Drachenjungfrau - Manfred Baumann - ebook

Drachenjungfrau ebook

Manfred Baumann

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Opis

Am Fuß der beeindruckenden Krimmler Wasserfälle liegt ein totes Mädchen: Lena Striegler, siebzehnjährige Schönheit, Gewinnerin der Vorausscheidung zum groß inszenierten Austrian Marketenderinnen Award. Der Salzburger Kommissar Martin Merana ermittelt erstmals in der Provinz, zwischen den kuriosen Abgründen einer rustikalen Casting-Show und den mystischen Geheimnissen einer alten Sage. Während Merana den Kreis der Verdächtigen einschnürt, geschehen weitere rätselhafte Dinge im Ort ...

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Manfred Baumann

Drachenjungfrau

Meranas vierter Fall

Impressum

Personen und Handlung sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen

sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Besuchen Sie uns im Internet:

www.gmeiner-verlag.de

© 2014 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 0 75 75 / 20 95 - 0

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Claudia Senghaas, Kirchardt

Herstellung / E-Book: Mirjam Hecht

Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart

unter Verwendung eines Fotos von: © birdys / photocase.de

ISBN 978-3-8392-4462-3

Widmung

in erinnerung an georg rohrecker, der meine liebe zum ursprung von sagen noch vertieft hat, und leider viel zu früh von uns gegangen ist

hålt mi

und i hålt di

draußn wåchst es eis

üba de weite welt

gspia mi

und i gspia di

so vajåg ma schwåchze

vögl iban feld

(fritz messner, »eiwändig«)

Prolog

»… hört ihr das mächtige tosen des wassers, das aufprallt wider die felsen? vernehmt ihr den grollenden donner der herniederstürzenden fluten … ?

… sehet den jäger, den kühnen, den jungen, wie er emporschleicht den glitschigen pfad, die kräftige hand am bogen. gespannt ist die sehne. die klammen finger umfassen den federnbewährten schaft des pfeiles …

spürt ihr nun die strahlen der sonne? das kosende licht des jungen morgens? es streichelt zaghaft die hell blitzende gischt des falles, es hüpft hinweg über das antlitz des jägers und erreicht das gesenkte haupt der hirschkuh, die wasser trinkt am schäumenden ufer.

schon hebt der schütze, der kühne, den bogen, den atem still, den lodernden blick auf die hindin.

und als der strahl der goldenen sonne die flanke der hindin erhascht, schnellt von der sehne der pfeil, durchpflügt die starre luft des waldes und bohrt sich tief dem tier in den leib.

und da, mitten im eigenen auftrumpfenden lachen, als die hirschkuh fällt, mit blutendem herzen, vernimmt der jäger den schrei. lauter als das tosen des falles, mächtiger als das donnern der fluten, durchdringt der schrei das dunkel der wälder. und der jäger, vom schreck gefesselt, weiß diesen grässlichen ruf zu deuten:

die drachenjungfrau ist erwacht! sie ist zurück, hat verlassen den schützenden vorhang des wassers, um hinauszubrüllen erneut ihren schmerz und kummer weit in das tal …«

(›Die Drachenjungfrau von Krimml‹, nach einer alten Handschrift.

Prolog der Erzählerin)

SAMSTAG

Kapitel 1

Jemand schreit. Laut. Die Frau am See dreht den Kopf. Mein Gott, sie hat keine Augen. Nur schwarze Leere. Die Löcher starren ihn an. Er kennt die Frau. Auch ohne Augen. Ein Fauchen mischt sich in den Schrei. Etwas Pelziges huscht an seinen Beinen vorbei. Das Gatter zum Verschlag steht weit offen. Aber er hatte die Tür doch verschlossen! Ganz sicher. Ehrlich. Der Schrei wird höher, schriller. Das ist nicht nur ein Schrei, das sind viele Schreie. Ineinander, durcheinander. Die Hühner! Sie schreien in Todesangst. Blut, überall Blut. Weiße Flecken in roten Lachen. Ein Huhn mit durchgebissenem Hals klatscht ihm gegen das Gesicht. Blut spritzt. Dunkles Blut auf weißen Federn. Dann sieht er den Marder. Das pelzige Etwas wütet unter den Hühnern. Er versucht zu schreien, aber er schafft es nicht. Nur ein Krächzen kriecht aus seinem Hals, viel zu schwach, um das Kreischen der Hühner zu übertönen. Er versucht den Marder zu vertreiben, die Raserei und das Töten zu beenden. Etwas Kaltes berührt seine Schulter. Er fährt herum. Es ist die Frau ohne Augen. Sie hat ihm eine Schlange auf die Schulter gelegt. Ekel packt ihn. Er versucht die Schlange abzuschütteln. Die Frau reißt den Mund auf. Aber das ist kein Mund mehr. Ein schwarzes Loch tut sich auf, riesig, darin ein weißer Sarg. Und Alpenveilchen. Auf dem Sarg sitzt eine andere Frau. Die kennt er auch. Das ist die Großmutter. Auch sie hat Alpenveilchen in der Hand. Er versucht einen Fuß zu heben, einen Schritt zu machen. Doch die Füße sind schwer. Er blickt nach unten. Die Füße sind übersät mit zuckenden weißen Federnleibern, Hühner mit abgebissenen Köpfen. Aus den Hälsen spritzt Blut, unaufhaltsam. Die Frau auf dem Sarg streckt die Hand aus. Er will danach greifen, verfehlt sie. Der Sarg kippt nach hinten, die Frau rutscht weg. Die Großmutter fällt! Ein neuer Schrei mischt sich in die anderen. Lauter. Greller. Das ist er. Das ist sein Schrei.

In der nächsten Sekunde ist er munter, sein Oberkörper schnellt hoch. Die linke Hand zuckt in einer wilden Bewegung, schlägt gegen das Board. Ein Klirren. Glas zersplittert am Boden.

Es dauert eine halbe Minute, bis Merana bemerkt, dass er in seinem Bett sitzt und immer noch schreit.

Aus. Die Schreie hören auf. Atmen. Tief atmen. Er hat die Augen offen. Dunkelheit ist im Raum. Alles finster. Keine zuckenden Hühnerleiber mehr, kein Blut, keine Frau ohne Augen. Das T-Shirt klebt an seinem Körper. Er ist schweißnass.

Er tastet nach dem Schalter an der Lampe. Licht flammt auf im Zimmer. Die Digitaluhr auf dem Board zeigt 03.46. Auf dem Boden entdeckt er Scherben. Er muss beim Aufwachen das Weinglas mit der Hand vom Board gefegt haben. Der Rest des Rotweins, den er gestern vor dem Einschlafen nicht mehr getrunken hat, breitet sich in einer kleinen Lache auf dem Parkettboden aus. Ein dunkler Fleck auf hellem Holz. Und schon springen ihn die Bilder aus dem Traum wieder an. Schwarzes Blut auf hellen zuckenden Hühnerleibern. Die Frau ohne Augen. Der kippende Sarg.

