Den Zuhörer im Blick - Gottfried Hoffmann - ebook

Den Zuhörer im Blick ebook

Gottfried Hoffmann

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Opis

Je besser Ihr Draht zu Ihren Zuhörern ist, desto besser werden Sie verstanden! Erweitern Sie Ihre eigene Redner-Kompetenz und lernen Sie, selbstsicher mit dem Publikum umzugehen. Hierbei helfen Ihnen gutes Sprechen und das Wissen über die eigenen Befindlichkeiten beim Vortrag. Lernen Sie souverän, authentisch und selbstsicher zu sprechen - im persönlichen Gespräch wie in der öffentlichen Rede.   Inhalt: - Der Kommunikationsprozess läuft nicht rund - Selbstklärung - machen Sie sich fit: Kontakt und Selbstfürsorge - Die Augen führen - genießen Sie den feinen Tanz der Kommunikation

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Inhaltsverzeichnis

Hinweis zum UrheberrechtImpressumWidmungEinleitungDer Blick macht'sWir sind glücklich, weil wir lächelnTeil 1Allgemeines1   Der Blick ist getrübt1.1   Sachthemen sind häufig keine Sachthemen1.2   Mein System der Wahrnehmung ist getrübt1.2.1   Stress, Belastung, Zeitdruck1.2.2   Vorherige Erlebnisse1.3   Die Ziele stimmen nicht überein1.3.1   Eigene Beweggründe1.3.2   Beweggründe meines Gesprächspartners1.4   … um Antworten zu finden – statt zu verstehen2   Erfahrungen und Ängste überlagern den Kommunikationsprozess2.1   Frühere Erfahrungen2.1.1   Personen aus dem früheren Leben2.1.2   Situationen aus dem früheren Leben2.2   Blockierende Ängste2.2.1   Angst, zu viel preiszugeben2.2.2   Angst, dem Gesprächspartner ins Gesicht zu sehen3   Die eigenen Emotionen sind unscharf3.1   Die Emotion der Eile3.2   Achtsamkeit und Ablenkung – mich selbst im Blick3.3   Ziele und eigene Interessen3.4   Übernommene Urteile3.4.1   Eltern3.4.2   Mitmenschen prägen3.4.3   Urteile aus den Medien3.4.4   Tratsch3.5   Unbewusstes in der eigenen Biographie3.6   Die Verantwortung der anderen?Teil 2Allgemeines4   Kontakt – passiv in die Welt hinein4.1   Unsere fünf Sinne4.1.1   Blick – die Bilder kommen zu uns4.1.2   Hören – Klänge fluten4.1.3   Riechen – Duft4.1.4   Fühlen4.1.5   Schmecken4.2   Verfeinerung der Sinne4.2.1   Achtsames Sehen4.2.2   Achtsames Hören4.2.3   Achtsames Riechen4.2.4   Achtsames Spüren4.3   Augen und Gehirn4.3.1   Vexierbild und ganzheitliches Denken4.3.2   Defokussierter Blick4.3.3   Peripheres Beobachten5   Selbstfürsorge – sich selbst in die Hand nehmen5.1   Erforschung des kommunikativen Innenlebens5.1.1   Bei sich sein statt sich (übermäßig) zu identifizieren5.1.2   Andere verstehen statt zu (ver)urteilen5.1.3   Sich selbst verstehen statt sich emotional wegschwemmen zu lassen5.1.4   Verzeihen statt zu tolerieren5.1.5   Ziele loslassen statt sich willensmäßig zu verhärten5.1.6   Kreativität freisetzen statt verbissen zu grübeln5.1.7   Neutral sein statt sich etwas zur Wahrheit zu machen5.2   Können diese Augen lügen?5.2.1   Innere Arbeit für offene Augen5.2.2   Wacher Blick aus der inneren Ruhe5.3   Was tun gegen die eigene Angst vorm Publikum5.3.1   Affenkumpel und Vertrautheit5.3.2   Das Vertraute im Blickkontakt zu Fremden5.3.3   Augenfarbe und zugewandtes Sprechen5.4   Hinschauen5.4.1   Bundesligaspiel schafft Blickkontakt5.4.2   So wichtig vor dem ersten Wort – Brücken im Vorfeld5.4.3   Die Brücke bauen – schwierig genug5.4.4   Vom Stotterer gelernt – der hörende Blick des Redners5.5   Atmung und Charisma – Herr der Lage durch Wahrnehmung6   Ich rede – Sprechtechnik, Auftritt und Co6.1   Das A und O6.1.1   Vokale6.1.2   Konsonanten6.1.3   Sonorität und Raumklang6.1.4   Mit Augen und Ohren6.1.5   Wiederentdeckung: den Raum mit Charisma füllen6.2   Außen und Innen – Körpersprache als doppelter Spiegel6.2.1   Verströmen oder Heranziehen6.2.2   Außen zeigt sich's – körperliche Selbstsicherheit6.2.3   Rückwirkung – Kathedrale füllen macht Siegergefühl6.3   Auf die Bühne – so gelingt der Auftritt6.3.1   5 Phasen – geklärter Ablauf schafft Sicherheit6.3.2   Ihre natürliche Wirkung: souverän – kompetent – engagiert6.4   Frei von der Leber weg – so einfach ist die freie Rede6.4.1   Sauber klären – 4-Satz-Argumentation6.4.2   Perfekt darstellen – 5-Finger-RedeTeil 3Allgemeines7   Theoretischer Hintergrund7.1   Keine Einbahnstraße – Forschungen7.1.1   Nicht für Statisten – Charles Goodwin7.1.2   Die Augen sind früher – Judith Holler und Kobin Kendrick7.1.3   Blickrichtung zeigt Emotion – Emotion bestimmt Blickrichtung7.2   Ich selbst mitten drin – Denkkonzepte7.2.1   Selbstklärung – Gedankliche Werkzeuge des Schulz von Thun7.2.2   Der weite Blick – Paul Watzlawik7.2.3   Selbst denken – Harald Welzer: Rückblick aus der Zukunft7.2.4   Tiefes Verständnis – Richard Rohr: nichtpolares Denken7.3   Ich selbst voll beteiligt – Theorien des Dialogs7.3.1   Der emotionale Hintergrund – Idiolektik7.3.2   Wohin führt die Energie – Process Inquiry7.3.3   Die Denk-Umgebung – Nancy Kline7.3.4   Glück und Schwingung – Hartmut Rosa7.3.5   Dahinter ein Bedürfnis – Gewaltfreie Kommunikation7.3.6   Nicht nachher klagen, vorher sagen – Marte Meo8   Augen beflügeln – der Funke springt über8.1   Feine Kommunikation8.1.1   Das Wunder des Gegenübers8.1.2   In kraftvoller Resonanz mit mir selbst8.1.3   Resonanz synchronisiert Menschen8.1.4   Auf Augenhöhe8.2   Unfaires, Lampenfieber und Co. – wenn der Funke nicht überspringt8.3   Sehen und gesehen werden8.3.1   Sie leben von Ihren Zuhörern – sehen Sie sie8.3.2   Und es geht doch – schwieriger Blickkontakt8.3.3   Mich im Anderen sehen – verletzlich sein8.4   Augen strukturieren8.4.1   Inhalte – strukturieren Sie mit Ihren Augen8.4.2   Abläufe – strukturieren Sie mit Ihren Augen8.5   Ohne Blick – imaginierte Zuhörer8.5.1   In der Telefonkonferenz8.5.2   Video- und TV-Kamera – lebendige Person mit aktivem Blick8.6   Ohne Blick – Kontakt und Intensität8.6.1   Der Punkt8.6.2   Gemeinsam in eine Richtung9   Wie der Blick die Brücke baut, Nachhaltigkeit fördert und die Intuition unterstütztLiteraturAutorDank
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Hinweis zum Urheberrecht

