Die Waldenser - Heinrich Fliedner - ebook

Die Waldenser ebook

Heinrich Fliedner

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Opis

Von den Waldensern haben die meisten Leser wohl schon etwas gehört. Aber der Ursprung, die Art und Geschichte dieses merkwürdigen Volks sind bei den meisten nur wenig bekannt. Nachdem Heinrich Fliedner selber ihre Täler besucht und ihre Geschichte eingehend erforscht hat, legt er hiermit dieses spannende Buch über das Märtyrervolk vor. Denn es gibt wenige Völker, welche in gleichem Grad die besondere Teilnahme der evangelischen Christen verdienen.

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Die Waldenser - Ein Martyrervolk

Heinrich Fliedner

Impressum

© 2018 Folgen Verlag, Langerwehe

Autor: Heinrich Fliedner

Cover: Caspar Kaufmann

ISBN: 978-3-95893-179-4

Verlags-Seite: www.folgenverlag.de

Kontakt: [email protected]

Shop: www.ceBooks.de

 

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Inhalt

Titelblatt

Impressum

Vorwort

1. Der Wind bläst, wo er will, oder: Der Ursprung der Waldenser

2. Petrus Waldus und die „Armen von Lyon“

3. Die ersten Verfolgungsstürme

4. Waldensergemeinden am Rhein

5. Im Zeitalter der Reformation

6. Das Jahr 1655

7. Heinrich Arnaud und die glorreiche Rückkehr

8. In unseren Tagen

9. Der Katechismus der Waldenser - Las Interrogacions Menors

Unsere Empfehlungen

Vorwort

Von den Waldensern haben die meisten Leser wohl schon dies oder jenes gehört. Aber der Ursprung, die Art und Geschichte dieses merkwürdigen Völkchens sind bei uns noch wenig bekannt. Nachdem ich selber ihre Täler besuchen und ihre Geschichte eingehend erforschen durfte, drängt es mich, an all dem Schönen, Großen und Ernsten auch andere teilnehmen zu lassen. Denn es gibt wenige Völker, welche in gleichem Grade die warme Teilnahme der evangelischen Christen verdienen. Das muss sogar der katholische Geschichtsforscher de Amicis bezeugen. Seiner ausführlichen Geschichte der Waldenser schickt er einen meisterhaften Überblick voraus, der sich unwillkürlich zu einem Hohenlied und Preisgesang für diese standhaften Zeugen Christi gestaltet:

“Wir sind im Begriff, in eine berühmte und glorreiche Region einzutreten, in eine kleine italienische Schweiz, welche in Torre Pellice ihr 'Genf' hat, inmitten eines seltsamen Volkes, das gleichsam eine Nation für sich bildet, fast ganz zusammengeschlossen in einer großen, quadratischen Bergfestung zwischen dem Hochtal des Po und dem Tal von Susa. Dieses Volk hat seine eigene Geschichte, deren Ursprung sich in dem Dunkel des Mittelalters verliert, seinen eigenen Glauben, sein eigenes Schrifttum, seine eigene Sprache und eigenartige religiös-demokratische Verfassung. Es füllt kaum drei Täler und acht Tälchen aus, hat aber doch Verbindungen und Stationen in allen Teilen Italiens, Kolonien in Deutschland und Amerika. Es rühmt sich der Freundschaft von Völkern und Fürsten, beherbergt Verehrer und ergebene Freunde aus allen Ländern, sendet Streiter und Missionare seines Glaubens in alle Erdteile. – Die Waldenser zählten wohl nie mehr als gegen 20.000 in 15 Kirchspielen. Dennoch zeigten sie die Kraft, erlebten die Wechselfälle eines großen Volkes; sie hatten ihre Heere, ihre Feldherren, ihre Helden, ihre Märtyrer. Sie haben vielmals wie auf gleichem Fuß mit dem hundertmal größeren Staat, dem sie angehörten, unterhandelt und 30 Kriege ausgefochten, einige gegen Piemont, andere gegen Frankreich, mehr als einen gegen die beiden vereinigten Staaten.Wie Israel wurden sie aus ihrem Lande weggerissen und eroberten es wiederum. Zerstreut, getötet, fast vernichtet wie eine abscheuliche Rasse, von der die Erde sich reinigen wollte, sprossten sie umso zahlreicher, widerstandsfähiger empor, bis sie mit ihrer unüberwindlichen Beharrlichkeit ihre Unterdrücker ermüdeten. Dann haben sie mit ihnen zusammen tapfer für das gemeinsame Vaterland gekämpft und sie gezwungen, ihnen die Freiheit zu geben, sich des Vergangenen zu schämen.Und ungeachtet der tausendfachen Verfolgungen, die jedes Band mit ihrer Umgebung hätten zerreißen müssen, blieben sie immer Italiener im Herzen, und wie vom alten Piemont, so sind sie auch vom neuen Italien eine der patriotischsten Provinzen. Darum: Ehre den Waldensern!“

