Das Parfum. Königs Erläuterungen. - Bernd Matzkowski - ebook

Das Parfum. Königs Erläuterungen. ebook

Bernd Matzkowski

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Opis

Königs Erläuterungen zu Patrick Süskind: Das Parfum - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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Liczba stron: 146




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 386

Textanalyse und Interpretation zu

Patrick Süskind

DAS PARFUM

Die Geschichte eines Mörders

Von Bernd Matzkowski

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Patrick Süskind, Das Parfum, Die Geschichte eines Mörders, Zürich: Diogenes, 1994

Über den Autor dieser Erläuterung: Bernd Matzkowski ist 1952 geboren. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Lehrer am Heisenberg-Gymnasium Gladbeck Fächer: Deutsch, Sozialwissenschaften, Politik, Literatur/Theater Ausbildungskoordinator

Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst. Zitate Süskinds müssen aufgrund eines Einspruches in der alten Rechtschreibung beibehalten werden.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

3. Auflage 2013

ISBN 978-3-8044-6922-8

© 2000, 2010 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: Ben Wishaw und Karoline Herfurth im Kinofilm 2006, © Cinetext/Constantin Film

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Patrick Süskind: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Kompositionsstruktur und Erzählweise

Das Moment des Aufbruchs

Das Moment des Paradoxen

Das Moment des Zufalls

Das Moment des Scheiterns und der Anonymität

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Grenouille: Die Entwicklungsphasen der Hauptfigur

Der erste Mord

Lehrlings- und Gesellenzeit

Der Einsiedler

Rückkehr in die Welt; der omnipotente Gott des Duftes

Das Meisterstück

Verklärung

Grenouille – das Monster

Grenouille – der Teufel und Dämon

Grenouille – der Zeck

Grenouille – der Mörder und Künstler

Baldini, Taillade-Espinasse und Richis: ihre Beziehung zu Grenouille und ihre ­Haltung ­gegenüber den Ideen des Zeitalters der ­Aufklärung

Baldini

Marquis de la Taillade-Espinasse

Richis

Die gescheiterte Aufklärung

Grenouilles Mutter, die Ammen, Jeanne Bussie, ­Pater Terrier, Madame Gaillard, Grimal, Madame Arnulfi, Druot

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

Der Titel des Romans als mehrdimensionales Schlüsselwort

Das Parfum – der historisch-kulturelle Kontext

Parfum als Duft – der Kontext im Roman

Das Parfum – der politische Kontext

Die Deutungsoffenheit des Romans

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

Religiöse Aspekte des Romans

Das Parfum – ein Schlüsselwerk der Postmoderne

Zum Verhältnis von Masse und Individuum

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 *

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgaben

Werke von Patrick Süskind

Sekundärliteratur Fachwissenschaftliche Literatur

Rezensionen

Sonstige Literatur

Verfilmung

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht:

Im 2. Kapitel beschreiben wir SüskindsLeben und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund dar:

Patrick Süskind wurde am 26. 3. 1949 in Ambach geboren; er lebt in München, Paris und Südfrankreich; über sein Privat­leben ist kaum etwas bekannt, vom Literatur- und Medien­betrieb (Talk-Shows etc.) hält er sich fern.

Das Parfum kann als Schlüsselwerk der Postmoderne gelten.

Süskind arbeitete für das Fernsehen; als Autor gehört er zu den erfolgreichsten Vertretern der deutschsprachigen Literatur; seine Figuren sind häufig Einzelgänger – wie ihr Autor selbst.

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

Entstehung und Quellen:

Süskind greift im Parfum auf zahlreiche literarische Genres zurück (Künstlerroman, Krimi, Reiseroman, Bildungsroman etc.). Sein Roman ist voller Anspielungen und Hinweise auf andere literarische Werke, die parodiert, paraphrasiert oder als Andeutung und Anspielung in den Roman einmontiert werden. Als eine kultur- und sozialgeschichtliche Quelle des Romans kann Alain Corbins Werk Pesthauch und Blütenduft. Eine Geschichte des Geruchs gelten.

