Die Zeitkapsel - Lothar Lepper - ebook

Die Zeitkapsel ebook

Lothar Lepper

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Opis

Professor Meurer lebt mit seiner Frau und drei Kindern in der Nähe von Köln und hat einen sehr interessanten Job: Er beschäftigt sich mit Zeitreisen. Die gesamte Familie ist sehr an seiner Arbeit interessiert. Als die Kinder seiner Schwägerin zu Besuch kommen und diese unbedingt nähere Einblicke in die Tätigkeit des Onkels haben möchten, setzt sich Professor Meurer dafür ein, dass sie an einem Trockentest (Simulierte Zeitreise) teilnehmen dürfen. Einzig Frau Meurer möchte lieber nach Köln zum Shoppen. Während der Simulation kommt es zu einer Explosion auf dem Firmengelände, so dass ein Zeitsprung ausgelöst wird. Nachdem man sich vom ersten Schock erholt hat, stellt man fest, dass man sich im 14. Jahrhundert befindet. Ausgerechnet im Jahr 1352, als in Europa die Pest wütet …

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EPUB

Liczba stron: 276




Inhaltsverzeichnis

Impressum

1.

Marleins Geschichte

Zwei Jahre später

Personen

Nachwort

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2018 novum Verlag

ISBN Printausgabe: 978-3-95840-715-2

ISBN e-book: 978-3-95840-716-9

Lektorat: K. Kulin

Umschlagfoto: Juulijs | fotolia.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum Verlag

www.novumverlag.com

1.

Das Erste, was Lissy wahrnahm, als sie die Augen aufschlug, war das Vogelgezwitscher, das durch das offene Fenster zu hören war. Die Sonne schien ihr in die Augen und sie rekelte sich noch einmal in ihrem Bett. Es würde wieder ein herrlicher Sommertag werden. Eigentlich hatte sie ja keine Lust, das Bett zu verlassen, aber da sie bereits die Stimmen ihrer Geschwister von unten hörte, musste sie wohl gezwungenermaßen aufstehen. Schnell schlüpfte sie ins Bad und wenige Minuten später kam sie die Treppe herunter.

Im Esszimmer hörte sie ihre Geschwister miteinander diskutieren. Es ging wohl um den Besuch, den sie heute Nachmittag erwarteten. Britta und Sven hatten sich angesagt. Die Kinder von Mutters Schwester ließen sich eher selten sehen. Als Kinder und später als Teenies waren sie öfter zu Gast gewesen. Aber seit beide studierten, waren die Besuche deutlich seltener geworden. Da sich aber alle immer gut verstanden hatten, freuten sie sich auf ein Wiedersehen.

Die Eltern der beiden wollten für einige Wochen in den Urlaub. Britta, die sich erst vor einigen Wochen von ihrem Freund getrennt hatte, wollte nicht alleine zu Hause bleiben. Sven hatte kurzerhand die Gelegenheit ergriffen und sich seiner Schwester angeschlossen. „Ich habe halt keinen Bock auf Fast Food“, hatte er als Begründung angegeben, und so waren die beiden jetzt bestimmt schon auf dem Weg.

„Guten Morgen zusammen“, sagte Lissy, als sie das Esszimmer betrat. Sie gab ihrer Mutter einen Kuss. „Guten Morgen“, antwortete ihr Bruder Tobi, und von Kathy, ihrer Schwester, kamen einige unverständliche Worte, da sie gerade herzhaft in ihr Brot gebissen hatte. „Du bist aber spät dran“, sagte Tobi. „Schon fast neun Uhr. Was um Himmels willen hast du denn so lange gemacht?“ „Ich bin noch einmal eingeschlafen“, erwiderte Lissy. „Was soll’s, schließlich sind Ferien.“ „Du weißt doch, dass Britta und Sven heute kommen. Wir können Mutter nicht die ganze Arbeit machen lassen. Wir müssen noch einkaufen und die Zimmer in Ordnung bringen. Einiges hat Mutter schon erledigt, aber dein Zimmer ist nicht fertig und die Betten müssen frisch bezogen werden.“ „Jetzt mach mal halblang. Wir teilen uns die Arbeit“, meinte Lissy. „Du und Mutter gehen einkaufen und Kathy und ich kümmern uns um die Zimmer und räumen später die Küche wieder auf. Wo ist übrigens Paps? Er hat doch ab heute Urlaub. Vielleicht kann er schnell mit Mutter einkaufen. Dann kannst du dich ausnahmsweise auch einmal im Haushalt nützlich machen.“ „Würde ich ja gerne“, meinte Tobi. „Aber Vater ist heute Morgen schon früh aus dem Haus. Mit ihm können wir also nicht rechnen.“ „Was, wo ist er denn hin, Mutter?“, fragte Lissy. „Er wird doch nicht vergessen haben, dass er Urlaub hat.“ „Nein, nein“, lachte die Mutter, „aber ihr wisst doch wie euer Vater ist. Ein unaufschiebbares Problem muss dringend gelöst werden. Aber gegen Mittag wollte er zurück sein.“

Vater war Wissenschaftler, mit Leib und Seele, wie man so schön sagte. Er arbeitete oft lange, manchmal sogar bis in die Nacht. Dennoch gehörte er nicht zu den verschrobenen Professoren, die über ihre Arbeit Zeit und Familie vergaßen. Er ging zwar in seiner Arbeit auf, war aber auch immer für alle da und hatte ein offenes Ohr für Frau und Kinder.

