Im Zeichen Abbadons - Lara Steinkamp - ebook

Im Zeichen Abbadons ebook

Lara Steinkamp

0,0
44,99 zł

Opis

Zwischen Erde, Himmel und Hölle gibt es in der Unterwelt die letzte Zuflucht für die Verdammten: Abbadon! Die verlorenen Seelen, die nirgendwo sonst einen Zufluchtsort haben, finden dort ihre Heimat. Wenn die Engel im Himmel weinen und sich abwenden von dem Grauen, nimmt Abbadon die schwarzen Seelen in die Arme und spendet Trost. Tiefe, schwarze Nacht umgibt Abbadon, dunkel wie die Seelen, die dieser Ort beherbergt, doch leuchtet die Stadt zugleich golden und trägt voller Stolz ihr Banner. Umgeben von Dunkelheit ist ein jeder Bewohner, gleichzeitig aber von innerer unglaublicher Pracht. Alle haben ihre Bestimmung und ihr Schicksal, untrennbar von Abbadon! Dies ist die Geschichte der absoluten Abgründe und großen Liebe, die auch vor den Göttern nicht Halt macht.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi lub dowolnej aplikacji obsługującej format:

EPUB
MOBI

Liczba stron: 323




Inhaltsverzeichnis

Impressum

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2017 novum Verlag

ISBN Printausgabe: 978-3-95840-151-8

ISBN e-book: 978-3-95840-152-5

Lektorat: Dr. Annette Debold

Umschlagfotos: Sazori, Zacarias Pereira Da Mata, Veronika Surovtseva | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Prolog

Ich schreibe über eine sehr wilde Zeit, in der Götter und Dämonen sich die Welt teilten. Was Gut oder Böse ist, obliegt dem Betrachter. Beide Seiten bergen Schatten wie Licht. Aber vor allem geht es um die Zuflucht, die jede verlorene Seele braucht. Der Ort der verlorenen Seelen ist Abbadon. In den schwarzen Himmel ragt die rote Flagge mit dem goldenen Drachen von Abbadon. Der Drache symbolisiert die niemals versiegende Kraft der Seele, die sich aufbäumt gegen den Schmerz des Erlebten und stolz die Mauern stützt um Abbadon, dass keiner diese Stadt je nehmen könne. Das Gold steht für die goldene Stadtmauer und die Pracht der Stadt, die alle Tränen und allen Kummer überdauern. Das Rot für das Blut, das vergossen worden ist. Keine verfluchte Seele bleibt heimatlos, denn Abbadon ist ihre Heimat und liebt seine Kinder, egal was sie verfolgt. Jede Seele braucht eine Heimat; vor allem wenn sie umherirrt im Nirgendwo, führen alle Wege nach Abbadon!

Kapitel 1

Die alten Bauherren hatten vor langer Zeit das Universum betreten. Das Geschlecht der Götter wurde geboren, und die Menschen waren das zweite Experiment der Bauherren. Die Götter teilten sie auf. Es gab den Himmel, wo ein erdenförmiges Raumschiff hinter dem Mond stand, damit die Menschen es nicht sehen konnten. Dann wurde die Unterwelt gegründet im Innersten der Erde, wo die Wesen waren, deren Herzen besonders wild schlugen und das Schicksal der Baumeister infrage stellten. Es war eine sehr wilde Welt, aber die Welt der Götter im Himmel war genau genommen nicht besser, bloß strahlender. Die Baumeister lenkten das Schicksal des Himmels, der Unterwelt und der Erde, wo jeder seinen Platz einnehmen musste, ob er wollte oder nicht. Ob Gott, Mensch oder Dämon, jeder war der unendlichen Macht der Baumeister unterstellt!!!

Tief im Herzen des Himmels stand der Palast des Lichtgottes Apollo. Blumen und Schlingpflanzen umarmten die Mauern des Palastes. Es gab keine Tore, und nur Apollo konnte den Palast betreten und wieder verlassen. Der Himmel spiegelte sich auf den Gemäuern des Palastes wider und fing jede Stimmung ein, die die Natur offenbarte. Nur selten war Apollo in seinem Palast, er war mehr errichtet für seine beiden Kinder Appollyon und Ariadne, Kinder von einer Menschenfrau, die Apollo schon vor langer Zeit verloren hatte, im Kindbett der Ariadne. Appollyon kannte noch seine Mutter, aber Ariadne war neun Tage alt, als sie starb. Apollo hatte viel Unglück mit den Frauen, die er liebte, und den Kindern aus ihrem Schoße. Fast alle seiner Kinder waren gestorben, und darum bildete er einen solchen Hochsicherheitstrakt um seine beiden Kinder. Aber für Appollyon und Ariadne war es oft eher ein Gefängnis! Eine Amme und Bedienstete kümmerten sich die ganze Zeit um sie, und nur selten kam ihr Vater Apollo nach Hause. Das verband Appollyon und Ariadne immer enger. So abgeschnitten von der Außenwelt entstand etwas zwischen den beiden, was kein Außenstehender verstehen konnte. Die Geschwisterliebe spann Bände, die sich immer enger zogen. Ariadne war ein durch und durch reines Wesen, wie ihr Name es besagte, und sie war einfach bezaubernd. In Appollyon schlummerte etwas sehr Wildes, was in der Abgeschnittenheit unbändig auflebte. Da er nun einmal nur seine Schwester hatte, lebte er es mit ihr im wilden Spieltrieb aus, was Ariadne oft überforderte, da sie die Kleinere war, ihr aber allzu gut gefiel, denn auch sie besaß sehr viel Temperament, was man gar nicht vermutet hätte auf den ersten Blick. Doch die beiden wurden älter, und sie wuchsen heran, was große Probleme in sich barg. Abgöttisch liebte Ariadne ihren Bruder, und Herz war gefangen von ihr. Immer näher kamen sie sich, und ihre Seelen wurden eins. Was der eine dachte, wusste schon vorher der andere. Die Katastrophe war unaufhaltsam, denn solche Liebe konnte nicht platonisch bleiben!

