Internet-Meme - kurz & geek - Erlehmann - ebook

Internet-Meme - kurz & geek ebook

- erlehmann

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Opis

Internet-Meme sind die Popkultur des Internets: Texte, Bilder, Videos, die sich viral per E-Mail, über Blogs, Web-Foren und das Social Web verbreiten. Sie werden durch die Masse statt durch Einzelne selektiert und entwickelt. Beispiele sind LOLcats und das Musikvideo Gangnam Style. Internet-Meme helfen, Kultur auf Basis des Internets zu verstehen. Als moderne Folklore erhellen sie die Milieus, die im Netz Raum finden. Sie sind die Netzkunst oder digitale Kunst der Massen: oft vulgär, aber auch Avantgarde im Erfassen von Zeitgeist und neuen medialen Möglichkeiten. Mit einer Einführung in die Welt der Internet-Meme betreten die Autoren ein Gebiet, das zu großen Teilen noch wissenschaftlich unerschlossen ist. Die Auswahl von Internet-Memen und damit verbundener Foren, die sie näher in Internet-Meme kurz & geek betrachten, dient dem Herausarbeiten von Grundformen und Mechanismen, die für viele Internet-Meme und Internet-Mem-Landschaften gelten.

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Internet-Meme kurz & geek

Erlehmann

Plomlompom

Kapitel 1. Einleitung

Wer Kultur unter den Bedingungen des Internets verstehen will, kommt an einer Beschäftigung mit Internet-Memen nicht vorbei. Wir wollen ein Grundlagen-Verständnis dafür schaffen, was Internet-Meme sind, wie und wo sie entstehen und welche Rollen sie im Netz spielen. Auf diesem Weg werden wir bekannte und weniger bekannte Internet-Meme vorstellen, sezieren und miteinander in Beziehung setzen. Wir werden Stammbäume und Typologien von Internet-Memen erarbeiten und die Umwelten erkunden, in denen Internet-Meme gedeihen und wuchern.

Ein unklarer Begriff

Was gilt als »Internet-Mem«? Häufig wird der Begriff für Motive, Phrasen, Bilder und Videos benutzt, die übers Internet starke Verbreitung finden. Zum Beispiel: LOLcats – millionenfach kopierte Fotos von Katzen, denen durch eingefügte Schrift menschliche Sätze mit einer eigenartigen Grammatik in den Mund gelegt werden. Oder: das Dancing Baby – die 3D-Animation eines tanzenden Säuglings, die Ende der 1990er-Jahre massenweise per E-Mail und im Web zirkulierte. Oder auch: »LOL«, »ROFL« und ähnliche Abkürzungen, die übers Internet in unsere schriftliche (und zuweilen auch mündliche) Sprache eingeflossen sind.

Aber nicht jedes Motiv, das übers Internet starke Verbreitung findet, gilt als Internet-Mem. Pornografie kreist rege durchs Netz – aber nur wenige pornografische Inhalte werden »Internet-Meme« genannt. Auch wichtigen Nachrichten wie Kriegsausbrüchen oder Wahlentscheidungen bleibt dieser Titel verwehrt, selbst wenn sie sich wie ein Lauffeuer im Netz verbreiten. Und was heißt »starke Verbreitung« schon? Das YouTube-Video »Charlie bit my finger« (»Charlie hat mir in den Finger gebissen«)[1], das Kleinkinder beim Rumalbern zeigt, gilt als Internet-Mem und kann mehr als eine halbe Milliarde Abrufe vorweisen. Aber auch Inhalte, deren abgezähltes Publikum einige Zehnerpotenzen kleiner ist, werden gelegentlich »Internet-Mem« genannt.

Eines eint alle diese »Internet-Meme«: Sie gelten vor allem als populär durch die Verbreitungswege des Internets, nicht durch andere Medien. Sie gelten als stark verwurzelt in den Kulturen, die sich über das Internet entwickeln. Eine griffige Definition ist das freilich noch nicht. Um uns einer solchen zu nähern, müssen wir erstmal den Begriff des »Mems« an sich besser verstehen.