Seit mehreren Jahren beschäftigten ihr Vater und zwei seiner Kollegen sich zusammen mit einem ganzen Team von Technikern mit der Zeit. In aufwendigen Versuchen war es erst in der Theorie und dann auch in der Praxis gelungen, Objekte in der Zeit zu versetzen. Also sozusagen ein Objekt in die Vergangenheit zu transportieren und dann in die Gegenwart zurückzuholen. Natürlich war die Zeitspanne sehr gering. Oft ließ sich nur anhand von Messungen überhaupt feststellen, dass der Gegenstand eine Zeitreise unternommen hatte. Für Vater aber war das ein Riesenerfolg. Lissy erinnerte sich noch, als Paps das erste Mal von einem Erfolg berichtet hatte. Wie stolz und glücklich er gewesen war. Das ganze Team hatte gefeiert. Für Lissy und ihre Geschwister war das kaum nachzuvollziehen. Die ganze Zeitreise hatte nur ein paar Tausendstelsekunden gedauert, und trotzdem hatten sie sich für ihren Vater gefreut. Das Ganze war nun bereits ein paar Jahre her, und in der Zwischenzeit hatte es wohl etliche Rückschläge gegeben. Eigentlich nur Rückschläge, dachte Lissy. Dem anfänglichen Enthusiasmus war schnell Ernüchterung gefolgt. Hatte man anfangs gedacht, dass aus dem Bruchteil von Sekunden schnell Stunden, Tage, Monate oder sogar Jahre würden, so hatte man schnell einsehen müssen, dass es doch erhebliche Unterschiede zwischen Theorie und Praxis gab.

„Träumst du, Lissy?“, fragte die Mutter. „Nun iss endlich, damit wir nicht den halben Tag am Frühstückstisch vertrödeln. Es wäre schön, wenn wir mit unserer Arbeit fertig wären, wenn Vater nach Hause kommt. Er hat fest versprochen, Britta und Sven vom Bahnhof abzuholen, und ich würde ihn gerne begleiten.“

Der Vormittag ging schnell vorbei. Alle bis auf Tobi halfen bei der Hausarbeit, sodass sie um die Mittagszeit so weit alles erledigt hatten. „Jetzt könnte Paps aber wirklich langsam kommen“, meinte Kathy. „Soll ich mal im Institut anrufen?“ „Nein lass mal. Vater wird schon gleich kommen. Der Zug kommt auch erst in drei Stunden. Es ist also Zeit genug. Im Notfall müssen wir die beiden eben alleine vom Bahnhof abholen. Lissy kann ja mit meinem Wagen fahren. Wird zwar ein wenig eng, aber besser schlecht gefahren als gut gelaufen.“ „Ach Mutter, in die Nussschale passt ja nicht mal ein Koffer. Wie sollen wir denn alles unterbringen. Schließlich bleiben die beiden fast vierzehn Tage, da ist es bestimmt nicht mit ein paar Kleidungsstücken getan.“ „Nun übertreib mal nicht Lissy, das wird schon klappen, und schließlich habe ich ja auch noch immer die Hoffnung, dass euer Vater pünktlich hier sein wird.“

Vater war tatsächlich pünktlich. Schon kurz nach Mittag hörten sie, wie die Autotür ins Schloss fiel, und einige Minuten später stand Professor Meurer im Zimmer.

„Na, habt ihr Langweile?“, begrüßte ihr Vater sie. „Oder habt ihr etwa auf mich gewartet?“ „Klar haben wir gewartet, Paps. Hast du vergessen, dass heute Britta und Sven kommen? Du hast Mutter doch versprochen, sie vom Bahnhof abzuholen.“ „Hab ich das? Ich kann mich gar nicht erinnern“, grinste der Vater und gab seiner Frau einen Kuss. „Wer zum Teufel sind Britta und Sven?“ „Paps“, schimpfte Kathy. „So vergesslich kann man doch unmöglich sein!“ Sie bemerkte aber gleich darauf, dass ihr Vater sie auf den Arm genommen hatte. „Du hast es also doch nicht vergessen.“ „Natürlich nicht“, antwortete ihr Vater. „Du hältst deinen alten Paps wohl schon für sehr senil. Ich würde aber gerne, bevor ich mit eurer Mutter losfahre, noch etwas essen. Ich bin heute Morgen nicht einmal zum Frühstücken gekommen. Mit leerem Magen fühle ich mich nicht besonders wohl. Wer opfert sich und macht mir eine Kleinigkeit?“ „Es muss sich überhaupt niemand opfern“, erklärte Frau Meurer. „Im Kühlschrank stehen Spaghetti Bolognese. Die müssen nur eben in die Mikrowelle. In zehn Minuten kannst du essen. Oder möchtest du keine Spaghetti?“ „Doch, natürlich. Mir ist alles recht. Hauptsache, mein Magen knurrt nicht mehr.“

Eine Stunde später machten sich Vater und Mutter auf den Weg. Sie würden ungefähr eine Dreiviertelstunde bis zum Hauptbahnhof fahren, dann Cousin und Cousine einladen, und wenn alles gut ginge, würden die Eltern in circa zwei Stunden wieder zurück sein.

