Der Regenwurm ist immer der Gärtner - Amy Stewart - ebook

Der Regenwurm ist immer der Gärtner ebook

Amy Stewart

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Opis

Er bohrt, gräbt und mischt – und hält damit im buchstäblichen Sinne die Welt zusammen. Kaum einem anderen der Tiere verdanken wir Menschen so viel – ohne den Regenwurm wäre unsere Welt ein eintöniger, grauer Ort. Denn erst reiche, lockere Erde ermöglicht das so üppig wuchernde Grün unseres Gartens und der Felder und Fluren. Die amerikanische Bestsellerautorin und leidenschaftliche Gärtnerin Amy Stewart öffnet uns die Augen für ungeahnte Zusammenhänge. Sie lässt ihrer Entdeckerfreude freien Lauf, buddelt und experimentiert, sucht Experten auf und stattet dem weltweit einzigen Wurmmuseum einen Besuch ab. Ihr Buch ist eine Liebeserklärung an das Leben unter unseren Füßen, eine faszinierende Reise zu den Geschöpfen im lichtlosen Dunkel, den Regenwürmern – und eine Hommage an den großen Charles Darwin, der lange bevor er seine Evolutionstheorie nur erahnen konnte, dem Gemeinen Regenwurm Lumbricus terrestris einen Großteil seines Forscherlebens widmete. Ein Stück lebendig erzählte Natur- und Kulturgeschichte, mal hinreißend humorvoll, mal voller Ehrfurcht vor den Grundlagen unseres Lebens – das perfekte Buch zum Schmökern im Garten und als Geschenk für den Gartenfreund!

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Amy Stewart
Der Regenwurm ist immer der Gärtner
Aus dem Amerikanischen von Eva Leipprand
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Deutsche Erstausgabe Copyright der Originalausgabe »The Earth moved. On the remarkable Achievements of Earthworms«: © 2004, Amy Stewart Publiziert in Übereinkunft mit: Algonquin Books of Chapel Hill, ein Imprint von Workman Publishing Company, Inc., New York
Copyright der deutschen Ausgabe: © 2015 oekom verlag München Gesellschaft für ökologische Kommunikation mbH Waltherstraße 29, 80337 München
Lektorat der Übersetzung: Christoph Hirsch, oekom verlag Korrektorat: Maike Specht Umschlaggestaltung: www.buero-jorge-schmidt.deLayout und Satz: Reihs Satzstudio, Lohmar E-Book: SEUME Publishing Services GmbH, Erfurt
Alle Rechte vorbehaltenISBN 978-3-86581-940-6
Für PSB

Inhalt

Vorbemerkung
Prolog
Darwins Würmer
Der verkannte Held
Bewegte Erde
Die Gedärme der Erde
Da sie weder sehen noch hören können
Der Einmarsch Europas
Im Wald
Die Jagd auf den Riesenwurm
Der Pflug der Natur
Würmer zählen
Abfall zu Gold
Öffentliche Aufgaben
Der Aufstieg des Wurms
Anhang

Vorbemerkung

Die Leserinnen und Leser dieses Buches werden sehr schnell entdecken, dass ich keine Wissenschaftlerin bin, sondern nur eine ganz normale Gärtnerin, die sich für Regenwürmer interessiert. Meine Nachforschungen zu den Gewohnheiten und Lebensweisen von Würmern brachten mich mit Dutzenden von Biologinnen, Botanikern und Systematikern in Kontakt, die sich allesamt große Mühe gaben, ihre komplizierte Forschungsarbeit so zu erklären, dass selbst ich sie begreifen konnte. Mit ihrer Hilfe kämpfte ich mich durch Fachaufsätze und Biologiebücher, die sich mir sonst niemals erschlossen hätten. Irrtümer, Auslassungen oder sonstige Versäumnisse sind allein meine Schuld; wenn ich etwas richtig gemacht habe, dann ist das ausschließlich das Verdienst der »Wurmforscher« oder Oligochaetologen.
Sofern nicht ausdrücklich anders vermerkt, verwende ich die Begriffe »Wurm« und »Regenwurm« im ganzen Buch als Synonym; in jedem Fall beziehe ich mich auf terrestrische Würmer, jene Lebewesen, die zur Klasse der Oligochaeta zählen. Kohlweißlinge, Erdraupen, Raupen des Schwarzen Schwalbenschwanzes und Tomatenschwärmer sind keine Würmer, sondern Motten oder Schmetterlingsraupen. Spulwürmer, Bandwürmer, Plattwürmer und Schnurwürmer sind jeder für sich genommen interessante Geschöpfe, aber nicht Gegenstand dieses Buches.
Er dachte an all die unendlich kleinen Bewegungen der Welt, an das hartnäckige, herzzerreißende Vorankriechen eines Regenwurms, der sich durch Fressen seinen Weg bahnt.
Carrie Brown, Rose’s Garden

