Fördermittel akquirieren - Mechthild Baumann - ebook

Fördermittel akquirieren ebook

Mechthild Baumann

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Opis

Wer Fördermittel akquirieren muss, weiß, wie viele Förderanträge abgelehnt werden. Ursachen dafür sind formale, aber auch inhaltliche Gründe. Doch wie verfasst man einen guten Förderantrag? Einen Antrag, der überzeugt und durchkommt. Der Ratgeber führt Schritt für Schritt durch den Antragsaufbau, zeigt, welche Hürden es zu überwinden gilt, und gibt wertvolle Tipps und Hilfestellungen. Neben Kenntnissen zu Projektplanung, Projektmanagement und zur Budgetierung vermittelt er auch allgemeine Regeln zum korrekten und lesbaren Schreiben. Dabei wird die eher trockene Materie mit vielen Beispielen aus der Antragspraxis aufgelockert. Mit einem Crash-Kurs für Anträge auf den letzten Drücker.

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EPUB

Liczba stron: 137




Inhaltsverzeichnis

Hinweis zum UrheberrechtImpressumDanksagung1   Einleitung2   Die Vorbereitung2.1   Bevor Sie mit dem Schreiben beginnen2.2   Schlüpfen Sie in die Rolle des Gutachters2.3   Gutachter sind ganz normale Menschen2.4   Gutachtertypen2.5   Beachten Sie diese Tipps3   Die Projektlogik verstehen3.1   Von der Idee zum Projekt3.2   Was kennzeichnet ein Projekt?3.3   Warum werden Projekte gefördert?4   Den Antrag schreiben4.1   Das Projekt ganzheitlich betrachten – der Logical Framework Approach4.2   Benennen Sie das Problem und zerlegen Sie es in seine Einzelteile – die Analyse4.3   Der Unterschied zwischen Ergebnissen, Zielen und Wirkungen4.4   Benennen Sie Ihre Zielgruppe und die Stakeholder4.5   Das Projekt muss zum Geldgeber passen4.6   Grenzen Sie das Projekt ein4.7   Erläutern Sie, wie Sie das Problem lösen wollen – die Methode4.8   Zeigen Sie, woran man den Erfolg erkennt – die Indikatoren4.9   Legen Sie dar, mit wem Sie zusammenarbeiten – das Konsortium bzw. Team5   Die glorreichen Elf zur Problemlösung – die Umsetzung/Implementation6   Welche Unterstützung brauchen Sie? – Kalkulation/Budget6.1   Worum geht es beim Budget?6.2   Personalausgaben6.3   Sächliche Verwaltungsausgaben6.4   Gemeinkosten (Overhead)6.5   Ko-Finanzierung7   Wie beobachten und kontrollieren Sie Ihre Fortschritte (Monitoring)?7.1   Was ist Monitoring?7.2   Was heißt „berichten“?8   Wann überzeugt ein Projektvorschlag?8.1   Ist das Projekt relevant?8.2   Ist das Projekt machbar?8.3   Wird das Projekt gut gesteuert?8.4   Ist das Projekt nachhaltig?8.5   Hat das Projekt einen europäischen Mehrwert (European added Value)?9   Zehn Tipps zum Schreiben des Antragstextes10   Der Antrag auf den letzten Drücker10.1   Suchen Sie sich einen Unterstützer10.2   Studieren Sie die Ausschreibung oder die Förderbedingungen10.3   Haben Sie schon eine Idee?10.4   Noch einmal: Passt Ihre Idee zur Ausschreibung?10.5   Stellen Sie ein Team zusammen10.6   Das Wichtigste zuerst10.7   Das Abschicken des Antrags vorbereiten11   Ein (beinahe) echtes Beispiel einer fördernden Stiftung11.1   Wissenswertes über Stiftungen11.2   Die Internetseite der Stiftung analysieren11.3   Den Förderantrag analysieren11.4   Den Förderantrag formulieren11.5   Die Auswahlkriterien beachten und erfüllen11.6   Wer vergibt Fördermittel?LiteraturDie AutorinStichwortverzeichnis
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Hinweis zum Urheberrecht

Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH, Stuttgart

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Print: ISBN: 978-3-7910-3597-0Bestell-Nr.: 12002-0001ePDF:ISBN: 978-3-7910-3598-7Bestell-Nr.: 12002-0150ePub:ISBN: 978-3-7910-4026-4Bestell-Nr.: 12002-0100

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

© 2017 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht [email protected]

Umschlagentwurf: Goldener Westen, BerlinUmschlaggestaltung: Kienle gestaltet, StuttgartSatz: Claudia Wild, Konstanz

