Siegfried Lenz - Erich Maletzke - ebook

Siegfried Lenz ebook

Erich Maletzke

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Opis

Am 17. März 2006 wurde Siegfried Lenz 80 Jahre alt. Seine Bücher sind weltweit in einer Auflage von mehr als 25 Millionen Exemplaren erschienen. Dennoch gab es bisher noch keine Biographie dieses Autors. Über sein Privatleben spricht Siegfried Lenz nicht gerne, und obwohl er einige autobiographische Skizzen veröffentlicht hat, liegen seine Kindheit, die Jugendjahre und die Kriegszeit weitgehend im Dunkeln. Nach umfangreichen Recherchen im In- und Ausland hat Erich Maletzke erstmals den Lebensweg des in Masuren geborenen Literaten nachgezeichnet. Dabei zeigt sich, daß fast alle über Siegfried Lenz veröffentlichten Lebensläufe zumindest teilweise umgeschrieben werden müssen. Erich Maletzkes mit Distanz und zugleich Einfühlungsvermögen geschriebene Biographie führt durch das Werk dieses Autors und läßt den Leser die Höhen und Tiefen seiner Entwicklung nacherleben.

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Erich Maletzke

Siegfried Lenz

Eine biographische Annäherung

© 2006 zu Klampen Verlag · Röse 21 · D-31832Springe

[email protected] · www.zuklampen.de

2.Auflage 2006

Umschlaggestaltung: Matthias Vogel (paramikron), Hannover,

unter Verwendung einer Fotografie von Astrid Boelter

Satz: thielenVERLAGSBÜRO, Hannover

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014

ISBN 978-3-866743-50-2

Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische

Daten sind im Internet über ‹http://dnb.ddb.de› abrufbar.

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

1 Favorit der Wassergeister

2 Erwachen

3 Schreibübungen

4 Hurra, ein Roman

5 Pathos in der Wüste

6 Heiteres Intermezzo

7 Lauf in die Vergangenheit

8 Anarchie und Ordnung

9 Ein neues Feld

10 Neue Regierung– neues Haus

11 Politik und Theater

12 Der Coup

13 In heikler Mission

14 Mit und ohne Tiefgang

15 Eine Reise mit Folgen

16 Phantasie ist alles

17 Ein Buch zum Film

18 Ausflug in die Botanik

19 Kritik und Ehrung

20 Beziehungen: Schmidt, Grass, Reich-Ranicki

21 Finder und Verlierer

22 In anderen Welten

ANHANG

Anmerkungen

Zeittafel

Ehrungen und Preise

Wichtigste Veröffentlichungen

Literaturverzeichnis

Personenregister

Bildnachweise

Vorwort

Vom großen Herman Melville stammt eine kleine Geschichte mit dem Titel »Bartleby der Schreiber«. Darin heißt es im Anfangskapitel: »… es gibt überhaupt keine Unterlagen für eine umfassende und befriedigende Biographie dieses Mannes. Das ist ein unersetzlicher Verlust für die Literatur.« Und immer dann, wenn der Ich-Erzähler etwas über Bartleby erfahren möchte, erhält er von ihm die freundliche, aber unergiebige Antwort: »Ich möchte lieber nicht.« Nicht einmal seinen Geburtsort mag Bartleby verraten.

Ganz so verschlossen ist Siegfried Lenz nicht. Wo und wann er zur Welt gekommen ist, läßt sich heutzutage nun einmal nicht verheimlichen. Unter dem Titel »Ich zum Beispiel« hat Lenz eine grobe autobiographische Skizze veröffentlicht, in der er über seine Kindheit, die Schulzeit und seine kurze Teilnahme am Krieg berichtet. Die Auskünfte aber sind lückenhaft, wiederholt sogar irreführend. Über seine Eltern sagt er fast nichts, mag sich auch auf Nachfragen nur sehr vage äußern.