Mit einem Ruck schiebt er die Decke zur Seite, springt aus dem Bett, stapft im Zimmer auf und ab, drischt mit den Handflächen gegen seine Schläfen. Doch die Unruhe bleibt. Die Bilder lassen sich nicht vertreiben. Der helle Sarg, die Alpenveilchen, die ins Leere stürzende Großmutter. Sein Hals schmerzt. Die Kehle fühlt sich an wie die Haut eines Igels. Er schaut zur Uhr. 03.50. Egal. Er muss anrufen, es lässt ihm keine Ruhe. Er läuft in die Küche, reißt ein Glas vom Regal, füllt es mit Wasser und trinkt es in einem Zug aus. Er schnappt sich das Handy, wählt die Nummer der Großmutter. Es tutet einmal, dann hört er die vertraute Stimme.

»Hallo, Martin, guten Morgen.« Wärme greift nach seinem Herzen, breitet sich aus in der Brust.

»Entschuldige, Oma, ich wollte dich nicht wecken.«

»Du hast mich nicht geweckt, ich liege schon seit fast zwei Stunden wach.«

Erst jetzt fällt ihm auf, dass die Großmutter gar nicht überrascht wirkt wegen seines Anrufs.

»Ich bin aus einem ganz blöden Traum hochgeschreckt. Der hatte auch mit dir zu tun, Oma. Und da habe ich mir irgendwie Sorgen …« Plötzlich kommt er sich idiotisch vor. Ruft ein erwachsener Mann mitten in der Nacht eine alte Frau an, nur weil er schlecht geträumt hat? Lächerlich. Er hört die Großmutter atmen.

»Mach dir keine Gedanken, Martin. Mir geht es gut.«

Stille. Er weiß nicht recht, was er sagen soll. Er spürt wieder den Igel in seinem Hals.

»Möchtest du mir von dem Traum erzählen, Martin?«

Er schüttelt energisch den Kopf. »Ist nicht so wichtig, Oma, vielleicht ein anderes Mal.« Seine Stimme wird fester. Dann fällt ihm etwas ein. »Warum bist du schon seit fast zwei Stunden wach?«

Kurze Stille.

»Ich weiß es nicht, Martin. Etwas hat mich geweckt.«

Er wartet darauf, dass sie weiter redet, aber es kommt nichts. Ist da etwas, das auch die Großmutter beunruhigt?

»Was hat dich geweckt?«

Wieder dauert es, bis sie antwortet.

»Ich weiß es nicht, Martin.«

Dann hört er ein leichtes Ächzen. »Ich denke, ich stehe jetzt einfach auf und mache mir einen Tee. Senile Bettflucht ist immer eine gute Erklärung für frühes Munterwerden.«

Er muss lächeln. Vielleicht ist er selbst auch schon im besten Alter für senile Bettflucht. »Ja, Oma, mach das. Ein Tee tut dir immer gut.«

Er beendet das Gespräch. Allmählich werden seine Gedanken klarer. Heute ist Samstag. Er hat noch zehn Tage Urlaub. Das Wetter soll schön bleiben. Er würde den Tag mit einem Frühstück in der Stadt beginnen. Er kehrt zurück ins Schlafzimmer. Die Uhr zeigt 04.10. Sein Blick fällt auf den dunklen Fleck, den der Rotwein auf dem hellen Parkett zeichnet. Mit einem Schlag ist die Unruhe wieder zurück. Sie kriecht seinen Körper hoch wie die kalte Schlange aus seinem Traum.

Kapitel 2

Seit Jahrtausenden donnert das Wasser talwärts. An den meist schneebedeckten Flanken des Krimmler Törls entspringt die Krimmler Ache als Gletscherbach, schiebt sich entlang der Böden fruchtbarer Almen in Richtung Norden, ehe sie oberhalb des Ortes Krimml die erste mächtige Felsenkante erreicht. Von da stürzt das Wasser in drei gewaltigen Fallstufen mehrere Hundert Meter in die Tiefe, ein breites, weißgischtiges Band zwischen hoch aufragenden dunklen Fichten. Das unaufhaltsame Donnern der Wassermassen ist weithin im Tal zu hören.

Ein dunkler Punkt tauchte vor der gischtigen Kaskade des obersten, des höchsten der drei Fälle auf. Auch wenn die Nacht erst allmählich der Dämmerung wich, war der sich bewegende dunkle Fleck vor dem breiten weißen Wasserteppich gut auszumachen. Es schien, als bekäme der Fleck mit einem Mal Zacken, Schwingen schoben sich daraus hervor. Die Erscheinung am Nachthimmel entpuppte sich als Vogel, der mit weit ausgebreiteten Flügeln seine Bahn zog. Den Kopf hielt er nach unten gestreckt, als suche er etwas am Boden. Dann ein schneller Flügelschlag, und das Tier tauchte nach unten. Wie ein Skispringer, der über eine schneebedeckte Schanze gleitet, zog der schwarze Körper des Vogels nun im Sturzflug vor den hell aufwirbelnden Wogen des mittleren Falls in die Tiefe, verschwand für eine Sekunde in der Schwärze des immer noch von der Nacht bedeckten Waldes und tauchte dann am untersten der drei mächtigen Wasserfälle wieder auf. Unbeeindruckt von der Wucht, mit der das Wasser nach seinem gigantischen Fall in weißen Fontänen auf die Felsen prasselte, setzte der schwarze Vogel, es war ein Rabe, zur Landung an. Seine Krallen erfassten einen der Steine am Ufer. Er spreizte noch einmal hektisch die Flügel, machte zwei Trippelschritte auf dem feuchten Felsen, dann hatte er Halt gefunden. Feine Wassertropfen schimmerten auf seinem Gefieder, das dunkler war als die Bäume ringsum, dunkler als die sich langsam auflösende Nacht. Das Schwarz des Gefieders stand in bizarrem Kontrast zum bleichen Gesicht der Frau, die auf den Steinen lag. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie in den Himmel. Einer Porzellanpuppe ähnlich schimmerte ihr weißes Antlitz in der Dunkelheit. Doch ihr Kopf glich dem einer geschundenen Puppe mit dunklen Flecken auf hellem Grund. Erstarrtes Blut schimmerte auf Stirn und Wangen. Der Rabe hob eine seiner Schwingen an, streifte dabei das Haar der Frau, das nass am Kopf klebte. Ein schwaches Wimmern tastete sich durch die Dunkelheit, war wegen des Tosens der herabstürzenden Wassermassen kaum zu vernehmen. Der Rabe reckte den Schnabel, zuckte kurz mit beiden Flügeln, löste sich vom Boden, flatterte hoch und landete auf den Schultern einer Gestalt, die neben der Frau kauerte. Ein alter Mann hockte auf dem Boden. Er hielt die rechte Hand der Toten fest umklammert und tätschelte immer wieder ihre Schulter. Sein Oberkörper wiegte sanft nach vor und zurück. Der Rabe schaukelte auf der Schulter des Mannes mit wie die schwarze Ähre eines Schilfhalmes im Wind. Über die zerfurchten Wangen des Alten rannen die Tränen, während im Hintergrund die Fluten der Krimmler Wasserfälle unaufhaltsam hernieder donnerten, wie seit ewigen Zeiten.