In der Zwischenzeit machten es sich die Geschwister im Garten bequem. Lissy und Kathy legten sich in die Sonne und Tobi schaute sich seine Mails an. Die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel und es sah so aus, als wenn es noch wärmer werden würde. Vielleicht konnten sie ja heute Nachmittag alle zum Schwimmen gehen. Vater wollte sich in den nächsten Tagen sowieso mehr um die Familie kümmern und dementsprechend weniger Zeit im Institut zubringen. Aber das konnten sie später, wenn die Eltern mit Britta und Sven zurück waren, immer noch klären.

Zwei Stunden später waren die Eltern, Britta und Sven endlich da und wurden mit großem Hallo empfangen. Beim Anblick von Britta fiel Tobi erst einmal die Kinnlade nach unten. Es konnte doch gar nicht sein, dass aus dem unscheinbaren kleinen Mädchen von vor vier Jahren so ein Sahneschnittchen geworden war. „Kannst du, wenn du dich erholt hast, mit Sven die Koffer nach oben tragen?“, fragte Lissy und grinste über das ganze Gesicht. Insgeheim musste sie Tobi recht geben.

Britta war wirklich außergewöhnlich hübsch und sah mit ihren langen blonden Haaren zum Anbeißen aus. Aber auch Sven hatte sich toll gemacht. Breite Schultern, kurze blonde Haare und eine durchtrainierte Figur. „Na klar, mach ich!“, rief Tobi und machte sich auf den Weg zur Familienkutsche. Zusammen mit Sven schleppten die beiden Koffer und Taschen nach oben, während Lissy ihrer Cousine schon einmal ihr Zimmer zeigte, das sie sich in den nächsten Wochen teilen wollten. Nachdem die Geschwister ihre Sachen verstaut hatten, saßen nun alle am Kaffeetisch versammelt und machten Pläne für die nächsten Tage.

Tobi wollte unbedingt zum Schwimmen, während Lissy, Kathy und Britta zum Shopping wollten. Schließlich einigten sie sich darauf, dass die Mädchen und die Jungs getrennt losgingen. Da die Eltern weder auf das eine noch das andere Lust hatten, machten die beiden es sich im Garten bequem. Für Professor Meurer waren es die ersten freien Tage in diesem Jahr. Ständig war irgendetwas dazwischengekommen, und auch diesmal wären die freien Tage fast wieder ins Wasser gefallen. Das Institut forderte deutlich mehr als einen normalen Achtstundenjob.

Einige Stunden später waren alle von ihren Unternehmungen zurück und unterhielten sich angeregt, nachdem sie gemeinsam zu Abend gegessen hatten. Nachdem Sven und Britta davon erzählt hatten, was sie denn in den letzten Jahren so gemacht hatten, und die unterschiedlichen Studiengänge besprochen waren, kam man schnell auf die Arbeit von Professor Meurer im Institut zu sprechen. Vor allem Sven interessierte sich brennend dafür, was sein Onkel zurzeit machte und wie weit die Forschungen gediehen waren. Da Sven Elektrotechnik studierte, verstand er den einen oder anderen Zusammenhang natürlich besser als die anderen. „Wie weit seid ihr denn? Funktioniert denn jetzt eine Zeitreise oder seid ihr nicht weitergekommen?“, wollte er von seinem Onkel wissen. „Nun, natürlich sind wir ein ganzes Stück weitergekommen. Schließlich haben wir ja auch inzwischen einige Jahre intensiver Forschung hinter uns. Nur unser Anfangserfolg hat sich sehr schnell relativiert. Haben wir zuerst gedacht, uns wäre der große Durchbruch gelungen, so haben wir schnell bemerkt, dass dem nicht so ist. Wir sind damals einfach davon ausgegangen, dass zwischen einem Zeitsprung von einigen Millisekunden und einem Sprung über Stunden, Wochen oder sogar Jahren kein großer Unterschied besteht. Hat man erst einmal das Prinzip verstanden, ist es bis zur Umsetzung halt nicht mehr weit. Das war aber ein erheblicher Irrtum. Sehr schnell sind wir da eines Besseren belehrt worden.“ „Verstehe ich nicht“, meinte Sven. „Der Unterschied zwischen einem kleinen Zeitsprung und einem großen kann doch wirklich nicht so erheblich sein.“ „Damit magst du recht haben, Sven“, meinte Professor Meurer. „Das Problem, das wir nicht auf dem Schirm hatten, war auch ein ganz anderes. Wir hatten den Zeitfluss verstanden und eine Möglichkeit gefunden, in diesem zurückzureisen. Was wir aber außer Acht gelassen hatten, war die Tatsache, dass sich alles im Universum bewegt. Die Erde dreht sich um sich selber und natürlich um die Sonne. Unser Sonnensystem bewegt sich innerhalb unserer Galaxie und soweit wir heute wissen, bewegen die Galaxien sich innerhalb des Universums. Das alles mit einer riesigen Geschwindigkeit. Alleine die Erde dreht sich in vierundzwanzig Stunden einmal um sich selbst und in dreihundertfünfundsechzig Tagen einmal um die Sonne. Also legen wir in vierundzwanzig Stunden, alleine durch die Drehung der Erde, rund 40.000 km zurück. Nehmen wir die Strecke der Erde um die Sonne, kommen wir in einem Jahr auf zusätzlich circa 940 Millionen Kilometer, also in einer Stunde auf ungefähr 107.000 km.“

„Verstehe ich nicht, die Zahlen sind zwar beeindruckend, aber was hat das denn mit einer Zeitreise in die Vergangenheit zu tun“, wollte Britta wissen.

