Das Beste, was einem Croissant passieren kann - Pablo Tusset - ebook

Das Beste, was einem Croissant passieren kann ebook

Pablo Tusset

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Opis

Pablo José Miralles, genannt »Balu«, wie der Bär aus dem Dschungelbuch, ist fett, faul, politisch unkorrekt, Zigaretten- und Haschraucher, Mittdreißiger ohne sichtbare Ambitionen, überzeugter Junggeselle, Metaphysiker und Taoist. Ein typischer Loser. Sein Leben ist ausgefüllt mit Schlafen, Nichtstun und Surfen im Internet; seine Lieblingsbeschäftigung ist, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen, um sich sinnlos zu betrinken. Im Hauptberuf ist er Sohn betuchter Eltern aus bester katalanischer Hochbourgeoisie. Sein älterer Bruder, genannt »The First«, Chef der prosperierenden Firma Miralles & Miralles, Finanzberater, ist dagegen ungleich erfolgreicher, in jeder Beziehung. Doch eines Tages ist der Bruder spurlos verschwunden. Ist er mit seiner Geliebten weg oder, die schlimmere Befürchtung, entführt worden? Der sonst so faule Pablo gerät bei seinen Nachforschungen nach »The First« unversehens auf eine immer wahnwitziger werdende abenteuerliche Reise durch die Straßenschluchten Barcelonas (am Steuer eines Sportwagens, der aussieht wie der Panther Baghira): Eine absurde, groteske, humorvolle Geschichte beginnt. Eine höllische Fahrt voller abgefahrener Erlebnisse, gespickt mit pointierten Beobachtungen und spitzen Kommentaren, mit Web-Pages zweifelhaften Inhalts, mit gefährlichsten Begebenheiten und unmöglichen Verstrickungen, die sich atemlos bis zum Ende in immer rasenderem Tempo aneinander reihen. Bis am Ende alle Fäden der Handlung in einem überraschenden Finale zusammenfinden und unser Held feststellen kann: »Alles, was ich geschrieben habe, ist erfunden, also wahr.«

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Pablo José Miralles, genannt »Balu«, ist faul, politisch unkorrekt, Haschraucher, Mittdreißiger ohne erkennbare Ambitionen, überzeugter Junggeselle, Metaphysiker und Taoist. Sein Leben ist ausgefüllt mit Schlafen und Surfen im Internet; seine Lieblingsbeschäftigung: sich die Nächte um die Ohren schlagen. Im Hauptberuf ist er Sohn betuchter Eltern aus bester katalanischer Bourgeoisie.

Als sein älterer Bruder, genannt »The First«, Chef der prosperierenden Firma »Miralles & Miralles«, eines Tages spurlos verschwindet, gerät Pablos Leben aus den Fugen. Am Steuer eines extravaganten Sportwagens findet er sich unversehens auf einer immer wahnwitzigeren, abenteuerlichen Reise durch die Straßenschluchten Barcelonas: Eine absurde, groteske, zum Schreien komische Geschichte beginnt, eine höllische Fahrt voller abgefahrener Erlebnisse und unmöglicher Verstrickungen, die sich atemlos bis zum Ende in immer rasenderem Tempo aneinander reihen.

Das Beste, was einem Croissant passieren kann ist »ein ungemein origineller Roman« (Metro, Paris), »eine mysteriöse Intrige« (El Pais), ein Schelmenroman, ein schwarzer Thriller und gleichzeitig eine delikate, fein nuancierte und hochironische Studie unserer neuesten europäischen Moderne: humorvoll, intelligent, exzentrisch und doch auch ein realistisches Abbild unserer Zeit. Pablo Tusset zieht mit seinem unvergleichlichen Antihelden alle Register eines modernen Detektivromans und erfindet dabei mit einem Augenzwinkern das klassische Genre neu, indem er dem Leser diesen atemberaubenden Roman über »Die Stadt der Wunder«, über das wundervolle Barcelona schenkt.

PRESSESTIMMEN

»Ein Krimi, eine Satire, ein Unterhaltungsroman. Pablo Tusset hat uns Lesern einen sehr vergnüglichen Roman beschert, der frech und flott erzählt ist.«

ELKE HEIDENREICH

»Tusset ist das Beste, was einem Kritiker passieren kann. Manchmal bekomme ich ein Buch in die Hand, das ich nicht mehr weglegen kann. Dann wird meine Arbeit als Kritiker zum Vergnügen. Dann blättere ich schnurrend durch die Seiten (ja, ich bin wohl der einzige Literaturkritiker, der schnurrt, wenn er glücklich ist, das ist meine Katzenseele) … Wie soll man die Abenteuer des Helden dieses Romans, dieses Riesenbabys beschreiben, dem keine Abenteuer passieren. Sein Spitzname ist Balu, so wie der Bär aus dem Dschungelbuch, ein harmloser Alkoholiker in den Dreißigern, ein Nichtsnutz, sexuell besessen und ansonsten Sohn von Papa. Einer wie Dude aus dem Film The Big Lebowski von den Brüdern Coen, mit etwas mehr Geld allerdings. Unser Held nimmt uns mit auf eine Reise durch die Nacht in Barcelona, wo wir auf geizige Barmänner, müde Prostituierte und seinen älteren Bruder treffen, genannt: ›The First‹. Genauer gesagt ist der Bruder gerade verschwunden … Ich beneide Pablo Tusset, diesen jungen Autor aus Barcelona, wie gern hätte ich selbst so ein obskures und abgedrehtes Buch geschrieben, so urkomisch und völlig daneben. Wie Bukowski, wenn er seinen Jack Daniels gegen einen Joint eingetauscht hätte.«

FREDERIC BEIGBEDER

Pablo Tusset

Das Beste was einem

Croissant

passierenkann

Roman

Aus dem Spanischenvon Susanna Mende

Look for the bare necessitiesThe simple bare necessitiesForget about your worries and your strifeI mean the bare necessitiesAre Mother Nature’s recipiesThat bring the bare necessities of life

Das Lied von BaluTerry Gilkyson

Die Bruderschaft des Lichts

Das Beste, was einem Croissant passieren kann, ist dick mit Butter bestrichen zu werden. Ich erinnere mich, dass ich das dachte, während ich eines mit Pflanzenmargarine aus dem Sonderangebot beschmierte. Und ich weiß auch noch, dass ich gerade reingebissen hatte, als das Telefon klingelte.

Ich hob ab, obwohl ich wusste, dass ich mit vollem Mund sprechen musste:

»Mmmpf…?«

»Bist du da?«

»Nein, ich bin nicht zu Hause. Sprich mir eine Nachricht auf Band und lass mich in Frieden: Piiiiiiiiiiiiep.«

»Lass den Blödsinn. Was kaust du da?«

»Ich frühstücke.«

»Um ein Uhr mittags?«

»Ich bin eben heute früh aufgestanden. Was willst du?«

»Dass du ins Büro kommst. Es gibt Neuigkeiten.«

»Du kannst mich mal. Ich hab keine Lust rumzuraten.«

»Und ich telefoniere nicht gern. Es gibt Geld. Ich warte eine halbe Stunde auf dich, keine Minute länger.«

Er legte auf, und ich kaute weiter mein Croissant, während ich überlegte, ob ich mich duschen und rasieren oder meine erste Ducados rauchen sollte. Ich beschloss, beim Rasieren zu rauchen; die Dusche konnte warten, da mir wahrscheinlich niemand zu nahe kommen würde. Aber mit dem Dreitagebart sehe ich schon auf zehn Meter Entfernung aus, als hätte ich die Krätze. Doch sofort tauchten die ersten Probleme auf: Es gab weder Kaffee noch ein sauberes Hemd, dann musste ich das halbe Wohnzimmer auseinander nehmen, bis ich die Schlüssel fand, und als ich das Haus verließ, knallte mir die scheiß Sonne mitten ins Gesicht. Trotzdem mimte ich den Unerschrockenen und schaffte es bis zu Luigis Kneipe.

