Die Marquise von O... von Heinrich von Kleist. Königs Erläuterungen. - Dirk Jürgens - ebook

Die Marquise von O... von Heinrich von Kleist. Königs Erläuterungen. ebook

Dirk Jürgens

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Opis

Königs Erläuterungen: Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen ALLES, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Infos zu Leben und Werk bis zu Stil und Sprache u. v. m. - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . findest du kurz und knapp aber auch ausführlich - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen gibt dir bessere Orientierung beim Suchen wichtiger Textstellen. - Klar strukturierte Schaubilder zeigen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit weiteren extra Abituraufgaben und vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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Liczba stron: 143




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 461

Textanalyse und Interpretation zu

Heinrich von Kleist

DIE MARQUISE VON O…

Von Dirk Jürgens

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Kleist, Heinrich von: Die Marquise von O… Husum/Nordsee: Hamburger Lesehefte Verlag 2012 (167. Hamburger Leseheft). Zitatverweise sind mit HL unter der Angabe von Seite und Zeile gekennzeichnet. Kleist, Heinrich von: Die Marquise von O…Das Erdbeben in Chili. Stuttgart: Reclam, durchgesehene Ausgabe 2004 (RUB 8002). Zitatverweise sind mit R unter der Angabe von Seite und Zeile gekennzeichnet.  Über den Autor dieser Erläuterung: Dr. Dirk Jürgens studierte Germanistik und Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und promovierte 2003 mit einer Dissertation über Hermann Hesses Roman Das Glasperlenspiel. Neben einer Monografie über die Theaterstücke Thomas Bernhards veröffentlichte er außerdem Aufsätze zu Kleist, Platen, Heine, Thomas Mann, Martin Walser und Franz Fühmann. Seit 2010 unterrichtet er Deutsch und Geschichte an einem Gymnasium in Köln.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2014

ISBN: 978-3-8044-6961-7

© 2007, 2014 by Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: Filmszene aus Die Marquise von O…, BRD/F 1976 © ullstein bild – United Archives / 90061

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Heinrich von Kleist: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Die Marquise von O…

Der Vater, Herr von G…

Die Mutter, Frau von G…

Graf F…

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1*

Aufgabe 2**

Aufgabe 3***

Aufgabe 4**

Literatur

Zitierte Ausgaben

Primärliteratur

Lernhilfen und Kommentare für Schülerinnen und Schüler

Sekundärliteratur

Sonstige Literatur

Verfilmungen

Oper

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im zweiten Kapitel beschreiben wir Kleists Leben und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund dar:

Heinrich von Kleist wurde 1777 in Preußen geboren, führte meist ein unstetes Leben und beging 1811 Selbstmord.

Die Zeit ist geprägt von den Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution sowie von den napoleonischen Kriegen. Die Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit begleiten den Emanzipationswillen des Bürgertums und dessen Aufstieg zur führenden Gesellschaftsschicht mit eigenen, gegen Adel und Willkürherrschaft gerichteten Moralvorstellungen.

Die Marquise von O… gehört zu Kleists am frühesten entstandenen Erzählungen und ist über zahlreiche Themen und Motive mit seinem Gesamtwerk verbunden.

Im dritten Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation:

Die Marquise von O… – Entstehung und Quellen:

Die erste Fassung der Marquise von O… entsteht vermutlich 1807 und erscheint 1808 in der Zeitschrift Phöbus. Eine überarbeitete Fassung erscheint 1810 im ersten Band der Erzählungen. Das Sujet spielt insgesamt auf die im Umfeld der Aufklärung beliebte Gattung der ‚moralischen Erzählung‘ an. Für das Motiv der unwissentlichen Schwangerschaft kommt v. a. ein Essay Montaignes als Quelle in Frage, für das Vater-Tochter-Verhältnis v. a. Rousseaus Nouvelle Héloïse und Lessings Emilia Galotti sowie für die Thematik und die Personenkonstellation insgesamt die bürgerlichen Trauerspiele und Rührstücke der Zeit.

