Searching for Love: Verlockung - Jennifer Probst - ebook

Searching for Love: Verlockung ebook

Jennifer Probst

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Opis

Kate Seymour, eine der drei Inhaberinnen der Partneragentur KINNECTIONS, besitzt die besondere Gabe, mit einer Berührung die wahre Liebe zu erkennen. Als der attraktive Scheidungsanwalt Slade Montgomery einen Beweis von ihr verlangt, dass seiner Schwester nicht das Herz gebrochen wird, wenn Kate Amor spielt, wird sie vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Um zu beweisen, dass sie keine Betrügerin ist, beschließt sie, die richtige Frau für den anziehenden Zyniker zu finden. Kann Kate diese Beziehung rein geschäftlich halten, obwohl er der perfekte Mann für sie wäre?

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EPUB
MOBI

Liczba stron: 492




Jennifer Probst

Searching for Love

Verlockung

Contemporary Romance

Aus dem Amerikanischen von Carina Köberl

VERLOCKUNG

Jennifer Probst

Die Originalausgabe erschien 2013 unter dem TitelSEARCHING FOR SOMEDAY bei Gallery Books

Deutsche ErstveröffentlichungCopyright © 2015 Romance Edition Verlagsgesellschaft mbH8712 Niklasdorf, AustriaSEARCHING FOR SOMEDAY Copyright © 2013 Jennifer Probst

Covergestaltung: © SturmmöwenTitelabbildung: © kiuikson

ISBN-Taschenbuch: 978-3-902972-72-9ISBN-EPUB: 978-3-902972-82-8

www.romance-edition.com

Jeder Freund repräsentiert eine Welt in uns, eine Welt, die möglicherweise nie entstehen würde, bis dieser Freund auftaucht. Und nur durch dieses Zusammentreffen wird diese neue Welt geboren.

- Anaïs Nin

Ich schreibe Geschichten über Liebe und Romantik, aber in meinen Büchern werdet ihr immer auch wahre Freundschaft finden. Ohne die engsten Freunde aus meiner Clique, die ich seit der High School kenne, wäre ich nicht derselbe Mensch. Wir sehen uns zwar oft längere Zeit nicht, aber wenn wir uns treffen, vergeht die Zeit wie im Flug und es gibt keinen Abstand zwischen uns zu überbrücken.

Jodi Prada, Lisa Hamel Soldano, Marlaine Scotto, Colleen LaPierre, Kimberly Cornman, Nancy Chaudhry, danke, dass ihr immer da seid. Bei spätabendlichen Pokernächten, durch gute und schlechte Beziehungen mit Männern hindurch, durch Familienkrisen und Herzschmerz und durch ein paar der komischsten Momente meines Lebens, die mir vor Lachen Bauchweh beschert haben. Ich vergöttere euch!

Frauen haben’s drauf.

Prolog

Es war offiziell.

Sie befand sich gerade auf einem Date direkt aus der Hölle.

Kate Seymour streckte die Hand nach ihrem Wein aus, zwang sich zu einem breiten Lächeln und versuchte angestrengt, nicht auf den Brocken Käse zu starren, der vom Kinn ihres Begleiters baumelte. Okay, dann war er im Umgang mit Menschen eben ein wenig unbeholfen. Das machte es jedoch nicht wett, dass ihm dieser Käse im Gesicht nicht auffiel.

Still darum flehend, er möge sich seine Serviette schnappen, tätschelte sie ihr Kinn. Solche Signale waren universale Gesten, die Frauen benutzen, wenn ihnen Toilettenpapier am Schuh klebte oder ein Preisetikett aus ihren Röcken hing, aber dieser Kerl hier hatte das Memo nicht bekommen.

Er redete weiter über seine Marketingfirma, was in gewisser Weise sogar interessant war. Wie sollte sie sich allerdings darauf konzentrieren, wenn sie dabei Essensreste anstarren musste?

»Ähm, Bradley? Du hast da etwas, ähm, g-g-g-genau dort auf deinem ...«

Er schlug mit der bloßen Hand danach, wie ein Bär, der sich einen Fisch fangen wollte und der Käse fiel auf seinen Teller. »Danke. Also, ich bin wirklich froh, dass wir es endlich geschafft haben, uns zu treffen. Ich habe es genossen, am Telefon mit dir zu reden.«

Plötzlich nicht mehr hungrig, stocherte Kate im Rest ihres Lachses herum und nickte. »Ich auch. Als Geschäftsfrau hat mich PR und der beste Weg, eine Marke zu etablieren, immer schon interessiert. Welche Arten von S-s-s-service bietest du in deiner Firma an?«

Blödes Stottern. Es passierte immer dann, wenn sie nervös versuchte, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Nicht, dass sich ihr Date für ihre aufmerksame Frage zu interessieren schien. Tatsächlich schien er mehr am Hilfskellner interessiert. Er schickte ihm ein breites Lächeln und schwieg respektvoll, als er vorbeikam, um die Sauerei am Tisch sauberzumachen.

Bradley pflügte sich durch die Spaghetti und saugte die Nudeln mit einem Zischen durch seine Zähne. Als er endlich dazu kam, zu schlucken, sah er hoch. Ein seltsamer Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. »Na ja, ich bin nicht direkt in dieser Abteilung angestellt. Aber das werde ich bald sein. Ich weiß mehr, als die meisten der Mitarbeiter.«

Hm. Er hatte angedeutet, dass er die gesamte Abteilung leitete. Seltsam. »Dein Abschluss ist Social Relations, oder? Zu welcher Abteilung gehört das?«

»Türsteher.«

Kate blinzelte. »Oh. Wow, ich wette du triffst viele interessante Leute.«

Sauce befleckte seine Lippen. Sie lenkte ihren Blick auf einen Punkt links von ihm.

»Ja, ich dachte mir, ich fange mit einem Einstiegsjob an und klettere dann die Leiter hoch.«

Es konnte noch funktionieren. Ehrgeiz gefiel ihr bei Männern. Sicher, er hatte die Wahrheit, was seinen Job betraf, etwas verfälscht, aber vielleicht war es ihm peinlich gewesen, am Telefon seine wahre Tätigkeit zuzugeben. Nicht, dass sie ihn verurteilte: Es spielte für Kate keine Rolle, welchen Titel der Mann innehatte, solange ihm seine Arbeit gefiel.

Er sah nicht einmal schlecht aus. Eher durchschnittlich, was sie mochte. Kurzes dunkles Haar, braune Augen, rundes Gesicht. Ein wenig übergewichtig, aber das war in dieser Fast-Food-Welt nichts außerhalb der Norm. Kate verabscheute den charmanten, gutaussehenden Typ Mann, der Frauen nur als eine Möglichkeit ansah, sein Ego zu streicheln.

»Clever. Du warst auf der NYU, richtig?«, fragte sie. »Ich habe meinen Abschluss auch dort gemacht. Was hast du studiert?«

»Ich habe dort einmal einen Kurs gemacht. Konnte ihn jedoch nicht abschließen, weil ich mich um meine Mom kümmern musste.«

Sofortiges Mitgefühl und Hoffnung flackerten auf. Ein Mann, der seine Familie respektierte, war unabdinglich für eine gute Partie. »Tut mir leid. Ist sie krank?«

Krümel italienischen Brotes klebten am Rand seines Mundes. Ja, an seinen Tischmanieren würden sie noch arbeiten müssen, aber ein Mann, der seiner Mutter half, musste ein Herz aus Gold besitzen. »Sie hat Arthritis. Habe ihr versprochen, ich würde einziehen, um ihr zu helfen.«

Warum schien noch mehr an der Geschichte dran zu sein? »Hat sie Schwierigkeiten damit, sich zu bewegen? Ich habe von schlimmen Fällen gehört, die sehr schmerzhaft sein können.«

Bradley hielt inne, um sein Wasser zu schlürfen und noch etwas zu dem Menü hinzuzufügen, das er bereits auf seinem Gesicht trug. »Die Finger tun ihr manchmal weh, also kann ich ihr helfen, Gläser und sowas aufzumachen. Ich leiste ihr Gesellschaft, dafür kocht und putzt sie für mich. Funktioniert ziemlich gut.«

Der Untergang der Titanic war nichts im Vergleich zu diesem Date, aber sie bekämpfte den Eisberg, wie eine Frau, die sich mit eiserner Kraft am Überleben festklammerte. Bradley musste einfach der Eine sein. Hundert war eine Glückszahl, oder? Hundert Dates sprachen von Geduld. Sie hatte gewartet, ihre Zeit weise investiert und an den Prozess geglaubt. Als die erfolgreiche Besitzerin der Kinnections Parntervermittlung lebte sie für ihr Geschäft. Sie glaubte an das, was sie tat, verdammt noch mal. Und es wirkte langsam etwas seltsam, als Eigentümerin einer Partnervermittlung immer noch single zu sein, – ohne die geringste Aussicht, dass sich daran etwas ändern würde.

Sie verkrampfte die Finger und bekämpfte den Impuls, ihn zu berühren. Wäre da nur das geringste Kribbeln zu spüren, das auf eine Verbindung hindeutete, würde sie mit seinem Job und seiner Mutter zurechtkommen. Ihre Fähigkeit, Energien zwischen zwei Menschen zu erspüren, die zusammengehörten, war auch ein Fluch. Wie viele Male hatte sie einen elektrischen Schlag von zwei Leuten bekommen, die unvermutet Seelenverwandte waren? Wie viele Männer, die sie getroffen hatte, hatte sie noch während ihren Dates mit anderen Frauen zusammengebracht, weil ihr klar geworden war, dass der Kerl zur Kellnerin oder der Dame des Kundendiensts oder der Verkäuferin gehörte? Diese Fähigkeit hatte ihr gute Dienste als Partnervermittlerin geleistet, ihr Privatleben hingegen machte sie zur Hölle.

