Crashkurs Börse - Sebastian Grebe - ebook

Crashkurs Börse ebook

Sebastian Grebe

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Opis

Wie funktioniert die Börse? Wie kommen Kurse ­zu­stande? Warum funktioniert Charttechnik? Welche ­Kennzahlen sind wichtig? Wie und wo kann ich ein Depot eröffnen? Die Autoren helfen dem interessierten Neuling, rasch und unproblematisch in die Welt des Investierens ein­zutauchen. Die Eröffnung des eigenen Depots und die Aufgabe von Wertpapierorders sind ebenso ein Thema wie die verschiedenen Anlageinstrumente sowie die grundlegenden Techniken der Fundamentalanalyse und der Charttechnik. Kapitel über Anlegerpsychologie, Informationsquellen und die Geschichte der Börse runden dieses umfassende Grundlagenwerk ab. Nach dem großen Erfolg jetzt in überarbeiteter und erweiterter Form als Hardcover, ergänzt unter anderem um die Themen ETFs, CFDs und Niedrigzinsphasen.

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Copyright 2008 der Originalausgabe:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

Copyright 2016 der überarbeiteten und aktualisierten Neuausgabe:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

Covergestaltung: Johanna Wack

Gestaltung und Satz: Jürgen Hetz, Denksportler Grafikmanufaktur

Herstellung: Daniela Freitag

Lektorat: Egbert Neumüller

ISBN 978-3-86470-365-2eISBN 9783864704215

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks,

der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken

oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten

sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Postfach 1449 • 95305 Kulmbach

Tel: +49 9221 9051-0 • Fax: +49 9221 9051-4444

E-Mail: [email protected]

www.boersenbuchverlag.de

www.facebook.com/boersenbuchverlag

INHALT

Vorwort

Kapitel 1▶ Historie

Kapitel 2▶ Grundlagen

Kapitel 3▶ So funktioniert die Börse

Kapitel 4▶ So beurteile ich ein Investment

Kapitel 5▶ Strategie und Strategen

Schlusswort

Glossar

Stichwortverzeichnis

Literaturtipps

VORWORT

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Älteren unter Ihnen mögen sich vielleicht noch dunkel erinnern: Es gab einmal eine Zeit, da war das Sparen eine einfache Angelegenheit. Man deponierte sein Geld auf dem Sparbuch, und bei durchschnittlich ungefähr drei Prozent pro Jahr Verzinsung wurde aus diesem Kapital im Laufe der Zeit, auch dank des Zinseszinseffekts, ein immer größerer Betrag. Nach diesem Prinzip bauten ganze Generationen ihre Altersvorsorge aus. Unkompliziert und risikolos. Ohne viel nachzudenken, geschweige denn sich großartig über Alternativen Gedanken zu machen. Man mag es kaum glauben, aber diese Zeit ist gar nicht so lange her.

Heute ist die Situation eine andere. Unter anderem um die Folgen der weltweiten Finanzkrise des Jahres 2008 zu bewältigen, haben die weltweiten Notenbanken mittlerweile verschiedene Hebel in Bewegung gesetzt. Einer davon war, die Leitzinsen zu senken. Die Folge: Mit nahezu allen Zinsen ging es bergab – und somit auch mit dem Zins auf die Einlagen der Sparer. Sparbuch, Tages- und Festgeld reichen damit mittlerweile nur noch mit Mühe – wenn überhaupt – aus, um die Inflation auszugleichen. Das traurige Ergebnis: Unter dem Strich bleibt dem Sparer kaum etwas.

Nun ist es so, dass dieser Anlagenotstand auch Profiteure hat. Etwa den Aktienmarkt der Jahre 2012 bis 2015, als die Börsen weltweit nahezu ausnahmslos stiegen und stiegen. Immer wieder waren in den Medien Schlagzeilen von neuen Rekordständen von DAX und Co zu lesen. Doch richtig Geld verdient haben damit paradoxerweise fast nur diejenigen, die ohnehin schon reich waren. Weil sie zu den wenigen gehörten, die in den Aktienmarkt investiert hatten. Der Aufschwung an den Börsen ist am „normalen“ Sparer vorübergegangen. Weil dieser in der Regel schlichtweg nicht in Aktien investiert ist.

Zwar nimmt die jahrelang peu à peu gesunkene Reputation von Aktien beim deutschen Durchschnittsbürger ganz langsam wieder zu, so haben im Jahr 2015 immerhin rund neun Millionen Deutsche in Aktien oder Aktienfonds investiert, nach nicht einmal achteinhalb im Vorjahr. Doch angesichts einer Gesamtbevölkerung von Deutschland von über 80 Millionen weist das Deutsche Aktieninstitut (DAI) in aller Regelmäßigkeit zu Recht darauf hin, dass eine gewisse Ignoranz der Deutschen in Sachen Aktien bestehen bleibt. Und diese Ignoranz ist hartnäckig – und wenig sinnvoll. So legt das DAI ebenfalls schon seit Jahrzehnten anhand von Statistiken dar, dass Aktien auf lange Sicht eine der besten Geldanlagen sind. Worin liegt also das Problem der Deutschen mit der Aktie begründet?