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

Impressum

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Print: ISBN: 978-3-648-10054-7 Bestell-Nr. 10240-0001EPUB: ISBN: 978-3-648-10056-1 Bestell-Nr. 10240-0100EPDF: ISBN: 978-3-648-10057-8 Bestell-Nr. 10240-0150Gottfried HoffmannDen Zuhörer im Blick1. Auflage 2017© 2017, Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

[email protected]/Lektorat: Gabriele VogtSatz: kühn & weyh Software GmbH, Satz und Medien, FreiburgUmschlag: RED GmbH, KraillingDruck: Schätzl Druck & Medien GmbH & Co. KG, DonauwörthAlle Angaben/Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit. Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe (einschließlich Mikrokopie) sowie der Auswertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen, vorbehalten.

Widmung

„Sawubona – Ich sehe dichNgikhona – Ich bin da“

Zulu

(Bedeutung: Bis du mich gesehen hast, habe ich nicht existiert.)

„Oel ngati kameie – Ich sehe dich“

Gruß der Na’vi – Aus dem Film Avatar – Aufbruch nach Pandora von James Cameron

(Bedeutung: Das Göttliche in mir sieht das Göttliche in dir.Oder: Ich sehe mich in deinen Augen)

Einleitung

Der Blick macht's

Der Motivationstrainer spricht vor einem gutgefüllten Saal. Routiniert bringt er die Menschen mit Körperübungen, wie Arme in die Höhe heben, in Schwung. Buchveröffentlichungen und eine beeindruckende Referenzenliste belegen sein überregionales Ansehen. Und doch – der Funke springt nicht über. Der Vortrag löst bei den Anwesenden nicht die nachhaltige und tiefgehende Begeisterung aus, die einen motiviert und in den nächsten Wochen mit Freude zurückdenken lässt. Schade. Der Redner ist bestens präpariert, sein Vortrag wohlgeordnet, seine Gestik und Mimik lebendig und aussagekräftig. Ich beobachte ihn und versuche herauszufinden, was es ist. Und schließlich habe ich es: Seine Augen strahlen nicht, sie sind eher stumpf und unbewegt. Interessiert er sich nicht für uns, für sein Publikum? Ist er zufrieden mit einer pauschalen, eher höflichen Reaktion auf das, was er sagt? Das ist der Eindruck, den er bei uns, seinen Zuhörern, hinterlässt. Er scheint nicht neugierig zu sein auf die Wirkung seiner Worte – in unseren Gesichtern und vor allem in unseren Augen. Das ist bedauerlich, denn er hat viel zu sagen. Seine Ideen, seine Vorschläge und seine Erfahrungen sprechen eine deutliche Sprache. Aber leider – mich und die meisten Menschen im Publikum kann er nicht begeistern.[2]