Um Paare bei Kinnections zusammenzuführen, bevorzugte sie Wissenschaft und Können. Dabei versuchte sie ihr Bestes, dass ihre Fähigkeit dem primären Geschäftsplan nicht in die Quere kam. Sie war eher ein Weg, um zu bestätigen, dass sie die richtigen Menschen zusammengeführt hatte.

Nicht, dass sie bereit war, Bradley oder irgendjemand sonst von ihrer Geheimwaffe zu erzählen.

Sie musterte ihn über den Tisch hinweg und weigerte sich, die Hoffnung aufzugeben. Bradley war für sie bestimmt, sie war jedoch nicht bereit, ihn zu berühren, um das zu bestätigen.

Die Kellnerin kam zu ihnen und legte diskret die Rechnung in die Mitte des Tisches. Kate hielt den Atem an. Das hier war der ultimative Test. Ein Mann, der beim ersten Date fürs Abendessen bezahlte, besaß die richtigen Wertvorstellungen. Jetzt hieß es alles oder nichts. Die Spannung stieg und sie hielt den Atem an.

Bradley streckte die Hand aus und nahm die Rechnung.

Leichtigkeit ergoss sich in ihr. Endlich. Sie hatte nicht falsch gelegen. Na gut, einige Mankos mussten ausgemerzt werden, aber Kate glaubte fest daran, dass es trotz allem funktionieren konnte.

Bradley überflog die Rechnung und holte einen Taschenrechner hervor. Ihr Herz sank, als sie dabei zusah, wie er die Finger über die Tasten fliegen ließ. »Okay, nachdem es keine runde Summe ist, werde ich die größere Hälfte übernehmen. Du bezahlst genau dreiundvierzig Dollar und ich werde vierundvierzig Dollar dreiundsechzig bezahlen. Das enthält fünfzehn Prozent Trinkgeld. Ist das akzeptabel?«

Kate starrte ihn an, während ihr Traum eines Seelenverwandten so schnell schrumpfte wie der Körper der bösen Hexe des Westens im Zauberer von Oz. Nur dass für sie am Ende keine coolen, roten Schuhe übrig blieben. »Selbstverständlich.«

»Wunderbar. Bar oder Kreditkarte?«

Sie fasste in ihre Tasche von Coach und holte ihre VISA hervor. »Hier, bitte.«

Der Hilfskellner hielt an ihrem Tisch. »Sind sie fertig? Sir? Miss?«

Bradley nickte. Dabei blieb sein Blick an der bereiten Brust und den muskulösen Schultern des jungen Mannes hängen, der seine schicke rot-schwarze Uniform gut ausfüllte. Panik flatterte in ihrem Bauch, als sich die Luft um sie herum auflud.

Nein. Unmöglich.

Aber sie musste es wissen.

Der Hilfskellner fasste nach dem Teller und schickte ihr einen verführerischen Seitenblick. Kate sog die Luft ein und strich mit dem Arm gleichzeitig über seine Hand, während sie mit den Fingern, die ihres Dates berührte.

Ein winziger Schlag ließ ihre Haut erschauern und vibrierte durch ihren Körper. Bradley lächelte den Hilfskellner an, rohes Verlangen war dabei wie in sein Gesicht gemeißelt.

Ach du scheiße.

Es war vorbei.

Sie bekämpfte ein Seufzen und gab Nummer einhundert auf. »Bradley, ich komme gleich wieder. Ich muss auf die Toilette.«

»Natürlich.«

Samt Tasche machte sie sich auf den Weg den Gang hinunter. Nach ein paar Minuten kam der Hilfskellner vorbei und sie streckte den Arm aus, um seinen zu berühren. »Entschuldigung?«

»Ja, Ma’am?«

Sie warf einen Blick auf sein Namensschild. »Gabe, es tut mir leid, aber ich frage mich, ob Sie meinem Date eine Nachricht überbringen könnten? Ich fühle mich nicht gut und muss gehen. Ich bin sicher, er möchte noch bleiben, falls das möglich ist. Würden Sie ihm vielleicht in ihrer Pause einen Drink spendieren?«

Gabe errötete. »Sind Sie nicht zusammen?«

Kate lächelte. »Nein, ich bin nicht sein Typ. Bei Ihnen hingegen könnte Interesse bestehen, wenn Sie ihn fragen würden.«

So etwas wie Erkenntnis blitzte in seinen dunklen Augen auf und er nickte. »Ich wäre auch an ihm interessiert.«

»Danke. Viel Glück. Ich verschwinde durch die Seitentür.«

Gefangen zwischen Verzweiflung wegen ihrer Notlage und Freude darüber, ein Paar zusammengeführt zu haben, verließ sie das Restaurant.

Verdammt, ihr Schwulenradar war komplett im Eimer.

Es war eine kalte windige Märznacht in Verily. Sie atmete ein, wollte noch nicht nach Hause gehen. Die Geschäfte blieben Samstagnacht geöffnet und es war erst halb neun. Ihre hochhackigen Stiefel klickten auf dem Bürgersteig, während sie die Straße entlanglief und die alternative Stadt am Hudson River genoss. Der Ort prahlte mit einer Vielfalt an Geschäften und Cafés, die eine ausgefallene Atmosphäre inne hatten. Weiße Lichter glitzerten in den Bäumen, die den Bürgersteig säumten und Musik ertönte aus Mugs, der beliebten Bar, die auch als Nachtklub diente. Ein Vollmond hing über der Uferlinie und erhellte die Tappen Zee Bridge, die in der Ferne glitzerte.

Sie schlängelte sich zwischen Fußgängern und deren angeleinten Hunden sowie kichernden Collegestudenten hindurch. Nebenbei ließ sie einen Dollar in den Koffer eines jungen Mannes fallen, der Gitarre spielte und von gebrochenen Herzen sang.

Einsamkeit traf sie hart. Sie war so müde. Wann war sie dran? Wann würde sie endlich eine Verbindung zu jemandem spüren?

Außer ... Sie würde sie nie finden.

Geschlagen von den ständigen Enttäuschungen fragte sie sich, ob es nicht vielleicht besser für sie wäre, den Traum aufzugeben einen Partner zu finden. Vielleicht, bloß vielleicht, gab es nicht für jeden Menschen einen anderen Menschen, der nur für ihn bestimmt war. Vielleicht, bloß vielleicht, war sie dazu bestimmt, allein zu sein.

Kate kämpfte gegen den plötzlichen Drang zu weinen an, um nicht in einer Selbstmitleidsorgie zu versinken. Sie war fertig. Vermutlich würde sie sich nie wieder davon erholen können, wenn sie auf ein weiteres, enttäuschendes Date ging. Zum Teufel mit der Liebe. Sie würde sich ein neues Buch kaufen, zu Robert nach Hause gehen und sich unter eine Decke kuscheln.

Kate hielt vor dem Geschäft für Second-Hand-Bücher inne. Zeit, etwas zu verändern. Kein Dating mehr. Sie würde nicht weiter der Liebe nachjagen. Sie würde sich auf ihre Firma, ihre Freunde und darauf konzentrieren, Dinge zu tun, die sie glücklich machten.

Mit hoch erhobenem Kopf und mit festem Glauben an ihren neuen Vorsatz trat sie ein und brachte damit die Glocke zum Klingeln. Düfte schwärmten in wundervoller Vertrautheit um sie herum. Leder. Papier. Mottenkugeln. Vollkommenheit.

Sie lief quer über den abgetretenen Teppich und blieb vor dem abgenutzten und angeschlagenen Tresen stehen. »Hast du etwas für mich, Hector?«

Der Junge hinter dem Tresen war stockdürr mit aufgestelltem lila Haar und einigen Pickeln im Gesicht. Hector schüttelte mit einem Grinsen den Kopf. »Hab auf dich gewartet, Kate. Hinten im Lager steht eine neue Kiste mit Second-Hand-Büchern. Ich hatte noch keine Zeit, sie zu sortieren, also kann es sein, dass du darin nichts findest.«

Der Reiz des Unbekannten ließ sie erzittern. Würde sie es jemals müde werden, eine neue Kiste voller Bücher zu öffnen und die Schätze darin durchzuwühlen? »Keine Sorge. Ich sehe sie mir an, falls das okay ist?«

Der Teenager bedeutete sie zum Lager des Geschäfts. »Tu dir keinen Zwang an. Das wird mir etwas Arbeit ersparen.«

»Danke.«

Kate lief den menschenleeren Gang entlang in den Lagerraum. Im vollgestopften Raum befand sich eine, auf extrem unorganisierte Weise sortierte Ansammlung von Kisten, Aktenschränken und Papieren. Die neue Lieferung war allerdings klar gekennzeichnet, also holte sie diese vom Stapel und riss sie mit den Händen auf, anstatt mit einem Teppichschneider. Sie würde es ohnehin nie schaffen, eine perfekte Maniküre zu bewahren.

Kate setzte sich im Schneidersitz auf den alten Betonboden und zog ein Buch nach dem anderen hervor. Romance. Biographien. Ein bisschen Diätkram. Sie legte ein paar auf die Seite, die sie sich näher ansehen wollte und fand schließlich ein tolles Buch über Liebeszeichen, das schon etwas älter zu sein schien. Hm, man wusste nie, was man von den Achtzigern lernen konnte. Könnte hilfreich sein. Sie fügte es dem wachsenden Stapel hinzu. Ein interessantes Buch darüber, wie sich Männer mit Hunden identifizierten. Das konnte sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. Und dann ...

