Die Judenbuche. Königs Erläuterungen. - Winfried Freund - ebook

Die Judenbuche. Königs Erläuterungen. ebook

Winfried Freund

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Königs Erläuterung zu Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben. In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download ... sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. ... und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. ... mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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EPUB

Liczba stron: 131




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 216

Textanalyse und Interpretation zu

Annette von Droste-Hülshoff

DIE JUDENBUCHE

Von Volker Krischel

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Droste-Hülshoff, Annette von: Die Judenbuche. Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen. Husum/Nordsee: Hamburger Lesehefte Verlag, 2011 (Hamburger Leseheft Nr. 15, Heftbearbeitung F. Bruckner und K. Sternelle). Zitatverweise sind mit HL gekennzeichnet.   Droste-Hülshoff, Annette von: Die Judenbuche. Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westphalen. Anmerkungen von Walter Huge. Stuttgart: Philipp Reclam jun., durchgesehene Ausgabe 2010 (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 1858). Zitatverweise sind mit R gekennzeichnet.

Über den Autor dieser Erläuterung: Winfried Freund, Dr. phil. habil, Professor für neuere deutsche Literatur und Literaturdidaktik an der Universität Paderborn. Wichtigste Buchveröffentlichungen: Die deutsche Kriminalnovelle, 1975; Die deutsche Ballade, 1978; Die literarische Parodie, 1981; Das zeitgenössische Kinder- und Jugendbuch, 1982; Storm: Der Schimmelreiter, 1984; Theodor Storm, 1986; Literarische Phantastik, 1990; Deutsche Lyrik, 1990; Deutsche Märchen, 1996; Annette von Droste-Hülshoff – Was bleibt, 1997; Annette von Droste-Hülshoff, 1998; Novelle, 1998; Deutsche Phantastik, 1999; Deutsche Literatur – Schnellkurs, 2000; Novalis, 2001.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

3. Auflage 2016

ISBN 978-3-8044-6990-7

© 2001, 2012 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: Buche im Saba-Urwald © Harald Bethke

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Annette von Droste-Hülshoff: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Die geschlossene Gesellschaft

Die Entwicklung Friedrich Mergels

Der Doppelgänger

Achtung und Ächtung

Die Außenseiter

Führer und Verführte

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

Deutungen und Interpretationen 1931–1954

Deutungen und Interpretationen 1967–1995

Vertiefende Gesamtdeutung

Der Geschehensraum

Der problematische Held

Das Elternhaus

Initiation in die Gesellschaft

Der Doppelgänger

Der Raubbau an der Natur

Der Totschlag des Försters

Töten, um zu überleben

Der Prozess

Die verhinderte Beichte

Die sittliche Verwahrlosung Friedrichs

Die Bauernhochzeit

Der Auftritt des Juden

Der Judenmord

Die Heimkehr

Der Erhängungstod Friedrichs in der Judenbuche

Eine Novelle vom Töten

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 ***

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 *

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgaben

Briefe

Quelle der Judenbuche

Biografien

Wirkungsgeschichte

Gesamtdarstellungen

Einzeluntersuchungen zur Judenbuche

Verfilmung

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in diesem Band sofort zurechtfindet und das für ihn Wichtige gleich entdeckt, folgt hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel wird Annette von Droste-Hülshoffs Leben beschrieben und auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund verwiesen.

Annette von Droste-Hülshoff lebte von 1797 bis 1848. Geboren wurde sie auf Schloss Hülshoff bei Münster in Westfalen. Nach dem Tod des Vaters zog sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Jenny ins Rüschhaus, dem Witwensitz der Hülshoffs. Dort verbrachte sie schreibend die meiste Zeit ihres Lebens. In Anton Matthias Sprickmann, Mitglied des Göttinger Hainbundes, und dem Philosophieprofessor Heinrich Schlüter fand sie wertvolle literarische Anreger und Berater. Häufige Besuche bei ihren Verwandten in Bökendorf bei Brakel führten zur Bekanntschaft mit Jakob Grimm und dem Maler Ludwig Grimm. Ab 1837 arbeitete sie an der Judenbuche. Dem Stoff liegt eine wahre Begebenheit, der Mord an einem Juden und die Flucht des Mörders, zugrunde.

