Farben-Wahl - Bernt Rhotert - ebook

Farben-Wahl ebook

Bernt Rhotert

0,0

Opis

Begegnungen der beiden deutschen Seiten in der Wende1989/90: Marianne: Wer über die Grenze geht, um sich zu nehmen, was er sucht, muss damit rechnen, dass andere ihm das Recht auf diesen Anspruch beschneiden. Renate: Vor nahezu einem Jahr war sie im Weihnachtsurlaub in Österreich mit Johannes gewandert. Und sie wie er, sie waren beide damals in ihre auferlegten Rollen zurückgekehrt, sobald der Abend kam. Nun soll der Abend alles ändern? … Auf einmal durfte er frei reisen! Richard: Er war auf den Balkon getreten, um ihr das Bad zu überlassen. Sie hatten diesmal ein Zimmer mit getrennten Betten. Renate hatte nach der Ankunft nicht erfragt, ob dies dem Zufall oder seiner Umsicht zuzuschreiben war. Erinnerte sie sich denn, wie beide noch einmal in einem französischen Bett geschlafen hatten, sie schon den Zufall fürchtend, er könne sie umarmen, und er nicht mehr bereit, ein flüchtiges Glück herauszufordern? Johannes: In lausigen Zeiten ohne wahre Helden stanzt sich der Boulevard-Journalismus aus ungeformtem Material willkommene Legenden. So wurde ausgestreut, man habe den Filmdrehbuch-Autoren Johannes Wiedemann hinterrücks erschossen. Die Überlegung, wer, wann, weshalb und auch wobei den Anderen in all den Jahren hintergangen hatte, stand jetzt auch im Raum.

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Bernt Rhotert

FARBEN-WAHL

 

© axel dielmann – verlagKommanditgesellschaft in Frankfurt am Main, 2015Alle Rechte vobehalten.

Gestaltung:Urs van der Leyn, Basel© Cover-Foto:dpa Picture – Alliance GmbH, Frankfurt am MainDas Kapitel XIX, Seite 98 ff, wurde von derFrankfurter Allgemeinen Zeitung zum 1. Jahrestag derDeutschen Einheit am 13.10.1991 in einer Vorform abgedruckt.Historische Aspekte zur vorliegenden Erzählungfinden sich auf der Verlagshomepage unterwww.dielmann-verlag.de/Farben-Wahl

ISBN 978 3 86638 915 1eISBN 978 3 86638 920 5

Bernt Rhotert

FARBEN–WAHL

deutsch – deutscheErzählung

 

axel dielmann – verlag

Kommanditgesellschaft in Frankfurt am Main

I

Tarnfarben waren ihm vertraut. Hätte Robert Sauter vor seiner Flucht die Wahl gehabt, zu entscheiden, wie sich sein Leben darstellt, wäre er vielleicht geblieben. Er hätte den Übermut gewählt, hätte sich einen Umsturz erträumt, einen kleinen zumindest; er hätte bei der Bestellung seines Trabant eine Farbenwahl gefordert: Himmelblau oder Bonbonrosa statt Kack-Beige. Mit diesem Anspruch wäre ein auf Bonbonrosa nicht eingerichtetes System ins Wanken geraten.

Das bescheidenste Hoffen auf solche Weltveränderung erfüllte in Sauters Heimat, dem Vaterland der Werktätigen, im Schatten weiterreichender Hoffnungen, den Straftatbestand einer staatsgefährdenden, konterrevolutionären Provokation. Als Sauter, knapp ein Jahrzehnt vor der Lieferung seines Trabbi, die Anzahlung leistete, musste er sich beim Eintrag in die Warteliste stumm bescheiden. Er akzeptierte die Farbe Kack-Beige und tröstete sich danach mit dem Glauben, er sei nicht schlecht gefahren mit dieser Variante: ein Tarnkleid! Wer sah denn damals ab, wie sich die Welt entwickeln würde?

