Gewaltfreie Kommunikation - Andreas Basu - ebook

Gewaltfreie Kommunikation ebook

Andreas Basu

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Opis

In der Hektik des Alltags kommt es beruflich und privat immer wieder zu Konflikten. Viele könnten jedoch vermieden werden, wenn die Kommunikation besser funktionieren würde. Hier wird Ihnen verständlich und kompakt erklärt, wie Sie es besser machen können. Inhalte: - Umdenken: Wie wir mit der Sprache Gewalt ausüben und wie Gewaltfreie Kommunikation wirkt - Gefühle und Bedürfnisse äußern: Mit Vertrauen auf Augenhöhe verhandeln - Empathisch hören: die Bedürfnisse des Gegenübers klären und Konflikte deeskalieren - Gewaltfreie Kommunikation im Alltag: Konflikte meistern und konstruktive Gespräche führen 

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Inhaltsverzeichnis

Hinweis zum UrheberrechtImpressumVorwortVom Gegeneinander zum MiteinanderDas Leben schöner machenWin-win – was ist das eigentlich?Wozu Gewaltfreie Kommunikation?Wieso „gewaltfrei“?Was Sie mit der GFK lernenWas zeichnet Gewaltfreie Kommunikation aus?Die zwei Bereiche der Gewaltfreien KommunikationKonflikte verstehenHeiß oder kalt – KonfliktartenKonflikte in Unternehmen – eine ChanceWenn Streitkultur fehltIn Hierarchien auf Augenhöhe kommenWie Sie als Führungskraft profitierenGewaltfrei sprechenGewalt in unserer SpracheIn Ich-Botschaften sprechenNeue Sprache – neues DenkenSich aufrichtig zeigenSprechen, um gehört zu werdenBeobachtung oder Interpretation?Eine faire Basis schaffenFallstricke bei BeobachtungenGefühle statt Gedanken ausdrückenWarum wir Gefühlsäußerungen meidenGefühle sind wichtige InformationenGefühle äußern – Fallstricke vermeidenBedürfnisse statt Strategien äußernBedürfnisse, die alle teilenBedürfnisse erkennenBedürfnisse von Strategien trennenBitten statt fordernDas Ziel: Beziehungen auf AugenhöheBeziehung vor LösungWie Sie Bitten erfolgreich formulierenAn wen Sie Ihre Bitte richtenBitte ausgesprochen – und was dann?Empathisch hörenSchuld oder Verständnis – wie hören wir?Die Macht der EmpathieWas haben Sie davon?Empathisch hören – aber wie?Empathisches Hören beinhaltet die Bereitschaft, …Heißt Verständnis Einverständnis?Was empathischem Hören im Wege stehtSie selbst brauchen EmpathieWir sind bei uns statt beim anderenWann hören wir mit Empathie auf?Vom Konflikt zur Win-win-LösungGewaltfreie Kommunikation im AlltagWofür wir verantwortlich sindBeziehung vor MethodeLeitfaden für KonfliktgesprächeVorbereitung: mental und emotionalDas Gespräch führenNachbereitung – die beste VorbereitungKonstruktive Gespräche im UnternehmenMit GFK zu neuen LösungenAus Beispielen lernenLiteraturDie AutorenAndreas BasuLiane FaustStichwortverzeichnisArbeitshilfen online
[1]

Hinweis zum Urheberrecht

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Print:ISBN: 978-3-648-12523-6Bestell-Nr.: 00340-0004ePUB:ISBN: 978-3-648-12524-3Bestell-Nr.: 00340-0103ePDF:ISBN: 978-3-648-12525-0Bestell-Nr.: 00340-0153

Andreas Basu, Liane FaustGewaltfreie Kommunikation4. Auflage 2019

© 2019, Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Munzinger Straße 9, 79111 FreiburgRedaktionsanschrift: Fraunhoferstraße 5, 82152 Planegg/MünchenInternet: www.haufe.deE-Mail: [email protected]: Jürgen FischerRedaktionsassistenz: Christine Rüber

Satz: Reemers Publishing Services GmbH, KrefeldUmschlagdesign: RED GmbH, Krailling

Alle Angaben/Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.

Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe (einschließlich Mikrokopie) sowie der Auswertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen, vorbehalten.

Vorwort

Kommunikation bestimmt unseren privaten wie beruflichen Alltag. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht mit ihrer Hilfe Probleme zu lösen, kleinere oder größere Kontroversen zu überbrücken sind. Unsere Sprache macht unsere Haltung gegenüber anderen sichtbar und bestimmt, ob wir eher zusammen- oder weiter auseinanderkommen. Der häufigste Grund, weshalb Grabenkämpfe, Streitigkeiten und bisweilen regelrechte Kriege entstehen, ist: Wir glauben, andere seien für unsere Gefühle verantwortlich.[2]

Gewaltfreie Kommunikation ist eine Lebenshaltung, die dazu befähigt, Verantwortung für die eigenen Anliegen zu übernehmen. Außerdem ist es eine radikal einfache Methode, mit der Sie Konfliktlösungen aushandeln können, von der alle Beteiligten profitieren.

Dieser TaschenGuide zeigt, wie Sie Verantwortung für Ihre Gefühle übernehmen und Menschen unabhängig von Status, Geschlecht oder Kultur erreichen können. Schritt für Schritt lernen Sie die erforderlichen Elemente dazu kennen und erfahren, wie Sie diese in Gesprächsprozessen anwenden. Mit Herz und Verstand handeln Sie im Einklang mit Ihren Werten. Kurz: Ich möchte Sie mit diesem TaschenGuide dabei unterstützen, eine Beziehungs- und Konfliktintelligenz aufzubauen, die Ihnen die Chance gibt, das Leben zu kreieren, das Sie sich wünschen.

Andreas Basu

Vom Gegeneinander zum Miteinander

Überall Konflikte, jeder will gewinnen, keiner verlieren? Win-win ist in letzter Zeit zum Zauberwort für Konfliktlösungen und Verhandlungen geworden.

Im folgenden Kapitel erfahren Sie,

was Win-win eigentlich ist,

warum das Handwerkszeug und die Lebenshaltung der Gewaltfreien Kommunikation dazu dienen, Konflikte nachhaltig zu lösen,

was Konflikte genau genommen sind und warum es uns so schwer fällt, damit umzugehen,

wie wir mit unserer Sprache Gewalt ausüben und was „gewaltfrei sprechen“ bedeutet.

Das Leben schöner machen

Mehr als 50 % aller Projekte verfehlen ihre Ziele aufgrund von zwischenmenschlichen Problemen (Chaos Report 2015, Standish Group).[3]

Die aktuelle Scheidungsrate in Deutschland liegt bei 38 % (Statistisches Bundesamt 2017).

Nur 15 % der Angestellten fühlen sich mit ihrem Arbeitgeber verbunden. Der Rest macht Dienst nach Vorschrift oder hat bereits innerlich gekündigt (Gallup Institut 2016).

Immer mehr Menschen klagen über Stress, Mobbing und Burnout am Arbeitsplatz.

Auch wenn diese Zahlen etwas anderes vermuten lassen, behaupte ich: Uns wurde das Miteinander in die Wiege gelegt. Eigentlich genießen wir es, das Leben von uns und anderen schöner zu machen. Wie komme ich zu so einer These angesichts eines Alltags, der gekennzeichnet ist von Problemen und Konflikten, die Mitarbeiter, Chefs, Eltern und Partner zu lösen haben?

Wir Menschen sind, wie der Verhaltensforscher Desmond Morris schreibt, von jeher auf Kooperation und Hilfsbereitschaft ausgelegt – ohne diese Qualitäten hätten wir weder Mammuts erlegen, noch die Erde so weitläufig bevölkern können. Leider haben wir uns von klein auf daran gewöhnt, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: gewinnen oder verlieren. Im Film erleben wir den Held und den Loser, wir sehen in Wimbledon den Gewinner jubeln, der Verlierer wird bald vergessen. Wer hat das höchste Gehalt, das größte Auto, den größten Marktanteil …? Übertragen auf zwischenmenschliches Miteinander stellt sich vielen die Frage, wie sie zu den Gewinnern zählen können. Keiner will zu den Verlierern gehören. Daraus entsteht der alltägliche Kampf ums Überleben. Wir denken, es gäbe nicht genug für alle. Daher fällt uns eine ganz naheliegende Alternative kaum mehr ein: Wie wäre es, wenn alle gewinnen?[4]

Win-win – was ist das eigentlich?

