Bewerben mit Videos und Videochat - inkl. Arbeitshilfen online - Robindro Ullah - ebook

Bewerben mit Videos und Videochat - inkl. Arbeitshilfen online ebook

Robindro Ullah

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Opis

So sieht ein aussagekräftiges Bewerbungsvideo aus! Zwei Experten erklären Ihnen die technischen und inhaltlichen Gesichtspunkte. Sie beantworten alle wichtigen Fragen praktisch und im Detail: Was ist ein geeigneter Hintergrund? Wie gestalte ich den Bildausschnitt? Wie lang soll ein Bewerbungsvideo sein und wie ist es aufgebaut? Das Buch gibt Ihnen Impulse für kreative Ideen und hilft Ihnen typische Fehler zu vermeiden.   Inhalte: - Aufbau und Planung meiner Videobewerbung - Technische Fragen: Reicht mein Smartphone aus, welches Dateiformat wähle ich? - Die optimale Struktur und Länge für das Video - Wie viel Persönlichkeit nützt meinem Video? - Nachbearbeitung: Welche Effekte und Filter sind sinnvoll? - Stolperfallen beim Videodreh und Checkliste zur Videokontrolle - Das interaktive Bewerbervideo - Das Bewerbungsgespräch per Videochat: Knigge, Tipps & Tricks  Arbeitshilfen online: - Beispielvideos als Hilfestellung und Anregung für die Entwicklung eigener Ideen  Auszeichnungen: - Der Autor Jubin Honarfar hat mit seiner Firma whatchado den HR Excellence Award 2017 gewonnen. 

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MOBI

Liczba stron: 212




Inhaltsverzeichnis

Einführung

1Warum die Videobewerbung nun aktuell wird

1.1Entwicklung der sozialen Netzwerke – vom Text zum Bild zum Video

1.2Technische Hürden, die es zu überwinden gilt

2Videobewerbung versus videobasierte Personalauswahl

2.1Videotechnik im Auswahlprozess

2.2Video als Bewerbungstool

2.3Bewerbungsstrategien

3Aufbau und Planung einer Videobewerbung

3.1Reicht mein Smartphone aus?

3.2Welche Dateiformate gibt es?

3.3Wie lässt sich ein Video verschicken oder veröffentlichen?

3.4Muss ich das Video nachbearbeiten?

3.5Wie lässt sich ein Video strukturieren?

3.6Was ist die optimale Länge?

3.7Wie viel Persönlichkeit sollte in das Video?

4Das Video-Setting

4.1Welche Hintergründe sind für ein Bewerbungsvideo geeignet?

4.2Stolperfallen beim Videodreh

4.3Checkliste Videobewerbung

4.4Was ist bei der Outfit-Auswahl wichtig?

4.5Welcher Ausschnitt ist der richtige?

5Kreative Ideen zur Umsetzung

5.1Die Videobewerbung bei Unternehmen, die diese eigentlich nicht annehmen

5.2Interaktive Bewerbervideos und Bewerbungsbots

5.3Stop-Motion

5.4Nutshell-Effekt

5.5Filter in der Bewerbung?

5.6Clip-App

5.7Live

6Einschätzung der Unternehmen

6.1Welchen Unternehmen kann ich eine Videobewerbung schicken?

6.2Die Entwicklung am Arbeitsmarkt aus Unternehmenssicht

Nachwort: Finden Sie Ihren Traumjob

Glossar

Blogs und Plattformen rund um das Thema Bewerbung

Literatur

Die Autoren

Stichwortverzeichnis

Arbeitshilfen online

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Hinweis zum Urheberrecht

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Print: Bestell-Nr. 14039-0001 ISBN: 978-3-648-09476-1

ePub: Bestell-Nr. 14039-0100 ISBN: 978-3-648-09481-5

ePDF: Bestell-Nr. 14039-0150 ISBN: 978-3-648-09482-2

Robindro Ullah/Jubin Honarfar

Bewerben mit Videos und Videochat

1. Auflage 2017

© 2017 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

www.haufe.de

[email protected]

Produktmanagement: Jasmin Jallad

Lektorat und Satz: Cornelia Rüping, 81245 München

Umschlag: RED GmbH, Krailling

Druck: BELTZ Bad Langensalza GmbH, Bad Langensalza

Alle Angaben/Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit. Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe (einschließlich Mikrokopie) sowie der Auswertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen, vorbehalten.