Woran liegt es? Offensichtlich fehlt dem Redner das lebendige Interesse an den Menschen im Publikum. Dabei geht es nicht darum, einzelne Menschen für drei Sekunden anzuschauen, wie man es in manchen Veröffentlichungen liest. Auch dies wäre lediglich eine Einbahnstraße vom Redner1 zum Zuhörer, denn es beinhaltet letztlich ein rein formales Agieren, bei dem das Gegenüber nur als Punkt in der Menge zählt.[3]

Es geht um die Qualität des Blicks. Es geht darum, dass ein Redner im Gesicht und vor allem in den Augen der Zuhörer eine Resonanz seines Vortrags erspürt. Obwohl er die Funktion hat, dem Auditorium oder seinen Gesprächspartnern Informationen zu übermitteln, ist die Richtung des Informationsflusses vom Zuhörer zum Redner für die Wirksamkeit der Rede die wichtigere. Denn die Rede bzw. der Vortrag ist ein vielschichtiger Prozess, ein lebendiges Wechselspiel zwischen Sprechendem und Zuhörendem. Wenn z. B. der Vortragende wahrnimmt, dass sein Gedankengang und das Fortschreiten seiner Gedanken für diese Situation zu schnell sind, wird er die letzten Gedanken mit anderen Worten wiederholen und sich so auf das Tempo des Auditoriums einstellen.

Nur in der gegenseitigen Wechselwirkung von Redner und Publikum, d. h. dem beiderseitigen Aufnehmen und Abgeben von Signalen/Zeichen, wird der Vortrag gelingen in dem Sinne, dass das Auditorium erfüllt bzw. im Falle des Motivationsredners begeistert nach Hause geht und die Inhalte der Rede noch lange innerlich nachschwingen.

Wann Sie dieses Buch aus der Hand legen sollten – und wann nicht

Worum geht es bei guter Kommunikation? Stimmt es, dass wir immer etwas erreichen, den anderen zu einer – von uns gewünschten – Handlung bringen wollen, dass wir immer einen „Hintergedanken” haben? Und dass gute Kommunikation heißt, dass dieses Ansinnen Erfolg hat? Das würde doch bedeuten, dass wir nur den anderen im Auge haben, dass nur der andere sein Verhalten und seine Überzeugungen oder gar seine Persönlichkeit verändern soll und nicht wir selbst. Wir selber stehen bei dieser Sichtweise auf einer höheren Ebene – auf dem Pult –, steuern das Geschehen und die anderen Menschen müssen reagieren. Wenn dies Ihre felsenfeste Überzeugung ist und Sie keinen Impuls spüren, diese Einbahnstraßenkommunikation zu hinterfragen und evtl. hinter sich zu lassen, sollten Sie dieses Buch sofort aus der Hand legen.[4]

Wenn nicht, dann kann dieses Buch Ihnen neue Wege zeigen, Kommunikation, insbesondere die in Vortragssituationen, gelingen zu lassen. Denn hier geht es darum, die eigene Rolle in diesem Kommunikationsprozess anzuschauen. In meinen bisherigen Veröffentlichungen „Die Stimme macht’s” und „Ab jetzt ich selbst”2 standen die Entwicklung des Sprechens und die Selbstentwicklung im Zentrum. Jetzt mit diesem neuen Buch wird das Wechselspiel zwischen Redner und Publikum genauer betrachtet. Hier lernen Sie nicht, wie Sie Ihre Mitmenschen überreden, steuern oder manipulieren, dazu gibt es reichlich Literatur und noch mehr praktische (leidvolle) Alltagserfahrungen. Dieses Buch versucht, den Prozess der Kommunikation unter der Einbeziehung der eigenen Persönlichkeit neu zu betrachten und zu gestalten.

Es geht um den Blickkontakt zum Publikum bzw. Gesprächspartner und die Rückwirkung auf mich selber. Ich lasse das, was ich als Reaktion auf mein Gesagtes aufnehme, bewusst auf mich wirken und erspüre die Emotionen, damit ich aus einem größeren und umfassenderen Blickwinkel heraus verstehe und handle. Wir betrachten die Qualität des Blickkontakts sowohl bei einer Rede als auch in einem persönlichen Gespräch. Häufig wird das, was gemeint ist, in einer individuellen Gesprächssituation besonders deutlich und kann auf die Redesituation übertragen werden. Es geht um die Qualität, die einer der Wissenschaftler im Film „Avatar” von James Cameron in seinen Worten zum Soldat Jack Sully versucht auszudrücken: „Es heißt nicht ‚ich sehe dich’, sondern es heißt so viel wie ‚ich sehe in dich hinein’.” Wenn wir in dieser Qualität und in diesem Zugewendet-Sein mit jemandem sprechen, werden wir andere und vor allem bessere Ergebnisse für uns beide erzielen.[5]

Deshalb werden wir die Voraussetzungen betrachten, unter denen diese Art der Kommunikation möglich ist, und wir werden uns damit beschäftigen, wie dieser Prozess abläuft und vor allem welche positiven Auswirkungen zu beobachten sind. Eine solch feine Gesprächskultur wird auch im Businessbereich immer wichtiger, wie z. B. die internationalen Erfolge der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall B. Rosenberg oder der Process Inquiry von Stèphano Sabetti belegen. Beispiele für neue Ansätze hinsichtlich gelingender Kommunikation sind im pädagogischen Bereich die aus der Erziehungsberatung heraus entwickelte Methode Marte Meo der Holländerin Maria Aarts und im therapeutischen Bereich die Idiolektik des amerikanischen Psychotherapeuten Adolphe David Jonas (1913-1985). Eine elementare Rolle spielt vor allem aber eines: die Körpersprache.[6]

Das Auge ist nicht manipulierbar

Wir wissen heute gut Bescheid über die Wirkung von Körpersprache und haben in Seminaren viele Erfahrungen sammeln dürfen. Wir glauben, dass wir einerseits unsere Mitmenschen anhand ihrer Körperbewegungen einschätzen, andererseits aber durch gutgelernte Gesten einen Einfluss auf sie nehmen können. Das mag bis zu einem gewissen Grad beides funktionieren. Aber es bleibt ein Restrisiko: unsere Augen.

