Hannibal - Christian Dietrich Grabbe - ebook

Hannibal ebook

Christian Dietrich Grabbe

0,0

Opis

Dieses eBook: "Hannibal" ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Hannibal ist eine Tragödie von Christian Dietrich Grabbe. Das Stück wurde 1918 in München uraufgeführt. Das Stück behandelt den Zweiten Punischer Krieg und die Zeit darüber hinaus: Die Tragödie beginnt 216 v. Chr. nach der Schlacht bei Cannae und endet 183 v. Chr. mit dem Tod des großen karthagischen Feldherrn Hannibal. Die Vorgänge in dem Stück sind zunächst durchweg tragisch. Alle beteiligten Protagonisten, ob nun Hannibal selbst oder aber seine Gegenspieler - allen voran die "Dreimänner" und die beiden Scipionen - sind äußerst grausame, skrupellose Machtmenschen. Da werden Boten umgebracht, bzw. dem Tode geweiht, da wird dem Kriegsgegner der Kopf abgehackt, da wird schreckliche Rache nach verlorener Schlacht genommen und so fort. Im 5. Aufzug aber schlägt die Stimmung um. Plötzlich nimmt die "Tragödie" eine urkomische Wendung. Und diese wird - bis zum knappen, wiederum tragischen Schluss - über den ganzen 5. Aufzug hinweg auf das Bravouröseste durchgehalten. Christian Dietrich Grabbe (1801 - 1836) war ein Dramatiker des Vormärz. Grabbe war neben Georg Büchner der bedeutendste Erneuerer des deutschsprachigen Dramas seiner Zeit. Er war beeinflusst von Shakespeare und dem Sturm und Drang. In seinen Stücken entwarf er eine desillusionierende bis pessimistische Weltsicht mit teilweise schrillen Szenen. Heute werden vor allem "Napoleon oder die hundert Tage" und "Hannibal" als bedeutende Dramen des Vormärz geschätzt, da sie ein realistisches, heterogenes Geschichtsbild vermitteln.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 91

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
Oceny
0,0
0
0
0
0
0



Christian Dietrich Grabbe

Hannibal

e-artnow, 2014 Kontakt:

Inhaltsverzeichnis

I. Hannibal ante Portas!
II. Numantia und Kapua
III. Abschied von Italien
IV. Gisgon

An K. Immermann

Immermann schaffte mir zur Vollendung des Hannibal die Muße und stand mir bei mit dem treffendsten Rat. Mache das Stück ihm und den Lesern Freude.

Düsseldorf, den 11. Febr. 1835.

Grabbe.

I. Hannibal ante Portas!

Inhaltsverzeichnis

Karthago.

Saal im Hause der Alitta.

Alitta und Brasidas.

BRASIDAS. Du liebst mich?

ALITTA. Ewiges Gefrag. Muß ich stündlich wiederholen, was man kaum sagt, ohne die Tiefe des Herzens zu entweihn?

BRASIDAS. So werde mir wieder ein heiterer Stern!

ALITTA. Ich? Die Waise?

BRASIDAS. Nicht das – Hat Dir auch die Pest furchtbar rasch die Eltern entrissen, Dir blieb – ALITTA. Was?

BRASIDAS. Der Freund. Und Karthago, die allgemeine Mutter.

ALITTA. Ja, Die! von Stein, mit einer Menge teilnahmloser Geschwister! – Ach, nichts Schrecklicheres als des Hauses einzige Tochter mit ihren Tränen an der Bahre der Eltern, und Millionen Volks draußen im fremden Getrieb: ein Totenlichtlein in wüster, weiter Nacht!

BRASIDAS. Zerstreue –

ALITTA. Des kleinlichen Worts!

BRASIDAS. Laß uns die alten Abende erneun, wo wir hier saßen, von Hannibal sprachen und seinen Siegen.

ALITTA. Die beiden Sessel sind leer, in welchen die Eltern dabei saßen – – Doch! wie? – Du sprichst von dem Schwarzgelben vor Rom? Was aber tust Du?

BRASIDAS. Du zürnst? so plötzlich? Ich zittre!

ALITTA. Vor der Stirnfalte eines Mädchens? Nun ists mir klar.

BRASIDAS. Was?

ALITTA. Das Rätsel wär einem echten Manne nicht schwer. Erbebst Du vor dem Stirnfalten der Geliebten, wie eher vor den Toren Roms!

BRASIDAS. Ha!