Inhalt:

Der Roman erzählt vom Leben Jean-Baptiste Grenouilles, der zum Mörder junger Frauen wird, um sein Ziel, größter Parfumeur aller Zeiten zu werden und die Menschen zu beherrschen, zu erreichen. Grenouille besitzt die überragende Fähigkeit, Gerüche zu erfassen, zu analysieren, zu speichern und sie zu neuen Duftkompositionen zu verarbeiten; allerdings fehlt ihm der menschliche Eigengeruch. Der Roman präsentiert Grenouilles Werdegang und die Stationen seiner Entwicklung von der Geburt (17. 7. 1738) bis zu seinem Tod 29 Jahre später.

Aufbau:

Der Roman schildert, von geringen Ausnahmen abgesehen, die 29 Lebensjahre Grenouilles in linear-sukzessiver Abfolge mit größeren und kleineren Zeitsprüngen (Zeitraffung). Die 51 Kapitel des Romans können in vier Gruppen zusammengefasst werden, die jeweils größere Abschnitte im Leben Grenouilles und seiner Entwicklung darbieten. Die Kapitel sind um eine Mittelachse gruppiert (Kap. 24 – 29), die einen Höhe- und Wendepunkt markiert. Ausgangs- und Endpunkt des Romans ist Paris.

Personen:

Die Hauptpersonen sind:

Jean-Baptiste Grenouille

ist die Zentralfigur des Romans, um die alle anderen Figuren gruppiert sind

hat keinen Eigengeruch, aber die Fähigkeit, Gerüche zu ­analysieren, zu speichern und neu zu kombinieren

wird zum Mörder an jungen Frauen, um aus deren Duft das absolute Parfum zu erschaffen

erkennt, dass die Menschen nur seine künstlich erschaffene Duftaura lieben, aber nicht ihn selbst

übergießt sich am Ende seines Lebens mit seinem Parfum und wird in einem kannibalischen Mahl verzehrt

Baldini

stellt Grenouille als Lehrling an und wird durch ihn zum reichsten Parfumeur von Paris

bringt Grenouille Grundlagen des Parfumeurhandwerks bei

stürzt mit seinem Haus nach dem Weggang Grenouilles in die Seine

Taillade-Espinasse

der Adelige lehrt Grenouille, sich nach den Konventionen der Gesellschaft zu verhalten

sieht in ihm eine Bestätigung für seine fluidum-letale-Theorie

löst sich nach dem Weggang Grenouilles in Luft auf

Richis

ist ein angesehenes Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft und Vater des letzten Opfers von Grenouille

kommt Grenouille auf die Spur, kann aber die Ermordung ­seiner Tochter nicht verhindern

möchte den Mörder seiner Tochter als Sohn adoptieren

Wir stellen diese Hauptpersonen ausführlich vor und geben auch Erläuterungen zu anderen Personen.

Stil und Sprache:

Die Sprache des Romans ist flüssig, anschaulich, bildreich und eingängig; Düfte und Duftnuancen werden ebenso akribisch beschrieben wie der Ablauf von physikalischen und chemischen Prozessen im Zusammenhang mit der Parfumherstellung.

Häufige Stilmittel sind Vergleiche, Kontrastbildungen, Wieder­holungen und Reihungen.

Auf folgende Interpretationsansätze gehen wir näher ein:

Der Titel als mehrdimensionales Schlüsselwort

Das Parfum – der historisch-kulturelle Kontext

Parfum als Duft – der Kontext im Roman

Das Parfum – der politische Kontext

Die Deutungsoffenheit des Romans

2.Patrick Süskind: Leben und Werk2.1Biografie

Jahr

Ort

Ereignis

Alter

26. 3. 1949

Ambach (Starnberger See)

Patrick Süskind wird als zweiter Sohn des Publizisten und Redakteurs Wilhelm Emanuel Süskind in Ambach am Starnberger See geboren.

ab 1955

Besuch der Volksschule von Holzhausen und des Gymnasiums, Abitur und Wehrersatzdienst

6

ab 1968

München

Studium der Geschichte in München, ­Studienaufenthalt in Aix-en-Provence

19

1974

Magisterarbeit, Süskind entschließt sich, „freier Schrift­steller“ zu werden.