Der sechsundfünfzigjährige, kleine, untersetzte Herr, weißblondes Haar, blaue Augen, bleiche Haut mit Altersflecken unterhalb der Tränensäcke, hatte die Grenze auf einem Umweg überschritten. Er war über Ungarn nach Westdeutschland gekommen. Das unterschied ihn von den Landsleuten, die wenig später, nach Genschers Prager Freibrief, direkter reisten. Doch hatte er sich nach der Ankunft in der Bundesrepublik Deutschland zur Feier der errungenen Freiheit als kleines Zeichen des persönlichen Triumphs vom Begrüßungsgeld sogleich einen leuchtend roten Schal geleistet, der über der olivgrünen Windjacke jedermann verriet, dass für den Träger die Zeit der Tarnfarben abgelaufen war.

Als Robert Sauter in der Aral-Tankstelle am Frankfurter Mainufer von der Zapfstelle für Mopeds zweimal fünf Liter Gemisch in den Tank seines Trabbi pumpte, warf ein Windstoß die letzten Kastanien aus den Bäumen. Sie kullerten übers Pflaster und vermengten sich mit einer Nachricht im Radio: in Leipzig marschieren die Bürger auf den Straßen. Sie fordern den Umbruch, aber warnen vor Gewalt. Sie rufen ”Freiheit“! An Demonstrationen solcher Qualität hatte man sich schon gewöhnt, doch blieben sie gewaltfrei? Wie viele marschierten diesmal? Sauter überschlug in Gedanken, wie viel Westgeld noch in seiner Tasche steckte.

Der Tankwart am Main hatte ihn gleich durchschaut. Er warf einen Blick auf die Rückbank von Sauters Wagen. Ein Segelschulschiff mit hoher Takellage und der Flagge der Volksrepublik Polen am Heck erweckte seine Neugier. Es folgte eine flapsige Bemerkung über Zweitakter und Ungarn: der Kunde war ein Habenichts. War das Modell entbehrlich? Der Hesse schlug einen Handel vor, wollte tauschen. ”Den ganzen Tank umsonst gefüllt! Dazu ’nen Gutschein für weitere 50 Liter Gemisch obendrauf!“ Robert Sauter schüttelte den Kopf. Geschäfte in Naturalien hatte er satt. War er nicht endlich angekommen im gelobten Land der freien Marktwirtschaft? Herrschte da auch ein Mangelzustand? Der Mangel war ihm seit seinen Kindertagen vertraut. ”Heute kein Fisch, kein Fleisch – keine Butter gab es erst in der nächsten Woche!“ Das kannte er aus der H.O.

Er sah kurz auf, lief auch rot an, erkundigte sich nach Arbeit, aber Arbeit konnte ihm der andere nicht bieten. Er war Pächter, das letzte Glied der Kette im Vertrieb. Er sagte, die schmale Provision vom Konzern ernähre keinen zweiten Mann. Herr Sauter hatte eigene Vorstellungen vom Westen. Das Reifenlager war nicht aufgeräumt. Es fehlte ein Wagenwäscher, um die Ergebnisse der Waschanlage zu verbessern. Die Ausrede, mit der ihm der Herr im blauen Overall Arbeit verweigerte, fand er primitiv. Als Trabbifahrer kannte er seine Grenzen, kam aber rasch ins Schwitzen, wenn er sich herausgefordert fühlte. So fing er an, nervös zu husten; er unterdrückte einen Fluch. Dann griff er ins Portemonnaie. Er bezahlte an der Kasse, zählte das Wechselgeld und erstand noch eine Schachtel Zigaretten für die Nacht.

