Wege zu gelingender Führung - Christian Marettek - ebook

Wege zu gelingender Führung ebook

Christian Marettek

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77,99 zł

Opis

Dr. Christian Marettek gibt praktischen Rat für Führungskräfte und Vorstände in Unternehmen und im Ehrenamt. In zehn Fallstudien schreibt er über Führungs- und Karrierethemen: wie den gelungenen Berufseinstieg, gesunde Führung, Teambuilding oder Strategien gegen Mobbing. Auch im Verein gibt es diese Themen, ob es nun um Kostendruck oder den richtigen Personaleinsatz geht, ähnelt den Problemen der Unternehmen. Der erzählerische Ansatz des Autors sorgt für eine unterhaltsame Lektüre, die bei der Problemlösung hilft.   Inhalte: - Führen am Arbeitsplatz, im Verein und bei Konflikten - Berufseinstieg,  Balance zwischen Arbeit und Privatleben, funktionierende Teams bilden - Das können Sie tun, wenn im Verein das Geld knapp ist - Konflikte lösen: Kostendruck beim Automobilzulieferer - Mitarbeiterzufriedenheit als Produktivitätsfaktor  Unter Mitarbeit von Ulrike Marettek, Dietrich Bickelmann und Manuel Hipfel.

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EPUB
MOBI

Liczba stron: 348




Inhaltsverzeichnis

Hinweis zum UrheberrechtImpressum1   Einleitung1.1   Geleitwort der Herausgeber1.2   Vorwort der Verfasser1.3   Gebrauchsanweisung für dieses Buch1.4   Überblick über die Fallstudien1.4.1   Führung als menschliches Phänomen1.4.2   Charakterisierung der Hauptpersonen1.4.3   Zehn Fälle erlebter Führungsarbeit2   Führen am Arbeitsplatz2.1   Überblick2.2   Fall 1: Holpriger Berufseinstieg als Hochschulabsolvent2.2.1   Fallstudie 1: Trainee Automotive2.2.2   Roberts Krise2.2.3   Roberts Wechsel in die neue Abteilung2.2.4   Wie ist dieser Wandel psychologisch zu erklären?2.3   Fall 2: Abteilungsleiter und Work-Life-Balance2.3.1   Fallstudie 2: Aufbau der Entwicklungsabteilung2.3.2   Zum Problem der „Machbarkeit” von Führung2.3.3   Die „große Chance” (2010)2.3.4   Delegation auch lieb gewordener Aufgaben (Sommer 2010)2.3.5   Personelle Veränderungen: Wer hat Führungskompetenz?2.3.6   Echte Delegation von Verantwortung (September 2010)2.4   Fall 3: Schrittweise Bildung von Teams2.4.1   Fallstudie 3: Dynamisches Wachstum (2011)2.4.2   Eingespielte Teams als Ziel (Ende 2011)2.4.3   Streit im Automatik-Team A (Januar 2012)2.4.4   Einzelkämpfer statt Teamarbeit (Februar 2012)2.4.5   Wie entsteht eigentlich ein Team?2.4.6   Wie geht es mit Roberts Abteilung 2013 und 2014 weiter?2.5   Zwischenergebnis: Was ist gelingende Führung?2.6   Wo bleibt eigentlich die Ökonomie? Resultatsorientierung als sechster Grundsatz3   Führen im Sportverein (Ehrenamt)3.1   Fallstudie 4: Warum Robert? Der SC Steinbach braucht einen Neuanfang3.1.1   Fallstudie 4: Plötzliches Abtreten der Führung (2012)3.1.2   Hans als Führungskraft wider Willen (2013)3.1.3   Drohende Zahlungsunfähigkeit mit Zeitdruck3.1.4   Rücktritt des Interimsvorstands (Februar 2013)3.1.5   Wer ist für den Vorstand geeignet?3.1.6   Steffis Freund als Langfristlösung (2013)3.2   Fall 5: Neuaufstellung des Vereins3.2.1   Fallstudie 5: Führungsmannschaft des Vereins (2013)3.2.2   Pauls Abberufung als Ursache eines Konflikts (2013)3.2.3   Monas Hinzuziehung als fachlicher Durchbruch (Mai 2013)3.2.4   Abwicklung sportlicher Großereignisse (März 2014)3.2.5   Mitgliederversammlung (Mai 2015)3.2.6   Wann beginnt ein Konflikt?3.2.7   Arbeitsübergabe an Sven (Juni 2015)4   Führen bei Konflikten4.1   Überblick4.2   Fall 6: Kostendruck beim Automobilzulieferer4.2.1   Fallstudie 6: Wachsende Rentabilitätsprobleme (2014)4.2.2   Druck durch die Konzernleitung (Februar 2015)4.2.3   Aus Interessengegensatz wird Konflikt (März 2015)4.2.4   Roberts Intervention im heißen Konflikt (Mai 2015)4.3   Fall 7: Mitarbeiterzufriedenheit als unterschätzter Produktionsfaktor4.3.1   Fallstudie 7: Entlassungen bei BBT (September 2015)4.3.2   Werden die „falschen” Leute entlassen?4.3.3   Was ist eine faire Leistungsbeurteilung?4.3.4   Berücksichtigung immaterieller Aufbauleistungen4.3.5   