Für alle Fälle trat ich schwungvoll ein: »Luigi, mach mir einen Kaffee. Und heb mir zwei von den Croissants auf. Ich hab gerade das letzte gegessen. Lässt du die Dinger eigentlich Gewichte stemmen? Wenn dein Schwanz mal so hart wäre wie deine Croissants, wärst du besser drauf.«

»Hör zu, wenn du frische Croissants willst, dann zahl dafür den Thekenpreis, ansonsten hast du Pech gehabt und du isst die, die ich dir gnädigerweise schenke. Sind wir uns einig?«

»Pfff… weiß nicht, ob ich das Geschäft verstanden hab. Wenn ich wiederkomme, um den Kaffee zu bezahlen, erklärst du’s mir in Ruhe. Und gib mir noch ’ne Ducados, sei so nett.«

»Wieso jag ich dich eigentlich nicht auf der Stelle zum Teufel?«

»Weil ich in dieser versifften Spelunke zehn Mille lasse, wenn ich Kohle hab.«

»Ansonsten muss ich dir sogar die Zigaretten anschreiben… Ah, bevor ich’s vergesse. Fina war gestern hier und hat nach dir gefragt. Sie lässt ausrichten, dass du sie anrufen sollst. Hör mal, vögelst du Fina, oder was? Geile Titten hat die…«

»Du landest noch in der Hölle, du Ehebrecher.«

Die Sonne versuchte noch immer, den Leuten auf die Nerven zu fallen. Doch ich schaffte es, die Kneipe zu verlassen und die zwei Blocks zum Büro auf der Schattenseite der Bürgersteige zurückzulegen. Dreißig und ein paar Stufen später stand ich vor der Tür von »Miralles & Miralles, Finanzberater«. Der zweite Miralles bin ich; der Erstgeborene saß wohl seit sieben Uhr morgens da drin: rasiert, geduscht und mit Schlips. Ich warf ein »Hallo« in die Runde und fragte María, wie es so ging. »Wie du siehst, mein Lieber, im steten Kampf mit den Telefonen… Huch, bist du dick geworden…« – »Ich achte eben auf mich. Viel Fett und so wenig Bewegung wie möglich.« Ich sah, dass in den hinteren Büroräumen zwei Paare im Beratungsgespräch waren, und beschloss, bei den anderen Mitarbeitern keinen Aufruhr zu machen. Nur Pumares, der zwischen den Tischen hin und her ging, hob zum Gruß die Augenbrauen. Ich erwiderte den Gruß mit gleicher Mimik und begab mich direkt in das Büro von Miralles The First.

Er hatte mich bereits durch die verglasten Trennwände gesichtet. Es ist nicht einfach, ihn unvorbereitet zu erwischen.

»Willst du nicht mal die Klimaanlage einschalten, die Belegschaft krepiert sonst noch«, sagte ich gleich beim Eintreten, falls sich mein toller Bruder irgendeine Impertinenz als Begrüßung zurechtgelegt hatte.

»Das ist der Brand von deinem Kater, deshalb ist dir so heiß.«

»Schön wär’s, wenn du mich bei den Bilanzen nicht betrügen würdest.«

»Umso besser. Ich hab einen Auftrag für dich.«

»Ich dachte, du genügst dir selbst.«

»Einer muss ja die Drecksarbeit machen, und dir lag das schon immer.«

»Lässt du dich scheiden, ziehst du um…?«

»Ich lach später darüber, wenn’s recht ist. Du sollst für mich etwas herausfinden.«

»Ich nehme an, du gibst mir einen Tipp. Hat das, was ich herausfinden soll, vielleicht die Farbe Blau?«

»Ich suche den Eigentümer eines Grundstücks…, ein altes Gebäude in Les Corts. Fünfzigtausend Peseten, wenn du’s vor Montag weißt.«

Eines war klar: Wenn The First für einen Namen fünfzigtausend locker machte, dann war die Information so viel wert, dass das Geschäft ein paar Millionen abwarf. Illegal war es wohl nicht – The First machte nie etwas Illegales –, aber eins stank zehn Kilometer gegen den Wind: Der Geschädigte musste ein Rentner, ein Waisenkind oder die letzte Mönchsrobbe des Mittelmeers sein.

Ich versuchte mehr rauszuholen. Das schlechte Gewissen hat schließlich seinen Preis:

»Ich bin zurzeit ziemlich beschäftigt, weißt du?«

»Lässt du dir die Augenbrauen wachsen? Fünfzigtausend für einen Vornamen und die beiden Nachnamen, keinen Fünfer mehr. Sind wir uns einig?«

In einer halben Stunde zweimal das gleiche Ultimatum. Was für ein beschissenes Leben!

»Ich brauche einen Vorschuss.«

»Ich hab dir die Mieteinnahmen am Zehnten ausgezahlt. Erzähl mir nicht, dass du die Hundertfünfzigtausend bereits versoffen hast…«

»Ich hab auch noch die Zeitung und ‘ne Tube Zahnpasta gekauft. Ich will fünfundzwanzig jetzt.«

»Fünfzehn.«

Das ging in Ordnung; ich verzog das Gesicht und stimmte scheinbar widerwillig zu. Er rollte den Drehstuhl zurück und nahm aus der Schreibtischschublade die Kasse mit dem Bargeld. Fünfzehntausend war viel, mehr als ich für diesen Tag erhofft hatte. Ich überlegte, wie ich sie am besten investieren konnte, während Miralles The First die Summe in Geldstücken zu fünfhundert abzählte. Abgesehen von der im nobelsten Fitness-Studio des Viertels geformten Figur und dem Anzug eines Herrenausstatters mit dem Namen eines urspanischen Provinzlers war er der gleiche Geizhals wie der bei Dickens.

Ich trat auf die andere Seite des Schreibtischs und stellte mich neben ihn, um das Geld einzustecken.

»Danke, Tete«, sagte ich so deutlich, wie ich konnte, und das konnte ich gut.

»Ich hab dir schon tausendmal gesagt, du sollst mich nicht ›Tete‹ nennen.«

»Glaubst du, mir gefällt das? Ich mach das nur, um dich zu ärgern.«

Er reichte mir die Adresse auf einem Post-it und rümpfte dabei angewidert die Nase:

»Dusch dich mal. Du stinkst.«

Ich wartete mit der Antwort, bis ich an der Tür war:

»Das ist der Muff der Familie Miralles, Tete; der klebt auch an dir.«

Ich ging hinaus, so schnell ich konnte; sollte er doch allein unter seinem Prêt-à-porter von Prudencio Botijero toben. Irgendetwas hörte ich noch, doch seine Stimme blieb hinter mir zurück.

