Red' mit mir - Martin Zenhäusern - ebook

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Martin Zenhäusern

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Opis

Manager beschönigen. Politiker lügen. Medien skandalisieren. Und wir reden häufig aneinander vorbei. Warum? Der Kommunikations- und Führungsexperte Martin Zenhäusern zeigt, basierend auf seiner Erfahrung aus mehr als 30 000 Beratungsgesprächen und anhand neuester Erkenntnisse aus Hirnforschung, Psychologie und Führung, wie wir bewusster kommunizieren und damit besser führen können. Er zeigt auf, wie wir aus Baustellen Tankstellen machen und unsere (kleine) Welt zum Besseren verändern können, indem wir gezielter und bedachter kommunizieren. Dieses Buch ist eine Inspirationsquelle für praktisch und pragmatisch veranlagte Führungskräfte und zeigt Methoden auf, die nachweisbar direkt anwendbar und in der Praxis mehrfach erprobt sind.

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Martin Zenhäusern

Red’ mit mir

Führen und Kommunizieren in der digitalen Welt

© 2017 Orell Füssli Verlag AG, Zürich

www.ofv.ch

Rechte vorbehalten

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Dadurch begründete Rechte, insbesondere der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf andern Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Vervielfältigungen des Werkes oder von Teilen des Werkes sind auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie sind grundsätzlich vergütungspflichtig.

Umschlaggestaltung: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich

Druck: Druckhaus Nomos, Sinzheim

ISBN 978-3-280-03988-5

––––––––

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter

Ein Wort zuvor

Kommunikation hat viele Facetten. Sie kann Menschen verbinden und trennen. Sie ist ein »Allzweckmittel« gegen Einsamkeit. Sie dient der Abgrenzung oder der Zustimmung. Ob mit Worten oder mit unserem Körper: Wir kommunizieren ständig miteinander. Kommunikation ist lebensnotwendig. Ohne sie verkümmern wir – oder sterben sogar. Die Art, wie wir uns mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt verständigen, entscheidet letztlich darüber, ob wir als Glückspilz oder als Pechvogel durchs Leben gehen. Das Wissen um die Kunst der Kommunikation kann den Unterschied ausmachen zwischen einem schlagfertigen Siegertypen oder einem notorischen Versager. Was besonders erfreulich ist: Die Beschäftigung mit der Kunst der Kommunikation kostet uns wenig Aufwand, dafür beschert sie uns reiche Dividende. Daher lohnt es sich, auf dieses Thema vertieft einzugehen.

Gerade in Zeiten der Digitalisierung gilt mehr als jemals zuvor: Führen heisst Kommunizieren. Wer die Kunst der Kommunikation beherrscht, kann andere begeistern, Teams zu Höchstleistungen motivieren, im Dialog Konflikte lösen. Wer weiss, wie in der Kommunikation Hirn und Herz zusammenspielen, versteht letztlich auch, wie er sich selbst führen kann.

Heute, wo Roboter Menschen teilweise ersetzen können, besteht die Kunst der Kommunikation und Führung vor allem in der Erkenntnis, dass der Mensch vor der Technologie kommt. Denn es sind Menschen, nicht Maschinen, welche die Welt verändern und voranbringen. Wer mit Menschen richtig umgeht, schafft sich ein Umfeld der Kooperation, in dem Fortschritt und Erfolg die logische Konsequenz sind.

Dieses Buch hat weder etwas mit Sozialromantik noch Esoterik zu tun (»Denk positiv und alles wird gut!«). Es ist vielmehr eine Sammlung von Erfahrungen, die aus dem täglichen Leben gegriffen sind und die Tauglichkeitsprüfung bestanden haben. Es ist eine Zusammenstellung von Fähigkeiten, die wir uns aneignen können, genauso wie wir lesen, Auto fahren oder schwimmen lernen.

Ich behandle das Thema in drei übergeordneten Kapiteln. Zuerst geht es um Körper und Sprache. Unsere Körpersprache zeigt beim Gegenüber eine stärkere Wirkung als das Wort. Warum das so ist und wie wir Wirkung erzielen können, werde ich anhand konkreter Beispiele und aktueller Studien aus verschiedenen Forschungsbereichen darlegen.

Im zweiten Kapitel geht es um die »Motoren« unserer Kommunikation: Folgen wir dem Herzen? Oder dem Hirn? Und was passiert, wenn wir nur das eine oder nur das andere benutzen? Ratio oder Emotio – oder eine gute Mischung von beiden?

Im dritten Kapitel stehen Führung und Verhalten im Mittelpunkt. Was und wie kommunizieren wir, und wie beeinflusst dies unser Verhalten als Mensch, als Vorgesetzter, als Mitarbeiter, als Partner?