Kapitel 3

»Noch einen zweiten Espresso, Herr Kommissar?« Die Kellnerin nahm sich sogar Zeit für ein Lächeln, während sie die leere Tasse abräumte. Merana legte die Zeitung beiseite.

»Warum nicht. Und bringen Sie mir bitte auch noch ein Croissant dazu.«

Die junge Frau verschwand im Inneren des Gebäudes. Merana saß auf der Terrasse des Café MozARTs mit freiem Blick auf den Residenzplatz. Die Morgensonne hatte längst die steinerne Flanke des Doms erreicht. Der erhabene Triton an der Spitze des Residenzbrunnens spie den Silberstrahl des Wassers in den wolkenlosen Himmel. Der barocke Brunnen mit seinen vier Meeresrössern und den von nackten Figuren getragenen Doppelschalen beherrschte den Platz. Zwei Asiatinnen hatten sich auf den Rand des Brunnens gesetzt und winkten in die Kamera, die ein junger Mann mit Rucksack hielt. Sonst tat sich noch wenig auf dem großen Platz. Die ersten Gespanne der Fiaker trafen ein, sammelten sich an der Mauer der Kathedrale neben den Dombögen. Bald würden die Kutschen mit Touristen gefüllt sein, die auch heute wieder von allen Seiten in die Salzburger Altstadt strömten, ausgespien von den Reisebussen an den Parkplätzen am Stadtrand.

»Bitte sehr, Herr Kommissar.«

Die Kellnerin stellte die Espressotasse und den kleinen Teller mit dem Buttercroissant auf den Tisch. Wieder schenkte sie Merana ein Lächeln. Kürzer als zuvor, denn sie musste sich rasch zwei Frauen zuwenden, die eben ihre gefüllten Einkaufstaschen abstellten und sich an einen der Tische setzten. Merana griff nach dem Croissant und biss hinein. Die beiden Asiatinnen hatten den Brunnen verlassen und machten sich zusammen mit dem Rucksackjüngling auf den Weg zum angrenzenden Mozartplatz, vorbei am ehemaligen Café Glockenspiel. Amüsiert beobachtete Merana die jungen Leute. Die Inszenierung vor dem Mozartdenkmal fiel etwas anders aus als zuvor am Brunnen. Nun posierten alle drei vor der Statue des bronzenen Genius Loci und hielten die Handykamera so, dass sie sich selbst aufnehmen konnten. Sie kicherten, als sie das Ergebnis betrachteten. Aber eine der jungen Damen war mit dem Resultat offenbar nicht zufrieden. Sie schüttelte heftig den Kopf. Dann sah sie sich um. Ihr Hilfe suchender Blick erreichte Merana. Das Lächeln der jungen Touristin überstrahlte sogar noch jenes der Kellnerin. Merana schluckte den Rest des Croissants hinunter, erhob sich und steuerte auf die Gruppe zu.

»Please, could you …?« Das immer noch lächelnde Mädchen hielt ihm ihr Handy entgegen. Merana nahm es und ermunterte die Gruppe, sich ein wenig anders aufzustellen, weg vom Gegenlicht, mehr in den Strahl der Morgensonne. Dann machte er fünf Aufnahmen, alle aus unterschiedlichen Perspektiven. Die jungen Leute waren begeistert und bedankten sich überschwänglich.

»Give me five!«, flötete der Rucksackträger. Sein Akzent klang nach Australier, das wuschelige rote Haar und die Sommersprossen erinnerten eher an einen trinkfesten Iren. Merana klatschte in die hingestreckte Hand des jungen Mannes, dann kehrte er wieder an seinen Tisch zurück. Er trank seinen Kaffee aus, hinterließ der Kellnerin ein ordentliches Trinkgeld und verließ die kleine Terrasse mit ihren noch nicht aufgespannten Sonnenschirmen. Auf Höhe des Residenzbrunnens blieb er stehen. Er liebte diesen Anblick. Das zu dieser frühen Stunde noch schräg einfallende Licht der Morgensonne verlieh den aus der Tritonschale herabfallenden Wasserfontänen einen fast überirdischen Glanz. Wie eine riesige, in feine Silberschleier gehüllte Spielfigur stand der Brunnen im Zentrum des prunkvollen Platzes, beherrschte das Geviert zwischen Alter Residenz, Dom, Neuer Residenz mit Arkaden und Glockenspiel und der geschlossenen Fassade der Bürgerhäuser mit der kleinen Michaelskirche. Als Merana seinen Blick vom Zauberspiel des Wassers am Brunnen wieder löste, fuhr der erste Fiaker an ihm vorüber. Helles Lachen erreichte das Ohr des Kommissars. Die zwei kleinen Mädchen, die sich neben ihren Eltern von den Bänken der Kutsche erhoben hatten, waren ebenfalls von den Wasser speienden Steinfiguren des Brunnens begeistert. Sie deuteten aufgeregt auf die großen Pferdeköpfe am unteren Becken, denen das Wasser in kleinen Fontänen aus den Nüstern spritzte. Merana winkte den Mädchen zu. Die beiden grüßten zurück. Im nächsten Moment durchfuhr ihn ein Schreck. Die Frau ohne Augen aus seinem Traum! Sie saß in der Kutsche! Merana schüttelte sich, wandte den Kopf ab, sah wieder hin. Idiot! Die Frau in der Kutsche blickte nur durch ein kleines Fernglas ähnlich einem Operngucker. Zwei kleine dunkle Scheiben vor ihrem hellen Gesicht. Nun nahm sie das Fernglas wieder ab. Merana sah es, sie hatte Augen, keine schwarzen Löcher. Und sie hatte ein hübsches Gesicht. Sie wirkte lebendig, sehr lebendig. Sie streichelte fröhlich lachend die Lockenköpfe der beiden Mädchen. Ein leichtes Schütteln erfasste Merana, ein schwaches Frösteln inmitten der Morgensonne. Den ganzen Morgen über hatte er versucht, nicht an den sonderbaren Traum zu denken. Er hatte sich nach dem Telefonat mit der Großmutter wieder hingelegt, war sogar nach geraumer Zeit eingeschlafen und drei Stunden später aufgewacht. Er hatte nicht mehr geträumt, zumindest konnte er sich nicht daran erinnern. Auf seinem Weg in die Stadt hatte er an anderes zu denken versucht: was er mit dem Rest seines Urlaubs anfangen könnte. Wo er in der Stadt frühstücken wollte. Auf der rechten Salzachseite im Café Bazar am Flussufer, vielleicht auch im Café Classic zwischen Dreifaltigkeitskirche und Landestheater oder doch lieber in der Altstadt auf der linken Flussseite. Er hatte sich schließlich für das MozARTs entschieden. Als er später an dem kleinen Kaffeehaustisch saß, vor sich einen duftenden Espresso und ringsum das von ihm so geliebte magische Ambiente der Altstadt, da waren die Bilder aus seinem Traum mit einem Mal wie weggeblasen gewesen. Jetzt waren sie zurückgekommen. Er schaute der Kutsche nach. Das Gefährt hatte inzwischen die Stelle zwischen Mozart­statue und Neuer Residenz erreicht. Gleich würde sie nach links in Richtung Salzach abbiegen. Merana wandte sich um, trat rasch zum Brunnen, tauchte beide Hände in das Wasser des Auffangbeckens und spritzte sich das erfrischend kühle Nass ins Gesicht. Dann setzte er seinen Weg fort. Auf dem Alten Markt kam ihm ein weiterer Fiaker entgegen. Ein älterer Mann und eine um vieles jüngere Frau saßen in der Kutsche.