Sie legte die Finger auf ein stoffbedecktes Buch und zog es hervor. Knalliges Violett attackierte ihr Sichtfeld. Das Buch der Zaubersprüche. Einfacher Titel. Klein, quadratisch, kein Roman, sondern eher eine Anleitung? Sie öffnete den Einband ein wenig und überflog die erste Seite.

Ein tiefes Summen vibrierte bis in ihre Fingerspitzen. Ihr Magen zog sich zusammen, als hätte sie gerade eine heiße, männliche Zukunftsaussicht gesehen anstatt eines einfachen Buchs. Das Summen wurde stärker, während sie es durchblätterte und einen antiken Liebeszauber mit Gesang an die Erdenmutter entdeckte. Faszinierend. Sie hatte noch nie etwas Derartiges gesehen. Nicht mal ein Autor war angegeben. Wie war das möglich?

Definitiv behalten. Vielleicht als etwas Spaßiges für ihre Kundschaft.

Kate ließ das Buch auf ihren Stapel fallen.

Ein elektrisches Knistern schoss durch ihren Körper wie bei einem nassen Stecker den man in einer Dose steckte. Sie schrie auf und riss die Hand zurück, während sie das violette Cover anstarrte. Was zum Teufel war das? Vielleicht hatte ihr der Stoff eine Art Schlag versetzt. Aber verdammt, das tat weh.

»Brauchst du hier hinten etwas Hilfe?«, hallte Hectors Stimme durch den Laden.

Den Kopf schüttelnd kam sie auf die Beine und stellte die Kiste zurück. Umsichtig, nicht das violette Buch zu berühren, nahm sie ihren Stapel an Schätzen hoch und machte sich auf den Weg aus dem Lagerraum.

»Ich habe alles, was ich brauche, Hector. Ich habe sechs Bücher genommen. Verrechne sie mir auf mein Konto, bitte!«

»Wird gemacht. Viel Spaß noch.«

Kate machte sich auf den Weg zu ihrem Wagen und damit zu ihrem typischen Samstagabend mit ihren Büchern und ihrem Hund. Dank der Einkäufe fühlte sie sich mittlerweile sogar besser.

Auf Wiedersehen, Nummer Einhundert. Dieses Date gehörte in das Buch der Rekorde für Katastrophen. Es würde eine lange Zeit vergehen, bevor sie wieder die Ausdauer hatte, überhaupt über Nummer Einhundertundeins nachzudenken.

1. Kapitel

Ich ziehe aus.«

Slade sah dabei zu, wie seine Schwester einen übergroßen Koffer mit Blumenmuster den Gang nach unten schleppte und ihn dann an der Eingangstür fallen ließ. Eine seltsame Panik rauschte durch seinen Kreislauf, aber er stand wie erstarrt im Foyer und sah dabei zu, wie sich die Szene abspielte. Teufel, nein. Sie war noch nicht dazu bereit, allein auch nur irgendwohin zu gehen, aber irgendwie musste er sie davon überzeugen, ohne wie ein irrer Kontrollfreak von einem Bruder zu wirken.

Er hielt seinen Tonfall sanft, aber bestimmt. »Jane, ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist. Ich weiß, du willst dein eigenes Reich, aber ich denke nicht, dass du bereit dafür bist. Abgesehen davon werde ich ohne dich vereinsamen. Lass dir Zeit und ich helfe dir dabei, ein Apartment zu finden.«

Jane drehte sich auf der Stelle um. Die Hände in die Hüften gestemmt und mit diesem wütenden Blick auf dem Gesicht, den Frauen draufhatten und den er so gut kannte. Unterm Strich bedeutete das, er hatte gerade wieder mit seinen Worten Mist gebaut.

»Erstens: Trau mir bitte mal etwas zu. Ich bin bereit. Ich weiß es zu schätzen, dass du mich hier wohnen lässt, aber ich hätte schon vor einem Jahr ausziehen sollen. Und der einzige Grund, warum du einsam bist, ist der, dass du es ablehnst, länger als eine Nacht mit einer Frau zu verbringen.«

Slade zuckte zusammen. Unfair. Er war immer diskret, was Frauen betraf. Es war ihm ein Bedürfnis, keine Freundschaft zwischen seiner Schwester und einer Geliebten entstehen zu lassen. Eine langfristige Verpflichtung war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Die Statistiken über Scheidungen allein verursachten einen Schauder in ihm.

Jane marschierte ins offene Wohnzimmer und machte sich auf den Weg zum Bücherregal, um sich ein paar Bücher aus den Reihen zu schnappen.

Scheiße, war das das neue Kochbuch von The Chew, einer seiner Lieblingskochserien? Er hatte sich noch nicht mal die Bilder angesehen. »Sei vernünftig, Jane. Du kannst nirgendwo hin und ich will nicht, dass du in einem miesen Studioapartment in Manhattan leben musst. Es wird dich eine Million Dollar kosten und nicht sicher sein. Bist du immer noch traurig wegen deiner Trennung? Wir können losziehen und ihm die Reifen aufschlitzen, uns besaufen und Weiberfilme gucken. Das ist es doch, was Frauen machen, richtig?«

Jane legte den Kopf in den Nacken und lachte. »Gott, Slade, wenn ich dich nicht so lieb hätte, würde ich dich umbringen. Ich habe schon eine Wohnung. Ich habe ein Apartment in Verily am Fluss gemietet. Ich habe meinen Job gekündigt und einen neuen am dortigen Community College am Start.«

Das Zimmer drehte sich. Er starrte seine normalerweise schüchterne, logische, beständige Schwester an und fragte sich, was sie getrunken hatte, um sich in Mr Hyde zu verwandeln. »Deinen Job gekündigt? Du hast auf eine Festanstellung hingearbeitet!«

»Und ich habe es dort gehasst. Es war spießig, viel zu abgehoben und langweilig. Manhattan hasse ich außerdem auch. Es ist vollgestopft mit Leuten und bereitet mir die meiste Zeit über Kopfschmerzen.« Jane atmete langsam ein und kam zu ihm herrüber, dabei steckte sie die Bücher in ihre Tragetasche. Ihr langes pechschwarzes Haar kräuselte sich in einem Wirbelwind aus Locken und mit kakaobrauen Augen sah sie ihn traurig hinter einer dicken schwarzen Brille an. »Ich kann das nicht mehr«, sagte sie. »Ich brauche einen Neuanfang. Zu meinen Bedingungen. Verily ist klein und malerisch und das College legt seinen Fokus darauf, wie man Kreativität in der Literatur anwenden kann. Ich kann dort wachsen. Vielleicht einen Mann treffen, der mich nicht zuerst aussaugt und dann sitzen lässt.« Ihr Lachen war komplett ironisch.

Slades Herz zog sich aus purer Angst zusammen. Er konnte sie nicht gehen lassen. Wenn etwas passierte, wäre es seine Schuld. Schon wieder. Solange sie unter seinem Dach wohnte, konnte er zumindest abschätzen, ob sie sich in einem zerstörerischen Strudel befand.

Slade schaltete seinen Anwaltsmodus an. Einer der besten Scheidungsanwälte im ganzen Staat zu sein, musste noch für etwas anderes außer Geld gut sein. »Ich verstehe, dass du auf eigenen Beinen stehen willst. Ich stimme zu, dass es an der Zeit ist, aber deinen Job zu kündigen und in eine Stadt zu laufen, die du nicht kennst, ist gefährlich. Ich komme dieses Wochenende mit dir nach Verily. Ich helfe dir dabei, dich umzusehen, vielleicht ein paar Leute dort zu treffen, damit du nicht allein bist und wir knobeln das gemeinsam aus.«

Ihre Stimme erhob sich auf ein gefährliches Level. »Ich will das nicht zusammen ausknobeln! Ich will es allein, für mich, machen. Oh, um Gottes Willen, sieh dir diese Wohnung an!« Sie streckte stürmisch den Arm aus und zeigte auf sein teures Loft, das im begehrten Teil von Tribeca lag. Die riesige Wohnung war durch eine schnittige Glastreppe in zwei Stockwerke geteilt. Fenster reihten sich an den Wänden und gewährten eine Sicht auf Manhattan. Kostspielige Kunst, Bambusböden, alternative Glastische, Granitablagen und riesige Ledersessel machten den Look vom Bachelor in der großen Stadt komplett.

»Was stimmt damit nicht? Wir haben hier mehr als genug Platz.«

»Das ist deine Wohnung! Ich hatte in den letzten drei Jahren nichts für mich allein. Ich bin achtundzwanzig Jahre alt. Es ist Zeit, die Dinge zu meinen Bedingungen in die Hände zu nehmen, ohne dass sich jemand Sorgen darum macht, ich könnte durchdrehen, wenn etwas schiefgeht.«

Er zuckte zusammen. Jane war extrem sensibel und hatte sich in dieser brutalen Gesellschaft schon immer schwer getan. Er hatte dabei zugesehen, wie unzählige Männer sie zerstört hatten –, wie eine Blume unter einem Absatz –, bis nichts mehr übrig war, als ein paar vereinzelte Blütenblätter. Er hatte geschworen, es nicht zuzulassen, dass noch jemand sie verletzte.

