Das Geheimnis der goldenen Grasmücke - Ursula Muhr - ebook

Das Geheimnis der goldenen Grasmücke ebook

Ursula Muhr

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Opis

Tarvik, König im Land der Graszwerge, findet am Tag seiner Krönung ein fremdes Kind in seiner Schatzkammer. Ohne lang zu überlegen gibt er ihm den Namen Kjuro und zieht den Kleinen auf, als wäre er sein Bruder. Als er erwachsen ist, macht sich Kjuro zusammen mit dem König auf den Weg, um etwas über seine Herkunft herauszufinden. Ihr einziger Hinweis ist ein altes Wappentuch, auf das eine goldene Grasmücke gestickt ist. Sie folgen dieser Spur zu einem verfallenen Königshof und damit beginnt eine gefahrvolle, abenteuerliche Reise. Was die beiden nicht ahnen – das eigentliche Problem sitzt zu Hause in Graslingen und bedroht in ihrer Abwesenheit das ganze Volk. Spannend, zauberhaft und mit überraschenden Wendungen – aber ohne Blutvergießen. Dafür mit der Erkenntnis, dass Offenheit und Mut die wertvollsten Schätze im Gepäck eines Reisenden sind, der in die Fremde zieht.

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Liczba stron: 210

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Leseprobe eBook Ausgabe 2015
©2015 SPIELBERG VERLAG, Regensburg
Überarbeitete Neuauflage des Titels
Die Abenteuer der Wimmelbirche
Umschlaggestaltung: Spielberg Verlag
Umschlagillustration: © Stefanie Pietsch
Illustrationen i. Innenteil: © Stefanie Pietsch
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung, Speicherung oder Übertragung
Ursula Muhr lebt und arbeitet in ihrer Heimatstadt Altdorf bei Nürnberg. Seit 1989 ist sie als Autorin tätig und schreibt für Kinder und Erwachsene. Besonders intensiv widmet sie sich der Lese- und Schreibförderung an Schulen im Rahmen von interaktiven Lesungen, Workshops und [email protected]

Inhaltsverzeichnis

Goldenes Grashüpferland

Der Königshof Graslingen

Kjuro hat ein Problem

Tondors Rat

Ritt durch das Grasland

Der Hof der Südlichen Könige

Verschleppt von den Waldgrimmen

Auf Burg Windork

Die Herrin der Dunklen Hügel

Im Kerker bei Wasser und Brot

Verloren im Brunnenschacht

Besuch in der Nacht

Unter der Festung Windork

Das geheime Dorf der Moorlinge

Wiedersehen im Blauen Moor

Ritt in die Rabenberge

Der unterirdische See

Nacht im Reich der Felsengnome

Tondor und Arjan

Antasyas Ahnungen

Marsch unter den Sternen

Geheimnisvolle Begegnung

Der Weg durchs Gebirge

Treffen in der Nacht

Die Verfolger kommen näher

Antasyas Plan

Die Straße der tanzenden Narren

Der große Rat

Aufbruch nach Graslingen

Verloren im Felsenlabyrinth

Angriff der Felsengnome

Kampf um Graslingen

Hilfe aus der Luft

Die Bussarde kommen zurück

Endlich wieder im Grasland

Die Entscheidung

Verzweiflung im Birkenwald

Wiedersehen in Graslingen

Goldenes Grashüpferland

Das Grashüpferland ist das schönste Land der Welt. Da sind sich die Graszwerge ganz sicher. Denn die Graszwerge leben im Grashüpferland und sie lieben jeden einzelnen Grashalm, der dort wächst. Und Grashalme gibt es viele, denn das Grashüpferland ist eine weite Ebene, die ganz und gar von goldgelbem Gras bedeckt ist. Egal, wohin man schaut – überall wiegt sich das goldene Gras im Wind. Manchmal fühlen sich die Graszwerge wie mitten in einem goldenen Meer.

Die Graszwerge sind klein, aber nicht winzig, sie sind braun gebrannt und kräftig, haben helles Haar, lange spitze Ohren und knubbelige Nasen. Wenn sie draußen sind, dann tragen sie große Hüte, die aus dem Gras der Ebene geflochten sind. Damit schützen sie sich gegen die Sonne. Außerdem hüllen sie sich in warme gelbe Umhänge, denn der Wind kann sehr kühl sein im Grashüpferland. Vor allem, wenn er aus dem Gebirge kommt, aus Norden oder Osten.

Die meisten von ihnen leben als einfache Bauern oder Fischer, Fallensteller und auch Faulenzer. Sie sind friedlich und heiter und völlig zufrieden mit dem, was sie haben. Vor allem wenn sie satt sind. Kämpfen? Das käme den Graszwergen nie und nimmer in den Sinn. Warum auch? In der weiten Grasebene gibt es genug Kräuter, Wurzeln, Beeren und Grassamen für alle. Ab und zu fangen sie einen Hasen oder ein anderes Tier in Fallen und das Silberflüsschen im Süden der Grasebene hat Fische im Überfluss. Das Leben im Grashüpferland ist einfach und friedlich.

Oder genauer gesagt – es könnte einfach und friedlich sein. Denn die Graszwerge haben ein Problem, und das sind die Felsengnome. Diese wohnen in den Rabenbergen, einem wilden zerklüfteten Gebirge mit schwarzen zackigen Felsenbergen und tiefen Schluchten. Wie ein riesiger Haken begrenzen die Rabenberge das Grashüpferland im Norden und im Osten.

