Religionsunterricht nach dem Glaubensverlust - Hubertus Halbfas - ebook

Religionsunterricht nach dem Glaubensverlust ebook

Hubertus Halbfas

0,0

Opis

Nach dem großen Erfolg des "Glaubensverlustes" beginnt Hubertus Halbfas seine grundsätzlichen Erwägungen und Empfehlungen zu konkretisieren: Die christliche Glaubenslehre in ihrer überlieferten Gestalt findet keine Nachfrage mehr. Sie ist auch nicht mehr zu vermitteln. Das Spektrum der unverständlich gewordenen Ausdrücke reicht vom "allmächtigen Vater" bis zum "ewigen Leben", vom "Schöpfer" bis zur "Auferstehung", von der "Jungfrau Maria" bis zum "Heiligen Geist". Ein Begriffsarsenal, dessen Verfallsdatum abgelaufen ist. Nur in Katechismen und kirchlichen Formeln begegnen noch solche Wendungen, im Leben der heutigen Menschen nicht. Diese Chiffren zu erschließen und mit der realen Welt zu verbinden, überfordert Predigt, Katechese und Religionsunterricht, die Eltern erst recht... Glaubensabbruch und Sprachlosigkeit bestimmen das gemeindliche Milieu. Der Abschied vollzieht sich lautlos, aber umfassend. Mehr mit Unlust und Gleichgültigkeit als nachfragend und kritisch. Diese Krise zu bewältigen, kann nur gelingen, wenn der Glaube nicht mehr als System vorgelegt wird, das in toto zu akzeptieren ist. Vierundvierzig Jahre nach seiner "Fundamentalkatechetik", die bereits 1968 das Scheitern der kirchlichen Verkündigungssprache ansagte, setzt Hubertus Halbfas noch einmal zu einer Fundamentalkritik an. Er fragt, welcher Glaube denn unverständlich geworden ist und welcher Glaube die Lebenswelt der Menschen noch aufnimmt. Diese Problematik zu lösen, traut er nur noch der Religionsdidaktik zu, sofern sie bereit ist, sich dem Grundproblem Sprache und Wirklichkeit zu stellen. Er glaubt nicht, dass im Rahmen der lehramtlichen Gängelei eine befreiende Sprache gefunden wird. Nicht der Gläubige ist das Kriterium für die Verständlichkeit des Glaubens, sondern der Ungläubige. Was der nichtkirchliche Mensch versteht, überzeugt auch den kirchlich Beheimateten.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 358

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



NAVIGATION

Buch lesen

Cover

Haupttitel

Inhalt

Anmerkungen

Über den Autor

Über das Buch

Impressum

Hinweise des Verlags

Hubertus Halbfas

Religionsunterricht nach dem Glaubensverlust

Eine Fundamentalkritik

Patmos Verlag

INHALT

Vorwort

I.Glaubensverlust – was heißt das?

1.Traditionsabbruch

2.Das kritische Denken und die Irritationen des »Glaubens«

3.Die Wahrheit des Evangeliums Jesu ist etwas anderes als ein theologisches Lehrsystem

4.Zweierlei Evangelium?

5.Fides qua und fides quae

II.Die Entwicklung des religiösen Bewusstseins

1.Das magische Bewusstsein

2.Das mythische Bewusstsein

3.Das mentale Bewusstsein: Die Achsenzeit

4.Die Religionen in der Religion

5.Das integrale Bewusstsein

6.Paradigmenwechsel

7. Resümee

III.Die überfällige Neuvermessung der Glaubensvermittlung

1.Das Ende des theistischen Gottesglaubens

2.Das Ende des übergeschichtlichen Offenbarungsverständnisses

3.Das Ende der Erlösungslehre von der Kreuzigung Jesu als Sühnopfer

4.Welche Theologie für welchen Religionsunterricht?

IV.Die Religion des Religionsunterrichts

1.Die gelehrte Religion

2.Religion und Identität

3.Das »Darüberhinaus« des Religionsunterrichts

4.Was ist eigentlich Religionsdidaktik?

V.»Kompetenzorientierter Religionsunterricht« – das neue didaktische Konzept?

1.Religionsunterricht und Kompetenzorientierung

2.Kompetenzorientierte Leitlinien

a. Kerncurriculum Grundschule in Niedersachsen

b. Leitgedanken zum Kompetenzerwerb für katholische Religionslehre in der Grundschule in Baden-Württemberg

c. Kompetenzen für katholische Religion, Gymnasium, Klassen 6, 8 und 10, Baden-Württemberg

d. Kernlehrplan für das Gymnasium in Nordrhein-Westfalen – Katholische Religionslehre Sekundarstufe I

e. Kerncurriculum für den evangelischen Religionsunterricht in der gymnasialen Oberstufe

3.Wieso verzichtet das Kompetenzkonzept auf Lehrpläne?