„Ariadne!“ Es war dunkle Nacht, und Ariadne war wie benommen, als ihr Bruder sie weckte. „Komm, es ist eine schöne Vollmondnacht und so wunderschön warm draußen!“ Wenn Ariadne in das Gesicht von Appollyon blickte, musste sie immer lächeln, was sie jetzt auch tat als Antwort. Die Grillen zirpten draußen, und keine Wolke war am Himmel, nur der Vollmond. Die Blumen der Nacht waren so entzückend wie die Ariadne selber, die bereits zur Frau heranwuchs. Nur im knappen Nachtgewand war sie verführerischer als Venus. Appollyon stockte der Atem bei ihrem Anblick. Keine Frau würde je wieder sein Herz so gefangen nehmen, und es kam wie tausend Stiche aus ihm raus: „Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe?“ Ariadne lächelte honigsüß. „So sehr, wie ich dich liebe! Mein Herz wird dir immer gehören, Liebster!“ Das Blut schoss in ihm hoch, und er war von sich losgelöst. Der sehnsuchtsvollste Kuss, den Himmel, Erde oder Hölle jemals erblickt haben, verließ Appollyon, und er drückte seine Ariadne dicht an sich in seinen Armen. Da war nichts Verwerfliches oder Schmutziges, es war reine Liebe, die von einem zum anderen floss. Solche Schönheit der Gefühle hatte der Himmel noch nie beherbergt, und die geheimen Mitwisser dieser Nacht schlossen die Augen, vor dem Inzest, der nichts Falsches in sich trug, sondern Liebe in ihrer vollendeten Form war und selbst die Zustimmung der Herren des Himmels fand, die als Einzige davon wussten. So ließen sie die Liebenden sich als Mann und Frau vereinen. Ariadne wurde die Geliebte ihres Bruders, und ob Tag oder Nacht, ihrer beider Seelen und Körper konnten den anderen nicht mehr entbehren. Eine solche Liebe wurde geboren, wie es sie im Himmel noch nie gegeben hatte. Ihre Umarmungen waren immer ein Liebesbekenntnis der allumfassenden, nie versiegenden Quelle allen Seins, und kein Liebesgott und keine Liebesgöttin hätten ihre Liebe im Entferntesten erreichen können. Diese Liebe entzog sich allem, was jemals existiert hatte, und die beiden Liebenden wurden eins. Es gab keine Grenze mehr zwischen Gelebtem und Ungelebtem. Jede Berührung sang tausend Lieder, jeder Kuss ließ sich in der Ewigkeit auflösen. Jeder Liebesakt war die unendliche Zärtlichkeit des Himmelszeltes über ihnen. Warm am Tage durch die goldene Sonne, samtig die Nachtstunde. Kein Wesen hatte jemals ein so behutsames, inständiges Gefühl verlassen wie Ariadne und Appollyon. Aber der Himmel forderte seinen Preis für diese Liebe!

Die großen Baumeister des Plans der Götter, die Überwesen, die sogar über den Göttern standen, beschlossen schweren Herzens das Schicksal von Ariadne und Appollyon.

Ariadne wurde schwanger. Panik ergriff die beiden. Was, wenn ihre geheime Liebe rauskäme? Mit Sicherheit würden sie für immer getrennt werden, und den Gedanken ertrug keiner von beiden. So versteckte Ariadne gekonnt ihr Geheimnis unter weiter Kleidung, und weiters wollten sie sehen, wenn es so weit war. Genauso freuten sie sich über die Frucht ihrer Liebe, die heranwuchs mit jedem Tag. Voller Liebe und zugleich Angst standen sie ihrem Kind gegenüber. Jede Nacht lag Appollyon bei ihr und streichelte sanft ihren Bauch, um sie dann mit Küssen und Liebe zu überdecken. Das Herz der Baumeister schmerzte sehr, aber das Schicksal der beiden war besiegelt, denn kein Mensch und kein Gott konnte sich dem entziehen. So sollte die Prüfung vor ihnen alles entscheiden.

Der Tag der Geburt kam, und leider gab es Komplikationen. Das Leben von Ariadne stand auf Messers Schneide, und Appollyon musste handeln. So rief er seinen Vater Apollo in seiner Not. Als Apollo das Geschehen betrat, versteinerte er. Was war in seiner Abwesenheit passiert, wie konnte Ariadne schwanger werden …? Tausend Fragen, die sich alle in nichts auflösten, denn es ging um das Leben seiner Tochter. Auch wenn Apollo der Gott der Heilkunst war, so konnte er nicht beiden helfen. Stunden kämpfte er um das Leben seiner Tochter und ihres Kindes. Ariadne überlebte, aber das kleine Mädchen war eine Totgeburt. Apollo schaute das Kind an und konnte seinen Augen nicht trauen. Auf der rechten Pobacke trug es das Mal von Appollyon. Tausend Welten starben in Apollo, und er hatte sich nicht im Griff. „Du hast deine eigene Schwester geschwängert? Wie pervers bist du eigentlich? Ich wusste immer, in dir ist was Dunkles! Du bist von Grund auf böse und gehörst in die Unterwelt zu diesen Bastarden, denn du bist nichts anderes. Von heute an bist du nicht mehr mein Sohn!“ Ariadne zerbrach das Herz. „Gib mir mein Kind der Liebe!“ Apollo war sprachlos und schaute sie mit großen Augen an. Ohne zu zögern, riss sie ihm ihre Tochter aus den Armen. „Ich will nicht leben ohne meinen über alles geliebten Appollyon. Du hättest mich sterben lassen und das Kind retten sollen. So will ich mit meinem Kind sterben und meine Liebe zu Appollyon ewig in mich einschließen in Besieglung des Todes!“ Keiner der beiden erreichte sie schnell genug, und Ariadne stürzte aus dem Fenster und zerbarst an dem Felsgestein vor der Mauer. Fest hielt sie ihre Tochter in den Armen und liebte sie in den letzten Sekunden ihres Lebens so, als hätte sie das Mädchen ein ganzes Leben lang geliebt!!!