Inhalt:

Mit einer Zeitungsannonce sucht die unwissentlich schwanger gewordene Marquise von O… nach dem Vater ihres ungeborenen Kindes und erklärt sich bereit, ihn zu heiraten. Die junge Witwe hat bis kurz zuvor im Haus ihrer Eltern gelebt. Als russische Truppen die Stadt erobert haben, ist sie offenbar von dem russischen Grafen F… vergewaltigt worden. Von diesem ist bald darauf berichtet worden, er habe auf dem Schlachtfeld sein Leben verloren, doch einige Zeit später ist Graf F… überraschend aufgetaucht und hat vehement darauf gedrängt, die Marquise von O… zu heiraten; die endgültige Entscheidung darüber ist jedoch auf den Tag seiner Rückkehr von einer Dienstreise nach Neapel vertagt worden. Einige Zeit später hat die Marquise bemerkt, dass sie schwanger geworden ist, jedoch behauptet, dass sie keine Ahnung habe, wie es dazu gekommen sei. Die Eltern haben sie daraufhin aus dem Haus geworfen. Nach der Veröffentlichung der Zeitungsannonce meldet sich ein Unbekannter bei den Eltern und kündigt sein Erscheinen in deren Haus an. Frau von G…, die Mutter der Marquise, fährt daraufhin zu der Schwangeren, stellt sie auf die Probe und zeigt sich plötzlich von der Unschuld ihrer Tochter überzeugt. Die Marquise kehrt in das Haus ihrer Eltern zurück und bereitet sich auf das Erscheinen des Unbekannten vor, der sich auf die Annonce gemeldet hat. Zu dem angekündigten Zeitpunkt erscheint Graf F… Die Marquise reagiert wütend und gerät außer sich. Es kommt zwar zur versprochenen Heirat, aber erst nach einem Jahr ist die Marquise – jetzt Gräfin – bereit, ihrem Mann zu verzeihen.

Aufbau:

Obwohl der Band, in dem die Marquise von O… 1810 von Kleist veröffentlicht wurde, den schlichten Titel Erzählungen trägt, handelt es sich bei dem Text um eine typische Novelle, welche die Erwartungen an die Gattung geradezu mustergültig erfüllt: Im Zentrum steht ein „unerhörtes Ereignis“, der Text ist straff aufgebaut und verfügt über den für eine Novelle typischen überraschenden Wendepunkt. Es handelt sich jedoch nicht um eine Kriminalnovelle, denn die Person, die das Verbrechen begangen hat, ist dem aufmerksamen Leser sehr früh bekannt.

Personen:

Die Hauptpersonen sind

Die Marquise von O…

ist abhängig vom Willen ihrer Eltern,

spielt, weil besorgt um ihren guten Ruf, die Unschuldige,

gewinnt scheinbar an Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit,

passt sich den gesellschaftlichen Mechanismen an.

Der Vater, Herr von G…

Familienvater und Kommandant einer Festung,

kann die Rolle des fürsorglichen Hausvaters nur unzureichend ausfüllen,

versucht seine Schwäche mit Brutalität zu kompensieren,

ist von seiner Tochter, der Marquise, emotional abhängig.

Die Mutter, Frau von G…

die eigentliche treibende Kraft der Familie und Gegenspielerin ihrer Tochter,

um den Ruf der Familie nach außen besorgt,

egoistisch, habgierig und aufstiegsorientiert,

will den reichen Grafen F… als Schwiegersohn durchsetzen.

Graf F…

reich und standesbewusst

imitiert das Ideal des höflichen und gebildeten Adligen,

will sein Verbrechen, die Vergewaltigung der Marquise, wieder gutmachen,

handelt dabei entschlossen, zielsicher und berechnend.

Wir stellen diese Hauptpersonen und ihre Beziehungen untereinander ausführlich vor.