1. Der Wind bläst, wo er will, oder: Der Ursprung der Waldenser

Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Joh. 3,8

Dies Wort Jesu kam mir in den Sinn, als ich in den alten Büchern dem Ursprung der Waldenser nachforschte; denn niemand weiß genau zu sagen, woher sie eigentlich stammen. Die weitverbreitete Annahme, dass der fromme Kaufmann Petrus Waldus der eigentliche Gründer der Waldenserkirche gewesen sei, wird von vielen Forschern bestritten. Sogar ihr Name ist wahrscheinlicher von dem lateinischen Wort vallis (Tal) abzuleiten, so dass die Waldenser damit als Talleute bezeichnet werden. Auch andere Anzeichen deuten darauf hin, dass in jenem Alpengebiet, wie überhaupt in manchen Gegenden Oberitaliens, schon lange vor Petrus Waldus Gemeinschaften und Richtungen bestanden haben, welche dem zunehmenden Aberglauben und den Missbräuchen der herrschenden Kirche gegenüber an einem reineren biblischen Christentum festhielten.

Und wer diese abgelegenen Gebirgstäler der Westalpen durchwandert, die vom Mont Cenis und Mont Viso sich nach Osten hinziehen, durchströmt von wilden Berggewässern dem Cluson mit der Gemanasca und dem Pellice – diese Täler, die noch heute von dem Weltverkehr so merkwürdig abgeschlossen sind – wer die Art ihrer Bewohner kennenlernt, die jedem Wechsel abhold an den alten Sitten und Trachten mit Zähigkeit halten, so fest und unerschütterlich wie die granitnen Felsen ihrer Berge dem Wechsel der Zeiten trotzen, der findet es wohl begreiflich, dass gerade hier – ähnlich wie seinerzeit in dem gleichfalls abgelegenen Irland – die apostolische Einfalt der christlichen Lehre und Sitte länger erhalten blieb als anderswo.

Dazu kommt, dass zu Anfang des Mittelalters, als die Umbildung der christlichen Kirche zur römischen Papstkirche reißende Fortschritte machte, in Turin ein Mann wirkte, welcher sich der zunehmenden Verderbnis mit ganzer Kraft entgegenstemmte. Das war Klaudius, Erzbischof von Turin. Ihn hatte Kaiser Ludwig der Fromme, der Sohn und Nachfolger Karls des Großen, vom einfachen Hofkaplan zum Erzbischof erhoben, damit er, als ein tief frommer, in der Heiligen Schrift wohlbewanderter Geistlicher, dem zunehmenden Aberglauben des italienischen Volkes entgegensteuere. Das hat er getan in großer Geisteskraft durch Wort und Schrift:

„Wenn diejenigen, welche den Götzendienst verlassen haben, die Bilder der Heiligen verehren, so haben sie nicht die Götzen verlassen, sondern nur den Namen geändert. Wer nicht denselben Glauben und dieselbe Tugend an den Tag legt, wodurch sie (die Heiligen) allein Gott wohlgefielen, der kann nicht selig werden.“

Mit solchen scharfen, echt evangelischen Worten bekämpfte er die einreißende Heiligenverehrung und den Bilderdienst.

“Wenn man jedes Holz in der Form eines Kreuzes anbeten will, weil Christus am Kreuz gehangen, so muss man auch die Krippen anbeten, weil Jesus in eine Krippe gelegt worden, so muss man auch die Esel anbeten, weil Jesus auf einem Esel gesessen, und die Schiffe, weil Er oft von einem Schiff aus zu dem Volk sprach. Es ist uns nicht befohlen, das Kreuz anzubeten, sondern es zu tragen und uns selbst zu verleugnen.“

Er eiferte gegen die Anmaßung des Papstes, sich „apostolischer Herr“ nennen zu lassen, gegen die Wallfahrten nach Rom, welcher Missbrauch nur in dem unverstandenen Wort Christi seine Ursache habe: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will Ich Meine Gemeinde bauen.“

Man kann wohl begreifen, dass solch reformatorischer Eifer dem frommen Erzbischof viel Feindschaft und Widerwärtigkeit eintrug, so dass er klagen musste:

“Wer mich sieht, spottet über mich und weist mit dem Finger nach mir. Als ich gezwungen die Bürde des Hirtenamts übernahm und nach Italien kam, fand ich der wahren Lehre zuwider alle Kirchen voll des Schmutzes der Weihgeschenke. Weil ich nun, was alle verehrten, allein niederzureißen anfing, wurde ich von allen gelästert; und wäre der Herr nicht mein Helfer gewesen, so hätten sie mich lebendig verschlungen. Der Vater des Erbarmens und des Trostes aber hat mich gestärkt in meiner Not, und durch Ihn werde ich fortbestehen in aller Anfechtung, angetan mit den Waffen der Gerechtigkeit und geschützt durch den Helm des Heils.“

Wenn auf der einen Seite Hass und Verfolgung sein Teil wurde, muss anderseits das Wort und Beispiel eines so bedeutenden Kirchenfürsten gerade in seiner eigenen Kirchenprovinz – und dazu gehörten auch die Waldensertäler – mächtig dazu beigetragen haben, alle diejenigen zu stärken, welche wie er gegen die herrschenden Missbräuche kämpften, zumal er das dabei nicht bewenden ließ, sondern in seinen Predigten dem Volk fleißig die Bibel auslegte. Das war nicht vergeblich. Spätere römische Chronisten klagen, dass seine Irrtümer bei seinen Schülern fortlebten.