Am Ende des Buches wende ich mich den grossen gesellschaftlichen Herausforderungen zu, die wir in Zukunft zu bewältigen haben. Wobei es in einigen Bereichen schon zwölf Uhr ist oder sogar ein wenig darüber, und nicht erst die berühmten fünf Minuten vor zwölf. Deshalb werde ich dort auch Klartext reden bzw. schreiben, denn alles andere wäre Schönfärberei. Sagen wir es ungeschminkt: Um in Zukunft einander besser verstehen und Menschen sowie Organisationen und Nationen adäquat führen zu können, braucht es die Bereitschaft aller, Lösungen für unsere grossen Aufgaben zu finden. Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit, angemessen zu kommunizieren und menschlich zu führen. Das Dreigestirn Kommunikation – Verhalten –Führung ist das Fundament, auf dem eine erfolgreiche Karriere – als Mensch und als Führungskraft – gründet.

In diesem Buch wende ich mich direkt an Sie, liebe Leserin, lieber Leser. Deshalb werde ich häufig die »Wir«-Form verwenden. Warum? Indem ich meine Erfahrungen mit Ihrem Wissen teile, entsteht ein gemeinsamer Raum des Austauschs und des Hinterfragens, der Inspiration und der Kreativität, ein Raum, den wir miteinander teilen können, auch wenn wir uns nicht direkt sehen oder sprechen.

Und an dieser Stelle noch eine weitere Anmerkung: Um der Geschlechterfrage gerecht zu werden, das Lesen jedoch nicht unnötig zu erschweren, verwende ich nach Möglichkeit geschlechtsneutrale Begriffe; ansonsten sind mit der männlichen Form auch immer die Frauen mitgemeint.

Ein tunesisches Sprichwort besagt: Es stolpern mehr Menschen über ihre Zunge als über ihre Füsse. Mein Wunsch ist es, dass Sie nach der Lektüre dieses Buches mit einem Augenzwinkern festhalten können: Wenn stolpern, dann höchstens noch über die Füsse.

Einleitung

Mit allen Sinnen wahrnehmen

Reden ist Gold. Schweigen häufig auch. Mit allen Sinnen wahrnehmen ebenso. In meiner Tätigkeit als Journalist und Ratgeber für Führungskräfte habe ich vieles aus persönlichen Begegnungen, einiges aus Büchern und am meisten aus Beobachtung gelernt. Wie können wir das zwischen den Zeilen Gesagte erfassen, die Manipulation entlarven und die Schönfärberei erkennen? Indem wir bewusst zuhören, statt unablässig selbst zu reden. Indem wir uns unserem Gegenüber zuwenden. Indem wir offen sind für neue Erfahrungen.

In diesem Buch geht es deshalb um alle Facetten der Kommunikation. D. h., ich werde einen Einblick geben in das Zusammenspiel der neuesten Erkenntnisse aus der Hirnforschung, der Managementlehre, der Psychologie und der Kommunikationswissenschaften. Diese Kombination hilft uns, die vielfältigen Beweggründe für unser kommunikatives Verhalten zu erkennen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. So können wir uns befähigen, unser Auftreten und unsere Wirkung zu verbessern und andere Menschen besser zu verstehen. Das ist die Kunst der Kommunikation und die Kunst der Führung.

Die Komfortzone verlassen

Viele Menschen entschuldigen störende Verhaltensweisen mit der Aussage: »So bin ich halt. Das ist meine Persönlichkeit.« Oft ist es jedoch nur Bequemlichkeit, die uns daran hindert, schlechte Angewohnheiten abzulegen. Es sind unsere Gedanken, Gefühle und Worte, die unser Verhalten prägen. Unsere Persönlichkeit manifestiert sich in der Summe unseres Verhaltens. Wer bereit ist, seine Komfortzone zu verlassen, kann störende Verhaltensweisen verändern – und damit auch seine Persönlichkeit.

Manche Menschen entschuldigen ihr (Fehl-)Verhalten, indem sie die Gene für ihre Schwächen verantwortlich machen: »Ich bin halt so!« Nach den neuesten Forschungserkenntnissen wissen wir mittlerweile, dass es eine Wechselbeziehung gibt zwischen unseren Genen und unserem Körper. Sie steuern sich gegenseitig. Nach dem Neurobiologen, Arzt und Therapeuten Joachim Bauer können wir die Steuerung unseres Körpers und unserer Gene direkt beeinflussen: »Einfluss auf ihre Steuerung haben nicht nur der Lebensstil, die Ernährung und körperliche Betätigung, sondern vor allem soziale, also zwischenmenschliche Erfahrungen und die mit ihnen einhergehenden psychischen Prozesse.«[1]

Natürlich dürfen wir unsere Erfahrungen aus unserer Kindheit und Jugend nicht ausblenden, um unser Verhalten besser verstehen und dann auch gezielt verändern zu können. Wenn uns zum Beispiel Fürsorge und Wärme gefehlt haben, sind wir für Stress anfälliger als jemand, der Geborgenheit erfahren hat. Unser Gehirn hat nämlich einen Mechanismus entwickelt, mit Stress umzugehen und diesen zu verarbeiten.

