Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 486 - Liebesroman - Helga Winter - ebook

Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 486 - Liebesroman ebook

Helga Winter

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Opis

Süße Zauberin Martina Nur einen konnte sie nicht betören Martina Kuhnhardt sucht in den Semesterferien dringend eine Arbeit. Eifrig studiert sie jeden Morgen die Anzeigen in den Zeitungen, doch immer ohne Erfolg. Eines Tages fesselt eine Anzeige ihre Aufmerksamkeit. Allerdings sucht der Gutsherr ausdrücklich einen Sekretär für seinen Betrieb. Offenbar hat der werte Herr die Nase voll von der holden Weiblichkeit. Martina möchte diese Stelle aber unbedingt haben. Kurz entschlossen lässt sie sich das Haar kurz schneiden und schlüpft in Männerkleidung. Und dann begibt sie sich auf die Reise zu dem entfernten Gut, um sich dort als "Sekretär" vorzustellen ...

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Inhalt

Cover

Impressum

Süße Zauberin Martina

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: zakharov aleksey / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9368-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Süße Zauberin Martina

Nur einen konnte sie nicht betören

Martina Kuhnhardt sucht in den Semesterferien dringend eine Arbeit. Eifrig studiert sie jeden Morgen die Anzeigen in den Zeitungen, bis eines Tages eine Anzeige ihre Aufmerksamkeit fesselt. Allerdings sucht der Gutsherr ausdrücklich einen Sekretär für seinen Betrieb. Offenbar hat der werte Herr die Nase voll von der holden Weiblichkeit.

Martina möchte diese Stelle aber unbedingt haben. Kurz entschlossen lässt sie sich das Haar kurz schneiden und schlüpft in Männerkleidung. Und dann begibt sie sich auf die Reise zu dem entfernten Gut, um sich dort als „Sekretär“ vorzustellen …

„Seltsam, dass alle Leute Mädchen mit Erfahrung suchen“, sagte Martina seufzend und faltete die Zeitung ärgerlich zusammen. „Im normalen Leben ist es umgekehrt: Da soll eine junge Dame möglichst ein unbeschriebenes Blatt sein.“

Ihr Bruder Peter, der ihr im bequemsten Sessel gegenübersaß, lachte herzlich.

„Dann schaff dir doch einfach eine Vergangenheit an“, spottete er liebevoll. „Ich befürchte allerdings, du wirst dich kräftig zurechtmachen müssen, denn deinem harmlosen Gesicht glaubt man keine Verruchtheit.“

Seine Schwester schüttelte den Kopf.

„Du hast gut lachen, Peter. Du hast eine Stellung, aber was soll ich machen? Verflixt noch mal, ich muss Geld verdienen!“

„Du sollst nicht fluchen!“ Mahnend hob der junge Mann den Zeigefinger. „Ist denn wirklich nichts für dich dabei?“

Martina reichte ihm schweigend die Zeitung, Peter schlug sie auf und las flüchtig. Plötzlich begann er zu lächeln.

„Hier, holdes Schwesterchen, das wäre etwas für dich.“

„Tatsächlich?“ Martina sprang auf, lief um den Tisch herum und stellte sich hinter ihn. Es handelte sich keineswegs um eine Kleinigkeit für sie. Als mittellose Studentin war sie in den Semesterferien darauf angewiesen, so viel zu verdienen, dass es wieder für ein Semester reichte.

Als der Bruder sah, dass Martina wütend wurde, legte er schnell einen Arm um ihre Taille, und sein leicht spöttisches Lächeln wurde sehr liebevoll.

„Vielleicht verdiene ich bald genug, um dich unterstützen zu können, Mädchen.“

„Du bist ein Dummkopf!“, fertigte ihn seine Schwester unwirsch ab. „Wenn du einigermaßen verdienst, wirst du heiraten, das kennt man bereits.“

„Nie!“, verwahrte Peter sich.

Seine Schwester bückte sich nach der Zeitung, die er achtlos auf den Teppich hatte fallen lassen. Interessiert und nachdenklich überflog sie noch einmal die Anzeige.