»Alla sinistra, il famoso Café Tomaselli«, erklärte eben die Wagenlenkerin auf dem Kutschbock und deutete mit der Hand auf das Gebäude. Der Mann mit dem schütteren weißen Haar auf seinem wuchtigen Kopf folgte interessiert den Ausführungen der Kutscherin, die ihren Trachtenjanker aufknöpfte, ehe sie weiterplapperte und von den »Mozartkugeln vero originale« erzählte, die man hier im »vecchio e famoso Café Fürst« gleich gegenüber bekäme. Der jungen Begleiterin des Weißhaarigen war das offenbar schnurzegal, sie betrachtete lieber ihr elegant geschminktes Konterfei in einem kleinen Spiegel. Merana setzte seinen Weg fort. Die Tische vor dem Tomaselli waren etwa zur Hälfte besetzt, jene auf der Balustrade im ersten Stock ebenfalls. Merana eilte weiter und lenkte seine Schritte auf den Ritzerbogen zu. Buchhandlung Höllrigl prangte in dezenten Lettern auf der Mauer oberhalb des Bogenrunds. Das bezog sich auf das Geschäft gleich links neben dem Bogen, die älteste heute noch bestehende Buchhandlung Österreichs. Kurz vor dem Durchgang stoppte Merana. Ihm kam der Ritzerbogen immer wie ein großer Schlund vor. Dieser Eindruck verstärkte sich heute ganz besonders, da die Fassade des Mauerdurchlasses noch im Schatten lag und das Innere des Bogens sich nahezu schwarz zeigte. Er liebte es, unter dem Bogen in den Durchgang zu treten, sich von diesem Schlund einsaugen zu lassen, um dann nach wenigen Schritten in eine neue Welt auf der anderen Seite der Passage zu treten: auf den Universitätsplatz mit dem dichten Gewurrel des Grünmarktes.

Als Merana vor 20 Jahren nach Salzburg gekommen war, als Student, ein junger Mann zwar, aber dennoch ein Kind vom Land, da war ihm dieser Markt als Erstes ans Herz gewachsen. Bis heute liebte er das dichte Gedränge, das bunte Bild des geschäftigen Treibens zwischen den dicht gereihten Marktständen auf dem Platz, umrahmt von der würdevollen Eleganz der hoch aufragenden alten Bürgerhäuser auf der einen und der majestätischen Erhabenheit der Kollegienkirche auf der anderen Seite. Für Merana war die wuselige Welt auf diesem Platz immer schon mehr gewesen als bloß ein Markt mit Obst, Gemüse, Fleisch und Blumen. Der Grünmarkt auf dem Universitätsplatz, das war für ihn wie eine große Theaterbühne, ein Raum für vielfältiges Schauspiel, so wie man es auch tagtäglich auf einer Piazza in italienischen Städten erleben kann, wo jeder seine Rolle spielt, und alle Darsteller zusammen ein erfrischendes Abbild des Lebens ergeben. Hier in Salzburg konnte man internationale Festspielkünstler neben einheimischen Bauern treffen, konnte beobachten, wie gefeierte Opernsängerinnen sich mit Obstverkäufern auf ein fröhliches Duett über die Großartigkeit der angebotenen Äpfel einließen. Hier griffen Rucksacktouristen nach dargebotenen Käsestücken aus Heumilch, freuten sich einheimische Hausfrauen über die Vielfalt der Blumen, die bald ihren Mittagstisch schmücken würden, brachten Italiener mit ihren augenzwinkernd gespielten Versuchen, über den Preis der Erdbeeren zu feilschen, sogar Asiaten zum Lachen, prosteten einander Salzburger Bürger im Trachtenhemd mit einem frisch eingeschenkten Glas Weißwein zu, ehe sie sich aufmachten, ein Stück Lammschulter für den Sonntagsbraten zu erwerben. Der Ritzerbogen war für Merana wie eines jener magischen Portale in Fantasyromanen, durch die man in eine andere Dimension, in eine neue Welt eintauchte.

»Ja schau, der Herr Merana!« Der Ruf kam von der rechten Seite von einem der Würstelstände gleich am Eingang des Platzes. Eine der Standlerinnen hielt mit der Holzzange ein Paar Würste in die Höhe und deutete mit der anderen Hand einen Gruß an. »Was machen die Verbrecher, Herr Kommissar?«

Merana grüßte zurück. »Mir im Augenblick keine Sorgen, denn ich habe Urlaub.« Die Frau lachte übers ganze Gesicht. »Na dann hätten S’ ja Zeit für a Debreziner. Oder wollen S’ lieber Weißwürste? Sind wie immer ganz frisch.«

Die Frau legte die Debreziner auf einen Pappteller, schob diesen vor einen der wartenden Kunden und angelte mit der Zange nach Weißwürsten. Warum nicht?, dachte Merana. Er liebte es, am Samstagmorgen Würste auf dem Grünmarkt zu verspeisen. Mit Laugenbreze und doppelt Senf. Er ließ sich eine Portion reichen. Er hatte gerade von der Wurst abgebissen, als er das Vibrieren in seiner Sakkotasche spürte. Nicht jetzt!, schoss es ihm durch den Kopf. Aber es konnte ja auch die Großmutter sein. Also zog er das Handy aus der Jacke. Chef las er auf dem Display. Er schleckte die von der Wurst leicht fettigen Finger ab, wischte über den Bildschirm und hielt das flache Telefon ans Ohr.

»Guten Morgen, Günther, was gibt es?«

Dann hörte er zu, was ihm Hofrat Günther Kerner, Polizeipräsident von Salzburg, zu sagen hatte. Merana versuchte es mit einem Einwand.

»Ich habe Urlaub, Günther. Das weißt du. Noch zehn ganze Tage. Kannst du nicht Carola schicken?«

Nein, konnte der Herr Polizeipräsident nicht. Chefinspektorin Carola Salmann, Meranas Stellvertreterin, lag mit 39,5 Grad Fieber im Bett. Abteilungsinspektor Otmar Braunberger war auf Anglerurlaub in Finnland, und der Rest der kleinen Ermittlermannschaft war mit anderen Fällen zugeschüttet. Bis über die Lauscher, wie der Herr Hofrat noch extra betonte. Und dass Thomas Brunner mit seiner Tatort-Truppe bereits in Krimml wäre, fügte der Herr Hofrat auch noch hinzu, ehe er das Gespräch mit einem »Also Merana, auch wenn Umwege unseren Horizont erweitern, nimm bitte die Direttissima!«, beendete. Der Herr Polizeipräsident hatte einen Hang zu halbklugen Sprüchen und verbogenen Zitaten. Die Frau am Würstelstand hatte das Gespräch mitbekommen.