Er musste sie dazu bringen, zu bleiben. »Schätzchen, ich weiß, du bist jetzt viel stärker. Denke nie, dass ich darauf warte, dass du einen Rückfall hast. Ich denke nur, es wäre besser, diese Ausziehsache noch etwas aufzuschieben.«

»Ich nicht.« Jane öffnete die Schranktür, schnappte sich ihren schwarzen Wollmantel und steckte die Arme in die Ärmel. »Wenn ich mich eingewöhnt habe, kannst du den Rest von meinem Zeug vorbeibringen und mich besuchen. Ich denke, es wird dir in Verily gefallen. Und ich werde nicht lang allein sein. Ich habe beschlossen, mich bei einer Partnervermittlung anzumelden.«

Jepp. Sie hatte sich definitiv den Mr Hyde Punsch runtergekippt. »Verarschst du mich? Weißt du, wie viele von denen wegen Betrugs geschlossen werden? So etwas wie den perfekten Partner gibt es nicht und das weißt du. Was ist los mit dir?«

Sie streckte das Kinn hoch. »Ich bin es leid, Angst zu haben und mich mit den falschen Männern zu treffen. Kinnections ist eine respektable Firma. Ich mag die Frauen, die ich dort getroffen habe und ich vertraue ihnen. Also mach dir keine Sorgen, dass ich mich in meinem Apartment verstecken und depressiv werden könnte. Ich ziehe los und treffe mich mit Menschen. Ich mache es diesmal anders.«

»Diese Firma wird dir dein Geld abnehmen und falsche Erwartungen in dir wecken. Was, wenn es nicht funktioniert und du dir die Finger verbrennst? Ich werde nicht hier herumstehen, während du wieder von irgendwelchen skrupellosen Leuten zerstört wirst, die es auf dein Geld abgesehen haben.«

Sie stieß ein empörtes Quietschen aus. »Hörst du dir eigentlich selbst zu? Gott, hör auf mich zu beschützen. Ich bin ein anderer Mensch, als ich es vor drei Jahren war und du erdrückst mich! Mom und Dad würden nicht wollen, dass du mich in deiner Männerhöhle versteckst, während ich dabei zusehe, wie das Leben anderen Menschen passiert.«

»Mom und Dad haben dich nie mit einer Überdosis Pillen im Badezimmer gefunden. Mom und Dad haben dich nicht in ihren Armen gehalten und darum gebetet, dass du nicht stirbst!«

Die Stille zerriss um sie herum. Slade schloss kurz die Augen, während Trauer ihn in Stücke schnitt. Seine Worte waren durchtränkt mit einer Schuldzuweisung und einem Flehen, das ihm den Magen verdrehte. Ihr Selbstmordversuch – die Erinnerung daran, hatte ihn verändert. Er wollte, dass sie sicher war. Konnte sie das nicht verstehen?

Seine Stimme brach. »Es tut mir so leid, Jane. Ich wollte das nicht erwähnen.«

Schmerz zeichnete ihr Gesicht und ihre Unterlippe zitterte. »Doch. Das wolltest du. Es tut mir leid, dass du das wegen mir durchmachen musstest. Aber ich bin nicht mehr derselbe Mensch. Ich verdiene es, glücklich zu sein und ich werde mir dieses Glück nehmen. Ja, kann sein, dass ich auf dem Weg dorthin verletzt werde, aber ich kann jetzt damit umgehen, Slade. Ich bin stärker.« Sie warf sich die Tasche über die Schulter und schnappte sich den Griff ihres Koffers. »Ich nehme es dir nicht übel, dass du mir nicht vertraust. Aber ich werde es dir beweisen. Du bist nicht länger für mich verantwortlich.«

»Mein Gott, lass mich dir helfen. Wir gehen Abendessen und reden darüber.«

Sie machte die Tür auf. »Nein. Der Portier wartet unten auf mich.«

»Aber ich brauche eine Nummer, eine Adresse, irgendetwas.«

»Ich rufe dich an, wenn ich mich eingerichtet habe. Hab dich lieb.«

Sie ging. Dieses Mal hielt er sie nicht auf. Einem Teil von ihm war bewusst, dass es wichtig war, dass sie ihren eigenen Weg beschritt. Die andere Hälfte entschied, dass er alles zerfetzen würde, das versuchen sollte, ihr wehzutun. Oder jeden.

Mit einem leisen Fluchen schritt er zu seinem Computer und tippte die Worte ein.

Kinnections. Partneragentur. Verily.

Er starrte den Bildschirm eine Weile an und traf seine Entscheidung.

2. Kapitel

Slade blieb vor der Glastür von Kinnections stehen und ließ die festlichen weißen Lichter, sowie das kunstvolle Design auf sich wirken. In lila und silbernen Lettern versprach es den Passanten ein Happy End verziert mit Aufregung, Hoffnung und Geheimnissen.

Wut ließ ihn seinen Kiefer anspannen. Ein Haufen Betrüger, die Träume verkauften, die es gar nicht gab. Für ihn war das schlimmer, als diese E-Mails, die einem für einen kleinen Anteil eines Geldbetrages mehrere Millionen Dollar versprachen. Schlimmer als Identitätsdiebstahl. Seiner Einschätzung nach lag das wahre Böse nicht darin, Geld oder Güter oder sogar Dienstleistungen zu stehlen. Nein, das hier war Diebstahl des Herzens – eine eklatante Lüge, die man den Einsamen und Gebrochenen erzählte, um sie mit dem geisterhaften Bild des perfekten Mannes oder der perfekten Frau zu verführen.

Er würde solchem Abschaum nicht erlauben, seine Schwester zu zerstören.

Slade drücke die Tür auf und trat ein.

Die Frau am Hauptschalter schien überrascht, einen Kunden zu sehen. Als hätte die heitere Glocke, die sein Eintreten angekündigt hatte, nicht funktioniert. Mit einem Blick tat er sie als Rezeptionistin ab, weigerte sich aber, seine Zeit damit zu verschwenden, sich die Leiter hochzuarbeiten.

Er knipste seine Anwaltsstimme an, die keine Abweisung zuließ. »Ich würde gern den Manager sprechen, bitte.«

Eine Braue hob sich. Ja, sie war perfekt als Aushängeschild der Partnervermittlung. Ihr Haar war umwerfend, so blond, dass es beinah weiß erschien und hing in kerzengeraden Strähnen, die wie Sonnenstrahlen schimmerten, über ihre Schultern. Mit großen blauen Augen sah sie ihn auf nachdenkliche Weise einschätzend an, als wäre sie dabei, zu entscheiden, ob sie ihren Boss rufen sollte oder besser nicht. Es war kein dunkles Blau, wie das des Ozeans, sondern eher ein kornblumenblau, das so hell war, dass ihre Züge in einer Art von engelsgleichem Glanz zu verschwimmen schienen. Er riss sich aus seiner Trance und fragte sich, was zum Teufel er sich dabei dachte, so viele Vergleiche über eine Frau zu machen, mit der er kein Gespräch führen wollte.

»Darf ich fragen, worum es geht?«

Geschmeidig und sanft neckte ihre Stimme seine Ohren, wie ein rauchiger Hauch, bevor er verschwand. Er wollte mehr hören, aber das gesamte Treffen war dabei, ihm Angst einzujagen.

Er räusperte sich und sah sie über seine goldberandete Brille hinweg an. »Das muss Sie nicht kümmern«, presste er hervor. »Bitte holen Sie mir Ihren Manager.«

Sie verschränkte die Arme und musterte ihn gedankenverloren. »Wenn es sich hierbei um einen Kunden handelt, werden wir Ihnen keine Informationen preisgeben können. Wir halten uns an unsere Geheimhaltungsabkommen.«

Er schnaubte. »Praktische Art, um zu versuchen, Anklagen zu vermeiden, hm?«

»Haben Sie einen schlechten Tag, Sir?«

Belustigte er sie? Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf und lehnte sich über ihren Tisch. Sein Auftreten vor Gericht war dafür bekannt, tödlich zu sein – aber dieser Strohhalm von einer Frau wagte es, ihn zu verspotten? »Bis jetzt schon. Ich bin sicher, er wird besser werden, sobald ich mit Ihrem Boss geredet habe.«

»Okay. Machen Sie nur.«

Er atmete ruckartig aus. »Können Sie ihn bitte holen?«

»Ich bin bereits hier.«

Er konnte sein Zusammenzucken geradeso verbergen; kämpfte darum, ihr diese Genugtuung nicht zu geben. Slade kannte sich mit zwei Dingen im Leben ganz genau aus: dem Gesetz und damit, wie Menschen tickten. Er hatte immer beides benutzt, um ihm Leben erfolgreich zu sein und im Großen und Ganzen unbeschadet davonzukommen.

Er ließ jeden Ausdruck aus seinem Gesicht weichen, um jegliche Emotion zu verbergen. »Ich verstehe. Irgendwie bin ich nicht überrascht.«

Sie spannte ihre blassrosa Lippen an. Ah, auf Wiedersehen Amüsement. Hallo, Gereiztheit. Viel besser. »Warum habe ich das Gefühl, dass Sie selten überrascht sind?«

Ihre akkurate Bewertung warf ihn aus der Bahn. »Weil ich es nicht bin. Die Leute sind recht durchschaubar in gewissen Situationen. Liebe, zum Beispiel. Das Versprechen von etwas, mit dem Disney ein Vermögen durch Kinderfilme gemacht hat, ist wie der Heilige Gral. Wegen der Chance an ein Trugbild zu glauben, kämpfen, stehlen und bezahlen sie Geld, das sie nicht haben.«

Er wartete auf einen weiblichen Wutausbruch und bekam ... nichts. Ein interessiertes Leuchten blitze in ihren Augen auf. Sie ließ ihn zappeln, ließ sich Zeit dabei, seine Erscheinung zu mustern und ihre eigene Bewertung abzugeben. Oh ja, sie war gut. Es gab keinen lebendigen Mann, der sich nicht in ihre Hände begeben würde und keine Frau, die nicht so sein wollen würde wie sie. Die perfekte Kombination, um Liebe zu verkaufen.