Wie ging es mit ATO und BBT weiter? (Herbst und Winter 2015/2016)4.4   Fallstudie 8: Der Dieselgate-Fall des VW-Konzerns (September 2015)4.4.1   Dieselgate als Compliance-Fall4.4.2   Vergleich der Probleme bei ATO, BBT mit denen des VW-Konzerns (Dieselgate)4.5   Fall 9: Mobbing in der Stadtverwaltung4.5.1   Fallstudie 9: Olaf Stein als politischer Ziehvater4.5.2   Mobbingvorwürfe im Stadtplanungsamt (März 2016)4.5.3   Steffi zwischen Wahlkampf, Hochzeit und Verantwortung4.5.4   Schwierige Situation für Steffi als Bürgermeisterin (Oktober 2016)4.5.5   Steffi fragt Robert um Rat4.5.6   Folgen des Mobbingfalls in der Partei (November 2016)4.5.7   Lösungsversuche zum Konflikt zwischen Olaf und Steffi (Dezember 2016)4.6   Fall 10: Glaubwürdigkeit im politischen Engagement4.6.1   Fallstudie 10: Erhaltung der Glaubwürdigkeit4.6.2   Strategisches Controlling der Wahlversprechen4.6.3   Wie kommt Steinbach zum Neubaugebiet?4.6.4   Fachlicher Durchbruch (Januar 2017)4.6.5   Wie kommt man zu Entscheidungen? (Frühling 2017)4.6.6   Was macht die politische Karriere (April 2017)?4.6.7   Ist Versöhnung mithilfe eines Moderators möglich? (Juni 2017)5   Führung in unserer Gesellschaft: Was ist noch zu tun?5.1   Fachliche Vertiefung auf Basis der aktuellen Führungsliteratur5.1.1   Was kann die psychologisch ausgerichtete Managementforschung zur Fall-Klärung beitragen?5.1.2   Überblick über die deutschsprachige Managementliteratur seit 20065.1.3   Eigener Praktikeransatz zur Führungsunterstützung: Entscheidend sind eingespielte Teams!5.2   Gesunde Führung als gesellschaftliche Herausforderung5.2.1   Überblick5.2.2   Menschliche Bedürfnisse am Arbeitsplatz5.2.3   Praktikabler Lösungsvorschlag für die Teamleitung5.2.4   Verantwortung jedes Individuums5.2.5   Gesunde Führung: Wertschätzung als bunt schillernder Begriff5.2.6   Empowerment als Ansatz für reife Führungsarbeit5.2.7   Angemessenes Vertrauen am Arbeitsplatz5.2.8   Möglichkeiten und Grenzen der digitalisierten „Arbeitswelt 4.0”5.2.9   Zwischenergebnis zur persönlichen Einstellung der Führungskraft5.2.10   Achtsame Führungspräsenz als Ziel5.2.11   Wie verhält sich Achtsamkeit zum Wettbewerbsdruck? (Hypothese H1)5.2.12   Wie kann Achtsamkeit in der betrieblichen Praxis gelebt werden? (Fortsetzung Fallstudie 7)5.2.13   Was hat Robert zu diesem Engagement motiviert?5.2.14   Konsequenzen für die „offiziellen” Personalmanagementsysteme5.2.15   Freude – gibt es so etwas auch am Arbeitsplatz?5.3   Führen an der Leistungsgrenze und Burn-out-Prophylaxe5.3.1   Wie entsteht Burn-out?5.3.2   Hypothese H2: Positive Intervention ist möglich5.3.3   Hypothese H3: Wertschätzung praktisch5.3.4   Hypothese H4: Bedeutung von Konflikten im Team5.3.5   Hypothese H5: Instabile Teamzusammensetzungen verhindern Integration5.3.6   Was ist das vorläufige Fazit zum „Führen an der Leistungsgrenze”? (Auffassung FIDES)5.4   Führungsentscheidungen: Intuition und verschiedene Rationalitäten5.4.1   Entscheidungslehre im Wandel5.4.2   Intuition als erste Reaktion im Rahmen des Entscheidungsprozesses5.4.3   Intuition als Entscheidungshilfe in Gruppen5.4.4   Bessere Führungsentscheidungen durch meditative Elemente (Durchbrechung des Sitzungsmarathons)5.4.5   Widersprüchliche Managementrationalitäten nach Georg Müller-Christ5.5   Was zeichnet überdurchschnittlich erfolgreiche Teams bzw. Führungskulturen aus?5.5.1   Überblick5.5.2   Igel-Prinzip5.5.3   SMaC-Rezept5.5.4   Schwungradeffekt5.6   Wie kommt man vom bürokratischen zum „agilen” Unternehmen?5.6.1   Bürokratie und Innovationskraft am Beispiel der Automobilindustrie5.6.2   Unter welchen Bedingungen entstehen grundsätzlich Innovationen?5.6.3   Konsequenzen aus dem VW-Abgasskandal5.6.4   Umgang mit Bürokratisierungstendenzen in großen Unternehmen5.6.5   Veränderung von Unternehmenskulturen5.6.6   Fazit zu den strategischen Herausforderungen aus Sicht des Managements (VW-Fall)6   Fazit: Erfolgversprechende Führungsgrundsätze7   Endnoten (fachlich aufbereitet)LiteraturverzeichnisÜber die AutorenStichwortverzeichnis
[1]