»Urlaub schon zu Ende, Herr Kommissar? Bleibt noch Zeit für eine zweite Wurst?«

Merana schüttelte den Kopf. »Nein, Frau Wallinger, leider nicht.«

Aber die angebissene wollte er nicht zurücklassen. Er schlang hastig die Wurst in großen Bissen hinunter, dazu die halbe Breze, spülte mit einem Schluck Bier aus der Dose nach und reichte der Frau einen Geldschein.

»Stimmt schon.« Dann verließ er hastig durch den Ritzerbogen die lebhafte Welt des Grünmarktes.

Seit er vor 20 Jahren den Pinzgau hinter sich gelassen hatte, war er nur selten in die frühere Heimat zurückgekehrt. Nur hie und da, um die Großmutter zu besuchen. Nun lag eine tote Frau am Wasserfall in Krimml. Und es hatte sich kein anderer gefunden, der die Ermittlungen an diesem Tatort am äußeren Rand des Oberpinzgaus übernehmen konnte. Also musste er hin, ob es ihm nun passte oder nicht.

Kapitel 4

Ein junger Mann mit Drillichjacke deutete Merana an, wo er sein Auto abstellen konnte. Offenbar halfen die Kollegen von der örtlichen Feuerwehr den wenigen Polizeibeamten beim Einweisen der Fahrzeuge und bei der Kon­trolle der Absperrungen. Merana stieg aus dem Wagen. Das Erste, das er wahrnahm, war ein gewaltiges Rauschen. In der Ferne leuchtete ein weißes dampfendes Band zwischen den Bäumen der steil aufragenden Anhöhe. Das musste der oberste der drei riesigen Wasserfälle sein. Die Parkplätze vor dem Eingangsbereich zu den Fällen waren voll mit Bussen. Hunderte von Leuten standen herum, Besucher, die Einlass begehrten, um das Naturschauspiel der Krimmler Fälle zu erleben. Wenn Merana sich recht an den Bericht erinnerte, den er vor Kurzem gelesen hatte, dann kamen jährlich an die 400.000 Menschen hierher. Die Krimmler Wasserfälle gehörten zu den größten Touristenattraktionen Österreichs. Und davon heute, an diesem strahlend schönen Sommertag, ausgeschlossen zu werden, behagte dem Großteil der Anwesenden überhaupt nicht. Eine rothaarige Frau an der Spitze einer Menschengruppe, die alle mit denselben Taschen und Kappen ausgestattet waren, redete erbost auf einen der Feuerwehrleute ein. Zwei Jugendliche, aus deren Ohren weiße Kabel hingen, versuchten, unter einem Absperrband durchzuschlüpfen. Sie wurden aber von einem weiteren Feuerwehrmann energisch zurückbeordert.

»Herr Kommissar Merana?«

Er wandte sich um und blickte in das Gesicht einer Frau in Polizeiuniform. Sie streckte ihm die Hand hin. »Grüß Gott. Gruppeninspektorin Ulla Heilmayer, Polizeiinspektion Krimml. Ich bringe Sie hinüber zum Tatort.« Sie wartete gar nicht Meranas Antwort ab, sondern marschierte rasch voraus. Einen derart schnellen Schritt und diese Gewandtheit in der Bewegung hätte er der Frau auf den ersten Blick gar nicht zugetraut. Ihre Figur erinnerte ihn an eine Hammerwerferin: muskulöse Arme, breiter Rücken, breite Hüften. Und gegen die Oberschenkel der voranstapfenden Frau waren seine sicher kümmerlich. Sie passierten die niedrigen Holzhäuser mit den Souvenirläden. Eine Legion pelziger Kuscheltiere, irgendeine hässliche Kreuzung aus Murmeltier und Koalabär, grinste Merana an, als er an den vollgefüllten Ständern vor den Verkaufsläden vorbeieilte. Mit jedem Schritt, den er der voraushastenden Beamtin folgte, schwoll das Rauschen an. Dann erreichten sie den Platz zwischen den Bäumen am Fuß des Falles. Merana war überwältigt von dem Bild, das sich ihm bot. Er kam sich vor, als wäre er mit einem Schlag zurückversetzt in die Entstehungszeit der Erde. Getrieben von einer gewaltigen Urkraft schoss ein riesiger Schwall schneeweiß schäumenden Wassers vorbei an majestätisch aufragenden Fichten über schwarze Felsen herab zu ihnen. Ein ewiges Donnern. Unaufhörlich, mit stetiger Wucht, als gebe es kein Gestern und Morgen, nur ein Jetzt. Doch das beeindruckende Bild wurde gestört. Signalgelbe Absperrbänder, die rund um den kleinen felsigen Platz am Fuß des Wasserfalls gespannt waren, brachten eine hässliche Note ins malerische Gesamtensemble. Dazu das grelle Orange der Overalls, in denen Menschen steckten, die mit professioneller Geschäftigkeit ihrer Arbeit nachgingen und jeden Zentimeter des steinigen Bodens inspizierten. Am meisten störte das harmonische Bild der auf den Steinen hingestreckte Körper einer jungen Frau, die am Rand der schäumenden Ache lag. Merana zögerte. Er hatte in all den Jahren, in denen er zu Orten eines gewaltsamen Todes gerufen worden war, nie die Gewohnheit abgelegt, solche Plätze ohne eine geraume Zeit des vorherigen Abwartens zu betreten. Er hatte zu viel Ehrfurcht vor der immer noch spürbaren Präsenz des Todes, zu viel Respekt vor den Hüllen aus menschlichem Fleisch, in denen Stunden oder Tage, manchmal sogar Jahre davor noch Leben gewesen war.

»Möchten Sie nicht die Leiche inspizieren, Herr Kommissar?« Die blonde Beamtin an seiner Seite hatte die Stimme erhoben, um das heftige Rauschen des Wassers zu überschreien. Merana erwiderte nichts auf die Frage der Kollegin. Er atmete zweimal tief durch und setzte sich langsam in Bewegung. Es war Zeit, die Arbeit aufzunehmen, die Distanz zu überwinden, die der Tod hinterlassen hatte. Es galt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln herauszufinden, was an diesem Ort passiert war. Wer hatte Schuld daran, dass diese junge Frau hier tot auf den kalten Steinen lag? Er näherte sich langsam der Gestalt. Die Frau hatte keine Schuhe an, das war ihm schon vorhin aufgefallen. Die zierlichen Füße waren nackt. Unterschenkel und Knie zeigten Abschürfungen. Sie trug eine Art Dirndlkleid aus dunklem Stoff. Auf der hellroten Schürze erkannte Merana ein Muster aus angedeuteten Blumen. Das Dekolleté war weit geschnitten, die Wölbung des Busens gut zu sehen. Ein Teil der langen blonden Haare bedeckte die Brust. Dennoch nahm Merana auch hier auf der Haut Striemen mit eingetrocknetem Blut wahr. Die schlimmsten Verletzungen hatte die Tote am Kopf. Mein Gott, wie jung, durchfuhr es Merana, als er ihr Gesicht sah. Keine 20 Jahre alt, vielleicht nicht einmal 16. Eine blühende Schönheit. Und nun geschunden und übel zugerichtet. Trotzdem erweckte die Tote den Eindruck, als schliefe sie nur.