Kleine Einführung in die Memetik

Der Begriff »Mem« wurde von dem Evolutionstheoretiker Richard Dawkins in seinem 1976 erschienenen Buch The Selfish Gene (»Das egoistische Gen«) erfunden[2]. Dort bezeichnet er kulturelle Informationen, die sich zwischen Menschen durch Nachahmung verbreiten, als Meme. Als Beispiele denkbar sind Melodien, die wir hören und nachpfeifen; Arbeitsweisen, die wir uns von anderen abschauen; Sprachen, die wir aus Schulbüchern und der Beobachtung ihres Gebrauchs lernen. »Mem« kann alles sein, was wir durch unsere Wahrnehmung erfassen und in Folge selbst nachmachen können: Verhaltensweisen, Verfahren, Ideen, Texte. Indem solche »Meme« von Mensch zu Mensch kopiert werden, verbreiten sie sich nicht nur, sondern entwickeln sich auch – denn nicht jede Nachahmung ist exakt. Manche Nachahmer führen Veränderungen gegenüber dem Original ein – sei es aus Unachtsamkeit, Unfähigkeit oder Absicht.

Das Wort »Mem« leitet Dawkins vom griechischen μίμημα (»mī-mēma«, »das Nachgemachte«) ab, dem französischen »le même« (»das selbe«) – und einem Gleichklang mit dem Wort »Gen«. Dawkins erkennt in der Verbreitung und Entwicklung von Memen nämlich Ähnlichkeiten zur Verbreitung und Entwicklung von Genen (und den von ihnen gestalteten Organismen) in der biologischen Evolution: Je nachdem, wie tauglich sie den Anforderungen ihrer Umwelt begegnen, pflanzen sie sich zahlreich fort oder gehen ein. (Ein Witz, den nur wenige lustig finden, wird beispielsweise kaum weitererzählt.) Im Verlauf ihrer Fortpflanzung mutieren sie – dabei entstehen untauglichere Varianten, aber auch tauglichere. (Fällt einem Nacherzähler des Witzes eine mächtigere Pointe ein, wird der Witz sich damit stärker verbreiten.) Sie konkurrieren miteinander um begrenzte Ressourcen. (Weiß ich um die begrenzte Aufnahmebereitschaft meiner Zuhörer, wähle ich unter allen mir bekannten Witzen nur den lustigsten zum Erzählen aus.)

Dawkins führte das »Mem« ursprünglich ein, um die breite Anwendbarkeit evolutionstheoretischer Konzepte zu verdeutlichen. In den folgenden Jahren wurde die Idee von ihm und anderen zu einer eigenen Denkschule entwickelt, die Kultur evolutionstheoretisch zu verstehen versucht. Zu den einflussreichsten Vertretern gehören unter anderem der Kognitionswissenschaftler Douglas Hofstadter (Metamagical Themas, 1985), der Philosoph Daniel Dennett (Darwin’s Dangerous Idea, 1995) und die Psychologin Susan Blackmore (The Meme Machine, 1999)[3].

Aus Sicht dieser »Memetik« sind wir als Menschen nicht länger Sklaven unserer Gene (darauf optimiert, durch Fortpflanzung Genmaterial zu verbreiten), sondern unserer Meme. Über Jahrtausende der Auslese und Mutation haben sich Meme entwickelt und durchgesetzt, die sich extrem manipulativ in unsere Bedürfnisse und unsere Psychologie einhaken. Sie optimieren uns zu ihren Gefäßen, Schutz- und Verbreitungs-Apparaten. Unsere Kultur, vielleicht auch unser Sprachvermögen, unser Bewusstsein und unser Gehirn, ist Ergebnis und Instrument des Wettstreits dieser Meme[4]. Ein unter Memetikern beliebtes Beispiel sind Religionen[5]: »Mem-Komplexe«, die ihre Träger antreiben, sie missionarisch zu verbreiten und Ideenkonkurrenz zu bekämpfen. Ihre Macht wird sichtbar an der Ergebenheit ihrer Träger selbst da, wo sie deren Wohlbefinden und körperlichem Trieb widerspricht: Religionen lehren die Bereitschaft, für den eigenen Glaubensauftrag auf Fortpflanzung zu verzichten (Zölibat), sich zu verstümmeln (Beschneidung) oder zu opfern (Selbstgeißelung und Selbstmordanschlag). Sie verteidigen ihren Platz in den Köpfen durch verstörende Elemente wie die Drohung mit dem Höllenfeuer als Strafe für den Abfall vom Glauben.