Als eine der Ursachen dafür lässt sich die Angst identifizieren. Viele Anleger, speziell deutsche, sind in der Zeit um die Jahrtausendwende im Zuge des Platzens der sogenannten Internetblase am Neuen Markt mit ihren Depots ordentlich unter die Räder gekommen. Die Erfahrungen, die sie damals machten, haben viele Deutsche, die sich erstmals am Aktienmarkt versucht hatten, womöglich für immer davon vertrieben. Und wer die Energie hatte, dabeizubleiben, dem wurden spätestens durch die Finanzkrise und in deren Folge durch die Euro-Schuldenkrise erneute Wunden ins Depot gerissen – und damit in das Vertrauen in Aktien.

Wir glauben allerdings, dass selbst an der Börse Wunden heilen. Und dass sie auch heilen müssen, da die Alternativen zu Aktien wie Sparbuch, Fest- und Tagesgeld aus den genannten Gründen seit einigen Jahren keine mehr sind. Wir vermuten auch, dass sich viele Deutsche von der Börse fernhalten, weil sie einfach nicht wissen, was es mit ihr auf sich hat. Sie sind sich nicht im Klaren darüber, welche umfangreichen Chancen Aktien bieten, sind sich allerdings hundertprozentig sicher, dass diese mit extremen Risiken behaftet sind.

Genau hier setzt „Crashkurs Börse“ an. Dieses Buch klärt auf, was die Börse und ihre Risiken sind, was den Aktienmarkt ausmacht und wie man ihn als Anleger nutzen kann – ob für die Altersvorsorge, um sich kleine Träume zu erfüllen, aus Neugier oder einfach aus Spaß. „Crashkurs Börse“ greift verschiedene Facetten auf: Das Buch stellt die grundlegenden Mechanismen an der Börse vor, wie der Handel funktioniert und welche psychologischen Momente dem Anleger im Wege stehen.

Damit wir uns richtig verstehen: „Crashkurs Börse“ ist kein mit Scheuklappen gehaltenes Plädoyer für den Aktienmarkt. Mit diesem Buch wollen wir diejenigen unterstützen, die sich selbst ein Bild darüber machen wollen, wie Börse funktioniert, und die mit diesem Wissen dann für sich entscheiden sollen, ob ein Aktienengagement das Richtige für sie ist – oder eben nicht. Der Umstand, dass hier mittlerweile die vierte Auflage von „Crashkurs Börse“ vor Ihnen liegt, gibt uns recht, zeigt er uns doch auch, dass durchaus Interesse an der Börse vorhanden ist – und eben auch der Bedarf an Basiswissen zu diesem mitunter von Fachsprache nur so triefenden Thema.

Kurz vor Beginn der Arbeiten zu dieser vierten Auflage verstarb einer der Mitautoren, unser Freund und ehemaliger Kollege Frank Phillipps. Wir werden die Zeit mit ihm nicht vergessen und hoffen, mit dieser aktualisierten und um einige Aspekte ergänzten Auflage unser gemeinsames Werk auch in seinem Sinne weiterentwickelt zu haben.

Kulmbach, im Juni 2016Sebastian Grebe, Sascha Grundmann

KAPITEL 1

HISTORIE

Jede Geschichte hat einen Anfang. Und wenn Sie beginnen, ein neues Buch zu lesen, dann werden Sie in den seltensten Fällen in der Mitte oder am Ende starten. Sie tun gut daran, den Anfang zu kennen, den Ursprung, aus dem sich die Handlung entwickelt hat. So ist es auch bei der Geschichte der Börse. Auch an der Börse ist es durchaus nützlich, sich klarzumachen, wo ihre Ursprünge liegen, aus welchen Entwicklungen sie hervorgegangen ist und welche Faktoren sie in den letzten Jahrhunderten maßgeblich beeinflusst haben. Dies beginnt bereits mit der Frage, woher eigentlich der Name „Börse“ kommt. Die Beantwortung dieser Frage führt uns ins Belgien der frühen Neuzeit.

Woher kommt der Begriff „Börse“?