»Wissen wir schon, wer sie ist?«, fragte Merana laut in die Runde.

»Ja, das ist Lena Striegler«, rief die Beamtin, die ihn hergebracht hatte. »Die große Hoffnung des Oberpinzgaus.«

Merana verstand nicht, was die Kollegin meinte.

»Hoffnung des Oberpinzgaus? Wofür?«

Anstelle der Polizistin antwortete eine Männerstimme hinter seinem Rücken:

»Für den Gewinn des Hauptpreises. Als ›Austrias Marketenderin des Jahres‹. Schauen Sie kein Fernsehen, Herr Kollege?«

Die Stimme des Mannes war dunkel und kräftig. Er hatte wenig Mühe, das Grollen des Wasserfalls zu übertönen. Merana wandte sich um. »Das ist mein Kollege, Revierinspektor Peter Ankerl.« Die Gruppeninspektorin deutete auf einen jungen Mann, der ebenfalls Polizeiuniform trug. Mitte 30, schätzte Merana, sportlich, als gesamte Erscheinung nicht unsympathisch. Auffällig war nur, dass der junge Mann eine dunkle Sonnenbrille trug, obwohl es hier am Fuß des Wasserfalls nahe den Bäumen schattig war.

»Sind Sie lichtempfindlich?«, fragte Merana und deutete auf die Brille. Der Angesprochene schüttelte den Kopf und versuchte ein Lächeln.

»Na, Peter, ist der gestrige Abend sehr lang geworden, oder machst du einfach wieder einmal auf Don Johnson?« Die Hammerwerferin in Gestalt einer Polizeibeamtin grinste Merana an. »Sie müssen wissen, Herr Kommissar, Kollege Ankerl ist ein Fan der Uralt-Serie ›Miami Vice‹.«

Ich auch, hätte Merana fast erwidert. Aber sie hatten Wichtigeres zu tun, als hier über alte Serien und das Faible für schwarze Sonnenbrillen herumzualbern.

»Was heißt ›Austrias Marketenderin des Jahres‹?«, wandte sich der Kommissar an die Gruppeninspektorin.

»Das ist eine aktuelle Castingshow. Groß aufgezogen, Co-Produktion von drei Fernsehstationen und einer internationalen Trachtenfirma. Die Firmenleitung hat gestern hier im Ort ein riesiges Fest geschmissen, Sponsorenparty mit allen Schikanen.«

»Und was hat die Tote mit all dem zu tun?«

»Die Lena war eine der heißesten Kandidatinnen für das Finale.«

Eine vertraute Gestalt näherte sich dem Kommissar, Polizeiarzt Richard Zeller, gefolgt von Thomas Brunner, dem Chef der Spurensicherung.

»Hallo, Martin, hast du es nicht geschafft, weit genug abzuhauen? Hat dich der Alte aus dem Urlaub zurückbeordert?« Die beiden Männer gaben dem Kommissar die Hand.

»Was könnt ihr mir über den Tathergang schon sagen?«

»Bis jetzt leider sehr wenig. Wir glauben nicht, dass es ein Unfall war. Die Spuren sprechen dagegen. Sie wurde wohl erschlagen oder so heftig gestoßen, dass sie sich beim Sturz schwer verletzte. Wir wissen auch noch nicht genau, wie lange sie im Wasser gelegen ist.«

Merana horchte auf. »Sie ist im Wasser gelegen?« Er schaute zur Leiche. Wie war sie ans Ufer gekommen? Und wer hatte sie gefunden? Das hatte er noch gar nicht gefragt.

»Ja, jemand hat sie aus dem Wasser gezogen und am Ufer auf die Steine gebettet«, antwortete der Chef der Spurensicherung.

»Wer?«

Ein heller Schrei, gellend, schrill, ließ die Umstehenden herumwirbeln. Ein kleines Mädchen, keine zehn Jahre alt, stolperte auf die Leiche zu. Wie war sie durch die Absperrungen gekommen? Ulla Heilmayer reagierte als Erste, lief los, um die Kleine abzufangen. Doch das Kind war schneller, ging vor der Leiche in die Knie, warf sich schreiend auf die Tote. Auch Peter Ankerl eilte über den Platz. Er versuchte, eine Frau aufzuhalten, die sich an zwei Männern in Overalls vorbeidrängte, gefolgt von einem etwa zwölfjährigen Jungen. Ankerl wollte der Frau die Hand auf die Schulter legen, doch die stieß ihn mit voller Wucht zurück. Der Polizist kam durch die Heftigkeit des Stoßes ins Taumeln. Mit starrem Blick schritt die Frau unbeirrt weiter. Der Junge blieb dicht hinter ihr.

»Gehen Sie bitte nicht weiter!«, rief Merana.

Die Frau beachtete ihn nicht, sie hatte nur Augen für die Tote und das schreiende Mädchen. Mein Gott, dachte Merana, das ist ja die Alma! Die wird doch hoffentlich nichts mit dem Geschehen hier zu tun haben. Das Bild einer Gewitternacht blitzte kurz in ihm auf. Er sah sich und Alma Thaler, eine Szene, die viele Jahre zurück lag. Eine Woge von Zorn und Scham flutete für einen Moment in ihm hoch. Er schluckte schwer und stellte sich vor die Frau.

»Geh mir aus dem Weg, Martin!« Auch wenn sie nur zischte, konnte er trotz des Lärms der Wassermassen jedes Wort verstehen. Sie hatte ihn nicht angesehen. Ihr entsetzter Blick war an ihm vorbei auf das Geschehen hinter Meranas Rücken gerichtet. Sie ging an ihm vorbei, streifte mit der Schulter hart seinen Oberarm. Er hielt sie nicht auf, wandte sich nur um und erlebte eine weitere Überraschung.

Wo war der alte Mann hergekommen? Er stand neben der Toten und dem schreienden Kind. Und als wäre das alles an Ungereimtheiten nicht schon genug, bemerkte Merana überrascht, dass der Mann einen großen schwarzen Vogel auf der Schulter trug. Der Alte ging in die Hocke und berührte die Tote. »Lassen Sie das!« Merana setzte sich in Bewegung und sah aus den Augenwinkeln, dass auch Thomas Brunner auf die Gruppe rings um die Leiche zueilte. Der Mann mit dem Raben hatte der Toten etwas in die Hand gedrückt und ihren Kopf berührt. Als Merana herankam, bemerkte er, dass der Alte dem toten Mädchen schwarze Steine in die offene Hand und auf die Stirn gelegt hatte. Er blieb abrupt stehen. Der Eindruck der dunklen Steine und das schwarze verkrustete Blut auf der bleichen Erscheinung der Toten erinnerten ihn an die vergangene Nacht. In der nächsten Sekunde wurde ihm speiübel. Die Bilder aus dem Traum schossen in seinen Kopf wie ein hochspringender Marder. Er sah zuckende weiße Hühnerleiber und dunkles spritzendes Blut. Das Würgen in seinem Hals war bedrohlich. Jetzt nur nicht kotzen, Merana, befahl er sich selbst. Das ist ein Tatort! Sein Tatort. In seiner Verantwortung! Er ging in die Knie und bemühte sich mit aller Selbstbeherrschung, die heraufdrängenden, heute Morgen viel zu hastig verschlungenen Stücke der Weißwurst wieder hinunterzuwürgen. Die Säure der Verdauungssäfte brannte in seinem Schlund wie Essig. Ihm wurde schwarz vor Augen. Aber er schaffte es, während das kleine Mädchen unaufhörlich weiter schrie, und das Wasser wie eh und je mit mächtigem Donnern herniederprasselte.