Apollo und Appollyon liefen so schnell, wie sie konnten, hinunter. Ariadne hatte ihre Tochter fest in den Armen, so als hätte sie sie vor dem Sturz beschützen wollen. Appollyon starb beim Anblick seiner toten Geliebten und dem kleinen Wesen seiner Tochter.

Keine Träne kam über sein Angesicht, denn dafür war der Zorn auf Apollo zu groß. „Du bist schuld, dass sie sich das Leben genommen hat! Ihre Tochter war tot, und du hast den Rest in ihr getötet mit deinen Worten! Was weißt du schon von unserer Liebe? Da war nichts Schmutziges dran. Es war die vollkommene Schönheit der Berührung. Immer war ich voller Ehrfurcht vor meiner Schwester und habe sie geliebt, mehr wie alles in diesem Universum! Aber du hast recht, ich gehöre in die Unterwelt, denn heute ist alles in mir gestorben. Ich werde dorthin gehen, wo ich hingehöre: zu den Verdammten! Ich bin tausend Mal lieber bei den Verfluchten als bei dir!“ Apollo wollte seinen Sohn aufhalten, aber Appollyon nahm Apollos Streitwagen und fuhr davon. Der zerschlagene Apollo saß Stunden bei den Leichnamen seiner Tochter und seiner Enkelin, dann begrub er beide im Garten des Palastes. Apollo war klar, dass ihn eine große Strafe dafür erwartete, und er sehnte sich danach, denn sein Herz war schwer wie Stein von seiner Schuld. Gerade hatten beide ihr Kind verloren, wie konnte er so die Beherrschung verlieren? In Ruhe hätte er mit beiden reden sollen. Nun hatte er beide Kinder verloren, und das Schicksal, das er befürchtet hatte, holte ihn wieder ein. Keine Frau und kein Kind sollten ewig bei ihm sein. Und diesmal durch eigene Schuld!

Appollyons Ankunft in der Unterwelt sorgte für Aufruhr. Der Zorn in seinem Herzen ließ Blitze ihn begleiten. Die Unterwelt hatte noch nie eine so eindrucksvolle Erscheinung eines Gottes gesehen, und alle hielten den Atem an. Die schwarzen Götter waren beeindruckt und hießen den mächtigen Sohn Apollos willkommen. Schnittig kam Appollyon auf sein Anliegen zu sprechen. „Ich will eine Stadt unter euch errichten! Die Stadt soll Abbadon heißen. Sie soll unter dem Zeichen des Drachen stehen, meines Drachen, denn wie ein Drache werde ich alle Feinde verschlingen. In der Luft wie zu Land und Wasser werde ich alles zermalmen. Ich bin der Gott der Zerstörung, und mein Reich soll die Heimat für die verlorenen Seelen sein, so wie ich eine bin. Deren Schicksal sie gebrochen hat und die wiedergeboren werden sollen als Götter der Dunkelheit. Meine Seele ist mit meiner geliebten Schwester zerschmettert, und ich will nun der mächtigste schwarze Gott werden; mit dem Zorn und Bösen in mir geboren, will ich denen helfen, die ihre Seele verlieren und eine Heimat brauchen, um sich in der Finsternis wiederzufinden, auf dass sie keine Bastarde seien, wie mein Vater sagte, sondern Gottes Kinder in der Unterwelt, die sich dem Bösen verschreiben, um das Blut, das vergossen worden ist, zu rächen und dem Himmel zu zeigen, wie verlogen er ist!!!!“ Laut jubelten alle ihm zu und errichteten die Stadt Abbadon, die schöner war als alles, was jemals errichtet worden ist. Kilometerweit erstreckte sich die Stadt. Selbst der Himmel bewunderte die vollendete Arbeit, und Appollyon erfüllte sein Schicksal und wurde der mächtigste schwarze Gott der Unterwelt!

„Wo bin ich?“ Es war so hell, dass Ariadne keine Kontur erkennen konnte, und eine Stimme aus dem Nichts antwortete ihr: „Kleine Ariadne, du bist in der Zwischenwelt. Dort, wo die verlorenen Seelen hinkommen, bis sie ihr Schicksal weiter begehen!“ Ariadne krümmte sich vor Schmerzen. „Ich wollte sterben, was tue ich hier?“ Die Stimme wurde ganz sanft. „Wir lassen doch nicht unsere Ariadne einfach sterben. Du wirst eine große Prüfung durchlaufen. Erst als Menschenfrau und dann als Göttin. Bis du geboren wirst, bleibst du bei uns in der Zwischenwelt.“ Ariadne weinte bittere Tränen. „Ich will nicht mehr sein. Ich bin mit meinem Kind gestorben, und zu groß ist die Schande über meine Liebe zu meinem Bruder. Ich will aufhören zu existieren. Bitte befreit mich und tötet mich!“ Umsichtig erklärte die Stimme ihr: „Vielleicht wirst du sterben; wenn, dann tötet dich ein Wesen, das dich liebt. So wird dein Schicksal sein. Aber dein Vater Apollo stirbt gerade tausend Tode, und wir wollen ihm eine Chance geben, alles wieder gutzumachen. Wir hatten nie etwas gegen eure Liebe und haben gesehen, wie rein sie war. Aber auch er wird geprüft werden und eine zweite Chance bekommen, doch dieses Gelingen ist abhängig von dir. Wir haben genau überlegt, welches Schicksal ihr haben sollt, und es ist beschlossen. Jeder Einzelne erfüllt darin seine Prüfung und Aufgabe. Du ebenso. Aber komm jetzt erst mal zur Ruhe. Ein paar Jahrhunderte wirst du hier verweilen, weil wir noch auf drei Personen warten, die du treffen sollst. Den Blauen Garten werden wir dir öffnen, und deine Seele wird etwas heilen, auch wenn die Wunden nie ganz verheilen!“ Es wurde Nacht. Die Eulen riefen den Namen von Ariadne, und der schönste Garten im ganzen Universum tat sich vor ihr auf. Solche farbenprächtigen Blumen hatte Ariadne noch nie erlebt. Die Bäume reichten in die Unendlichkeit, im blauen Schimmer, der sich über den ganzen Garten zog. Der Mond gab dem Blau einen Ton, der atemberaubend war. Ein kleines Häuschen stand in der Mitte des Gartens, wo sich Ariadne niederließ. Kein anderes Wesen war im Garten, nur Ariadne, aber sie liebte die Einsamkeit und war glücklich allein zu sein. Der Zauber des Blauen Gartens ließ Monate wie Stunden sein. Keinerlei Zeitgefühl hatte man in dieser fremden Welt, die nur der Wind durchstreifte und jetzt Ariadne auf ihren Wanderungen. Oft weinte sie, und ihr Herz schmerzte so sehr, aber die Schönheit, die sie umgab, spendete ihr Trost, und sie war nicht allein, denn der Garten war ein Teil der großen Baumeister, und sie konnte Ariadne im Gras, den Blumen, dem See, den Bächen und den Tieren fühlen. Im Wind flüsterten sie ihr Trost und Liebe zu, und ihre Seele atmete auf. Aber die Stunden des Kummers kamen und gingen wie das Flüstern des Gartens!