Hinweis zum Urheberrecht

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Print: ISBN 978-3-648-09579-9 Bestell-Nr. 14113-0001ePub: ISBN 978-3-648-09580-5 Bestell-Nr. 14113-0100ePDF: ISBN 978-3-648-09581-2 Bestell-Nr. 14113-0150

Dr. Christian Marettek

Wege zu gelingender Führung

1. Auflage 2017

© 2017 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, [email protected]

Produktmanagement: Bettina Noé

Lektorat: Hans-Jörg Knabel, rausatz, Willstätt

Satz: kühn & weyh Software GmbH, Satz und Medien, FreiburgUmschlag: RED GmbH, KraillingDruck: BELTZ Bad Langensalza GmbH, Bad Langensalza

Alle Angaben/Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.

Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe (einschließlich Mikrokopie) sowie der Auswertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen, vorbehalten.

1   Einleitung: Führung als gesellschaftliche Herausforderung

1.1   Geleitwort der Herausgeber

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie wichtig Führung für unsere Gesellschaft ist, erkennt man besonders dann, wenn man sich an erlebter, offenkundig schlechter Führung reibt – z. B., wenn man sich über einen Chef ärgert. Nun kann der Chef ja auch recht haben (sowas soll es geben …) – leider mangelt es jedoch allzu oft objektiv an der eigentlich angebrachten – guten – Führungsarbeit. Diesem Thema – Was ist denn eigentlich gute Führungsarbeit?[2] – ist das vorliegende Buch gewidmet. Dieses Thema ist übrigens für alle Ebenen unserer Gesellschaft wichtig: von den verschiedenen Abteilungen der Unternehmen über die öffentlichen Verwaltungen, die Sportvereine, die Kirchen bis hin zur Politik!

Hintergrund: Das, was in einer demokratischen Gesellschaft „gute Führung” ist, wird in Deutschland erst seit einigen Jahren unverkrampft diskutiert.1

Schlechte Führung kann in unserer Gesellschaft unbestritten viel kaputt machen:

Schlechte Führung kann gleichgültig machen, im Hinblick auf die eigene Arbeit, sogar dann, wenn die/der Einzelne zunächst voller Leistungsbereitschaft war.

Schlechte Führung kann leider sogar krank machen – man denke an die wachsende Zahl psychisch bedingter Krankschreibungen; davon könnte wohl ein beachtlicher Teil verhindert werden, wenn die Chefs auf allen Ebenen in Führungsarbeit besser geschult wären und z. B. die individuellen Möglichkeiten der anvertrauten Kollegen besser berücksichtigen würden.

Schlechte Führung kann verhindern, dass die jeweilige Organisation ihre Ziele erreicht. Jede Organisation kann scheitern.