24

1981

München

Der Kontrabaß, Uraufführung in ­München, Arbeit an Drehbüchern, u. a. zu den Fernsehserien Monaco Franze, Der ­ewigeStenz und Kir Royal. Aus dem Leben eines Klatschreporters

32

1985

Das Parfum

36

1987

Die Taube

38

1991

Die Geschichte von Herrn Sommer

42

1995

Drei Geschichten

46

1996/97

Drehbuch zu Rossini oder Die mörde­rische Frage, wer mit wem schlief. Süskind lebt in München, Paris und ­Montolieu/Südfrankreich. Die Annahme mehrerer ihm zuerkannter Literaturpreise hat Süs­kind abgelehnt.

47

2005

Drehbuch: Vom Suchen und Finden der ­Liebe

56

2006

Verfilmung des Parfums (Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders. Regie: Tom Tykwer, Drehbuch: Andrew Birkin, Bernd Eichinger, Tom Tykwer. Frankreich/­Spanien/Deutschland 2006)

57

Über Liebe und Tod

57

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Süskinds Roman ist der postmodernen Literatur der 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts zuzurechnen

Diese Strömung der Literatur wendet sich von der ­Moderne ab und greift zu eher traditionellen Erzähl­mustern, setzt häufig auf historische Stoffe und Themen und zeichnet sich durch Intertextualität aus, das Spiel mit überlieferten Texten der Literatur (sogen. Prätexte).

Der (übrigens nicht unumstrittene) Begriff „Postmoderne“ beschreibt literarische Strömungen und Tendenzen in der Literatur, die ab den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts eine Abkehr von der „Moderne“, also der Literatur des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, signalisieren. Die Literatur der Moderne, wie sie etwa in den Strömungen des Expressionismus und Dadaismus zum Ausdruck kommt, war durch eine große Experimentierfreude und die Suche nach neuen ästhetischen Ausdrucksmöglichkeiten gekennzeichnet. Durch die Entwicklungen in Naturwissenschaft und Technik vorangetrieben, brachen die alten (einheitlichen) Weltbilder auf und wurden durch Offenheit ersetzt; an die Stelle geschlossener Werte- und Moralsysteme traten Uneindeutigkeiten und Pluralismus. Auf die Auflösung der alten ideologischen Muster reagierte die Literatur mit der Zertrümmerung überkommener ästhetischer Kategorien und (in der Epik) narrativer Strategien. Als Beispiel eines Romans der „Moderne“, an dem die neue Art des Erzählens deutlich wird, kann in der deutschsprachigen Literatur etwa Alfred Döblins Roman Berlin Alexanderplatz gelten. Eine Handlung im klassischen Sinne gibt es nicht, ebenso keinen Spannungsbogen, der auf einen Höhepunkt zuläuft. Reflexion tritt an die Stelle von Handlung, das Erzählen konstituiert sich aus Montage, Collage, Perspektivwechseln, Wechsel der Erzählsituationen und Redeformen. Im Mittelpunkt steht letztlich nicht der Protagonist Franz Biberkopf, sondern die Stadt Berlin, der er sich gegenübersieht.

Postmoderne Autoren, zu denen auch Süskind zu rechnen ist, setzen sich in ihrer Erzählweise deutlich von der Moderne ab, ohne jedoch dabei ein „vor-modernes“ geschlossenes Weltbild oder eine Moral anzubieten. Süskind erzählt im Parfum eine spannende Geschichte mit einem Pro­tagonisten im Mittelpunkt, nimmt als Erzähler – hier ganz traditionell – den Leser an die Hand und führt ihn durch die Welt seines Romans. Zugleich, auch das ein Kennzeichen der Postmoderne, ist die Romanwelt eine Welt der Vergangenheit, in die der Leser eintauchen kann, ohne sofort und auf den ersten Blick eine Beziehung zu seiner Gegenwart herstellen zu können (oder zu sollen). Von den gängigen Mustern des Trivialen setzt sich der Roman aber durch die für postmoderne Literatur kennzeichnende Intertextualität ab, das als Zitat, Pa­rodie oder als Collage daherkommende spielerische, ironische und zugleich höchst kunstvolle Einmontieren von Versatzstücken aus dem Fundus der Hoch- und Trivialliteratur. Dies kann in Form der Andeutung, des Verweises, des Zitats oder der Paraphrase geschehen. Durch diese Technik der Doppel- oder Mehrfachkodierung des Textes wird aber nicht nur ein Dialog mit der (traditionellen) Literatur begonnen, derer sich Süskinds Roman auf der Ebene der Textentlehnung und Pa­rodie bedient, sondern auch ein Dialog mit den Rezipienten, deren Lesevergnügen steigt, je mehr sie das Zitierte und Einmontierte als Zitat und Montage erkennen.[1]