„Nun überleg doch mal“, erwiderte Professor Meurer. „Nehmen wir an, wir reisen einen Tag in die Vergangenheit.“ Er schaute auf die Uhr. „Dann würden wir gestern um 21.00 Uhr ankommen. Richtig?“ „Ja“, antwortete Britta. „Und was ist daran verkehrt?“

„Nun, unser Problem wäre, dass sich die Erde nicht an der Stelle befinden würde, an der sie jetzt ist. Sie wäre von ihrem jetzigen Standpunkt mindestens 2,5 Millionen Kilometer entfernt. Wahrscheinlich sogar deutlich mehr, denn wir haben nicht einmal berücksichtigt, dass sich unser Sonnensystem und die gesamte Galaxis ja auch bewegen. Natürlich würde die Distanz bei einer längeren Zeitreise, also zum Beispiel über Jahre, noch erheblich größer werden. Dann müssten wir schon in Lichtjahren rechnen, denn in Kilometern würde die Zahlen schon keiner mehr überschauen können.

Ihr seht, das Ganze ist deutlich komplizierter, als es den Anschein hat. Um das Ganze einmal abzukürzen: So wären wir einer Lösung auf keinem Fall nähergekommen. Wir wären zwar in der Zeit zurückgereist, aber im Nirgendwo angekommen. Damit meine ich irgendwo im Weltraum oder mit ganz viel Pech mitten in einer Sonne. Das lässt sich beim besten Willen nicht berechnen.

Wir haben eben zu früh gefeiert. Natürlich haben uns unsere Erkenntnisse in gewisser Weise weitergeholfen. Ohne unsere Entdeckung über den Zeitfluss wären wir heute auf keinen Fall da, wo wir jetzt sind. Ich wage sogar zu behaupten, dass unsere damalige Entdeckung erst dazu geführt hat, dass wir unserem Ziel überhaupt nähergekommen sind. Nur war es eben nicht der endgültige Durchbruch.“

„Wie habt ihr das Problem denn überhaupt in den Griff bekommen?“, wollte Sven wissen.

„Leider haben wir noch gar keine endgültige Lösung gefunden“, erwiderte der Professor. „Wir glauben aber, auf einem guten Weg zu sein.

Stellt euch einmal vor, ihr seid auf einer Autobahn. Kurz hinter der nächsten Abfahrt ist die Straße gesperrt. Aber bei der nächsten Auffahrt könnt ihr sie wieder benutzen. Was macht ihr? Genau, ihr nehmt einen Umweg in Kauf, und genau daran arbeiten wir, und theoretisch haben wir eine Lösung.

Wie so oft im Leben, ist uns der Zufall zu Hilfe gekommen. Heute ist es ja nicht mehr so, dass Wissenschaftler still in ihrem Kämmerlein vor sich hinarbeiten. Zumindest in der Theorie wissen wir von vielen Kollegen, womit sie sich gerade beschäftigen. So war es auch bei meinem hochgeschätzten Freund Professor Miller aus Detroit. Er und sein Team beschäftigen sich bereits seit Jahren mit der Lichtgeschwindigkeit. Für ihn war es klar, dass die Lichtgeschwindigkeit nicht das Maß aller Dinge ist. Er war schon immer davon überzeugt, dass es durchaus auch etwas geben muss, das sich schneller bewegt als das Licht. Bei seinen Forschungen ist er dann auf eine Art Paralleldimension gestoßen. Das hat ihm zwar nicht bei seinen Forschungen weitergeholfen, dafür aber uns.

Denn es hat sich herausgestellt, dass diese Dimension uns die Möglichkeit gibt, über einen Umweg in der Zeit zu reisen, ohne dass wir gezwungen sind, die zurückgelegte Entfernung zu berücksichtigen.

Natürlich werdet ihr euch denken können, dass die Umsetzung nicht ganz so einfach ist. Vor allem der Energieaufwand, der nötig ist, um den Übergang in diese Dimension zu bewerkstelligen, ist enorm.

Wir waren gezwungen, komplett neue Kraftwerke zu entwickeln. Kraftwerke, die vor allem klein und kompakt waren und dennoch den Stromverbrauch einer Kleinstadt erzeugten. Das war nur über ein Kernkraftwerk möglich. Allerdings hat uns lange Zeit die Größe einer solchen Anlage heftige Kopfschmerzen bereitet. Schließlich sollte der Stromerzeuger in unserer Zeitmaschine platziert werden, und zusätzlich benötigten wir noch Platz für weitere Aggregate, Unterkünfte, Schlafgelegenheiten und vieles mehr.

Natürlich dauert eine Zeitreise nicht Tage oder Wochen, sondern liegt wohl eher im Bereich von Minuten. Wir waren aber dazu gezwungen, entsprechende Räumlichkeiten zu schaffen. Keiner weiß letztendlich, was uns am Ziel erwartet. Stellt euch vor, wir kämen mitten in einer kriegerischen Auseinandersetzung zweier rivalisierender Parteien an. Unter Umständen wären wir gezwungen, Tage in der Zeitmaschine zu bleiben.