Ein Gutsbesitzer suchte einen tüchtigen und umsichtigen Sekretär. Er betonte, dass er auf gar keinen Fall eine Dame einstellen wolle. Die Gegend sei schön, lockte er, aber sehr einsam. Das Wort „einsam“ war dick gedruckt. Das Gut lag offensichtlich am Ende der Welt.

Das war allerdings keine Tatsache, die Martina schrecken konnte, im Gegenteil, sie war auf dem Lande aufgewachsen und liebte das Land. Nur wenige ihrer neuen Bekannten an der Universität wussten, dass Martina Kuhnhardt die Tochter eines ehemals sehr reichen Großgrundbesitzers war, dessen Trakehnerzucht weltweiten Ruhm genossen hatte.

Nach der Flucht war ihnen nichts als die Erinnerung geblieben und die feste Entschlossenheit, sich nicht unterkriegen zu lassen.

„Martin klingt eigentlich gar nicht schlecht. Wenn ich …“ Martina trat vor den einzigen Spiegel ihres kleinen Zimmers und betrachtete forschend ihr Gesicht.

„Mädchen, mach keinen Unsinn!“ Peter stellte sich hinter sie und zog sie leicht an sich. „Es war doch nur ein Scherz.“

„Weshalb eigentlich?“, fragte seine Schwester. „Wenn ich mir das Haar kurz schneide. Dort werde ich ja meistens in Reithosen herumlaufen, und Hemden hätte ich genug von dir.“

„In meinen Hemden kannst du dich verstecken. Komm, wir gucken noch einmal die Zeitung durch, vielleicht sucht irgendein vernünftiger Mensch ja ein Mädchen ohne Erfahrung.“

„Er wird es auch entsprechend bezahlen, teures Bruderherz“, meinte Martina. „Nein, das hat keinen Zweck. Ich eigne mich nicht als Anfängerin im Büro, ich würde eingehen, müsste ich den ganzen Tag Zahlen von Rechnungen in dicke Bücher schreiben. Denn genau das ist es, was man Anfängerinnen zutraut. Ach, Peter, stell dir nur vor, ich könnte auf einem Gut als Sekretärin arbeiten. Vielleicht züchtet der Mensch auch Pferde, auf jeden Fall besitzt er Pferde. Und wenn ich Feierabend habe …“

„Du hast es noch immer nicht vergessen?“ Peters jungenhaftes Gesicht wurde ernst. „Wer weiß, ob Uhlenbusch überhaupt noch steht. Vielleicht ist alles abgebrannt, vielleicht … Wir müssen uns mit den Tatsachen abfinden.“

Martina nickte. Peter sah, dass er sie nicht überzeugt hatte. Während er Soldat gewesen war, hatte sich seine Schwester zu Hause aufgehalten, praktisch mit dem sehr alten Verwalter zusammen das Gut bewirtschaftet, weil auch der Vater eingezogen worden war. Sie hatte ihre Arbeit gut gemacht. Im Urlaub hatte ihr alter Herr sie stets sehr gelobt.

„Ich werde diesem Knaben schreiben“, beschloss sie. „Wie heißt er?“

„Bertram Nauendorf“, las Peter vor. „Wahrscheinlich bekommt er die Angebote waschkorbweise.“

„Das möchtest du wohl“, erwiderte die Schwester lachend. „Wer will denn heutzutage schon auf ein Gut, das am Ende der Welt liegt?“

„Dem werden die Augen übergehen, wenn er auf dich hereinfallen sollte, Schwesterherz“, unkte Peter Kuhnhardt. „Du kannst dir ruhig einen Schlips umbinden, du wirst immer ein Mädchen bleiben. Ein verdammt hübsches Mädchen sogar. Weshalb heiratest du eigentlich nicht?“

„Wer einen Bruder hat wie dich, fürchtet die Männer“, spottete Martina. „Mir genügt es schon, dass ich dir immerzu Knöpfe an die Oberhemden nähen muss. Einer von deiner Sorte genügt.“

„Warte ab, bis der Richtige kommt. Was hältst du davon, deinem Bruder etwas zu essen anzubieten?“

„Mal sehen, was sich machen lässt.“ Die Stirn gerunzelt, öffnete Martina ihren Schrank, in dem neben Büchern, Heften und Kleidungsstücken auch ihre Esswaren standen. Peter folgte ihr schnell und strahlte, als er zwei Eier und ein Stück Speck bemerkte.