2.3Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

ZUSAMMENFASSUNG

Süskind vollzieht keine Trennung zwischen sogenannter ‚ernster‘ Literatur und Unterhaltungsliteratur. Er hat, neben dem Welterfolg Das Parfum, Drehbücher für Fernsehserien und Kinofilme entwickelt, für das Theater gearbeitet (Der Kontrabaß) und Erzählungen (Die Taube) verfasst. Süskinds Figuren sind zumeist (wie auch ihr Autor) Einzelgänger und Sonderlinge, die mehr oder weniger entfernt von der Gesellschaft leben.

1981 wird Süskinds Ein-Personenstück Der Kontrabaß in München aufgeführt, mit dem Süskind schlagartig zum Erfolgsautor wird. Die monomanische Suada des Kontrabass-Spielers, der in einem schallisolierten Raum lebt, wird mit über 500 Aufführungen und über zwanzig Inszenierungen zum meistgespielten Theaterstück der Saison 1984/85 im deutschsprachigen Raum und zugleich zum ersten internationalen Erfolg Süskinds, denn sein Stück wird in zahlreiche Sprachen übersetzt und u. a. in London und New York auf die Bühne gebracht. Die „brillant-verräterische Selbstdarstellung eines Orchestermusikers aus dem zweiten Glied“[2] zeigt einen Mann, der an der eigenen „Unauffälligkeit und Bedeutungslosigkeit“ leidet und zwischen „verinnerlichter Subordination“ und „nörgelndem Fatalismus (…) changiert.“[3]

Dass er ein Grenzgänger zwischen literarischem Anspruch und Massenunterhaltung ist, dokumentiert Patrick Süskind in den 80er-Jahren durch die Mitarbeit an den Drehbüchern für zwei erfolgreiche Fernsehserien, nämlich Monaco Franze. Der ewige Stenz und Kir Royal. Aus dem Leben eines Klatschreporters. Vor allem die zweite Serie, die im Pressemilieu angesiedelt ist und mit Franz-Xaver Kroetz einen Schriftstellerkollegen Süskinds in einer Hauptrolle präsentiert und mit dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt und der Schauspielerin Senta Berger in weiteren Hauptrollen prominent besetzt ist, kommt nicht nur beim Publikum an, sondern wird auch in zahlreichen Fernsehkritiken gelobt.

Die Lobeshymnen der Kritiker überschlagen sich beim Er­scheinen von Süskinds Roman Das Parfum (1985). Süskinds Geschichte eines Mörders wird zu einem Sensationserfolg. Und Marcel Reich-Ranicki feiert Süskind mit den Worten: „Also das gibt es immer noch oder schon wieder: einen deutschen Schriftsteller, der des Deutschen mächtig ist; einen zeitgenös­sischen Erzähler, der dennoch erzählen kann; einen Roman­cier, der uns nicht mit dem Spiegelbild seines Bauchnabels belästigt; einen jungen Autor, der trotzdem kein Langeweiler ist.“[4]

1987 wird Süskinds Erzählung Die Taube veröffentlicht, deren Hauptfigur der Bankwachmann Jonathan Noel ist. Durch eine vor seiner Mansardentür sitzende Taube wird Noel aus der über­raschungslosen Alltäglichkeit seines monotonen Lebens geworfen und stürzt in einen Zustand orientierungsloser Hilflosigkeit. Der Lebensvermeider Noel lebt, wie der Kontrabass-Spieler, isoliert und einsam ein minutiös geplantes Leben, das aber durch das Auftauchen der Taube in einer Katastrophe zu enden droht.