Eins zu null für mich. Und fünfzehntausend Peseten in der Tasche.

Als nächstes ging ich in den Supermarkt, um einzukaufen. Ich hatte Lust, eine große Schüssel Spaghetti mit viel Sahnesoße zu verdrücken. Und natürlich musste ich ein echtes Stück Butter kaufen, um die Croissants von Luigi damit zu bestreichen. Alles zusammen konnte man für tausend Peseten kriegen. Der Rest von den ersten fünftausend reichte für Kartoffeln, Eier, Schweinefleisch mit Clembuterol und Kalbfleisch vom Schwammhirn. Weitere zwei Scheine waren am Abend bei Luigi fällig; wenn ich abzog, was ich ihm schuldete, blieben mir noch viertausend zum Versaufen. Bei Luigi kann man sich mit dieser Summe ganz gut betrinken, eher als in jeder anderen Spelunke des Viertels mit den gesamten fünf Mille (und noch dazu kann man bei Luigi die letzten Gläser immer anschreiben lassen). Mit dem Rest der Fünfzehntausend würde ich mir Stoff besorgen. Ich hatte seit mindestens achtundvierzig Stunden keine einzige armselige Tüte mehr geraucht.

Nachdem ich überlegt hatte, was vorrangig war, ging ich in den Park an der Calle Ordina. Ich wollte sehen, ob Nico da war und damit als Erstes die Frage der Medikamentierung lösen. Ich hatte Glück und fand ihn, was am Vormittag nicht so einfach ist – ich nehme an, weil die Vormittage nicht meine Stärke sind. Er saß auf einer Parkbanklehne, die klobigen Stiefel auf dem Sitz. Ich erkannte seinen Freund, der neben ihm saß und aussah, als käme er gerade aus Mauthausen. Die Leute haben kein Maß; entweder ein Prêt-à-porter von Silverio Montesinos oder ein Nike-Jogginganzug, bei dem man vor lauter Firlefanz das Logo nicht mehr erkennen kann.

»Was willst du, Pisser?«

»Ein Piece für drei Mille.«

Nach einer Pause, die mich einen autistischen Anfall vermuten ließ, ging er mit der Bedächtigkeit eines Peripatetikers zum Rand des Parks. Ich blieb allein mit dem Kumpel aus Mauthausen, der nicht gerade gesprächig war.

»Sag mal, wie viel sind fünf Mille eigentlich in Euro wert?«, fragte ich den Typen, vor allem, um zu sehen, ob er noch am Leben war.

»Was weiß ich, Kumpel. Bleibt sich doch sowieso gleich…«

Das war alles, was der Freund von sich gab, aber ich wollte es auf einmal wirklich wissen. Wenn sechs Euro tausend Peseten sind, dann sind fünftausend Peseten dreißig Euro. Beinahe runde Summen, obwohl Nico mit Sicherheit eine Möglichkeit finden würde, die Ware mit der Umstellung zu verteuern. Währenddessen schien der Kumpel in einer Gedankenschleife zu hängen, die man besser nicht störte. Also zündete ich mir eine Ducados an und setzte mich auf die Bank, um zu rauchen. Das Gute an den kaputten Typen ist, dass man eine halbe Stunde neben ihnen sitzen und in Ruhe rauchen kann, und nichts passiert. Sie genügen sich selbst. Wohingegen dreißig Sekunden im Aufzug mit einem registrierten Windowsbenutzer die Geduld eines jeden erschöpfen. Klar sind die kaputten Typen in mancher Hinsicht tödlich: Sie sagen nichts Witziges, man kann kein Geld von ihnen leihen, und wenn einer von ihnen Verkehrspolizist oder Logikprofessor wird, kommt bei der Verkehrsregelung oder den kontrafaktischen Bedingungen nur ein fürchterliches Chaos raus. Ich holte das Post-it von The First aus der Tasche, um herauszufinden, ob die betreffende Adresse in der Nähe war. »Jaume Guillamet 15« hatte er in seiner tollen Schrift notiert. Ich unterhielt mich damit, mich an das Gebäude zu erinnern. Ich kenne die Straße gut, die Nr. 15 musste im oberen Abschnitt liegen. In meinen Gedanken unternahm ich einen Spaziergang die Guillamet hinauf, wobei ich mir sämtliche Gebäude links und rechts ins Gedächtnis rief. Wer eine ähnliche Übung macht, wird bald von einer meiner originellsten Hypothesen – irrtümlicherweise Parmenides zugeschrieben – überzeugt sein, dass nämlich die Wirklichkeit ein paar riesige Löcher hat. Mittendrin kehrte Nico mit dem Piece zurück, damit war diese Astralreise beendet. Ich verabschiedete mich von ihm und seinem Kumpel mit dieser falschen Höflichkeit, mit der man von oben sein Kamel anspricht, und verließ den Park durch den unteren Ausgang. Der Tag hielt Joints, gutes Essen und alkoholische Getränke bereit. Nur die Aussicht, Fina zu treffen, bewölkte den Horizont ein wenig. Man weiß ja, dass die Frauen ein Fass ohne Boden und dazu fähig sind, die gesamte Aufmerksamkeit aufzusaugen, die man ihnen widmet. Und damit das klar ist, ich meine die, die nicht für die Bumserei kassieren, und leider kassierte Fina nicht, jedenfalls nicht in bar.

Um die Hausnummern der Jaume Guillamet zu überprüfen, geriet ich auf dem Weg zum Supermarkt ein wenig auf Abwege.

Von Santa Clara aus war die erste Nummer, die ich sah, die 57. Ich musste die Straße nur hundert Meter hinaufgehen. Schon von weitem konnte ich sehen, für welches Haus sich The First interessierte. Ich war schon so oft daran vorbeigelaufen, dass es mir nie in den Sinn gekommen war, es mir genauer anzuschauen, obwohl es eindeutig nicht in die Gegend passte; ein Haus aus der Jahrhundertwende mit einem Garten und umgeben von einer Mauer, hinter der ein paar Bäume aufragten. Kaum zu begreifen, wie zum Kuckuck dieses Relikt zwischen den acht- oder neunstöckigen Häuserblocks überlebt hatte, mit blinden Fenstern und einem Garten, der den Bürgersteig in seiner gesamten Breite unterbrach. Seinetwegen wirkte dieser Straßenabschnitt wie ein Gemälde von Delvaux oder Magritte: Ruinen, Statuen, Haltestellen ohne Züge und Reisende, eine bestimmte Art von Abwesenheit und beunruhigender Reglosigkeit; ein Gemälde von etwas, das fehlt. Natürlich hatte ich nicht vor, auf die Klingel zu drücken, falls es überhaupt eine gab. Die Stimme der Vernunft empfahl mir, diesen Schritt für später aufzuheben, wenn ich geduscht und anständig angezogen wäre und einen guten Vorwand zu bieten hätte, falls mir jemand die Tür öffnete. Im Vorbeigehen hielt ich mich allerdings ein wenig davor auf. Die Mauer war ungefähr zwei Meter hoch, und das Efeu, das sie überwucherte, war üppig, was vermuten ließ, dass das Gebäude nicht gänzlich unbewohnt war. Auf der Suche nach einem Eingang umrundete ich den kleinen Garten und hielt Ausschau nach einem Türschild oder einer Klingel. Ich war so abgelenkt, dass ich in einen Haufen Hundescheiße trat, als ich um die erste Ecke bog. Echte Hundescheiße, eine Rarität, seit alle Welt die Häufchen ihres Euro-Maskottchens mit einer Tüte von Marks & Spencer beseitigt. Ich versuchte die Scheiße loszuwerden, doch der Dreck klebte an der Innenkante des Absatzes, und ich musste mir den Schuh ausziehen. Ich hielt nach einem Stück Papier oder etwas Ähnlichem Ausschau. Angelehnt an den Telefonmasten, der direkt an der Mauer aufragte, fand ich eines dieser roten Stoffstücke, wie man sie normalerweise bei einem Fahrzeug an eine überstehende Ladung hängt. Richtig überzeugt war ich nicht davon, nicht mehr nach Rassehund zu riechen, sobald ich den Supermarkt betreten würde, aber ich ließ es dabei bewenden, als der Stofffetzen nicht mehr anzufassen war.