Ihre Hochzeit hatte die Memetik in den 1990er Jahren. Damals wurde sie unter anderem als revolutionärer Ansatz für die Verwissenschaftlichung von Werbe-Technik angepriesen[6]. 1997 entstand ein Journal of Memetics[7]. Auf dem erhofften Weg zur Wissenschaft geriet die Memetik aber bald ins Stocken. 2005 wurde das Journal wieder eingestellt. Seitdem ist es still geworden um die Memetik – wenn man davon absieht, dass ihr Begriff des »Mems« ein reges Eigenleben entwickelt hat.

Internet-Meme als virale Inhalte

Die Ideen der Memetik wurden gleichzeitig mit dem Internet populär. Die Netz-Pioniere der 1990er Jahre kamen mit ihrem Vokabular in Berührung und übernahmen es lose[8]. Dabei wurde die Menge der Phänomene, die das Wort »Mem« bezeichnet, langsam eingeengt: von allen kulturellen Informationen, die sich durch Nachahmung verbreiten (vielleicht: allen kulturellen Informationen überhaupt), auf jene, bei denen es mit auffälliger bis verwunderlicher Stärke geschieht. Das neue Medium Internet bot genug Anwendungsfälle. Immerhin brachte es eine gesteigerte, beschleunigte Verbreitung von Inhalten zwischen Massen von Menschen mit sich. »Memen« wurde eine besondere Art der Verbreitung zugeschrieben: die »virale«.

Der Begriff des Viralen leitet sich vom biochemischen Begriff des »Virus« ab (lateinisch für »Gift«) – Genmaterial, das von außen in Zellen eindringt und sie in Kopiermaschinen seiner selbst verwandelt. Eine infizierte Zelle stößt Kopien des Virus aus, die weitere Zellen infizieren können. Viren sind eine Form ansteckender Krankheiten. Sie verbreiten sich nicht nur innerhalb eines Organismus von Zelle zu Zelle, sondern auch zwischen Organismen. »Wirte« der Infektion übertragen sie auf andere Lebewesen etwa durch Niesen und Husten oder den Austausch von Körperflüssigkeiten.

Zu diesem Vorgang lässt sich das Verhalten mancher schadhafter Computerprogramme analogisieren, die wir folglich »Computer-Viren« nennen: Sie befallen Rechner und verleiten sie dazu, ihren Code – beispielsweise per E-Mail – an weitere Rechner zu senden. Mitte der 1990er Jahre wurde der Begriff auch von der Werbe-Industrie adaptiert[9]. So verläuft etwa Mund-zu-Mund-Propaganda »viral«: Ein begeisterter Konsument eines Produkts bewirbt es im persönlichen Austausch mit seinem näheren Umfeld. Werden so neue Konsumenten geworben, die ebenso begeistert sind, tragen sie die Empfehlung wiederum an ihre Nächsten weiter. Aus solchen Beispielen lässt sich verallgemeinern: »Viral« verbreitet sich jeder Inhalt, der seine Empfänger zu seinen Sendern macht. Unter der Ausstrahlung dieser Sender entstehen weitere Empfänger, die ebenfalls zu Sendern werden – und so weiter. Mit anhaltender Viralität kann die Verbreitung eines Inhalts exponentiell wachsen – so wie eine Epidemie.

Das Gegenteil der viralen Verbreitung ist die durch einen einflussreichen Sender an viele Empfänger, die selbst nicht weitersenden. Die Massenmedien des 20. Jahrhunderts funktionierten stark über diese vertikale Verbreitung von Inhalten: durch einzelne Zeitungen, Radio- und Fernsehsender hinunter zu einem großen, aber passiven Publikum. In den Internet-Massenmedien dagegen gewinnt die horizontale Kommunikation der Vielen mit den Vielen an Kraft: Jeder Netzteilnehmer kann Mails an tausend andere schicken. Jeder kann ein Blog eröffnen und so mit etwas Glück Hunderttausende von Lesern erreichen. Dienste wie Facebook oder Twitter befördern das Verbreiten von Web-Inhalten an lange Freundeslisten. So erreichen Inhalte aus dem Netz oft viele Leser, Zuschauer, Zuhörer, die sie bereitwillig an die nächsten Leser, Zuschauer, Zuhörer weiterreichen – bis ein Text so populär wird wie »Charlie bit my finger«.

