Dr. Stefan Frank 2531 - Arztroman - Stefan Frank - ebook

Dr. Stefan Frank 2531 - Arztroman ebook

Stefan Frank

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Opis

Backen für die arme Mami Wie die beiden Schwestern ihre Mutter wieder fröhlich machen wollten Johanna und Carlotta werfen einander sorgenvolle Blicke zu. Obwohl ihre Mama so tut, als sei alles in Ordnung, merken die beiden Schwestern doch ganz genau, dass irgendetwas nicht stimmt. Dass alles nicht mehr ganz so fröhlich ist wie früher, als ihr Papa noch lebte, daran haben sich die Mädchen ja schon gewöhnt. Doch in den letzten Wochen ist alles noch bedrückender geworden. Irgendetwas scheint ihre Mama traurig zu machen, sie lacht gar nicht mehr und ist oft ganz still. Was für ein Glück, dass ihnen da eine rettende Idee kommt: Sie wollen Zauberkekse backen, verwoben mit dem Wunsch, dass ihre Mami wieder glücklich wird. "Da muss aber noch ein Geheimgewürz rein", erklärt Carlotta ihrer jüngeren Schwester. "Ich hab dich lieb, Mami - das denken wir jetzt, solange wir kneten." Johanna knetet eifrig den Teig. "Ich hab dich so lieb, Mami", flüstert sie dabei inbrünstig. Bei selbst gebackenen Plätzchen, die so viel Liebe enthalten, muss ihre Mutter doch einfach wieder fröhlich werden! Doch die beiden Mädchen ahnen ja nicht, in welch verzweifelter Lage sich ihre Mama befindet ...

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Inhalt

Cover

Impressum

Backen für die arme Mami

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: santypan / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9049-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Backen für die arme Mami

Wie die beiden Schwestern ihre Mutter wieder fröhlich machen wollten

Johanna und Carlotta werfen einander sorgenvolle Blicke zu. Obwohl ihre Mama so tut, als sei alles in Ordnung, merken die beiden Schwestern doch ganz genau, dass irgendetwas nicht stimmt. Dass alles nicht mehr ganz so fröhlich ist wie früher, als ihr Papa noch lebte, daran haben sich die Mädchen ja schon gewöhnt. Doch in den letzten Wochen ist alles noch bedrückender geworden. Irgendetwas scheint ihre Mama traurig zu machen, sie lacht gar nicht mehr und ist oft ganz still. Was für ein Glück, dass ihnen da eine rettende Idee kommt: Sie wollen Zauberkekse backen, verwoben mit dem Wunsch, dass ihre Mami wieder glücklich wird.

„Da muss aber noch ein Geheimgewürz rein“, erklärt Carlotta ihrer jüngeren Schwester. „Ich hab dich lieb, Mami – das denken wir jetzt, solange wir kneten.“

Johanna knetet eifrig den Teig.

„Ich hab dich so lieb, Mami“, flüstert sie dabei inbrünstig.

Bei selbst gebackenen Plätzchen, die so viel Liebe enthalten, muss ihre Mutter doch einfach wieder fröhlich werden! Doch die beiden Mädchen ahnen ja nicht, in welch verzweifelter Lage sich ihre Mama befindet …

Endlich Feierabend! Wird auch höchste Zeit, dachte Schwester Theresa nervös. Kurz vor Dienstschluss hatte es bei dem frisch operierten Mitralklappen-Patienten noch einen plötzlichen Herzstillstand gegeben, der jedoch von Dr. Rüsch sofort behandelt worden war.

Der Zustand des Kranken war zum Glück wieder stabil. Jetzt kümmerte sich Kollegin Maria um ihn, die heute mal wieder eine Viertelstunde zu spät gekommen war. Wegen eines Staus, wie sie behauptete.

„Dann musst du eben etwas früher losfahren, Stau gibt es auf deiner Route ja immer“, hatte Theresa leicht pikiert erwidert.

Auf die beruflichen Pflichten folgten nun übergangslos die familiären. Zum Einkaufen kam sie nicht mehr, aber sie hoffte, dass sie aus den Resten im Kühlschrank noch irgendwas zaubern konnte. Mit Eiern und Mehl Pfannkuchen backen, das ging ja immer.