Warum die Börse „Börse“ heißt, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Es gibt jedoch drei unterschiedliche Theorien. Und die weisen alle ins heutige Belgien: Der Begriff „Börse“ könnte sich demnach vom Namen der belgischen Patrizierfamilie De Bourse ableiten. Vor deren Haus in Brügge sollen sich im 16. Jahrhundert regelmäßig Kaufleute, vornehmlich aus Italien, zu Geschäftsgesprächen getroffen haben. Einer anderen Deutung zufolge soll der Begriff „Börse“ aus der Verschmelzung des Familiennamens Van der Beurse, ebenfalls eine belgische Patrizierfamilie, mit dem lateinischen Wort „bursa“ (Fell, Ledersack) entstanden sein. Schließlich könnte das Wort „Börse“ auch eine Abänderung des Namens für den Marktplatz „ter buerse“ der belgischen Stadt Brügge sein.

Die ältesten Börsen der Welt

Dass bei der Namensetymologie alle Spuren ins heutige Belgien weisen, genauer gesagt nach Brügge, ist kein Zufall. Denn hier – und da sind sich die Gelehrten einig – wurde im Jahr 1409 die erste Börse überhaupt gegründet. Von der Börse, wie wir sie heute kennen, war die in Brügge jedoch noch weit entfernt. Vielmehr war sie eine Fortentwicklung der Warenmärkte und -messen, auf denen schon im Mittelalter in unregelmäßigen Abständen Handel getrieben wurde.

Die älteste Börse Deutschlands wurde 1540 in Augsburg gegründet, maßgeblich beeinflusst von der Handelsfamilie Fugger, die seit 1367 in Augsburg ansässig und vor allem für ihre Tuchwaren berühmt war. Auf Druck der Nationalsozialisten fusionierte die Augsburger Börse 1935 mit der Börse München zur Bayerischen Wertpapierbörse mit Sitz in München. Die Augsburger Börse wurde geschlossen, das Gebäude in der Maximilianstraße bei einem Luftangriff im Jahr 1944 fast vollständig zerstört. Die Ruine wurde später komplett abgetragen. Heute ist das Gelände Teil des neuen Rathausplatzes.

Die erste „moderne“ Börse

Als Wiege des modernen Börsen- und Aktienwesens gelten jedoch unter Experten bis heute die Niederlande zur Kolonialzeit. In der Hafenmetropole Amsterdam wurde 1613 die erste Börse moderner Prägung eröffnet. Unter anderem wurden hier die Anteilscheine der Holländisch-Ostindischen Kompanie gehandelt, die als erste Aktiengesellschaft der Welt gilt. Die Gesellschaft wurde 1602 in den Niederlanden gegründet und trieb Überseehandel mit Gewürzen, Sklaven und allerlei mehr.

Die Schifffahrtsexpeditionen in fremde Länder dauerten nicht nur viele Monate und waren sehr risikoreich, sondern auch ausgesprochen teuer. Schließlich mussten die Schiffe, die Mannschaften und der Proviant vorab bezahlt werden. Aus diesem Grund suchte das Unternehmen nach Geldgebern – und fand sie an der Börse. Für einen bestimmten Betrag kauften die Geschäftsleute Anteile am Unternehmen. Mit dem Geld finanzierte die Holländisch-Ostindische Kompanie ihre Expedition und garantierte dem Anteilseigner damit gleichzeitig einen bestimmten Anteil vom Gewinn, sollte das Schiff wohlbehalten zurückkehren und sollten sich die Waren entsprechend absetzen lassen.

Heute noch erhaltene Aufzeichnungen über die Entwicklung des Aktienkurses der Holländisch-Ostindischen Kompanie zeugen davon, dass damals der Aktienhandel besonders stark von Spekulationen getrieben wurde. Noch vor Ende der Zeichnungsfrist notierte die Aktie des Unternehmens schon 15 Prozent über ihrem eigentlichen Nennwert. Tagesschwankungen von 30 Prozent in die eine oder andere Richtung waren keine Seltenheit. Kein Wunder, schließlich tickten die Uhren damals noch ganz anders als heute. Es gab kein Telefon oder Internet, über das man zuverlässige und unabhängige Informationen erhalten konnte. Informationen, die den Kurs beeinflussen konnten, wie etwa der Untergang eines Schiffes mitsamt der wertvollen Ladung, erreichten die Anleger erst mit Verzögerungen von Monaten. Zudem wurden die Informationen per Mundpropaganda weitergegeben und somit oft verfälscht. Auch dies konnte zu heftigen Kursschwankungen führen.

Ähnlich wie in den Niederlanden entwickelte sich auch in Großbritannien früh ein Aktienwesen. Mit der East India Company nahm 1613 erstmals ein Unternehmen die Form einer Aktiengesellschaft an. Die Handelsgesellschaft, ihren niederländischen Pendants ähnlich, trieb vor allem Handel mit der Kolonie Indien und bestand noch bis ins Jahr 1858.