ALITTA. Zu den Stutzern, zu dem Ungeziefer erniedrigst Du Dich, das sich hier auf den Gassen brüstet, sie beschmutzt, wie Fliegen die Teller, welche an den Siegen mäkeln, bei denen mitzufechten sie sich gehütet. Der Schützer, Sieger, brauch ich ihn zu nennen? Hannibal, schändlich wird er unterstützt. Nicht zweitausend Bürger sind bei ihm, mit Negern, Nomaden, Gesindel jeder Art muß er sich von Sieg zu Sieg quälen, ohne Frucht und ohne Dank. – Sei besser, gib ein Beispiel, freiwillig zu ihm, und kämpf ihm zur Seite!

Sie ringt die Hände.

Heilige Astaroth, was hab ich gesagt!

BRASIDAS. Die Wahrheit. Ich schwelgt in Liebe und vergaß, sie zu verdienen. Noch heut reis ich ab.

ALITTA. Und willst mich lieben?

BRASIDAS. Gebotest Du die Reise nicht selbst?

ALITTA. Weiß nicht – Du, durchbohrt von den römischen Speeren – – BRASIDAS. Wir haben einen tötenden Sandstaub vor uns: balearische Schleuderer und numidische Reiter, und die Römer müssen die Augen waschen, bevor sie zielen.

ALITTA. Nein – ich ahne – höre! – Rom ist mir im Traum erschienen, vorige Nacht, glaubs! Es leuchtete mit seinen Ziegeln: eine rote Sonne, alles verschwemmend! – Dann wieder wars ‘ne Wölfin, mit Augen, groß, weit, wie das Meer, wenn es sich mit seinen stillen Tiefen nach dem Sturm hinsehnt, und in den Augen lagen versunkene Städte!

BRASIDAS. Weg mit Wolfstraum und roten Sonnen – Gibts nicht auch schwarze? Dunkelt Hannibal nicht so um Italien?

ALITTA. – Mitternächte sind lieblich, und die lieblichste – hast sie doch nicht vergessen?

BRASIDAS. Ewig durchspiegeln ihre Gestirne mir die Brust! Du sagtest zum ersten Mal: »Dein!« – ALITTA. Nicht? Du bleibst also?

BRASIDAS. Bin ich Deiner wert, wenn ich nicht kämpfe?

ALITTA. Nun und nimmer!

BRASIDAS. So nehm ich diesen Kuß auf Deinen Busen mit in das Feld, und oft noch wird er mich wärmen, lieg ich zeltlos in kalter Nacht!

ALITTA. Unverschämt!

BRASIDAS. Ich habe meine Lippen geheiligt, nie tönt von ihnen ein schlechtes, ein falsches Wort! Leb wohl! Ab.

ALITTA. Träum ich?

Sie drückt an ihre Stirn.

Wach auf! – – Er, fort zum Schiff?

Am Fenster.

Weh, dort spannen sich schon die Segel – Träger, Sklaven, Krieger, eilen an Bord – Da Er, sicher unheimlich im fremden Haufen. – Sieht er sich nach meinem Fenster um? Nein, er wagts nicht, sein Herz würde zu schwer. Schwer ists, das verrät der wankende Schritt – Atem der Liebe umweh ihn! – Ach, sie lichten die Anker, horch, laut schmettern die jubelnden Posaunen in den Abschiedsschmerz, und lustig springen die Flaggen dabei in die Lüfte, und von Sekunde zu Sekunde entfernt sich der Einzige, den ich liebe, auf dem Meer!

Sie greift ans Herz.

Armes Ding, beim Scheiden erst merkst du, was du besaßest! – Hanna!

HANNA alte Sklavin, kommt. Herrin!

ALITTA. Bleib heut bei mir und sticke. Hanna setzt sich und stickt. Wie? stickt sie mit meinen Tränen? Sie verdeckt ihre Augen mit der Hand.

Großer Marktplatz in Karthago.

AUSRUFER VON MEHREREN SEITEN. Kauft! hier Neger! Negerinnen! Mädchen, Weiber, Männer, Witwen, Ammen, Kinder, alle bester Sorte!

MARKTWEIBER. Gemüse!

ANDERE MARKTWEIBER. Datteln, Sago, Fisch, Thunfisch!

EIN MARKTJUNGE alle überschreiend. Ja Thunfisch! Syrakuser Thunfisch! frischer! allerbester!

MARKTWEIBER. Hyänen schreien nicht so vor Hunger, wie der Junge seine Ware ausschreit!

EIN MARKTWEIB. Hats von der Mutter. Hättet Ihr die gehört – EIN ANDERES. Laß die Drommete. Ich höre, wenn ich träume, sie oft noch aus ihrem Grab schmettern: »Kohl und Wirsing, Wirsing und Kohl!«

EIN KARTHAGER. Das Pfund Sago?