Schlechte Führung kann auf der politischen Ebene u. a. zu Formelkompromissen führen: Die daran beteiligten Parteien schielen nur nach den politischen Stimmungen im Land (und verlieren dabei häufig ihre Glaubwürdigkeit). Die entstehenden Gesetze folgen oft eher den Kompromissformeln als den Empfehlungen der Fachleute: Im Ergebnis werden zu viele gesellschaftliche Probleme nicht[3] gelöst.2

Das Führungsthema ist also ein offenkundiges gesellschaftliches Problem. Das Forschungsinstitut Demokratie leben Saarbrücken (FIDES) e. V. wurde 2015 dafür gegründet, die wichtigsten gesellschaftlichen Probleme zu identifizieren und Beiträge zur Problemlösung in einer allgemein verständlichen Form zu erarbeiten.

Daher wird das Führungsthema durch humorvolle und realistische Fallstudien aufbereitet: Die zehn Fallstudien werden von einer jüngeren Familie aus Führungskräften „erlebt” bzw. diskutiert.

Als FIDES-Vorstand hoffen wir sehr, dass dieser erste Band unserer Edition Demokratielebenvielen Bürgern hilft, die verborgenen Zusammenhänge zu verstehen, die es uns ermöglichen, in unserer Gesellschaft erfolgversprechend zusammenzuarbeiten. Nach unserer Überzeugung müsste viel systematischer gelehrt werden, wie Führung gelingen kann. Das Führungsthema gehört in die Mitte unserer Gesellschaft – weil es jede/jeden angeht. Das hier vorliegende Buch kann dazu einen Beitrag leisten. Es ist nach unserer Einschätzung mit Liebe und Weisheit formuliert – mit dem klaren Ziel, dass ein Leser am Ende des Buches das Selbstvertrauen hat, dass er es auch „schaffen” kann.

Für den FIDES-Vorstand im September 2016

Christoph Schmid (Ditzingen)

Jürgen Steinfels (Saarbrücken)

1.2   Vorwort der Verfasser

Liebe Leserin, lieber Leser,

zunächst möchten wir uns bei Ihnen für den Vertrauensvorschuss bedanken, den Sie uns gewähren, indem Sie unser Buch zur Hand nehmen. Die meisten Leser dürften, was das Thema „Führung” anbelangt, in beiden Rollen betroffen sein:[4]

Mitarbeiterrolle: Wir sind als Berufstätige oder als Vereins-/Parteimitglied fast alle davon betroffen, dass andere einen Führungsauftrag haben und wir uns als „Geführte” erleben.

Führungsrolle: Die meisten Leser dürften aber auch in irgendeiner Weise selbst führend tätig sein (in einer bestimmten Lebenszeit): sei es als Klassensprecher, als Leiter eines Teams im Angestelltenverhältnis oder im Ehrenamt oder sogar als Bürgermeister oder Vorstandsmitglied einer Aktiengesellschaft bzw. eines Konzerns.

Auf diesen Ebenen existieren sehr unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten, wie Führung gelingen, weniger gelingen oder gar scheitern kann. Sicherlich ist jeder Einzelfall unterschiedlich – so unterschiedlich die Menschen auf beiden Seiten des Führungsphänomens eben sind. Wenn man die Führungsliteratur systematisch auswertet, lassen sich allmählich dennoch „Grundsätze erfolgversprechender Führung” identifizieren – die zurzeit des eigenen BWL-Studiums vor 30 Jahren noch unbekannt waren (Christian Marettek).

Nach unserer Überzeugung kann fast jede/jeder nachdrücklich davon profitieren, wenn sie/er die Grundsätze erfolgversprechender Führung kennt. Wie viele Menschen werden doch immer noch durch falsche Art von Führung irritiert oder sogar verletzt! Andererseits gibt es das andere auch: Ich (Christian) treffe als Organisationsberater immer wieder auf Menschen, die in den vertraulichen Interviews die Zusammenarbeit mit ihren Vorgesetzten als gut und bereichernd erleben, dass z. B. der Vorgesetzte sogar erkennbar hilft, die Begabungen des Geführten zu entfalten.[5]

Wann und wie gelingt Führung so überzeugend? Diesem Phänomen der gelingenden Führung sind wir auf der Spur.

Woher kommen unsere Erfahrungen? Sie sollen wissen, mit wem Sie es zu tun haben. Das Buch ist ein FIDES-Gemeinschaftsprojekt. Im Rahmen unseres Vereins (www.demokratie-leben.org) hatten wir eine Projektgruppe gebildet, in der über den Zeitraum von zwölf Monaten alle wichtigen Fragen erörtert wurden.

Auch wenn der fertige Text weitgehend von mir (Christian Marettek) stammt, haben meine Frau Ulrike (Ärztin) und die beiden Freunde Dietrich Bickelmann (Diplom-Wirtschaftsmathematiker, IT-Berater) und Manuel Hipfel (Azubi zum Kaufmann für Marketing-Kommunikation) so viel Herzblut und Zeit in dieses Buch investiert, dass sie als Koautoren fungieren. Wenn Sie mehr über uns wissen wollen, schauen Sie im Kapitel „Über die Autoren” oder auf www.marettek-management.de.

