Der Bergdoktor 2008 - Heimatroman - Andreas Kufsteiner - ebook

Der Bergdoktor 2008 - Heimatroman ebook

Andreas Kufsteiner

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Opis

Doch es fehlen die Beweise Bleibt eine böse Tat für immer ungesühnt? Was für eine Überraschung! Ricarda Abt ist überglücklich, als Elias Taler sie mit Eintrittskarten für ein Konzert ihrer Lieblingsband überrascht. Nach all den Sorgen der letzten Zeit um ihren herzkranken Vater freut sie sich auf einen unbeschwerten Abend. Heimlich ist sie übrigens schon länger in Elias verliebt, auch wenn viele ihn wegen seiner ruhigen Art für einen "Sonderling" halten. Ricarda genießt jeden Augenblick während des Konzerts, und als Elias sie anschließend noch zu einem Glas Wein ins Berghotel einlädt, sagt sie nur allzu gern Ja. Das ist allerdings das Letzte, woran Ricarda sich später erinnern kann. Als sie zu sich kommt, blickt sie in das besorgte Gesicht von Dr. Martin Burger ...

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Inhalt

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Impressum

Doch es fehlen die Beweise

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Michael Wolf

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9162-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Doch es fehlen die Beweise

Bleibt eine böse Tat für immer ungesühnt?

Von Andreas Kufsteiner

Was für eine Überraschung! Ricarda Abt ist überglücklich, als Elias Taler sie mit Eintrittskarten für ein Konzert ihrer Lieblingsband überrascht. Nach all den Sorgen der letzten Zeit um ihren herzkranken Vater freut sie sich auf einen unbeschwerten Abend. Heimlich ist sie übrigens schon länger in Elias verliebt, auch wenn viele ihn wegen seiner ruhigen Art für einen „Sonderling“ halten.

Ricarda genießt jeden Augenblick während des Konzerts, und als Elias sie anschließend noch zu einem Glas Wein ins Berghotel einlädt, sagt sie nur allzu gern Ja.

Das ist allerdings das Letzte, woran Ricarda sich später erinnern kann. Als sie zu sich kommt, blickt sie in das besorgte Gesicht von Dr. Martin Burger …

Jede Nacht musste einmal ein Ende haben.

Das Klingeln des Weckers riss Quirin Huber aus seinen Träumen. Mit geschlossenen Augen tastete er nach seinem Handy und stellte den Schlummermodus ein. Noch war Zeit, um das feine Wispern des Regens zu genießen, der am Morgen aus einem stahlgrauen Himmel fiel. Was für ein herrliches Gefühl, drinnen im warmen, weichen Bett zu liegen, beschützt vom ehrwürdigen Dach und den sicheren Mauern des Doktorhauses!

Während sich Quirin noch einmal im Bett umgedrehte, dachte er wieder an die Fahrt nach St. Christoph. Das Dorf lag ganz am Ende des Zillertals in einem Seitental. Von Mayrhofen führte nur eine einzige Bergstraße hinauf.

Serpentine reihte sich an Serpentine, vorbei an üppigen Wäldern und steilen Almwiesen, bis nach der letzten Kurve das Dorf auftauchte. Ein richtiges Idyll war das, und selbst Quirin, der nicht zum ersten Mal hier oben war, fand immer neue Motive zum Fotografieren.

Der Anblick war gewaltig! Umringt von seinen steinernen Wächtern, lag St. Christoph in seiner Mulde. Gepflegte Bauernhäuser, die sich um die weiße Dorfkirche mit dem Zwiebelturm scharten. Auf der linken Seite des Tals zog ein gelbgestrichenes Barockschloss den Blick auf sich. Halbrechts bot das Berghotel „Am Sonnenhang“ seinen Gästen alles, was sie für einen erholsamen Aufenthalt in unberührter Natur brauchten.

Trotzdem war Quirin Huber froh, im Doktorhaus untergekommen zu sein. Er wusste: Dieses Glück hatte er der Freundschaft seines Vaters mit Dr. Burger zu verdanken.

Von St. Christoph aus waren es nur ein paar Kilometer bis zum Sägewerk in Bergfelden, wo Quirin einen Aushilfsjob während der Semesterferien angenommen hatte. Freilich wäre ihm eine Beschäftigung im medizinischen Bereich lieber gewesen. Da er aber noch am Anfang seines Studiums stand, hatte er nicht viel Auswahl gehabt.

Die Arbeit war anstrengend und umso größer die Versuchung, einfach liegen zu bleiben. Doch die Stimmen im Haus und das Fußgetrappel auf vernarbten Holzböden vertrieben auch noch die letzte Schwere aus den Gliedern.

Auf zu neuen Taten! Quirin sprang aus dem Bett und gesellte sich nur zehn Minuten später zu seiner Gastfamilie an den Esstisch, wo ihn ein fürstliches Frühstück erwartete.

