«, erklärte er. »Jedenfalls haben wir London sofort informiert, und sie werden sie inzwischen geändert haben. Wir haben da eine ganz schöne Panik verursacht, das kann ich Ihnen sagen.« Er lächelte mit der Zufriedenheit eines freundlichen Rivalen. »Und jetzt zum Geschäftlichen, bevor unseren guten Compagnons die Luft ausgeht. Zuerst einmal«, sagte er und nahm einen tiefen Zug von seiner Caporal, »werden Sie mit Ihrer Nummer zwei äußerst zufrieden sein. Sie ist schön« – Bond runzelte die Stirn – »wirklich sehr schön.« Erfreut über Bonds Reaktion fuhr Mathis fort. »Sie hat schwarzes Haar, blaue Augen und ist … ähm … gut gebaut. Vorne und hinten«, fügte er hinzu. »Und sie ist Funkexpertin, was sexuell zwar weniger interessant ist, sie aber zu einer perfekten Mitarbeiterin von Radio Stentor macht. Sie wird hier während der Sommersaison die Assistentin meines Radiovertreters darstellen.« Er grinste. »Wir sind beide in diesem Hotel abgestiegen, und daher wird meine Assistentin stets zur Verfügung stehen, sollte mit Ihrem neuen Radio etwas nicht stimmen. Alle neuen Geräte, selbst die französischen, sind in den ersten paar Tagen extrem störanfällig. Gelegentlich sogar in den Nächten«, fügte er mit einem übertriebenen Augenzwinkern hinzu.

Bond fand das gar nicht witzig. »Warum zum Teufel schicken die mir eine Frau?«, stieß er verbittert hervor. »Halten die das hier für ein verdammtes Picknick?«

Mathis unterbrach ihn. »Beruhigen Sie sich, mein lieber James. Sie ist so professionell, wie man es sich nur wünschen kann, und kalt wie ein Eiszapfen. Sie spricht fließend Französisch und kennt ihre Aufgabe in- und auswendig. Ihre Tarnung ist perfekt, und ich habe es so eingerichtet, dass sie ganz unauffällig mit Ihnen zusammenarbeiten kann. Was wäre natürlicher, als hier ein hübsches Mädchen aufzureißen? Als heißblütiger jamaikanischer Millionär sähen Sie ohne Frau im Arm doch nackt aus.«

Bond brummte zweifelnd.

»Irgendwelche anderen Überraschungen?«, fragte er misstrauisch.

»Keine allzu großen«, antwortete Mathis. »Le Chiffre hat seine Villa bezogen. Sie liegt etwa sechzehn Kilometer die Küstenstraße hinunter. Er hat zwei Leibwächter dabei. Sie wirken äußerst kompetent. Einer der beiden hat eine kleine ‚Pension‘ in der Stadt besucht, in die vor zwei Tagen drei mysteriöse und recht unmenschlich wirkende Gestalten eingezogen sind. Die könnten Teil ihres Teams sein. Ihre Papiere sind in Ordnung – offenbar handelt es sich um staatenlose Tschechen –, aber einer unserer Männer sagt, dass sie in ihrem Zimmer Bulgarisch sprechen. Von denen sieht man hier sonst nicht viele. Sie werden hauptsächlich gegen die Türken und Jugoslawen eingesetzt. Sie sind dumm, aber gehorsam. Die Russen setzen sie für einfache Morde oder als Sündenbock für die komplizierteren ein.«

»Na vielen Dank auch. Welche Sorte Mord soll es in meinem Fall wohl sein?«, fragte Bond. »Sonst noch was?«

»Nein. Kommen Sie vor dem Mittagessen in die Bar im Hermitage. Ich werde Sie miteinander bekanntmachen. Laden Sie das Mädchen zum Abendessen ein. Dann wird es ganz natürlich aussehen, wenn sie Sie ins Casino begleitet. Ich werde auch dort sein, mich aber im Hintergrund halten. Ich habe dort außerdem noch ein paar gute Männer, und wir werden Sie im Auge behalten. Oh, dann befindet sich hier im Hotel noch ein Amerikaner namens Leiter. Felix Leiter. Er ist der CIA-Agent aus Fontainebleau. London hat mich gebeten, Ihnen das mitzuteilen. Er scheint in Ordnung zu sein. Vielleicht ist er ganz nützlich.«

Aus dem Radio auf dem Boden kam plötzlich ein italienischer Wortschwall. Mathis schaltete es ab. Dann tauschten sie Belangloses über das Gerät aus und sprachen darüber, wie Bond dafür zu zahlen gedachte. Schließlich verabschiedete sich Mathis überschwänglich und zwinkerte ihm noch einmal zu, bevor er sich verbeugte und hinausging.