Unsere Augen lassen sich fast nicht manipulieren. Kennen Sie Menschen, die mit einem Lächeln im Gesicht, aber völlig unbeteiligten, ja sogar kalten Augen versuchen, Sie für sich einzunehmen? Das bemerken wir, bisweilen natürlich unbewusst, denn wir verfügen über eine sehr genaue Wahrnehmung für Diskrepanzen, Abweichungen zwischen gutgelernten Körpergesten, einer ausgefeilten Mimik und dem die Wahrheit entlarvenden Augenausdruck. Manche großformatigen Reklametafeln zeigen uns dieses auf eindrucksvolle Weise: ein lachendes fröhliches Gesicht, aber merkwürdig unbeteiligte Augen.

Für uns heißt dies zweierlei: Bei genauerer Wahrnehmung des Augenausdrucks unseres Gesprächspartners erfahren wir sehr viel über seine Authentizität. Andererseits geben wir über unsere Augen auch sehr viel von uns preis, was in manchen Situationen ein beunruhigender Gedanke sein kann, vor allem bei einer Rede vor großem Publikum. Wie lösen wir dieses Dilemma, offen zu sein für andere, aber von uns nicht zu viel preiszugeben? Hierauf wird jeder Mensch seine eigenen Antworten finden (müssen), Unterstützung bietet dieses Buch.[7]

Mit der Lektüre schärfen Sie den Blick für Ihren Blick, denn dieses Buch beleuchtet die führende Rolle des Blickkontakts in der Kommunikation. Nach einer Vorbemerkung zum so wichtigen Wechselspiel zwischen Körperbewegungen und Empfinden sehen wir uns im ersten Teil an, was eine gute Kommunikation jedweder Art behindern kann. Der zweite Teil befasst sich damit, was Sie selbst tun können, um Ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten weiterzuentwickeln, die für eine zugewandte Kommunikation förderlich sind. Der dritte Teil schließlich befasst sich mit Theorie und der Anwendung in Vortragssituationen.

Neben der theoretischen Durchdringung geht es vor allem um die Praxis. Deshalb sind regelmäßig Fallbeispiele eingestreut, die das Gesagte anschaulich machen. Sie finden darüber hinaus auch immer wieder Übungen, die es Ihnen ermöglichen, das theoretische Wissen im praktischen Tun zu erfahren und damit in Ihren Erfahrungsschatz zu integrieren. Dies wird Sie unterstützen, noch erfolgreicher zu kommunizieren und wirkungsvoller vor Publikum zu sprechen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Entwicklung Ihrer Blickqualitäten in der Kommunikation und viel Freude bei Ihren nächsten Auftritten als gestärkte souveräne Persönlichkeit!

Wir sind glücklich, weil wir lächeln

Vorbemerkung zu einem Wechselspiel, das in diesem Buch eine große Rolle spielen wird:[8]

„If you want a quality, act as if you already had it.“

William James, amerikanischer Psychologe und Philosoph (1842–1910)

Was wir schon können

Lassen Sie mich zu Beginn noch eine Vorbemerkung zum Wechselspiel zwischen dem eigenen Außen und Innen, zwischen Körperbewegungen und Gefühlen machen. Wir selber können unsere Kommunikation in einem weit tieferen Maß beeinflussen, als uns bisher bewusst war. All die Seminare, die wir besucht, und die Bücher, die wir gelesen haben, haben unsere Fertigkeiten in Artikulation, Stimmklang, Rhetorik, Körpersprache und Kontakt zum Publikum verbessert. Eine wirklich authentische, freie und offene Kommunikation, die die Menschen überzeugt, gelingt nach meiner Erfahrung aber nur, wenn wir in völliger Übereinstimmung mit unserem Inneren handeln. Dabei kann das, was Sie in den folgenden Zeilen lesen werden, sehr helfen. Denn wir können – wissenschaftlich erforscht – aktiv unsere Stimmung durch unser eigenes Verhalten beeinflussen. Wir müssen also nicht schlecht gelaunt durchs Büro laufen, auf die anderen Autofahrer schimpfen, die alles falsch machen und auch nicht mäßig motiviert vor Gruppen oder Klassen (auf)treten. Es ist letztlich unsere eigene Entscheidung.