Von der Dar Pormorza hätte sich der kleine Mann mit dem roten Schal niemals getrennt. Die in Balsaholz gefertigte und mit Zaponlack lasierte Nachbildung des Schulschiffs der polnischen Marine hatte, wie das Schulschiff selbst, eine Vorgeschichte. Sauter war seit dem achtzehnten Lebensjahr zur See gefahren. Er hatte in der Welt herumgeschnuppert. Das unterschied ihn sehr von seinen Altersgenossen, die in der Regel über Erfurt, Frankfurt an der Oder oder Rostock nie hinausgesehen hatten. Er hatte savoir vivre. Die ehemals deutsche Dar Pormorza – Geschenk Pommerns – war sein Beleg: Benimm und Laufbahn der Offiziere, die Grußpflicht gegenüber Vorgesetzten, die Regeln der Militärgerichtsbarkeit wie auch die Etikette an der Tafel – man übte Austernessen! –, Menues in besseren Zeiten, dies alles hatte er studiert. In Büchern, als er mit einem Heringsfänger die Netze legte. Mit dreißig hatte er sich auf einem Landgang in Elzbieta verliebt, Elisabeth, eine in Ostberlin lebende Polin. Sie stachelte ihn an, hatte Abitur und war belesen. Sie lieh ihm Bücher. Er hatte den Trabbi anbezahlt und wollte, weil die Lieferung ja in den Sternen stand, für ein paar Jahre noch auf See. Elisabeth zog ihn zurück auf festen Boden. So landete er beim Film im Zelluloid. Er arbeitete als Statist, dann bei der Baubühne, doch wenig später schon in der Requisite als Spezialist im Genre der filmischen Marine-Epen, die allemal historisch, patriotisch, militärisch orientiert, mit einem Wort deutsch verfasst waren; die Klassenfrage rangierte als Alibi. Das polnische Schulschiff war in der Kaiserzeit gleich nach dem Stapellauf als Prinz Eitel Friedrich für deutsche Reeder unterwegs. Herr Sauter kannte die Schiffsgeschichte. Er geizte nicht mit seinem Wissen, als das Schiff eine filmische Rolle spielen sollte. Von diesem Augenblick an machte er sich unentbehrlich für den Regisseur, auch auf dem Feld der Nautik: Als die polnische Dreimastbark im Film unter deutscher Flagge noch einmal im Modell gegen die verlorene Geschichte ankreuzte, legte Sauter am Set den Kurs. Der Streifen wurde ein Flop, was freilich nicht der Ausstattung angelastet werden durfte.

Worauf konnte er sich berufen? Er hatte keine Zeugnisse von seinem Arbeitsplatz. Er hatte nur seinen Pass – den aus der DDR – und den hatte er nicht eingewechselt. Nicht sogleich. Er war vorsichtig geblieben. Er hatte gelernt, dass der Mensch ohne Pass die Freiheit verliert – in seinem Fall hieß dies wohl auch: das Recht auf Rückkehr. Dabei war jeder Pass eine unvollkommene Einrichtung. Als Dokument beschränkte der sich auf das Allernötigste. Um die Ober- und Untertöne des Daseins scherte er sich einen Teufel, es sei denn, irgendeiner hätte solche Linien und Noten schon an anderer Stelle aufnotiert. Bekanntlich gab es Kaderakten. In Frankfurt am Main durfte man im Arbeitsamt auf solche Unterlagen nicht verweisen. Man hätte daheim die Durchschrift für den Klassenfeind verweigert. Worauf, um Himmelswillen, konnte sich also einer stützen, der von drüben kam? Das kleine Schulschiff auf dem Rücksitz des kack-beigen Trabants war ein Stück Biographie und – wie Sauter es verstand – vielleicht auch Faustpfand für ein neues Leben. Wo er nichts anderes in der Hand hielt, musste er erzählen. Und er entwickelte diese Tugend, die ihn fortan ernähren sollte.

II

Mittwochs: da ergaunerte er sich im Palasthotel die Flasche Calvados für den Schnack mit seinen Freunden, ein wenig Hemingway im Nacken. Am Wochenende war die Schlange im Intershop ein Ärgernis. Da standen die Leute vom ersten Stock über die Treppe zuweilen bis auf die Straße. Jeder, der weiter oben eine freie Währung einzusetzen hatte, verwünschte den wartenden Vordermann. Und keiner schämte sich.

Johannes Wiedemann lebte in der Hauptstadt, die vom Volksmund im Westen mit Ostberlin bezeichnet wurde, als renommierter Film- und Fernsehautor dramatischer Geschichten, auch adaptierter Literatur, dreiundfünfzig Jahre war er alt. Weil er sein Handwerk beherrschte, erhielt er Aufträge. An wirklich heißen Eisen verbrannte er sich nicht mehr die Finger. Die Weisungen seiner Auftraggeber, Spitzenkader der Partei, wog er ab. Feindliche Brüder in der Regel, saßen die einen im Ministerium für Kultur, die anderen im Staatlichen Komitee für Fernsehen beim Ministerrat. Sie reglementierten, aber ignorierten nicht einfach tatsächliche Verhältnisse. Mit solchem Freiraum verstand Johannes Wiedemann zu leben.