»Sie wirken mir ein wenig abgebrüht für dreißig, Sir.«

»Dreiunddreißig.«

»Ah, ich verstehe. Nun ja, lassen Sie mich eines sofort klarstellen. Bei Kinnections benutzen wir ein breitgefächertes Angebot an Dienstleistungen, um einer Person dabei zu helfen, einen Gefährten zu finden. Was das für ihn oder sie bedeutet ist subjektiv. Manche wollen Freundschaft, manche wollen Sex und manche wollen ein Crescendo an Musik hören, wenn sich ihre Blicke treffen. Ich bin nicht hier, um zu urteilen. Unser Job ist es, zu versuchen, unseren Kunden in einer sicheren Umgebung und im beiderseitigen Einverständnis, das zu geben, was sie wollen.«

Er verschränkte die Finger vor der Brust und tappte die Daumen aneinander. Eine der Lieblingspositionen der Juroren, die ihm den Anschein von Entspannung trotz voller Kontrolle verlieh. Er lockerte seine Stimme durch einen verschwörerischen Tonfall auf. »Ein imposantes Ziel. Und wenn es nicht funktioniert? Bekommen Ihre Kunden ihr Geld zurück?«

Ihr Stuhl quietschte. »Nein, sie unterschreiben im Vorhinein einen Vertrag, in dem sie den Bedingungen zustimmen.«

»Praktisch. Ich muss es Ihnen anrechnen, Ma’am. Sie haben hier eine nette Einrichtung. Der Geschäftsmann in mir respektiert das. Aber ich habe eine Frage, deren Antwort ich nur zu gern hören würde.«

»Welche?«

»Wie schlafen Sie nachts?« Endlich. Ihre Muskeln spannten sich an und Slade zog den Kreis um seine Beute enger, um ihr den tödlichen Schlag zu verpassen. »Sie verkaufen etwas, das nicht existiert. Übernehmen Sie die Verantwortung für die kaputten Beziehungen und Herzen, die Sie auf dem Weg kreiert haben? Gibt es eine Ausschlussklausel für Scheidungen, die durch ihre Vermittlungen entstehen? Gefällt es Ihnen, die hart verdienten Ersparnisse einer einsamen Frau zu nehmen, während sie weiterhin Geld in eine Suche fließen lässt, die ihr nie geben wird, was sie will?«

Die Blondine erhob sich mit geballten Fäusten halb aus ihrem Stuhl. Wut ging in böigen Wellen von ihrer Silhouette aus. Triumph, endlich die harte Schale von Heuchelei durchbrochen zu haben, erfüllte ihn. Mach jemanden wütend, drück die richtigen Knöpfe und du bekommst die Wahrheit. Das waren die Tricks seines Geschäfts. Slade wartete mit Genugtuung, die er nur selten außerhalb des Gerichtssaals verspürte, auf die lange Tirade.

Sie öffnete diese sinnlichen Lippen. Dann schloss sie sie wieder. Tief einatmend schloss sie die Augen und schien irgendetwas Meditatives zu machen. Als sie die Lider aufschlug, schien sie ruhiger. Ihre hypnotisierende Stimme klang wie Musik in seinen Ohren und versprach ihm irdische und himmlische Genüsse. Gott, welche Geräusche machte sie wohl beim Sex? Stöhnen? Heiseres Flüstern? Schreie?

Was zum Teufel dachte er da?

»Sie sind gut. Sie haben mich beinah dazu gebracht, die Fassung zu verlieren, aber ich arbeite hart an meinen Wutbewältigungsfähigkeiten, also gewinne ich diese Runde. Es tut mir sehr leid.«

»Was tut Ihnen leid?«

Ein Hauch von Sanftheit erhellte ihre Augen. »Für das, was Ihnen passiert ist. Sie sind offensichtlich von einem Partner verletzt worden? Mann oder Frau?«

Slade riss die Hände hoch und brach aus seiner Position. »Sie halten mich für schwul?«

Sie schnalzte die Zunge. »Kein Grund, sich zu schämen. Wir finden Partner für Menschen mit allen möglichen sexuellen Interessen bei Kinnections.«

Sein Atem erstickte ihn. »Ich bin nicht schwul! Und hören Sie auf in meinem Kopf herumzuwühlen – ich bin ein Meister und weiß alles über Manipulationsspielchen. Kein Wunder, dass meine Schwester auf diese Charade reingefallen ist.«

Sie runzelte die Stirn. »Schwester?«

»Jane Montgomery. Sie hat sich letzte Woche bei Ihrer Agentur eingeschrieben. Ich bin sicher, Sie erinnern sich an sie.«

Die heiße Blondine tappte mit den Fingern an ihren Lippen. Slade fiel auf, dass stylischer Nagellack fehlte. Ein definitiver Widerspruch zu ihrem amerikanischen Cheerleaderaussehen. »Natürlich. Wir freuen uns sehr mit Jane zusammenzuarbeiten.«

»Sie wird nicht länger mit Ihnen arbeiten. Ich bin hierhergekommen um Ihnen persönlich mitzuteilen, ihre Akte in den Shredder zu werfen und sie nicht wieder zu kontaktieren.«

Sie besaß die Dreistigkeit, verwirrt zu wirken. »Warum würden Sie das tun? Wir haben bereits etwas Zeit damit verbracht, darüber zu sprechen, was sie braucht und will und sie ist enthusiastisch, mit dem Dating zu beginnen.«

Offensichtlich brauchte diese Frau eine Therapie. Oder eine Beratung über die Realität. Er sprach langsam, als würde er mit einem seiner unterbelichteten Klienten sprechen, die von zu viel außerehelichem Sex zugedröhnt waren. »Jane ist sensibel und sehr emotional. Sie mögen eine fehlgeleitete Ansicht von Hilfe haben, aber Sie werden ihr Selbstbewusstsein in Stücke schlagen und das werde ich nicht erlauben. Sie hatte es schwer in der Vergangenheit. Wenn Sie damit weitermachen, sie als Ihre Kundin zu treffen, werden Sie sie zerstören.«

Die Frau überschlug die Beine, als hätte sie alle Zeit der Welt und würde sich überlegen, was sie zum Lunch bestellen sollte.

Slade machte Notiz von dem schnittigen, schwarzen Hosenanzug, der Smokingjacke und den stylischen Boots mit niedrigem Absatz. Kein Schnickschnack, aber chic und bequem. Die silbernen Kreolen in ihren Ohren flirteten mit ihrem Haar und ihr silberner Armreif glänzte. Er fragte sich, welche Art Unterwäsche sie bevorzugte und schnitt den Gedankengang dann ebenso sauber wie mit einem Skalpell ab.

Heilige Scheiße, er musste jemanden flachlegen. Es war viel zu lange her.

»Sie wirken ziemlich beschützerisch. Aber es tut mir leid, ich werde Ihre Bitte ablehnen müssen. Wie gesagt, die Informationen unserer Kunden sind vertraulich und ich denke, wir können Jane hier helfen. Ich weiß Ihre Sorge zu schätzen und verspreche Ihnen, es langsam und vorsichtig mit ihren Datingerlebnissen angehen zu lassen.«

Slade unterdrückte energisch den Impuls um den Tisch herumzugehen und ihr ganz genau zu sagen, wie gefährlich es sein würde, Chaos im Kopf seiner Schwester anzurichten. Stattdessen legte er seinen inneren Schalter um und fiel wieder in den Geschäftsmodus. Kalt, klinisch und verlässlich. Er hatte versucht, nett zu sein. Jetzt würde er auf die harte Tour bekommen, was er wollte. »Ich denke, Sie missverstehen mich. Ich bitte Sie nicht darum. Ich sage es Ihnen. Sie werden Janes Akte schreddern, sie darüber informieren, dass Sie ihr nicht helfen können und sie nie wieder kontaktieren.«

Zorn ging von ihr aus. »Zwingen Sie mich.«

Wieder versetzte ihm Überraschung einen rechten Haken. Hä? Sie zwingen? War er in einem schlechten Western gefangen? Er senkte die Stimme und sprach mit seidigen, langgezogenen Worten. »Das kann ich, wissen Sie. Sie zwingen. Meine Schwester hatte genug Herzschmerz in ihrem Leben und ich werde Ihnen nicht erlauben, dass Sie sie mit einem Trugbild täuschen. Wenn Sie ihre Aktenicht freiwillig wegwerfen, werde ich eine Anklage zusammenstellen. Ich werde all Ihre Geheimnisse an die Öffentlichkeit ziehen und sicherstellen, dass Sie so tief in der Bredouille feststecken, dass Kinnections am Ende des Jahres bankrott ist.«

Er ignorierte das stechende Schuldgefühl, das davon kam, sich zu Drohungen herabgelassen zu haben. Aber er musste seine Schwester um jeden Preis beschützen. Slade sah dabei zu wie ein Fluss an Emotionen über ihr Gesicht huschte. Wut. Frustration. Angst. Entschlossenheit. Gut. Wenigstens würde er dieser Begegnung und dieser Frau, die ihn so verstört hatte, entkommen und mit seinem Leben weitermachen können.