Der Begriff Win-win aus der Transaktionsanalyse ist inzwischen in vielen Firmen zum Schlagwort geworden, bisweilen auch zum Modewort. Denn, wenn ich Mitarbeiter frage, wie sie einen Konflikt lösen oder eine Verhandlung führen wollen, höre ich oft: „Nun, da müssen wir eben eine Win-win-Situation herstellen!“ „Und wie geht das?“ „Äh, ja … hhmm …?“ Also zu schön, um wahr zu sein? Ich zeige Ihnen in diesem TaschenGuide, wie Sie Win-win-Situationen Schritt für Schritt herstellen, also Lösungen kreieren, die beide Parteien zufriedenstellen. Denn die Krux scheint im Detail zu liegen.

Die Abbildung auf der nächsten Seite zeigt, dass alles Wissen über die Methodik Sie nicht zum Ziel führt, wenn es nicht auf der geeigneten Haltung basiert. Denn aus der inneren Haltung entsteht unser äußeres Verhalten. Nur mit der Haltung „Ich bin OK – Du bist OK“ haben Sie die Chance, Win-win-Ergebnisse herbeizuführen.

Haltungen und Verhalten in Konflikten

Eigentlich wollen alle Menschen, die ich treffe, in den Quadranten rechts oben, denn in Beziehungen hat keiner etwas dagegen, dass andere gewinnen, wenn er selbst auch gewinnt. In dem Lernprozess auf dem Weg dorthin geht es also darum, die erforderliche Haltung zu entwickeln und sich das geeignete Handwerkszeug zuzulegen. Die Elemente der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) unterstützen Sie auch in schwierigen Situationen dabei, immer wieder in diese Haltung zu kommen.[5]

Wozu Gewaltfreie Kommunikation?

Sie möchten in emotional schwierigen Situationen öfter Souveränität und Ruhe bewahren?

Sie würden gerne Vorwürfe und Kritik weniger persönlich nehmen?

Sie fragen sich, wie Sie mit Ihrem Ärger umgehen können, ohne Ihre Beziehung zu riskieren?

Sie fragen sich, wie Sie es fördern können, damit andere nicht Ja sagen und Nein tun?

Wenn Sie einige Fragen mit Ja beantworten, finden Sie mit der GFK ein Handwerkszeug und eine Lebenshaltung, die dazu dienen, Konflikte konstruktiv auf Augenhöhe zu klären und nachhaltige Lösungen zu kreieren. Sie lernen, erfüllende Beziehungen zu gestalten und mit sich in Frieden zu kommen.

Wieso „gewaltfrei“?

Der Begriff „gewaltfrei“ ist abgeleitet aus dem indischen Sanskrit-Begriff „Ahimsa“, den Mahatma Gandhi benutzte. Ahimsa umfasst dabei mehr als nur gewaltfreien Widerstand oder gewaltfreie Handlungen. Ahimsa bezeichnet eine Lebenseinstellung, die grundsätzlich eine Schädigung und Verletzung anderer vermeidet. Dazu gehört auch die Veränderung der eigenen Gedankenwelt mit möglichen Feindbildern und einer Sprache, die andere für die eigenen Gefühle verantwortlich macht und damit die Eskalation von Konflikten fördert.

Ein häufiges Missverständnis von Gewaltfreiheit ist die Gleichsetzung mit „Wir haben uns alle lieb“, Passivität und Tatenlosigkeit. Gewaltfreiheit beinhaltet, Konflikte aktiv anzugehen, statt sie zu verdrängen. Ebenso wenig wie Gandhi spricht Dr. Marshall B. Rosenberg (Begründer der Gewaltfreien Kommunikation und internationaler Konfliktmediator) von absoluter Gewaltfreiheit. Sollte es einmal nur die Wahl geben zwischen „Gewalt hinnehmen“ und „Gewalt anwenden“, würden beide Gewaltanwendung bevorzugen – auch wenn sie überzeugt sind, dass die Gewaltfreiheit der Gewalt überlegen ist.[6]

Dr. Rosenberg unterscheidet zwischen „strafender Anwendung von Macht“ und „beschützender Anwendung von Macht“. Beschützende Machtanwendung versucht, Verletzung oder Ungerechtigkeit zu verhindern. Weder bestraft sie, möchte Schmerz oder Reue hervorrufen, noch versucht sie, eine Verhaltensänderung zu erzwingen. Ein Beispiel dafür ist, ein Kind am Arm von der Straße zu reißen, bevor es von einem herannahenden Fahrzeug überfahren wird.