Solche Klagen über Irrlehren in den westlichen Teilen von Oberitalien kehren in jedem Jahrhundert wieder. 1028 wird sogar einer ganzen Gemeinde, Monforte bei Asti, der Prozess gemacht wegen Ketzerei. Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir in diesen sogenannten „Irrlehrern und Ketzern“ die Väter und Vorläufer unsrer Waldenser erblicken. Leider sind sichere Nachrichten aus jenen fernen Tagen nicht auf uns gekommen. Dafür mag hier ein merkwürdiges Schriftstück stehen, eine Art Glaubensbekenntnis, das unter dem Titel „Nobla Leyczon“ (die edle Unterweisung) auf uns gekommen ist. Wenn es auch in seiner jetzigen Fassung erst aus späterer Zeit stammt, so ist doch zu vermuten, dass es im Wesentlichen die Lehren wiedergibt, welche seit alten Zeiten in den „Tälern“ heimisch waren. Diese alte Handschrift befindet sich jetzt in der englischen Universität Cambridge, wohin sie unter Cromwell gekommen ist. Einige der wichtigsten Abschnitte folgen hier in deutsche Übersetzung:

O Brüder, hört eine edle Unterweisung!Wir müssen wachen und fleißig sein im Gebet,Denn wir sehen, dass die Welt ihrem Ende nahe ist.Schon sind tausendeinhundert Jahre verflossen,Seitdem geschrieben ist: Es ist die letzte Zeit.Da aber kein Mensch das Ende wissen kann,So haben wir uns desto mehr zu fürchten. Verborgen ist es,Ob heute oder morgen der Tod uns ruft.Wenn aber Christus kommen wird am Tag des Gerichts,So wird ein jeglicher seinen Lohn empfangen,Sowohl wer da Böses als auch wer Gutes getan hat.

Wollen wir Christus lieben und Seine Lehre kennenlernen,So müssen wir wachen und in der Schrift forschen.Wenn wir diese lesen, dann werden wir finden,Dass Christus nur darum verfolgt wurde, weil Er Gutes getan hat.Es gibt auch heutzutage noch viele,Die den Weg Christi zeigen wollen.Aber darüber so verfolgt werden, dass sie wenig tun können.Die falschen Christen sind so durch Irrtum verblendet,Und zwar vor allen andern die Lehrer selbst;Dass sie misshandeln und töten, die besser sind als sie,Dagegen die Schlechten in Ruhe leben lassen.Daran kann man erkennen, dass sie keine guten Hirten sind:Sie lieben die Schafe nur wegen der Wolle.Ist jemand, der Gott liebt und Jesus Christus fürchtet,Nicht verleumdet, nicht schwört, nicht lügt,Nicht die Ehe bricht, nicht tötet, nicht stiehlt,An seinen Feinden sich nicht rächt,So sagen sie: das ist ein Waldenser und verdient den Tod.Wer aber verfolgt wird wegen seiner Gottesfurcht, der kann sich trösten;Denn nach seinem Ausgang aus der WeltWird sich der Himmel ihm öffnen,Und dort wird er statt der Schande große Ehre haben.

Ich wage es zu sagen, und man wird finden, dass es wahr ist:Alle Päpste, von Sylvester an bis jetzt,Alle Kardinäle, Bischöfe und Äbte zusammengenommenHaben nicht die Macht, irgendjemand loszusprechenUnd ihm für Todsünden Vergebung zu erteilen.Gott allein vergibt die Sünde, sonst niemand!Dagegen ist es die Pflicht der Lehrer,Zu beten und dem Volk zu predigen,Es oft zu speisen mit dem Worte Gottes,Die Sünder mit guter Zucht zu strafenUnd durch ernste Vorstellungen zur Buße zu ermahnen,Damit sie dem Herrn Jesus nachfolgen, Seinen Willen tunUnd getreulich Seine Gebote halten.

2. Petrus Waldus und die „Armen von Lyon“

Das Ende des 12. Jahrhunderts brachte der französischen Stadt Lyon an der Rhone, der reichsten und mächtigsten Stadt von Südfrankreich, eine gewaltige religiöse Bewegung. Sie ging aus von dem wohlhabenden Kaufmann Petrus mit dem Zunamen Waldus, den er wahrscheinlich von seinem Geburtsort Vaur oder Vallis, d.i. Tal, übernommen hatte.