„Vor dem Hungertod bin ich erst einmal gerettet“, stellte er fest. „Und im Übrigen fahren wir ja auch heute Abend schon nach Hause. Mutter hat ja immer irgendetwas für uns. Möchte nur mal wissen, wie sie das macht.“

„Ich auch“, bestätigte seine Schwester seufzend. „Solch eine kleine Rente, und dann immer noch ein Stückchen Wurst für ihre hungrigen Kinder. Solch eine Mutter, wie wir sie haben, gibt es auch nicht wieder, Peter. Später soll sie es einmal gut haben, das habe ich mir geschworen, und deshalb werde ich diesem Herrn Sowieso am Ende der Welt meine Dienste anbieten.“

♥♥♥

Frau Georgia wohnte in einer winzigen Mansardenwohnung, die insgesamt kaum größer war als ihr kleiner Salon im verlorenen Gutshaus von Uhlenbusch. Es war eigentlich seltsam, dass die alte Dame ihren Lebensmut und ihre Lebensfreude trotz aller schweren Schicksalsschläge nicht verloren hatte.

Gewohnt, über Personal zu gebieten, reich und unabhängig, musste sie sich nun in das Dasein einer der unzähligen Rentnerinnen schicken, die jeden Pfennig dreimal herumdrehen müssen.

Selbst Martina, die gelernt hatte zu sparen, verstand manchmal nicht, wie ihre Mutter es schaffte, von der Rente zu leben. Aber Frau Georgia bewies, dass sie eine wirkliche Dame war.

Immer ein Vorbild, nie ließ sie sich gehen, stets adrett und sauber, so lebte sie jetzt in einem Dorf in der Nähe einer Großstadt.

Und doch hatte sie alles verloren, woran ihr Herz hing – bis auf ihre beiden Kinder. Heute Abend kamen sie. Und als sie eintrafen, wurden ihre Augen feucht.

„Mein Kind!“

Sie zog ihre Tochter an sich. Der junge Mann musste den Kopf einziehen, als er in die Küche trat.

„Wie schön, dass ihr gekommen seid!“ Die alte Frau schüttelte Peters Hand und lächelte zu ihm empor. „Ihr werdet Hunger haben, denke ich. Der Kaffee ist fertig.“

Ein paar unbeschwert heitere Tage folgten. Peter und Martina machten Wanderungen, und eines Tages kam ein Brief für Herrn Martin Kuhnhardt.

Bertram Nauendorf forderte den jungen Sekretär auf, sich in den nächsten Tagen bei ihm vorzustellen. Er bot glänzende Bedingungen: ein sehr schönes Zimmer, freie Kost und vierhundert Mark im Monat. Die Arbeitszeit war großzügig geregelt.

„Das ist so etwas Ähnliches wie das große Los!“, behauptete Martina glückstrahlend. „Ach, Muttchen, wenn du wüsstest, wie froh ich bin.“

„Mir gefällt das nicht, was du vorhast. Es gefällt mir auch nicht, dass dieser Herr so sehr darauf besteht, um jeden Preis einen Mann zu engagieren. Man nimmt sich doch heutzutage eine Sekretärin, überall findest du Sekretärinnen.“

Martina ging sofort zum Friseur. Der Mann hielt sie für eine arme Irre, aber er tat schließlich, was sie von ihm verlangte.

Anschließend schaute Martina ihr Spiegelbild an und strich sich unwillkürlich mit der Hand über die Schläfen. Vor einer halben Stunde war dort Haar gewesen, jetzt nicht mehr.