Kapitel 2

Der Vater von Asmodei war ein Hüter des Lichts, aber in ihm wohnte große Dunkelheit. Seine Frau behandelte er wie Eigentum, und der kleine Asmodei musste vieles sehen, was für Kinderaugen nicht bestimmt war. Ohne Rücksicht schlug er seine Frau vor Asmodei. Keinerlei Scham hatte er, seine Frau mit Gewalt zu nehmen, in Anwesenheit seines Sohnes. So wurde Asmodei zu einem sturen, halsstarrigen Jungen, der seinem Vater stumme Gegenwehr leistete. In Asmodei gärte der blanke Hass, und er wurde ein sehr zorniger Junge, der keine Rauferei ausließ, um stellvertretend mit seinem Vater den Schlagabtausch zu halten, den er nie ausführen konnte!

Irgendwann schaffte es die Mutter von Asmodei, mit ihrem Sohn wegzulaufen. So flüchteten sie von einem Ort zum anderen, denn ihr Mann verfolgte das untreue Weib. Auf der Erde fand sie dann Zuflucht. Ein wirklich guter Menschenmann war allzu sehr gerührt von ihrem Schicksal und nahm sich ihrer an. Es entstand tiefe Liebe daraus, und sie wurde seine Frau. Fünf Kinder gebar sie ihm in voller Hingabe. Asmodei war und blieb ihr Liebling, denn mit ihrem Sohn hatte sie viel durchgestanden, und das verband sie zutiefst! Aber Asmodei war kein leichter Junge, und sein neuer Vater hatte viel Arbeit mit ihm, doch er war in der Lage, ihn zu lenken, und so brachte er ihn wieder auf den rechten Weg. Weg von der Gewalt und dem Schmerz, in ein normales Leben.

Aber der Hüter des Lichts ließ nichts ungetan, um seine Frau wiederzufinden, und es kam der Tag, dass er seine Frau fand bei dem Erdenmann. Welche Schande, von einem gewöhnlichen Menschen eingetauscht worden zu sein!!!

Es waren vier Krieger des Lichts, die am Morgen kamen, um Rache zu nehmen. Die Mutter bemerkte sie sofort, rasch versteckte sie den fünfzehnjährigen Asmodei im Schlafzimmerschrank. Dieser hörte die Schreie seiner Geschwister, als die Krieger des Lichts sie abschlachteten. Die Folterschreie seines Ziehvaters drangen tief in jede Faser seiner Seele ein, und er erstarrte im Kleiderschrank. Bei lebendigem Leib zogen sie dem Menschenmann die Haut vom Leib, um ihn dann zu pfählen. Zitternd saß Asmodeis Mutter auf dem Ehebett und sagte immer wieder zu Asmodei: „Egal was passiert, du bleibst in deinem Versteck!“ Dann kamen die vier Lichtkrieger ins Schlafzimmer. Vor den Augen von Asmodei vergewaltigten alle vier seine Mutter zu Tode, und es war späte Nacht, bis sie nicht mehr lebte!

Überall suchten die vier nach Asmodei, aber im Kleiderschrank schauten sie nicht, so als hätte seine Mutter eine Eingebung gehabt. Nach Stunden gaben sie auf und gingen.

Fassungslos schaute sich Asmodei das Blutbad an. Seine kleinen Geschwister waren bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt von den Klingen der Krieger. Sein Ziehvater war ein Bild des Grauens. Lange saß er am Bett seiner Mutter und betrachtete ihren geschändeten Körper. Von all den Schlägen war ihr Leib wie verquollen. Überall war Blut. Asmodei machte die gespreizten Beine zusammen und deckte seine Mutter warm ein.

Dann ging er raus. Immer weiter ging er, um nur fern zu sein dieses furchtbaren Ortes des Verbrechens. Keine Träne rann über sein Gesicht, denn er stand unter Schock. Keinen Hunger, weder Müdigkeit noch Durst spürte er, denn sein Leib war wie zugeschnürt. Es zog ihn in die Dunkelheit, wo er all seinen Schmerz und die blutigen Tränen seiner Seele verbergen konnte. So stieg er hinab in die Unterwelt, die ihm die Tore öffnete. Der Himmel verschloss seine Augen vor diesem zerberstenden Massaker unter Tränen der Hoffnungslosigkeit, aber die Unterwelt hatte Erbarmen mit dieser gepeinigten Seele, natürlich nicht ohne Hintergedanken. Wenn die Engel im Himmel weinen, tut sich das Tor zu Abbadon auf, das allen verfluchten und verlorenen Wesen Zuflucht bietet. Die Verdammten finden dort Zuflucht. Die Wesen, die ein Grauen erlebt haben, von dem der Himmel sie nicht heilen kann, finden ihre Heimat in Abbbadon.