Weegee: ein Internet-Mem über Viralität

Weegee ist ein Internet-Mem, das Viralität selbst zum Gegenstand hat. Grundlage ist die Figur des Luigi aus dem SuperMario-Videospiele-Universum. Im Spiel Mario is missing (The Software Toolworks, 1992) übernimmt Luigi die Hauptrolle. In mehreren Webforen[10] wurde seine grafische Darstellung in diesem Spiel als hinreichend merkwürdig empfunden, um sie in humoristischer Weise in andere Bilder einzuarbeiten. Erzählerisch hervorgehoben wird dabei die Wirkung der Augen auf andere Figuren: Sie scheinen in eindringlicher und unheimlicher Weise zu starren. Mimik und Gestik der angestarrten Figuren lassen sich lesen als verstörte Reaktion. In der Benennung und Kommentierung solcher Motive wird Luigi zu »Weegee« umbenannt. In einer Untermenge der Weegee-Bilder (siehe Abbildung 1.1) hat sein Starren eine ganz besondere Wirkung auf Andere: Als sie ihn bemerken und seinen Blick eine Weile erwidern, verwandelt sich ihr Gesicht in das seine. Die naheliegende Interpretation: Weegees Gesicht oder Blick ist ansteckend. Es verwandelt andere zu Kopien seiner selbst – und damit zu weiteren Verbreitern des eigenen Virus.

Abbildung 1.1 Weegee-Beispiel[11]: Weegee eingefügt in Panels aus Jeph Jacques’ Webcomic Questionable Content[12].

Internet-Meme: eine Arbeitsdefinition

Nach dieser Vertiefung der Begriffe des »Mems« und des »Viralen« können wir für den weiteren Verlauf des Buches eine grobe Arbeitsdefinition aufstellen: Internet-Meme sind Inhalte, die sich viral im Internet verbreiten. Ein paar Präzisierungen sind aber noch nötig:

Die Teilnehmer einer Internet-Mem-Verbreitungs-Welle müssen daran durch eigenes, bewusstes Handeln mitwirken. Computer-Viren etwa verbreiten sich oft ohne ein solches bewusstes Handeln: Sie befallen Systeme, die so unsicher ausgeliefert werden, dass sie ohne Handlungen oder gar Wissen der Systemnutzer Viren Einlass gewähren und sich von ihnen als Virenschleuder gebrauchen lassen. Internet-memetische Inhalte dagegen verbreiten sich, indem sie ihre Empfänger dazu verleiten, sie in Form eigener Mitteilungen zu kopieren, nachzuahmen oder zu verlinken. Verbreiter müssen sich nicht bewusst sein, dass sie an einem Internet-Mem mitwirken. Aber sie müssen sich bewusst sein, dass sie etwas weiterverbreiten.

Was zählt als »Inhalt«? Ein Problem der Memetik war ihre Ungenauigkeit im Eingrenzen ihres Analyse-Gegenstands: Ein Gedicht kann ein Mem sein, ebenso eine Idee, eine Weltanschauung, eine Melodie oder ein technisches Verfahren. Die Informationsmengen, die wir »Internet-Mem« nennen, sind vergleichsweise konkret eingrenzbare Textformen: Wörter- und Wortfolgen, Bilder, Videos, Lieder – und Formeln oder Schablonen zu ihrer Gestaltung. Viele dieser Informationsmengen lassen sich trivial erkennen, abzählen und auf Ähnlichkeiten prüfen. So kann die Verbreitung einer bestimmten Zeichenfolge zwischen den Beiträgen eines Diskussionsforums mithilfe einer Volltextsuche nach dieser Zeichenfolge nachvollzogen werden. In anderen Fällen lassen sich verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Inhalten leicht über Rahmendaten wie Titel, Tags oder Links auf Vorläufer belegen. Auch die massenweise bloße Verlinkung eines Inhalts hat Internet-memetischen Charakter: Schließlich liegt hier eine Kopierleistung vor, mindestens gegenüber der Zeichenfolge, aus der seine URL besteht.