Juni 2016

Schäffer-Poeschel Verlag StuttgartEin Tochterunternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt

Danksagung

Ein Buch schreiben ist Teamwork – genau wie das Verfassen eines Förderantrags. Besonderer Dank gebührt deshalb Marion Schmid-Drüner und Massimo Ciscato, die tagtäglich Anträge begutachten und viele Erfahrungen aus ihrem Arbeitsalltag mit mir teilten, Eckart D. Stratenschulte, einem Meister der anschaulichen Vermittlung politischer Inhalte, für sein konstruktives Feedback, Sabine Knobel und meinem Mann Georg für die Rückenstärkung in Motivationstiefs, Faridah Mugrabi für die Anwendungstests, meinem Redakteur Frank Katzenmayer für die professionelle und freundliche Zusammenarbeit sowie meinem Lektor Alexander Kurz, dessen Argusaugen jede Unstimmigkeit entdecken.[2]

Mechthild Baumann

Berlin, im März 2016

1   Einleitung

Sie haben noch nie einen Projektantrag geschrieben? Sie haben schon mehrere Anträge geschrieben – und alle wurden abgelehnt? Sie wollen, dass Ihr Antrag endlich durchkommt? Dann ist dies das richtige Buch für Sie!

Dieses Buch ist ein Kondensat: Sie finden hier knapp und in hoch konzentrierter Form meine geballten Erfahrungen aus vielen erfolglosen, später aber dann erfolgreichen Anträgen, meine Ansichten als Gutachterin und das Neueste, was die Literatur zum Verfassen von Anträgen hergibt.

Das Einzigartige an diesem Buch: Ich schreibe es aus zwei Perspektiven. Einmal aus Sicht der Gutachterin und einmal aus Sicht der Antragstellerin.

So finden Sie zum einen die lehrbuchartige Beschreibung davon, wie Sie am besten an einen Projektantrag herangehen. Dazu gehört, schon lange vor Abgabefrist planvoll am Antrag zu arbeiten, um ein ausgereiftes, durchdachtes und verständlich geschriebenes Werk abzugeben. Idealerweise lesen Sie das Buch, noch bevor Sie ein konkretes Vorhaben im Auge haben und arbeiten dann in der Antragsphase alle Schritte nacheinander ab.

Zum anderen finden Sie hier aber auch eine Anleitung für Anträge auf den letzten Drücker. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass die gewöhnliche Lehrbuchvariante häufig nicht funktioniert. Entweder hat man die Ausschreibung eben erst entdeckt oder man hat einen Praktikanten damit beauftragt, der, wie sich hinterher herausstellte, völlig überfordert war. Oder man selbst hat den Antrag völlig unterschätzt. Eigentlich sollte man dann seine Energie gewinnbringender investieren, sich mit Freunden treffen oder ins Kino gehen, anstatt sich die Nächte mit einem Antrag um die Ohren zu schlagen. Wer dennoch unbedingt den Antrag einreichen will, weil es vielleicht die letzte Chance ist, dem stehe ich hier mit Rat und Tat zur Seite.[3]

Wie dieses Buch aufgebaut ist

Ganz ehrlich: Nichts nervt mich mehr, als aufgeblähte Ratgeber. Eine Kernaussage, die auf fünf Seiten plattgewalzt wird, verschwendet wertvolle Zeit des Lesers. Das möchte ich Ihnen nicht antun, denn wenn Sie dieses Buch gekauft haben, befinden Sie sich wahrscheinlich schon im Stress.

Für die ganz eiligen Leser ist das Wichtigste kurz und knapp zusammengefasst.

Beispiel

Wer zum besseren Verständnis ein Beispiel genannt haben möchte, wird unter dieser Überschrift fündig.

Tipp

Tipps von Gutachtern und Geldgebern stehen auf einem grauen Feld.

Zusatzwissen

Weiterführende Erläuterungen, warum Sie dieses oder jenes tun sollten, diskutiere ich mit Tina, der ungeduldigen Leiterin eines Berliner Vereins, die gerade dringend Geld für ihre vielen Vorhaben braucht und nicht so recht einsieht, warum dieser ganze Schreibkram notwendig sein soll.[4]

2   Die Vorbereitung

2.1   Bevor Sie mit dem Schreiben beginnen

Zeitplanung: Wenn Sie einen Förderantrag für ein Projekt verfassen wollen, brauchen Sie viel Zeit. Es gilt die Faustregel: Je größer der Antrag, desto mehr Zeit brauchen Sie.