Einführung

Wir möchten Sie herzlich willkommen heißen in Ihrem Handbuch zur erfolgreichen Videobewerbung. Dieser Begriff ist noch nicht sehr alt, er wird erst in letzter Zeit immer mal wieder ins Spiel gebracht. Moderne Technologien, die Entwicklung der Social Media im Internet und nicht zuletzt der gesunde Menschenverstand (Hausverstand) legt Bewerbungen per Video nahe. Doch sehen wir uns um, so scheint der Arbeitsmarkt noch nicht ganz so weit zu sein. Aus unserer Sicht bedeutet dies nicht, dass man die Videobewerbung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, sondern sich schon heute mit diesem modernen Weg der Bewerbung befassen sollte.

Darüber hinaus gilt: Auch für Bewerber, die eine Arbeitsstelle suchen, steht das Thema Personal-Reputation-Management auf der Agenda. Es geht darum, eine Marke basierend auf dem eigenen Können und der eigenen Persönlichkeit auszubilden. Gepflegte Profile und ein professioneller Online-Auftritt sollten bereits heute selbstverständlich sein, zukünftig wird dieser Auftritt durch ein Video komplettiert. Sich als Person darzustellen und den eigenen Online-Auftritt bewusst zu steuern wird wichtiger werden, denn wir leben in einer vernetzten Welt. Sich hier auszunehmen wird bald keine Option mehr sein. Vernetzung verstehen wir hierbei sowohl technisch wie auch ideell. Dieses Buch gibt Ihnen außerdem für Ihr Reputationsmanagement Anregungen, doch in erster Linie fokussieren wir uns auf den eigentlichen Bewerbungsprozess und darauf, wie Sie diesen mit Video möglichst optimal gestalten können.

Inzwischen hat die bildbasierte Kommunikation fast überall Einzug gehalten, eine wesentliche Ausnahme scheint es hier allerdings zu geben: den Arbeitsmarkt. In der arbeitgeberseitigen Kommunikation existieren zwar schon seit Jahren Formate, bei denen Video als Transportmittel für Botschaften genutzt wird. Sehen wir uns aber die Ergebnisse an, muss ganz klar gesagt werden: Hier ist noch Luft nach oben – ganz viel Luft. Die Kunst besteht nicht darin, ein professionelles Arbeitgebervideo zu erstellen – das kann man bei Dienstleistern einkaufen. Der schwierige Teil ist die Emotionalisierung. Wie lassen sich die wesentlichen differenzierenden Botschaften in ein Video einbringen? Das scheinen nur die wenigsten Arbeitgeber zu wissen.

Bei unserem Hauptthema, der Videobewerbung, sieht es so aus, als würden wir noch im Mittelalter verharren. Wer glaubt, dass sich durch die Einführung der E-Mail- oder der Online-Bewerbung prinzipiell etwas geändert hätte, irrt sich. Eine wirkliche Revolution hat mit dem Wechsel von der analogen zur digitalen Bewerbung nicht stattgefunden. Zwar lassen sich die Informationen schneller transportieren, doch während sich nahezu die gesamte Welt verändert hat und Kommunikationsformen völlig auf den Kopf gestellt worden sind, verharrt ein kleiner scheinbar unwesentlicher Teil der Businesswelt im Dornröschenschlaf. Erst der Sprung zur Videobewerbung wird den gesamten Bewerbungsprozess nachhaltig beeinflussen und grundlegend verändern. Sie stellt eine völlig neue Form der Kommunikation innerhalb des Prozesses dar. Welche Möglichkeiten sich damit eröffnen, haben bis dato weder die Unternehmen noch die Bewerber erkannt.

