No & ich. Textanalyse und Interpretation. Königs Erläuterungen Spezial - Delphine de Vigan - ebook

No & ich. Textanalyse und Interpretation. Königs Erläuterungen Spezial ebook

Delphine de Vigan

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Opis

Königs Erläuterung Spezial zu Delphine de Vigan: No & ich - ist eine verlässliche und bewährte Textanalyse und Interpretationshilfe für Schüler und weiterführende Informationsquelle für Lehrer und andere Interessierte: verständlich, übersichtlich und prägnant. In einem Band bieten dir die Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation... - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - Abituraufgaben mit Musterlösungen ... sowohl kurz als auch ausführlich ... - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. ... und klar strukturiert ... - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick.

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KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN SPEZIAL

3139

Textanalyse und Interpretation zu

Delphine de Vigan

NO & ICH

Sabine Hasenbach

Alle erforderlichen Infos zur Analyse

Zitierte Ausgaben: Vigan de, Delphine: No & ich. München: Knaur Taschenbuch, 2010.

Über die Autorin dieser Erläuterung: Sabine Hasenbach hat Mineralogie (mit den Nebenfächern Mathematik, Physik und Chemie) an den Universitäten Köln und Bonn sowie Literaturwissenschaft (mit den Nebenfächern Psychologie und Soziologie) an der FernUniversität in Hagen studiert, wo sie mit einer Arbeit über Katherine Mansfield graduiert worden ist. Sie wohnt in Düsseldorf und arbeitet an der dortigen Heinrich-Heine-Universität. In ihrer Freizeit läuft sie Langstrecke.

1. Auflage 2019

ISBN 978-3-8044-4139-2

© 2004, 2011 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: picture alliance / ZB

Hinweise zur Bedienung

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Delphine de Vigan: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Frankreich unter Jacques Chirac

Jugendliteratur zum Thema Obdachlosigkeit

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Die Grundstruktur der Handlung (story)

story und plot in der Literaturwissenschaft

Erzählerische Gegenwart und Analepsen

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Lou Bertignac

Nolwenn (No) Pivet

Lucas Muller

Anouk Bertignac

Bernard Bertignac

Nebenfiguren

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Erzählersprache

Figurensprache

Erzählform und Erzählverhalten

Themen und Motive

Stilmittel

Intertextualität

3.7 Interpretationsansätze

Verluste und die Folgen

No & ich als Entwicklungsroman

4. Rezeptionsgeschichte

Der Roman in der Kritik

Theater, Film und Hörbuch

5. Materialien

Lebensbedingungen obdachloser Frauen

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1:*

Aufgabe 2: **

Aufgabe 3:***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Biografisches

Über No & ich

Literatur und Psychologie

Armut und Obdachlosigkeit

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel beschreiben wir das Leben von Delphine de Vigan und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund dar:

Die französische Schriftstellerin Delphine de Vigan wurde am 1. März 1966 in Paris geboren.

No et moierschien 2007 in Frankreich, 2009 wurde die deutsche Übersetzung mit dem Titel No & ich publiziert. Der Roman ist der Jugendliteratur zuzuordnen. Zeitgeschichtlicher Hintergrund ist Frankreich unter der Ägide von Jacques Chirac.

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

No & ich – Entstehung und Quellen:

Delphine de Vigan führte Gespräche mit obdachlosen Frauen und las über Armut. Dazu sammelte sie Erfahrungsberichte von Familienmitgliedern, die in sozialen Berufen tätig sind.

2007: Publikation des Romans No et moi bei J. C. Lattès, Paris.

2009: Publikation der deutschen Ausgabe No & ich durch die Münchner Verlagsgruppe Droemer Knaur.

Inhalt:

Die 13-jährige Lou Bertignac lernt die 18-jährige Obdachlose Nolwenn Pivet, genannt No, kennen. Lou bringt No dazu, ihr für ein Referat ihr Leben zu erzählen. Lou ist entsetzt über Nos elendes Leben und will sie von der Straße holen. Sie erreicht, dass ihre Eltern No aufnehmen, und tatsächlich scheint eine Wiedereingliederung Nos in die Gesellschaft zu gelingen. Die abermalige Zurückweisung Nos durch ihre sie hassende Mutter und Nos Alkohol- und Medikamentensucht lassen den Versuch jedoch scheitern.