Bond setzte sich wieder ans Fenster und ordnete seine Gedanken. Nichts von dem, was Mathis ihm gesagt hatte, war beruhigend. Er war komplett aufgeflogen und wurde überwacht. Vielleicht würde man sogar versuchen, ihn auszuschalten, bevor er sich überhaupt mit Le Chiffre an den Spieltisch setzen konnte. Die Russen hatten keine zimperlichen Vorbehalte gegen Mord. Und dann war da noch dieses lästige Mädchen. Er seufzte. Frauen waren zur Erholung gedacht. Bei einem Auftrag kamen sie einem nur in die Quere und vernebelten alles mit Sex und gekränkten Gefühlen und all dem emotionalen Ballast, den sie mit sich herumschleppten. Man musste ständig auf sie aufpassen und sich um sie sorgen.

»Verdammt«, sagte Bond. Als ihm die Muntzens wieder einfielen, wiederholte er es noch einmal lauter und verließ sein Zimmer.

DAS MÄDCHEN AUS DEM HAUPTQUARTIER

Es war Punkt zwölf, als Bond das Splendide verließ und die Uhr des Rathauses durch ihr mittägliches Glockenspiel stolperte. Es duftete stark nach Pinien und Mimosen, und die frisch gewässerten Gärten auf der gegenüberliegenden Seite des Casinos, durch die ordentliche Kieswege verliefen, verliehen der Szenerie einen hübschen Formalismus, der einem Ballett eher angemessen schien als einem Melodram.

Die Sonne strahlte, und es lag eine Heiterkeit und Spannung in der Luft, die für die kleine Küstenstadt, die nach vielen Rückschlägen endlich wieder zu alter Größe finden wollte, Gutes verhieß.

Royale-les-Eaux, das an der Somme-Mündung lag, wo sich die flache Küstenlinie von den Stränden der nördlichen Picardie zu den bretonischen Klippen emporschwang, die bis nach Le Havre reichten, hatte ein ganz ähnliches Schicksal wie Trouville erlitten.

Royale (damals noch ohne das »Eaux«) hatte ebenfalls als kleines Fischerdorf begonnen, und sein Aufstieg zum Ruhm als eleganter Treffpunkt während des zweiten Kaiserreichs verlief so kometenhaft wie der von Trouville. Aber genau wie Deauville Trouville vernichtet hatte, so hatte Le Touquet nach einer langen Zeit des Verfalls Royale vernichtet.

Um die Jahrhundertwende, als es in Mode kam, das Vergnügen mit einer therapeutischen Wirkung zu kombinieren, und es um die kleine Küstenstadt sehr schlecht stand, wurde in den Hügeln hinter Royale eine natürliche Quelle entdeckt, die genügend Schwefel enthielt, um positive Auswirkungen auf die Leber zu haben. Und da alle Franzosen Probleme mit der Leber haben, wurde Royale im Handumdrehen zu »Royale-les-Eaux«. Und »Eau Royale« fand sich in seiner torpedoförmigen Flasche plötzlich ganz oben auf den Mineralwasserkarten der Hotels und Restaurants des Landes wieder.

Doch lange konnte es dem mächtigen Kartell von Vichy, Perrier und Vittel nicht widerstehen. Es gab eine Reihe von Klagen, einige Leute verloren eine Menge Geld, und schon bald wurde es nur noch vor Ort verkauft. Nun war Royale im Sommer wieder von den Einnahmen durch die französischen und englischen Urlauber und im Winter von seiner Fangflotte abhängig. Und natürlich von den Krümeln, die vom Tisch in Le Touquet auf sein elegant heruntergekommenes Casino abfielen.

Aber es lag etwas Besonderes in der verschnörkelten Pracht des Casino Royale mit seinem Hauch von viktorianischer Eleganz. 1950 fand ein Konsortium aus Paris, das große Geldmittel aus dem Vermögen geflohener Vichy-Anhänger zu verteilen hatte, gefallen an Royale.

Brighton war seit dem Krieg wiederbelebt worden, genau wie Nizza. Nostalgie nach der guten alten Zeit war schon immer eine gute Einnahmequelle gewesen.