Während gleichaltrige Kollegen, ob Grass, Walser, Kunert, Kempowski oder Rühmkorf, ihr Leben in allen Einzelheiten offengelegt haben, wird aus dem vielgerühmten Erzähler Lenz immer dann ein Schweiger, wenn es ums Persönliche geht. Er gibt nicht einmal eine Begründung für dieses seltsame Verhalten. Ein Motiv könnte in dem Zerfall der Familie zu suchen sein, vielleicht scheut er auch Fragen, warum er einige Stationen seines frühen Lebens verzerrt dargestellt hat.

Verwunderlich ist außerdem, daß zwar Hunderte von Interviews und Artikel über den neben Günter Grass erfolgreichsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit veröffentlicht worden sind, dazu große Mengen wissenschaftlicher Untersuchungen im In- und Ausland; eine Biographie aber gibt es bisher nicht. Die schlechte Quellenlage war offenbar abschreckend. Dabei leben noch Schul- und Kriegskameraden, die sich zuverlässig erinnern. Bei der Auswertung mancher Berichte ist allerdings zu berücksichtigen, daß die gut organisierten Heimatvertriebenen und Marinekameradschaften ihrem so berühmt gewordenen Zeitgenossen aus den unterschiedlichsten Gründen nur mäßige Sympathie entgegenbringen. Die einen sind verärgert, weil Lenz sehr früh den Verzicht auf die deutschen Ostgebiete empfohlen hatte; die anderen äußern sich distanziert, weil er nach seiner Abkommandierung von der »Admiral Scheer« mit der Marine nichts mehr zu tun haben wollte.

Auch eine merkwürdige Aussage von Marcel Reich-Ranicki könnte das Interesse am Lebenslauf gedämpft haben. In seiner Laudatio aus Anlaß der Verleihung des Thomas-Mann-Preises an Siegfried Lenz vertrat der Kritikerpapst den Standpunkt, mit dem Erscheinen seines ersten Romans sei die Biographie des Preisträgers eigentlich schon abgeschlossen gewesen. In der Folgezeit habe in der Öffentlichkeit nur noch die Werkgeschichte eine Rolle gespielt. Das ist richtig und falsch zugleich. In jüngeren Jahren reiste Lenz um die Welt, machte Wahlkampf für die SPD, beteiligte sich am oft ausgelassenen Treiben der Gruppe 47.Ganz im Gegensatz zu manchen seiner Schriftstellerkollegen zog er sich jedoch mit zunehmendem Alter aus der Öffentlichkeit zurück, beendete sein politisches Engagement mit dem Abtritt seines Freundes Helmut Schmidt. Danach äußerte er sich nur noch sporadisch zur Tagesaktualität, zuletzt mit einer vehementen Ablehnung der Rechtschreibreform.

Wie sein Vorbild Thomas Mann hat Siegfried Lenz sein Leben stets dem literarischen Schaffen untergeordnet. Sein Schreibhandwerk übt er mit geradezu bürokratisch wirkendem Pflichtbewußtsein aus, und in sechzig Dienstjahren ist ein mächtiges Werk entstanden. Genaue Zahlen mag der Hausverlag Hoffmann und Campe zwar nicht preisgeben, aber eine zuverlässige Quelle nennt eine Gesamtauflage von 25Millionen Exemplaren.

Der Erfolg ist also groß, aber heftig war stets auch die Kritik. Berechtigt und unberechtigt, denn auffallend sind die Qualitätsschwankungen im Lenz’schen Gesamtwerk. Immer wieder folgten auf bedeutende Romane wie »Deutschstunde« oder »Heimatmuseum« Texte, die besser nicht geschrieben worden wären. Doch während sich andere Literaten, man denke an Günter Grass, vehement gegen ihre Kritiker wehrten, nahm Siegfried Lenz Höhen und Tiefen mit geradezu bewundernswertem Gleichmut hin. Sein Grundsatz lautet: »Für mich gibt es kein Selbstmitleid, keine Wehleidigkeit im Falle einer Niederlage… ich mache immer weiter.«

Und dieses Lebensprinzip hat er auf seine Romanfiguren übertragen. Es trifft zu, was Reich-Ranicki festgestellt hat: Die Niederlage zieht sich wie ein roter Faden durch sein Gesamtwerk. Das Scheitern sei im Leben des Menschen nun einmal der Normalfall, gibt Siegfried Lenz als Erklärung. Das alles klingt melancholisch düster, und so manches Mal möchte man beim Lesen eines Textes dem Journalisten Ben Witter zustimmen, der seinem Kollegen Lenz einst den Rat gab, er möge doch nicht immer formulieren »wie von der Kanzel«.