Chronologie und Schauplätze:

Die Handlung des Romans umfasst den Herbst eines nicht genannten Jahres bis zum Frühjahr des Folgejahres. Die Handlung wird anachronisch erzählt. Schauplatz ist überwiegend Paris.

Personenkonstellation und Charakteristiken:

Lou Bertignac

hochbegabt und einsam, möchte die Welt verbessern

macht eine grundlegende Erfahrung

Nolwenn Pivet (No)

obdachlos, wird von den Bertignacs aufgenommen

scheitert an sich selbst

Lucas Muller

Mitschüler von Lou und in sie verliebt

lebt allein, ist auf sich selbst gestellt

Anouk Bertignac

Mutter Lous, depressiv

findet durch No ins Leben zurück

Bernard Bertignac

Lous Vater

hält die Familie zusammen

Wir stellen die Hauptfiguren ausführlich vor. Auch auf die Nebenfiguren, die für das Verständnis des Romans von Bedeutung sind, wird eingegangen.

Stil und Sprache:

De Vigan arbeitet mit

einer individuell geprägten Figurensprache

personalem Erzählverhalten

Motivwiederholungen mit verknüpfender Funktion

Interpretationsansätze:

No & ich als ein Roman über Verluste und ihre Folgen

No & ich als Entwicklungsroman

2.Delphine de Vigan: Leben und Werk

Delphine de Vigan (*1966)© picture-alliance / lapresse

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1966

Boulogne-Billancourt (bei Paris), Frankreich

Delphine de Vigan wird am 1. März als älteste von zwei Mädchen geboren. Nach der frühen Scheidung der Eltern bleiben die Kinder bei der Mutter, die psychisch erkrankt.

1980

Paris

Umzug zum Vater. Später absolviert Delphine de Vigan eine journalistische Ausbildung an der CELSA (Sorbonne) und arbeitet schließlich für ein Meinungsbildungsinstitut. Nachts verfasst sie erste Texte.

14

2001

Paris

Publikation ihres Romanerstlings Jours sans Faim unter dem Pseudonym Lou Delvig.

35

2005

Paris

Die Romane Les jolis garçons und Un soir de décembre erscheinen. Für Un soir de décembre erhält de Vigan den Literaturpreis Saint-Valentin.

39

2007

Paris

No et moi erscheint. Mit diesem Roman gelingt de Vigan der schriftstellerische Durchbruch.

41

2008

Paris

Publikation von Sous le manteau.De Vigan wird für No et moi mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International ausgezeichnet. Ihre Mutter begeht Selbstmord.

42

2009

München

No et moi erscheint als No & ich in deutscher Übersetzung (Doris Heinemann).

43

Paris

Der Roman Les Heures souterraines erscheint und wird für den Prix Goncourt nominiert.

2010

München

Les Heures souterraines erscheint als Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin in deutscher Übersetzung.

44

Paris

Verfilmung von No et moi.

2011– 2013

Paris

Der Roman Rien ne s’oppose à la nuit wird publiziert. Zwei Jahre später erscheint er unter dem Titel Das Lächeln meiner Mutter in deutscher Übersetzung.

45–47

2015

Paris

Publikation von D’après une histoire vraie. De Vigan erhält dafür den Prix Renaudot und wird mit dem Prix Goncourt des Lycéens ausgezeichnet.

49

2016

Köln

Publikation von Nach einer wahren Geschichte als deutsche Übersetzung von D’après une histoire vraie.

50

2017

Köln

Jours sans Faim erscheint in deutscher Übersetzung unter dem Titel Tage ohne Hunger.

51

2019

Paris

Les gratitudes wird veröffentlicht. Delphine de Vigan hat zwei Kinder und lebt in Paris.

53

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Zeitgeschichtlicher Hintergrund des Romans No & ich ist das Frankreich unter Jacques Chirac mit rigider Sparpolitik und weitreichenden Folgen für die sozialen Verhältnisse im Land.

Frankreich unter Jacques Chirac

No et moi wurde 2007 veröffentlicht, Recherche und Publikation des Romans fallen in die Regierungszeit des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac (* 1932).