4.Ein geschichtlicher Rückblick auf katholische Religionslehrpläne

5.Lehrplandidaktik

a. Stufenlehrplan oder Gesamtcurriculum

b. Quereinstiege

c. Spiralcurriculum

d. Längsschnitt-Systematik

a) Formalreligiöse Fähigkeiten

b) Inhaltliche Kompetenzen

e. Wiederholung und Weiterführung

f. Verschränkung

g. Religiöse Sprachlehre

h. Religionslehrplan und Schulleben

i. Religionsunterricht im Kanon der Fächer

VI.Das Religionsbuch

1.Beurteilungskriterien für Religionsbücher

a. Religionsbücher und Schulstufen

b. Quereinstiege

c. Religionsbuch und Lehrerhandbuch

d. Die Bilder

e. Das Layout

f. Die Schülerinnen und Schüler

g. Der Gebrauch des Religionsbuchs

2.Religionsbuchkritik

a. Lernsequenzen für den Religionsunterricht in den Sekundarstufen I und II

b. Mittendrin. Lernlandschaften Religion

c. Mitten ins Leben. Religionsbuch für den evangelischen Religionsunterricht

d. Religionsbuch 1 und 2. Neue Ausgabe für den evangelischen Religionsunterricht (Sek. I)

3.Zulassungsverfahren

a. Verfahrensordnung für die kirchliche Zulassung von Unterrichtswerken für den katholischen Religionsunterricht

b. Kriterienkatalog zur Verfahrensordnung für die kirchliche Zulassung von Unterrichtswerken für den katholischen Religionsunterricht

c. Kritische Anmerkungen zur Verfahrensordnung für die kirchliche Zulassung von Unterrichtswerken für den katholischen Religionsunterricht

VII. Die selbst bewirkte Glaubenskrise

1.Die Enterbung Israels und die Hellenisierung des Christentums – eine Wurzel heutiger Glaubensproblematik

2.Die christliche Glaubenslosigkeit – eine Folge der christlichen Glaubenslehre

3.Die historisch-kritische Exegese – eine Infragestellung des dogmatischen Christusbildes

4.Die Säkularisierung der Religion, die Auflösung der Metaphysik und das Entscheidend-Christliche

VIII. Lehrautorität und mündiger Glaube

1.Der neue evangelikale Katholizismus

2.Fürwahrhalteglaube und Lehrdisziplin

a. Konformitätssicherung und Kontrolle

b. Die Missio canonica: Konformitätssicherung und Kontrolle der Religionslehrerinnen und Religionslehrer

c. Zensur

d. Fazit

3.»Wahr ist, was gelehrt wird« oder: »Gelehrt wird, was wahr ist«?

IX.Was zu tun ist

1.Die Aufgabe

2.Der Unterricht

3.Die Kompetenz

Vorwort

Vor vierundvierzig Jahren ist mein Buch »Fundamentalkatechetik. Sprache und Erfahrung im Religionsunterricht« erschienen. »Wohl kaum hat in der Religionspädagogik jemals eine so intensive Debatte stattgefunden wie über dieses Buch insgesamt«, urteilt Norbert Mette. Einerseits verband sich damit ein dogmatischer Konflikt, zu dem die Deutsche Bischofskonferenz wegen »drohender Irrtümer« eine Erklärung abgab, andererseits führte das Buch der Religionspädagogik das Scheitern der kirchlichen Verkündigungssprache vor Augen und erschloss zugleich eine hermeneutische Grundlegung der Religionsdidaktik. »Was Halbfas bereits früh wahrnahm, wurde in der Folgezeit immer manifester: Ein neuer Ansatz musste gesucht werden, sollte es weiterhin möglich sein, Religion als integralen Bestandteil über den kirchlichen Raum hinaus in schulischen und anderen Bildungsprozessen zu verankern und ihre Bedeutung heutigen Zeitgenossen zu erschließen« (Norbert Mette).

Dieser neue Ansatz hat zu einer korrelativen Anknüpfung des Religionsunterrichts an die Lebenswelt der Jugendlichen geführt; der von mir beschriebene Weg der Sprache als der eigentlichen Vermittlungsdimension von Religion aber wurde nicht aufgenommen. Auf eigenen Wegen habe ich dennoch den sprachlichen Ansatz der Fundamentalkatechetik weitergeführt und in Schüler- und Lehrerhandbüchern für das erste bis zehnte Schuljahr (1983–1991) konkretisiert. Da jedoch innerhalb der wissenschaftlichen Religionspädagogik Innovationen an derartigen Orten nicht zur Kenntnis genommen werden, entstand meine Entwicklung einer religiösen Sprachlehre im Abseits.

In den siebziger Jahren hatten Stichworte wie Problemorientierung und Curriculumreform die religionsdidaktische Szene beherrscht. Mit meinem Buch »Das dritte Auge« (1982) versuchte ich, ein didaktisches, ein hermeneutisches und ein spirituelles Defizit in der Religionspädagogik bewusst zu machen: Die weiterhin ungenügende religiöse Sprachlehre, die Vernachlässigung der hermeneutischen Fähigkeiten im Umgang mit Texten und die herrschende Unbildung im Umgang mit symbolischem Ausdruck. Das letztere Defizit ist bedingt zur Kenntnis genommen worden, aber die mir später zugeschriebene »Symboldidaktik« habe ich nie als eigenständiges Programm, sondern nur als ein Unterkapitel religiöser Sprachlehre verstanden.