Text, der vorrangig zur Vermittlung von Nachrichtenwissen verbreitet wird, zählt im Jargon der Netzkulturen kaum als »Internet-Mem«. Neuigkeiten wie ein Kriegsausbruch oder eine Naturkatastrophe können sich zwar mit enormer Viralität im Internet verbreiten. Vielleicht gilt ihre Verbreitungsstärke aber bereits durch die empfundene Wichtigkeit des berichteten Ereignisses als erklärt. Internet-Meme werden eher Inhalte genannt, deren Verbreitung sich über die Eigenheiten des Netzes als Kommunikationsraum zu erklären scheint – zum Beispiel über die Leichtigkeit, Triviales, aber Lustiges an hunderte Kontakte weiterzuleiten. Kunst, Humor, Spielerei und Trollerei sind die Inhalte, die üblicherweise mit dem Begriff »Internet-Mem« verknüpft werden. Wir werden uns an diesem Empfinden orientieren.

Ansatz und Aufbau dieses Buchs

Mit einer Einführung in die Welt der Internet-Meme betreten wir ein Gebiet, das zu großen Teilen noch wissenschaftlich unerschlossen ist. Wir hoffen, beim Erkunden einen kleinen Beitrag zu leisten, ein wenig Systematik und Übersichtlichkeit beizusteuern.

Zu diesem Zweck werden wir zwar viele Internet-Meme vorstellen und erklären. Einen repräsentativen Katalog oder Kanon der »wichtigsten« oder populärsten Internet-Meme können und wollen wir aber nicht liefern. Die Landschaft der Internet-Meme ist zu vielfältig und schnelllebig, als dass ein statischer, endlicher, linearer Buchtext sich dafür eignen würde. Außerdem gibt es bereits eine Reihe empfehlenswerter Webseiten, die sich dem Auftrag des Katalogisierens von Internet-Memen befriedigend widmen (siehe Kapitel 12). Die Auswahl von Internet-Memen und damit verbundener Foren, die wir näher besprechen, dient der Veranschaulichung von Grundformen und Mechanismen, die für viele Internet-Meme und Internet-Mem-Landschaften gelten. Wir widmen uns vor allem Vertretern, zu denen uns umfangreiche Quellen bekannt sind oder die wir aus eigener Erfahrung näher kennen. Unser Schwerpunkt liegt auf der englisch- und deutschsprachigen Welt.

Wo wir fremde Materialien zitieren, bemühen wir uns nach Möglichkeit um Quellenangaben einschließlich Autorennamen (bürgerliche Namen oder Pseudonyme). Da viele Internet-Meme allerdings Kollektivwerke aus größtenteils anonymer Autorschaft sind, ist uns dies manchmal unmöglich.

Im weiteren Verlauf des Buchs verwenden wir das Wort »Mem« als Kurzform von »Internet-Mem« – nicht in der sehr offenen Bedeutung der Dawkins-Blackmore-Schule.

Unter <http://internetmeme.de> haben wir eine Webseite zu diesem Buch und seinen Themen eingerichtet. Hier planen wir, Fehlerkorrekturen, Ergänzungen und weitere Einfälle zu veröffentlichen.

[1] <http://www.youtube.com/watch?v=_OBlgSz8sSM>

[2] Richard Dawkins, The Selfish Gene, Oxford 1989, S. 189–201.

[3] Zur Entwicklung des Begriffs entlang dieser Autoren: Jeremy Trevelyan Burman, »The misunderstanding of memes: Biography of an unscientific object, 1976-1999«, Perspective of Science 2012, vol. 20, no. 1, S. 75–104 / <http://www.mitpressjournals.org/doi/pdf/10.1162/POSC_a_00057>

[4] Vgl. Susan Blackmore, The Meme Machine, Oxford 1999, S. 67–107.

[5] Vgl. Dawkins 1989, S. 197–199, Blackmore 1999, S. 187–203. Die These von Religion als schädlichem Mem hat Dawkins in weiteren Jahren als medienwirksame publizistische Kampagne am Laufen gehalten, vgl. Richard Dawkins, The God Delusion, New York 2006.

[6] Burman 2012, S. 89–90.