Chirac war von 1995 bis 2007 französischer Staatspräsident. In dieser Zeit wurde der Euro als Währung eingeführt (2002), was weitreichende Folgen für die Finanz- und Sozialpolitik Frankreichs hatte. Die Währungsumstellung war verbunden mit im Vertrag von Maastricht 1992 festgelegten Stabilitätskriterien. Um diese Stabilitätskriterien einzuhalten, setzte Chirac auf einen strikten Sparkurs, der Folgen für die Sozialpolitik hatte. Zwar schwadronierte Chirac anlässlich des informellen Gipfeltreffens der europäischen Staats- und Regierungschefs im britischen Hampton Court 2005 über Vollbeschäftigung und lobte das französische Sozialmodell, doch die soziale Wirklichkeit war (und ist) eine andere:

„Die Realität des französischen Sozialmodells, das ist der Abbau von 100.000 Krankenhausbetten in den letzten Jahren, die völlig misslungene Integration der Einwandererkinder aus Nord- und Schwarzafrika in den letzten zwei Jahrzehnten, ein öffentliches Schulsystem, aus dem die Jugendlichen massenhaft an Privatschulen fliehen, oder Gefängnisse in einem Zustand, der nur noch in Moldawien schlimmer ist – wie jüngst der Menschenrechtskommissar der Europarates Gil Robles konstatierte.“[1]

Der französische Polit-Journalist Christoph Barbier bezeichnete den Zustand der Staatsfinanzen als „katastrophal“.[2] Sind die Staatsfinanzen desolat, wird in Sozialpolitik kaum investiert. Entsprechend verheerend waren die Folgen für arme Menschen, so heißt es in einem Artikel der Stuttgarter Nachrichten aus dem Jahr 2014:

„Die Zahl der Menschen ohne Obdach steigt in Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft der EU, seit Jahren kontinuierlich an: Dem nationalen Statistikamt Insee zufolge verdoppelte sie sich zwischen 2001 und 2011 auf 130 000, davon 30 000 Kinder.“[3]

Auf diese prekäre Entwicklung verweist de Vigan im Roman, indem sie Lous Klassenlehrer Monsieur Marin Folgendes sagen lässt:

„Schätzungen zufolge gibt es in Frankreich zwischen 200.000 und 300.000 Personen ohne festen Wohnsitz, 40 Prozent von ihnen sind Frauen, die Zahl nimmt stetig zu. Und bei den Obdachlosen zwischen 16 und 18 Jahren beträgt der Frauenanteil sogar 70Prozent.“ (S. 31)

Jugendliteratur zum Thema Obdachlosigkeit

Asphalt Tribe von Morton Rhue (2004, Originaltitel: Can’t Get There From Here): ein Buch über Straßenkinder in New York. Es erzählt von obdachlosen Jugendlichen, die einen gnadenlosen Existenzkampf führen. Der Roman wurde auf die Auswahlliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2005 aufgenommen.

No & ich von Delphine de Vigan (2007).

No Place, no Home von Morton Rhue (2013): Die Eltern des Protagonisten Dan haben als Folge der amerikanischen Immobilienkrise von 2006 ihr Haus verloren und müssen in eine Zeltstadt ziehen. Zunächst fühlt sich Dan angesichts seiner wohlsituierten Freunde minderwertig, doch er macht ermutigende Erfahrungen, an denen er wächst.

Hoffnung von Åsa Anderberg Strollo (2013): Die im schwedischen Kolsva lebende 16-jährige Joanna hat das Leben mit ihrer verantwortungslosen Mutter satt und geht nach Stockholm, wo sie sich Arbeit und eine Wohnung suchen will. Ihre Pläne scheitern und Joanna landet auf der Straße. Sie lernt die ebenfalls obdachlose Alex kennen, die sich zunächst um sie kümmert, sie dann jedoch in die Kriminalität zieht.

Subway Sound von Katrin Bongard (2013): Der Roman spielt in Berlin und handelt von der 14-jährigen, in gesicherten Verhältnissen lebenden Livia. Sie verliebt sich in den 17-jährigen obdachlosen Punker Tim, verleugnet ihn aber vor ihren wohlstandsverwöhnten Freundinnen. Tim bringt sie daraufhin dazu, für eine gewisse Zeit mit ihm auf der Straße zu leben.

Thematisiert wird die Obdachlosigkeit junger Menschen und die damit verbundene soziale Verrohung und tiefe Einsamkeit.

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

ZUSAMMENFASSUNG

Die Romane Delphine de Vigans stehen für einen klaren und ungeschönten Blick auf soziale Realitäten und damit verbundene Schicksale. Dabei können sie als soziologische Studien[4] gelesen werden oder als quasi-autobiografische Romane.