Wir können in einem solchen Fall nicht riskieren, dass wir nach einigen Tagen alle an Klaustrophobie leiden. Also musste das Fahrzeug entsprechenden Platz bieten, ohne den Rahmen zu sprengen.

Aber auch das Problem haben wir in den Griff bekommen. Wir sind zwar dazu gezwungen worden, größer zu bauen als wir zuerst geplant hatten, aber dennoch wesentlich kleiner, als unsere Berechnungen es zuerst vorsahen.“

„Warum ist die Größe denn so wichtig Paps“, wollte Lissy wissen. „Ist es wegen der Kosten, oder gibt es andere Gründe?“

„Nein, die Kosten waren nun wirklich nicht das ausschlaggebende Kriterium. Aber ein paar Kubikmeter mehr Raum erforderten einen deutlich höheren Energieverbrauch. Mit dem Energieverbrauch mussten wir aber aus den genannten Gründen wirtschaften. Ohne unsere Neuentwicklung im Reaktorbereich hätten wir ein riesengroßes Problem gehabt. Aber selbst mit den neuen Generatoren war es nicht so ganz einfach.

Wie ihr euch denken könnt, musste natürlich noch eine ganze Anzahl von weiteren Problemen gelöst werden. Wie gesagt, an einigen arbeiten wir noch. Wir haben jedoch die Hoffnung, in Kürze den ersten Trockentest zu absolvieren.“ „Den was?“, wollte Sven wissen. „Nun, wir müssen alle Systeme checken, ohne eine wirkliche Zeitreise zu unternehmen. Das wird aber frühestens in einigen Wochen geschehen.“ „Und was geschieht bis dahin?“, wollte Tobi wissen.

„Das könnt ihr auch morgen besprechen. Ich schlage vor“, sagte Frau Meurer, „dass wir uns zuerst alle in unsere Betten zurückziehen. Vater ist schon seit fünf Uhr auf den Beinen, Sven und Britta haben schon die Zugfahrt, Schwimmen und Shopping hinter sich, und Lissy kam schon heute Morgen unausgeschlafen nach unten.

Ein wenig Schlaf wird uns allen guttun. Vater und ich wollen uns morgen nach einem neuen Auto umsehen. Das alte steht ja mehr in der Werkstatt, als dass es fährt, und nachmittags wollen wir Freunde besuchen.“ „In Ordnung“, antwortete Lissy. „Ich bin wirklich müde.“ Die anderen stimmten ihr zu. „Morgen ist auch noch ein Tag. Also dann, gute Nacht.“ „Gute Nacht, und schlaft gut“, stimmten die anderen ein.

Am nächsten Morgen trafen sich alle zum Frühstück. Nur die Eltern waren bereits unterwegs. „Was wollen wir heute unternehmen?“, fragte Kathy. „Erst einmal in aller Ruhe frühstücken“, antwortete Tobi. „Dann sehen wir weiter. Vielleicht haben Britta und Sven ja einen Wunsch.“ „Eigentlich“, meinte Britta, „muss ich nicht den ganzen Tag Beschäftigung haben. Wenn ihr wollt, können wir später ein bisschen bummeln, aber ich lege mich auch gerne in die Sonne.“ „Lass uns doch noch einmal schwimmen gehen“, meinte Sven. „Tobi und ich hatten doch gestern so viel Spaß.“ „Nein, mir ist nicht nach schwimmen“, sagte Britta. „Ich bin nicht so eine Wasserratte. Aber ihr könnt gerne gehen, ich mach es mir im Garten bequem. Später muss ich noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Ich habe die Hälfte zu Hause liegen lassen.“ „Okay, dann komme ich mit“, antwortete Kathy. „Ich muss auch nicht unbedingt zum Schwimmen.“ Lissy wollte mit den Jungs gehen, und so war der Morgen erst einmal verplant.

Erst am Abend trafen sich alle wieder. Die Eltern waren auch erst vor Kurzem zurückgekommen und saßen vor dem Fernseher. „Nun, wie war euer Tag?“, fragte Frau Meurer. „Eigentlich ganz prima“, antwortete Lissy. „Wir waren schwimmen und mittags etwas essen. Ich glaube, ich muss echt vorsichtig sein, damit ich nicht noch einen Sonnenbrand bekomme. Für die nächsten Tage ist Schwimmen wohl keine Option.“ Und was habt ihr gemacht?“, fragte Frau Meurer Kathy. „Wir haben gefaulenzt. Außerdem waren wir kurz in der Stadt.“

„Habt ihr euch übrigens nach einem Auto umgeschaut?“, wollte Tobi wissen. „Ja, natürlich, und nicht nur umgeschaut, sondern auch eines gekauft. Der Händler erledigt die Formalitäten und wird uns in den nächsten Tagen anrufen, wenn so weit alles erledigt ist. Dann geben wir unser altes Gefährt ab und die ständigen Reparaturen haben dann hoffentlich ein Ende.“