Eilig verließ sie die Waldner-Klinik. Überall in der Stadt wetteiferten schon die Weihnachtsdekorationen miteinander, eine bunter und strahlender als die andere. Auch am Klinikeingang stand ein großer Baum in vollem Schmuck – was aber nicht so recht passte, denn in keinem Wetterbericht war von nahendem Schnee die Rede, sondern nur von ausgesprochen milden Temperaturen.

Theresa musste nach Nymphenburg in die Wiener Straße, um dort ihre beiden Töchter bei den Schwiegereltern abzuholen, und dann weiter nach Milbertshofen fahren, wo die kleine Familie wohnte. Da die Rushhour inzwischen fast vorbei war, hoffte sie auf eine wenigstens halbwegs staufreie Fahrt.

Schon im Hinauslaufen kramte sie hektisch nach dem Autoschlüssel. Auf dem Parkplatz blieb sie abrupt vor ihrem Wagen stehen. So was Ärgerliches! Hatte sie für heute nicht schon genug Stress gehabt? Sie war von zwei anderen Fahrzeugen seitlich so eingekeilt, dass sie nicht ohne Schwierigkeiten aus der Lücke herauskam.

So atmete sie einmal tief durch, machte sich so dünn wie möglich und zwängte sich durch den schmalen Spalt, den die Wagentür nach dem Öffnen noch zuließ. Mühsam schob sie sich hinter das Lenkrad. Jetzt konnte sie den Motor starten.

Beim Anfahren musste sie zentimetergenau seitlich und rückwärts rangieren, um aus dieser engen Parklücke herauszukommen. Dabei stieß sie kurz an einen rückseitigen Begrenzungspfahl. Wieder eine Delle im Lack!

Aber sie machte sich nicht die Mühe, wieder auszusteigen und nachzusehen. Auf einen Kratzer mehr oder weniger kam es ohnehin nicht mehr an. Der Wagen war alt und hatte schon viel erlebt. Noch tat er meistens das, was er sollte, nämlich sie und die Kinder an alle gewohnten Orte bringen: Schule, Schwiegereltern, Klinik und Einkaufszentrum. Es grenzte fast an ein Wunder, dass sie ihn immer noch durch den TÜV brachte.

Kaum hatte sie sich aus der Enge herausmanövriert, klingelte ihr Smartphone.

„Ja, wo bleibst du denn?“, klang die nörgelige Stimme ihrer Schwiegermutter an Theresas Ohr. „Wie wäre es mal mit Pünktlichkeit? Bruno und ich wollen ins Theater. Wir sollten schon längst unterwegs sein. Man kann sich nicht auf dich verlassen …“

„Ich bin in fünfzehn Minuten bei euch!“ unterbrach sie die aufgebrachte Frau und drückte den Anruf weg. Gerade bog sie vom Klinikgelände auf die Straße ein und wollte es auf keinen Fall darauf ankommen lassen, mit dem Handy am Ohr erwischt zu werden. Das konnte sonst teuer werden.

Tatsächlich schaffte sie den Weg in dreizehn Minuten. Johanna und Carlotta winkten, als sie den Wagen ihrer Mutter sahen, während Agnes und Bruno Kohler ihr mit ärgerlichen Mienen entgegenblickten. Auch ein Taxi wartete schon.

„Du weißt, wir gern wir unsere Enkelinnen bei uns haben. Es ist mir normalerweise auch weiß Gott egal, ob du sie später abholst. Aber wenn wir ins Theater gehen, müssen wir nun mal pünktlich sein, sonst wird man ja nicht mehr eingelassen.“

„Wird nicht wieder vorkommen, versprochen, Agnes“, versuchte Theresa ihre Schwiegermutter zu besänftigen. Inzwischen war sie ausgestiegen. Es gab nur eine Begrüßung per Händedruck. Die beiden Frauen umarmten sich nicht.

Die beiden Mädchen stiegen hinten ein, die Schwiegereltern ins Taxi – und endlich konnte Theresa in aller Ruhe das Zuhause der kleinen Familie ansteuern.

Bevor es losging, schaute sie in den Rückspiegel. Ihre beiden Töchter waren brav angeschnallt.

„Alles okay?“

„Du kannst losfahren.“ Carlotta nickte. Sie war neun und hatte die Grundschule mit guten Noten abgeschlossen. Seit September ging sie schon aufs Gymnasium.

„Opa hat uns einen Hund versprochen“, platzte ihre zwei Jahre jüngere Schwester Johanna heraus.

Carlotta verdrehte die Augen.

„Jetzt hast du dich schon wieder verplappert. Wir sollten doch noch nichts sagen.“

Theresa bremste den Wagen vor einer roten Ampel ab.