Ab 1840 lebte sie in Meersburg am Bodensee, wo ihre Schwester mit dem Freiherrn von Laßberg verheiratet war. Sie lebte überwiegend in der Meersburg, die ihr Schwager gekauft hatte und bewohnte. Dort starb sie 1848 an Lungentuberkulose.

In Droste-Hülshoffs Lebenszeit fiel die Epoche der Restauration, der gelungene Versuch der deutschen Fürsten, die liberal-demokratische Bewegung bürgerlicher Schichten zu unterdrücken. Aufgrund der polizeistaatlichen Methoden der Bespitzelung und Verfolgung liberaler Intellektueller breitete sich ein Klima der Angst und Resignation aus; viele bedeutende Zeitgenossen emigrierten.

Im 3. Kapitel geht es um die Textanalyse und -interpretation.

Die Judenbuche – Entstehung und Quellen:

Realgeschichtlicher Hintergrund ist ein Vorfall in der Nähe der Güter der Haxthausens mit Sitz auf der Abbenburg und im Bökerhof; beide Orte liegen unweit von Brakel. Beim Judenmörder handelt es sich nach der Eintragung im Sterbebuch der Gemeinde Bellersen um den am 18. September 1836 bestatteten Johannes Winckelhahne, der sich im Alter von 43 Jahren erhängt hatte. Da man ihn für unzurechnungsfähig erklärte, konnte man ihn christlich bestatten. Der Winkelhannes, wie ihn die Dorfbewohner nannten, hatte im Frühjahr 1783 den Juden Pinnes aus Brakel erschlagen, nachdem ihn dieser wegen einer ausstehenden Zahlung bei der Gutsherrschaft verklagt hatte. Kurz nach seiner Flucht geriet er in algerische Gefangenschaft, aus der er 1805 befreit wurde. Nicht im April 1807, wie August von Haxthausen schreibt, sondern ein Jahr früher traf der Judenmörder nach 23-jähriger Abwesenheit wieder in seinem Heimatdorf Bellersen ein.

Inhalt:

Indem Annette von Droste-Hülshoff eine Vorgeschichte zur Kriminalgeschichte ihres Onkels, veröffentlicht 1818, erfindet, gelingt es ihr, das historisch beglaubigte Ereignis als Folge einer Störung der menschlichen Gemeinschaft darzustellen, „in der die Begriffe von Recht und Unrecht einigermaßen in Verwirrung geraten waren.“ Das Verhängnisvolle dieser allgemeinen gesellschaftlichen Situation enthüllt sich im individuellen Schicksal Friedrich Mergels, das sich in einer Reihe von ungewöhnlichen Ereignissen zunehmend verdichtet und dramatisch zuspitzt. Bereits seine Herkunft und seine Erziehung durch die Mutter und den Onkel Simon Semmler prädestinieren ihn für seinen späteren Lebensweg.

Aufbau:

Beherrschendes Strukturprinzip der Judenbuche ist die Akzentuierung von jeweils vier Tief- und Höhepunkten, von Klimax und Antiklimax, von der steigenden und abfallenden Abfolge der Schlüsselereignisse. Markiert werden sie durch exakte Zeit- bzw. Altersangaben und verbunden durch jeweils einen raffenden Erzählerbericht. Die vierfach gestaffelten Wendepunkte begründen ein markant novellistisches Erzählprofil, das in der unerhörten Begebenheit als zentrales Merkmal der Novelle gipfelt.