Eisenbahn als Motor in den USA

Als erste Aktiengesellschaft der Vereinigten Staaten von Amerika gilt heute The Philadelphia Contributionship for Insuring Houses from Loss by Fire. Sie wurde im Jahr 1751 gegründet. Hinter dem sperrigen Namen verbarg sich im Grunde etwas sehr Einfaches, nämlich ein Unternehmen, das Versicherungen gegen Brandschäden anbot.

Für den Durchbruch des Aktienwesens in den USA sorgte jedoch etwas anderes: der Eisenbahnbau. Die infrastrukturelle Erschließung des riesigen Kontinents durch die Eisenbahn verschlang Unsummen. Die riesigen Beträge konnten nur aufgebracht werden, indem man Aktien ausgab und so viele kleinere Vermögen zu einem großen bündelte.

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass der erste Aktienindex der USA den Namen Dow Jones Railroad Average trug. Er wurde von Charles Dow am 3. Juli 1884 erstmals veröffentlicht und ist damit der älteste US-Aktienindex. Von elf gelisteten Gesellschaften handelte es sich bei neun um Eisenbahnunternehmen wie etwa Union Pacific Railroad oder New York Central Railroad. Der Index besteht bis heute, wurde jedoch 1970 in Dow Jones Transportation Average umbenannt. Nachdem sie über Jahrzehnte ein eher stiefmütterliches Dasein führten, erfreuen sich Eisenbahn-Aktien mittlerweile wieder eines größeren Interesses, spätestens seit Investorenlegende Warren Buffett (siehe auch Seite 176) im Jahr 2009 mit seinem Milliarden-Dollar-Engagement bei der US-Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe für Schlagzeilen sorgte.

Deutschland im Hintertreffen

Während also im übrigen Europa und den USA das Aktienwesen florierte, führte es in Deutschland lange Zeit das Dasein eines Mauerblümchens. Als erste deutsche Aktiengesellschaft gilt die Handels-Compagnie auf den Küsten von Guinea. Sie wurde 1682 vom Kurfürsten von Brandenburg gegründet. Zwei Jahre später hatte man das Kapital, insgesamt 48.000 Taler, für den Kauf und die Ausrüstung der Handelsflotte beisammen. Die Geldgeber wurden als Aktionisten bezeichnet, wovon sich das heutige Wort „Aktionär“ ableitet. Für ihr zur Verfügung gestelltes Kapital bekamen die Investoren ein Formular ausgehändigt, das die Höhe ihres Engagements bestätigte. Die erste Aktie war geboren.

Die Unternehmungen der Deutschen verliefen jedoch wenig erfolgreich. Schiffsuntergänge und Kaperungen durch Piraten machten aus dem eigentlich profitablen Handel mit Gewürzen und anderen Rohstoffen ein riesiges Verlustgeschäft. Im Jahr 1700 fuhren nur noch elf der einst 34 Schiffe. 1711 ging die Handels-Compagnie auf den Küsten von Guinea in staatlichen Besitz über. König Friedrich I. beschloss daraufhin, die Geschäftstätigkeit einzustellen. Im Vergleich mit anderen Kolonialmächten wie den Niederlanden oder Großbritannien blieb Deutschland in Sachen Aktienwesen lange im Hintertreffen.

Für den eigentlichen Durchbruch der Aktie sorgte auch hierzulande der Eisenbahnbau. Aktien auf die erste deutsche Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth, die 1835 in Betrieb genommen wurde, entpuppten sich als Riesenerfolg. Investoren konnten damit eine Rendite von bis zu 400 Prozent erzielen. In der Folge schossen Eisenbahngesellschaften wie Pilze aus dem Boden. Innerhalb eines Jahres entstanden in Deutschland 20 neue Aktiengesellschaften rund um das Thema Eisenbahn.

Mit dem Fortschreiten der Industrialisierung setzte sich das Aktienwesen auch in Deutschland immer weiter durch. Der Aufbau von Industrieanlagen und die Beschaffung von Rohstoffen erwiesen sich als so kapitalintensiv, dass sie von einzelnen Unternehmen oder Banken nicht mehr gestemmt werden konnten. Auch hier lag die Lösung in der Emission von Aktien. Zu diesem Zweck wurden Mitte des 19. Jahrhunderts auch sogenannte Aktienbanken gegründet, die sich auf die Finanzierung von Unternehmen durch die Ausgabe von Aktien spezialisierten. Auch heute noch bestehende Banken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank sind aus dieser Entwicklung hervorgegangen.