Der Herr von Abbadon war der schwarze Gott Appollyon. In der Unterwelt gibt es drei schwarze Götter, und Appollyon war der mächtigste von allen dreien. Immer hielt er ein Auge offen auf das Geschehen des Grauens, und so ließ er Asmodei gezielt zu sich kommen. Zu erschütternd war sein Schicksal, was er von Weitem beobachtet hatte. Wie in Trance war Asmodei umhergewandert, ohne einmal sein Haupt zu heben, bis er an seinem Ziel angelangt war. Asmodei hob seinen Kopf und schaute in das ernste Gesicht von Appollyon. Er befand sich in einer Festtagshalle, und Dutzende von Männern saßen an den Tafeln zur Rechten und Linken. Der Thron von Appollyon über allem. Dann stand Appollyon auf und ging zu Asmodei. „Ich habe gesehen, was passiert ist. Ich bin der Herrscher von Abbadon und will dir eine Heimat geben hier. Willst du bei mir bleiben?“ Asmodeis erste Gefühlsregung ging durch seine Seele und seinen Körper, denn Abbadon brachte die verlorenen Seelen zurück. Unbeschreiblicher Zorn wurde in ihm geboren, und er wurde zu einem Mann in diesem Moment. Mit einer dunklen, harten Stimme schrie er alle Wut aus sich raus. Die Männer im Saal klopften rhythmisch ihre Schwerter auf den Tisch. Auch sie stießen Schreie der Totentrauer aus, die im dunkelsten Ort, fernab aller Gerichtsbarkeit, gehalten wurde. Dann wurde Asmodei still und schaute mit versteinerter Miene Appollyon an, der die Tränen weinte, die Asmodei nicht entweichen konnten. Danach kniete dieser vor Appollyon nieder. „Ich weiß, wer du bist. Ich weiß, was ABBA-Don ist. Genug Geschichten habe ich im Himmel gehört. Die Hölle ist genau der Ort, an den ich gehöre. Nie mehr will ich ein Lichtwesen um mich haben. Jeden Lichtkrieger, dem ich begegne, werde ich töten! Die ewige Dunkelheit wird meine zerfetzte Seele beherbergen, und ich will einer von euch sein. Ihr habt mich gehört, aber der Himmel hat mich verstoßen. In meinem Herzen ist so viel Schmerz und Wut, dass ich einer der mächtigsten Dämonen der Unterwelt werden will, und der Himmel wird vor mir erzittern. Die Engel werde ich das Fürchten lehren. Ich werde ein Leben führen, das allem Anstand und jeder Sitte entsagt. Mein Name soll überall im Dunkeln wie im Hellen erklingen, und ein Raunen soll durch die Welt dringen, bis hin zum Himmel, dass alle wissen, Asmodei ist der Dämon der dunkelsten Abgründe, die sich in einem Wesen auftun können. Wer in meine Augen blickt, sieht in die Dunkelheit!!!“ Alle Männer schrien auf und zollten Asmodei tosenden Beifall. Appollyon lächelte auf seine so ganz bestimmte Weise, die Amüsement, aber auch Tiefgründigkeit in sich barg. Er ließ Asmodei verstehen, wieder aufzustehen, und nahm in väterlich zur Seite. „Ich werde dich in die Obhut von Pazuzu geben, denn ohne Zweifel hast du in ihm den besten Lehrer. Er ist der mächtigste aller Dämonen. Von ihm wirst du alles lernen, und ich werde stets ein Auge auf dich haben. In dieser Nacht bist du zum Mann geworden, dein Kinderdasein ist vorbei. Das Kind Asmodei ist gestorben mit deiner Familie. Jetzt fängt ein neues Leben an, und ich verspreche dir, deine Seele wird heilen. Nicht ganz, das könnte nicht mal der Himmel vollbringen, aber ich biete dir eine Heimat und Freunde für immer an!“