Prolog

An der Wand über meinem Schreibtisch hängt das Bild eines Apfelbaums – eines ganzen Apfelbaumes; das heißt, auf der Zeichnung sind die Wurzeln ebenso wie Stamm und Zweige zu sehen. Der Baum selbst ist nur 1,50 bis 1,80 Meter hoch, die Wurzeln dagegen reichen erstaunliche vier Meter tief in die Erde und verzweigen sich deutlich über die äußere Baumkronengrenze hinaus. Das Faszinierende an der Zeichnung ist dies: Der Teil des Baumes, den wir im Allgemeinen für den Apfelbaum halten, ist in Wirklichkeit ein ziemlich unbedeutender Teil der gesamten Pflanze. Er ist nichts weiter als eine gedrungene, knorrige Aufwölbung über einem eleganten ausgedehnten Wurzelsystem.
Ist der Baum in der Zeichnung überhaupt oben? Man könnte auch meinen, der Baum befinde sich in Wirklichkeit unterhalb seines imposanten Wurzelsystems. Wenn ich das Bild herumdrehe, sodass die Wurzeln oben sind und der Baum darunter, ergibt sich ein viel anmutigeres Bild. Die Äste fließen wie Flüsse in alle Richtungen. Das Wurzelsystem hat eine perfekte Form, so luftig und symmetrisch, wie es sich ein Baumpfleger überhaupt nur wünschen kann nach Jahren sorgfältigen Zurückschneidens.
Wenn die Zeichnung so auf dem Kopf steht, denke ich zwangsläufig ganz anders als bisher über die Funktion des Baumes nach. Natürlich sind Zweige, Blätter und Früchte nach wie vor von Bedeutung; sie liefern Pollen für die Bienen, Zweige für die nistenden Vögel, Obst für den Gärtner und auch Blätter, die die immerwährende Produktion von Sauerstoff sicherstellen. Aber jetzt, da ich genauer hingeschaut habe, erkenne ich, dass die Wurzeln der eigentliche Körper des Baumes sind, und mache mir zum ersten Mal wirklich Gedanken darüber, was für ein Leben diese Wurzeln wohl dort unter der Erde führen. Wie tief dringt das Regenwasser ein? Wie sieht die Erde unter der Oberfläche aus? Auf die Frage, wie das Meer unter der Wasseroberfläche aussieht, würde man von den meisten Leuten eine einigermaßen präzise Beschreibung bekommen. Wie wenig wissen wir dagegen vom Leben unter der Erde, selbst wenn es sich im Garten hinter dem eigenen Haus abspielt?
Mir wurde bewusst, dass ich von dem Stück Land unter meinem Haus so gut wie keine Ahnung hatte. Habe ich überhaupt einen Rechtsanspruch auf diesen Boden in vier Meter Tiefe? Und wie verhält es sich nach fünf, zehn oder auch fünfzig Metern? Hier an der Küste, wo ich lebe, reicht die Erdkruste rund zwanzig Kilometer tief. Darunter kommt dann der Erdmantel, der Tausende von Kilometern mächtig ist. Gehört dieses kleine Stück Erde wirklich mir, bis hinunter zur rot glühenden Mitte? An irgendeinem Punkt da unten ist mein Anspruch mit Sicherheit verwirkt, und mein Stück verliert sich in einem riesigen unerforschten Territorium, das keines Menschen Eigentum ist.
Und wer lebt da unten, unter meinem Haus? Wenn ich mir mein Grundstück nicht einfach nur bis drüben zum Nachbarzaun und bis hinten zu dem schmalen Weg ausgedehnt vorstelle, sondern auch dreißig Meter oder mehr nach unten, dann dämmert mir allmählich, dass ich eine lächerliche Summe bezahlt habe für ein Königreich, auf dem zufällig oben ein Haus steht. Millionen, nein Milliarden Organismen bewohnen mein kleines Stück Land, und ich erschrecke richtig bei dem Gedanken, wie wenig ich über sie weiß.
Der erste Bodenbewohner, der mir auffiel, war ein Regenwurm. Schließlich bin ich Gärtnerin; ich kann die Tatsache nicht übersehen, dass Gärtner und Regenwürmer beim Bestellen des Landes und der Versorgung der Pflanzen Hand in Hand arbeiten. Trotzdem hatte ich schon immer den Verdacht, an der Geschichte mit den Regenwürmern könnte noch mehr dran sein als das. Vielleicht halten sie doch noch die eine oder andere Überraschung für mich bereit, dachte ich und begann, mich mit ihren Gewohnheiten zu beschäftigen. Es dauerte nicht lange, bis ich merkte, dass sie für fast alles, was sich unter der Erde abspielt, den Schlüssel besitzen.
Ich bewahre das Bild vom Apfelbaum auf, weil es mich noch an etwas anderes erinnert: Die eigentliche Schönheit einer Pflanze, ihre wahre Bestimmung, liegt vielleicht gar nicht über der Erde in meinem winzigen Gartenreich. In einem Apfelbaum steckt mehr, als wir mit unseren Augen sehen, viel mehr. Um den Boden in seinem Wesen zu erkennen, um seinen Puls zu fühlen, seine Seele bloßzulegen, muss man sich unter die Erde begeben, dorthin, wo er lebt und atmet.