Wir konzentrieren uns in diesem Buch auf zehn Fallstudien, die im Rahmen unseres Freundeskreises diskutiert und von Testlesern geprüft wurden. Dank gebührt insbesondere Harald Esser, Christian Hoffmann, Thomas Klein, Petra und Klaus Mandalka, Andreas Marettek, Joachim Hipfel, Dr. Anne Otto, Anja und Rudi Pistorius, Silke Rottländer, Christoph Schmid und Jürgen Steinfels für die zahlreichen wertvollen Hinweise.[6]

Saarbrücken im September 2016

Dr. Christian und Ulrike Marettek

Dietrich Bickelmann

Manuel Hipfel

1.3   Gebrauchsanweisung für dieses Buch

Den Anstoß zum Buch gab ein Universitätsrektor, der mir (Christian Marettek) am Ende eines vertraulichen Interviews folgendes Problem anvertraute: „Kennen Sie das? Da haben Sie sich ein Leben lang abgerackert und versucht, alles richtig zu machen. Und jetzt habe ich einmal gegen die Interessen eines alten Weggenossen entscheiden müssen, und mein alter Weggenosse verfolgt mich seitdem mit einer Feindschaft, die nicht lustig ist. Dabei habe ich nur meine Pflicht getan und im Interesse der Gemeinschaft gehandelt.”

Diesen Rektor beschäftigte offenbar das Phänomen der Feindschaft, die belastet. Dahinter steht meist auch noch die unbewusste Frage des Führenden: „Habe ich vielleicht doch versagt? Bin ich doch nicht ‚sauber’ geblieben?” Der umgangssprachliche Begriff des „Sauberbleibens” umfasst nicht nur eindeutige Rechts- oder Regelverstöße, sondern eben auch (andere) belastende Konflikte, die Führende tangieren, obwohl sie vielleicht nur ihre Pflicht getan haben (wie der erwähnte Rektor durch die Feindschaft seitens des Weggenossen belastet wird).

Um derart komplexe Probleme sowohl praxisnah als auch tiefschürfend zu bearbeiten, haben wir uns zusammen mit dem Haufe-Verlag ein besonderes Buchformat überlegt.

Im Mittelpunkt stehen zehn Führungsfälle, die die Familie von Robert Alles, Abteilungsleiter Entwicklung, im Laufe mehrerer Jahre erlebt.[7]

Jeder Führungsfall erläutert eine spezielle Führungsproblematik und zeigt eine mögliche Lösung auf. Die anonymisierten Fälle sind auch für Anfänger leicht verständlich. Trotzdem sind die Fälle weitgehend realen Fällen nachgestaltet, sodass eine überdurchschnittliche fachliche Tiefe erreicht werden kann, wie sie ansonsten nicht möglich ist. Dadurch können in den späteren Fällen acht bis zehn sogar die Phänomene „Schuld” und „Versagen” behandelt werden.

Als Leser können Sie selbst entscheiden, wie tief Sie in welchen Fall/welche Problematik einsteigen möchten. Wenn Sie nur den Haupttext lesen – vielleicht sogar nur die zehn Fallstudien – erhalten Sie eine fundierte und praxisnahe Einführung in die wichtigsten Führungsprobleme, humorvoll-spielerisch präsentiert.

Ergänzend können Sie sich entscheiden, nach Bedarf auch die fachlichen Hinweise zu lesen, die jeweils grau unterlegt sind:

Lernziele des Kapitels

die aus fachlicher Sicht verfolgt werden,

werden zu Anfang jedes Kapitels transparent aufgezählt.

Dann folgt der Haupttext der Fallstudie mit Musterlösung.

Fachliche Erläuterungen und Ergebnisse …

ergänzen bzw. unterbrechen den Haupttext.

In Kapitel 5 wird eine fachliche Vertiefung am Beispiel des Automotive-Sektors (Automobilindustrie und -zulieferer) angeboten:

Hintergrund: Die Führungsfälle, die die Beispielfamilie erlebt, stammen überwiegend aus der Automobilbranche (Robert arbeitet für einen Automobilzulieferer). Dementsprechend existieren vielschichtige Parallelen, u. a. zu den aktuellen Problemen des VW-Konzerns, die im Sommer 2016 unter dem Schlagwort „Dieselgate” bundesweit diskutiert wurden.[8]

Aus Sicht der Managementforschung werden in Kapitel 5 vor allem die folgenden Fragenkreise vertieft:

Wie baue ich systematisch ein Team aus begabten Kollegen auf und halte es zusammen?