Freilich hatte er Freunde, die von ihm forderten, er dürfe sich nicht binden. Wie denn? Schlossen Kollegen der Belletristik nicht listig Kompromisse, um wenigstens Nebenwerke durchzusetzen? Papier war knapp. Sofern es knapp gehalten wurde, weil Überfluss zuallerletzt bei der Verbreitung fremder Meinungen erwünscht sein konnte, folgte die Rationierung der Staatsraison. Man förderte die Künste, wo sie sich staatstragend präsentierten, und erwürgte mit gleicher Sorgfalt abweichende Gedanken schon im Lektorat. Was die Zensur passierte und gleichwohl noch strittig blieb – denn manchmal verbündeten sich Lektoren und Autoren –, verkümmerte im Giftschrank öffentlicher Bibliotheken. Büchereien volkseigener Betriebe speicherten in Karteien die Lesestoffe der Entleiher. Dem Vorwurf Nachgeborener, der reale Sozialismus habe ein Programm verraten, das einmal die Welt verändern sollte, wäre die Partei sehr gern begegnet. Doch musste die Freiheit der reinen Lehre beschnitten werden vom Anspruch der Geduld.

Wo einer von Wiedemanns Kollegen diese Geduld verlor, verblieb ihm der verbotene Ausweg, im Westen zu veröffentlichen. Oft führte solcher Eigensinn nach Bautzen. Von dort, sofern der Häftling überlebte, auf die andere Seite. Nach einem Freikauf durch die Bundesrepublik Deutschland machten die Betroffenen indessen auch die Entdeckung, dass der Marktwert ihrer Arbeit in einem frei gewachsenen Markt zu schwinden anfing, sobald sich der Verfasser der Freiheit auch geographisch verpflichtet hatte.

Johannes Wiedemann hatte sich an Einschränkungen gewöhnt. Ein Filmautor benötigte für die Realisierung seiner Arbeit Partner. Gab es die denn im Westen?

Blieb die Datsche: mit Seeanschluss in Rauchfangswerder oder nebenan. Wer es sich leisten konnte, hielt sich einen Butler. Einen Rentner wie Paulchen, der als Maskenbildner beim Film sein Brot erworben hatte und auf die alten Tage mit dem Luftgewehr die Amseln aus dem Kirschbaum bei der Datsche jagte. Musiker schloss er in sein Herz. Ein Komponist für Filmmusiken war spendabel. Der rauchte Dunhill und fuhr einen Jaguar mit roten Conollyledersitzen.

Weil dieser mit Einverständnis seiner Oberen nach Cannes Gereiste sich in seinem Luxusschlitten mit Westberliner Nummer bei der Premiere einer von ihm musikalisch ausgestatteten römischen Produktion dem Verdacht der Republikflucht nur mit Mühe entziehen konnte, ertrotzte er für nachfolgende Reisen von seinen Behörden ein Nummernschild aus Berlin Mitte, das klassische ”I-A“. Für Proletarier ein öffentliches Ärgernis. Doch argumentierte er in der fälligen Auseinandersetzung: da man sich ja nicht scheue, sein Honorar in jedem Fall aus harter Währung in die nicht konvertible Münze der Heimat einzuwechseln, bekenne er sich gern zur unverschlüsselten Adresse seines Fahrzeugparks.

Johannes Wiedemann fuhr einen Volvo. Für Filmentwürfe, die eine ARD-Anstalt von ihm erwarb, hatte er ein Pseudonym. Mit dem Transfer des Honorars erstand er diesen Wagen von einem Adligen, der eine Sammlung niederländischer Malerei des achtzehnten Jahrhunderts an den Staat verloren hatte. Die Bilder waren nach der Entdeckung durch einen Mitarbeiter der Gas- und Wasserwerke, der Zähler in der Wohnung tauschte, dem Steueramt gemeldet worden. Nachfolgend im Wert beziffert, auf westliche Verhältnisse hochgerechnet und mit Vermögenssteuer für den Zeitraum von zehn Jahren mit Zins und Zinseszins belegt, fiel der Besitz in Pfändung.