„Einen Hund?“ wiederholte sie mit gerunzelten Augenbrauen. „Das sollte ich aber schon wissen. Ein Hund ist was anderes als ein Goldhamster.“

„Das wissen wir doch, Mami. Ein Hund braucht mehr Fürsorge. Und er soll ja auch bei Oma und Opa bleiben“, klärte Carlotta die Mutter auf. „Immer, wenn wir da sind, haben wir dann einen Hund zum Spielen. Er kann im Garten rumlaufen und soll mit Opa spazieren gehen.“

„Das wäre gut für den Opa, hat die Oma gesagt“, meldete sich wieder Johanna zu Wort. „Opa hat zu wenig Bewegung.“

„Na, dann wären ja zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, stellte Theresa mit aufkeimender Ironie fest und fuhr wieder an.

Sie wollte sich jetzt nicht ärgern. Wenn der Hund also bei den Großeltern blieb, sollte es ihr recht sein. Wahrscheinlich würde die Hauptarbeit für den neuen Mitbewohner ohnehin Frau Ludwigs aufgebürdet, der Haushälterin im Hause Kohler. Theresa konnte nicht glauben, dass Schwiegermutter Agnes sich dazu herabließ, einen Hund zu erziehen.

„Wir haben uns im Internet die verschiedenen Hunderassen angesehen. Am liebsten wollen wir einen kleinen Hund“, erklärte Johanna.

„Einen Jack-Russell-Terrier“, ergänzte Carlotta. „Opa kennt einen Züchter.“

„Na, dann habt ihr ja schon alles abgesprochen“, stellte Theresa fest. „Meinetwegen, aber nur, wenn der Hund nicht zu uns ins Haus kommt. Dass er bei uns herumläuft, erlaube ich auf keinen Fall.“

„Warum magst du denn keine Hunde?“

„Ich mag sie ja, aber ich habe jetzt schon genug Arbeit: mit euch, daheim und in der Klinik. Noch mehr kann ich wirklich nicht schaffen.“

„Aber wir helfen dir doch, wo wir können“, ließ sich Johanna vernehmen.

Theresa unterdrückte ein Schmunzeln.

„Das ist wahr. Dafür bin ich euch auch sehr dankbar, meine Süßen“, lobt sie ihre Kinder und unterließ es, die beiden darauf hinzuweisen, dass der Löwenanteil der Hausarbeit nach wie vor bei ihr lag. Was ja auch in Ordnung war, ein bisschen Mithilfe reichte ihr schon. Ihre vaterlosen Mädchen sollten eine schöne Kindheit haben.

Eine Haushaltshilfe wäre ihr auch sehr gelegen gekommen, aber die konnte sie sich im Gegensatz zu ihren Schwiegereltern nicht leisten. Aber Theresa war ihnen dankbar, dass sie immer ihre Enkelinnen betreuten, wenn sie mal überraschend in der Klinik für eine kranke Kollegin einspringen oder sonst etwas Wichtiges erledigen musste.

Jedes zweite Wochenende durften die beiden bei Oma und Opa verbringen, was die Kinder auch ausgesprochen gern taten. An solchen Tagen hatte sie dann einmal ein paar Stunden Zeit für sich.

Ja, wenn Jakob noch gelebt hätte, wäre die Planung des Alltags viel leichter gewesen. Seit vier Jahren war der Vater der Kinder tot, abgestürzt beim Bergwandern. Von einem Tag auf den anderen hatte sich ihr Leben mit zwei kleinen Mädchen dramatisch verändert.

Sie hatte lange gebraucht, um diesen Schock zu verarbeiten. Die Frage, ob es ihr inzwischen einigermaßen gelungen war, konnte sie immer noch nicht beantworten.

Sie trug die ganze Verantwortung für sich und ihre beiden Kinder nun allein. Und diese Tatsache hinderte sie daran, allzu viel über die Ungerechtigkeit des Schicksals nachzudenken. Sie als Ehefrau, die vaterlosen Kinder, die Schwiegereltern, die ihren Sohn verloren hatten, sie alle mussten versuchen, mit dem Verlust fertigzuwerden.

„Habt ihr schon gegessen?“, fragte sie nach hinten.

Zurück kam ein einstimmiges Ja. Welche Frage! Für das leibliche Wohl hatte natürlich schon Haushälterin Gerlinde besorgt, die ihre beiden Mädchen maßlos verwöhnte.