Wir alle kennen dieses Phänomen: Gerade noch waren wir ruhig, souverän und gelassen. Dann versetzt uns eine Nachricht in Aufregung. Oder wir fühlen uns bei einer Aufgabe allein gelassen oder geraten in eine Situation, die uns überfordert. Jedes Mal, wenn wir gestresst sind, wird im Gehirn ein Stress-Gen aktiviert. Wir versuchen nun, die Nachricht, die Aufgabe oder die Situation in Griff zu bekommen. Sobald uns dies gelungen ist, wechselt unser Gehirn den Modus und schaltet nun ein Antistress-Gen auf, während das vorher aktivierte Stress-Gen in eine Stand-by-Funktion versetzt wird.

Stress ist an sich nicht nur negativ. Er trägt dazu bei, dass wir an uns arbeiten und unsere Fähigkeiten weiterentwickeln. Gerade in Krisensituationen – die in der Regel viel Stress freisetzen – machen wir die grössten Entwicklungssprünge, auch in Bezug auf unsere Gewohnheiten. »Ist Ihnen aufgefallen, wie schwer sich Gewohnheiten ändern lassen, sobald sie sich einmal in unserem sozialen, beruflichen, partnerschaftlichen oder ehelichen Leben verfestigt haben? Würden wir auch daran arbeiten, wenn keine Krise uns dazu zwingt?«[2] Wichtig ist, dass Stress zu keinem Dauerzustand wird, denn dann werden wir früher oder später krank. Wer klug handelt, überprüft von Zeit zu Zeit sein Verhalten. Störungen lassen sich dann auch schneller beheben.

Die gute Nachricht für alle, die in ihrer Kindheit oder Jugend zu wenig Liebe und Fürsorge erfahren haben, ist, dass wir durch spätere Erfahrungen diese Defizite zumindest teilweise reparieren können. »Alles, was wir im sozialen Umfeld erleben, verändert die Regulation unserer Gene und die Feinstrukturen unseres Gehirns.«[3] Deshalb ist es wichtig, dass wir unser Umfeld sorgfältig pflegen und versuchen, selbstbestimmt und bewusst zu leben, was in der Regel zur Folge hat, dass sich die Zahl der Erfolgserlebnisse erhöht und der Stress reduziert. Ebenso lohnt es sich, dass wir von Zeit zu Zeit den Konsum lieb gewordener Suchtmittel unter die Lupe nehmen. Wenn wir gesund bleiben wollen, ist es sinnvoll, auf Rauchen und Alkohol zu verzichten, da diese Drogen am Ursprung vieler Erkrankungen stehen. Krankheiten bringen uns aus dem Gleichgewicht und verursachen Stress, was unser Befinden beeinträchtigt. Wenn wir gesund leben und uns genügend bewegen, bleiben wir körperlich und geistig beweglich und tragen dazu bei, dass die Kommunikation in unserem Körper zwischen Gehirn und Zellen reibungslos verläuft. Wenn die Blockaden weggeräumt werden und alles fliessen kann, sind wir im wahrsten Sinne des Wortes im Flow.

Was wir bisher gehört haben, soll uns ermutigen, ehrlich mit uns selbst zu sein, anstatt Ausreden für unser Verhalten zu suchen. Wenn wir kontinuierlich an uns selbst arbeiten, können wir störende Angewohnheiten ablegen und werden gleichzeitig damit belohnt, dass wir als Persönlichkeit reifen und stärker werden. Das Schöne daran: Wir haben die Wahl.

Voller Energie oder ausgebrannt?

Die Grundlage allen Denkens und Handels ist Energie. Sind unsere Batterien geladen, sind wir lebendig und aktiv, wir kommunizieren und lachen, sind kreativ und erfinderisch. Sind unsere Batterien leer, dann läuft nichts. Wir sind ausser Betrieb. Und bald frustriert und deprimiert. Deshalb sind wir gut beraten, wenn wir mit unserer Energie haushälterisch umgehen und sie dort einsetzen, wo sie uns Gewinn verspricht.