Anschließend kaufte sie sich zwei Oberhemden und einen Schlips.

Reithosen und Jackett besaß sie noch aus längst vergangenen Tagen.

„Hoch lebe mein Bruder Martin!“, schrie Peter ausgelassen, als sie nach Hause kam. „Menschenskind, Bruderherz, was haste dir verändert.“

„Meinst du, dass ich wirklich echt aussehe?“ Martina schaute skeptisch in den Spiegel. Sie kam sich kostümiert vor, und der Kragen des Oberhemdes drückte sie.

„Du siehst nett aus“, versicherte ihr Bruder ernst werdend. „Zwar keineswegs sonderlich männlich. Vielleicht ist dein Chef ja kurzsichtig, aber es gibt Männer genug, die deine Brüder sein könnten.“

Sich selbst schloss er also mit dieser Feststellung aus.

♥♥♥

Martinas Herz klopfte bis in den Hals hinauf, als der Bummelzug auf der kleinen Station hielt. Diese bestand nur aus einem großen Schuppen.

Das Land war flach, und an diesem schönen, sonnigen Tag flimmerte die Luft über den Feldern vor Hitze.

Ihren einzigen Koffer in der Hand, kletterte sie hinaus und schaute sich suchend um.

Hinter dem Schuppen führte eine grob gepflasterte Straße vorbei. Dort stand ein Wagen, ein richtiger Landauer, wie sie ihn auch zu Hause gehabt hatten. Das Pferd ließ müde den Kopf hängen, einen Kutscher sah sie nicht.

Das wird Herr Nauendorf sein, der mich abholen gekommen ist, dachte sie und machte sich seufzend auf den Weg über die Gleise. Ein Eisenbahner winkte ihr grüßend zu.

„Wollen Sie jemanden besuchen?“

„Ja, ich möchte zu Herrn Nauendorf. Ist das dort sein Wagen?“ Sie wies mit dem Finger auf den Landauer.

„Ach, zu dem wollen Sie. Wenn Sie den Karl suchen, der ist da im Wirtshaus.“

Er nickte, machte aber keine Anstalten, den Kutscher zu holen. Martina beschloss, es selbst zu tun. Sie klimperte mit dem Kleingeld in der Tasche und überlegte sich, dass auch sie sich eine kleine Erfrischung erlauben konnte.

Der Raum war dunkel. Ein alter Mann grinste ihr entgegen. Zur Begrüßung schob er seine Mütze einige Zentimeter weiter aus der Stirn.

„Heiß heute“, stellte er auffordernd fest. „Macht viel Durst, nicht wahr?“

„Ja.“ Martina ließ sich ihm gegenüber nieder und versuchte, sich als Mann zu fühlen. „Bringen Sie mir ein Bier“, bat sie den Wirt.

„Und mir eins mit“, schickte Karl hinterher. „Der junge Herr bezahlt.“ Er verzog sein stoppelbärtiges Gesicht zu einem Grinsen. „So als kleinen Einstand.“

Martina nickte. Wahrscheinlich war es unter Männern selbstverständlich, sich in dieser Form einzuladen. Ihr blieb wohl nichts anderes übrig, als für Karl die Zeche zu bezahlen.

„Ist der Weg zum Gut weit?“, fragte sie.

„Eine halbe Stunde“, erklärte der Mann. „Prost, Herr Sekretär. Sie sehen aus wie ein Mädchen“, sagte er. „Noch sehr jung, was? Ich denke, wir brechen jetzt auf. Der Herr kann nämlich fuchtig werden, wenn man bummelt.“

Kurze Zeit später verließen sie das Lokal. Martina nahm auf dem hohen Kutschbock Platz.

Auf dem Gut angelangt, gab Martina dem alten Knecht ein Päckchen Zigaretten, das er strahlend in Empfang nahm. Sie ging die Freitreppe hinauf, ein Diener öffnete ihr die Tür.

„Der Herr erwartet Sie“, sagte er.

In Martinas Ohren klang es nicht sehr erfreulich. Hier schien eine äußerst strenge Zucht zu herrschen.