»Ah, scheiße. Sie sind Anwalt.« Sie spuckte das Wort aus als wäre es schmutzig, aber er war gegenüber dieser Standardreaktion immun. »Korrekt.«

»Ein Scheidungsanwalt noch dazu. Kein Wunder, dass Sie verkorkst sind.«

Wie konnte sie das wissen? Er versteifte sich und rückte seine Anzugjacke zurecht. »Werden Sie meinem Angebot nun zustimmen?«

Sie neigte den Kopf und musterte ihn. Es gewohnt auf der anderen Seite zu stehen, versuchte er sich nicht zu winden, während er ihrem hellblauen Blick standhielt. »Nein.«

Er blinzelte. »Wie bitte?«

»Ich verhandle nicht mit Terroristen, Mr. Montgomery. Dazu gehören auch tyrannische Scheidungsanwälte, die sich für Gott halten. Ich bin nicht dumm. Ich habe mein eigenes Team von Anwälten, die jede Klage von Ihnen mit einer eigenen beantworten werden. Sicher, Sie mögen uns ein wenig schlechte Publicity einbringen, aber jede PR ist gut fürs Geschäft. Und da ist ein weiteres Problem, das Sie nicht bedacht haben: Janes Wünsche. Ich denke nicht, dass sie Ihnen vergeben wird, wenn sie die brüderlichen Grenzen überschreiten und ihr sagen, was sie tun soll und was nicht. Sie mag ein wenig schüchtern sein, aber sie ist kein Schwächling. Wie denken Sie, wird sie reagieren, wenn ich ihr die Wahrheit über dieses kleine Treffen hier verrate?«

Der Speer kippte, adjustierte sich neu und drehte sich um. Sie war viel temperamentvoller als sie aussah und verdammt, wenn sie nicht recht hatte. Jane hielt ihn bereits auf Distanz, entschlossen ihm zu zeigen, dass sie es allein schaffen würde. Das hier könnte die letzen, zerbrechlichen Bande zerreißen, die sie noch zusammenhielten. Slade berechnete seine Gewinn- und Verlustrate neu und dachte eilig nach. Es musste einen anderen Weg geben, seiner Schwester zu helfen, ohne sie zu verstimmen und dennoch weiter ein Auge auf Kinnections zu haben, um sicherzugehen, dass sie es nicht vermasselten. Eine Idee fasste Fuß und obwohl er nach allen anderen Optionen gesucht hatte, wurde Slade klar, dass er wirklich am Arsch war. Es war nur noch ein Weg übrig und es war ein steiniger dorniger Pfad, auf dem er nicht gehen wollte.

»Es scheint so, als wären wir in einer Sackgasse gelandet, Ms ...?«

»Seymour.«

»Aber Sie müssen verstehen, dass ich nicht vorhabe, von hier zu verschwinden, bis ich weiß, dass Jane sicher ist.«

Ihre Züge wurden weicher. »Ich bin nicht in dieses Geschäft eingestiegen, um Menschen zu verletzen, Mr Montgomery. Ich bin hierhergekommen, um ihnen zu helfen. Sie hoffentlich auf den Weg zu Liebe und Glück zu führen. Leider kann es Herzschmerz bedeuten, wenn man sich der Liebe öffnet. Aber es wird nicht daran liegen, dass wir nicht unser Bestes gegeben und es versucht haben.«

Er presste die Lippen aufeinander. »Hohe Ziele zu haben, macht es nicht akzeptabel, den Leuten die Köpfe zu verdrehen. Es gibt nur einen Weg, wie ich Ihre Theorie und Ihr Geschäftsmodell austesten kann.«

»Der da wäre?«

»Schreiben Sie mich als Kunden ein.«

Sie zuckte zurück. Befriedigung durchströmte ihn. Endlich. Er hatte die Kontrolle zurück, genauso wie er es mochte.

»Entschuldigung? Das ist unmöglich.«

»Nein, ist es nicht. Wenn sie Liebe für mich finden können, gewinnen Sie. Ich werde mich zurückziehen und Ihr größter Befürworter werden. Teufel, ich werde Ihre Agentur benutzen, um meinen eigenen Klienten zu helfen und Kinnections wird vor Arbeit explodieren.«

Sie hob die Hände zum Gebet in die Luft und ließ sie dann wieder nach unten an ihre Hüften sinken. »Unsere Kunden müssen offen und willig sein, um ihren Seelenverwandten zu finden. Es ist ein langwieriger Prozess und Sie würden uns den ganzen Weg lang bekämpfen. Es würde nie funktionieren.«

»Ich kann es versuchen.« Ein Gefühl der Ruhe überkam ihn. »Ich bin endlos mit Frauen ausgegangen und kann scheinbar einfach nicht die richtige finden. Wenn sie da draußen ist, würde ich sie gern finden.«

»Warum?«

Er betrachtete die Herausforderung. »Ich hätte gern irgendwann Kinder«, sagte er langsam. »Eine Gefährtin. Eine Freundin, mit der ich alt werden kann. Wer würde das nicht wollen? Ich glaube nicht, dass so jemand da draußen ist, aber ich bin gewillt, Sie mich eines Besseren belehren zu lassen. Wenn Sie denken, dass sie es schaffen können.«

Sie strich sich eine eigensinnige Haarsträhne hinters Ohr. Zum ersten Mal, seitdem er durch die Tür gekommen war, wirkte sie komplett zerstreut. Das wurde auch Zeit. »Sie müssten eine Beziehungsberatung durchmachen. Intensive Interviews und Screenings mit mir. Gewillt sein, auf soziale Events zu gehen. Das ist lächerlich, Mr Montgomery. Und ich habe keine Zeit zu verschwenden.«

»Ich auch nicht.« Er hielt ihren Blick fest und weigerte sich, sie zu entlassen. »Nehmen Sie es oder lassen Sie es sein. Wenn Sie es nicht tun, weiß ich, dass sie eine Betrügerin sind und Janes Reaktion wird mich nicht kümmern. Ich weigere mich, zuzulassen, dass sie verletzt wird, nur damit Sie sich Geld in die Tasche stecken können. Wenn Sie mein Angebot annehmen und ich den Wert dieser Partnervermittlung erkennen kann, ist es eine Win-win-Situation für uns beide. Ich werde Ihnen dabei helfen, Ihre Kundenliste zu verlängern und jedem davon erzählen, den ich kenne. Was haben wir zu verlieren?«

»Wie wäre es mit meinem Verstand und meinem Sinn für Humor?«, grummelte sie.

»Witzig. Ich hatte angenommen, Sie hätten den schon vor einer Weile verloren.«

Voller Misstrauen warf sie ihm einen finsteren Blick zu – als würde sie sich plötzlich fragen, ob er echten Sinn für Humor besaß. Slade fragte sich, warum er dieses Gespräch so sehr genoss. Er wurde es langsam müde, immer diese zwei Typen von Frauen zu treffen: wütend und bitter oder weinerlich und klammernd. Zum Teufel, seine Arbeit war zu seiner Vollzeitgeliebten geworden – war das nicht traurig in der Blüte seines Lebens? Natürlich erwartete er nicht, dass Kinnections funktionierte, aber vielleicht würde er aus seinem Trott herauskommen und seine Beziehung zu Jane reparieren können. Wenn sie beide diesen Ablauf durchmachten, könnte er ein Auge auf sie haben. Ja, das war definitiv eine Win-Win-Situation.

»Sie werden Papierkram ausfüllen und das Honorar bezahlen müssen.«

Er hob eine Braue. »Natürlich, Miss Seymour. Nichts anderes habe ich erwartet.«

»Kate.« Ihr Name kam ihr widerwillig über die schmollenden Lippen. »Mein Name ist Kate.«

Er passte zu ihr. Stark, elegant und voller Power. Außen einfach, innen komplex. Ein wenig peinlich berührt wegen seiner Lächerlichkeit, zügelte er den poetischen Gedanken und räusperte sich. »Slade. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.«

Sie fingerte ungeschickt an einem Stapel Papieren herum und steckte sie in einen Umschlag. Notierte ein paar Dinge auf ihrem Block. Dann reichte sie ihn Slade. »Füllen Sie die hier aus und lassen Sie sie mir bis zum Ende der Woche zukommen. Ich werde nächste Woche eine Sitzung für ein Interview mit ihnen arrangieren müssen.«

»Wie viel kostet der erste Teil der Beratung?«

»Eintausend Dollar. Alle Preise sind klar im Vertrag aufgelistet.« Ihr Tonfall kam ein wenig spöttisch hervor. »Ich bin sicher, Sie werden die Paragraphen sorgfältig studieren und mich darüber informieren, wenn es ein Problem geben sollte.«

Er nahm den Umschlag und fragte sich kurz, warum Sie nicht seine Hand schütteln wollte. Dann drängte er den Gedanken beiseite. Wie auch immer. Er musste hier raus.

»Ich melde mich. Auf Wiedersehen, Kate.« Ihr Name auf seiner Zunge war süß und würzigscharf.

Ohne einen Blick zurück marschierte er durch die Tür. Unsicher, ob er nicht gerade den schlimmsten Fehler seines Lebens begangen hatte.

*

Kate öffnete die Fäuste und atmete aus. Die Nachwehen von all dieser männlichen Energie schwirrten immer noch um sie herum. Worauf hat sie sich da gerade eingelassen? Dieser Mann stand dem üblichen Ablauf gänzlich kritisch gegenüber, war störrisch und hatte dieses Potential für tödlichen Charme, für den gute Anwälte bekannt waren. Sie konnte nicht glauben, dass Jane aus demselben Genpool entsprungen war, obwohl der Beschützerinstinkt ihres Bruders gegenüber der Familie ihm Pluspunkte einbrachte.