Wie lässt sich Energie definieren? Ganz einfach: Alles ist Energie, sei es sichtbare oder unsichtbare. Demzufolge ist jeder Mensch nichts anderes als Energie. Da alles aus Energie besteht, sind wir mit allem verbunden, auch wenn uns dies nicht direkt bewusst ist. Dies hat zur Konsequenz, dass wir Menschen, Ereignisse und Dinge anziehen, die mit uns in Resonanz stehen. So ist auch erklärbar, dass wir zu gewissen Menschen sofort einen Draht haben, uns auf derselben Wellenlänge befinden. Die Energie fliesst ungehindert zwischen uns. Wir verstehen uns ohne viele Worte. Wir vertrauen uns. Und weil wir uns gut verstehen und uns vertrauen, fühlen wir uns wohl und voller Tatendrang. Wir lachen miteinander. Und Lachen ist ein wunderbarer Energieverstärker. Wen wundert es, dass Teams und Unternehmen, in denen eine gute Stimmung herrscht und viel gelacht wird, den Erfolg geradezu anziehen? Diese Erfahrung habe ich in meiner langjährigen Tätigkeit als Ratgeber für Führungskräfte und Unternehmen häufig gemacht.

Was hat Energie nun mit Kommunikation zu tun? Gedanken und Worte sind nichts anderes als gebündelte Energien, mit deren Hilfe wir unsere Realität erschaffen. Wir geben uns und den Dingen um uns herum Namen und Bezeichnungen, schaffen also Verständigung und Verständnis, indem wir eine gemeinsame Sprache entwickeln. Ein Stuhl oder ein Kugelschreiber weiss nicht, dass er ein Stuhl oder ein Kugelschreiber ist. Mit unseren Worten und unserer Sprache jedoch schaffen wir eine eindeutige Identifizierung, sodass alle in etwa das Gleiche meinen, wenn sie den Begriff verwenden oder hören. Auch unsere Gefühle und Gedanken kleiden wir in Worte und können so nicht Sichtbares oder Abstraktes zum Ausdruck bringen und anderen mitteilen.

Interessant dabei ist, dass rund 90 Prozent unserer Gedanken immer die gleichen sind. Dies ist darauf zurückzuführen, dass wir uns normalerweise im Autopiloten befinden, d. h., mithilfe bekannter Abläufe und Routinen greifen wir auf Gedanken und Erfahrungen zurück, die wir derart verinnerlicht haben, dass sie weitgehend unbewusst ablaufen. So machen wir uns beim Gehen keine Gedanken darüber, wie wir den Fuss aufsetzen, die Muskulatur belasten und dann den anderen Fuss nach vorne bewegen. Ein Kind, das gerade laufen lernt, hat diesen Autopiloten jedoch noch nicht entwickelt, sondern ist auf ständig neue Erfahrungen angewiesen, bis es schliesslich nach unzähligen Versuchen selbstständig gehen kann. Erst dann kann es auf den Autopiloten zurückgreifen. Die Frage ist erlaubt: Wenn wir nicht als Kind laufen lernen würden – könnten wir es als Erwachsene noch lernen? Oder wäre uns dies zu anstrengend?

Wenn wir also zu 90 Prozent immer dieselben Gedanken haben, dann sollten wir sehr genau darauf achten, welche Gedanken das sind und wie wir diese ausdrücken. Es ist nämlich ein permanenter Kreislauf: Unsere Gefühle beeinflussen unsere Gedanken, und unsere Gedanken beeinflussen unsere Worte. So wie ich denke, werde ich auch sprechen. Deshalb die Frage: Unterstützen meine Gedanken und Worte meine Ziele? Bestärken sie mich in dem, was ich vorhabe und erreichen will? Oder stehen sie mir im Weg?

Ich möchte diesen Kreislauf anhand der weltweit am häufigsten gestellten Frage beleuchten: »Wie geht’s?« Diese Frage stellen wir oft, ohne an der Antwort wirklich interessiert zu sein. Oder ohne eine Antwort zu erwarten. Doch auch eine so banale Frage kann uns mit Energie versorgen oder uns Energie rauben, wie folgendes Beispiel zeigt. Am Montagmorgen begrüssen wir unsere Arbeitskolleginnen und -kollegen. Einer von ihnen, nennen wir ihn Robert, der eher als Stänkerer bekannt ist, antwortet auf die Frage »Wie geht’s?« in bekannter Manier: »Ich habe wieder diese fürchterlichen Rückenschmerzen. Ich kann kaum richtig sitzen!« Und so weiter. Nun haben wir die Wahl: Wir können auf sein Lamentieren eingehen und sagen: »Ja, das ist schlimm. Diese Stühle sind auch wirklich eine Katastrophe.« Damit sind wir in die Falle getappt: Wir sind einem Energieräuber aufgesessen, mit dem wir jetzt Mitleid haben, also mit-leiden. Oder wir können uns schützen und die Energie bei uns behalten, indem wir einen anderen Weg einschlagen. Statt auf sein Lamentieren einzugehen, können wir beispielsweise sagen: »Ich hoffe, es geht dir bald besser.« Damit zeigen wir Mitgefühl (Energie bleibt erhalten), ohne in Mitleid zu verfallen (Energie wird abgesaugt).