Kapitel 5

Der Mann erreichte den großen Bauernhof am Ortsrand im Laufschritt. Das flüchtig hineingestopfte Hemd hing ihm teilweise aus der Hose. Die Jahreszahl 1511 war über dem alten verwitterten Türrahmen des Hauses eingekerbt. Doch Kapellmeister Christoph Hornklang hatte keinen Blick dafür. Er riss das Haustor auf und hastete ins Innere des Gebäudes. Rechter Hand war die Stube, die Tür stand offen. Fast hätte er die Schüssel mit Obst von der Anrichte gefegt, als er in den Raum stürmte.

Bürgermeister Gottfried Erlinger saß am Tisch und hob überrascht den schweren verkaterten Kopf.

»Bist du jetzt völlig deppert geworden? Was soll der Aufstand?«

Die Augen des Ortsvorstehers waren blutunterlaufen, die Tränensäcke über den Wangen schwer wie vollgefressene Regenwürmer.

»Warum gehst du nicht an dein Handy?«, rief Christoph Hornklang. »Hast du schon gehört, was passiert ist?«

Der Mann am Tisch tat sich schwer, dem Geschehen zu folgen. Die drei Kopfwehtabletten, die er vorhin genommen hatte, zeigten immer noch keine Wirkung. Er griff zitternd nach der Kaffeetasse.

»Mir ist wurscht, was passiert ist! Lass mich in Ruh. Mir ist nicht gut!«

Der Kapellmeister trat mit einem raschen Schritt näher, riss dem Bürgermeister die Tasse aus der Hand und knallte sie zurück auf den Tisch.

»Die Lena ist tot!«

Der Bürgermeister starrte sein Gegenüber an. »Spinnst du jetzt komplett? Hau ab, pflanz einen anderen!«

»Es ist aber so!«, brüllte der Musiker.

»Hör auf zu schreien, mir platzt eh schon der Schädel!« Das Geschrei des Kapellmeisters schnitt dem Bürgermeister durch den Kopf wie eine frisch gedengelte Sense. Wann würden diese blöden Tabletten endlich wirken?

»Sie liegt drüben am Wasserfall! Erschlagen, sagen die Leute im Ort.«

»Erschlagen?« Dieses Wort sickerte allmählich in das schmerzende Bewusstsein des immer noch benommenen Ortsvorstehers.

»Aber das kann ja gar nicht sein! Was wird dann aus dem Wettbewerb?«

»Du und dein saublöder Wettbewerb!« Das Organ des Kapellmeisters überschlug sich. »Diese Castingshow ist alles, was du im Schädel hast! Die Lena ist tot! Geht das endlich rein in dein Hirn?«

Hinter ihnen war das Knarren von Dielen zu hören. Jemand trampelte über die Holztreppe im Vorraum nach unten.

»Was soll dieser Lärm?«

Ein junger Mann stand im Türrahmen, Anfang 20, barfuß. Joachim Erlinger, genannt Jock, der Sohn des Bürgermeisters. Er wirkte verschlafen, seine Shorts waren verknittert.

»Ich habe nur Lena verstanden. Was ist los?«

»Sie ist tot«, brüllte der Kapellmeister erneut, »umgebracht! Drüben am Wasserfall. Die Kripo aus Salzburg ist auch schon eingetroffen.«

Dem jungen Mann in der Tür blieb der Mund offen. »Umgebracht?«

Mit einem Ruck schoss der Bürgermeister in die Höhe, stieß dabei gegen den Tisch. Das kostete die Kaffeetasse ihr porzellanenes Leben. Mit dumpfem Knall prallte sie auf die Jahrhunderte alten Bretter des Stubenbodens und brach entzwei.

»Los, Bua, zieh dich an! Und ich brauche jetzt dringend eine Zigarette!«

»Hast für mich auch eine, Papa?«

»Später. Verschwind jetzt nach oben!« Der Sohn machte mürrisch kehrt und latschte über die Treppe nach oben. Erlinger öffnete eine der Schubladen der Anrichte und holte eine noch ungeöffnete Schachtel Zigaretten heraus. Er gab sich Mühe, mit zitternden Fingern die Packung zu öffnen, was ihm erst beim dritten Versuch und unter Hervorstoßen übelster Flüche gelang. Er zündete sich eine der Zigaretten an, machte drei tiefe Züge. Dann wurde er ruhiger. Er drehte sich zum Kapellmeister und tippte diesem mit dem Finger hart gegen die Brust. »Und du wartest auf uns!« Dann schlurfte er aus dem Zimmer. Die Kopfschmerzen waren nicht weniger geworden.

erste nachbarin: hochmütig ist sie. sie will am sonntag als erste voran in die kirche schreiten, als wäre sie eine gräfin!

zweite nachbarin: wollüstig ist sie. ihr blick, den sie den männern zuwirft, jungen wie alten, ist schandträchtig. kein mann weitum in unserem tal, der nicht verrückt wäre nach ihr!

dritte nachbarin: sittenlos ist sie. sie hebt sich empor über das eherne gesetz unserer väter!

jungfrau: was ist, verehrte nachbarinnen? zerreißt ihr euch wieder das maul über mich?

was hab ich euch leids getan? für euch ist schon übel genug, dass ich bin, wie ich bin, so wie gott mich gemacht.

mutter: kind, schweig still. deine hoffart bereitet mir schmerz. deine vermaledeite schönheit bringt nur unglück. aus deiner keckheit wächst sünde.

jungfrau: oh frau mutter, ihr kennt nicht mein herz. warum darf ich mich nicht glücklich wähnen,

wenn ich mein bild im spiegel der quelle betrachte? warum darf nicht freude mein innerstes rühren, wenn die söhne des nachbarn mein lachen erwidern?

vierte nachbarin: schamlos ist sie. doch die strafe wird kommen. denn strafe kommt immer!

(›Die Drachenjungfrau von Krimml‹, nach einer alten Handschrift.