Das Casino wurde wieder in seinem ursprünglichen Weiß und Gold gestrichen und die Räume in Hellgrau eingerichtet, dazu gab es weinrote Teppichböden und Vorhänge. Man installierte riesige Kronleuchter. Die Gärten wurden neu bepflanzt und die Springbrunnen wieder angestellt. Und die beiden Hotels, das Splendide und das Hermitage, wurden herausgeputzt und poliert und mit neuem Personal ausgestattet.

Selbst der kleinen Stadt mitsamt ihrem alten Hafen gelang es, ein einladendes Lächeln über ihr verwüstetes Gesicht zu legen. Die Hauptstraße wurde mit den Schaufenstern großer Pariser Juweliere und Modeschöpfer ausgestattet, die durch mietfreie Läden und großzügige Versprechungen für eine Saison hergelockt worden waren.

Dann wurde das Mahomet-Ali-Syndikat überredet, ein großes Turnier im Casino zu veranstalten, und die Société des Bains de Mer de Royale hatte das Gefühl, dass Le Touquet nun endlich einen Teil der Schätze, die es ihnen im Laufe der Jahre gestohlen hatte, wieder hergeben musste.

So stand Bond auf dieser strahlenden und funkelnden Bühne im Sonnenschein und empfand seine Mission als unpassend und abseitig und sein düsteres Gewerbe als Beleidigung seiner Mitschauspieler.

Er schob dieses vorübergehende Unbehagen beiseite, umrundete die Rückseite seines Hotels und ging die Rampe zur Garage hinab. Er hatte beschlossen, vor seiner Verabredung im Hermitage mit seinem Wagen an der Küste entlangzufahren und einen kurzen Blick auf Le Chiffres Villa zu werfen. Dann wollte er über die Inlandstraße zurückfahren, bis diese auf die Route Nationale nach Paris traf.

Bonds Wagen, einer der letzten Bentleys mit 4½-Liter-Motor und Amherst-Villiers-Kompressor, war sein persönliches Hobby. Er hatte ihn 1933 fast neu gekauft und während des Krieges sorgfältig eingelagert. Er wurde immer noch jedes Jahr gewartet, und ein ehemaliger Bentley-Mechaniker, der nun in einer Werkstatt in der Nähe von Bonds Wohnung in Chelsea arbeitete, kümmerte sich voller Leidenschaft um sein Wohlergehen. Bond fuhr ihn hart und gut und mit einem fast sinnlichen Vergnügen. Es war ein schlachtschiffgraues Cabriolet, das sich tatsächlich umstellen ließ, und fähig hundertvierzig Kilometer die Stunde zu fahren – mit 50 Kilometern die Stunde als Reserve.

Bond fuhr den Wagen aus der Garage und die Rampe hinauf, und schon bald hallte das satte Dröhnen des fünf Zentimeter dicken Auspuffrohrs über den mit Bäumen gesäumten Boulevard und durch die überfüllte Hauptstraße des kleinen Städtchens und verschwand schließlich durch die Sanddünen Richtung Süden.

Eine Stunde später betrat Bond die Bar des Hermitage und wählte einen Platz in der Nähe des breiten Schaufensters.

Der Raum war auf eine sehr männliche Art eingerichtet, die in Frankreich zusammen mit Bruyere-Pfeifen und Drahthaarterriern Luxus verkörperte. Dunkelbraunes Leder und poliertes Mahagoni dominierten die Einrichtung. Die Vorhänge und Teppiche waren königsblau. Die Kellner trugen gestreifte Westen und grüne Schürzen. Bond bestellte einen Americano und betrachtete die Ansammlung viel zu vornehm angezogener Gäste. Er vermutete, dass die meisten aus Paris stammten. Sie unterhielten sich konzentriert und lebhaft und schufen so diese theatralisch gesellige Atmosphäre der l’heure de l’apéritif.

Die Männer tranken Champagner aus nie versiegenden Piccolo-Flaschen, die Frauen nippten an ihren Dry Martinis.