MARKTWEIB. Fünf Silberlinge.

DER KARTHAGER. Drei –

MARKTWEIB. Nehmts, weil Ihr es seid.

DER KARTHAGER. Kennst Du mich?

MARKTWEIB. I nu – Ihr seid – ja Ihr – Zu einer Nachbarin. Trägst heut Seide? Das bedeutet?

EIN KAUFHERR zu einem Sklavenhändler. Dieser Neger?

ERSTER SKLAVENHÄNDLER. Viertausend Drachmen.

KAUFHERR. Hoffentlich Eunuch?

ERSTER SKLAVENHÄNDLER. Versteht sich. Ich kenne den Geschmack der Herrn Ehemänner und richte meine Ware zu.

KAUFHERR. Bringt ihn mir nach. Ich zahle zu Haus.

EIN ZIERBENGEL zum zweiten. Da, die beiden schwarzen Mädchen – allerliebst!

ZWEITER. Kohlen, die brennen wollen.

ERSTER. Moloch! sie brennen schon! Ganze Feuerherde auf den Lippen!

ZWEITER. Leih mir Geld, ich kaufe sie.

ERSTER faßt nach seiner Börse und tut dann verlegen. Habe grad nichts bei mir.

ZWEITER beiseit. Der Lügner, ich hörs klappern!

ERSTER. Indes, Freund, laß uns die Ware besehen. – Mein Guter, was kosten die beiden Mädchen?

ZWEITER SKLAVENHÄNDLER. Ihr Herren, treffliches Gewächs! Ja, ich darfs kaum sagen, Er spricht lauter.

aber fühlt den Sammet ihrer Haut, seht wie sie zittern bei der leisesten Bewegung, das macht ihre zarte Erziehung, denn unter uns: Königstöchter sinds, vom Gambia, und äußerst wohlfeil – Sehr laut.

Wohlfeile Königstöchter!

ERSTER ZIERBENGEL. Nette, quecke Geschöpfe – Probier das Innere der Hände, keine Schwiele!

ZWEITER. Feines Fell!

ZWEITER SKLAVENHÄNDLER. Das Stück kostet –

ERSTER ZIERBENGEL. Wir kommen wieder.

Die beiden Negerinnen haben während der Untersuchung bitterlich geweint.

ZWEITER SKLAVENHÄNDLER den Zierbengeln nachsehend. Probier euch Baal in die Hölle! Immer probiert, nichts gekauft! – He! der Kran da? Wird er toll? Das agiert mit den langen, zweifingrigen Eisenarmen!

EIN VORÜBERGEHENDER. Eilschiffe aus Italien hebt er ans Land.

ZWEITER SKLAVENHÄNDLER. So – – ? wieder Siegsnachrichten, die uns keinen Scheffel Weizen eintragen. Seit die Barkas den Kaufmann aufgegeben, und Soldaten geworden, haben wir den kahlen Nord, statt des üppigen Sudan, Eisen statt Gold, Wandel statt Handel, Rekruten statt Schöpsbraten!

EIN ALTER MANN an einer Krücke, hat mit ernster Miene zugehört. Das ist leider nur zu wahr!

Er geht weiter, wackelnden Kopfes.

EIN BOTE eilt durch die Menge. Bei Kannä Sieg! Unermeßlicher Sieg!

VIELE. Gut. Schrei nur nicht so. – – Sie kommt, da kommt sie, die äthiopische Karawane! Ha, die Kamele, Pferde, Strauße! Das spreizt, das bäumt sich! Wie da hinten die Elefanten schnobernd die Rüssel erheben! Die Löwen, wie sie an den Stäben ihrer Kasten knirschen, wie die Panther brüllen, die Giraffen den Hals recken! Prächtig!

Die Karawane kommt.

DER FÜHRENDE SCHEICH. Die Karawane halte. Dort unter den tausend Säulen ist die letzte Zollstatt und das Ziel.

ZOLLBEDIENTE kommen. Ehrwürdger Vater, woher?

SCHEICH. Tief aus Sudan.

EIN ZOLLBEDIENTER. Ihr führt?

SCHEICH. Elefanten, Kamele, Sklaven, Goldstaub, auch manches seltne Tier, den Völkern hinter dem Mohrenland, wo das Antlitz wieder hell wird wie unsres, abgekauft.

ZOLLBEDIENTE. Auch Palmwein? Er fehlt dermal am Platz und wird gesucht.