In der Beratungspraxis sind unternehmenstauglichere Synonyme für GFK synergetische, konstruktive oder wertschätzende Kommunikation.

Was Sie mit der GFK lernen

Auf den Punkt zu kommen und an Fakten orientiert, leidenschaftlich, aber fair zu streiten.

Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, ohne andere zu beschuldigen, zu bewerten oder zu kritisieren.

Bitten klar zu formulieren, ohne anderen zu drohen, sie zu manipulieren oder zu erpressen.

Tragfähige Lösungen zu entwickeln, die die Anliegen aller Beteiligten erfüllen, anstatt faule Kompromisse zu schließen, die bald wieder in Frage gestellt werden.

Auf integre Art und Weise Einfluss zu nehmen und in Hierarchien auf Augenhöhe Gespräche zu führen.[7]

Vorwürfe, Kritik und Forderungen nicht persönlich zu nehmen, sondern die unausgesprochenen Gefühle und Bedürfnisse, die hinter diesen Aussagen stehen, wahrzunehmen.

Auf dem Weg zu einer Konfliktlösung weder das eigene Anliegen aufzugeben, noch die Beziehung zu den Mitmenschen aufs Spiel zu setzen.

Was zeichnet Gewaltfreie Kommunikation aus?

Eine Methode, die auch noch nützlich sein soll, wenn Sie unter Druck stehen, braucht vor allem Einfachheit und Effizienz:

Die GFK ist übersichtlich und sofort anwendbar: Ein Klavier mit vier Tasten können auch Sie lernen zu spielen! Die GFK kommt mit vier Elementen aus: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte (siehe dazu ausführlich Kapitel „Sich aufrichtig zeigen“). Dadurch können Einsteiger sofort in die Anwendung gehen. Sie spüren schon bei den ersten Übungen, wie sich Stress und Anspannung lösen und Neugier und Zuversicht Platz machen. Sie erhalten das Handwerkszeug, um auch verfahrene und komplexe Situationen zu entwirren.

Einer genügt: Eine häufige Frage lautet: „Muss mein Gegenüber die GFK ebenfalls kennen, damit sie funktioniert?“ Auch wenn es einfacher ist, wenn beide die Fähigkeiten mitbringen: Nein! Denn ein wichtiger Bestandteil ist, den anderen abzuholen, wo er ist. Sie „verleihen“ ihm Ihre Fähigkeiten für die Dauer des Konflikts.

Wichtig

Wenn Sie jemanden mit auf eine Reise nehmen wollen, heißt es, ihn abzuholen, wo er ist, und nicht wo Sie sind.

Unabhängig von der Kultur und den Rahmenbedingungen:[8] Ob Sie Verhandlungen in Japan führen, ein Gespräch mit einem „schwierigen“ Mitarbeiter planen, Menschen unterschiedlicher Nationen am Verhandlungstisch haben oder das nächste Urlaubsziel mit der Familie festlegen wollen – alle Menschen teilen universelle Bedürfnisse. Kulturen unterscheiden sich nur durch die Handlungsoptionen, die sie benutzen, um diese zu erfüllen, z. B. wird Nähe in Italien anders gelebt als in Japan. Wenn Sie sich die Fähigkeit erwerben, Bedürfnisse zu erkennen und in der Sprache der anderen zu benennen, können Sie auch Kulturgräben überwinden (siehe dazu das Kapitel „Empathisch hören“).