Da die im Ausland angesetzte Versteigerung des Pfandguts mehr als die Steuerschulden deckte, durfte die Behörde dem betroffenen Opfer – tatsächlich war er ja auch noch ein am Arm verletzter Krüppel! – die Enteignung mit einem Privileg versüßen: die Limousine, die in paradise-green geliefert wurde, war frei veräußerbar an Dritte. Brillantschwarz wäre sie als Staatskarosse der Nomenklatura vorbehalten geblieben.

Herr Wiedemann kannte alle Widersprüche der Gesellschaft, in der er lebte. Um nicht zu vegetieren, bewegte er sich in einer Wertwelt, die sich – nostalgisch überspitzt – mit humanistisch hätte beschreiben lassen. Sie war Geschichte, hatte eben deshalb aber die Tugend der Unverwundbarkeit erlangt. So adaptierte Herr Wiedemann auch Literatur. Wo sich in München oder Hamburg kein ernsthaft auf Gewinn bedachter Produzent noch in der Literatur vergangener Jahrhunderte hätte engagieren wollen, entstanden im realen Sozialismus Filme, die sich in die Welt von Theodor Fontane, von Theodor Storm und Arnold Zweig, womöglich auch von Anna Seghers liebevoll versenkten.

Man war nicht kleinlich. Johannes Wiedemann durfte reisen. Musste die Urlaubskasse aufgebessert werden, erhielt er Spesen. Seine Auftraggeber erklärten die Reise gegebenenfalls zum Dienst. Die Literatur vergangener Zeiten hielt sich nicht an die deutsche Grenze, nahm einer die Hintergründe ernst. Schauplätze, Versatzstücke waren zu erkunden.

Wo die Ambition gewissenhafter Recherche von der Missgunst einer höheren Charge behindert wurde, erstritt man die Genehmigung mit einer Variante. In solchen Fällen wurde ein noch nicht ausgegorenes Kriminalsujet als Skizze hingesudelt. Grenzüberschreitend sollte es sich mit Verbrechen des Klassenfeinds befassen. Das Terrain des Gegners idealtypisch auszuleuchten, vielleicht sogar real, war Horch & Guck stets willkommen. Die Reisekader setzten, was sie erfahren hatten, nach der Rückkehr auf ein Stück Papier.

Die festgehaltenen Einsichten erwiesen sich in der Regel als recht banal. Sie wurden abgelegt und fielen der Schwindsucht im Archiv anheim. Erwachten sie noch einmal aus dem Dornröschenschlaf, stand in der Regel fest, dass sich ein Regisseur der Schätze erinnert hatte. Der schob solch Material, wo er sich nicht allein auf sein Talent verlassen wollte, einem Kollegen der Requisite zu. Sein Auftrag lautete: in der Sache noch einmal nachzufassen. Von da an war der Stoff als recherchierter Gegenstand natürlich auch für Dritte von Bedeutung.

III

Am Donnerstag, dem 9. November 1989, wurden, so heißt es, in der Kantine des Filmsynchronbetriebs in Berlin-Johannisthal in der Mittagszeit Bananen verkauft. Diese Nachricht ist nicht belegt, doch trifft sie in der Sache zu, hatte sich Folgendes ereignet: Toningenieure, Filmcutterinnen, Sprecherinnen und Sprecher, Sachbearbeiter und Sekretärinnen der disponierenden Büros wie auch Abteilungsleiter, die dies leugnen, reihten sich in die Schlange ein, ungewiss, ob der auf drei Früchte pro Person beschränkte Vorrat reichen würde. Die für die Verteilung vorgesehene Zeit war knapp bemessen, die preußisch erzogene Belegschaft gewohnt, Pausen nicht zu überziehen. Disziplin am Arbeitsplatz hatte einen eigenen Stellenwert. Festangestellte, die dabei weniger riskierten als auf Zeit verpflichtete Kollegen, hatten freilich tags zuvor wegen der schlechten Versorgungslage mit Streik gedroht. Gewerkschaftsfunktionäre, sonst damit befasst, Aufmüpfige zu stellen, hatten sich im Hintergrund verkrochen, als feststand, dass die Betriebsleitung kuschte. Am Wochenende waren, und das stand fest, fast eine Million Bürger demonstrierend durch die Hauptstadt gezogen. Die Regierung war zurückgetreten, das Politbüro in Auflösung begriffen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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