No & ich (Original: No et moi, 2007), 2009 in deutscher Übersetzung erschienen, ist Delphine de Vigans vierte Romanveröffentlichung. Mit ihm schaffte sie den schriftstellerischen Durchbruch. Thematisiert werden vollkommen unterschiedliche Lebenswelten einer 13-Jährigen aus bürgerlichem Haus und einer 18-jährigen Obdachlosen. Nicht zuletzt ist dieser Roman eine soziologische Studie über das soziale Phänomen der Obdachlosigkeit in einer Industrienation. Für die ungeschönte Darstellung eines Frankreichs fern der selbsternannten Grande Nation wurde de Vigan 2008 mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International ausgezeichnet, womit sie sich der literarischen Welt empfahl. 2010 wurde der Roman verfilmt (vgl. Kapitel 4. Rezeption, S. 117).

2010 erschien Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin (Original: Les Heures souterraines, 2009). In diesem Roman erzählt de Vigan von einer Frau, die sich mit einer Extremsituation konfrontiert sieht: Die Protagonistin Mathilde, alleinerziehende Mutter dreier Söhne und Angestellte in der Marketingabteilung eines Pariser Konzerns, verhält sich in einer wichtigen Sitzung ihrem Vorgesetzten gegenüber illoyal. Der beginnt sie daraufhin auf perfide Art zu isolieren. Darauf reagiert Mathilde mit einer gefährlichen Depression. Parallel zu diesem Handlungsstrang erzählt de Vigan von dem Arzt Thibault, der sich endlich von seiner Freundin Lila trennt, von der er weiß, dass sie ihn nicht liebt. Zudem fragt er sich, welche seiner Träume er hat verwirklichen können oder ob ihm nichts als seine Arbeit geblieben sei. Dieser Roman handelt nicht nur von Menschen in einer schwierigen Situation, sondern liefert auch ein Porträt der Pariser Arbeitswelt.

2013 erscheint der Roman Das Lächeln meiner Mutter (Original: Rien ne s’oppose à la nuit, 2011). Darin erzählt de Vigan vom Leben mit ihrer psychisch kranken Mutter und deren Selbstmord. Der Roman ist teilweise autobiografisch.

2016 folgt die Publikation von Nach einer wahren Geschichte (Original: D’après une histoire vraie, 2015). In diesem Roman spielt de Vigan mit autobiografisch-realen und fiktiven Elementen. Die Protagonistin ist Schriftstellerin und heißt interessanterweise Delphine de Vigan. Mit ihrem Roman Das Lächeln meiner Mutter war sie sehr erfolgreich und nun wollen die Leser wissen, wie authentisch die Geschichte über ihre Mutter ist. Außerdem erhält die Schriftstellerin anonyme Drohbriefe. All dies lässt sie beinahe zerbrechen. Auf einer Party lernt sie die Ghostwriterin L. kennen. Zwischen den Frauen entwickelt sich eine tiefe Freundschaft und langsam übernimmt L. die Kontrolle über das Leben der Schriftstellerin. De Vigan wurde für den Roman mit dem Prix Renaudot und dem Prix Goncourt des Lycéens ausgezeichnet. Außerdem wurde er von dem renommierten Regisseur Roman Polanski verfilmt und kam im Mai 2018 in die deutschen Kinos.

2017 erschien der Roman Tage ohne Hunger (Original: Jours sans Faim, 2001), de Vigans Erstling, in Frankreich 2001 noch unter dem Pseudonym Lou Delvig veröffentlicht. In diesem Roman thematisiert de Vigan Magersucht. Die 19-jährige Laure leidet an dieser Krankheit und beschließt, in eine Klinik zu gehen. Dort wird sie über einen Zeitraum von drei Monaten mit einer Magensonde ernährt, was ihren körperlichen Zustand zwar erheblich bessert, nicht aber ihren seelischen. Laure fürchtet den Zeitpunkt ihrer Entlassung aus der Klinik. Sie fasst langsam Vertrauen zu einem einfühlsamen Arzt und rettet so ihr Leben. Wie schon Das Lächeln meiner Mutter enthält auch Tage ohne Hunger autobiografische Elemente, so verlor Laure wie Delphine de Vigan ihre Mutter durch Suizid und wie Laure litt de Vigan an Anorexie.