Szene am Kirchplatz)

Kapitel 6

Auch wenn Meranas Gedanken um anderes kreisten, entging ihm auch auf dem Rückweg nicht der groteske Gegensatz, der an diesem Ort immer wieder zum Vorschein kam. Da war auf der einen Seite der Anblick einer vor Wildheit strotzenden Natur, die unvergleichliche Schönheit einer charakterreichen Gebirgslandschaft. Selten fand man anderswo eine derart beeindruckende Komposition aus malerischer Felsenkulisse im Einklang mit dem majestätischen Schauspiel zu Tal stürzender Wasserfälle. Aber zugleich strotzte derselbe Platz an manchen Stellen vor ausgesuchter Hässlichkeit, die Merana wehtat. Die asphalttrübe Eintönigkeit der riesigen Parkplätze und die wenig gelungene Architektur mancher Gebäude im Eingangsbereich nahm er noch hin. Hier zeigte nur die neu errichtete Wasser Wunder Welt einen Anflug von kreativer Gestaltung. Aber an anderen Stellen, an denen man nicht vorbei konnte, waren dem Kitsch offenbar keine Schranken gesetzt. Die an jedem vergammelten Souvenirstand dieses Landes ewig gleichen idiotenhaften Sepplhüte waren auch hier zu finden. Und dazu grinsten aus allen Läden diese zum Kotzen widerlichen Plüschtiere, schwankten Hampelmänner in Fantasietracht im Wind, verstaubten Schneekugeln, denen schon langsam das Wasser ausging, stapelten sich Kaffeehäferln mit mehr oder weniger sinnigem Aufdruck und verblasstem Blumendekor, warteten Dosen mit angeblich heilkräftiger Murmeltiersalbe auf fußmarode Wanderer. Bei all dem Firlefanz hier schlug die sonst oft noch abgeschottete Welt des Oberpinzgaus eine Brücke zur übrigen Geschmacklosigkeit dieses allerorts touristengeilen Landes.

Die Busse auf dem Vorplatz zum Eingangsbereich waren weniger geworden. Offenbar war es den Sicherheitskräften gelungen, die Besucher zur Abreise zu bewegen. Dafür fielen Merana mehrere Autos von TV-Sendern auf. Medienleute auf der Jagd nach der Sensation. Ermordete junge Schönheiten an malerischen Schauplätzen sorgten immer für steigende Quote. Die Gruppeninspektorin begleitete den Kommissar. Sie waren auf dem Weg in den Ort. Merana konnte sich nicht mehr erinnern, wann er das letzte Mal hier heroben in Krimml gewesen war. Es musste viele Jahre her sein. Er kam überhaupt selten in den Pinzgau. Wenn dann nur, um die Großmutter zu besuchen, die einige Kilometer von hier entfernt in einem kleinen Dorf wohnte. Dort war Merana aufgewachsen. Es war ihm schon bei der Herfahrt bewusst geworden, dass er während der Ermittlungen zu diesem Fall hin und wieder mit Ereignissen, Begegnungen und Erinnerungen aus seiner früheren Zeit konfrontiert sein würde. Aber dass dies gleich derartig heftig passieren würde, hätte er nicht gedacht. Er war völlig unvorbereitet gewesen, Alma Thaler zu begegnen, die jetzt Alma Striegler hieß. Sie war die Mutter der jungen Frau, die erschlagen am Fuß der Krimmler Wasserfälle lag. Wieder stiegen ihm die Erinnerungen auf.

Es kam ihm vor, als sei das gemeinsame Erlebnis jener Gewitternacht in Almas Haus in einer völlig anderen Zeit, einem gänzlich anderen Leben passiert. Er schob die Gedanken beiseite. Er hatte im Augenblick keine Zeit dafür. Er würde sich ohnehin bald damit auseinandersetzen müssen, wenn er Alma und ihre Familie aufsuchte, um sie zu befragen. Fürs Erste hatte er seine Erkundigungen am Tatort beendet. Er hatte veranlasst, dass ein Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes sich um die Familie Striegler kümmern sollte. Um Alma und ihre Kinder, die achtjährige Clara und den zwölfjährigen Raphael. Und um Almas Vater, Arthur Thaler, den alten Mann mit dem Raben. Den hatte man in der Früh gefunden, völlig verstört neben seiner toten Enkelin. Vielleicht hat er sie aus dem Wasser gezogen, überlegte Merana. Das würden sie wohl bald erfahren. Ulla Heilmayer als Leiterin der Polizeiinspektion Krimml war von einem Mitarbeiter des Wasserfällebetreibers gegen sechs Uhr alarmiert worden. Der Mann hatte auf seiner routinemäßigen Kontrollrunde, bei der er die Wege und Steige abging, den alten Mann und das tote Mädchen entdeckt.

Auf dem kleinen Platz vor der Kirche im Zentrum des Ortes summte es wie in einem Bienenstock, ein Gewirr von Stimmen war zu vernehmen.

Und ist des wirklich wahr mit der Lena? Ist die tatsächlich tot?

Also ich hab’s ja immer schon g’sagt, dass mit der einmal was passieren wird, so wie die sich immer herausstaffiert hat. An Ausschnitt bis zum Nabel. Und ein auffälliges Getue, damit ihr ja alle Manderleut nachrennen.

Geh, halt den Mund! Die Lena war a anständiges Dirndl. Eine Lustige halt.

Einfach nur schrecklich, des arme Kind. Wie’s wohl der Alma jetzt geht?

Eine Gruppe von zehn Frauen und drei Männern stand beisammen. Einige gaben sich betroffen, andere gestikulierten aufgeregt. Immer wieder hob jemand aus der Gruppe den Kopf und schaute hinüber zum Wasserfall, der in der Ferne als weißer Streifen auszumachen war, der das Dunkel der bewaldeten Felsformationen durchschnitt.

»Ja, der Kommissar, der aus Salzburg gekommen ist, heißt Merana. Des ist der Enkel von der alten Kristina, die kennt im Oberpinzgau ein jeder.«

Die mollige Frau in dem viel zu engen gelben Dirndlkleid warf sich in Positur. Jede Dorfgemeinschaft an jedem Ort dieser Welt hat ihre meist im Hintergrund waltende, bestens funktionierende Informationszentralstelle. Und in Krimml hieß der Inbegriff des dörflichen Geheimdienstes Cilli Krumpner, von manchen auch schlicht und einfach als dieDorftratsch’n bezeichnet. Sie war schon eine reifere Dame in den mittleren Sechzigern, trug gerne enge Trachtenmieder, in denen sie kaum schnaufen konnte, aber die ihre Rundungen vor allem in den oberen Regionen betonen sollten, wie sie inständig hoffte. Dazu ließ sie sich mehrmals im Monat von der Dorffriseurin, eine ihrer ergiebigsten Informationsquellen, in einer Art und Weise schminken, als wäre sie gerade einmal der Pubertät entronnen.

»Und woher willst du das mit dem Merana wissen, Cilli? Hast du jetzt auch schon Informanten in der Salzburger Kriminalpolizei?« Die Geheimdienstchefin des Ortes strafte den jungen Mann mit einem Blick abgrundtiefer Verachtung. Kein Wunder, dass dieser gehirnmäßig unterbelichtete Knilch zweimal in der Hauptschule sitzen geblieben war und es gerade einmal zum Hilfsarbeiter im Lagerhaus geschafft hatte. »Ich brauche keine Insider bei der Kripo«, gab sie schmetternd zur Antwort. »Da genügt schon der Gerry. Der weiß, dass er in mir eine zuverlässige Vertrauensperson hat, der er getrost alles Wichtige mitteilen kann.« Mit Gerry war Gerfried Plutzenhofer gemeint, der stellvertretende Feuerwehrkommandant der Gemeinde.