»Der wird eine Herausforderung darstellen«, driftete ein heiseres Schnurren zu ihren Ohren.

Ihre gute Freundin und Geschäftspartnerin, Kennedy Ashe, spazierte ohne zu wanken auf ihren zehn Zentimeter hohen Absätzen auf sie zu. Ihr pinker Karoanzug war der Inbegriff professioneller Perfektion. Sie tappte mit einem dazu passenden pinken Fingernagel auf ihre geschwungenen Lippen, während ihre Augen vor Amüsement zu funkeln schienen. »Den Spaß, den ich mit ihm haben könnte ... Das hast du gut gemacht, Kate. Ich habe die Gewalt in dir gespürt, aber du hast nie die Kontrolle verloren. Funktionieren diese Meditationstechniken, mit denen du deine Wut zügeln sollst?«

Katte schnappte sich eine Flasche und fing damit an, sie am Trinkwasserspender aufzufüllen. »Witzig. Erwähne bloß nie, dass ich mir die DVD nie angesehen habe. Du wirst damit ihre Gefühle verletzen. Meine Instinkte haben mich regelrecht angeschrien, ihn abzulehnen, aber ich wollte keine Klage riskieren.«

»Clever. Wir haben uns gerade einen deftigen Profit eingehandelt, also lass es uns nicht vermasseln. Und der Mann ist ein reizvolles Exemplar. Unsere weiblichen Kunden werden lautstark darum flehen, ihm vorgestellt zu werden.«

Sie drückte den Knopf und sah dabei zu, wie der eisige Strahl Wasser in die Flasche strömte. »Ich weiß. Wir sind genau wo wir sein wollen. Es dauert etwa drei Jahre bis sich ein Geschäft stabilisiert und damit anfängt, Geld zu machen. Natürlich haben all die PR und die zehn Hochzeiten geholfen. Das sind solide Zahlen im Geschäft.«

»Vielleicht wird Bravo endlich uns anstatt The Millionaire Matchmaker eine Serie geben?«

Kate lachte. »Nein, danke. Das Letzte, was ich brauche, ist, dass sich die ganze Welt darauf konzentriert, warum die Besitzerin und leitende Vermittlerin scheinbar keine Beziehung aufrechterhalten kann. Gott, ich schaffe es nicht mal bis Date Nummer drei. Das liegt an dem Fluch.«

Kennedy verdrehte die Augen und inspizierte ihre Nägel. Ihr sattes dunkles Haar glitzerte durch die karamellfarbenen Highlights. »Das schon wieder? Deine Familie ist nicht verflucht. Deine Mom war glücklich verheiratet, bis dein Dad gestorben ist und sie hatte nie kein Date. Du bist bloß stur.«

»Ich bin an traurig vorbeigeschossen und bei erbärmlich gelandet. Mein letztes Date war ein Albtraum. Ich habe ihn mit dem Hilfskellner zusammengebracht und sie sind jetzt glücklich.«

»Du hast es wieder getan? Mädchen, was stimmt mir dir und Restaurants nicht? Letzte Woche hast du Paul in die Arme der Kellnerin getrieben.«

Kate kippte sich etwas Wasser in die Kehle und strich sich das Haar hinters Ohr. »Ich habe keine Wahl. Als sie mir die Speisekarte gegeben hat, habe ich das Knistern gespürt und gesehen, wie sie einander ansahen. Sie waren perfekt füreinander. Ich musste der bessere Mensch sein.«

»Er war ein umwerfender Arzt, der sich niederlassen wollte. Sei das nächste Mal selbstsüchtig. Für die beiden einen spätabendlichen Drink zu arrangieren war gruselig, Kate. Und du hast es ihm nicht mal berechnet!«

Düsternis schwebte über ihr. »Ich weiß. Sorry. Ich habe jedenfalls eine Entscheidung getroffen. Kein Dating mehr. Ich bin fertig.«

Ihre Freundin tappte mit dem Fuß auf den polierten Boden. »Sei nicht lächerlich, wir gehen pleite, wenn unser Aushängeschild eine irre Katzenfrau ist. Oder Hundefrau, in deinem Fall. Vielleicht kannst du damit anfangen, Handschuhe zu tragen. Das wird deine Gabe stoppen.«

»Und dabei aussehen wie eine Frau mit Zwangsneurosen und einer Bakterienphobie? Nein, danke. Madonna und Michael Jackson sind die einzigen, die diesen Look tragen konnten und ich habe keine Lust, zurück in die Achtziger zu reisen.«

Kennedy schauderte. »Ja, du hast recht. Die Mode war ein Verbrechen an der Menschheit. Und die Haare auch.«

Bei diesem Stichwort klingelte die Glocke wieder und das dritte Mitglied ihrer Crew schwebte herein. Arilyn Meadow war das Symbol eines wandelnden Modedesasters. Kennedy arbeitete hart daran, sie zu verwandeln. Unglücklicherweise war ihre Freundin ziemlich glücklich und trug gern organische Baumwolle, Yogahosen und tierfreies Färbemittel, was das meiste Make-up ausschloss. »Hi, Leute. Worüber redet ihr?«

Kennedy schickte ihr einen vielsagenden Blick. »Was man nicht tragen sollte.«

Arilyn lachte. Das zarte Geräusch passte zu ihrer beruhigenden Stimme – perfekt für ihre Karriere als Therapeutin und Beraterin und für ihre Kunden geeignet. Sie war ein Blumenkind, das in der heutigen Gesellschaft festsaß, schaffte es aber dennoch, den Leuten mit ihren hüftlangen, rotblonden Haaren und seelenvollen, grünen Augen den Kopf zu verdrehen.

Kate sah an ihren Freundinnen und dann an ihrem eigenen, typischen Outfit hinab. Schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, Jacke und Stiefel. Es war einfach, professionell und komfortabel. Eine Modepuppe war genug für ihre Gruppe und Kennedy stürzte sich auf alle Designerstücke, die sie zu einem billigeren Preis ergattern konnte.

Seltsam, dass sie drei so unterschiedlich waren und es sich dennoch so angefühlt hatte, als wären sie dazu bestimmt, für immer zusammen zu sein. Und das von dem Moment an, in dem sie sich im College getroffen hatten. Wie eine Familie. Komplett verrückt. Auf eine gute Art.

Kate verbrachte den Großteil ihres Lebens damit, von ihrer Familiengabe Schrägstrich Fluch wegzulaufen und sich an verschiedenen Jobs auszuprobieren, die nie für sie funktioniert hatten. Etwas schien sie immer zu beunruhigen, als wäre sie nicht dazu bestimmt, dort zu sein. Also war es einfach, zum nächsten Projekt weiterzuziehen. Aber als ihre Freunde all ihre Fähigkeiten und Erfahrungen zusammenlegten, streckte die Idee einer Partnervermittlung in ihrer kleinen Stadt die Wurzeln aus und erblühte. Es gab auf dem Weg dorthin natürlich eine Menge garstiger Dornen und Unkraut. Aber Kate konnte ehrlich sagen, dass sie ihre Basis gefunden hatten und dass Kinnections schnell wuchs.

Kennedy benutzte ihre Talente als die Hauptkoordinatorin der gesellschaftlichen Ereignisse. Sie leitete alle Events und Veranstaltungen in der Firma, kümmerte sich um das Umstyling und war für all das Marketing verantwortlich. Arilyn benutzte ihren Abschluss in Gesprächstherapie, um sich einen Platz als Beziehungsberaterin aufzubauen. Sie traf sich mit all den Kunden, um deren Erfahrungen zu vertiefen und sie bei einer Ansammlung von Problemen zu beraten, die sie von der Liebe abhielten.

Nur gut, dass sie ihre Gabe hatte oder sie wäre am Ende vielleicht das schwächste Glied in der Gruppe gewesen. Natürlich zog sie es vor, ein Paar basierend auf ihren verschiedenen Angeboten zusammenzubringen, anstatt auf dem Weg dorthin einen unverhofften Schlag zu bekommen. Bis auf ihre Partnerinnen und ihrer Familie wusste niemand von ihrem Geheimnis und sie wollte, dass das so blieb. In dem Moment, in dem Neuigkeiten über eine hexenhafte Fähigkeit an die Öffentlichkeit kamen, würden sie alle von der Presse verfolgt und in ihrer eigenen Stadt diskreditiert werden.