Was ist ein menschlich reifer Umgang mit individuellen Bedürfnissen am Arbeitsplatz?

Wie erreiche ich kontinuierlich ein hohes Leistungsniveau bei überdurchschnittlicher Mitarbeiterzufriedenheit?

Wie bleibt das Team agil – auch wenn es schon länger zusammenarbeitet?

Wie können immer wieder innovative Durchbrüche erreicht werden?

Wie gelingt Führen an der Leistungsgrenze unter Schonung der Personalressourcen?

Wie kann ein Konzern (und damit eine Unternehmenskultur) in Richtung Agilität verändert werden?

In Kapitel 6 werden als vorläufiges Fazit die für unsere gesellschaftliche Situation wichtigsten Führungsgrundsätze zusammengefasst dargestellt.

Die im Buch verwendeten Endnoten werden in Kapitel 7 unter fachlichen Überschriften geordnet, sodass ein fachlich geordnetes Nachschlagewerk entsteht, das als zusätzliche Vertiefung gelesen werden kann und umfangreiche Literaturhinweise enthält. Eine Kurzvorstellung des FIDES-Autorenteams rundet das Buch ab.

Wenn Sie mehr wissen wollen, steht Ihnen auf der Projekt-Homepagewww.marettek-management.de/sauberfuehren-projektseite/ noch ausführlicheres Material auf wissenschaftlichem Niveau zur Verfügung; ggf. können Sie ergänzend die angegebene Literatur zur Hand nehmen.[9]

1.4   Überblick über die Fallstudien

1.4.1   Führung als menschliches Phänomen

Sämtliche Führungsfälle erleben Jennifer (kurz Jenny, Ärztin), ihr Mann Robert (Wirtschaftsingenieur bei einem Automobilzulieferer) und seine Schwester Steffi (Psychologin) als Protagonisten. Wenn man genau hinschaut, dann ist das ganze Buch ein Gespräch über Führungsfragen, das hauptsächlich zwischen Robert und seiner drei Minuten älteren Zwillingsschwester Steffi geführt wird. Steffi interessiert sich als Diplom-Psychologin und angehende Politikerin so ziemlich für alles, insbesondere für die Managementprobleme ihres Bruders.

Um auch die Entwicklung von individuellen Führungskompetenzen darstellen zu können, sind alle drei zu Beginn des Buches (Fall 1) Berufseinsteiger. Zum Zeitpunkt von Fall 1, der 2004 spielt, sind sie jeweils 26 Jahre alt. Fall 10 ist im Jahr 2017 angesiedelt. Dementsprechend sind sie am Ende des Buches 39 Jahre alt. Insgesamt wird also ein Zeitraum von dreizehn Jahren betrachtet, in dem wir dem Phänomen gelingender Führung auf der Spur sind.

1.4.2   Charakterisierung der Hauptpersonen

Der Leser kann von einem Ratgeber über Führungsfragen zu Recht erwarten, dass die Beispielfälle wirklich praxisnah konstruiert sind. Daher wird bezüglich der drei Hauptpersonen hier etwas weiter ausgeholt (vgl. ergänzend Tabelle 1).

Hauptpersonen (Alter 2016)TätigkeitRobert Alles (38, verheiratet mit Jenny, 2 Töchter)Wirtschaftsingenieur, arbeitet beim Automobilzulieferer ATO Steinbach AG (= Werk 1 eines mittelständigen Konzerns).ATO ist der wichtigste Arbeitgeber in Steinbach am Neckar (4.200 Einwohner); Hauptort der gleichnamigen Kleinstadt (= fiktiver Ort „mitten in Deutschland”, Rhein-Neckar-Kreis). Robert ist ab Fall 2 Leiter der Entwicklungsabteilung von ATO und in seiner Freizeit begeisterter Hobbyfußballer (Torwart). Lässt sich in Fall 5 auch noch zum Vorstandsvorsitzenden des kriselnden Vereins SC Steinbach wählen.Steffi Alles (38, ledig, Schwester von Robert, ab Fall 8 verheiratet mit Dr. Sven Richter)Zwillingsschwester von Robert und beste Freundin von Roberts Ehefrau Jenny. Studierte Diplom-Psychologin, hauptamtliche Büroleiterin des Steinbacher Bundestagsabgeordneten und Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes. Beliebt und bestens vernetzt. Manchmal etwas vorlaut. Steffi wird in Fall 9 zur Bürgermeisterin gewählt. In ihrer Freizeit ist Steffi in der Fitnessgruppe und der Fastnachtsabteilung des SC Steinbach engagiert.Dr. Jennifer Alles (38, verheiratet mit Robert, 2 Töchter)Ärztin, die nach der Babypause wieder in Teilzeit beim städtischen Krankenhaus arbeitet. Jenny stellt so einige Ansprüche an Robert, vor allem an dessen Zeit für die Familie.[10]

Tab. 1:Übersicht über die Hauptpersonen

Wie kommen die drei Hauptpersonen zum Führungsthema?