Aber leider gab es mit den Schwiegereltern oft Unstimmigkeiten. Oma Agnes nahm sich immer wieder heraus, den Kindern etwas zu erlauben, was Theresa ihnen zuvor verwehrt hatte.

Großeltern zeigten sich im Allgemeinen bei ihren Enkeln immer großzügiger als bei den eigenen Kindern. Auch wenn Theresa ihre Einmischung gelegentlich akzeptierte, so mussten die Mädchen dennoch lernen, dass Mamas Entscheidungen maßgeblich waren. Dennoch war sie für die Hilfe der Schwiegereltern von Herzen dankbar. Sie seufzte leise. Die Verhältnisse waren eben nicht einfach.

„Was hast du, Mami? Bist du traurig?“

„Aber nein, mein Schatz, nur ein bisschen müde von der Arbeit.“

Theresa fühlte sich ein wenig erleichtert, als sie die Haustür hinter sich schloss. Jakobs Eltern hatten dem jungen Paar damals das Einfamilienhaus gekauft, waren aber nach wie vor die Eigentümer. Theresa musste eine geringe Miete und die Betriebskosten zahlen.

„Wenn ihr schon gegessen habt, dann geht es gleich ins Bett mit euch.“

„Och, Mama, noch ein bisschen Fernsehen …“

„Nichts da. Ihr müsst morgen früh raus.“

„Aber bei Oma durften wir …“

„Die Oma ist die Oma, und ich bin ich. Ich will nichts mehr hören.“

Stöhnend und augenrollend verschwanden die Mädchen im Bad, wo sie noch eine Weile herumtrödelten, bis Theresa sie zu Bett brachte und ihnen schöne Träume wünschte. Jedes Kind bekam einen liebevollen Kuss. Die kleine Unstimmigkeit war schon wieder vergessen.

Endlich hatte die viel beschäftige Mutter ein paar Augenblicke für sich allein. Schon nach wenigen Minuten klingelte es an der Tür. Nach kurzem Zögern stand sie auf und öffnete.

„Hallo, Theresa“, sagte Katrin aus dem Nachbarhaus. „Ich habe euch heimkommen sehen. Schlafen die Kinder?“

„Ja, zum Glück“, erwiderte Theresa.

„Komm doch noch auf einen Drink zu mir rüber. Ich habe ein paar Freunde da. Und dir würde ein bisschen Abwechslung sicher guttun.“

Warum eigentlich nicht, dachte Theresa. Mal andere Leute sehen als die in der Klinik.

„Geh schon vor, ich komme gleich nach“, sagte sie und verschwand kurz im Bad. Vor dem Spiegel fuhr sie sich mit den Fingern durch das blonde Haar und legte ein kräftiges Lippenrot auf.

Katrin arbeitete bei einem privaten Fernsehsender und hatte oft ebenso interessante wie verrückte Leute zu Besuch. Und ein Glas Wein käme ihr jetzt gerade recht. Leise verließ sie das Haus.

Schon von der Straße her war die laute Musik zu hören. Vor der Tür schwankte sie noch. Sollte sie wirklich eintreten? Sie, die Mutter von zwei Kindern ein Partygirl? Theresa gab sich einen Ruck.

„Hallo!“, rief sie in den Lärm. Katrin sah sie und winkte ihr. Die Feier befand sich auf dem Höhepunkt, die Luft war von süßem Cannabis-Duft erfüllt. Die ausgelassene Gesellschaft ließ es ordentlich krachen.

„Hallo!“, rief ihr ein lächelnder Mensch ins Ohr und drückte ihr ein Glas Rotwein in die Hand. „Willkommen in der Hölle. Ich heiße Eric. Schön, dass du auch da bist.“

***

„Keine Ursache“, sagte Stefan Frank zu dem Patienten. „Aber versprechen Sie mir, dass Sie in Zukunft Ihre Tabletten regelmäßig einnehmen. Sie wissen doch selbst, wie wichtig das ist.“

Der große Mann lächelte schuldbewusst.