Die wichtigsten Börsen von heute

Mythos Wall Street –die bedeutendste Börse der Welt

Die bedeutendste Börse der heutigen Zeit befindet sich in den USA. Hinter den Säulen der Fassade, die einem griechischen Tempel der Antike nachempfunden ist, ist in der weltberühmten Wall Street die New Yorker Börse zu Hause. Im Jahr 1863 erhielt sie ihren heutigen Namen New York Stock Exchange (kurz: NYSE) und residiert seit 1903 unter der Adresse 11 Wall Street, New York NY 1005, USA. Ihre Anfänge reichen jedoch weit länger, bis ins Jahr 1792, zurück.

Am 17. Mai 1792 kamen in der Wall Street 24 Broker zusammen. Sie kamen überein, ihren Kunden beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren zukünftig eine Gebühr von einem Viertelprozent des Transaktionsvolumens zu berechnen. Als sogenanntes Buttonwood-Abkommen ging diese Übereinkunft in die Geschichte ein. Der Name leitet sich vom Buttonwood-Baum ab, unter dem die Verträge damals unterzeichnet worden sein sollen.

Als die New Yorker Börse 1792 ihre Tore erstmalig öffnete, wurden gerade einmal fünf verschiedene Wertpapiere gehandelt: drei US-Staatsanleihen, die zwei Jahre zuvor ausgegeben worden waren, und die Anteilscheine zweier Banken, darunter die Bank of New York. In den ersten 100 Jahren ihres Bestehens wechselten an der New Yorker Börse oft nur wenige Aktien am Tag ihren Besitzer. In ihrer Liste der Rekorde führt die NYSE den 16. März 1830 als den Tag mit dem geringsten jemals gemessenen Handelsvolumen. An diesem Tag wurden 31 von insgesamt 80 Millionen Aktien gehandelt.

In der Zwischenzeit hat sich dieses Bild jedoch erheblich gewandelt. Im Jahr 2008 waren es bereits über 3.500 Firmen, die ihre Aktien an der New Yorker Börse verkauften. Täglich werden an der NYSE derzeit mehr als fünf Milliarden Wertpapiere gehandelt. Als Tag mit dem höchsten jemals gemessenen Handelsvolumen steht bislang der 10. Oktober 2008 in den Annalen. An diesem Tag wurden an der NYSE exakt 7,341,505,961 Aktien umgesetzt, also gut 7,3 Milliarden.

Im Frühjahr 2007 schloss sich die NYSE mit der europäischen Euronext zusammen und firmierte von da an unter dem Namen NYSE Euronext. Gemeinsam bildeten die beiden vereinigten Unternehmen den ersten weltumspannenden Börsenplatz. Die Fusion von NYSE und Euronext führte dazu, dass sich andere Börsen auf die Suche nach möglichen Partnern begaben, um eine kritische Masse zu erreichen und dem amerikanisch-europäischen Konkurrenten Paroli zu bieten, allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Doch auch die Ära der NYSE Euronext war nicht von langer Dauer: Nachdem eine Fusion mit der Deutschen Börse im Februar 2012 von der EU-Kommission untersagt worden war, wurde NYSE Euronext Ende desselben Jahres von einem weiteren Börsenbetreiber, der IntercontinentalExchange (ICE), übernommen. ICE wiederum spaltete Euronext 2014 ab – und machte somit die Fusion von 2007 wieder rückgängig.

Die New Yorker Börse war auch Schauplatz legendärer Börsencrashs. Der sicherlich folgenschwerste Zusammenbruch ereignete sich im Jahr 1929. Zunächst ließen nur leichte Sorgen um die Konjunktur die Kurse an der NYSE bereits seit mehreren Wochen fallen, als am 24. Oktober die nackte Panik um sich griff und Anleger dem Aktienmarkt fluchtartig den Rücken kehrten. Dieser Tag ging in den USA als „Schwarzer Donnerstag“ in die Börsengeschichte ein. Weil es durch die Zeitverschiebung in Übersee erst am nächsten Handelstag zum Einbruch kam, kennen Europäer diesen Tag als „Schwarzen Freitag“.

Der 24. Oktober stellte den Anfangspunkt einer Abwärtsbewegung dar, die erst im Sommer 1932 ihren Tiefpunkt erreichen sollte: Am 8. Juli 1932 markierte der Dow Jones Index seinen Tiefstand und notierte fast 90 Prozent unter seinem Höchststand vom September 1929. Der Börsencrash von 1929 gilt als Auslöser für die Weltwirtschaftskrise, die die sogenannten „Goldenen Zwanziger“ ein für alle Mal beendete.