Wenn man Robert heute (2017) fragen würde, wie er zur Führungskraft geworden ist, dann würde er sagen: „Was gute Führung ist, das sollte man sich von den besten Vorbildern abschauen. Ich habe es hauptsächlich von Theo, meinem Fußballtrainer, gelernt, der mich über dreizehn Jahre lang trainiert hat. Danach habe ich im Studium und im Beruf bzw. durch ergänzende Führungsseminare systematisch weiter dran gearbeitet zu lernen, wie Teams am besten zu Topleistungen geführt werden können.”[11]

Hintergrund: Robert spielt seit seiner Kindheit Fußball (Torwart), derzeit in der Altherrenmannschaft. Mit seiner ruhigen und zupackenden Art hat er sich früh eine vorzügliche Körperbeherrschung antrainiert. In seinen beiden besten Jahren hat er es sogar bis in die Oberliga geschafft.

Ganz anders Steffi, Roberts Zwillingsschwester. Sie ist keinesfalls besonders sportlich (und nur im Sportverein, um ihr Gewicht zu halten), aber extrem neugierig und kommunikativ und bestens vernetzt. Immer auf der Suche nach neuen Erkenntnissen hinsichtlich dessen, wie wir Menschen so „ticken” – und wie man dabei vielleicht mehr Einfluss gewinnen kann. Würde man Steffi fragen, wie sie zum Führungsthema gekommen ist, würde sie auf ihr Psychologie-Studium und ihr politisches Engagement verweisen.

Wenn Roberts Frau Jenny bei derartigen Gesprächen dabei ist, ist vielleicht interessant, was sie über die Führungsrolle, die ihr Mann so gerne einnimmt, denkt:

in guten Momenten: „Dieser Kerl ist ja gerade deshalb attraktiv – durch die Kombination von gelassener Führungskompetenz und Sportlichkeit.”

in weniger guten Momenten ist sie nur noch sauer: „Was nützen mir die Führungskompetenzen meines Mannes, wenn nur die Firma davon profitiert – und er nie Zeit für unsere Familie hat.”[12]

Charakterisierung der Hauptpersonen

Robert ist der Praktiker, der sich ein gutes Führungsverhalten zunächst bei seinem Fußballtrainer abgeschaut hat. Damit ist er aber nicht zufrieden: Er hat – wie jeder gute Torwart – das Ziel, kontinuierlich an sich zu arbeiten und gerade beim wichtigen Führungsthema immer besser zu werden (deshalb hat er z. B. schon während des Studiums viele Führungsseminare besucht).

Steffi ist als Psychologin und Politikerin fasziniert von der Vielschichtigkeit der Menschen – und insbesondere von der Frage, wie Menschen am besten zusammenarbeiten können.

Jenny verkörpert die durchaus ehrgeizige Familienfrau. Sie will als zweifache Mutter und Ärztin keinesfalls auf ihre persönliche Karriere verzichten.

Zur Illustration hier noch ein tabellarischer Lebenslauf von Robert (Jahrgang 1978) wie er sich am Ende des Buches darstellt:

ZeitraumPosition/Tätigkeitbei1985–1997Schule, Abschluss Abitur (Notendurchschnitt: 1,9)Gymnasium Steinbach1997–1998WehrdienstFallschirmjägerbataillon 1341998–2002Studium des Wirtschaftsingenieurwesens, Abschluss: Dipl.-Ing., Notendurchschnitt: 1,3Universität Karlsruhe (TH)1996–2003Vertrag als Fußballtorwart in der Landesliga und der Oberliga (Teilzeit), 2003: Hochzeit mit JennyMehrere Fußballvereine2002–2003Praktikum, Diplomarbeit über die Konzeption von Start-Stopp-Systemen in der Kfz-ElektronikATO AG Steinbach2003–2005Angestellt als Trainee bei der ATO-GruppeATO AG Steinbach2005–2007Teamleiter in der Abteilung für Forschung und EntwicklungATO AG Steinbach2007–2017Leiter der Abteilung für Entwicklung von Start-Stopp-Systemen, zuerst verantwortlich für drei Teams mit fünf Personen, 2016 sind es fünf Teams mit 33 Kollegen. Die Familie Alles hat seit 2009 Zwillinge.ATO AG Steinbach[13]