„Beeil dich, Bursch, sonst ist nur noch trocken Brot übrig“, warnte die Bachhuber-Zenzi, die seit über vierzig Jahren im Arzthaushalt werkelte, zuerst als Hauswirtschafterin, inzwischen aber als vollwertiges Familienmitglied.

Dabei war der Grund für ihre Anstellung ein sehr trauriger gewesen. Martin war erst elf Jahre alt gewesen, als Dr. Pankraz Burger seine Frau beerdigen musste. Keine leichte Aufgabe für die junge Zenzi, Vater und Sohn aufzumuntern und ihnen ein Heim zu schaffen, in dem sich die beiden wohl und geborgen fühlen konnten.

Aber ihre Mühe war nicht umsonst gewesen. Heute war sie Teil einer glücklichen Familie mit drei quirligen Kindern und führte ein sorgenfreies Leben mit allen Freiheiten, die sie sich wünschte.

Und selbst wenn sie manchmal kaum wusste, wo ihr der Kopf stand, strahlten ihre Augen doch vor Zufriedenheit. Einer Zufriedenheit, wie selbst Quirin sie selten erlebt hatte.

Aufgewachsen als Einzelkind in einem strengen Akademikerhaushalt staunte er jeden Tag aufs Neue über die Ausgelassenheit, die sogar schon am Frühstückstisch herrschte. Jeden Morgen wurde der Gast aufs Neue mit großem Hallo begrüßt.

„Ich hab dem Quirin ein dickes Stück vom Hefezopf aufgehoben“, rief der fünfjährige Philipp, von allen nur Filli genannt, und zog einen Teller unter dem Tisch hervor. Stolz hielt er ihn Quirin hin. „Weil du mir gestern Abend so ein tolles Zauberkunststück gezeigt hast.“

Aller Augen richteten sich auf den Teller. Viel mehr als ein paar Krümel waren nicht zu sehen. Dafür schlich sich Rauhaardackel Poldi still und heimlich aus dem Esszimmer Richtung Kuchl.

Laura, mit ihren zwei Jahren jüngster Sprössling der Familie, deutete in seine Richtung.

„Poldi is Zaubara. Laurie is auch Zaubara.“ Sie streckte die kleinen Finger aus und klaute Filli ein letztes Stück Mandarine vom Teller. „Mandadine wegzaubat.“

Sie presste beide Hände vor den Mund und kicherte so vergnügt, dass noch nicht einmal Filli seiner kleinen Schwester böse sein konnte.

Das Frühstück endete unter fröhlichem Gelächter, und kurz darauf machte sich Quirin trotz Regen gut gelaunt auf den Fußmarsch Richtung Bergfelden.

Auf dem Weg durch das Dorf dachte er über die Arztfamilie Burger nach. Was für ein Glücksfall! Sie war nicht nur „medizinisch“, wie die Kinder es nannten, sondern vor allen Dingen menschlich und einfühlsam, voller Verständnis für die Probleme anderer. Warmherzig, hilfsbereit und mitfühlend. Und trotzdem kamen auch Humor und Fröhlichkeit nicht zu kurz.

Quirin wurde so warm ums Herz, dass er anfing zu schwitzen. Oder lag es daran, dass die Wolkendecke dünner und der Regen weniger wurde und schließlich ganz aufhörte?

Er warf einen Blick hinauf. Hier und da fiel ein Sonnenstrahl auf die Erde. Verwandelte die Feuchtigkeit in Nebelschwaden, die über Wiesen und zwischen Bäumen aufstiegen, sich nach und nach auflösten.

Einige Bauern im Tal nutzten das milde Wetter der vergangenen Tage und pflügten schon. Schwärme von Krähen – von hier oben kaum mehr als schwarze Punkte – folgten den Traktoren, um in den Schollen frisch aufgeworfener Erde nach Würmern und anderem Getier zu suchen.

Quirin wanderte auf einem schmalen Pfad, der Richtung Krähenwald und Hexenstein hinaufführte. Zwischen Wildwiesen und niedrigem Gebüsch schlängelte sich der Weg dahin, lotste den Medizinstudenten in den Wald und wieder heraus, über Wurzeln, Pfützen und Reste von Schneefeldern.

Endlich erreichte er das Sägewerk in Bergfelden. Das romantische Mühlrad aus Holz, das sich im nahen Krähenbach drehte, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier hart gearbeitet wurde.

Auf dem Rundholzplatz fuhren Gabelstapler hin und her. Arbeiter hasteten vorbei. Schwer beladene Lastwagen verließen den Hof Richtung Tal.