Das Als-ob-Prinzip

William James, der als Begründer der amerikanischen Psychologie als Wissenschaft gilt, beobachtete schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts, dass unser Verhalten unsere Empfindungen beeinflusst. Er ging sogar so weit, zu behaupten, dass zuerst eine Körperbewegung wie Laufen oder Mimik ausgeführt wird, der dann anschließend eine entsprechende Empfindung folgt: „Man läuft nicht vor einem Bären davon, weil man Angst vor ihm hat, sondern bekommt Angst vor dem Bären, weil man vor ihm davonläuft.”3[9] Auf diesen Gedanken fußend entwickelte der russische Schauspieler und Regisseur Konstantin Stanislawski seine umfassende Theatertheorie, deren Kern das Als-ob-Prinzip ist, anders formuliert: „Wenn ich dieses Gefühl wirklich hätte, wie würde ich mich verhalten?”4 Der Schauspieler bewegt sich auf der Bühne, als hätte er eine bestimmte Empfindung, wodurch diese Empfindung dann entsteht und somit der Schauspieler authentisch und möglichst naturnah seine eigenen Gefühle darstellt.

Die von James entwickelte Theorie wurde weiterverfolgt. Man forschte, wie sich verschiedene Gangarten oder auch verschiedene Qualitäten von Händeschütteln auf das Empfinden auswirken. „Beim Als-ob-Prinzip geht es nicht einfach nur darum, dass Sie Ihr Gesicht zu einem Lächeln zwingen, sondern es gilt für nahezu jeden Aspekt Ihres Alltagsverhaltens, einschließlich dessen, wie Sie gehen und reden.”5 Es wurden auch weitere Verhaltensweisen wie z. B. das Lachen untersucht und diese Untersuchungen belegten, „warum Lach-Klubs so beliebt sind. Genauso wie Lächeln dazu führt, dass man sich glücklich fühlt, vermittelt das Verhalten, als ob man etwas lustig findet, dieselben psychologischen und körperlichen Vorteile, die mit echtem Lachen verbunden sind”6[10].

Wir können also neben dem mentalen Beeinflussen unserer Befindlichkeit auch ganz direkt über selbstbestimmte Verhaltensweisen wie Körperbewegungen oder Lachen eine gute innere Verfassung erzeugen. Mit diesem positiv beeinflussten Inneren haben wir einen guten Kontakt zu uns selbst und können aus diesem heraus über den Blickkontakt, die Sprache und die Körpersprache eine intensive Brücke zu unserem Publikum bauen.

1Um das Lesen zu vereinfachen, habe ich die männliche Form gewählt. Selbstverständlich sind damit auch Rednerinnen, Zuhörerinnen usw. gemeint. Allein die weibliche Form zu wählen und die männliche wegzulassen, erscheint mir – obwohl gelegentlich praktiziert – sehr unkonventionell, wodurch auch der Lesefluss gestört würde. Ich hoffe, meine Leserinnen haben dafür Verständnis.

2Die Stimme macht’s. Überzeugend, wirkungsvoll, authentisch sprechen (2014); Ab jetzt ich selbst. Wahrnehmen, verstehen, authentisch kommunizieren (2015), beides erschienen im BusinessVillage Verlag Göttingen.

3Wiseman 2013, S. 33 f.

4Ebda., S. 37.

5Ebda., S. 52.

6Ebda., S. 57.

Teil 1

Allgemeines

Der Kommunikationsprozess läuft unrund

„Der Widerspruch zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was gemeint ist, ist sehr groß. Man muss ihn herausfinden.“

Friedrich Ebeling, dt. Konzernmanager, Vorstandsvorsitzender Brau u. Brunnen AG, (*1934)

Ein klarer offener Augenkontakt ist das, was wir uns wünschen, wenn wir mit Menschen reden, denn dies ist ein wichtiges Element einer authentischen, offenen, zugewandten und letztlich funktionierenden Kommunikation. Ich kann allerdings selbst erst mit klarem offenen Blick schauen, wenn ich für mich selber Klarheit habe – wenn ich weiß, wo ich stehe und was ich will, wenn ich zentriert bin. Also betrachten wir im ersten Schritt, was uns hieran hindert.[11]

Der erste Teil des Buches mit den Kapiteln 1–3 ist eine Bestandsaufnahme. Untersucht wird, was unseren offenen Blick auf unseren Kommunikationspartner und den Kommunikationsprozess stören könnte, welche Erfahrungen uns behindern, die Dinge klar zu sehen, und warum ich mich selbst und vor allem meine Emotionen nicht klar wahrnehmen kann.

1   Der Blick ist getrübt

Beobachten Sie auch gerne Rede- und Gesprächssituationen? Insbesondere, wenn es sich um eine angespannte Situation handelt? Reizt es Sie dann auch, herauszufinden, was schiefläuft, woran es liegt, dass die Rede nicht zündet oder die Gesprächspartner sich nicht verstehen? Betrachten wir in diesem Kapitel einige typische Situationen, in denen der Redende keine klare Vorstellung von der Situation hat bzw. von dem, was dahinterstehen könnte, d. h., wodurch sein Blick getrübt ist.

1.1   Sachthemen sind häufig keine Sachthemen

Gerade wir Männer nehmen für uns gerne in Anspruch, rational und zielgerichtet zu denken und zu kommunizieren und selbstverständlich einen klaren Blick auf die Dinge zu haben. Aber tun wir das wirklich? Ein klassisches Beispiel: Der neue Chef einer Institution hält sich für einen ausgesprochenen PR-Fachmann, da er an seiner vorherigen Position über viele Jahre eine kleine Zeitung herausgegeben hat. In den Besprechungen wird deshalb zuerst seine Meinung zu den PR-Belangen eingeholt und erst später werden die übergeordneten sachlichen und fachlichen Fragen besprochen. Rational strukturiertes Denken?[12]

Schauen wir uns einmal unsere alltägliche Kommunikation an: Wie häufig wird unsere klare und sachliche Argumentation durch die Umstände beeinflusst und wir wählen die Art der Ansprache und die Argumentationswege mit Rücksicht auf die Emotionen unseres Gegenübers. Wir glauben, um seine Lieblingsgefühle zu wissen, seine Abneigungen zu kennen. Und versuchen uns optimal darauf einzustellen, um unser Ziel zu erreichen. Wir sind überzeugt davon, unser Ziel schlechter zu erreichen, wenn wir eine fachlich fundierte sachliche Argumentationsweise wählen, und infiltrieren die Sachthemen mit Emotionen.