„De Vigan beansprucht für sich selbst, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Sie möchte der Jugend eine Stimme geben und deren aktuelle Herausforderungen herausarbeiten.”[5]

3. Textanalyse und -interpretation 3.1 Entstehung und Quellen

ZUSAMMENFASSUNG

Delphine de Vigan verfasste No & ich aus Interesse am Phänomen der Obdachlosigkeit, besonders der junger Frauen. Sie sprach mit weiblichen Obdachlosen in prekären Lebensbedingungen und hörte sich in die Jugendsprache ein, um im Roman deren Ton zu treffen.

2007: Veröffentlichung des Romans unter dem Titel No et moi bei J. C. Lattès, Paris.

2009: Veröffentlichung der deutschen Übersetzung unter dem Titel No & ich bei Droemer Knaur, München.

2010: Veröffentlichung als Taschenbuch.

In einem Interview äußerte sich Delphine de Vigan zur Entstehungsgeschichte von No & ich wie folgt:

„Mein ursprüngliches Projekt war vor allem, eine Geschichte zu erzählen, Figuren und Gefühle zum Leben zu erwecken.”[6]

„Am Anfang wollte ich über die Jugendlichen schreiben, die auf der Straße leben, vor allem über die jungen Frauen. Und so hat sich die Figur von No herauskristallisiert. Schnell bin ich auf die Idee gekommen, die Geschichte aus der Perspektive einer anderen jungen Frau zu erzählen, die aus einem ganz anderen sozialen Umfeld kommen würde, und so wurde Lou geboren.”[7]

Die Figur der Lou konzipierte de Vigan als die eines einsamen jungen Mädchens, das sich wegen seiner Begabung und seiner familiären Situation ausgeschlossen fühlt und zugleich sehr fantasievoll ist. Das Modell der Lou ist Delphine de Vigan selbst und der Name wurde von der Autorin bewusst gewählt:

„Bei Lou habe ich mich von meinen eigenen Kindheitserinnerungen inspirieren lassen, ohne es wirklich zu merken. Wie sie habe ich Klassen übersprungen, war sehr schüchtern und etwas traurig, aber dennoch auch voller Fantasie. […] Lous Vorname ist eine Anspielung auf mein erstes Buch, ein sehr autobiographischer Roman, den ich unter dem Pseudonym Lou Delvig[8] veröffentlicht habe. Es war auch ein Entwicklungsroman über die Brüche im Leben. So habe ich eine Art unsichtbaren Faden zwischen den zwei Romanen gezogen.“[9]

Der Name No ist ebenfalls bewusst von de Vigan gewählt. Er symbolisiert die Ablehnung durch die Mutter, die Nos Kindheit prägt und die in der Zurückweisung der 18-Jährigen ihren traurigen und folgenreichen Höhepunkt erfährt (vgl. S. 167 f.).

Information über Obdachlosigkeit bezog de Vigan auch von Familienangehörigen, die in Sozialberufen arbeiten. Außerdem las sie Bücher und Berichte über Armut in Frankreich und traf obdachlose Frauen, die allerdings älter waren als die Romanfigur No. Um den Ton der jungen Menschen zu treffen, hörte sich de Vigan in die Jugendsprache ein. Schließlich fügte de Vigan alle Studien, Recherchen und Eindrücke zusammen: „Und dann kam die Arbeit des Schriftstellers, der einen roten Faden zieht und ihn zu Ende führt.“[10]

2006 begann Delphine de Vigan mit der Arbeit an diesem Roman[11], der am 22. August 2007 unter dem Titel No et moi im Pariser Verlag J. C. Lattès erschien. In Deutschland wurde er in der Übersetzung von Doris Heinemann erstmals 2009 unter dem Titel No & ich von der Münchner Verlagsgruppe Droemer Knaur publiziert. 2010 folgte die Taschenbuchausgabe.

3.2 Inhaltsangabe

ZUSAMMENFASSUNG

Die 13-jährige, sehr intelligente Lou Bertignac fühlt sich in ihrer Klasse als Außenseiterin und leidet zu Hause unter der Depression ihrer Mutter Anouk, die den Tod von Lous Schwester Thaïs nicht überwinden kann. Ihren älteren Mitschüler Lucas Muller himmelt Lou an und auch er scheint ihre Gefühle zu erwidern.