Quirin überquerte das Gelände und betrat die Lagerhalle. Die Stimme eines stämmigen Mannes ließ die Holzbalken zittern. Sein Gesicht war krebsrot vor Zorn, und sein ausladender Bauch wogte hin und her.

„Wenn du noch net ausgeschlafen hast, geb ich dir Gelegenheit dazu. Länger als dir lieb ist“, rief Luis Abt einem Arbeiter zu.

An der Tür zum Lager stand eine junge Frau. Quirin trat zu ihr. Eine Weile beobachteten die beiden schweigend die Szene.

„Wenn ich deinem Vater so zuschaue, bekomme ich richtig Angst“, meinte Quirin endlich.

„Wem sagst du das.“ Ricardas Seufzen klang, als käme es von ganz unten aus dem Tal.

Ohne den Chef aus den Augen zu lassen, trank Quirin einen Schluck Quellwasser aus der Flasche, die er unterwegs an einem Bach gefüllt hatte.

„Ich tippe auf Hypertonie.“ Er wischte mit dem Handrücken über den Mund.

Trotz dicker Fleecejacke fröstelte Ricarda. Sie verschränkte die Arme vor dem Oberkörper und sah ihrem Vater zu, wie er durch die Halle stapfte. Vor den Türen an der Längsseite blieb er stehen und zündete sich eine Zigarette an. Den Blick auf Wald und Wiesen gerichtet, inhalierte er tief.

„Was bedeutet das?“, fragte Ricarda schließlich. „Hypertonie?“

„Bluthochdruck. Ursachen sind unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress. Und Rauchen.“

„Ist das gefährlich?“

„Je früher eine Hypertonie erkannt und behandelt wird, umso geringer ist das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Unbehandelt steigt das Risiko für Folgeschäden.“

Quirins blitzende Augen verrieten seine Leidenschaft für die Medizin, die die Bekanntschaft mit Dr. Martin Burger nur noch mehr geschürt hatte. Nie zuvor hatte er einen Arzt getroffen, der sich seinem Beruf so sehr verschrieben hatte. Der mit Leib und Seele bei der Sache war.

Nicht genug damit, dass der Bergdoktor stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte seiner Patienten hatte, hörte er obendrein auch noch die Zwischentöne. Gab sich nicht mit der Behandlung der Symptome zufrieden, sondern wollte der Ursache auf den Grund gehen.

Diese Begegnung war ein Glücksfall für den jungen Medizinstudenten. Seitdem wusste Quirin: Genau so ein Arzt wollte er werden. Und am besten auch gleich eine Frau wie Sabine Burger finden – selbst Ärztin – die ihrem Mann mit Rat und Tat und dem nötigen Verständnis zur Seite stand.

„Und was kann man dagegen tun?“, fragte Ricarda in Quirins Gedanken hinein.

Über die Antwort musste er nicht lange nachdenken.

„Die Basis der Bluthochdruck-Therapie ist eine Änderung des Lebensstils. Dazu gehört, zum Beispiel, eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Genug Bewegung und ein Verzicht aufs Rauchen sind ebenfalls ratsam, um das Herz-Kreislauf-Risiko net zusätzlich zu verschärfen.“ Ein weiterer Schluck aus der Flasche. Quirin sah zu, wie Luis die Kippe auf den Boden warf und austrat. „Wenn dein Vater diese Ratschläge beherzigt, kann er wieder ganz gesund werden. Andernfalls …“

Ricarda lachte unglücklich.

„Ha! Weißt du, wie oft ich dem Papa schon gesagt hab, dass er gesünder leben soll? Inzwischen wird er richtig grantig, wenn ich das Wort Gesundheit nur in den Mund nehme.“ Ihr Blick folgte einer Gruppe Arbeiter, die durch die Halle polterten. „Aber wenn ich mich hier so umschaue, ist er ja in bester Gesellschaft.“

Quirin erinnerte sich an ein Gespräch mit Dr. Martin Burger. Nach dem Abendessen saßen sie noch oft zusammen und unterhielten sich. Vor ein paar Tagen hatte sich die Unterhaltung um die Kommunikation zwischen Arzt und Patient gedreht. Ein Thema, das Quirin im Studium schmerzlich vermisste.

Ihm wurde das Handwerkszeug vermittelt, um einen Blinddarm minimalinvasiv zu entfernen und einen Bypass am Herzen legte. Doch darüber, wie man einem Patienten eine schwere Diagnose mitteilte – so schonend wie möglich und so ehrlich wie nötig – erfuhr er nichts. Ein großes Manko, wie auch Martin Burger bemängelt hatte.