Stil und Sprache:

Kleists Sprache ist mitunter schwer zu verstehen und von einem komplizierten Satzbau geprägt. Dies dient in der Marquise von O… dazu, den Erzähler zu charakterisieren, dessen Sprache wie eine Parodie auf die Sprache und Doppelmoral der Gesellschaft wirkt. Der oft komplizierte Satzbau imitiert an manchen Stellen die jeweilige verkrampfte innere Befindlichkeit der Figuren. Zahlreiche Grenzüberschreitungen in Richtung des Anzüglichen sowie Motive und Metaphern aus den Bereichen der Religion und des Theaters unterstreichen dabei die insgesamt in der dargestellten Welt herrschende Doppelmoral und Heuchelei.

Interpretationsansätze:

Wir bieten einen Überblick über die Forschungsdiskussion seit den 1920er Jahren, wobei folgende Ansätze näher betrachtet werden:

der existenzialistische Ansatz: die Marquise im Widerstreit zwischen der Wirklichkeit, dem Gefühl und dem Göttlichen

der gesellschaftskritische Ansatz: die Marquise von O… als Geschichte einer erfolgreichen weiblichen Emanzipation oder als Geschichte einer Unterwerfung?

der psychoanalytische Ansatz: die Marquise im Konflikt zwischen Ich und Über-Ich

2.Heinrich von Kleist: Leben und Werk

Heinrich von Kleist (1777–1811) © Wikipedia

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1777

Frankfurt/Oder

18. Oktober: Geburt von Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist als ältestem Sohn des Stabskapitäns Joachim Friedrich von Kleist und dessen zweiter Frau Juliane Ulrike, geb. von Pannwitz. Kleist hat sechs Geschwister, darunter die beiden älteren Halbschwestern Wilhelmine und Ulrike, von denen Ulrike ihm später besonders eng verbunden ist.

1788

Frankfurt/Oder Berlin

18. Juni: Tod des Vaters. Kleist wird nach Berlin in eine Privatschule gegeben.

10

1792

Potsdam

20. Juni: Konfirmation. Danach Eintritt als Gefreiterkorporal ins Garderegiment.

14

1793

Frankfurt/Oder

3. Februar: Tod der Mutter.

15

Frankfurt/Main

März: Kleist reist zu seinem Regiment nach Frankfurt am Main.

Mainz

Von April bis Juli nimmt er an der Belagerung der Stadt Mainz teil (Erster Koalitionskrieg gegen Frankreich). Er liest Werke Christoph Martin Wielands und schreibt sein erstes Gedicht Der höhere Frieden.

1795

Osnabrück

März: Verlegung des Garderegiments nach Osnabrück.

17

1798

Potsdam

Mai bis Juni: Rückmarsch in die Potsdamer Garnison. Kleist widmet sich verstärkt seinen geistigen und musischen Interessen.Aufsatz, den sichern Weg des Glücks zu finden (erschienen 1799).

20

1799

Potsdam

Kleist erbittet und erhält den Abschied vom Militär.

21

1800

Frankfurt/Oder

Kleist beginnt ein Studium an der Universität Frankfurt an der Oder (Physik, Mathematik, Kulturgeschichte, Naturrecht und Latein). Verlobung mit Wilhelmine von Zenge, einer Tochter des Frankfurter Garnisonschefs.

22

Berlin

Im Sommer Abbruch des Studiums. Aufenthalt in Berlin.

Würzburg

September und Oktober: Reise nach Würzburg.

1801

Berlin

Anfang des Jahres: existenzielle Krise, ausgelöst durch philosophische Studien („Kant-Krise“). Entschluss, mit der Halbschwester Ulrike für ein Jahr nach Frankreich zu gehen.

23

Dresden

Unterwegs Aufenthalt in Dresden.

Paris

Dort und in Paris (Juli bis November) wendet sich Kleist endgültig der Kunst zu.

Bern

Ohne Ulrike reist Kleist weiter in die Schweiz und trifft Ende des Jahres in Bern ein.