Da Detektivarbeit sofort in Stress ausartet, beendete ich damit meinen Arbeitstag. Ich ließ den Fetzen auf den Boden fallen (es gefällt mir, schon beim bloßen Hinschauen feststellen zu können, dass ich in Barcelona und nicht in Kopenhagen lebe) und machte mich auf den Weg zum Supermarkt.

Bei Dia hat man immer das Gefühl, sie drehen einen Vietnamfilm. Ich weiß nicht recht, aber es ist billiger als bei Caprabo de la Illa, wo man dauernd damit rechnen muss, Fred Astaire und Ginger Rogers in der Tiefkühlabteilung Polka tanzen zu sehen. Ich fügte den geplanten Hamsterkäufen sämtliche Schweinereien eines Spontankaufes hinzu, die ich in dem Durcheinander zwischen ungeöffneten Pappkartons fand und die aussahen, als wären sie gerade an Fallschirmen von einer Herkules abgeworfen worden. In der langen Schlange an der Kasse stellte ich zufrieden fest, dass die Rechnung die vier Mille kaum überschritt. Außerdem hatte ich in einem Anfall von Voraussicht in einem Tabakladen ein Päckchen Fortuna für die Joints gekauft.

Zu Hause brachte ich gerade noch die Geduld auf, mir den ersten Joint vor dem Duschen zu verkneifen (sogar ich selbst stellte langsam fest, dass ich nach Tanzbär roch), doch sobald ich wie ein siegreicher Wassergott aus der Dusche gestiegen war, setzte ich mich tropfend aufs Sofa, um mir einen zu drehen. Ich baute mir ein richtig dickes Horn, und nach zwei Tagen der Enthaltsamkeit dauerte es nicht lange, bis ich ein angenehmes Kitzeln spürte. Schade, dass der Zustand des Wohnzimmers nicht mit der Sauberkeit meiner frisch geduschten und desodorierten Person zu vergleichen war. Meine bourgeoisen Laster verschlimmern sich nach dem Duschen jedes Mal; vielleicht dusche ich deshalb so selten wie möglich. In der Hoffnung, dass mir beim Betrachten der Leere die Lust am Putzen vergehen würde, starrte ich auf die tote Mattscheibe. Unglaublich, wozu eine ausgeschaltete Glotze in der Lage ist: Du sitzt davor, und sie spiegelt dir ein Bier vor.

Nur das Klingeln des Telefons konnte mich zum Planeten Erde zurückholen.

»Jaaaa?«

»Guten Taaag. Ich rufe vom Zentrum für Statistische Erhebungen an. Wir machen eine Umfrage zu Tonträgern. Wären Sie so freundlich, uns für einen Moment Ihre Aufmerksamkeit zu schenken? Es dauert nicht lange.«

Die zuckersüße Stimme eines Mädchens, das Telefonmarketing macht und dem es trotz allem nicht gelingt, seine schlechte Laune zu verbergen, weil es den Job hasst. Aber das Schlimmste war, dass die Nummer mit der Umfrage ganz nach einem Vorwand dafür aussah, mir etwas verkaufen zu wollen.

Ich beschloss, es ihr nicht leicht zu machen:

»Eine Umfrage…? Toll, ich liebe Umfragen.«

»Ach ja? Na, da haben Sie ja Glück… Könnten Sie mir bitte Ihren Namen sagen?«

»Rafael Bolero.«

»Rafael Bolero wie weiter?«

»Trola. Rafael Bolero Trola.«

»Sehr schön, Rafael. Wie alt sind Sie?«

»Zweiundsiebzig.«

»Beruf?«

»Bäcker?«

»Bäcker, wunderbar. Mögen Sie Musik?«

»Oh, sehr sogar.«

»Jaaa? Und welche Art von Musik?«

»Den Messias von Händel und Blasmusik, in dieser Reihenfolge.«

Die Tussi bekam erste Zweifel, aber sie gab sich noch nicht geschlagen. Als Nächstes fragte sie, ob ich Radio hörte und fernsah, ob und welche Zeitung ich las, um endlich, nachdem sie mir das gesamte Programm aufs Auge gedrückt hatte, zum Punkt zu kommen:

»Sehr schön, Rafael… Als kleines Dankeschön für Ihre Mithilfe und weil Sie klassische Musik mögen, möchten wir Ihnen eine Kollektion mit drei Tonträgern, Kassetten oder CDs, schenken. Sie müssten lediglich die Versandkosten übernehmen: zweitausendvierhundertzwölf Peseten. Einverstanden?«

»Ach, also das tut mir Leid, aber das müsste ich erst mit meinem Mann besprechen…«

Meine Stimme ist eindeutig männlich, vom Typ Grabesstimme, und die Tussi war ziemlich perplex, also genau der richtige Moment, um loszulegen:

»Huch, ach entschuldigen Sie, wundern Sie sich nicht, wir sind tatsächlich ein homosexuelles Paar, wissen Sie? Wir leben zusammen, seit wir aus der Entzugsklinik raus sind, und vor einem halben Jahr haben wir eine Konditorei aufgemacht. Wir haben da einen Kunden, der bei uns Windbeutel kauft (auch wenn ich’s nicht sagen sollte, aber wir haben ein paar göttliche Windbeutel), und der hat uns in die Bruderschaft des Lichts eingeführt… Sie kennen die Bruderschaft doch?«

»Äh… nein…«

»Huuuh, also die müssen Sie kennen lernen. Wir sind begeistert. Stellen Sie sich vor, morgens missioniert mein Mann, und ich bleibe in der Konditorei. Am Nachmittag tauschen wir… Dann sind Sie also noch nicht erleuchtet?«

»Nein, nein…«

»Nein? Machen Sie sich nichts daraus, das kommt schon in Ordnung. Mal sehen, wie heißen Sie?«

Die Tussi hatte langsam die Faxen dicke.