Von der Baustelle zur Tankstelle

Ich kenne viele Führungskräfte, die sehr viel arbeiten und trotzdem meistens entspannt wirken und zufrieden sind. Alle haben etwas gemeinsam: Sie haben ihren Energiehaushalt im Griff. Gerade weil sie intensiv arbeiten und täglich mit vielen Menschen zu tun haben, achten sie darauf, dass sie Baustellen aufräumen und in Tankstellen verwandeln können. So gelingt es ihnen, ihre Energie zu behalten oder im Austausch mit anderen sogar zu erhöhen.

Wie kann man Baustellen in Tankstellen verwandeln? Der erste Schritt ist, dass wir die Baustellen als solche erkennen. Darauf folgt der zweite Schritt: die Baustelle aufräumen, also geeignete Massnahmen ergreifen und umsetzen, damit sie verschwindet. Der dritte Schritt ist die logische Konsequenz aus dem zweiten: Die Baustelle wird in eine Tankstelle verwandelt. Ich zeige dies anhand einiger Beispiele.

Opfer versus Schöpfer

Viele Menschen gefallen sich in der Rolle des Opfers. Sie machen alles und jeden für ihre Situation verantwortlich. Manche beginnen bereits beim Urknall als Verursacher ihres Elends. Ein Opfer erkennen wir daran, dass es keine Verantwortung für sein Tun und Lassen übernimmt. Seine typische Handbewegung: mit dem Finger auf andere – die Schuldigen – zeigen. Dabei will das Opfer vor allem eines: nicht aus seiner Komfortzone herauskommen. Wer sich als Opfer bequem in seiner Rolle eingerichtet hat und ständig mit dem Mitleid des Umfelds gefüttert wird, hat gar kein Interesse, an diesem Zustand etwas zu ändern.

Entscheidend für unseren Energiehaushalt ist es nun, wie wir mit diesen Opfern umgehen. Entweder versuchen wir, sie weitgehend zu meiden. Oder, falls wir eine Führungsfunktion bekleiden, die Opfer zu motivieren und darin zu unterstützen, zu Schöpfern zu werden. Dieser Schritt ist anspruchsvoll, weil man dann die Komfortzone verlassen muss: das heisst, für sich und das eigene Leben Verantwortung übernehmen, anfangen, die Umstände zu verändern, indem man sich selbst verändert.

Opfer oder Schöpfer zu sein ist eine Geisteshaltung. Deshalb braucht es die bewusste Entscheidung, diesen Rollenwechsel vorzunehmen. Vielen Führungskräften gelingt es, diesen Rollenwechsel zu unterstützen, indem sie als Vorbild – eben als Schöpfer – wirken und gleichzeitig die Opfer auffordern, den entscheidenden Schritt vom Energieräuber zum Energiespender zu vollziehen. Dies auch mit der Konsequenz, dass Opfer, die diesen Weg nicht mitgehen wollen, im Team keinen Platz mehr haben werden.

Leiden versus lösen

Leiden ist leichter als lösen, denn leiden geht von alleine. Lösen bedeutet, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, also einen Schritt zu tun, sich zu bewegen. Wenn wir dies beherzigen, können wir unser privates wie berufliches Umfeld verändern. Konkret: Warum sind wir mit Menschen zusammen, die schon alle Krankheiten hatten, die es gibt, und auch solche, die niemand kennt, und die bei jeder Begegnung als Erstes ihre Krankheitsakte vortragen, obwohl sie eigentlich nur Hypochonder und ansonsten gesund sind? Warum lassen wir uns jahrelang als Klagemauer missbrauchen von sogenannten Freunden oder Bekannten, von denen der eine über den anderen lästert und dann der andere über den Ersten, ohne dass sie auch nur im Ansatz über eine Lösung dieses Zustands nachdenken? Wollen wir uns weiterhin in Sitzungen herumärgern, weil der seit Jahren bekannte Miesepeter jeden Lösungsansatz im Keim erstickt, weil »wir das noch nie so gemacht haben« oder »weil das so nie funktionieren wird«? Warum räumen wir auf diesen Baustellen immer wieder den Schutt für die anderen weg, um dann völlig leer und erschöpft zurückzubleiben, während es den anderen gut geht, weil sie ihren Müll bei uns abgeladen oder ihre Komfortzone erfolgreich verteidigt haben? Wir haben die Möglichkeit und die Wahl, dies zu ändern.