Die Initiation war eine Woche danach. Alle mächtigen Dämonen waren anwesend, und Appollyon leitete die Initiation. Selbst die zwei anderen schwarzen Götter waren anwesend; der eine hieß Asul und war ein ganz furchtbarer schwarzer Gott, der andere war Arziell, ein undurchschaubarer knallharter Mann. Alle Fürsten waren gekommen, um ihren neuen Dämon willkommen zu heißen. In dem Ritual wurde Asmodei das ewige Leben gegeben, durch den Trank der Götter, der im Himmel wie in der Unterwelt gleich war. Da Asmodei zur Hälfte ein Lichtgott war, musste bewirkt werden, dass er für immer unsterblich war. Mit dreiunddreißig Jahren würde er aufhören zu altern. Zum neuen Dämon der Lüfte wurde er ausgerufen. Pazuzu war der Dämon des Südens. Pakker der Dämon des Nordens. Ariel, der einzige Dämon, der sowohl Lichtwesen wie Dämon war, der Dämon des Westens. Asmodei vollendete nun diese Gemeinschaft, indem er der Dämon des Ostens wurde. Seine drei Kollegen würden ihn einführen in die Dämonologie! Ein rauschendes Fest der Unterwelt folgte, bei dem es an nichts fehlte, ob Frauen, Wein, Festmahl, Musik oder Tanz. Asmodei ging ganz darin auf und genoss es in vollen Zügen. So etwas hatte er noch nie erlebt, und er wusste, das war seine Bestimmung: Weib und Wein. Da er ein sehr aparter Junge war, waren vor allem die Frauen von ihm hingerissen. Asmodei war ein schon sehr großer junger Mann, auch sehr schlank, und seine pechschwarzen, halblangen gewellten Haare sowie seine ebenso fast schwarzen, tiefgründigen Augen ließen jede Frau dahinschmelzen. Die gewisse Melancholie, die ihn begleitete, machte ihn ungemein interessant. Jede Frau wollte mit ihm tanzen und bot ihm flüsternd noch mehr an in der verschlingenden Umarmung. Appollyon verfolgte das Geschehen mit größtem Interesse und gebot die Musik zu beenden, dass Ruhe im Saal sei, dann richtete er sein Wort an Asmodei und alle Anwesenden. „Wir haben jetzt in der Unterwelt, was immer gefehlt hat. Es ist ein schwarzer Liebesgott in unsere Mitte getreten! Asmodei, du sollst der Dämon der Wollust und Begierde sein. Welche der Damen hat die Ehre, deine erste Frau zu sein?“ Verlegen schaute Asmodei ihn an, denn als männliche Jungfrau vor so vielen harten Burschen benannt zu werden, war schon sehr peinlich. Appollyon lachte lauthals. „Mein Lieber, du bist gerade mal fünfzehn Jahre alt, da ist es keine Schande, eine Jungfrau zu sein! Aber du bist ein Naturtalent, ich habe noch nie erlebt, dass die Frauen in Anwesenheit eines Mannes so kopfstehen! Du wirst den Damen reihenweise das Herz brechen, doch vor allem werden sie ganz auf ihre Kosten kommen, da habe ich keinen Zweifel!!!“ Jetzt musste auch Asmodei lächeln und schaute in die Runde, wo sich alle köstlich amüsierten. Pazuzu meinte trocken zu ihm: „Also in die Liebe werde ich dich nicht einweisen, das schaffst du ohne Zweifel allein. Aber ich gebe dir einen Tipp, nimm Lilith, von der kannst du alles lernen und noch mehr!“ Die schwarze Verführung trat zu Asmodei, eine der wenigen Frauen, die ihn nicht umgarnt hatten. Ihre pechschwarzen, offenen langen Haare reichten bis zur Hüfte und schwangen mit einer jeden ihrer verführerischen Bewegungen mit. Ihr wohlgeformter Körper lud zu so manchem ein, und ihr geheimnisvolles schönes Gesicht übertraf das einer jeden Frau im Saal. „Willst du mit mir die Nacht verbringen, Asmodei, und die Welt der Erotik und Vereinigung erleben?“ Da war Asmodei wie von Sinnen, denn schöner konnte die Versuchung nicht sein. Leidenschaftlich nahm er sie in den Arm und küsste sie voller Begierde. Kaum konnte Lilith ihn bremsen, da entwich ihr heiser: „Na, jetzt haben wir aber wirklich einen schwarzen Liebesgott, so geküsst hat mich noch keiner. Willst du es gleich hier mit mir machen, oder gehen wir in ein Zimmer?“ Eigentlich sollte das ein Scherz sein, aber Asmodei schritt zur Tat. Er warf sie auf einen Tisch und machte Liebe mit ihr, dass Lilith nur eines über die Lippen kam: „Asmodei.“ Die Herren waren zutiefst beeindruckt von dem Können Asmodeis, und keiner sah mehr den kleinen Jungen in ihm, denn er hatte es ihnen allen gezeigt, selbst Appollyon hatte er ausgespielt. Der neue Dämon Asmodei war geboren!

Es gab kein Fest ohne Asmodei; er öffnete die Welt des zügellosen Verlangens. Keine Frau konnte ihm widerstehen; gleich ob er ein wilder oder sanftmütiger Liebhaber war, die Herzen der Frauen waren ihm gewiss. Jedem noch so wüsten Gelage verlieh er den dunklen Zauber der Liebe und Ekstase. Kein Liebespiel, das er nicht beherrschte, und die Frauenwelt der Unterwelt war ihm hörig. Wie viele Gespielinnen sich auch in seinem Bett wiederfanden, Asmodei war stets Herr der Lage, und keine Frau, auch wenn es drei waren, verließ unbefriedigt seine Arme. Nur sein Herz schenkte er keiner; lediglich Lilith ließ er näher zu sich, denn für sie fühlte er eine gewisse Liebe, die er aber mit Vorbehalt und Vorsicht genoss. Doch sein Herz konnte er an ihrer Brust wärmen. Zu sehr war es für die Liebe erstarrt, denn seine Mutter konnte er nicht vergessen, und mit ihr war die Liebe gestorben. Natürlich behandelte Asmodei aus tiefster Seele jede Frau gut, aber es wurde eben nicht die große Liebe, und nur Lilith konnte einen festen Platz an seiner Seite gewinnen, denn sie nahm ihn so, wie er war. Niemals bedrängte sie ihn, sondern bot ihm immer das warme Feuer einer liebenden Frau an. Auch war es kein Problem für sie, ihn mit so vielen Frauen zu teilen, denn ihre Liebhaber waren ebenso zahlreich, und so manche Geliebte fand sich in ihrem Bett, und Asmodei lernte die Kunst der bisexuellen Liebe mit Frauen kennen, die ihm sehr gefiel und die er noch um einiges mehr steigerte. Zwei Frauen, die sich berührten, und er war der willkommene dritte Gast. Fast alle Grenzen der Erotik sprengte es, doch da war noch eine Sache, die er lernen und die ihn vollkommen machen sollte als Gott der Wollust und Begierde!