„So schnell habt ihr euch entschieden“, meinte Tobi. „Das muss ja ein echtes Schmuck …“ In dem Moment klingelte das Telefon und unterbrach Tobi. „Ich gehe schon“, sagte Professor Meurer und war schon auf dem Weg zum Telefon. Sie hörten ihren Vater sprechen, nachdem er den Hörer abgenommen hatte. „Ist irgendwas passiert? Oh, das ist natürlich ein Problem. Ja, ich verstehe. Das ist aber eigentlich nicht mein Fachgebiet. Haben Sie versucht, Doktor Schäfer zu erreichen? Hm, ich verstehe. In Ordnung, dann sehen wir uns morgen früh. Ich bin so gegen neun Uhr in der Halle. Ja, Ihnen auch eine gute Nacht. Auf Wiedersehen.“

„Das darf doch nicht wahr sein“, schimpfte Frau Meurer, als ihr Mann zurückkam. „Kaum bist du mal einen Tag nicht da, schon bricht alles zusammen.“

„Na, von Zusammenbruch kann keine Rede sein. Es gibt ein Problem mit der Bildübertragung. Eigentlich ist das Schäfers Fachgebiet. Aber der ist nicht zu erreichen, und soviel ich weiß, verbringt er seinen Urlaub im Ausland. Ich glaube, er ist in der Schweiz.

Wie auch immer. Ich bin hier und wir werden die Schwierigkeiten auch alleine in den Griff bekommen. Kollege Hansen ist ja auch noch da. Von ihm weiß ich, dass er zu Hause ist.

Eigentlich kann es sich nur um eine Kleinigkeit handeln. Ich denke nicht, dass ich allzu lange fort sein werde.“ „Hoffentlich“, antwortete Frau Meurer. „Ich möchte nicht, dass dein Urlaub sich schon wieder erledigt hat.“ „Wo denkst du hin, Liebling. Es ist bestimmt nur ein klitzekleines Problem. Du wirst gar nicht merken, dass ich fort bin.“

„Können wir nicht mitkommen?“, fragte Sven, der sich brennend für die Arbeit seines Onkels interessierte.“ „Nein, Sven. Nicht, wenn es Probleme gibt. Da würdet ihr nur im Wege sein. Vielleicht lässt sich ja in der nächsten Woche etwas organisieren. Sicherlich kann ich euch morgen schon etwas Näheres sagen. Wer möchte denn alles mit? Na, wer interessiert sich denn für die Arbeit seines alten Herrn? Oder für die seines Onkels?“ Sven und Tobi waren gleich begeistert. Auch Lissy und Britta wollten gerne mitkommen. Lediglich Kathy schien nicht so begeistert. „Ich hab es nicht so mit Technik. Aber mal sehen. Wenn alle gehen, will ich mich nicht ausschließen. Vielleicht gibt es ja doch das ein oder andere zu sehen, was mich interessiert.“

Kurz nach dem Frühstück verabschiedete sich Professor Meurer. Bis auf seine Frau und Kathy war aber niemand auf. Kein Wunder, dachte er. Schließlich sind ja Ferien, und da darf man auch einmal länger schlafen. Er wäre selbst gerne noch ein wenig liegen geblieben. Aber was nicht ging, ging nun mal nicht. Schließlich hatte er zugesagt, um 09.00 Uhr da zu sein. Während Frau Meurer und Kathy das Frühstück zubereiteten, erschienen erst Lissy und Britta, dann die beiden Jungs. „Guten Morgen“, sagte Frau Meurer und Kathy grinste. „Na, ihr Langschläfer. Ich bin schon eine Ewigkeit auf.“ „Selber schuld“, erwiderte Tobi.

„Ich habe einen riesigen Hunger, Tante Eva“, meinte Sven. „Irgendwie schmeckt es bei dir doch immer viel besser als zu Hause.“ „Daran kannst du dich erinnern? Du warst doch schon einige Jahre nicht mehr hier“, erwiderte Frau Meurer. Britta lachte. „Das macht nichts. An Essen erinnert Sven sich noch nach Jahren. Ich wette, er kann sich noch heute an seine Babyfläschchen erinnern. Stimmt doch, oder, Sven?“ „Jetzt übertreibst du aber. Nachher meint jeder, ich hätte nichts anderes als Essen im Kopf“, schimpfte Sven.

Gegen Mittag kam Professor Meurer gut gelaunt nach Hause. „So, das lief besser, als ich gedacht habe“, sagte er. „Wir haben das Problem mit den Bildschirmen gelöst. Aber ohne Schäfers Hilfe wären wir nicht so schnell klargekommen. Wir brauchten nicht einmal Hansen anzurufen. Zum Glück hat einer der Techniker nicht aufgegeben und immer wieder versucht, Schäfer auf dem Handy zu erreichen. Heute Morgen hat er sich dann gemeldet. Er hatte die richtige Idee, und so sind wir schnell fündig geworden. Es musste lediglich ein Chip ausgetauscht werden. Das war alles. Er kommt übrigens Anfang der Woche zurück. In den Bergen regnet es seit Tagen, und nun hat er einfach keine Lust mehr zu bleiben. Somit steht eurem Besuch für nächste Woche nichts mehr im Wege. Ich werde noch mit Hansen sprechen, aber ich denke, von seiner Seite gibt es erst recht keine Einwände.“

Doktor Hansen war ein paar Jahre älter als Professor Meurer. Anders als Doktor Schäfer und Vater war er Single. Lissy und Tobi hatten ihn nur einmal kurz bei einem Besuch kennengelernt. Kathy kannte ihn überhaupt nicht. Seine große Leidenschaft war das Angeln. Er nutzte jede freie Minute, um seinem Hobby nachzugehen. Immer war er gut gelaunt, und seine gute Laune übertrug sich sofort auf seine Mitmenschen.