Die Geschichte von Herrn Sommer, im Jahre 1991 erschienen, handelt weniger von der Titelfigur, sondern vielmehr von der Kindheit des Ich-Erzählers. Die Geschichte der Kindheit, die hier erzählt wird, weist einige Parallelen zur Kindheit des Autors auf. Wie Süskind wächst der Ich-Erzähler an einem See auf. Der Vater des Jungen ist sprachwissenschaftlich versiert und Liebhaber des Pferdesports (beide Details weisen auf Süskinds Vater hin). Am Ende der Geschichte geht der seltsame Wanderer Sommer, der raschen Schrittes täglich Dutzende von Kilometern durch die Landschaft eilt und dessen Lebensinhalt einzig in dieser ewigen Wanderschaft zu bestehen scheint, in den (Starnberger) See, nur von dem Ich-Erzähler beobachtet. Von Herrn Sommer bleibt nichts – außer der Erinnerung des Knaben an diesen einen Satz: „Ja so laßt mich doch endlich in Frieden!“

Dem „Spiegel“ ist wohl zuzustimmen, wenn er in der Geschichte des menschenflüchtigen Sonderlings Sommer „mehr die Geschichte von Herrn Süskind selbst“ sieht, der hinter dem Ich-Erzähler und seinem Wiedergänger Sommer gleichermaßen aufleuchtet und seinen Anspruch auf Frieden (Ruhe vor der Öffentlichkeit) erhebt.[5]

Süskinds Einzelgänger-Wesen leben alle in eigentümlichen Räumlichkeiten, der Kontrabass-Spieler in einem schalliso­lierten Raum (einer Zelle?), der Wachmann Noel in einer winzigen Mansarde. Grenouille lebt sieben Jahre in einer Höhle unter der Erde, in der er nicht einmal ausgestreckt liegen kann. Der Ich-Erzähler aus der Geschichte von Herrn Sommer verbringt einen großen Teil seines Lebens auf Bäumen, abgehoben von den anderen Menschen. Und Sommer ist auf seinen Wanderschaften überall anzutreffen, doch nirgendwo verweilt er. Er hat zwar ein Heim, aber kein Zuhause.

Menschenscheu sind sie alle – die Figuren Süskinds, auf sich selbst und ihre Welt reduziert. Für alle gilt wohl, was Süskind anlässlich des Stückes Der Kontrabaß geäußert hat: er habe „insofern auf eigene Erfahrungen zurückgreifen (können), als auch ich den größten Teil meines Lebens in immer kleiner werdenden Zimmern verbringe, die zu verlassen mir immer schwerer fällt. Ich hoffe aber, eines Tages ein Zimmer zu finden, das so klein ist und mich so eng umschließt, daß es sich beim Verlassen von selbst mitnimmt.“[6]

3.Textanalyse und -interpretation3.1Entstehung und Quellen

ZUSAMMENFASSUNG

Süskinds Roman geht eine intensive Beschäftigung mit der (Kultur-)Geschichte des Parfums und der Hygiene sowie mit den Traditionen des Parfumeurshandwerks voraus:

Süskind studierte das Parfumhandwerk durch einen Aufenthalt in Grasse bei der Parfummanufaktur Fragonard.

Als eine Hauptquelle kann Alain Corbins Werk Pesthauch und Blütenduft gelten.

Im Roman gibt es zahlreiche Andeutungen und Anspielungen auf Prätexte, die teilweise (auch in parodistischer Absicht) auf der Ebene von Paraphrasen oder Zitaten in den Roman geholt werden (Intertextualität).

Süskinds Werk ist ein historischer Roman, der Details der Handwerkstechnik der Gerber und Parfumeure ebenso vor uns ausbreitet, wie er uns, wenn auch mit unübersehbaren parodistischen Elementen, das Zeitalter der Aufklärung vor Augen führt. Und der Autor gewährt uns einen Einblick in die hygienischen Verhältnisse des 18. Jahrhunderts. Patrick Süskind hat sich ausführlich mit der Sozialgeschichte der Hygiene, der Herstellung von Parfums mittels traditioneller Verfahren, den Grundstoffen von Parfums sowie der Veränderung der Duftvorlieben in den vergangenen Jahrhunderten beschäftigt. Alain Corbins Pesthauch und Blütenduft. Eine Geschichte des Geruchs und Eugene Rimmels Das Buch des Parfums können als zwei Quellen für seine Forschungen angenommen werden. Zudem hat Süskind in der Grasser Parfummanufaktur Fragonard praktische Einsichten in die Herstellung von Parfums gewonnen.[7]