So glaubt man oft, seine persönlichen Bedürfnisse nicht kommunizieren zu dürfen, und man sagt: „Finden Sie nicht auch, dass es hier ziemlich kalt ist?”, anstatt eine Person aus dem Publikum zu bitten: „Könnten Sie bitte das Fenster schließen, mir ist etwas kalt.” Und zum Publikum gewandt zu äußern: „Sollte es Ihnen nicht so gehen, geben Sie bitte Bescheid.”

Sehr klar wird dieses verschleiernde Sprechen auch bei folgendem Beispiel aus dem Arbeitsalltag. Statt zu sagen: „Herr Müller, könnten Sie noch bitte den Vorgang XY für mich erledigen, ich habe es nicht mehr geschafft und möchte jetzt sehr gern gehen, um das Theaterstück in der Schule meiner Tochter mitzuerleben”, sagt man vermeintlich objektiv auf die Arbeitssituation bezogen: „Ich habe heute alle Vorgänge abgeschlossen, bis auf den einen. Ich habe schon zwei Überstunden gemacht. Und ich möchte jetzt gehen.” Bei welcher der beiden Aussagen haben Sie den Eindruck, wird die Sachebene besser getroffen? Und bei welcher Aussage würden Sie lieber den Vorgang für den Kollegen übernehmen, bei der ersten oder bei der zweiten? Die erste Aussage fördert das Miteinander. Ich äußere meine Empfindungen und Bedürfnisse und der Gesprächspartner wird in der Regel darauf positiv reagieren. Im zweiten Fall empfindet der Gesprächspartner Zwang, Nachdruck und schließlich auch Macht. Diese Aussage fördert in keiner Weise ein gedeihliches auf die Zukunft gerichtetes Miteinander.[13]

Oder denken Sie an das Tratschen, für viele Menschen eine Lieblingsbeschäftigung. Man redet über Menschen, statt mit ihnen. Wir machen uns dabei das Urteil eines anderen über unseren Gesprächspartner zu eigen. Wir sehen gar nicht mehr mit unseren eigenen Augen, sondern mit den Augen der anderen Person. Und schon sind wir wieder von der sachlichen Gesprächsebene entfernt, indem wir einerseits Bestätigungen für das Urteil des anderen suchen und andererseits unsere Argumentation auf dieses Urteil abgestimmt haben.

Wenn Sie jetzt z. B. über Peggy Rietmüller gehört haben, dass sie sich völlig übertrieben schminkt (was will sie denn damit erreichen?), sich exaltiert kleidet und mit ihrem Benehmen häufig aneckt, werden Sie bei Ihrer ersten Begegnung zuerst einmal forschen, ob diese Beobachtungen, die der Tratsch Ihnen zugespielt hat, tatsächlich zutreffen. Peggy Rietmüller hat relativ geringe Chancen, dass Sie eine sachliche, emotionsfreie Diskussion mit ihr führen werden. Sie sind mit Ihrer Aufmerksamkeit ganz woanders, können Ihr Gegenüber nicht mit wirklich offenen Augen sehen. Und schon gar nicht ihrer sachlichen Argumentation folgen.[14]

Informationen über Gesprächspartner können verschleiern

Kürzlich stand ein wichtiges Telefonat mit einer mir bis dahin unbekannten Person an. Ich recherchierte und fand über die Person einige Dinge heraus, die mich beeinflussten. Aufgrund der Angaben in der Vita war deutlich, dass die Person politisch zu einer von mir nicht favorisierten Couleur tendierte. Zeitungsartikel verwiesen auf eine bestimmte, mir nicht angenehme Art des Auftretens und der Argumentation. Weiterhin zeigte der Lebenslauf, dass die Person bisher in Institutionen und Firmen gearbeitet hatte, die eher für ausgeprägte Hierarchien mit ihren klaren (Befehls-)Strukturen stehen, anstatt für die mir sehr wichtige Kreativität und Durchlässigkeit. Und schließlich zeigten mir die veröffentlichten Bilder eine Person, die ich aufgrund ihres Habitus nicht zu meinem Freundeskreis zählen möchte. Was bewirkt dieses alles für eine anstehende Kommunikation?