„Wichtig ist, dass du deinem Vater keine Vorschriften machst. Das mag keiner gern, und Patriarchen wie dein Vater schon gar net.“ Quirin zwinkerte Ricarda zu. „Er ist der Chef im Haus. Und dem hat keiner was vorzuschreiben.“

„Aber ich kann doch net einfach zuschauen, wie er sich kaputtmacht.“

„Versuch es mal mit Ich-Botschaften. Sag ihm, dass du dir Sorgen machst. Und erklär ihm, welche Folgen sein Handeln haben kann.“

Quirin hätte noch stundenlang weiterreden können. Doch dafür war er nicht hier. Ein Blick auf die Uhr machte ihm klar: Höchste Zeit, endlich an die Arbeit zu gehen.

Seite an Seite verließen die beiden die Lagerhalle. Aus einer nahegelegenen Halle wehten Arbeitsgeräusche herüber. Eine elektrische Säge kreischte. Stimmen riefen Befehle. Wie von Zauberhand schwebten an staubigen Fenstern Holzbretter in allen Längen und Größen vorbei.

„Mal schauen.“ Ricarda klang wenig hoffnungsvoll.

„Leider muss erst was passieren, bevor Menschen vom Schlag deines Vaters zur Vernunft kommen“, erklärte Quirin, um überhaupt etwas zu sagen. „Aber wenn es dir hilft, frage ich heute Abend mal Dr. Burger. Vielleicht hat er eine Idee, wie man solchen Sturköpfen beikommt.“

Ricardas Augen leuchteten auf.

„Das wäre nett von dir. Ich mache mir nämlich wirklich Sorgen. Und net nur deshalb, weil ich noch viel lernen muss, bevor ich den Betrieb übernehmen kann.“

Quirin nickte mitfühlend. Als Alleinerbin lastete eine große Verantwortung auf Ricarda Abts Schultern, um die er sie nicht beneidete. Doch als sein Blick auf eines der Bürofenster im oberen Stockwerk fiel, konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Wenn ich mich net täusche, gibt’s da jemanden, der nur darauf wartet, dir unter die Arme zu greifen“, witzelte er.

Ricarda musste nicht hochsehen, um zu wissen, wen er meinte.

„Ein Glück, dass ich mir meine Nachhilfelehrer selbst aussuchen kann“, erwiderte sie, als ein Schatten auf die beiden fiel.

„Wie schaut’s aus? Ist der Herr Doktor heut zum Arbeiten oder zum Gutausschauen hier?“ Unbemerkt war der Produktionsleiter Manni Hofmayr über den Platz gekommen. Sein breites Gesicht erinnerte an eine Bulldogge.

Quirin zog unwillkürlich den Kopf ein.

„Das eine schließt das andere ja net aus, oder?“, entfuhr es ihm. Er schnitt eine Grimasse in Ricardas Richtung und machte, dass er davonkam.

***

Das Büro des Sägewerks befand sich im ersten Stock über den Produktionshallen. Lichtdurchflutete Räume mit Glastüren, die den ganzen Tag offen standen. Hier wurde Transparenz großgeschrieben.

Bisher hatte Ricarda nichts dagegen gehabt. Sie liebte ihre Arbeit im Sägewerk, wo die Kunden nicht nur Schnittholz in allen erdenklichen Maßen und Qualitäten kaufen konnten. Ein wichtiger Leistungsbereich stellte seit einiger Zeit die Holzveredelung dar, eine ihrer Ideen, mit dem das Sägewerk konkurrenzfähig bleiben sollte.

Ricarda Abt kümmerte sich nicht nur um Bestellungen, Auftragsbestätigungen und Rechnungsstellung, sondern beriet die Kundschaft auch in allen Fragen rund um die Veredelungsmöglichkeiten.

Unermüdlich arbeitete sie an der Optimierung des Werks und hatte dabei nichts zu verbergen. Die Mitarbeiter sollten ruhig wissen, dass sie ihr Geschäft verstand. Dass man ihr kein X für ein U vormachen konnte. Schon deshalb hatte sie die offenen Räume bisher sehr zu schätzen gewusst.

Doch seit ihr Vater den Disponenten Sandro Falkenstein eingestellt hatte und sie an dessen Büro vorbei musste, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen, hatte sie ihre Meinung geändert. Auch dieses Mal senkte sie den Kopf und beschleunigte den Schritt. Vergeblich.

„Je später der Morgen, desto schöner die Gäste!“, hallte ihr seine Stimme nach. Immer diese dummen Sprüche, die er noch dazu nach Belieben abwandelte! „Warum die Eile? Für den schönen Medizinmann hast du doch auch immer Zeit.“

Ricarda blieb stehen, stieß einen stummen Fluch durch die Lippen und dreht sich um.

„Sandro, tut mir leid, ich hab dich gar net gesehen.“ Tapfer widerstand sie der Versuchung, seinen akkurat gezogenen Scheitel durcheinander zu bringen. „Und der Medizinmann heißt übrigens Quirin. Ich hab mich mit ihm über was Fachliches unterhalten.“