[7] Journal of Memetics – Evolutionary Models of Information Transmission / <http://cfpm.org/jom-emit/>

[8] Zum Verhältnis von Internet-Kultur-Vorreitern zur Memetik, siehe beispielhaft frühe Ausgaben der Wired. Ausgabe 2.10 vom Oktober 1994 etwa enthält den Artikel »Meme, Counter-meme« über die Entstehung von Godwin’s Law (siehe http://www.wired.com/wired/archive/2.10/godwin.if_pr.html) Ausgabe 3.07 vom Juli 1995 widmet Dawkins eine euphorische Cover-Story (»Revolutionary Evolutionist«, <http://www.wired.com/wired/archive/3.07/)>.

[9] Vgl. Jeffrey Rayport, »The Virus of Marketing«, 31. Dezember 1996, Fast Company / <http://www.fastcompany.com/27701/virus-marketing>

[10] KnowYourMeme: »Weegee«/http://knowyourmeme.com/memes/weegee

[11] <https://encyclopediadramatica.se/File:Weegee_3.png>

[12] <http://questionablecontent.net/>

Kapitel 2. Medienvorgeschichte

Von Internet-Memen kann erst gesprochen werden, seit die Internet genannte Netzwerkstruktur im späten 20. Jahrhundert Fuß fasst. Die Bedingungen, unter denen Internet-Meme sich entwickeln, haben aber eine lange Vorgeschichte und sind im Einzelnen nicht aufs Internet beschränkt. Es sind historische, aber auch technische Bedingungen. Zum Beispiel verbreiten sich Inhalte im Internet stets in digitaler Form: als Abfolge von diskreten Zuständen, von »Nullen und Einsen«. Das wirkt sich auf die Art ihrer Vervielfältigung und Entwicklung aus:

Im Gegensatz zu analogen Kopien sind digitale mit absoluter Präzision möglich. Ein Computer muss nur eine Reihenfolge von Nullen und Einsen aus einem Speicherbereich auslesen und in einen anderen Speicherbereich schreiben. Analoge Kopierverfahren dagegen – etwa das Abmalen oder Abfotografieren eines Gemäldes – können eine Vorlage nur ungefähr erfassen und reproduzieren. Absolute Präzision ist nicht möglich, und ein Zuwachs an Präzision bedeutet einen Zuwachs an Aufwand. Bei digitalen Kopien ist es umgekehrt: Die exakte Kopie ist das einfachste Verfahren. Abweichungen und Ungenauigkeiten einzufügen kostet zusätzliche Arbeit.

Virale Inhalte verbreiten sich dadurch, dass ihre Empfänger sie kopieren und diese Kopien weiter leiten. Bei analogen Inhalten gleicht ein solcher Vorgang einem Stille-Post-Spiel: Mit jeder weiteren Kopien-Generation sinkt die Ähnlichkeit zum Original – vom Foto eines Gemäldes zum Foto des Fotos des Fotos. Digitale Inhalte dagegen können auch über eine lange Kette des Weiterreichens unverändert bleiben. So steigt die virale Reichweite digitaler Informationen. Darüber hinaus ermöglichst ihre Auflösbarkeit in Abfolgen und Einsen und Nullen ihre Verbreitung in einer Vielzahl von Kommunikationswegen, unabhängig davon, welche Form – beispielsweise Schrifttext, Bild, Klang – diese Einsen und Nullen übermitteln.

Dass ein Inhalt digital vorliegt, erschwert, dass er unbeabsichtigt in Richtung Rauschen degeneriert. Zugleich erleichtert es aber seine absichtliche gestalterische Veränderung. Jeder Bearbeitungsschritt kann an einer exakten und günstigen Kopie ausgeführt und dadurch ohne Aufwand rückgängig gemacht werden. So kann an digitalen Inhalten ohne die Furcht vor Fehlern gestalterisch experimentiert werden, bis ein wünschenswertes Ergebnis entsteht. Weil sie verlustfrei in Zahlen auflösbar sind, können digitale inhalte außerdem auf vielfältige Weise (und mit absoluter Genauigkeit – bis hinab zum einzelnen Bit) mathematisch manipuliert werden. Bearbeitungsschritte, die im Analogen aufwendig wären, können so über Computer-Algorithmen automatisiert und als Software auf einen Mausklick oder Tastendruck hin verfügbar gemacht werden.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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