»Moi, j’adore le ‚Dry‘«, sagte eine lebhafte junge Dame am Nebentisch zu ihrem Begleiter, der in seinem nicht der Jahreszeit entsprechenden Tweedanzug viel zu adrett aussah und sie mit glänzenden braunen Augen über einen teuren Jagdstock von Hermès hinweg anschaute. »Fait avec du Gordon’s, bien entendu.«

»D’accord, Daisy. Mais tu sais, un zeste de citron …«

Dann bemerkte Bond draußen auf dem Bürgersteig Mathis’ große Gestalt. Er unterhielt sich angeregt mit einer dunkelhaarigen jungen Frau in Grau. Sie war bei ihm untergehakt, und doch fehlte eine gewisse Vertrautheit zwischen ihnen. Im Gesicht der Frau lag ein Hauch von Ironie, der die beiden nicht wie ein Paar wirken ließ. Bond wartete, bis sie die Bar betreten hatten, beobachtete aber zum Schein weiter die Passanten draußen auf der Straße.

»Na, wenn das nicht Mr Bond ist?« Mathis’ Stimme hinter ihm war voll freudiger Überraschung. Bond erhob sich angemessen überrumpelt. »Sind Sie etwa alleine hier? Warten Sie auf jemanden? Darf ich Ihnen meine Kollegin vorstellen, Mademoiselle Lynd? Meine Liebe, das ist der Herr aus Jamaika, mit dem ich die Ehre hatte, heute Morgen Geschäfte zu machen.«

Bond nickte mit reservierter Freundlichkeit. »Es ist mir ein großes Vergnügen«, sagte er zu der Frau. »Ich bin tatsächlich alleine hier. Möchten Sie sich mir anschließen?« Er zog einen Stuhl hervor, und während sie sich hinsetzten, winkte er einen Kellner herbei und bestand trotz Mathis’ Einspruch darauf, die Getränke zu bestellen – einen »Fine à l’eau« für Mathis und einen Bacardi für die Dame.

Mathis und Bond unterhielten sich angeregt über das schöne Wetter und die Aussicht auf eine Wiederbelebung von Royale-les-Eaux. Die junge Frau sagte nichts. Sie nahm eine von Bonds Zigaretten an, betrachtete sie eingehend und rauchte sie dann genüsslich und ohne Getue. Sie sog den Rauch mit einem leisen Seufzen tief in ihre Lunge ein und atmete ihn dann lässig durch Lippen und Nase wieder aus. Ihre Bewegungen waren ökonomisch und präzise, ohne eine Spur von Unsicherheit.

Bond war sich ihrer Gegenwart enorm bewusst. Während er mit Mathis sprach, drehte er sich gelegentlich zu ihr um und bezog sie höflich in ihre Unterhaltung mit ein. Mit jedem Blick konnte er weitere Eindrücke sammeln.

Ihr Haar war tiefschwarz, und gerade geschnitten, sodass es ihr Gesicht bis zu ihrer eleganten Kinnlinie einrahmte. Auch wenn es üppig war und ihren Kopfbewegungen folgte, strich sie es sich nicht ständig zurück, sondern ließ es ganz natürlich fallen. Ihre dunkelblauen Augen standen recht weit auseinander und sie blickte Bond immer wieder mit einem Hauch ironischen Desinteresses an, das er, wie er verärgert feststellte, am liebsten gewaltsam zerschlagen wollte. Ihre Haut war leicht sonnengebräunt und bis auf ihren Mund, der breit und sinnlich war, ungeschminkt. Ihre nackten Arme und Hände wirkten ruhig, und der allgemeine Eindruck von Zurückhaltung wurde sogar von ihren Fingernägeln unterstützt, die kurz und unlackiert waren. Um den Hals trug sie eine einfache Goldkette mit breiten, flachen Gliedern, und am Ringfinger der rechten Hand steckte ein Ring mit einem großen Topas. Ihr mittellanges Kleid war aus grauer Wildseide mit einem gerade geschnittenen Oberteil, das sich lasziv über ihren wohlgeformten Brüsten spannte. Der Rock war plissiert und floss von einer schmalen, aber nicht dürren Taille herab. Sie trug einen sieben Zentimeter breiten schwarzen Gürtel. Auf dem Stuhl neben ihr lagen eine handbestickte schwarze Handtasche und ein Wagenradhut aus Stroh, dessen Kopfteil von einem dünnen schwarzen Samtband geschmückt wurde, das auf der Rückseite zu einer kleinen Schleife gebunden war. Ihre Schuhe hatten eine gerade Spitze und bestanden aus einfachem schwarzem Leder.