Sie schüttelte ihre Gedanken ab und lehnte sich mit der Hüfte an den Tisch. »Was steht heute auf dem Plan?«

Kennedy ging im Kopf die Liste durch. »Ich habe ein Umstylinggespräch mit zwei unserer Kunden. Ich muss mich mit den Besitzern der Purple Haze Bar wegen unserer nächsten Cocktailparty treffen. Dann gehe ich wegen meines Dates früher nach Hause.«

Kate hob eine Braue. »Irgendjemand Gutes?«

»Wir werden sehen.«

»Hast du ihn durch Kinnections gefunden?«

»Nope. Ich habe das ganz allein gemacht und bin stolz auf mich.«

Arilyn seufzte. »Das erste Treffen ist immer so voller Hoffnung und guter Vorsätze.«

Kate schnaubte. »Und Peinlichkeit, Drama und Enttäuschung.«

»Erinnere dich an den Kodex. Benutze niemals negative Energie, wenn du vom Dating sprichst. Sie könnte in unser Geschäft übergehen.«

Kate hätte die Kommentare ihrer Freundin gern lachend abgetan, hatte aber früh gelernt, dass Arilyns positive Ausstrahlung der Schlüssel zum Erfolg war. Vielleicht waren sie schlussendlich alle Hexen. »Tut mir leid. Was ist bei dir los?«

Arilyn streckte ihre Arme aus und krümmte die Finger. »Gary wegen seiner sozialen Ängste beraten. Dann muss ich an ein paar der Computerprogramme arbeiten und unseren Kundenstamm updaten. Ein paar unserer Kunden haben Verbindungen zu ein paar der Profile geschlossen, die sie interessant gefunden haben und wollen einen Anruf arrangieren.«

Es hatte sie immer erstaunt, dass Arilyn den Kopf einer Nerdgöttin hatte, was Computer betraf und das alles sauber hinter einem holistischen Bild versteckte. Es war eine tödliche Kombination, die Kinnections dazu brachte, mit einigen der prominenteren Partnervermittlungen zu konkurrieren.

»Klingt gut. Ich habe auch nicht viel zu tun, also werde ich vielleicht ein wenig des endlosen Papierkrams aufholen und hier heute Abend pünktlich rauskommen.«

Sie alle gingen zu ihren jeweiligen Büros. Kate versuchte sich auf den Papierkram zu konzentrieren und nicht an Slade Montgomery zu denken. Ihre Instinkte drängten sie dazu, eine Klage zu riskieren, weil Gefahr von dem Mann ausging. Aber sie war noch nie ein Feigling gewesen und sie hatte nicht vor, jetzt damit anzufangen.

Kein Problem.

Sie würde mit ihm fertig werden.

3. Kapitel

Kate sah ihrem neuen Kunden dabei zu, wie er seine Jacke auszog und sich auf dem schicken pflaumenblauen Sessel niederließ. Er sah sich im Zimmer um und nahm die sauberen Linien und beruhigende Deko in sich auf. Arilyn hatte die Kontrolle über die Dekoration von Kinnections übernommen und sich dazu entschieden, Töne miteinander zu kombinieren, die das Chakra des Herzens verstärkten und zur Offenheit und Bindungen ermutigten. Sie bestand aus kühnem Lila und Violett, Akzenten aus Silber und Grau, sowie luxuriösen Stoffen und Texturen. Der Beratungsraum wies Stühle sowie Sofas mit dicken schieferfarbenen Kissen, Bambuspflanzen und einen beruhigenden Brunnen mit flachen Steinen auf, die am Sockel entlangliefen. Der Tisch war klein und in die Ecke des quadratischen Zimmers gepackt.

Heute ging es darum, den Kunden kennenzulernen, von seinen Vorlieben und Abneigungen zu erfahren und einen Datingplan zusammenzustellen.

Sie konnte nicht fassen, dass er tatsächlich aufgetaucht war. Tiefes Misstrauen kratzte an ihr, was eine Zusammenarbeit erschweren würde. Ein Maß an Glauben und Verletzlichkeit waren nötig, um herauszufinden, was er wirklich wollte, um ihn in die richtige Richtung zu lenken. Stattdessen kämpften zwei Emotionen um die Vorherrschaft. Misstrauen und Lust.

Sie bemitleidete seine Klienten. Dieser Mann bestand nur aus Muskeln und emporragender Stärke. Er übertraf locker einsfünfundneunzig und hatte gewaltige Schultern, eine durchtrainierte Brust, die man deutlich durch sein weißes Hemd erkennen konnte. Er ging nicht bloß, er streifte herum, als wäre er auf der Jagd. Seine hellbraunen Haare bestanden aus einer Masse von zerzausten Wellen und es juckte ihr in den Fingern, sie anzufassen. Und diese dschungelgrünen Augen trieben eine Frau regelrecht gegen die Wand und stellten böse Dinge mit ihr an. Die goldgerahmte Brille hob seinen Blick nur noch hervor. Eindringlich und aufheizend. Vor Gericht war er vermutlich tödlich, zog die Juroren in seinen Bann und dominierte selbst den Richter. Frauen zu finden gehörte nicht zu seinem Problem. Auch nicht, sie ins Bett zu bekommen. Sie könnte wetten, dass er jedes Mal verschwunden war, sobald die Sonne aufging.

Irgendwie erinnerte er sie an Matthew McConaughey aus einem ihrer peinlicheren Lieblingsfilme Der Womanizer. Sein längliches Gesicht und die schroffen Züge waren dazu gemacht, Frauen zu inspirieren, sich die Kleider vom Leib zu reißen, während seine starke Präsenz den Raum erleuchtete. Er hatte eine Arroganz an sich, die ihn wie einen Mantel umhüllte, als stünde er über der Liebe, über Emotionen und Unordnung. Über den armen Menschen, mit denen er seinen Weg teilte.

Das war der Teil, der sie wütend machte.

Kate schwor sich, seine Rüstung bis zu dem Zeitpunkt durchbrochen zu haben, an dem sie für ihn eine Frau gefunden hatte. Dann würde er bereit dafür sein.

»Dieser Blick macht mir höllische Angst.« Er legte einen Knöchel bequem über sein Knie. Die italienischen Lederslipper und Kaschmirsocken deuteten an, dass er sein Geld genoss und es zu verwenden wusste. Der enge Schnitt seines marineblauen Anzugs schrie nach Calvin Klein. Seine Krawatte war mit konservativen Nadelstreifen versehen, die zu seinem Beruf passten, aber ihre Instinkte sagten ihr, dass eine ungezähmte Wildheit in seinem Kern lag, die verzweifelt versuchte, herauszukommen.

Sie kritzelte eine Notiz auf ihren Block, um sich daran zu erinnern, für ihn nach einer guten Partnerin zu suchen. »Welcher Blick?«

Er neigte den Kopf zur Seite und hob die Mundwinkel. Sie kämpfte darum, den sinnlichen Schwung seines Mundes zu mustern und darüber zu sinnieren, wie voll seine Unterlippe war. »Als wären Sie kurz davor, sich in eine Sache zu verbeißen und sich dabei die Hände schmutzig zu machen.«

Das Wort schmutzig summte in ihren Ohren und streichelte sie zwischen den Beinen. Mutter Gottes, war sie feucht? Sie presste die Oberschenkel zusammen und dachte an vom Krieg gebeutelte Länder. Hungrige Kinder. Welpen, die im Tierheim gefangen waren. Viel besser.

Kate entschied, dass es nur einen Weg nach vorn gab, der sie nicht um den Verstand bringen würde. Ihm zu zeigen, wer der Boss war.

Sie zog die Brauen zusammen und sprach mit ihrem förmlichen, sachlichen Ton. »Gehen wir zuerst die Grundregeln durch, oder? Sie müssen ehrlich mit mir sein, was all meine Fragen betrifft. Ich bin hier, um Ihnen zu helfen und Sie mit einer Frau zusammenzubringen, die das hat, was Sie brauchen. Sie verschwenden unser beider Zeit, wenn Sie mich in die Irre führen. Es gibt hier keine Peinlichkeit und keine Verurteilung. Ich habe viele Bitten gehört und habe mich nie davon aus der Bahn bringen lassen, egal was meine Kunden mir erzählt haben.«

»Nie?«

Sie tappte mit ihrem goldgeprägtem Stift an den Block. »Nie.«

»Interessant.«

Kate ignorierte sein Murmeln und fuhr fort. »Es gibt ein bestimmtes Maß an Vertrauen und Respekt, das wir brauchen, um zusammen zu arbeiten. Wenn Sie das Gefühl haben, dass ich Ihren Wünschen nicht genügend zuhöre, werden wir offen darüber reden. Kommunikation ist entscheidend. Es kann auch sein, dass ich Ihnen Fragen stelle, die Ihnen unangenehm sind. Auch hier werden wir über Ihre Vorbehalte reden, gut möglich, dass ich Sie darum bitten werde, etwas zu tun, das Ihnen normalerweise nicht behagen würde. Manchmal fahren sich die Leute in einer bestimmten Art des Umgangs mit Menschen fest, diese Grenzen zu überschreiten bringt sie letztendlich zum Durchbruch. Es ist ein biologischer Prozess um die unterschiedlichen Bedürfnisse Ihres Lebens zusammen mit Ihrem Herzen zu befriedigen.«

Kate öffnete ihre Wasserflasche und nahm einen Schluck. So weit, so gut.

Er kratzte sich am Kopf und wirkte dabei, als wäre er in ernsten Gedanken versunken und schien ihre Worte sorgfältig zu überdenken. »Haben Sie jemals mit einem Ihrer Kunden geschlafen?«

Das Wasser blieb ihr in der Kehle stecken und sie bekam es in den falschen Hals. Sie verschluckte sich und rang nach Luft. Er wartete geduldig bis ihr Hustenanfall vorüber war, schnappte sich ein Taschentuch aus der Box und gab es ihr. Sie drückte es an ihre tränenden Augen. »Warum stellen Sie mir so eine Frage?«

Er hob die Schultern. »Na ja, sie wühlen in meinem Leben herum. Ich dachte, wenn wir einander vertrauen sollen, sollte ich etwas über Sie wissen. Macht Sinn. Sie sind eine Art Beraterin und es bilden sich enge Bande. Ich wollte es nur wissen.«

»Ich schlafe nicht mit meinen Kunden. Nie.«

»Ist das eine Firmenregel oder nur Ihr eigener, persönlicher Kodex?«