Vermutlich wird man relativ unfrei mit der Person sprechen und mehr damit beschäftigt sein, seine Vorurteile bestätigt zu finden, als mit Offenheit dem Gespräch zu folgen. Dabei kann man möglicherweise völlig übersehen, dass am anderen Ende der Leitung eine offene, zugewandte Person sitzt, die höchst interessiert ist, von mir etwas Neues zu erfahren, um sich selbst und ihren Wirkungskreis zu erweitern.[15]

Auf der sachlichen Ebene habe ich mir durch diese Vorabinformation also ein freies Reagieren verbaut. Wobei – das werde ich nachfolgend noch näher ausführen – es nicht um die Informationen an sich geht (denn in unserer vielschichtigen schnellen Welt benötigt man viele Informationen), sondern um meine Verarbeitung. Ich habe mir das zu eigen oder anders formuliert zur Wahrheit gemacht, was meine Internetrecherche ergeben hat. Oder noch genauer formuliert: Ich habe mir die Emotionen zur Wahrheit gemacht, die in mir durch die Informationen ausgelöst wurden. Diese Emotionen hatten dann in meinem Fall die Wirkung, das Telefonat völlig zu überschatten. Die Informationen haben mir also nicht nur nicht genützt, sondern mich sogar behindert.

Übung: Sachlich denken

Sie dürfen in Zukunft Ihr Denken beobachten. Da das Denken einer jeden Handlung vorausgeht, kann es sehr sinnvoll sein, alle Informationen, die Sie sich über eine Person beschaffen oder die Sie zufällig erhalten, auf den Prüfstand zu stellen. Ebenso können die Gedanken, die man sich vor einer Handlung macht, auch auf den Prüfstand kommen. Die entscheidende Frage lautet: Tragen diese Informationen und wie ich sie verwende zu einer Versachlichung des Denkens und Handelns bei?[16]

1.2   Mein System der Wahrnehmung ist getrübt

Um wirkungsvoll zu Menschen zu sprechen oder erfolgreiche Gespräche zu führen, brauchen wir eine gute Fremd- und Eigenwahrnehmung. In der Hektik des täglichen Geschäfts kann aber gerade diese Wahrnehmungsgenauigkeit durch ungewöhnliche Belastungen oder eine zu schnelle Abfolge von Ereignissen, die ein ruhiges Abschließen nicht mehr ermöglichen, gestört sein.

1.2.1   Stress, Belastung, Zeitdruck

„Du hörst mir ja gar nicht richtig zu!” – Wer von uns hätte diesen Satz nicht schon einmal gehört, von Freunden, Familienangehörigen oder eben Kollegen bzw. im Beruf. Und – Hand aufs Herz – da war vermutlich auch etwas dran. Wir waren so gefangen in einer anderen Sache, einem Vorgang, einem Gedankengang, einer Emotion, dass wir die andere Person so gar nicht richtig wahrgenommen haben. Vermutlich war es sogar so, dass wir uns selbst nicht richtig wahrgenommen haben, d. h., keinen guten Kontakt zu uns selbst hatten.

Was kann dahinterstehen? Was nimmt uns so gefangen, dass wir den anderen Menschen gar nicht richtig erleben können? Hier gibt es eine Reihe von möglichen Ursachen. Sicherlich ist es so, dass wir uns gelegentlich von etwas stressen lassen. Das kann ein subjektiv empfundener Zeitdruck sein oder die Vorstellung, etwas bis zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossen haben zu müssen. Beobachten Sie einmal, wodurch die Menschen sich am häufigsten aus der Ruhe bringen lassen. „Ich muss noch eben schnell …” ist ein sehr häufig ausgesprochener und gehörter Satz, der das Gegenüber abblockt und nicht zu Wort kommen lässt. Man sieht dies häufig am Blick: Er bleibt meistens gesenkt und hängt an den zu erledigenden Dingen, anstatt sich der Person zu öffnen, die ein Gespräch sucht.[17]

Praxisbeispiel: Nicht bei den Lernenden, nicht beim Gesprächspartner

Kürzlich ist mir eine Unachtsamkeit wie soeben geschildert selbst passiert. Mit einer Klasse der Erwachsenenbildung beschäftigte ich mich konzentriert mit Fragen der Selbstwirksamkeit und Achtsamkeit, als ein Büromitarbeiter hereinkam und eine Unterschrift brauchte. Ich entdeckte einen Fehler und fing an, mit dieser Person darüber zu diskutieren. Eine schnelle Lösung gab es in dem Moment nicht, denn die Korrektur benötigte ein kurzes Gespräch. Zudem war ich über diesen offensichtlichen Fehler erbost und ließ mich von der Emotion hinreißen. Ich wies mit dem Zeigefinger auf die fehlerhafte Stelle, war mit meiner Aufmerksamkeit weder bei dem Mitarbeiter noch bei der Klasse. Schließlich vertagte ich das Gespräch auf die nächste Pause. Nachdem der Mitarbeiter gegangen war, sagte eine humorvolle Teilnehmerin lachend: „Das war aber nichts!” Nach einem kurzen Augenblick konnte ich herzhaft mitlachen.

Im Nachherein war mir die Situation sehr klar. Ich hätte die Unterschrift sofort auf die Pause verschieben sollen, damit hätte ich sowohl den Büromitarbeiter als auch die Lernenden ernst genommen. Die unausgesprochenen Botschaften wären gewesen: „Ich widme mich Ihnen mit ganzer Aufmerksamkeit in der Pause”, und „Der Unterricht ist mir sehr wichtig und darf nicht durch Unterbrechungen gestört werden.”[18]

So ist es auch mit störenden Fragen während eines Vortrags: Geben Sie jedem die nötige Aufmerksamkeit, die er verdient, aber bestimmen Sie das Wie und Wann.