»Nein, also…«

»Oder besser noch: Geben Sie mir Ihre Adresse, und heute Abend komme ich vorbei und wir unterhalten uns, okay?«

»Nein, tut mir Leid, es ist uns nicht gestattet, unsere Adresse herauszugeben…«

»Es ist Ihnen nicht erlaaauuubt? Kein Problem; ich kann Ihren Anruf sofort über den Computer lokalisieren und schicke Ihnen eine Große Lesbische Schwester, damit sie mit Ihrem Chef spricht, okay? Ah, die Daten erscheinen bereits auf meinem Bildschirm… Sie rufen aus Barcelona an, stimmt’s? Wenn Sie noch einen Augenblick warten, erscheint gleich die genaue Adresse…«

Das war zu viel für sie; ich hörte das Klicken des Telefons, das eilig aufgelegt wurde.

Mission erfüllt. Ich nahm einen tiefen Zug von meinem Joint und setzte gut gelaunt Wasser für die Spaghetti auf. In diesem Moment wusste ich weder, was bei Miralles & Miralles geschah, noch in welchen Schlamassel ich demnächst geraten würde.

Überstehende vordere Ladung

Ich wurde von einem heftigen Donnern aus der Siesta geweckt, BRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRM! Ich träumte gerade von ein paar ganz gemeinen Kreaturen, die vor allem die Fähigkeit besaßen, ihre Beine in die Erde zu rammen, sie in Wurzeln zu verwandeln und unbegrenzt in pflanzlicher Form zu überleben. Sie hatten sogar einen Namen: Borzogs. Eine seltsame Hybridform zwischen Brennnessel und Kobold. Man lief ahnungslos zwischen ihnen umher, und ganz plötzlich, dong, gerieten sie in Bewegung, zogen die Wurzeln aus dem Boden, die sich wieder in Beine verwandelten, und bissen dir erbarmungslos in die Waden, die verdammten Biester.

Es war schon nach sieben, und es goss wie aus Kübeln. Frühlingsgewitter, kurz aber heftig, und ich wurde wieder munter, indem ich vom Fenster aus den Regenvorhang betrachtete. Barcelona ist eine Wucht, wenn es regnet; rein gewaschen von den Wassermassen, bekommen die Bäume wieder ihr Grün, die Briefkästen ihr Gelb und die Dächer der Busse ihr Knallrot. Ich weiß nicht, was verdammt noch mal mit den Bussen von Barcelona los ist, dass sie oben immer voll Dreck sind. Außer wenn es regnet, und alles wird grün, blau, rot, Grundfarben auf Dunkelgrau, und die Stadt gleicht einem Spielzeug, einer Carrerabahn oder einem Satz Legosteine. Ich setzte Kaffee auf, um mich dem zweiten Erwachen des Tages zu stellen, das abends viel angenehmer ist, und drückte den Radioknopf. Ein langsames Stück wurde gespielt, die honigsüße Stimme einer Schwarzen und lange Saxophonphrasen. Danach schaltete ich den Computer an. Während er lud und der Kaffee kochte, drehte ich mir einen Joint. Dann pflanzte ich mich vor den Bildschirm und ging ins Netz. Mal sehen.

Zwölf Nachrichten. Drei davon Werbung. Die anderen neun hatten mehr zu bieten. Ich ging sie oberflächlich durch, um vorzusortieren: John aus Dublin, wie’s denn so geht, »I’ve been writing some Primary Sentences these days and here I send you a few«, et cetera; die vom Patentamt, die mir die angeforderten Informationen nicht geben konnten, Bla-bla-bla; Lerilyn aus Virginia, die ihre Landsleute nicht ertrug und Barcelona sehr vermisste, Küsse mit G und Bis bald mit t… Bei einer Nachricht vom Boston Philosophy College, das mich zu einem Vortrag während der Sommerkurse einlud, hielt ich mich etwas länger auf. Ich dachte nicht im Traum daran, teilzunehmen, aber um mein Ego zu stärken, verweilte ich ein wenig dabei. Auf der Straße bin ich ein Niemand, aber im Netz habe ich einen Namen, und von meinen bourgeoisen Lastern ist ein Rest von Eitelkeit geblieben. Die anderen sechs Nachrichten waren aus der Mailingliste des Metaphysical Club. Ich ging aus dem Netz, um sie in Ruhe zu lesen. Sofort sah ich, dass alle auf meine letzte Nachricht Bezug nahmen. »Wenn jedes Wort eine Begrifflichkeit schafft, genügt es zu sagen, ›all das, was nicht existiert‹, damit alles, was nicht existiert, Realität wird«, widersprach mir ein gewisser Martin Ayakati mit einem Maß an Logik, das zwar mangelhaft, aber trotzdem beachtenswert war.

Ich zwang mich, systematisch vorzugehen und zu antworten, während ich las. Ich klickte auf das Antwortfeld und schrieb auf Spanisch:

»Zu sagen ›All das, was nicht existiert‹, begründet tatsächlich ein Konzept; aber es bringt nicht mehr hervor als den Begriff, das heißt, eine gewisse Entität von dem, was wir nicht kennen, außer dass es die Bezeichnung bekommt ›All das, was nicht existiert‹. Bedenken Sie, dass eine Frau den Namen ›Rose‹ tragen kann, was nicht heißen muss, dass sie Dornen hat…«

Gerade als ich in Fahrt geriet, klingelte das Telefon. Das sollte wohl der Tag der telefonischen Unterbrechungen werden.

»Jaaa.«

»Ich versuche seit einer Viertelstunde, dich zu erreichen, und du telefonierst die ganze Zeit.«

Es war The First. Er musste angerufen haben, während ich die Mails abfragte.

»Was zum Henker willst du schon wieder? Wir sind für Montag verabredet, oder?«

»Vergiss die Sache.«

»Waaas?«

»Du sollst sie vergessen. Die Information interessiert mich nicht mehr.«

»Ach nee? Mich aber schon, mich interessieren nämlich die Fünfzigtausend.«

»Bestimmt hast du noch nicht einmal damit angefangen, sie dir zu verdienen.«

»Und ob. Sie nehmen mentalen Raum ein. Und Geschäft ist Geschäft: Du schuldest mir die Kohle.«

»Na gut, behalt die Fünfzehntausend, die ich dir vorgeschossen hab.«

Das war wirklich seltsam. Ich musste die Chance nutzen und ihn bluten lassen.

»Die Fünfzehntausend sind bereits weg. Und ich habe einen anderen Job abgelehnt, weil ich damit gerechnet hatte, die restlichen Fünfunddreißigtausend am Freitag von dir zu kriegen. Jetzt lass dir mal was einfallen.«

»Schon gut, nerv mich nicht. Komm morgen vorbei, und du kriegst den Rest. Aber vergiss die Sache, hörst du. Vergiss es.«

Merkwürdig: The First schenkte mir ohne mit der Wimper zu zucken fünfzigtausend Peseten, ohne zu streiten, ohne zu feilschen oder sich mit mir anzulegen. Bestimmt hatte er irgendein dickes Ding am laufen, wenigstens ließen seine entschiedenen Worte so etwas vermuten. »Vergiss es« war ein seltsamer Befehl; jetzt ist mir klar, dass er beunruhigt war, aber in dem Moment kam er mir nur ungeduldig vor. Eine Ungeduld, die mir in den Kram passte, damit ich das Gespräch beenden konnte, bevor er es sich anders überlegte:

»Also gut, ich komme morgen vorbei. Jetzt hab ich zu tun… Und falls du noch mal anrufen musst, tu mir den Gefallen und lass es nicht so laut klingeln.«

»Warte, da ist noch etwas.«

»Was?«

»Papa; er hat sich ein Bein gebrochen.«

»Ein Bein?… Wozu?«

Das war kein Scherz, die Nachricht überraschte mich wirklich. Mein Herr Vater tut nie etwas ohne gerechtfertigten Grund.