Erprobt unter härtesten Bedingungen: Die GFK beruht auf den Forschungen von Dr. Marshall B. Rosenberg, die er in mehr als 40 Jahren entwickelt und weltweit erfolgreich eingesetzt hat – bei Stammeskonflikten in Ruanda, in Kriegsgebieten auf dem Balkan oder in Afghanistan. Ganz gleich, ob Manager, Polizisten, Ärzte, Anwälte, Kinder, Lehrer oder Eltern mit ihm arbeiteten, die GFK ist universell anwendbar in den vermeintlich schwierigsten Situationen.

Gibt es Situationen, in denen die GFK nicht funktioniert? Ja, tausende: In jeder Situation, in der Sie Ihre wertschätzende Haltung verlieren.

Praxis-Beispiel

Karin ruft aus dem Kinderzimmer zu ihrem Mann: „Guck mal, Hans, Robby kann Madagaskar sagen. Zum ersten Mal ein Wort mit vier Silben!“ Hans kommt ins Kinderzimmer: „Toll, Robby! Was hast du gerade gesagt?“ Robby stolz: „Madagaskar.“ „Willst du noch ein Wort mit vier Silben lernen?“ Der zweijährige Robby schaut fragend. Hans: „Rhinozeros … Komm, probier’s mal: Rhino …“ Robby: „zos.“ Hans geduldig: „Rhino …“ Robby: „zos.“ Hans, etwas weniger geduldig: „Nein, Rhino-zeros! Sag’s mal.“ Robby: „Madagaskar.“[9]

Wichtig

Jeden Augenblick haben wir die Wahl, Recht haben zu wollen oder glücklich sein zu wollen. Beides zusammen geht nicht. (Marshall B. Rosenberg)

Die zwei Bereiche der Gewaltfreien Kommunikation

Oft höre ich die Bitte: „Geben Sie mir das Rezept, wie ich mit Menschen umgehen kann, so dass ich das bekomme, was ich will.“ Leider ist es nicht so einfach. Zwischenmenschliche Situationen folgen nicht statischen Regeln, sondern unterliegen dynamischen Veränderungen: Ein Satz folgt reaktiv auf den anderen, Worte kommen bisweilen ganz anders an, als gemeint. Wie nun mit dem Missverständnis umgehen, ohne noch mehr ins Fettnäpfchen zu treten? Wir brauchen eine einfache Methodik, die der natürlichen Lebendigkeit und spontanen Veränderung von Gesprächsprozessen folgt. Zwei Bereiche sind dazu in der Gewaltfreien Kommunikation von Bedeutung: sich aufrichtig zeigen und empathisch hören. Sie werden als liegende Acht dargestellt.

Die zwei Bereiche

In der Gesprächssituation wechselt die Aufmerksamkeit zwischen diesen Bereichen oft mehrfach hin und her:

mich aufrichtig zeigen und sagen, was ich brauche und

empathisch hören, was der andere braucht.

Durch meist mehrfaches Durchlaufen der einzelnen Ovale und den Wechsel zu dem jeweils anderen Oval entsteht die nötige Klarheit, was beide Gesprächspartner brauchen, um zu einem Win-win-Ergebnis zu kommen. Wie Sie die Methode im Einzelnen anwenden, erfahren Sie im Kapitel „Sich aufrichtig zeigen“.[10]

Konflikte verstehen

Sie werden im Folgenden viel über Konflikte lesen, Grund genug, einmal näher hinzusehen. Was ist ein Konflikt? Ein Konflikt ist eine Situation, in der mindestens zwei Bedürfnisse zu kurz kommen und die Handlungsoptionen, um diese Bedürfnisse zu erfüllen, nicht miteinander vereinbar sind.

Beispiel: Fernsehen

Ein Ehepaar: Er kommt zum vierten Mal in dieser Woche abends müde nach Hause und sagt, er brauche jetzt seine Ruhe und wolle fernsehen. Sie möchte nach dem ganzen Tag mit Haushalt und Kindern mit ihm über ihren Tag sprechen und nicht fernsehen. Die Handlungsoptionen „fernsehen“ und „nicht fernsehen“ sind offensichtlich unvereinbar. Ein Konflikt ist entstanden.

Sind Konflikte vermeidbar? Nein, sie gehören zu unserer Natur und sind ein wichtiges Element unserer Entwicklung, sie fördern Kreativität, Innovation, Wachstum und Lernen.