Personen:

Die Personen in der Judenbuche entstammen überwiegend der geschlossenen Gesellschaft der Dorfgemeinschaft. Sie sind gestellt gegen wenige, die aus religiösen oder rassischen Gründen als Minderheit dieser Gemeinschaft entgegenstehen. Dies gilt auffällig für den Juden Aaron, für den die obrigkeitsstaatlichen Interessen vertretenden Förster Brandis sowie für die Mergels, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Randstellung zu keinem Ansehen gelangt sind, sodass Friedrich Mergel von vornherein zum Außenseiter verurteilt scheint. In der allmählichen Identifikation Friedrichs mit seinem Onkel Simon kann er vorübergehend die Außenseiterposition überwinden, doch die Umstände wenden sich letztendlich gegen ihn. In der Novelle stehen sich Führer und Verführte, Täter und Opfer in der Gesellschaft gegenüber.

Stil und Sprache:

Die Erzählerin verfügt souverän über Orte, Zeit und Personen der Novelle. Sie erreicht symbolische Vertiefung, indem Gegenstände, Situationen, Handlungen und bestimmte Aussagen der Personen sinnbildliche Bedeutung annehmen (z. B. Eiche oder Buche).

Der Erzählstil ist geprägt von der Kunst des beredten Schweigens: Je pointierter etwas verschwiegen wird, desto deutlicher tritt es hervor.

Erzählgipfel markieren wichtige Begebenheiten. In der Regel handelt es sich um szenische-dialogische Ereignisse, in denen die erzählte Zeit mit der Erzählzeit identisch ist. Die Erzählgipfel werden überbrückt durch stark raffende Erzählerberichte; im Extremfall reichen zwei Sätze, um 28 Jahre zu überbrücken (vgl. HL S. 35/R S. 46).

Verseinlagen relativieren den objektiven Eindruck und rufen zu Verständnis und Toleranz auf. In ihnen haben Sprache und Geist des Neuen Testaments Eingang gefunden, während die Inschrift der Buche auf das gnadenlose Gesetz des Alten Testaments verweist.

Interpretationsansätze:

Dieses Kapitel umfasst sämtliche Interpretationsansätze zur Judenbuche. Sie werden zeitlich gegliedert aufgezeigt. Eine vertiefende Gesamtdeutung schließt das Ganze ab.

Rezeptionsgeschichte:

Die zeitgenössische Literaturkritik lobte das poetische Können der Verfasserin Annette von Droste-Hülshoff, fand die Novelle jedoch düster und mit zu geringer poetischer Verklärung ausgestattet. Erst die Aufnahme in den „Novellenschatz“ durch Paul Heyse brachte ihr den bis heute anhaltenden Erfolg. Sie wurde in alle europäischen Sprachen übersetzt.

2.Annette von Droste-Hülshoff: Leben und Werk

Annette von Droste-Hülshoff 1797–1848 © ullstein bild – dpa

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1797

Hülshoff bei Münster

Geburt am 12. Januar als Tochter des Freiherrn Clemens August von Droste-Hülshoff und seiner Frau Therese Luise, geborene von Haxthausen; Unterricht durch den Vater, später durch Hauslehrer.

1805

Bökendorf

Erster Besuch ihrer Großeltern auf Schloss Bökerhof.

8

1812

Münster

Begegnung mit Anton Matthias Sprickmann; literarischer Anreger; Mitglied des Göttinger Hainbunds.

15

1813

Münster, Bökendorf

Jugenddrama Berta oder die Alpen; Teilnahme an Grimms Sammlungen von Volksliedern und Märchen.

16

1818

Bökendorf, Kassel

Arbeit am Versepos Walter; Bekanntschaft mit Jakob und dem Maler Ludwig Grimm.

21

1820

Bökendorf

Arbeit am ersten Teil des Geistlichen Jahrs; Entwürfe zum Frauenroman Ledwina; Familienintrige: unglückliches Ende ihrer Verbindung mit Heinrich Straube.

23

1825

Köln, Bonn

Reise an den Rhein aufgrund ärztlich empfohlener Luftveränderung; Aufenthalt in Bonn.

28

1826

Hülshoff

Tod des Vaters; Übersiedlung mit Mutter und Schwester Jenny ins Rüschhaus bei Münster.