Mit dem vorliegenden Buch nun, das sich dem nicht mehr übersehbaren Ende der bisherigen Glaubensvermittlung stellt, um einen begehbaren Weg in die Zukunft zu finden, knüpfe ich noch einmal bei der Sprache an. Wichtiger als jede Diskussion über die nächste »Konzeption« des Religionsunterrichts ist es, die Notwendigkeit einer religiösen Sprachlehre ins Bewusstsein zu bringen. Das ist kein Thema unter vielen anderen, sondern das Desiderat für alle anderen Themen. Ohne eine internalisierte Grammatik religiöser Vermittlung bleiben Religionslehrerinnen und Religionslehrer fachlich inkompetent. Dann sprechen sie nicht nur zu Analphabeten, sondern sind selbst Analphabeten gegenüber zentralen Inhalten von Religion und Glauben. Ich werde der in diesem Buch vorliegenden Problemanzeige darum eine »Religiöse Sprachlehre« bald nachfolgen lassen.

Ausgangs- und Drehpunkt des vorliegenden Buches ist der epochale Traditionsabbruch und die allgemeine Erfahrung, dass die christliche Glaubenslehre in ihrer traditionellen Gestalt keine Nachfrage mehr erfährt, so dass man sowohl von Glaubensunlust als von Glaubensverlust sprechen muss. Diese Krise zu bewältigen wird nur gelingen, wenn der Glaube nicht mehr als Katalog vorgelegt wird, der in toto zu akzeptieren ist.

Ich habe mir für dieses Buch jede Freiheit genommen, zu sagen, was zu sagen ist. Mit Andeutungen und in kleinen Schritten lässt sich die aktuelle Glaubenssituation nicht mehr bearbeiten. Ich beanspruche nicht, alles bedacht und alles wohl abgewogen zu haben. Ich wünsche, dass die herrschende religionspädagogische Emsigkeit auf hundert abgehängten Schauplätzen einer gesammelten Konzentration in der Bearbeitung des heutigen Paradigmenwechsels weicht.

Hubertus Halbfas

I.Glaubensverlust – was heißt das?

1.Traditionsabbruch

Die zahlreichen Untersuchungen über Glauben und Kirchlichkeit in den europäischen Ländern könnten, wollte man sie beachten, alle nur denkbaren Alarmsirenen schrillen lassen. Demoskopische Erhebungen unter Jugendlichen in den 1950er Jahren erbrachten in der Frage nach einer regelmäßigen sonntäglichen Gottesdienstteilnahme Werte gegen 70 Prozent.1 Diese Angabe beruhte auf Selbsteinschätzungen Jugendlicher, die zweifellos zu hoch ansetzten. Eine Allensbach-Überprüfung »an einem Sonntag im April 1953« belegte 58 Prozent jugendliche katholische Gottesdienstbesucher; die Resultate bei Wölber bestätigten: 60 von hundert katholischen Jugendlichen gingen am zurückliegenden Sonntag zur Kirche.2

Die Shell-Jugendstudien dokumentieren seitdem ein beständiges Abnehmen der Gottesdienstbesuche (westdeutscher) Jugendlicher. Heute bilden sie nur noch eine kleine Minderheit. Zu ihr gehören mehr weibliche als männliche Jugendliche, doch sinkt auch deren Anteil mit dem Alter und erreicht schließlich das Niveau der männlichen Jugendlichen. Ähnliche Abfallkurven verbinden sich mit Fragen nach dem Beten und dem Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod. Insgesamt verliert die Kirchlichkeit unaufhörlich an Boden. Unter den derzeitigen Bedingungen und in den bisherigen Formen deutet nichts darauf hin, dass es den Kirchen gelingen könnte, wieder Einfluss auf die junge Generation zu gewinnen. Die Shell-Studie von 2010 bekräftigt die sich fortsetzenden religiösen Abbrüche: »Unbestreitbar sind die klassische Religiosität und ihre Lebensbedeutung bei den Jugendlichen des religiösen Mainstreams in Deutschland weiter im Rückgang, wobei der Schwerpunkt der Veränderung bei den katholischen Jugendlichen liegt.« Der größte Einbruch verbindet sich mit dem Gottesglauben. Nur noch 37 Prozent der Jugendlichen (zwischen 12 und 25) betrachten den Gottesglauben für ihr Leben als wichtig, aber 46 Prozent halten ihn für unwichtig. Unter den Katholiken neigen sogar 56 Prozent der Jugendlichen der Auffassung zu, dass der Gottesglaube für sie weniger bis gar nicht bedeutsam sei.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!