Der Dow Jones – der Leitindex der Welt

Der Leitindex der New Yorker Börse ist der Dow Jones Industrial Average, kurz Dow Jones oder auch nur Dow. Das Börsenbarometer wurde von Charles Henry Dow und Edward David Jones, den Gründern des Wall Street Journals, als sogenannter Kursindex ins Leben gerufen, um die Entwicklung des US-Aktienmarkts zu dokumentieren. Als der Index am 26. Mai 1896 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, waren in ihm elf Unternehmen gelistet. Heute sind im Dow Jones 30 der größten US-Konzerne enthalten. Von den elf Gründungsmitgliedern ist heute nur noch General Electric im Index vertreten. Der US-Mischkonzern war mit einer kurzen Unterbrechung von 1898 bis 1907 immer im Dow Jones gelistet. Die Auswahl der Titel trifft heute ebenso wie damals die Redaktion des Wall Street Journals.

Abb. 1.0 - Dow Jones (in Punkten)

Bei seiner Auflegung im Mai 1896 notierte der Dow Jones bei 40,94 Punkten. Seinen tiefsten Stand erreichte das Börsenbarometer nur zwei Monate später bei 28,84 Punkten. Den höchsten jemals erreichten Stand notierten die Historiker bisher bei rund 18.622 Punkten im Juli des Jahres 2016. Den nach Punkten größten Anstieg innerhalb eines Tages erlebte der Dow Jones am 13. Oktober 2008, als er binnen weniger Stunden um 936 Punkte in die Höhe schoss. Den höchsten Verlust nach Punkten beklagte der Dow nur wenige Tage vorher, am 29. September desselben Jahres. Damals ging es für den Index in wenigen Stunden um knapp 778 Zähler in die Tiefe. Diese historisch heftigen Kursschwankungen innerhalb weniger Tage waren allesamt Folgen der US-Immobilienkrise.

Der Dow Jones Industrial Average ist nicht nur einer der ältesten Indizes der Welt, sondern er gilt bis heute als einer wichtigsten. Da die US-Wirtschaft nach wie vor als Maßstab für die Weltwirtschaft fungiert, orientieren sich auch die meisten anderen Börsenbarometer rund um den Globus weitgehend am Dow Jones.

Die Dow-Jones-Unternehmen im Überblick

Stand 14.07.16

Die Nasdaq – mit Computern zum Erfolg

New York ist jedoch nicht nur Heimat der bedeutendsten Börse der Welt, sondern hier ist auch – gemessen an der Zahl der an ihr gelisteten Unternehmen – die größte Börse der Welt zu Hause: die National Association of Securities Dealers Automated Quotations oder kurz und prägnant Nasdaq. An der Nasdaq, die 1971 als erste vollelektronische Handelsplattform an den Start ging, sind derzeit Aktien von mehr als 3.000 Unternehmen gelistet. Viele von ihnen stammen aus dem Technologiesektor, weshalb häufig von der „Technologiebörse Nasdaq“ gesprochen wird. Zu den an der Nasdaq gelisteten Firmen zählen so bekannte Namen wie Amazon, Ebay oder Alphabet (früher Google).

Täglich wechseln an der Nasdaq im Durchschnitt etwa zwei Milliarden Aktien den Besitzer. Als Tag mit dem größten Handelsvolumen steht bisher der 26. Juni 2009 in den Geschichtsbüchern. An diesem Tag wurden an der Nasdaq 5.214.013.855 Aktien gehandelt. Als Leitindex der Computerbörse Nasdaq fungiert der Nasdaq Composite Index. Durch ihn wird die Wertentwicklung aller 3.100 im Index enthaltenen Titel abgebildet. Aufgelegt wurde der Nasdaq Composite am 5. Februar 1971 bei einer Basis von 100 Punkten.

Bis er die Marke von 500 Punkten geknackt hatte, brauchte der Nasdaq Composite fast exakt 20 Jahre. Am 12. Februar 1991 schloss der Index erstmals bei 501,62 Punkten. Danach beschleunigte sich die Aufwärtsbewegung. Die 1.000-Punkte-Marke fiel im Sommer 1995, 2.000 Punkte waren im Juli 1998 erreicht. Danach ging es Schlag auf Schlag: Im Sog der Euphorie um Internet- und andere Technologiewerte, der sogenannten Dotcom-Blase, fielen im Jahresverlauf 1999 die Marken von 3.000 und 4.000 Punkten.

Abb. 1.1 - Nasdaq Composite (in Punkten)

Einen besonderen Meilenstein erreichte der Index auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms im März 2000. Am 10. März kletterte das Technologieaktien-Barometer im Tagesverlauf auf 5.132,52 Punkte. Der Schlussstand betrug 5.048,62 Punkte – und bedeutete gegenüber der Auflegung im Jahr 1971 ein Plus von fast 5.000 Prozent.. So hoch ging der Nasdaq Composite danach lange nicht mehr aus dem Handel: Im Zuge des Platzens der Dotcom-Blase stürzte der Index in die Nähe der 1.000-Punkte-Marke ab – es dauerte mehr als ein Jahrzehnt, bis er im April 2015 wieder das Hoch des Jahres 2000 überschritt. Den bisher höchsten Stand erklomm er im Juli 2015 bei 5.231 Punkten

Den höchsten prozentualen Tagesverlust musste der Nasdaq Composite am 19. Oktober 1987 hinnehmen. Das Minus lag damals bei 11,4 Prozent. Den höchsten prozentualen Zuwachs binnen eines Tages verzeichnete der Index am 3. Januar 2001 mit einem Gewinn von 14,2 Prozent. Für Anleger ist der Handel an der Nasdaq börsentäglich zwischen 15:30 und 22:00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit möglich.