29

1828

Bonn

Erste Entwürfe zum Versepos Hospiz auf dem Großen St. Bernhard.

31

1831

Rüschhaus bei Münster

nach der Rückreise aus Bonn Erstbegegnung mit Levin Schücking

34

1834

Münster

Begegnung mit dem Philosophieprofessor Christoph Bernhard Schlüter; wertvoller literarischer Berater; Hinweise auf die Dichtung der Romantik; Abschluss des Versepos Des Arztes Vermächtnis.

37

1835

Eppishausen

Besuch ihrer mit dem Freiherrn von Laßberg verheirateten Schwester in der Schweiz

38

1837

Rüschhaus

Arbeit am Versepos Loener Bruch; erste Erwähnung des Stoffs zur Judenbuche.

40

1838

Münster

Erscheinen der ersten Gedichtausgabe; Mitglied der literarischen Heckenschriftstellergesellschaft; literarische Gespräche mit Schücking.

41

1839

Abbenburg

Wiederaufnahme der Arbeiten am Geistlichen Jahr

42

1840

Münster

Mitarbeit an dem von Freiligrath und Schücking herausgegebenen Westfalenbuch Das malerische und romantische Westphalen

43

1841

Meersburg

Abschluss der Judenbuche; Entstehung der Balladen Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Köln, Das Fräulein von Rodenschild, Der Knabe im Moor, Die Vergeltung; Besuch ihrer Schwester, inzwischen nach Meersburg umgesiedelt.

44

1842

Meersburg

Druck der Judenbuche im Morgenblatt für gebildete Leser; Entstehung der Heidebilder; Abschluss der Verserzählung Spiritus familiaris.

45

1843

Meersburg

Kauf des sogenannten „Fürstenhäusle“ am Bodensee

46

1844

Meersburg, Rüschhaus

Erscheinen der Gedichte Grüße undIm Grase in der Kölnischen Zeitung

47

1845

Abbenburg, Münster

Druck der kulturgeschichtlichen Westfälischen Schilderungen; Erscheinen der Abbenburger Gedichte.

48

Rüschhaus, Abbenburg

Tod der Amme; Aufenthalt bei ihren Verwandten in Ostwestfalen.

1846

Meersburg

Bruch mit Schücking wegen einer Indiskretion; schwere Erkrankung.

49

1848

Meersburg

Tod am 24. Mai; Beisetzung auf dem Meersburger Friedhof.

51

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Zeitgeschichtlicher Hintergrund ist die Restauration, die Zeit nach dem Wiener Kongress 1815; die Fürsten wollten nach dem endgültigen Sieg über Napoleon ihre alten Machtstrukturen wiederherstellen.

Verfassungsversprechen, die den Bürgern im Kampf gegen Napoleon gegeben worden waren, wurden zurückgenommen. Liberale und demokratische Tendenzen wurden mit polizeistaatlichen Methoden bekämpft. Es entstand ein Klima der Angst und Resignation. Man sprach von der deutschen „Stickluft“, aus der sich viele Intellektuelle durch Emigration verabschiedeten.

„Das Ereignis mit den Grimms hat mich auch, ich kann wohl sagen, erschreckt. Gott, wie stürmt jetzt alles auf die Familie ein!“[1] In ihrem Brief vom Dezember 1837 an ihre Kusine Sophie von Haxthausen spielt die Droste auf die Amtsenthebung der Brüder Grimm im gleichen Jahr an. Jakob und Wilhelm Grimm, seit 1830 Professoren an der Universität Göttingen, hatten zusammen mit fünf anderen Kollegen gegen die Aufhebung des Staatsgrundgesetzes durch den König von Hannover protestiert. Als „Göttinger Sieben“ gingen sie in die Geschichte des Widerstands gegen staatliche Reaktion ein.