Natürlich gehen die Graszwerge niemals dorthin, denn sie fürchten sich vor den Felsengnomen. Wenn diese dunklen Gesellen in ihrem finsteren Gebirge bleiben würden, dann wäre alles in Ordnung. Aber sie bleiben nicht dort. Immer wieder überfallen sie das Grashüpferland und versetzen die Graszwerge in Angst und Schrecken. Sie schleppen fort, was sie finden können und verschwinden dann wieder. Manchmal, und das ist das Schlimmste, was den Graszwergen überhaupt zustoßen kann, erwischen sie einen von ihnen und bringen auch den in die Berge. Niemand weiß, was mit diesem armen Kerl dann passiert. Die Graszwerge denken am liebsten überhaupt nicht darüber nach. Höchstens in der Nacht, wenn der Wind aus den Bergen kommt und um die Ecken ihres Hofs heult, dann gruseln sie sich und kriegen eine Gänsehaut.

Die Graszwerge leben im nördlichen Teil des Grashüpferlandes. In den südlichen Teil jenseits des Silberflüsschens kommen sie nie, das ist ihnen viel zu weit. Sie nennen dieses Gebiet ein bisschen geringschätzig ›Das Südliche Grasland‹. Wenn ein Graszwerg vom Südlichen Grasland spricht, dann hört sich das an, als ob er vom Ende der Welt reden würde. Dabei sieht es im Südlichen Grasland ganz genauso aus wie im Grashüpferland. Und es soll dort auch Graszwerge gegeben haben, vor langer Zeit. So erzählen es wenigstens die Alten, wenn sie abends alle zusammensitzen. Aber im Grashüpferland hat man schon seit langer Zeit nichts mehr von den angeblichen Verwandten im Süden gehört. Die Alten behaupten, die Waldgrimme hätten sie vertrieben. Die Waldgrimme sind ein Volk, das in den Dunklen Hügeln ganz tief im Süden leben soll, weit jenseits des Silberflüsschens. Manche behaupten auch, die Felsengnome hätten sie in die Rabenberge verschleppt. Aber die meisten glauben, dass es die Südlichen Graszwerge gar nicht gegeben hat. »Das sind doch alles nur Märchen, die uns die Alten erzählen, damit wir uns ein bisschen gruseln«, sagen sie. »Es gibt auf der ganzen Welt nur uns, die Graszwerge im Grashüpferland, und sonst niemanden.«

Die alten Graszwerge ärgern sich, wenn die Jungen ihnen nicht glauben. Sie wollen nicht als Märchenerzähler dastehen. Außerdem wäre es schön, wenn es die Südlichen Graszwerge gäbe. Aber die Jungen lassen sich nicht überzeugen. Das einzige Volk, das es neben den Graszwergen gibt, das sind die Felsengnome. Die haben sie schon oft genug gesehen. Oder besser gehört, denn die Felsengnome lassen sich nicht sehen, sie sind immer hinter einem eigenartigen Nebel verborgen. Aber hören kann man sie, sie heulen und jaulen ganz schauerlich. Und die Spuren ihrer zottigen Bergponys, auf denen sie aus den Rabenbergen geritten kommen, die sehen die Graszwerge auch, wenn sie sich wieder aus ihrem Hof hinaustrauen.

Doch die meiste Zeit zerbrechen sich die Graszwerge nicht den Kopf darüber, wie es um ihr Land herum aussieht. Solange es genug zu essen und zu trinken gibt, sind sie völlig zufrieden. Warum sollten sie sich Gedanken machen über Graszwerge, die seit Jahren keiner mehr gesehen hat? Oder über diese seltsamen Waldgrimme, die viele Tagesreisen weit entfernt leben? Eben. Sie sind sowieso am liebsten zu Hause und machen niemals weite Reisen. Denn so schön wie im Grashüpferland ist es nirgendwo sonst, davon sind sie fest überzeugt. Warum also woanders hingehen?

Der König im Grashüpferland – denn natürlich gibt es dort einen König – heißt Tarvik und lebt in Graslingen, dem Königshof der Graszwerge. Er ist ein recht junger König, denn sein Vater wurde von den Felsengnomen verschleppt, als Tarvik noch ein Junge war. Einige Jahre haben die Graszwerge abgewartet, ob ihr König vielleicht wieder auftauchen würde. Aber er kam nicht zurück. Nichts kam von den Felsengnomen jemals zurück. So wurde Tarvik schon an seinem sechzehnten Geburtstag zum König des Grashüpferlandes gekrönt.

Seine Krönung war ein Fest, von dem man in Graslingen noch lange Zeit sprach. Nicht nur, weil die lustigsten Lieder gesungen wurden, die je ein Dichter sich ausgedacht hatte. Auch nicht, weil so lange getanzt wurde wie noch nie zuvor auf einem Fest der Graszwerge. Nein, das hatte einen ganz anderen Grund.

Es passierte, als die beiden Diener des Königs in die Schatzkammer gingen, um dort die Königskrone und den Krönungsumhang zu holen. Wie die Hüte der Graszwerge war auch die Krone aus dem goldenen Gras der Ebene geflochten. Sie war sehr alt und sah schon ein bisschen zerzaust aus, aber das war den Graszwergen nicht wichtig. Der König würde sie sowieso nur für eine kurze Weile tragen und dann wieder seinen bequemen Grashut aufsetzen. Auch den Krönungsumhang, einen dunkelroten Mantel, würde er schnell wieder ablegen und in die Schatzkammer zurückbringen lassen. Aber gerade in dem Moment, als die Diener sich nach Krone und Mantel bücken wollten, sahen sie etwas, das ganz und gar nicht in die Schatzkammer gehörte. Die beiden standen wie vom Donner gerührt – mitten zwischen den Königsschätzen war ein Körbchen mit einem kleinen Graszwerg darin.