Stress versus Flow

Auch wenn wir es gerne anders möchten: Jeder Tag hat nur 24 Stunden. Auch der rund um die Uhr beschäftigte Mensch kann die Zeit nicht dehnen. Warum gibt es dann Menschen, die einem den Eindruck vermitteln, sie hätten unendlich viel Zeit für uns, obwohl sie eine eng getaktete Agenda haben? Und warum gibt es Menschen, die endlos Zeit in Sitzungen vertrödeln und bei jedem Termin zu spät erscheinen?

Es hat viel mit Selbstführung zu tun, wie wir unsere Zeit nutzen oder einteilen. Können wir Aufgaben delegieren oder reissen wir alles an uns? Erteilen wir klare Aufträge, sodass jeder weiss, was von ihm verlangt wird? Wenden wir uns dem Wesentlichen zu oder sind wir detailversessen? Vertrauen wir anderen oder sind wir Kontrollfreaks?

Stress führt, wie wir alle wissen, zu einem Tunnelblick. Wir blenden alles andere rund um uns und unsere Aufgabe aus. Deshalb sehen wir oft nur einen kleinen Ausschnitt des Bildes und nicht mehr das ganze Bild. Dies führt dann zu Fehleinschätzungen, weil wir überfordert sind, wodurch sich wiederum der Stresslevel erhöht. Trotzdem gibt es immer noch Menschen, die ihren Stress wie eine Trophäe vor sich hertragen, weil sie ihre Bedeutung für ein Unternehmen über ihren Stresslevel definieren, ungefähr nach dem Motto: Ich bin sehr wichtig, weil so viele Aufgaben und Projekte bei mir landen. Weil solche Menschen ihren Energiehaushalt nicht im Gleichgewicht halten, sind sie für ein Unternehmen mehr Risiko als Gewinn, da sie Gefahr laufen, früher oder später auszubrennen, d. h. einen Burn-out erleiden.

Wir können diese Negativspirale durchbrechen, indem wir einen Schritt zurücktreten und unser Tun aus einer gesunden Distanz betrachten. Zeit ist das einzige Gut, das wir nicht vermehren können. Deshalb ist es ein kluger Entscheid, wenn wir uns Zeit nehmen, innezuhalten und darüber nachzudenken, wie und wofür wir unsere Zeit einsetzen wollen.

Konfrontation versus Kooperation

Der Mensch ist ein soziales Wesen, das auf Kooperation ausgelegt ist und nicht auf Konfrontation. Konfrontation hat viel mit Egozentrik zu tun. Menschen mit einem stark ausgeprägten Ego verursachen oft unnötige Auseinandersetzungen, oder sie schüren durch ihr Verhalten Konflikte, die viel Energie kosten. Konfrontation ist ein Energiefresser erster Güte, weil dann die Kräfte in einem Team nicht gebündelt, sondern gegeneinander ausgespielt werden. Alle, die sich damit brüsten, auf Krawall gebürstet zu sein, nutzen ihre konfrontative Einstellung für ihre persönlichen Ziele, die sie über die Interessen der Allgemeinheit stellen. Konfrontation verhindert zudem, dass sich unter den Menschen Vertrauen bilden kann. Statt sich auf eine gemeinsam erarbeitete Lösung hin zu verpflichten, wird die Energie in sinnlosen Grabenkämpfen vergeudet, dies häufig zum Preis von schlechter Stimmung, Mobbing und hoher Fluktuation.

Kooperation bedeutet, gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten. Auf dem Weg dazu ist es normal, dass in Diskussionen Meinungen aufeinanderprallen, bis eine Lösung gefunden wird. Im Gegensatz zu einem konfrontativen, egozentrisch angelegten Vorgehen besteht bei einem kooperativen Vorgehen jedoch Vertrauen zwischen den Beteiligten, auch wenn man anderer Meinung ist. Die positive Energie, gemeinsam nach Lösungen und neuen Wegen zu suchen, verbindet die Menschen, während Egozentriker allein durch ihr Anspruchsdenken und ihr Verhalten wie Störsender wirken. Wenn es uns gelingt, in unserem Umfeld eine Atmosphäre der Kooperation zu schaffen, dann haben wir viel gewonnen. Wir können Lösungen finden, die von allen mitgetragen werden, weil wir alle unseren Beitrag dazu leisten konnten, selbst wenn wir am Schluss mit unserer Meinung in der Minderheit sein sollten. Eine kooperative Grundeinstellung in einem Team oder einem Unternehmen ist eine der stärksten Tankstellen überhaupt.

Zynismus versus Humor

Zynismus ist ein Stimmungskiller und Energieräuber. Zynische Bemerkungen sind, im Gegensatz zum Humor, gegen jemanden gerichtet und häufig verletzend. Sie sind der Zufluchtsort für Menschen ohne Humor. Wo Zynismus vorherrscht, ist Mobbing nicht weit.