»Ein Unfall. Ein Auto hat ihn angefahren. Er hat mich aus dem Krankenhaus angerufen, und ich habe ihn abgeholt. Mama ist ganz aus dem Häuschen. Hat sie dich nicht angerufen?«

»Nein… Ist es schlimm?«

»Nein. Sie haben das Bein bis zum Knie eingegipst. Der Gips bleibt ungefähr einen Monat dran, aber er hat schlechte Laune, weil sie am Wochenende eigentlich nach Llavaneras fahren wollten, um den Sommer über dort zu bleiben. Schau so bald wie möglich bei ihnen rein, sei bitte so lieb. Die beiden sind ein bisschen von der Rolle.«

Es war das erste Mal, dass mich The First um einen solchen Gefallen bat, aber das eigentlich Seltsame, ja Alarmierende war, dass er »Bitte« gesagt hatte. Vielleicht war ihm der Unfall unseres Vaters an die Nieren gegangen – wer weiß, ob mein toller Bruder unter dem Prêt-à-porter von Lorenzo Barbuquejo nicht doch noch ein wenig Herz besaß –, trotzdem war es eine einmalige Sache, dass ihm die Kohle so locker saß.

Ich nahm noch mal den Hörer ab und wählte die Nummer vom Hauptquartier der Miralles. Ich weiß nicht, es muss ein Anfall brüderlicher Zuneigung gewesen sein.

Meine Frau Mutter war selbst am Apparat, was ungewöhnlich war. Ihren ersten Worten entnahm ich, dass sie den Schrecken überwunden hatte, aber sie war noch immer durcheinander. Um ein wenig Fürsorglichkeit zu demonstrieren, fragte ich sie, weshalb man mir nicht sofort Bescheid gesagt hatte.

»Glaub mir, Pablo José, seit dieser Sache schwirrt mir der Kopf. Außerdem habe ich angerufen, aber du warst nicht da, und dann habe ich es in dem Durcheinander vergessen. Dein Bruder hat ihn vom Krankenhaus abgeholt.«

»Ist er in der Nähe? Kann er ans Telefon kommen?«

»Nein, lass, er hat sich hingelegt. Er ist furchtbar schlecht gelaunt. Du kommst ihn doch besuchen?«

Ich weiß nicht, weshalb ich Ja sagte, aber ich tat es:

»Also gut, ich kann morgen früh kurz reinschauen. Ich muss ins Büro zu Sebastián und komme auf dem Weg vorbei.«

»Schön. Komm so um eins, und wir nehmen einen Aperitif.«

Das zwang mich, zum Mittagessen zu bleiben. Na gut…, ausnahmsweise.

Ich drehte noch einen Joint und schenkte mir Kaffee ein, um mich dann wieder in meine Post zu vertiefen, aber ich konnte nicht. Eigentlich war alles nicht so schlimm: HV hatte sich die Flosse ein wenig zerbeult und The First einen schwachen Moment gehabt. Nichts wirklich Aufsehen Erregendes; aber es ist nichts Neues, dass meine Birne ihr Eigenleben hat, und wenn sie sich nicht konzentrieren will, kann man nichts machen. Ich stand von meinem Hocker auf und ging wieder zum Fenster. Der Regen hatte aufgehört. Im Radio lief ein Lied von El Último de la Fila; diese Stimme, die jedem Quatsch, den sie singt, etwas Transzendentales verleiht, machte mich ganz melancholisch. Ich ließ den Blick durch das Wohnzimmer schweifen, ein wahres Schlachtfeld breitete sich vor meinen Augen aus. Fast befürchtete ich, dass in diesem Dschungel ein Borzog auftauchen könnte, um sich auf mich zu stürzen und mir in die Wade zu beißen. Die Vorstellung bereitete mir solches Unbehagen, dass mich ein weiteres bourgeoises Laster auf den Gedanken brachte, endlich einmal sauber zu machen. Ich beschloss, im Schlafzimmer, dem Auge des Orkans, anzufangen. Aber unter einem Berg von Unterhosen, die am Fuß des Bettes lagen, fand ich eine alte Sonntagsbeilage von El País. Während ich mich zu erinnern versuchte, weshalb ich sie mit nach Hause genommen hatte, las ich mich fest. Dank dieses subtilen Ablenkungsmanövers schaffte ich es, die Unterhosen da liegen zu lassen, wo sie waren, und mich in die Küche zu begeben, um etwas Essbares aufzutreiben. Ich hatte einen mörderischen Appetit auf kross gebratene Spiegeleier und einen Teller Pommes mit Mayo. Der frisch gefüllte Kühlschrank hatte einiges zu bieten.

Kaum hatte ich mich ans Werk gemacht, klingelte zum vierten Mal an diesem Tag das Telefon; es war genau der Moment, in dem die Kartoffeln in der großen Pfanne goldbraun wurden und das Öl für die Eier in der kleinen zu qualmen anfing.

»Ja.«

»Halooooo, wie geeeeht’s…«

Ich hasse Leute, die ihren Namen nicht sagen, wenn sie anrufen. Jeder bildet sich ein, man müsste augenblicklich seine Stimme erkennen, sogar durch eine beschissene Sprechmuschel. Aber diese erkannte ich sofort: Es war Fina.

»Ich brate mir gerade ein paar Eier.«

»Und. Was gibt’s sonst?«

Außerdem kann ich es nicht leiden, wenn mich jemand anruft und erwartet, dass ich das Gespräch in Gang halte. Ich finde, der Anrufer soll zumindest ein Stichwort liefern. Fina ist da anderer Meinung.

»Nichts. Ich sag doch, ich bin am Eier braten.«

»Um diese Zeit?«

»Was soll das? Darf man vor Sonnenuntergang keine Eier essen?«

Gelächter. Wenn mir an Fina außer ihren Titten etwas wirklich gefällt, dann, dass sie über meine Späße lachen kann. Das rettet sie.