Die Frankfurter Wertpapierbörse – der wichtigste Börsenplatz in Deutschland und Europa

Nomen est omen: „Börsenplatz“ lautet die Adresse der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main. Die Frankfurter Börse ist nicht nur in Deutschland unangefochtener Platzhirsch, sondern hat auch im europäischen Vergleich die Nase vorn. Heute werden an der Frankfurter Wertpapierbörse über eine Million verschiedene Wertpapiere gehandelt – von der Aktie über Fonds und Zertifikate bis hin zu Anleihen. Ihre Wurzeln hat die Frankfurter Börse jedoch im Devisenhandel.

Als Geburtsjahr der Frankfurter Wertpapierbörse gilt 1585. In diesen Zeiten des Deutschen Reiches wurde in jedem einzelnen Territorium mit einer anderen Währung gezahlt. Damals kamen in Frankfurt Kaufleute zusammen, um ein einheitliches Wechselkurssystem zu beschließen und so einen fairen Handel zu gewährleisten sowie den damals weitverbreiteten Währungsbetrügereien Einhalt zu gebieten. Historiker haben die Ursprünge der Frankfurter Börse sogar noch weiter bis ins tiefste Mittelalter zurückverfolgt. Sie gehen davon aus, dass die um 1150 erstmalig erwähnte Frankfurter Herbstmesse, bei der wohl Waren der jüngsten Ernte an den Mann gebracht wurden, als Keimzelle der heutigen Frankfurter Wertpapierbörse gelten kann.

Der Devisenhandel blieb dann auch lange der bedeutendste Geschäftsbereich der Frankfurter Börse. Erst Ende des 17. Jahrhunderts begann der Handel mit Schuldscheinen und Anleihen. Erstmals konnten auch Privatleute am Börsenhandel teilhaben. Anfang des 19. Jahrhunderts avancierte die Frankfurter Wertpapierbörse endgültig zu einem Finanzplatz von weltweiter Geltung. Zu verdanken war dies insbesondere dem großen Einfluss des Bankhauses Rothschild, das maßgeblich die europäischen Fürstenhäuser in Europa finanzierte. Durch die beiden Weltkriege arg in Mitleidenschaft gezogen, konnte die Frankfurter Börse erst nach der Währungsreform im Jahr 1948 wieder an Bedeutung gewinnen. Als 1956 auch der Handel mit ausländischen Wertpapieren wieder erlaubt wurde, trug die Börse ihr Teil zum deutschen Wirtschaftswunder bei und stieg wieder in die erste Reihe deutscher und europäischer Börsen auf.

Dort ist sie heute nicht mehr wegzudenken. Allein hierzulande werden 98 Prozent aller Transaktionen mit deutschen Standardwerten über den Parketthandel der Frankfurter Börse oder über deren elektronische Handelsplattform Xetra abgewickelt. Apropos Standardwert: Die Deutsche Börse AG, Trägerin und Betreiberin der Frankfurter Wertpapierbörse, ist seit Dezember 2002 selbst ein solcher. Im Februar 2001 an die Börse gekommen, stieg die Deutsche Börse AG Ende 2002 in den deutschen Leitindex DAX auf.

Neben der Frankfurter Wertpapierbörse gibt es in Deutschland eine Handvoll weiterer Börsenplätze, die auch als Regionalbörsen bezeichnet werden. Hier werden unter anderem Aktien regionaler Unternehmen gehandelt. Manche Regionalbörsen haben sich jedoch auch auf einzelne Marktsegmente spezialisiert. So ist die Börse Stuttgart vor allem für ihren Derivatehandel bekannt. Die Börse Berlin hingegen zeichnet sich vor allem durch ihren hohen Umsatz mit Aktien internationaler Unternehmen aus.