„Natürlich weiß ich das. Ich wollte das Medikament auch gar nicht absetzen. Seit ich die Kanzlei allein führe, gibt es immer ziemlich viel zu tun. Ich hab‘s schlicht und einfach vergessen, auch weil ich ja schon ewig keinen Anfall mehr hatte. Als ich dann vorhin plötzlich dieses Muskelzucken hatte, war ich natürlich sehr erschrocken. Zum Glück waren Sie da, Dr. Frank. Ich danke Ihnen für Ihre schnelle Hilfe und werde mir sofort die Arznei besorgen.“

„Gehen Sie in die Glocken-Apotheke, die hat Bereitschaftsdienst.“

„Nochmals vielen Dank, dass Sie mir noch ein Rezept ausgestellt haben, Dr. Frank. Und entschuldigen Sie meinen Überfall. Ich hoffe, ich habe Sie nicht allzu sehr belästigt.“

„Ist schon gut“, erwiderte der Grünwalder Arzt. „Alles Gute. Und kommen Sie in den nächsten Tagen mal wieder in die Sprechstunde.“

„Ganz bestimmt. Ihnen noch einen schönen Abend.“

Stefan schloss die Haustür hinter dem unerwarteten Besucher und ging die Treppe hoch in seine Wohnung.

Alexandra schaute ihm fragend entgegen.

„Was war denn los?“

„Nichts Besonderes. Ein Patient hatte versäumt, sich rechtzeitig ein neues Rezept zu holen. Er braucht das Medikament täglich.“

„Und natürlich weiß er, dass du ein netter Mensch bist und ihn nicht wegschickst.“

Stefan setzte sich wieder zu seiner Liebsten und legte einen Arm um sie. Eigentlich hatten sie ins Kino gehen wollen, sich dann aber dagegen entschieden.

„So, und jetzt reden wir von etwas anderem. Hast du schon darüber nachgedacht, ob wir zu Weihnachten etwas unternehmen?“

„Es wäre natürlich verlockend, in die Berge zu fahren, aber mit Schnee ist nicht zu rechnen. Wir könnten es aber auch ganz ruhig angehen lassen. Nach den arbeitsreichen Wochen der letzten Zeit haben wir das verdient. Was Gutes essen, vielleicht ein paar Spaziergänge im Grünwalder Forst? Sicher, in den Tiroler Bergen stehen die Schneekanonen bereit. Aber die Frage ist auch, ob wir so kurzfristig überhaupt noch eine Unterkunft finden.“

„Ich sehe schon, dir ist mehr nach Einigeln zumute“, stellte Stefan schmunzelnd fest. „Und weißt du was? Ich bin dabei. Vielleicht ergibt sich ja auch spontan noch ein Treffen mit Ruth und Ulrich.“

So viel er wusste, wollte das befreundete Ehepaar dieses Jahr Weihnachten auch nicht verreisen. Klinikchef Ulrich Waldner hatte gerade eine Reihe von wichtigen Ärztekongressen absolviert und zog sicher ein paar entspannte Tage einer neuerlichen Unternehmung vor.

„Wir können ja morgen noch mal darüber nachdenken“, schlug Stefan vor. „Jetzt brauche ich erst mal einen Kuss von dir. Es dürfen auch zwei oder drei sein.“

Alexandra erfüllte ihm diesen Wunsch ebenso umgehend wie äußerst temperamentvoll.

***

Inzwischen war schon der neue Tag angebrochen, wie Theresa mit einem Blick auf die Uhr feststellte. Ein paar Joints waren herumgereicht worden, doch darauf hatte sie verzichtet und stattdessen nur zwei Gläser Wein getrunken. Nun wollte sie nur noch nach nebenan in ihr Bett.

„Ich geh dann mal“, sagte sie zu Katrin. „Die Kinder müssen früh raus. Und ich brauche wenigstens noch zwei, drei Stündchen Schlaf.“

„Wenn du mich wieder mal spontan für die Kinder brauchst – du weißt ja, ich bin immer für dich da“, sagte Katrin. Ihre Pupillen waren von den Drogen ganz schön geweitet, fand Theresa. Außerdem kicherte Katrin viel zu viel und fand alles und jeden ungeheuer lustig.

Theresa wusste nur, dass Katrin beim Fernsehen arbeitete, aber nicht, was sie da genau tat. Sie war auch oft länger von zu Hause weg. Dass Katrin Cannabis konsumierte, störte Theresa enorm. Unter diesen Umständen würde sie ihre Kinder nicht mehr bei der Nachbarin lassen, auch nicht für eine Stunde oder zwei.

„Bleib doch noch ein bisschen.“ Katrin hielt sie am Arm zurück. Bevor Theresa etwas erwidern konnte, klingelte es anhaltend an der Haustür. Draußen standen zwei Polizisten.