Humor hingegen ist eine geballte Ladung Energie. Lachen entspannt. Zudem wird unsere Intelligenz durch positive Gedanken gefördert, während unsere Intelligenz durch ständige negative Emotionen behindert wird. Kurz: Lächeln macht uns klüger.

Einige der erfolgreichsten Menschen, die ich kennengelernt habe, können herzhaft über sich selbst lachen. Man könnte auch sagen: Dumme Menschen lachen nur über andere, kluge Menschen auch über sich. Ihnen ist ein gewisses Mass an Selbstironie eigen. Sie nehmen sich nicht so wichtig, weil sie in ihrer Mitte und mit sich im Reinen sind. Die Zusammenarbeit mit solchen Menschen ist in der Regel sehr angenehm, weil sich in ihrem Beisein gar nicht so viel negative Energie ansammeln kann, dass es zu einem Ausbruch oder einer Explosion kommen könnte. Durch Humor verliert jede aufgeladene Situation an Schärfe. Einem sich anbahnenden Konflikt wird buchstäblich der Wind aus den Segeln genommen. Lachen reinigt.

Humor im Alltag ist keine Witzparade, sondern die Gnade, das Normale einfach einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, das Lustige im Gewöhnlichen zu sehen und die gute Laune zu bewahren, indem wir uns auf das Mögliche konzentrieren anstatt auf das Unmögliche. Dies beginnt bereits bei den Gefühlen und Gedanken, die wir haben und dann in Worten ausdrücken. Gehen wir die Dinge eher von der positiven Seite an? Spielen wir mit den Worten? Lachen ist ansteckend. So gesehen gibt es auch positive Epidemien.

Hierarchie versus Leistung

Mit dem Eintritt der Net-Generation oder der Generation Y, wie sie auch genannt wird, sind bestehende Hierarchien in Unternehmen ins Wanken geraten. Wo früher die Karriereleiter Stufe für Stufe genommen wurde, stellt die neue Generation starre Hierarchien infrage.[4] Stattdessen soll es um Leistung gehen. Die veränderte Einstellung zu Karriere, Position und Funktion hat dazu geführt, dass viele Unternehmen ihre Führungsstruktur überdenken und anpassen (müssen).

Starre Strukturen hemmen die Motivation und verhindern, dass Talente und Leistungsträger rascher Verantwortung übernehmen und letztlich an ein Unternehmen gebunden werden. Wenn jedoch die Kompetenz mehr zählt als der Rang, entstehen Identifikation und Dynamik. Auf den Status der Hierarchie in der modernen Führung werde ich später noch einmal zurückkommen.

Vorurteile versus Offenheit

Auch Vorurteile rauben Energie. Wenn man Mädchen und Frauen immer wieder mit der Aussage konfrontiert, dass sie über schlechtere mathematische Fähigkeiten verfügen als Jungen oder Männer, tendieren sie dazu, diese Vorurteile zu bestätigen. Die Probe aufs Exempel liefern Studien, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Beginn eines Tests dazu aufgefordert wurden, beim Fragebogen ihr Geschlecht anzukreuzen. Das Interessante am Ergebnis ist: Weibliche Probanden erzielten im anschliessenden Test ein um über 30 Prozent schlechteres Resultat als Teilnehmerinnen, die nicht nach ihrem Geschlecht gefragt wurden.

Vorurteile funktionieren auch innerhalb desselben Geschlechts. Ein Beispiel: Weisse US-Amerikaner schneiden in Mathematiktests signifikant schlechter ab, wenn ihnen zuvor mitgeteilt wird, dass bei diesen auch asiatische Gleichaltrige teilnehmen.[5] Asiatische Schüler und Studenten werden in den USA nämlich als mathematisch besonders begabt angesehen.

Wir alle lassen uns immer wieder von Vorurteilen leiten, häufig unbewusst. Vorurteile gehen auf Prägungen und Erfahrungen zurück, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben. Viel klüger wäre es, den Menschen offen gegenüberzutreten, anstatt unser inneres Bild abzurufen, das wir uns von ihnen gemacht haben. In einer modernen Welt, in der sich verschiedene Kulturen in der Arbeitswelt und im Alltag begegnen, helfen uns Offenheit und Toleranz, Vorurteile abzubauen. Wir können die Andersartigkeit der verschiedenen Nationalitäten und Menschen als Chance zur persönlichen Weiterentwicklung und als Bereicherung unseres Erfahrungsschatzes betrachten. Damit hätten wir eine Tankstelle mehr.