»Hör mal, mir brennen die Kartoffeln an.«

»Waren es nicht Eier?«

»Eier und Kartoffeln. Pommes. Frittiert in Öl. Olivenöl.«

Sie ließ ein gekünsteltes Kichern hören und kam endlich zur Sache:

»Wollen wir uns später treffen?«

»Wann?«

»Ich weiß nicht. So um neun vielleicht. Bei Luigi?«

Die Kartoffeln waren verbrannt, schmeckten aber trotzdem gut. Ich schlang sie mit reichlich Mayonnaise hinunter, um den Eiern nachzuhelfen, und saß schließlich mit breit gespreizten Beinen auf dem Sofa. Trägheit befiel mich; ich bekam Lust, fernzusehen und mir eine Tüte Erdnüsse reinzuziehen, sobald ich wieder Kohldampf hätte. Ich finde, ich sehe weniger fern als ich sollte. Außerdem schaue ich immer in den Morgenstunden, wenn einem nichts anderes übrig bleibt, als zwischen der Werbung von Dunlopillo und irgendeinem Filmklassiker zu wählen. Ich entscheide mich natürlich immer für Dunlopillo, aber bei der dritten Wiederholung fange ich doch an, ein gutes Programm mit Spitzeneinschaltquote bei Telecinco zu vermissen, mit diesen Dekorationen voller Treppchen und Sprungbretter. So hatte ich mir immer den Himmel vorgestellt, den uns die Maristen dafür versprachen, dass wir in der Kapelle nicht an uns herumspielten. Kurz und gut, ich erhob mich widerwillig vom Sofa und stöberte auf der Suche nach etwas Sauberem zum Anziehen eine Weile im Schrank herum. Ich fand ein altes Polohemd. Als ich aber die Arme hob, merkte ich, dass es mir am Bauchnabel aus der Hose rutschte. Da fiel mir ein, dass ich einen Spiegel in der Wohnung hatte, und ich schaute hinein: eine ein Meter achtzig große Wurst, hineingepresst in ein Fred Perry aus den Zeiten von Starsky und Hutch. Ich begann noch mal zu wühlen und stieß auf ein passendes Hemd für meine Statur, wenn auch der Kragen von den Bartstoppeln abgewetzt war. Wer zum Teufel würde schon meinen Hemdkragen beäugen? Fina, ja; aber Fina ist eine Vertrauensperson, und ihr ist es egal, wie ich meine Kragen trage. Das Schlimmste war das Völlegefühl; die Eier, die Mayonnaise, die Anstrengung, den Hocker vor dem Schrank hinauf- und hinabzusteigen… Glücklicherweise konnte ich einen langen und lauten Furz lassen, der einen halben Liter Darmvolumen freimachte und Raum für die Kartoffeln schuf.

Als ich in die Kneipe kam, war es schon fast halb zehn, aber Fina verspätet sich normalerweise noch mehr als ich. Es war die Hundestunde. Nach dem Abendessen verlassen alle Unangepassten des Viertels die Wohnung unter dem Vorwand, den Hund rauszulassen, und landen in Luigis Kneipe, so dass es dort wie bei einem Hundewettbewerb aussieht. Hinter dem Tresen schufteten Luigi und Roberto, der Kellner von der Nachtschicht. Über Roberto gibt es nicht viel zu sagen, er lässt sich gut mit einem einzigen Substantiv charakterisieren: Er ist Mexikaner. Obwohl man es ihm in Wirklichkeit nur anmerkt, wenn er spricht, denn das Volksliedersingen ist nicht sein Ding. Ich bestellte ein Bier bei ihm und lehnte mich an den Tresen. Im Fernsehen lief das Remake von Die Fliege, und ein Pärchen, das am Tisch saß und Tintenfisch aß, schaute angewidert drein. Ich trank die Birra fast in einem Zug aus und bestellte noch eine. Luigi und Roberto waren beide an den Tischen so beschäftigt, dass ich aus Mangel an Unterhaltung weiter fernsah. Der Held war im Gesicht schon über und über mit Blasen bedeckt, kurz davor zu krepieren, und hatte Ticks wie ein Insekt, die seinen ganzen Körper durchschüttelten: »Wenn du nicht gehst, dann werde ich dir, glaube…, glaube ich…, weh tun«, sagte der Fliegenmensch zu seiner Freundin, während ihm der Speichel heruntertropfte. Ich trank das zweite Bier aus und machte mit einem dritten weiter. Ich hasse es, aus meinem Leben einen inneren Monolog zu machen, also ließ ich den Fernseher bis zum Filmende nicht aus dem Auge und flirtete vage mit einem Boxer, während das Herrchen seinen Lohn an den Spielautomaten verfütterte. Als Fina auftauchte, hatte ich schon beinahe vergessen, dass ich auf jemanden wartete, aber um genau zu sein, müsste man sagen, dass ihr Erscheinen eher der Ankunft des Heilands glich. Sie trug ein Strickkleid, das sich hauteng über jeden Millimeter ihres Körpers einschließlich der Titten spannte, jedoch nur bis ungefähr fünfzehn Zentimeter über der Pussy; der Rest bis zu den Dominastiefeln waren Strümpfe mit rautenförmigem Muster. Außerdem hatte sie sich die Haare, die sehr kurz und im Nacken geschoren waren, orange gefärbt. Die Lippenkonturen waren betont geschminkt, und sie trug einen langen, schimmernden Ohrring, der auf ihr Dekolletee zeigte, falls man noch nicht hingeschaut hatte. Die am Spielautomaten verloren einen Dreifachbonus, dem mit dem Tintenfisch tropfte Öl aufs Hemd, und Luigi verschluckte sich fast. Er war der erste, der sie begrüßte; er kam nach vorn an den Tresen, um Begrüßungsküsse abzufordern, und mit unverhohlener Schlüpfrigkeit flüsterte er ihr etwas zu: Lange nicht gesehen, du hier oder etwas Ähnliches. Solange die Zeremonie nicht beendet war, konnten wir kein Bier bestellen und es uns an einem der hinteren Tische gemütlich machen.

»Ich hab mir die Beine rasiert«, sagte Fina, kaum dass sie sich gesetzt hatte. Das war ihre Entschuldigung dafür, dass sie zwei Stunden zu spät kam. Sie brachte es mit dieser gut gespielten Schüchternheit vor.

»Und dein Mann?«

»In Toledo. Eine Präsentation von Hewlett-Packard-Produkten.«

»Wieso bist du nicht mit ihm gefahren?«

»Ich hatte keine Lust. Es ist sowieso besser, wenn er alleine fährt. Abends betrinken sie sich mit denen von der Konkurrenz in irgendeinem Topless und diskutieren darüber, ob das Druckbild vom Ink-Jet besser ist als das vom Laser. Und wenn ich mitkomme, vermassle ich ihnen das mit dem Topless, und sie müssen in einer Kneipe diskutieren.«

»Das Kleid steht dir gut.«

Ich musste es ihr sagen, verdammt, für irgendetwas hatte sie sich schließlich zwei Stunden lang aufgedonnert.