Übung: Befreiung vom Zeitdruck

Harte Disziplin fordert es, sich von diesem vermeintlichen Zeitdruck zu befreien. Üben Sie es. Schauen Sie Ihren Gesprächspartner an und sagen Sie: „Ich mache diese Sache noch fertig. Dann bin ich für dich da.” Das klingt doch völlig anders als: „Ich muss noch eben schnell …” Sie haben natürlich auch die Möglichkeit, Ihre Tätigkeit zu unterbrechen und sich erst einmal der Person zu widmen, wenn Ihnen diese Person am Herzen liegt. Was Sie tun, liegt bei Ihnen und ist zum Teil natürlich auch in der Situation begründet.

Was Sie beobachten werden, ist Folgendes: Sie bestimmen selber, ob Sie weitermachen oder Ihre Tätigkeit unterbrechen, und damit wird es Ihnen sehr viel bessergehen. Sie sind Herr der Lage und nicht mehr Sklave der Umstände.

Ähnliches können Sie auch vor Ihrer nächsten Rede oder Präsentation probieren. Gerade wenn wenig Zeit ist, braucht es eine gute Konzentration. Nehmen Sie vor Ihrem ersten Wort wahr, mit wem Sie die nächsten 15, 30 oder 60 Minuten verbringen werden. Das kostet wenige Sekunden, verändert aber erheblich die Konzentration Ihrer Zuhörer und Gesprächspartner – und nicht zuletzt auch Ihre eigene Fokussierung.[19]

Natürlich gibt es auch Belastungen, Sorgen und Nöte, die einen bisweilen sehr um sich selbst kreisen lassen und den Kontakt zu anderen Menschen schwächen. Das kennen wir alle und das ist bis zu einem gewissen Grade auch verständlich. Wenn es sich aber häuft und wenn wir den berühmten Satz „Du hörst gar nicht mehr zu” häufiger hören, könnte es sein, dass wir uns mit unserer inneren Einstellung und Ordnung beschäftigen dürfen und sollten. Denn gute Kommunikation beginnt bei uns selber, beginnt bei der Fähigkeit, unserem Gesprächspartner ruhig in die Augen sehen zu können. Wenn diese Fähigkeit geschwächt oder abhandengekommen ist, ist es möglicherweise ein Zeichen, dass wir uns innerlich klären sollten. Um wieder in Ruhe und ohne Stress mit den Menschen reden zu können.

1.2.2   Vorherige Erlebnisse

Wir kommen gut gelaunt und beschwingt in den Raum und wollen von unserem schönen Erlebnis erzählen. Dabei bekommen wir überhaupt nicht mit, dass die anwesenden Personen ganz woanders sind, dass sie etwas bewegt und unsere Geschichte für sie im Moment nicht interessant und vor allem gar nicht passend ist. Oder das Gegenteil: Tief erschüttert betreten wir den Raum und können auf das, was dort im Moment besprochen wird, überhaupt nicht vernünftig reagieren, zu ergriffen sind wir von den vorherigen Erlebnissen. Beides dürfte den meisten von uns bekannt sein. Es sind typische Situationen, in denen man nicht angemessen auf seine Mitmenschen reagieren kann. Was wäre nun zu tun?

Meistens genügt es, wenige Minuten im Auto oder in einem Raum, in dem man sich auf sich konzentrieren kann, sitzenzubleiben und die Dinge Revue passieren lassen, bevor man sich darauf einstellt, was in der nächsten Zeit geschehen soll und wird. Beim Verweilen im Auto bzw. auf dem Weg zum nächsten Ereignis können wir so das Alte abschließen und uns auf das Neue einstellen. Dazu dürfen wir uns die Zeit nehmen und auf das vorherige Erlebnis zurückschauen. Die wenige investierte Zeit wird einen viel wacheren und direkten Kontakt mit den Menschen ermöglichen. Wir treten mit offenen und für die neue Situation bereiten Augen in den Raum, nehmen auf, was dort vor sich geht, und können dadurch viel besser angemessen und angepasst reagieren.[20]

Übung: Abschließen und neu einstellen

Bei der nächsten Gelegenheit: Wenn Sie etwas sehr stark emotional beeinflusst hat, sei es Wut oder eine riesengroße Freude, gönnen Sie sich einige Momente der Ruhe und beobachten Sie sich selbst dabei, wie sich die Wogen glätten. Was können Sie tun? Schauen Sie mit Verständnis auf Ihren Ärger, auf Ihre Albernheit, nehmen Sie sie als Emotionen wahr, die nötig waren, aber sich nun wieder entfernen dürfen. Viele Menschen können mit dem Bild des darüber schwebenden Adlers etwas anfangen, der mit scharfem Auge, aber einer gewissen Distanz die Dinge betrachtet und registriert.

Relativ schnell werden Sie den Kopf und den Bauch frei haben, um sich auf das nächste Ereignis, die nächste Situation einzustellen.

1.3   Die Ziele stimmen nicht überein

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Thema verfehlt. Das ist das Letzte, was man als Redner hören möchte. Zum Glück passiert dies relativ selten. Denn ein guter Redner hat in der Vorbereitung seines Vortrags neben dem fachlichen Inhalt auch das Publikum im Blick. Er versucht herauszufinden, welche unterschiedliche Motivationen und Bedürfnisse die Menschen haben, und holt sie im Idealfall dort ab. Manchmal klappt dies aber nicht und die Ideen, die der Redner hat, und die Ideen, die das Publikum hat, sind nicht deckungsgleich und driften auseinander.