Im persönlichen Gespräch dagegen zeigt sich der »Dichter des Mitleids« als phantasievoll fabulierender Humorist, wie man ihn aus »Suleyken« und »Bollerup« kennt. Er erzählt aufgeräumt Anekdoten, führt durch Haus und Garten, lästert sogar– vorsichtig– über Freunde und Kollegen, stimmt zunächst auch einer Biographie zu, vereinbart nach mehreren Treffen weitere Gesprächstermine, um dann wie Bartleby überraschend mitzuteilen: »Nein, ich möchte lieber nicht.«

Aber wer so prominent ist wie Siegfried Lenz, der muß damit rechnen, daß sein Publikum mehr verlangt als das, was er in seinen Romanfiguren oder in sparsamen autobiographischen Skizzen über sich selbst preisgibt.

Paul Wunderlich schuf diese Lithographie 1986 für eine Ausstellung, die das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum in Schleswig zum 60.

KAPITEL 1

Favorit der Wassergeister

Ist es in Lyck etwa ein besonderer Tag, nur weil dem Ehepaar Luise und Otto Lenz im Sternzeichen der Fische ein Sohn geboren wird? Warum wohl sollen an diesem 17.März des Jahres 1926 die Fischer mit den Eiszapfen in den Bärten und unter weit hallenden Hooo-oh-Rufen keine Löcher ins Eis schlagen, um mit ihren Netzen auf Hechte, Barsche, Brassen und Zander Jagd zu machen? Denn die Winter sind lang im östlichen Masuren. In manchen Jahren ist das Eis im März allerdings schon brüchig, dann kommen zwar die Fischer nicht, aber dafür wagt sich jemand auf den See, der glaubt, ihn genau zu kennen. So wie der Schüler Siegfried Lenz, den das mürbe Eis nicht trägt, und der nur mit Glück und Mühe gerettet werden kann. Das ist die erste Erfahrung, die er mit einer »Extremsituation« macht, und in vielen seiner späteren Geschichten wird dieses Erlebnis wieder auftauchen.

Eine Warnung ist das Versinken im eisigen Wasser aber offenbar nicht, ganz im Gegenteil. Nun könne ihm ja nichts mehr passieren, nun sei er gegen alle Mißgeschicke gefeit, erinnert sich Siegfried Lenz in seinen autobiographischen Bekenntnissen, vermittelt sogar den Eindruck, die damalige Rettung zu bedauern: »Ich hatte streng genommen keine Daseinsberechtigung, ich war überflüssig, entbehrlich, ein fahrlässiger Luxus.«

Der Rückblick läßt auf eine wenig erfreuliche Kindheit schließen, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die Diagnose auf literarischen, also auf tönernen Füßen steht. Denn über Kindheit, Elternhaus und Jugend hat Siegfried Lenz ein schützendes Tuch ausgebreitet, unter dem er nur hervorzieht, was er für seine Geschichten benötigt. Und das ist wenig.

Der Vater wird in den knappen Anmerkungen über die frühen Jahre nicht einmal beim Namen genannt, sondern nur beiläufig unter die örtliche Beamtenschaft eingereiht, die »gedankenlos in ihren Rollen ergraut« war. Otto Lenz war Zollbeamter, aber der Familie fern und fremd. Aus welchen Gründen auch immer, vielleicht nicht nur aus dienstlichen, war er kaum zu Hause. »Ich hatte gar keine Beziehung zu ihm.« Mehr sagt Siegfried Lenz nicht, und auch im Freundes- und Bekanntenkreis erinnert sich niemand daran, jemals Einzelheiten über den Vater erfahren zu haben.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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