Bond war von ihrer Schönheit und Gelassenheit fasziniert. Die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit ihr erregte ihn. Gleichzeitig verspürte er ein unbestimmtes Unbehagen. Vorsichtshalber klopfte er auf Holz.

Mathis bemerkte, dass Bond mit den Gedanken woanders war. Nach einer gewissen Zeit erhob er sich.

»Bitte entschuldigen Sie mich einen Augenblick«, sagte er zu der jungen Frau. »Ich muss die Dubernes anrufen, um mich mit ihr zum Abendessen zu verabreden. Es macht Ihnen doch nichts aus, den heutigen Abend allein zu verbringen?«

Sie schüttelte den Kopf.

Bond griff das Stichwort auf, und als Mathis zur Telefonkabine neben der Bar gegangen war, sagte er: »Wenn Sie heute noch nichts anderes vorhaben, würden Sie dann mit mir essen?«

Sie lächelte ihn mit einem verschwörerischen Funkeln in den Augen an. »Aber ja«, erwiderte sie, »und dann würde ich Sie gerne ins Casino begleiten, wo Sie sich laut Mathis ganz wie zu Hause fühlen. Vielleicht bringe ich Ihnen ja Glück.«

Jetzt, da Mathis fort war, lag in ihrem Verhalten ihm gegenüber eine plötzliche Wärme. Sie schien anzuerkennen, dass sie ein Team waren, und während sie Zeit und Ort ihres Treffens diskutierten, wurde Bond klar, dass es doch recht einfach sein würde, die Einzelheiten seines Projekts mit ihr zu besprechen. Er hatte das Gefühl, dass sie schließlich doch noch Interesse und Spaß an ihrer Rolle gefunden hatte und bereitwillig mit ihm zusammenarbeiten würde.

Er hatte es sich viel schwieriger vorgestellt, übereinzukommen, doch nun war er der Meinung, dass man direkt zu den Einzelheiten des Auftrags übergehen konnte. Er war sich der Scheinheiligkeit seiner Einstellung ihr gegenüber durchaus bewusst: Er wollte mit ihr schlafen. Aber erst, wenn die Mission vorbei war.

Als Mathis wieder an den Tisch zurückkehrte, bat Bond um die Rechnung. Er erklärte, dass er in seinem Hotel erwartet wurde, um mit Freunden zu Mittag zu essen. Als er für einen Augenblick ihre Hand in seiner hielt, spürte er eine warme Zuneigung zwischen ihnen, die er vor einer halben Stunde nicht für möglich gehalten hätte.

Ihr Blick folgte ihm auf die Straße hinaus.

Mathis schob seinen Stuhl näher an ihren und sagte leise: »Er ist ein sehr guter Freund. Ich bin froh, dass Sie beide sich kennengelernt haben. Ich kann bereits spüren, wie die Eisschollen auf beiden Flüssen aufbrechen.« Er lächelte. »Ich glaube nicht, dass Bond jemals zuvor geschmolzen ist. Es wird für ihn eine neue Erfahrung sein. Und für Sie auch.«

Sie antwortete nicht direkt.

»Er sieht sehr gut aus. Er erinnert mich an Hoagy Carmichael, aber es liegt auch etwas Kaltes und Skrupelloses in seinem …«

Der Satz wurde nie beendet. Plötzlich zersprang ein paar Meter entfernt die gesamte Fensterscheibe in kleine Splitter. Sie wurden von der Druckwelle einer gewaltigen Explosion erfasst und gegen ihre Stühle gedrückt. Einen Augenblick lang herrschte entsetztes Schweigen. Ein paar Gegenstände fielen draußen auf den Bürgersteig. Eine Flasche nach der anderen stürzte aus dem Regal hinter der Bar. Dann ertönten Schreie, und eine panische Flucht zur Tür begann.

»Bleiben Sie hier«, sagte Mathis.

Er stieß seinen Stuhl zurück und sprang durch den leeren Fensterrahmen auf die Straße.

ZWEI MÄNNER MIT STROHHÜTEN

Nachdem Bond die Bar verlassen hatte, ging er zielstrebig den mit Bäumen gesäumten Boulevard entlang zu seinem nicht weit entfernten Hotel. Er war hungrig.

Der Tag war immer noch wunderschön, aber inzwischen brannte die Sonne sehr heiß, und nur die in Abständen von etwa sechs Metern auf dem Rasenstück zwischen Gehsteig und Straße gepflanzten Platanen spendeten kühlen Schatten.

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