Vater hielt ihn für einen genialen Wissenschaftler. „Dass wir ihn für unser Projekt gewinnen konnten, war der Glücksfall des Jahrhunderts“, hatte er einmal erzählt. „Ohne ihn wären wir wahrscheinlich schon bei den Anfängen gescheitert.“

„Ich habe heute Morgen sowohl mit Schäfer als auch mit Hansen gesprochen. Wir waren uns einig, dass wir so weit alle Schwierigkeiten überwunden haben. Das heißt, wir werden nächste Woche den ersten Trockentest durchführen, und ihr dürft dabei sein. Na, wie findet ihr das?“

Alle waren total begeistert. Selbst Kathy schien Feuer und Flamme zu sein. „Das heißt, ihr simuliert eine echte Zeitreise?“, wollte Sven wissen. „Wie geil ist das denn? Und wir dürfen dabei sein? Wenn ich mit meiner Ausbildung fertig bin, würde ich so gerne bei euch arbeiten. Kannst du da nichts machen, Onkel?“ „Nein“, antwortete Professor Meurer. „Alle Mitarbeiter benötigen eine lange Berufserfahrung. Vorausgesetzt du hast die Erfahrung und gehörst zu den Besten, dann bestimmt immer noch ein Gremium von renommierten Wissenschaftlern und Geldgebern, wer für das Projekt vorgeschlagen wird. Ich habe keinerlei Einfluss auf Personalentscheidungen. Letztendlich entscheiden dann unsere Geldgeber, wer dem Team zugeteilt wird.“

Die Tage bis zu dem Besuch im Institut wollten einfach nicht verstreichen. Vor allem die beiden Jungs konnten die Zeit nicht abwarten. Schließlich war es endlich Mittwochmorgen. Heute sollte der Test durchgeführt werden. Bereits gegen 07.00 Uhr saßen alle am Frühstückstisch. Selbst Frau Meurer hatte sich bereit erklärt, bis zum Institut mitzukommen. Schon aus rein praktikablen Gründen, so meinte sie, sei dies vernünftig. „Wie sollen denn ansonsten alle zum Institut kommen?“ Mit einem Auto war das unmöglich, und so wollten sie mit beiden Autos fahren. Frau Meurer wollte allerdings die Gelegenheit nutzen und einige Einkäufe erledigen. Nach ihren Einkäufen würde sie die Mädchen dann wieder abholen. Sven und Tobi wollten mit Professor Meurer fahren und, nachdem sie sich alles angesehen hatten, noch mit den Technikern reden. Der Professor selbst wollte erst wieder am späten Nachmittag das Institut verlassen.

Gegen 08.00 Uhr machte sich die Familie auf den Weg. Bis zum Institut und der angrenzenden Halle in der Nähe von Köln waren es ungefähr 20 km. Trotz Berufsverkehr also eine Entfernung, die in einer guten Dreiviertelstunde zu schaffen sein würde.

Kurz vor 09.00 Uhr erreichten sie das Gewerbegebiet südlich von Köln. Vor der Zufahrt stand ein voll beladener LKW. Der Fahrer diskutierte gerade mit Mitarbeitern der Security, die offenbar erst einmal die Papiere gründlich überprüfen wollten, bevor sie ihn auf das Firmengelände ließen.

Neben dem Institut und der angrenzenden Halle gab es weitere Firmen auf dem Gelände. In unmittelbarer Nachbarschaft befanden sich Lager und Vertrieb einer Firma, die Flüssiggas vertrieb. Das war wohl das Ziel des vor ihnen stehenden LKW, denn dieser hatte etliche Gasflaschen geladen. Nach kurzer Zeit erhielt der Fahrer seine Papiere zurück und stieg wieder in sein Fahrzeug. Dann wurde die Schranke geöffnet und der Lastkraftwagen fuhr langsam an.

Nun konnte Professor Meurer bis zur Schranke vorfahren. Er stieg aus und ging dann zum Empfang, um die Besucher anzumelden. Kurze Zeit später kam er, begleitet von einem Mitarbeiter der Security, zurück zum Fahrzeug. Der Mitarbeiter sah sich die Insassen der beiden Fahrzeuge an und verteilte dann die Besucherausweise, die er im Beisein von Professor Meurer und nach einem Anruf bei Doktor Schäfer ausgestellt hatte. „Sie können die beiden Parkplätze direkt neben dem Sicherheitsbereich Zwei nehmen. Ich werde meinen Kollegen entsprechend informieren“, antwortete der Mitarbeiter. „Vielen Dank“, sagte der Professor und stieg in sein Fahrzeug, nachdem er seine Frau informiert hatte.“ Kurz darauf parkten beide Fahrzeuge auf den angegebenen Plätzen. Als alle ausgestiegen waren, verabschiedeten sie sich von Frau Meurer, die weiterfahren wollte, um ihre Einkäufe zu erledigen.