Darwins Würmer

Es darf bezweifelt werden, dass sich noch viel mehr solcher Tiere finden lassen, die in der Weltgeschichte eine derart wichtige Rolle gespielt haben wie diese einfach organisierten Lebewesen.
Charles Darwin, The Formation of Vegetable Mould, Through the Action of Worms, With Observations on Their Habits, 1881
ALS ICH DAS ERSTE MAL einen Wurm in der Hand hielt, war ich überrascht, wie leicht er war, wie harmlos. Er schlängelte sich nicht herum und versuchte auch nicht, mir zu entkommen. Nein, er lag still zusammengerollt in einem fast perfekten Kreis, als ob er sich bereits in sein Schicksal ergeben hätte.
Der Wurm in meiner Hand war ein Kompostwurm mit dem lateinischen Namen Eisenia fetida. In vielerlei Hinsicht ist er die Quintessenz eines Wurmes, klein und zartrosa, mit zarten Streifen zwischen jedem Segment. Er ist ein Meister im Kompostieren und mag einen Haufen verrottenden Abfalls lieber als alles andere. Wenn man irgendwo in Schweinefutter herumwühlt, in Stalldung oder auch in einem Haufen feuchter Blätter, dann hat man gute Chancen, solche Kompostwürmer zu finden, beim Fressen oder wie sie im »Schmutz« gerade ihre Kokons ablegen. Die Würmer selbst aber sind überhaupt nicht schmutzig; dieser hier war vollkommen sauber, als er aus seinem Abfallhaufen herausgeglitten kam.
Er kam aus meinem Wurmkomposter – einer kleinen Kompostieranlage auf meiner rückwärtigen Veranda, in dem ich meine Küchenabfälle entsorge. Ich weiß nicht, wie viele dieser Würmer es darin gibt – vielleicht zehntausend. Wenn ich darin herumstochere, liegen die Würmer manchmal so dicht aufeinander, dass sie aussehen wie Rinderhack, das sich bewegt, eine Masse sich heftig windender Leiber. Man kann sie sich kaum als Einzelwesen vorstellen; als ich dann aber einen herausholen und auf meine Handfläche legen wollte, schaute ich sie mir da unten doch noch etwas genauer an; ich wollte ja den richtigen auswählen. Ein gutes kräftiges Exemplar arbeitete sich gerade an der Seitenwand der Kiste hoch, als sei er auf Abenteuer aus.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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