Beispiel

Eine Uni beabsichtigte, sich auf ein mehrjähriges Forschungsprojekt bei der EU zu bewerben. Es ging um mehrere Millionen Euro. Dazu wollte der ehrgeizige Professor mindestens sechs Partnerunis aus verschiedenen EU-Ländern gewinnen. Er stellte deshalb einen wissenschaftlichen Mitarbeiter ein, der sich ausschließlich um die Zusammenstellung des Konsortiums kümmerte und den Antrag gemeinsam mit den Partnern verfasste. Dafür benötigte der Mitarbeiter – in Vollzeit arbeitend – mehr als ein halbes Jahr. Der Antrag wurde am Ende bewilligt. Natürlich dauert nicht jeder Projektantrag ein Jahr, aber erfahrungsgemäß planen die meisten Einrichtungen viel zu wenig Zeit ein.

Ein Antrag, in dem Sie Angaben machen müssen zu kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zielen, zu Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit, der ein Gantt-Diagramm und Monitoringmaßnahmen abfragt, für solch einen Antrag wird ein geübter Antragsschreibermindestens drei Monate brauchen. Sie sind nicht geübt? Dann rechnen Sie noch einen Monat drauf – mindestens!

Tipp

Ich erlebe immer wieder, dass Anträge nicht vollständig eingereicht werden. Offenbar reichte die Zeit nicht. Wenn wichtige Punkte oder Felder nicht ausgefüllt sind, kann es passieren, dass der Antrag schon bei der ersten formalen Überprüfung durchfällt. Da ist es doch schade um die ganze Arbeit …[5]

2.2   Schlüpfen Sie in die Rolle des Gutachters

Rollentausch vornehmen: Wenn Sie in einem Antrag um Geld bitten, heißt das nichts anderes, als dass Sie möglichen Geldgebern Ihre Idee oder Ihr Vorhaben verkaufen wollen. Sie sind derVerkäufer.Ihre Idee ist Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung.

Ein guter Verkäufer kann sich in die Lage seiner Käufer versetzen und seine Produkte und Dienstleistungen überzeugend aufbereiten und präsentieren. Dasselbe sollten Sie tun, wenn Sie einen Förderantrag schreiben. Beachten Sie bitte: Sie wollen zwar am Ende das Projekt umsetzen – aber „kaufen“ muss es zunächst Ihr Geldgeber. Deshalb sollten Sie ab jetzt die Perspektive wechseln.

Zusatzwissen

Tina: Was soll dieser Unsinn gleich zu Beginn des Buches? Ich will nichts verkaufen. In unserem Verein kümmern wir uns um benachteiligte Kinder, da gibt es nichts zu verkaufen!

Mechthild: Doch! Sie „verkaufen“ Ihr Projektvorhaben. Sie wollen einen Geldgeber davon überzeugen, dass er gerade Ihr Projekt fördern soll – und nicht die der anderen. Bitte bedenken Sie: Beim Einwerben (der Akquise) von Fördermitteln herrscht der gleiche Wettbewerb wie in der Wirtschaft.

Stimmt auch wieder. Die letzten beiden Anträge hat ein anderer Verein durchbekommen.

Überlegen Sie nun bitte, was einen guten Verkäufer ausmacht. Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein Haus bauen. Was ist Ihnen wichtig im Gespräch mit einer Hausbaufirma?[6]

Naja, ich möchte sichergehen, dass die Firma das gewünschte Haus bauen kann. So ein Haus ist schließlich eine große Investition.

Ist das alles?

Nein. Gleichzeitig möchte ich als Hausbauer verstehen, welche Bedingungen an den Hausbau geknüpft sind und was ich am Ende kriege.

Das heißt, die Hausbaufirma sollte in der Lage sein, Ihnen alle Bauschritte und den Umfang der Ausstattung in verständlichen Worten zu erläutern. Sie entscheiden sich genau dann für die Baufirma, wenn diese Sie überzeugt – und nicht, wenn sie Sie beschwatzt. Das Bauunternehmen muss seriös sein. Das heißt, es braucht Argumente, die Sie nachvollziehen können. Ein guter Architekt sollte Ihnen darlegen können, welches Modell vielleicht nicht zu Ihren Bedürfnissen passt oder worin die Schwachstellen der einzelnen Hausmodelle bestehen. Dann können Sie selbst die Stärken und Schwächen der einzelnen Modelle gegeneinander abwägen.

Ich will vor allem wissen, worauf ich mich einlasse.