24

1802

Thuner See

Kleist unternimmt den Versuch, am Thuner See als Landwirt zu leben. Er schreibt sein erstes Drama Die Familie Ghonorez (späterer Titel: Die Familie Schroffenstein), arbeitet an dem Drama Robert Guiskard (Fragment) und entwickelt den Plan zum Lustspiel Der zerbrochne Krug. Mai: Auflösung der Verlobung mit Wilhelmine von Zenge.

24

Bern

Kleist will die Schweiz verlassen. Ulrike holt ihn ab.

Oßmannstedt bei Weimar

Gemeinsame Reise mit Ludwig Wieland, dem Sohn des berühmten Schriftstellers, nach Weimar. Kleist verbringt den Rest des Jahres bei Wieland.

25

1803

Oßmannstedt

Wieland bestärkt Kleist in seinen schriftstellerischen Ambitionen.

25

Bern

Die Familie Schroffenstein erscheint anonym in der Schweiz.

Dresden

Von April bis Juli ist Kleist wieder in Dresden. Dort beginnt er mit der Arbeit am Drama Amphitryon und schreibt weiter am Zerbrochnen Krug und an Robert Guiskard. Anschließend bricht er zu einer weiteren längeren Reise ins Ausland (Schweiz, Italien, Frankreich) auf.

Paris

In Paris verbrennt er das Manuskript des Robert Guiskard. Die preußischen Behörden beordern ihn zurück in die Heimat.

Mainz

Auf der Rückreise bricht Kleist in Mainz gesundheitlich zusammen. Mehrmonatiger Aufenthalt im Haus des Arztes und Schriftstellers Georg Wedekind.

1804

Graz

9. Januar: Uraufführung der Familie Schroffeinstein in Graz.

26

Berlin

Anfang Juni: Rückkehr nach Berlin.

1805

Berlin Königsberg

Arbeit im Berliner Finanzdepartement und ab Mai Aufenthalt in Königsberg zur weiteren Ausbildung. Ulrike von Kleist zieht zu ihrem Bruder und bleibt bis Frühjahr 1806.

27

1806

Königsberg

Im August erhält Kleist auf eigenen Antrag einen sechsmonatigen Urlaub. Er beendet den Zerbrochnen Krug und arbeitet am Drama Penthesilea. Im Oktober wird Preußen in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt von Napoleon vernichtend geschlagen. Der Hof flieht nach Königsberg.

28

1807

Berlin

Januar: Reise in Begleitung verabschiedeter Offiziere nach Berlin.

29

Joux bei Pontarlier

Die Reisenden werden dort als vermeintliche Spione verhaftet und in die Jura-Festung Fort de Joux gebracht.

Châlons-sur-Marne

April: Verlegung in das Kriegsgefangenenlager Châlons-sur-Marne.

Dresden

Im Mai veröffentlicht Adam Müller in Dresden das Lustspiel Amphitryon, das er zusammen mit einem Manuskript des Zerbrochnen Krugs an Goethe in Weimar schickt.

Dresden

Juli: Nach dem Frieden von Tilsit kommt Kleist frei. Danach lebt er als freier Schriftsteller in Dresden. Mit Adam Müller versucht Kleist, eine Buchhandlung und einen Verlag zu gründen. Das Unternehmen scheitert jedoch. Im September erscheint die Erzählung Jeronimo und Josephe (späterer Titel: Das Erdbeben in Chili) in Cottas Morgenblatt für gebildete Stände.

Die Penthesilea wird fertig. Gegen Ende des Jahres bereiten Kleist und Müller die Herausgabe einer Monatsschrift Phöbus. Ein Journal für die Kunst vor.

30

1808

Dresden

Im Februar erscheint im Phöbus die Erzählung Die Marquise von O… Im Laufe des Jahres erscheinen in der Zeitschrift Fragmente aus weiteren Werken Kleists: aus Penthesilea, dem Zerbrochnen Krug, Robert Guiskard, dem neu entstandenen Drama Das Käthchen von Heilbronn und der Erzählung Michael Kohlhaas.