Pazuzu nahm sich Asmodeis bestens an. Ein richtiger Haudegen und Draufgänger war er. Im Kampf der Waffen erprobte er den jungen Gott stundenlang, und Asmodei konnte all seinem Zorn und Hass Luft machen. Einer der härtesten Gegner hatte Asmodei an ihm selber, denn Pazuzu galt als der beste Einzelkämpfer in der Unterwelt, und nicht viele hatten ihn je geschlagen. Aber Asmodei wuchs an ihm ins Grenzenlose, und jeder Waffengang wurde um einiges härter. Pazuzu war ihm wohl körperlich überlegen, denn er war ein männliches Kraftpaket, dessen Muskeln aufs Härteste trainiert waren, aber Asmodei war sehr geschickt und wendig. Zuerst gelang ihm ein Unentschieden, und dann und wann schaffte er den Sieg. Was ihm an Stärke fehlte, glich er mit intelligenter und raffinierter Taktik aus. Wie ein Bruder wuchs Pazuzu ihm ans Herz, denn ob im Sieg oder in der Niederlage, stets war er ein erstklassiger Kampfpartner, und im Feiern übertraf Pazuzu einen jeden, der ihn verstand und respektierte. Ohne Problem verkündete es Pazuzu, wenn er verloren hatte, und rühmte dann Asmodei hoch, denn Pazuzu hatte in ihm einen Ebenbürtigen gefunden, und das gefiel ihm sehr. Jeder Draufgänger braucht eine Herausforderung, und Pazuzu wollte sein Spektrum erweitern. Beim nächsten Festgelage brachte er auf den Punkt, was ihm unter den Nägeln brannte. „Sag mal, warst du schon mit einer Frau und einem anderen Mann im Bett?“ Erstaunt sah Asmodei ihn an. „Nein, wie kommst du auf das Thema?“ Pazuzu räusperte sich. „Nun, ich hoffe, ich trete da in kein Fettnäpfchen, aber wir haben eine gemeinsame Geliebte: Lilith. Und ich würde gerne mit euch beiden ins Bett gehen!“ Da lachte jetzt Asmodei, denn natürlich wusste er von den beiden, schließlich hatten Lilith und er keine Geheimnisse voreinander. „Lilith ist eine freie Frau, und ich weiß zu gut von ihr, was für ein Liebhaber du bist. Ein verdammt wilder Bursche bist du! Also Wettkampf im Bett? Wer ist der Bessere?“ Wenn Asmodei gewusst hätte, worauf das alles abzielte, wäre er nicht so locker geblieben, und Pazuzu meinte abwiegelnd: „Nun, wir wollen doch Spaß dabei haben, und ich weiß, dass du phänomenal im Bett bist, und das nicht nur von Lilith! Ich glaube, es wird eher auf ein Austesten der Grenzen hinauslaufen!“

So gingen sie stark angetrunken zu Lilith, die aber nicht allein war. Ohne zu zögern, schmissen sie den Liebhaber raus, denn ihr Anliegen war wichtiger. Lilith war völlig überrumpelt, aber als die beiden anfingen sie zu verführen, war nur ein breites Lächeln auf ihrem Gesicht, denn sie vereinte sich mit ihren beiden Meistgeliebten, und ihr Körper erklang in ungekannten Lauten, die die Herren voll und ganz bestätigten. Natürlich wetteiferten sie um die volle Bestätigung der heißbegehrten Dame. Alkohol floss in vollen Zügen, und die Musik wurde immer lauter, doch das war alles nur beiläufig, denn die Lust und Liebe war grenzenlos, sodass die beiden Männer in eine ganz seltsame Stimmung kamen. Einem Mann beim Geschlechtsakt so nah zu kommen, war Asmodei unbekannt. Wenn sie zur gleichen Zeit in Lilith eindrangen, konnte er durch die Membran von ihr Pazuzus Glied spüren, und das war wirklich sehr prickelnd für ihn; er war überrascht, wie sehr es ihn aufregte. Als die Dame nach Stunden der Wollust um Pause bat, sah Pazuzu ihn auf eine so rätselhafte Weise an, die alles und nichts sagte. Es lag ihm etwas auf den Lippen, aber es kam nicht raus. Lilith verließ den Raum, und Asmodei betrachtete den nackten Pazuzu vor sich. Keiner konnte einen schöneren und männlicheren Körper haben als Pazuzu. Sein Glied war rahmensprengend und Energie der Lust pur. Sein schnittiges und allwissendes Gesicht war einfach Antwort auf alle Fragen. Asmodei kam in Stimmung, zum ersten Mal einen Mann zu berühren, und es war ihm egal, wie Pazuzus reagieren würde. Er ging zum direkten Kampf über und küsste Pazuzu wüst, der völlig perplex war; aber genau das war es, was er die ganze Zeit wollte, und ebenso wild antwortete seine Zunge Asmodei. Die beiden umarmten sich so heftig, dass die Welt stehen blieb. Lilith kam zurück und setzte sich auf einen Sessel vor dem Bett; belustigt kam es von ihr „Nun, Asmodei, du musst wissen, Pazuzu ist bisexuell, aber er ist der Mann im Ring. Bist du bereit, eine Frau zu sein?“ Asmodei schaute sie an, lächelte und sagte ihr: „Ist das in Ordnung für dich? Danach kümmern wir uns auch wieder um dich!“ Lilith winkte ab. „Macht mal, ich schau nicht zum ersten Mal zu, auch Männern habe ich schon dabei zugesehen; wenn mir danach ist, gesell ich mich zu euch!“ Pazuzu ging ganz ungewohnt bedächtig mit Asmodei um, da er ihn sehr liebte und ein schönes erstes Mal für ihn wollte. Es war ein Ergießen wahrer erfüllter Männerliebe, und Lilith war richtig gerührt. Als Frau hatte sie ihn als Erste und als Mann ihr so geliebter Pazuzu. Es war perfekt, und eine Träne rann über ihr Gesicht, als die beiden kamen. Sacht legte sie sich zu Asmodei, der aufgewühlt lachte. Lieb küsste sie ihm den Mund. „Jetzt weißt du, wie in etwa eine Frau fühlt; denk daran, wenn du in eine eindringst. Leidenschaft ist erregend, aber das Gefühl lässt dich beflügeln. Ich habe schon anderen Männern dabei zugesehen, aber so was Schönes habe ich noch nicht erlebt. Ich hoffe, du interessierst dich weiterhin für Frauen nach dieser Erfahrung?“ Zärtlich nahm Asmodei sie in die Arme und hatte mit ihr den hingebungsvollsten Sex mit einer Frau, der je seinen Köper verlassen hatte. Und Pazuzu schaute zu. In ihm war alles durcheinander, aber vor allem war er grenzenlos glücklich, denn nie hatte er einen Mann so geliebt wie Asmodei, und nie wieder würde ihn noch mal ein Mann so lieben!