Richtig! Die Baufirma sollte Ihnen auch deutlich sagen, wo die Risiken liegen. Was, wenn eine Zulieferfirma Pleite geht? Was passiert, wenn das Fundament falsch gegossen wurde? Würden Sie einer Baufirma vertrauen, die sagt: „Bei uns gibt es keine Risiken, es läuft immer alles gut“? Ich nicht.

2.3   Gutachter sind ganz normale Menschen

Jeder Geldgeber hat Gutachter, die für ihn die Anträge prüfen. Um einen Antrag aus der Sicht des Gutachters schreiben zu können, muss man erst einmal wissen, wer den Antrag begutachten wird, denn in der Regel bekommt man dieses Phantom nie zu sehen. Grundsätzlich gibt es mindestens eine, wahrscheinlich aber mehrere Personen, die Ihren Antrag lesen und anschließend entscheiden: Kaufe ich! Oder: Kaufe ich nicht.[7]

Die wichtigste – und aus Sicht eines Antragstellers oft völlig verblüffende – Beobachtung, die ich in Brüssel, Berlin und anderswo mit Personen gemacht habe, die Anträge bewerten, ist: Gutachter sind ganz normale Menschen. Ein Gutachter ist kein Genie, kein Dechiffrierer und auch kein Gedankenleser. Grob kann man zwei Arten von Gutachtern unterscheiden: interne und externe.

Interne Gutachter sind die Mitarbeiter des Geldgebers, z. B. Beamte der Europäischen Kommission, Projektleiter einer Stiftung, wissenschaftliche Referenten einer Behörde oder auch eine Jury oder ein Kuratorium. Sie verrichten ihre „normale Arbeit“. Manchmal formulieren sie eine Ausschreibung zur Vergabe von Geldern für Projekte, veröffentlichen diese und bewerten anschließend die Anträge.

Externe Gutachter werden von den Geldgebern engagiert, wenn diese entweder den Umfang der Anträge nicht allein bewältigen können oder wenn sie die Expertise der externen Gutachter „einkaufen“ möchten. Deshalb sind externe Gutachter in der Regel Experten auf dem Gebiet, das gerade Gegenstand der Ausschreibung ist.

Ob intern oder extern, gemein ist den meisten Gutachtern, dass sie unter Zeitdruck arbeiten, meist mehrere Anträge auf einmal bearbeiten müssen, nebenbei noch ihre „normale“ Arbeit verrichten müssen, mit anderen Worten: Genauso wie die Antragsteller unter Stress stehen.[8]

Bewertungsverfahren: Je nach Geldgeber und Ausschreibung bewertet ein einzelner oder eine Gruppe (Konsortium) aus bis zu fünf Gutachtern einen Antrag. Es liegt auf der Hand, dass die Chance auf eine faire Bewertung in einem Konsortium mit zwei und mehr Gutachtern höher liegt, als wenn man der Meinung einer Einzelperson ausgeliefert ist.

Je nachdem wie formalisiert das Verfahren zur Vergabe der Geldmittel ist, sind Gutachter an mehr oder weniger strenge Regeln gebunden. Als Faustregel gilt:

Je höher die Geldsumme, umso ausführlicher und strenger die Regeln.

An diese Regeln müssen Gutachter sich halten, haben also wenig Bewertungsspielraum. Das ist gut für Sie.

2.4   Gutachtertypen

Darüber hinaus hilft es Ihnen jedoch vielleicht, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass Gutachter ganz normale Menschen sind. Um das Phantom, das Sie in der Regel nicht zu sehen bekommen, mit Leben zu erwecken, habe ich einige Gutachter typologisiert.

Die Gutachterportraits, die gleich folgen, sind weder repräsentativ noch in irgendeiner Weise wissenschaftlich fundiert. Sie sind das Ergebnis meiner eigenen Erfahrungen, Beobachtungen und denen einiger hilfsbereiter Kollegen.

Der Gerechte

Er nimmt seine Aufgabe sehr ernst, hat nicht nur den Antrag gründlich studiert, sondern auch die dazugehörige Ausschreibung. Er berücksichtigt alle Aspekte und begutachtet den Antrag wohlwollend, denn er möchte den Antragschreibern eine faire Chance einräumen. Sein Wohlwollen verliert dieser Typ jedoch dann, wenn er merkt, dass der Antragschreiber nicht genauso korrekt und pflichtbewusst gearbeitet hat wie er selbst, oder wenn gar feststellbar ist, dass er unsachgemäß übertreibt, ins Blaue hinein formuliert oder schlampig arbeitet.[9]

Der Gutmensch

Er hat den Antrag meist nur oberflächlich gelesen, findet ihn aber großartig. Außerdem anerkennt er, dass der Antragsschreiber sich wahnsinnig viel Mühe gemacht hat, wirklich, das ist toll! Das muss man wohl berücksichtigen. Deshalb: volle Punktzahl! Auf ihn zu treffen, ist ein Glücksfall für jeden Antragschreiber. Geht es um höhere Summen, gibt es aber meist mehr als einen Gutachter und die Wahrscheinlichkeit, gleichzeitig auf zwei Wohlwollende zu treffen, ist sehr gering.