30

Weimar

2. März: Die Uraufführung des Zerbrochnen Krugs unter der Leitung Goethes wird zu einem Misserfolg.

Dresden

Kleist lernt den romantischen Dichter Ludwig Tieck kennen, der nach Kleists Tod als Erster dessen Werke herausgeben wird. Auf die Nachricht antinapoleonischer Aufstände hin beginnt Kleist, das Drama Die Hermannsschlacht zu schreiben. Buchausgabe der Penthesilea.

1809

Dresden

Januar: Kleist stellt die Hermannsschlacht fertig (veröffentlicht 1821). Februar: Der Phöbus wird aufgrund finanzieller Schwierigkeiten eingestellt. In der ersten Hälfte des Jahres entstehen patriotische Gedichte und Prosa.

31

Österreich

Österreich erklärt Frankreich den Krieg. Kleist bricht mit dem Historiker Friedrich Christoph Dahlmann nach Österreich auf und liefert Geheimberichte vom Kriegsgeschehen.

Prag

Ab Ende Mai halten sich Kleist und Dahlmann in Prag auf, wo Kleist ein patriotisches Wochenblatt Germania herausgeben will. Da die Franzosen im Sommer militärisch wieder die Oberhand gewinnen, scheitert der Plan.

Berlin

Ende November: Rückkehr über Frankfurt an der Oder nach Berlin.

32

1810

Wien

17. März: Uraufführung des Käthchens von Heilbronn im Theater an der Wien. Das Stück Prinz Friedrich von Homburg wird fertig (erschienen 1821). Ende September erscheinen im Verlag von Georg Reimer Das Käthchen von Heilbronn und der erste Band der Erzählungen, der auch die Marquise von O… enthält.

32

Berlin

Ab Oktober: Herausgabe der Berliner Abendblätter, in denen Kleist auch eine Reihe eigener kleinerer Arbeiten veröffentlicht: Anekdoten, Erzählungen (z. B. Das Bettelweib von Locarno und Die heilige Cäcilie oder Die Gewalt der Musik) und Aufsätze (z. B. Über das Marionettentheater).

33

1811

Berlin

Februar: Buchausgabe des Zerbrochnen Krugs. Im März und April erscheint die Erzählung Die Verlobung (späterer Titel: Die Verlobung in St. Domingo) in dem Unterhaltungsblatt Der Freimüthige. Ende März: Letzte Ausgabe der Berliner Abendblätter nach zahlreichen Auseinandersetzungen mit der preußischen Regierung. Im August erscheint bei Reimer der zweite Band der Erzählungen, der auch die bis dahin unveröffentlichten Texte Der Findling und Der Zweikampf enthält. Im Herbst macht Kleist die Bekanntschaft der gleichaltrigen, verheirateten und krebskranken Henriette Vogel. Sie möchte gemeinsam mit ihm sterben.

33

Wannsee

Am Nachmittag des 21. November erschießt Kleist am Kleinen Wannsee bei Berlin zuerst Henriette Vogel und dann sich selbst.

34

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Wichtig für das Verständnis von Kleists Erzählung sind

die Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution,

die napoleonischen Kriege und die Niederlage Preußens 1806,

die preußischen Reformen seit 1807,

die Emanzipation und der Aufstieg des Bürgertums.

Die Zeit, in die Heinrich von Kleist hineingeboren wurde, war eine Epoche grundlegender gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen. Die Ideen der Aufklärung stellten die absolutistische Ständegesellschaft sowie die Herrschaft der Kirche in Frage und riefen bei vielen Gebildeten, vor allem im Bürgertum und im niederen Adel, den Wunsch nach sozialen und politischen Veränderungen hervor. Oft wiederholte Forderungen etwa waren die durch die natürliche Gleichheit aller Menschen begründete Gleichheit vor dem Gesetz, die Emanzipation benachteiligter Bevölkerungsgruppen und politische Mitbestimmung des Bürgertums.