„Folgen Sie mir, bitte.“

♥♥♥

„Herr Kuhnhardt“, sagte der Diener und ließ Martina vorbei. Er hatte sie offensichtlich in das Arbeitszimmer seines Herrn geführt. Es war ein großer Raum mit alten, düster wirkenden Möbeln.

Hinter dem imposanten Schreibtisch saß ein Mann, der sehr viel jünger war, als Martina geglaubt hatte. Er stand auf, und der Blick seiner stahlblauen Augen schien durch Martina hindurchzugehen. Es war schwer, aus seinen Zügen zu erraten, wie sie ihm gefiel.

Martina begriff, dass er ein Mann war, der Frauen faszinierte. Nicht nur äußerlich besaß er etwas Imponierendes, er strahlte es vielmehr aus. Seine Augen waren kalt, ohne unfreundlich zu wirken.

Er wartete, bis der Diener die Tür geschlossen hatte, ging um den Tisch herum und blieb einen Schritt vor Martina stehen. Das Herz sank dem Mädchen geradezu in die Hose, als er sie stumm musterte.

„Ich bin Martin Kuhnhardt. Sie hatten mir geschrieben …“

Bertram Nauendorf nickte.

„So“, sagte er, „Sie sind Martin Kuhnhardt. Mein Name ist Nauendorf. Ich hatte Sie schon vor zehn Minuten erwartet.“

„Der Kutscher … nein, es ist nicht wahr. Ich habe noch ein Glas Bier getrunken. Die lange Fahrt hatte mich durstig gemacht.“

Zum ersten Mal zuckte der Anflug eines Lächelns um seinen festen Mund. Ihre Offenheit schien ihm zu gefallen.

„Setzen Sie sich.“ Er wies auf den Stuhl mit der hohen Lehne und nahm selbst hinter dem Schreibtisch Platz. „Ihr Bewerbungsschreiben hat mir gefallen“, sagte er. „Ich habe Sie mir allerdings anders vorgestellt.“

Martina errötete. Seine Worte waren keineswegs als Kompliment gedacht. Trotzig streckte sie ihr Kinn vor.

„Es ist nicht meine Schuld, dass ich nicht sonderlich kräftig bin“, verteidigte sie sich.

Bertram Nauendorf lehnte sich nun lässig zurück.

„Ich meinte nicht Ihre Statur“, erwiderte er. „Ich möchte gern Ihre Papiere sehen.“ Fordernd streckte er die Hand aus, während Martina hilflos den Kopf schüttelte.

Sie hatte Papiere, sicherlich, aber die durfte sie ihm niemals geben.

Ein Lächeln zuckte wieder um seinen Mund.

„Was haben Sie sich eigentlich gedacht?“, fragte er freundlich und ruhig. „Halten Sie mich für einen Trottel?“

„Wieso?“

„Wie heißen Sie richtig? Schießen Sie schon los, Teuerste!“

Martina schluckte. Am liebsten wäre sie wieder hinausgelaufen. Ihre Augen suchten die Tür.

„Rennen Sie jetzt nicht fort! Ich höre gern nette Märchen“, sagte er grimmig, „und Sie werden sich doch bestimmt eine reizende kleine Geschichte zurechtgelegt haben. Oder glauben Sie im Ernst, dass ich Ihre lächerliche Maskerade nicht durchschaue? Wie heißen Sie?“

„Martina“, stotterte sie.

„Aha, Martina. Und was soll ich jetzt mit Ihnen machen? Sie erwarten doch nicht, dass ich Sie einstelle? Der nächste Zug geht um … Verflixt, heute fährt keiner mehr. Morgen früh können Sie fahren.“

Er erhob sich. Für ihn war die Unterhaltung beendet, während Martina einfach nicht imstande war, sich zu rühren. Alles, was sie bisher gesehen hatte, gefiel ihr ausnehmend gut, und sie hatte Zeit genug gehabt, von dem Leben zu träumen, das hier auf sie wartete.

„Ich …“