Der Lebemann

Er liest den Antrag – wenn überhaupt – nur quer und das in allerletzter Minute. Er verfasst das Gutachten nur, weil er entweder Geld braucht oder von einem Kollegen dringlich darum gebeten wurde. Schon nach der ersten Seite weiß er nicht mehr, ob er den Antrag mag oder nicht. Aber in den Verhandlungen muss er doch zumindest den Anschein erwecken, er habe den Antrag gelesen, also blufft er munter drauflos. Je nach Stimmung und Kollegen schwingt er sich zu Lobeshymnen auf oder sieht leider gar keine Chance für dieses Vorhaben. Da er argumentativ nichts dafür- oder dagegenhalten kann, lässt er sich jedoch auch leicht umstimmen.

Der Kammerjaeger
[10]

Keiner liest den Antrag gründlicher als er. Mit Feuereifer scannen seine Augen den Antrag, er inhaliert den Text geradezu. Ihm entgeht kein Kommafehler, keine Wiederholung und vor allem: kein Widerspruch. Findet er einen Fehler, dann freut er sich und schießt los: Punktabzug – unwürdige Arbeit! In seiner Pedanterie ist er auch nicht geneigt, Punkte für z. B. die Beschreibung der Methode zu geben, wenn diese nicht im vorgeschriebenen Abschnitt, sondern irgendwo anders auftaucht. Einzige Gegenmaßnahme: Gewissenhaft arbeiten.

Der Professor

Er ist erfahren, belesen, meist schon jenseits der Fünfzig und – eitel. Er begeistert sich für die Neuerungen, die in den Anträgen vorgestellt werden, insbesondere bei Forschungsanträgen. Er verliert sich in der Vorhabenbeschreibung, nimmt sie auseinander und fragt sich insgeheim, warum er selbst nicht auf die Idee gekommen ist. Praktische Aspekte wie die Umsetzung des Projekts oder die Finanzplanung tut er als unwichtig ab. Stundenlang könnte er sich in Fachsimpelei verlieren und hört dabei am liebsten doch seinen eigenen Ausführungen zu.

Der Überhebliche

Er hat alles schon gelesen. Alles schon gesehen. Ihm kann keiner mehr etwas erzählen. Er weiß schon vorher, dass das vorgeschlagene Vorhaben oder Projekt gar nicht funktionieren kann. Positiver gestimmten Gutachterkollegen bringt er nur Geringschätzung entgegen. An dem Antrag lässt er kein gutes Haar. Pech für jeden Antragsteller.

2.5   Beachten Sie diese Tipps

Kennen Sie die Ausschreibung vor Ihrer Veröffentlichung?
[11]

Gespräch suchen: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Warten Sie deshalb nicht erst auf die Veröffentlichung der Ausschreibung. Häufig sind die Fristen bis zur Abgabe sehr eng getaktet. Wenn Sie schon wissen, wer als Geldgeber in Frage kommt, bitten Sie um einen Termin und beraten Sie mit den zuständigen Bearbeitern, was in naher Zukunft auf der Agenda steht. So können Sie schon mal beginnen, Ihre Partner zu suchen und über ein Thema nachzudenken. Sie gewinnen damit unter Umständen viel wertvolle Zeit!

Schreiben Sie den Antrag selbst

Ich habe es erlebt, dass insbesondere kleine oder unerfahrene Einrichtungen sich beim Antragsstellen der Hilfe von Ghostwritern bedienen. Tun Sie das nicht! Sie müssen schließlich alles, was Sie im Antrag versprechen, hinterher auch einlösen. Sie müssen Berichte schreiben, Fortschritte bewerten, abrechnen, umsetzen, Fehlplanungen justieren und vieles mehr. Spätestens dann bekommen Sie Probleme. Natürlich können Sie sich beraten lassen, nehmen Sie sich einen Coach, lassen Sie den Antrag gegenlesen , aber schreiben Sie ihn selbst. Sie schaffen es!

Lesen Sie die Ausschreibung