Der perfekte Klang - Christian Gansch - ebook

Der perfekte Klang ebook

Christian Gansch

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Opis

Zur 171. Ausgabe führt der Herausgeber des Kursbuchs, Armin Nassehi, ein Interview mit dem Musiker Christian Gensch. Sie sprechen über Prozessoptimierung im persönlichen Spiel und der Organisation des Orchesters. Es wird die These aufgeworfen, dass ein guter Musiker würde seine technischen Fähigkeiten an den geforderten Ausdruck in der Musik anpasst – Optimierung ist also nicht nur eine Frage technischer Perfektion. Im Austausch der Musiker über den Ausdruck entsteht so ein Konzerterlebnis.

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Christian Gansch, Armin Nassehi

Der perfekte Klang

Über die Leichtigkeit vollendeter Musik

Auf den ersten Blick mag es erstaunlich sein, im Zusammenhang mit Optimierung über Musik zu reden. Allerdings besteht die Praxis des Musizierens sehr wohl aus (Selbst-)Optimierungsstrategien. Yehudi Menuhin wird die Aussage zugeschrieben, wenn er einen Tag nicht übe, merke er es, wenn er zwei Tage nicht übe, würden es seine Freunde merken, und am dritten Tag ohne Üben sogar das Publikum. Musikalische Kunstfertigkeit muss sich in einer konkreten Gegenwart bewähren, sie muss gewissermaßen abrufbar sein – und musikalische Optimierungsstrategien ermöglichen es dem Musiker erst, in der konkreten Situation zu tun, was zu tun ist.

Musik ist aber nicht nur Kunst, sie ist auch Industrie, Ware und Distinktionsmittel – sie wird künstlerisch gestaltet und hervorgebracht; sie wird industriell produziert, gespeichert und distribuiert; sie muss sich als Ware auf Märkten für Konzertevents und Tonträger bewähren; und nicht zuletzt hat sie eine enorme Bedeutung für die Identität und für die Abgrenzung von Milieus, Lebensstilen und Lebensformen. Die Musik spielt also tatsächlich in unterschiedlichen Arenen, in denen ganz unterschiedliche Erfolgsbedingungen gelten. Wie alles in der gesellschaftlichen Moderne lässt sich auch an der Musik erkennen, dass die Gesellschaft sehr unterschiedlich auf sie zugreift, dass Musik ganz unterschiedliche Bedeutungsebenen hat. Sie nur unter künstlerischen Gesichtspunkten zu betrachten wäre ebenso verkürzt, wie sie nur als industriell arbeitsteiliges Produkt, nur als Ware oder auch nur als ein Distinktionsmittel zur Abgrenzung von anderen Lebensstilen anzusehen.

Gerade weil Musik so unterschiedliche Bedeutungsebenen hat, wird sie auch ganz unterschiedlich optimiert. Christian Gansch ist jemand, der diese unterschiedlichen Ebenen kennt. Er studierte Klavier und Violine in Wien, war Konzertmeister des Wiener Kammerorchesters und von 1981 bis 1989 Mitglied der Münchner Philharmoniker. Seit den 1990er-Jahren ist er ein international gefragter Dirigent, kennt die Musikbranche aber auch aus der ökonomischen Perspektive. Er hat als Produzent über 190 CDs produziert, unter anderem mit Pierre Boulez, Lang Lang und Anna Netrebko. Und er ist zugleich jemand, der im Zusammenspiel eines Orchesters ein Modell für Organisations- und Führungsaufgaben sieht. Die Frage, was Unternehmen von Orchestern lernen können, nennt er selbst »Orchester-Unternehmen-Transfer«. Er kennt also unterschiedliche Optimierungspraktiken. Armin Nassehi hat mit ihm darüber gesprochen.

Armin Nassehi: Wir wollen übers Optimieren sprechen, über die Suche nach optimalen Lösungen. Sie sind Musiker, Sie haben Klavier und Violine studiert, Sie sind ein international bekannter Dirigent. Wie optimieren Künstler ihre eigenen Fähigkeiten?