»Gefällt es dir? Ich hab’s schon eine Weile, aber ich zieh es nie an.«

»Es ist auch nicht nur das Kleid. Du siehst wirklich scharf aus.«

»Oh… Lange her, dass du mir solche Sachen gesagt hast.«

»Ist auch schon ’ne Weile her, dass ich deinen Body so deutlich gesehen habe.«

»Muss wohl daran liegen, dass du es nicht möchtest…«

Touché. Dem konnte ich nur entkommen, indem ich irgendeinen Blödsinn machte. Ich zog das Gesicht eines Fliegenmenschen, der von Krämpfen geschüttelt wird:

»Wenn du nicht gehst, dann werde ich dir, glaube…, glaube ich…, weh tun.«

»Und wieso?«

Fina hatte den Streifen nicht gesehen. Ich versuchte es mit dem Gesicht eines sommersprossigen Kindes, das mit Yankeeakzent singt:

»Qué seraaá, seraaaá, what ever will be, will be…«

Sie lachte aus vollem Halse, während sie die Hand vor den Mund schlug. Als das Gelächter abebbte, bat sie mich, noch einmal dieses Gesicht zu machen, bitte, bitte, bitte. Ich weigerte mich. Sie bestand darauf. Ich wurde langsam nervös. Wegen meines nervösen Ausdrucks gab es noch mehr Gelächter… Zum Glück kam Luigi mit den Bieren. Er zog einen Stuhl heran und setzte sich neben Fina.

»Und dein Mann?«

»In Toleeeeedo.«

»In Toledo? Und was zum Donnerwetter macht er in Toledo, wo er eine solche Frau hier hat?«

Ich mischte mich ein, um den armen José María zu verteidigen:

»Und was zum Donnerwetter machst du hier, außer uns auf die Nerven zu fallen, wo du eine Frau zu Hause hast?«

»Meine Frau ist nicht so knackig wie diese hier.«

»Das sag ich ihr, sobald ich sie sehe.«

»Bah, glaubst du, sie weiß das nicht?«

»In Toledo also, hmm…«, wandte er sich wieder an Fina. »Ich bin hier, wie du siehst, ganz zu deinen Diensten.«

Fina bekam Lust, sich interessant zu machen.

»Ach ja, und welche Dienste hast du anzubieten?«

»Kompletter Service. Und umsonst.«

»Das fehlte noch…«

»Täusch dich nicht: Männer wie ich stehen hoch im Kurs.«

»Ja, um Kraftfutter draus zu machen«, warf ich ein.

»Du hältst den Mund, ich rede nämlich mit dem Fräulein.«

»Frau, wenn’s recht ist. Ich bin verheiratet.«

»Schon, aber ein Ehemann in Toledo ist wie ein Onkel in Alcalá.«

»Er kommt am Freitag zurück.«

»Dann bleiben uns zwei Tage…«

Da Luigi beschäftigt war, ging ich an die Bar, um mir Zigaretten zu besorgen und mein Bier zu leeren. Ich musste acht oder zehn intus haben, und langsam wurde ich betrunken. Aber noch war die Nacht nicht vorüber. Die nächsten beiden Stunden vergingen mit der üblichen Mischung aus Vertraulichkeiten von Fina und Anzüglichkeiten von Luigi, der sich in jeder Ruhepause zu uns an den Tisch setzte. Roberto ist da etwas zurückhaltender, er kommt hin und wieder nach hinten, um eine Zigarette zu rauchen, manchmal, um einen Anruf auf seinem Handy entgegenzunehmen, das an einem schmalen Gürtel hängt, aber er setzt sich eigentlich nicht zu den Gästen. Der eine oder andere Stammgast taucht ebenfalls an unserem Tisch auf, wir reden irgendeinen Blödsinn, und wenn das Gespräch nicht obszön genug ist, geht er wieder. Zwischendurch sind Fina und ich allein und versuchen, unser Gespräch fortzusetzen, was gar nicht so schlecht ist, denn manchmal hilft es, ein Gespräch zu unterbrechen, um den Faden nicht zu verlieren – die Hypnose des Huhns, das auf einer weißen Linie entlangläuft –, und weil Fina eine Frau, das heißt ein Loch ist, kann man, verschluckt von der Leere, für immer verschwinden, wenn man sich nicht an den Rändern festklammert. Schließlich machten wir uns kurz nach halb drei noch auf zu einer anderen Tankstelle, nach dem üblichen Wodka an der Bar und einer komischen Abschiedsszene mit Roberto und Luigi. Ich konnte alles bezahlen, sogar die Schulden vom Morgen, aber der Absacker im Bikini würde auf Finas Rechnung gehen. Diesen Moment nutzt sie immer, um sich an meinen Arm zu hängen und ihre Wange an meine Schulter zu legen, während wir die Jaume Guillamet hinaufschlendern. Das Resultat war eine leichte Zickzackbewegung, die man mit dem gedankenverlorenen Schlendern von Verliebten verwechseln konnte.

»Du bist schön anschmiegsam.«

Sagt sie zu mir, während sie mit der ganzen Hand einen Deltamuskel packt.

»Klar, weil ich dick bin. Wenn du nicht versuchen würdest abzunehmen, wärst du ebenfalls anschmiegsam.«

»Oh nein. Ich muss noch mindestens fünf Kilo runter.«

»Sei nicht blöd. Fünf in Wärme umgewandelte Kilo Titten und Arsch fördern die globale Entropie…«

»Die was?«

»Weißt du, wie lange die Natur dafür gebraucht hat, dir diese Titten zu schenken, die du so missachtest? Mit der kosmischen Ordnung spielt man nicht, hübsche Frau…«

»Weil dir die Dicken gefallen. Übrigens, hast du nicht gesagt, ich sehe gut aus?«

»Vorher sahst du rasend gut aus, du hast genau ein ›rasend‹ verloren.«

In jener Nacht lenkte ich unsere Schritte quer über die Guillamet, um uns den Umweg bis zur Ampel der Travesera zu ersparen. Unvermeidlich starrte ich zum Haus Nummer 15, mit seiner Mauer und seinem Garten, und im Vorbeigehen fiel mir etwas ins Auge.

»Warte einen Moment«, sagte ich zu Fina, während ich mich von ihr losmachte. Ich ging um den Wagen herum, der vor dem Eingang parkte, schob das Efeu ein wenig beiseite und betrachtete den Strommasten, der an der Mauer hochragte. Wieder hing da ein kleiner roter Stofffetzen, nur dass er sauber war, wie neu.

Ich weiß nicht, was mich in diesem Augenblick ritt, Späßchen eines Betrunkenen, ich nahm ihn von dem Pfosten ab und steckte ihn Fina in den Ausschnitt, während wir die Straße weiter hinaufgingen.

»Achtung: Vordere Ladung steht über«, sagte ich mit der Stimme von Magilla Gorilla.

Fina lachte schallend, und ich auch, allerdings nicht ganz so, denn es gibt einfach Zufälle, die keine mehr sind. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, glaube ich, dass mich die echte Paranoia erst am nächsten Tag befiel.

Hirschpastete

Bestimmt war es der Wecker, der klingelte. Dieses durchdringende Piep-piep konnte nichts anderes sein, doch mein Betriebssystem hatte genaue Anweisungen, mich nicht so ohne weiteres zu wecken. Es lief das Traumerzeugungsprogramm: Auf der Leinwand eine endlose Weite in Weiß, Format grenzenlos; vom Himmel fallen winzige Strahlen, die eher wie kleine Wirbelstürme aussehen, sie sacken langsam auf den Papiergrund und durchlöchern ihn. Zu Beginn sind sie schwach und selten, aber störend, weil sie einen zwingen, behutsam vorwärts zu gehen, um mit dem Fuß nicht in die Löcher zu geraten. Doch der Regen nimmt zu, der Boden wird immer löchriger, das Vorwärtskommen schwierig.

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