SCHEICH. Auch den. Nehmt hier die Listen, und vergleicht.

ZOLLBEDIENTE. So zieht vorüber, und werft am Stadthaus die Ballen ab.

SCHEICH. Die Sterne seien um Euch und die Bewohner dieser Stadt, wie sie um uns auf nächtiger Wanderung durch die Wüste waren: leitende Gottheiten, in funkelnden Gewändern!

Er legt die Arme eine kurze Zeit betend über die Brust, und zieht dann mit der Karawane zur Zollstatt.

Karthago. Abend.

Kabinett in Hannos Palast.

Brennende Kerzen auf einem kleinen runden Tische, um welchen Hanno, Melkir und Gisgon sitzen.

MELKIR. Ist der Bote gekettet?

HANNO. Daß ihm die Adern bluten.

MELKIR. Und was noch hattest Du im Sinn?

HANNO. Alles, wird nur der Gisgon nicht einmal öffentlich zu hitzig.

GISGON. Wir sind die Dreimänner, durch Kugeln erlost, und niemand weiß recht, daß wir es sind, wohl aber, daß drei Monde am Himmel stehen, unter denen Suffeten und Volk sich bewegen. Jeder von uns hat seinen Anhang im vornehmen Synedrion und unter den guten Hundertmännern des Pöbels, streitet mit dem anderen öffentlich und unterstützt ihn heimlich hinter zehnfachen verschlossenen Türen. Das weiß ich, und leise raschl ichs mit der Zunge hin, wie die Schlange durchs gefallne Laub schleicht. Drum, beim Satanas, beleidigt mich nicht, ich scheine nur unter Euch der jüngste, denn das Klima dieses engen Zimmers machte mich bald so alt wie ihr.

HANNO. Nicht ärgerlich! Heftigkeit schadet stets. Mit Ruhe.

GISGON. Ja, es ist gut, tut man das Schlechte mit Ruhe.

HANNO. Demnach – die Barkas müssen unter, bald, baldigst, – sie werden zu bedeutend, sie siegen zu viel, einige im Volk bewundern sie schon.

GISGON. Und andere meinen, sie wären schon unter, als tüchtige Anker dieser mastenwimmelnden Stadt. Doch ich lasse mich belehren.

MELKIR. Du lächelst, Hanno? – Was ist?

HANNO. Man sollte nicht lächeln.

MELKIR. Und nicht weinen. Beides verrät.

HANNO. Ich freute mich, daß Gisgon sich belehren läßt. – Die Barkas, Gisgon, haben mächtige Gruben in Spanien – GISGON. Und wir haben prächtige Katakomben, alle Barkas darin zu begraben – Für sich.

sobald es Zeit ist. Aber noch ists nicht Zeit, diesen beiden greisen Ziegenböcken, mir widerlich, als müßt ich sie einmal essen, zu zeigen, daß ich ihr Gemecker verstehe.

HANNO. Sie haben Italien –

MELKIR. – zausen nur an dem Erdstreif – wir dagegen kennen und nützen die von Pol bis Pol sich ausdehnende Atlantis.

HANNO. Als Hannibal die Alpen überstieg, zauste er ihnen am Schneehaar, daß die Flocken Italien umdüsterten und es auch hier seinen Gegnern winterlich ward. Jetzt abermalen der ungeheure Sieg – MELKIR. Nach welchem er sich noch lange verschnaufen muß!

HANNO. Dazu die weitschichtige Familie der Barkas –

GISGON. Freilich, damit umranken sie Mauern und Dächer.

HANNO. Zerrissen den Efeu!

GISGON. Reißen wir! – Doch wie?

MELKIR. Leicht. Gebt dem Hannibal nicht weitere Unterstützung und er scheitert vor Rom.

HANNO. Einige Hülfe muß er haben, zum Schein. Schicken wir ihm etwa sechstausend Mann erbärmlicher Söldner, und verbreiten wir, es seien sechzigtausend gute Stück, so bewundern uns Karthago und die Welt.

GISGON für sich. Wird man bei diesen Zweien nicht schlecht, hat man ein steinernes Herz.

MELKIR. Warum auch nur diese Söldner? Sie könnten ihm immerhin nützen, er weiß Kleines anzuwenden.

HANNO. Melkir! Wenige schlechte Truppen, scheinbar zahlreich, geheime Befehle gegen ihn, die öffentliche Meinung für unsren guten Willen, jedenfalls besser als offner Kampf mit ihm und seiner Partei.

MELKIR nach einiger Überlegung. Nicht unrecht – Ich aber will die Truppen auswählen.

GISGON