Das Ereignis ist charakteristisch für die restaurative Zeit. Nach dem endgültigen Sieg über Napoleon in der Schlacht von Waterloo begannen die europäischen Fürsten zwischen 1815 und 1820 im Wiener Kongress, ihre vorrevolutionäre, absolutistische Macht wieder zu erlangen. Verfassungsversprechen, den Bürgern gegeben, um sie zum gemeinsamen Kampf gegen Napoleon zu mobilisieren, wurden schamlos annulliert. In Deutschland breitete sich die stickige Luft eines reaktionären, wieder erstarkten Staatsabsolutismus aus. Mit polizeistaatlichen Methoden wurden alle demokratischen und liberalen Ansätze unterdrückt. Die erhoffte freiheitliche Entwicklung rückte in weite Ferne.

Verschärfte Zensur, empfindliche Einschränkungen der Presse- und Versammlungsfreiheit, Spitzeleien und Denunziationen erzeugten ein Klima der Resignation und der Angst. Dem Bürger, zu schwach, um der militärischen Übermacht der Fürsten zu trotzen, blieb nichts anderes übrig, als sich mit der ihm auferlegten Rolle des Untertans abzufinden. „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“ ging als geflügeltes Wort der Zeit um, aber es war eine Friedhofsruhe.

Aufflackernde revolutionäre Bewegungen wurden im Keim erstickt. Die Karlsbader Beschlüsse nach der Ermordung des systemkonformen Erfolgsdramatikers Kotzebue im Jahre 1819 ordneten eine strenge Überwachung der Studenten und Professoren an und führten eine verschärfte Zensur von Druckerzeugnissen, deren Umfang zwanzig Bogen überschritt, ein. Erfolgreich niedergeschlagen wurden die Unruhen der Pariser Julirevolution von 1830.

Als Vertreter der liberalen und demokratischen Bewegungen 1832 auf dem Hambacher Fest die Volkssouveränität proklamierten, verhaftete man die Rädelsführer oder zwang sie, ins Ausland zu flüchten. Wie ohnmächtig die demokratische Bewegung in Deutschland war, offenbart noch 1848 die Frankfurter Nationalversammlung. Der Versuch, einen demokratischen Staat mit dem preußischen König als konstitutionellem Monarchen aufzubauen, scheiterte am Widerstand Friedrich Wilhelms IV., der die Krone aus „Dreck und Letten“ zurückwies.

Nationalversammlung in der Paulskirche 1848 © ullstein bild – Archiv Gerstenberg

Als die Nationalversammlung am 18. Mai 1848 eröffnet wurde, hatte der Todeskampf der Droste bereits begonnen. Sie starb am 24. Mai nach einem Leben in unfreien öffentlichen Verhältnissen zwischen der erfolgreichen fürstlichen Reaktion auf dem Wiener Kongress und der von vornherein zum Scheitern verurteilten bürgerlichen Revolution der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche.

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

ZUSAMMENFASSUNG

Zu den wesentlichen Werken der Droste zählen neben der Novelle Die Judenbuche vor allem Balladen, deren Thematik um das schutzlose Ausgeliefertsein des Einzelnen an den Mitmenschen, die Gesellschaft oder die Geschichte kreist.

Die Lyrik ist Selbstaussprache sowie ein poetischer Akt der Selbstbefreiung und Identitätsfindung.

Eine Sonderstellung nimmt die religiöse Dichtung im Geistlichen Jahr ein, die als Glaubensreflexion gesehen werden kann.

Neben der Novelle Die Judenbuche, ihrer bedeutendsten Prosaarbeit, ist die Droste mit viel beachteten Balladen und lyrischen Gedichten hervorgetreten.

Die Balladen erzählen in dramatisch zugespitzten Szenen von menschlichen, gesellschaftlichen und geschichtlichen Krisen. Die Ballade Die Vergeltung (1840) führt den mörderischen Mitmenschen vor, der, um selbst zu überleben, den Wehrlosen dem sicheren Untergang preisgibt. Auf ein historisches Ereignis aus dem Mittelalter greift das epische Gedicht Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Köln