Doch Asmodei wurde zu unvorsichtig in seiner Abenteuerlust der Sexualität. Alles wollte er ausprobieren, und er fühlte sich zu stark. So geriet er leider eines Tages an die drei falschen Männer – bei einer wilden Schwulenorgie. Klar hatte Asmodei den dreien gesagt, dass er der männlich Aktive sein wolle, denn Asmodei schwankte immer mit seiner Stimmung. Einmal wollte er der Mann im Bett sein, dann die Frau, aber nur bei Männern, die er gut kannte, so wie Pazuzu. Auf solchen Orgien wäre er nie auf die Idee gekommen, der Passive zu sein, denn da wollte er Herr der Lage sein. Gekonnt lenkten sie ihn ab, und er fand sich in einem separaten Schlafzimmer wieder, wo ein Bock stand mit Ketten. Asmodei schaltete zu spät, und die drei überwältigten ihn. Brutal fesselten sie ihn an den Bock und vergewaltigten ihn zu dritt; Asmodei war wie gelähmt. Alles Leben rann aus ihm raus, und der Schmerz war unermesslich. Aber Appollyon hatte stets ein Auge auf Asmodei, denn im gesamten Abbadon waren Überwachungskameras, und Appollyon sah das Furchtbare. Sofort rief er Pazuzu und Ariel, und sie eilten ihm zu dritt zu Hilfe. Als Asmodei von seinen Fesseln befreit war, richtete er sich auf und schrie, dass die Wände zitterten. Wutentbrannt griff er nach dem Schwert von Pazuzu und schlug auf die drei Peiniger ein. Mit solcher Wucht schlug er mit dem Schwert auf sie ein, dass er sie komplett zerstückelte. Ariel war von Sinnen. „Er hat drei Dämonen getötet. Solche Macht haben nur ganz wenige. Nur die schwarzen Götter und wenige Dämonen, wie ich, Pazuzu und Pakker. Das ist unglaublich! Asmodei, du bist einem schwarzen Gott gleich! Was auch Schlimmes dir hier passiert ist, du kannst stolz auf dich sein, denn heute erfahren alle, dass du der mächtigste unter den Dämonen bist! Vergiss die Scham, denn du hast sie mit Blut besiegelt. So was wird dir nie wieder geschehen. Denn wir werden allen sagen, wie groß und mächtig du bist und was deinen Feinden passiert ist. Selbst die Unterwelt muss vor dir erzittern!“ Alle Scham und Erniedrigung wichen aus Asmodeis Körper, und wild sah er die Männer an, die nun den Raum betraten. „Sagt allen, was passiert, wenn man Asmodei nicht respektiert und sich mit ihm anlegt. Zerstückeln tu ich euch!“, schrie er die Neugierigen an. Der Name von Asmodei ließ die gesamte Unterwelt erschauern, denn solche Macht zollte größten Respekt und Ehrfurcht unter den Bewohnern der Unterwelt, und keiner wagte es noch einmal, sich mit Asmodei zu messen. Sein Name war in aller Munde, und alle fürchteten ihn nun. Aber Asmodei war sehr in seiner Seele verletzt worden, doch das zeigte er keinem, nur seiner geliebten Lilith und in den starken Armen von Pazuzu. Auch kamen sich durch das Begeben nun Ariel und Asmodei näher. Oft unterhielten sie sich und wurden mit der Zeit beste Freunde. Appollyon kümmerte sich wie ein Vater um Asmodei und half ihm, das Erlebte zu verarbeiten. Aber es gab so manche dunkle Stunde, wo es ihn einholte!

Kapitel 3

Die Baumeister ließen Apollo kommen, der die letzten vier Jahrhunderte ein trostloses, verhärmtes Dasein geführt hatte. Der große Baumeister Lido hieß ihn willkommen und brachte es ohne Umschweife auf den Punkt: „Deine Tochter Ariadne ist nicht tot, aber du solltest das glauben, denn das war unsere Strafe für dich. Was jetzt kommt, ist die Prüfung für dich! Deine Tochter wurde vor vierzehn Jahren als Menschenfrau geboren. Ihr Name ist Psyche. Götter und Dämonen werden sie wild lieben bis in den Tod. An dir liegt es, ob deine Tochter lebt oder stirbt. Nun kannst du ihr zeigen, ob du ein guter Vater bist und sie beschützen kannst! Der Gott Eros macht sich heute auf den Weg zu ihr. Psyche ist eine so wunderschöne, bezaubernde Frau, dass die Menschen aufgehört haben Aphrodite anzubeten. Stattdessen verehren sie Psyche als fleischgewordene Aphrodite unter sich. Die wahre Aphrodite hat ihrem Sohn Eros den Auftrag gegeben, Psyche zu töten, denn die Schmach der eitlen Aphrodite ist zu groß. Wenn du dich beeilst, findest du deine Tochter vor Eros. Wenn nicht, hast du versagt, und sie wird sterben, durch den Pfeil von Eros.“ Apollo wurde leichenblass. „Ihr müsst mir mehr Informationen geben! Wo lebt sie, wer sind ihre Eltern …? Das ist unfair, wie soll ich sie finden vor Eros?“ Lido lachte bei der Panik von Apollo. „Du bist ein sehr intelligenter Gott, streng deinen Kopf an, und bewahr die Ruhe! Los, die Zeit läuft!!!“

Apollo machte sich unsichtbar und heftete sich an die Fersen von Eros, der ihn nicht bemerkte.