Der DAX – DeutschlandsBarometer für Standardwerte

Was für die Amerikaner der Dow Jones ist, ist für den deutschen Börsianer der DAX (kurz für Deutscher Aktienindex). Der Leitindex der deutschen Börse wurde 1988 als Koproduktion der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Wertpapierbörsen, der Frankfurter Wertpapierbörse und der Börsen-Zeitung aufgelegt. Im DAX gelistet sind die 30 deutschen Unternehmen, die den höchsten Börsenwert, auch Marktkapitalisierung genannt, und gleichzeitig den höchsten Börsenumsatz aufweisen. Letzterer wird ermittelt, indem die tatsächlich an der Börse innerhalb eines Tages oder eines Monats gehandelten Stücke mit dem Aktienkurs multipliziert werden. Da Aktienkurs und Handelsvolumen schwanken, prüft die Deutsche Börse im Allgemeinen einmal pro Jahr, ob die aktuelle Zusammensetzung noch den reellen Anforderungen entspricht. Wenn nicht, erfolgt meist im September eine Indexanpassung. Neu in den Index aufsteigen kann ein Unternehmen, dessen Börsenwert auf der Rangliste unter den Top 30 rangiert. Voraussetzung ist allerdings, dass ein aktuelles DAX-Mitglied zeitgleich auf Position 35 oder schlechter zurückgefallen sein muss. Zudem müssen alle Unternehmen, die in den DAX wollen, die Kriterien erfüllen, die die Deutsche Börse für den sogenannten Prime Standard als Mindestanforderungen gestellt hat. Dazu gehören zum Beispiel regelmäßige (quartalsweise) Berichte über die Finanzlage und die Pflicht zur Veröffentlichung kursrelevanter Neuigkeiten.

Im Gegensatz zu seinem großen Bruder, dem Dow Jones, ist der DAX ein Performance-Index. Das heißt, nicht nur die reine Entwicklung der Kurse der einzelnen DAX-Aktien ist von Bedeutung. In die Wertentwicklung fließt auch die Kapitalvermehrung zum Beispiel durch Dividenden mit ein. In diesem Fall wird bei der Berechnung unterstellt, dass Dividendenzahlungen in voller Höhe reinvestiert werden.

Die DAX-Unternehmen im Überblick

Stand 14.07.16

Abb. 1.2 - DAX (in Punkten)

Seinen bisherigen Höchststand erreichte der DAX am 10. April 2015 mit 12.390 Punkten: Befeuert von den expansiven geldpolitischen Maßnahmen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank EZB sowie begünstigt durch den damit einhergehenden Niedrigzins bei traditionellen Anlagen wie Fest- und Tagesgeld hatte der deutsche Aktienindex vier Jahre lang Anlauf auf diesen Rekord genommen. Apropos Fed: Sehr häufig orientiert sich der DAX in seinem Kursverhalten auch an seinem US-Vorbild Dow Jones.

Den höchsten prozentualen Tagesverlust erlitt der DAX am 16. Oktober 1989. Damals ging der deutsche Leitindex um 12,8 Prozent in die Knie. Den höchsten Gewinn verbuchte das wichtigste deutsche Börsenbarometer am 13. Oktober 2008. An diesem Tag betrug das Plus 11,4 Prozent.

Der DAX verfügt mittlerweile über eine ganze „Familie“. Um auch die Aktien mittelgroßer und kleiner Unternehmen aus Deutschland zu erfassen, hat die Deutsche Börse AG die Indizes MDAX und SDAX ins Leben gerufen. Deutsche Technologietitel werden im TecDAX zusammengefasst.

Die Tokioter Börse –Hightech mit Tücken in Fernost

Die Tokioter Börse wurde 1878 gegründet. Zu dieser Zeit flitzten die Aktienhändler noch im traditionellen Kimono über das Parkett. Gehandelt wurden lediglich einige wenige Aktien, insbesondere die der Börse Tokio selbst. In den 1930er-Jahren wurden vor allem japanische Staatsanleihen verkauft, mit denen die Regierung die finanziellen Belastungen des Zweiten Weltkriegs auszugleichen versuchte. Im Jahr 1943 fusionierte die Börse Tokio mit elf japanischen Regionalbörsen und stieg damit endgültig zur größten Börse Japans und Ostasiens auf. Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs, aus dem Japan als einer der Verlierer hervorging, kam der Börsenhandel zwischen August 1945 und Mai 1949 vollständig zum Erliegen.

Da Japan schwer unter den Folgen des verlorenen Krieges litt, erholte sich auch die Börse nur schleppend. Noch in den 1950er- und 1960er-Jahren ging es an der Börse Tokio so anachronistisch zu, wie man sich es vom heutigen Hightech-Land Japan kaum vorstellen kann. Damals wurden die Kurse noch mit Kreide auf Schiefertafeln geschrieben. Umso härter fiel der Kulturschock für die traditionsbewussten Japaner aus, als am 30. April 1999 dem Parketthandel an der Tokioter Börse das letzte Stündlein schlug. In der Folge wurde der Handel komplett auf ein elektronisches Handelssystem umgestellt.