„So, dann kommt mal mit“, sagte der Professor. „Wir werden schon erwartet.“ Nachdem es zu einer weiteren Kontrolle gekommen war, wurden sie von einem kräftigen Mittvierziger, der sich als Doktor Stefan Schäfer vorstellte, empfangen. „Ihr müsst schon entschuldigen, aber heute läuft alles drunter und drüber. Für uns alle ist heute ein wichtiger Tag. Schließlich testen wir heute zum ersten Mal alle Systeme. Normalerweise hätten wir an einem solchen Tag keinesfalls Besucher empfangen. Aber Kollege Meurer hat sich sehr für euch eingesetzt. Immerhin wird das heute auch nicht unser letzter Test sein. Aber der erste Trockentest ist dann doch immer etwas ganz Besonderes. Also dann los, ich gehe vor.“ Doktor Schäfer öffnete eine Seitentür, die in eine große Halle führte. Die rechte Seite war mit einer großen Fensterfront ausgestattet, während die linke Seite mit einer Art Spiegelfront verkleidet war. Professor Meurer gab die ersten Erklärungen ab. „Die Fensterfront ist so gestaltet, dass viel Licht in die Halle fällt. Man kann von innen nach außen sehen, aber nicht von außen nach innen. Bei der Spiegelfront ist es umgekehrt.

Hinter der Front sind die Kontrollanlagen untergebracht. Man kann von dort in die Halle sehen, aber nicht von der Halle auf die Kontrollanlagen.“ Über den Boden verliefen riesige Schienen. „Wozu sind denn die Schienen da?“, wollte Sven wissen. „Nun, die Halle ist noch ein ganzes Stück größer, als man meint. Das liegt daran, dass sich die Wand am Ende der Halle komplett verschieben lässt. Dahinter steht nun unsere eigentliche Überraschung. Nämlich die Zeitreisekapsel.“ „Kapsel?“ „Na ja, Kapsel ist natürlich extrem untertrieben. Immerhin hat sie eine Höhe von rund zwanzig Metern. Damit Material und Ausrüstungsgegenstände angeliefert werden konnten, ohne dass die Mitarbeiter der Firmen gleich wussten, womit wir uns beschäftigten, haben wir das Schienensystem installiert. Jetzt können wir die Zeitmaschine, nachdem wir die Zwischenwand zurückgefahren haben, in die Halle fahren und an die Kontrollsysteme andocken.

Während wir nun mit dem Test beginnen, werden unsere Techniker die Wand zurückfahren und mit dem Transport der Kapsel beginnen. Das wird rund anderthalb Stunden dauern. Dann müssen die Kontrollverbindungen gesteckt werden, sodass wir in ungefähr zwei Stunden mit dem Test beginnen können. In der Zwischenzeit können wir die Kontrollräume besichtigen und ich stelle euch noch Doktor Hansen sowie die Ingenieure und Techniker vor.“

Durch eine Tür, die sich automatisch in der Spiegelwand öffnete, gelangten sie in die Kontrollräume. Dort wurden sie herzlich von Doktor René Hansen, einem weiteren Kollegen von Professor Meurer, begrüßt. An den Wänden waren riesige Bildschirme installiert, die sowohl Bilder von der Halle als auch von draußen übertrugen. Die mittleren Bildschirme zeigten ein eiförmiges Objekt, bei dem es sich zweifelsfrei um die Zeitmaschine handelte. Die Bildschirme zeigten ein so klares Bild, dass man den Eindruck hatte, durch die Wand in die anderen Räume bzw. nach draußen zu sehen.

„Wieso wirkt das Bild so plastisch?“, wollte Tobi von seinem Vater wissen. „Das liegt sowohl an der Auflösung als auch an dem besonderen Verfahren, mit dem die Kameras die Bilder übertragen. Dadurch hatten wir vorige Woche die Schwierigkeiten. Ihr könnt euch doch noch an den Anruf erinnern. Die Kameras übertragen acht K-Bilder, die von den Bildschirmen empfangen und verarbeitet werden müssen. Ursache für die Störungen, so hat sich herausgestellt, waren Probleme mit der Abschirmung. Aber das haben wir ja jetzt im Griff.“

Nach und nach stellte Doktor Hansen das ganze Team vor. Trotz der deutlichen Anspannung, die in der Luft lag, waren die Männer und Frauen freundlich und erklärten gern das ein oder andere zur Technik. Alle waren durch die vielen Gespräche abgelenkt, sodass sie überrascht waren, als sie feststellten, dass die Zeitmaschine ihre Position in der Halle fast erreicht hatte. Alles war fast geräuschlos vonstattengegangen, sodass sie nur durch einen zufälligen Blick auf die Bildschirme gemerkt hatten, dass sich in der Zwischenzeit einiges getan hatte. „Position in zehn Minuten erreicht“, hörten sie einen der Männer sagen.

„So, dann werden wir die Halle gleich betreten können“, sagte Doktor Schäfer, der in Begleitung von Doktor Hansen und Professor Meurer unbemerkt herangetreten war.

Keiner der jungen Leute hatte auf die Wissenschaftler geachtet, da sie von den Geschehnissen auf den Bildschirmen abgelenkt wurden. „Wie ist das nur möglich, dass man nichts von dem Transport der Zeitmaschine hört?“ „Nun, zum einen sind die Kontrollräume gut isoliert und zum anderen handelt es sich um Speziallager, sodass sich kaum Geräusche übertragen.“