Tab. 2:Lebenslauf von Robert

1.4.3   Zehn Fälle erlebter Führungsarbeit

In diesem Buch geht es um das, was Führende (= Leitende) praktisch tun – egal, ob sie die Führungsrolle ehrenamtlich oder hauptberuflich einnehmen. Es geht also um etwas, das man beobachten kann – das Phänomen der Führungsarbeit. Wenn Robert das Ziel verfolgt, in praktischer Führungsarbeit „besser” zu werden, soll angemerkt werden, dass folgende Grundsatzfragen im 20. Jahrhundert über viele Jahre diskutiert wurden:

Ist Führungsarbeit eine Kunst oder eine Wissenschaft? Wohl beides: praktische Kunst, über die man auch wissenschaftlich arbeiten kann.

Kann Führungsarbeit überhaupt mit einigem Erfolg gelernt werden? Dahinter steht die Frage, ob es so etwas wie Grundsätze erfolgversprechender Führungsarbeit gibt. Mittlerweile ist man sich einig, dass die Entwicklung praktischer Führungskompetenzen in Grenzen für die meisten Menschen möglich ist.3

Ob und wie es Robert und seinen Freunden gelingt, werden wir in den Fallstudien darstellen.

Führungsarbeit als Gegenstand des Forschungsinteresses

Erst im letzten Jahrzehnt hat die Literatur zu Führungsthemen ein vielversprechendes Niveau erreicht. Durch die zahlreichen Bücher, die empirische Fallstudien auf hohem Niveau verarbeiten, ist tatsächlich eine gewisse Vorstellung davon entstanden, was in unserer Gesellschaft gute Führungsarbeit sein kann und welche Grundsätze dabei eingehalten werden sollten.[14]

Diese Literatur wird häufig durch den Begriff „Managementlehre” bzw. „-forschung” zusammengefasst. Da die Forschung bekanntlich in verschiedenen Disziplinen erfolgt, findet man einen Teil der Literatur auch unter den Begriffen „Organisations- und Arbeitspsychologie” bzw. „Organisations- und Arbeitssoziologie”. Einleitend soll hier noch festgehalten werden, dass die Vorstellungen von guter Führungsarbeit nach unseren Überzeugungen in Teilen kulturabhängig sind und auch nicht unabhängig von der jeweiligen historischen Epoche betrachtet werden können.

Mit diesen Einschränkungen beabsichtigt dieses Buch also, knapp zusammenzufassen, was in der bundesdeutschen Gesellschaft um 2016/17 mehrheitlich als gute Führungsarbeit eingeschätzt wird.

In Tabelle 3 werden die zehn Fallstudien nach den fachlichen Schwerpunktthemen sortiert, die mit dem jeweiligen Fall erläutert werden:

FallstudienBehandelte FührungsthemenEs geht um Beziehung zwischen Menschen!1Holpriger Berufseinstieg als Hochschulabsolvent (Automobilzulieferer).5 vor 12. Robert muss eine Entscheidung treffen.2Führung ohne Machbarkeitswahn oder Selbstüberschätzung. Work-Life-Balance: Die Familie hat auch Rechte.Neue Teams in der Entwicklungsabteilung. Robert baut seine Teams auf.3Kompetenzorientierte Teambildung und -entwicklung.Warum Robert? Der SC Steinbach 08 braucht einen personellen Neuanfang!4Führungsgrundsätze im Ehrenamt.Kostendruck im Sportverein.5Begabungsorientierter Personaleinsatz. Führungsmannschaft des Vereins.Kostendruck beim Automobilzulieferer.6Projektmanagement. Umgang mit Konflikten. Wachsende Rentabilitätsprobleme.Wenn viele Arbeitsplätze gehen. BBT entlässt seine Mitarbeiter.7Mitarbeiterzufriedenheit als unterschätzter Produktionsfaktor.VW-Abgasskandal „Dieselgate”8Regelkonformität (Compliance), Innovationskraft, Agilität.Steffi in der Zwickmühle. Mobbingvorwürfe im Stadtplanungsamt.9Mobbingvorwürfe und ihre Übertragungen.Viel Arbeit für das kleine Steinbach. Steffi dreht auf!10Erhaltung der Glaubwürdigkeit. Entscheidungen. Zielsysteme.[15]

Tab. 3:Übersicht – Führungsthemen in den Fallstudien