Vom Kätzchen, das im Spiegel einen Löwen sah

Was häufig zu Missverständnissen in der Kommunikation führt, ist die fehlende Übereinstimmung zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung. Und diese ist gewaltig. Jeder Mensch sieht sich so, wie er sich sehen will. Der Irrtum besteht darin, dass wir dann glauben oder sogar erwarten, dass uns die anderen Menschen ebenso sehen. Doch ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass die anderen in uns das Kätzchen sehen, während wir uns für einen Löwen halten. Damit sind Missverständnisse vorprogrammiert.

Wir leben gedanklich nicht in einer gemeinsamen Welt, selbst wenn wir im selben Haus leben oder im selben Unternehmen arbeiten. Jeder lebt in seinem eigenen geistigen Universum, das er sich selbst erschafft durch seine Erfahrungen, Gedanken, Gefühle, seine Sprache. Wenn wir ein Wort aussprechen, entstehen in unserem Kopf Bilder, die auf unseren Erfahrungen beruhen. Das Gleiche erleben unsere Mitmenschen – allerdings entsteht in deren Köpfen eben auch deren eigene Bildwelt. Fällt z. B. der Begriff »Pferd«, sieht unsere Tochter vielleicht einen Schimmel vor sich, ein anderer denkt an ein Pferderennen, ein Dritter an seinen Reitunfall usw. Mit Worten erschaffen wir Bilder, für uns, für andere. Und diese Bilder stimmen nie miteinander überein.

Machen wir ein Gedankenexperiment: Wir drehen einen Film mit dem Titel »Mein Leben«. Darin spielen wir selbst die Hauptrolle, und alle anderen in unserem Leben bedeutsamen Menschen treten in unterschiedlichen Nebenrollen auf. In unserem Film sind wir in Bestform, der absolute Star. Nun sehen wir uns im Kino den Film eines anderen an, zum Beispiel den unseres Vaters oder unserer besten Freundin. Natürlich kommen wir in diesem Film vor. Doch enttäuscht stellen wir fest, dass wir nur eine Nebenrolle spielen. Vielleicht sieht mich mein Vater immer noch als den Sohn, der immer Flausen im Kopf hat, oder als Studenten. Dabei bin ich doch ein erfolgreicher Unternehmer! Und bei der besten Freundin spielen wir vielleicht gar keine so wichtige Rolle oder erscheinen darin ganz anders, als wir uns selbst erleben. Entsetzt rufen wir aus: »Das bin doch gar nicht ich!« Doch, wir sind es. Die Welt der anderen stimmt nicht mit der unseren überein. Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass andere Menschen uns nicht – ja sogar nie – so sehen, wie wir selbst uns sehen.

Wie wenig wir uns selbst kennen, mussten auch die Probanden von Robert Arkin und Jean Guerrettaz von der Ohio State University in ­Columbus erfahren.[6] Die Teilnehmer hatten sich zunächst in einem Test selbst einzuschätzen. Dann sollten sie zehn Eigenschaften angeben, die ihre Persönlichkeit ausmachten, und diese gewichten. Schliesslich folgte der letzte Schritt des Experiments: Zu den Charaktereigenschaften, welche die Probanden besonders wichtig und hervorstechend fanden, sollten sie konkrete Beispiele aus ihrer Biografie nennen, um diese zu belegen. Daran scheiterten die meisten, auch jene, die zuvor mit Überzeugung getönt hatten, sie seien sich über ihr Wesen und ihr Selbst im Klaren. Gerade diese Teilnehmer zeigten anschliessend ein erheblich erschüttertes Selbstbewusstsein.

Studien mit insgesamt mehr als 200 000 Teilnehmern haben ergeben, dass die meisten Menschen weit danebenliegen, wenn sie ihre eigenen Fähigkeiten einschätzen sollen. Sie halten sich für besser, als sie tatsächlich sind, oder sie trauen sich weniger zu, als sie tatsächlich können.[7] Wen wundert es da, dass rund 80 Prozent der Autofahrer der festen Überzeugung sind, sie gehörten zu den besten Fahrern.

Wenn wir uns in anderen Kulturräumen bewegen als in uns bekannten, können wir ebenfalls erleben, dass bestimmte Verhaltensweisen dort anders wahrgenommen werden. Denn in jeder Kultur gibt es bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen, die sich auch in der Körperhaltung oder in der Gestik manifestieren, die wir dann gemäss unseren Vorstellungen interpretieren – in vielen Fällen falsch. Um ein Beispiel zu nennen: Wir sind es gewohnt, dass wir uns in die Augen schauen oder bei der Begrüssung die Hände schütteln. In Japan wird direkter Blickkontakt als Mangel an Respekt empfunden. In islamischen Gesellschaften wird das Händeschütteln zwischen Männern und Frauen zum grossen Teil abgelehnt. Wenn wir unterschiedliches Verhalten im kulturellen Kontext betrachten, dann können wir es richtig einordnen.