Für sinnvolle Videobewerbungen ist eine komplexere Art des Denkens erforderlich. Dieses neue Verständnis wird in zweierlei Hinsicht benötigt: Zum einen brauchen Sie es, um Videos zielführend gestalten zu können. Zum anderen geht es um die Kompetenz, Videos zu verstehen. Machen Sie sich zunächst von dem Gedanken frei, das Videos doch sowieso zum Alltag gehören, weil Sie sie schon seit der Kindheit kennen. Videos zu konsumieren, auszuwerten oder zu erstellen sind tatsächlich drei völlig verschiedene Bereiche. Mit dem Bewerbungskontext kommt letztlich noch eine weitere Dimension hinzu. Zu den verschiedenen Genres am Markt wird sicherlich sehr bald die Kategorie Lebenslauf hinzukommen. Es wird sich eine ganz eigene Art und Weise entwickeln, wie sich das eigene Leben in Bewegtbild für den Bewerbungsprozess darstellen lässt.

Mit diesem Buch wollen wir Ihnen den Einstieg in das Thema Video erleichtern. Wir beide sind der festen Überzeugung, dass Unternehmen schon sehr bald dieses Medium standardmäßig in ihre Bewerbungsprozesse integrieren werden. Natürlich gibt es wie bei jedem Paradigmenwechsel auch Gegner. Als das Buch eingeführt wurde, herrschte allgemein die Gewissheit, dass Lesen faul und dumm mache. Menschen säßen plötzlich bewegungslos herum, würden sich kaum bewegen und nichts tun. Oder wie anfangs die Lokomotiven verteufelt wurden: Wer sich mit einer Geschwindigkeit von über 30 Stundenkilometern fortbewegt, würde schwere körperliche Schäden erleiden – so die Annahme vor über 170 Jahren. Für den Bereich der Bewerbung ist das Umdenken hin zu Video ähnlich spektakulär, auch wenn es sich objektiv betrachtet nicht mit historischen Ereignissen wie der Erfindung der Lokomotive vergleichen lässt. Es ist eher der Sturm im Wasserglas, den wir mit unseren Ausführungen begleiten wollen.

Das Buch haben wir grob in drei Abschnitte unterteilt:

■Bewerbungsstrategien

■Erstellung einer Videobewerbung

■Ausbau und kreative Gestaltung der Videos

Zudem war uns wichtig, dass Sie erfahren, wie sich das Thema grundsätzlich am Arbeitsmarkt darstellt. Nur wer die Hintergründe versteht und über den aktuellen Stand bezüglich Videobewerbung in den Unternehmen Bescheid weiß, kann eine sinnvolle Strategie entwickeln. In den Kapiteln 1 und 2 beleuchten wir dann die am häufigsten vorkommenden Schwierigkeiten bei Videobewerbungen sowie konkrete Hinweise zur Videotechnik. Etliche Empfehlungen aus diesem Buch lassen sich auch auf Video-Interviews und auf andere Bereiche, die mit Video zu tun haben, anwenden. Außerdem haben wir uns mit der grundsätzlichen strategischen Frage beschäftigt, was sinnvoller ist: eine »vollständige« Videobewerbung oder eine Hybrid-Bewerbung, also eine Kombination aus Video und klassischer schriftlicher Bewerbung.

Kapitel 3 und 4 gehen auf die tatsächliche Videoerstellung ein, denn natürlich wollen Sie handfeste Tipps – und genau die bekommen Sie auch. Wir haben beim Schreiben unsere praktischen Erfahrungen aus mehr als fünf Jahren Videobusiness und mehr als zehn Jahren Recruiting einfließen lassen. Unser Ziel war es, alle wesentlichen Aspekte zu beleuchten – quasi einen 360°-Rundumschlag zu liefern. Das bedeutet, dass wir sowohl die Persönlichkeitsanteile an der inhaltlichen Ausgestaltung betrachten als auch die technischen Voraussetzungen, die Location und die innere Einstellung. Bitte behalten Sie dabei im Hinterkopf, dass wir hier gemeinsam Neuland betreten, wir schreiben sozusagen Recruiting-Geschichte. Der Paradigmenwechsel, von dem wir eingangs sprachen, manifestiert sich erst mit der professionellen Umsetzung von Videobewerbungen.

Kapitel 5 wagt einen ideenreichen und kreativen Blick auf das Thema. Für die mutigen unter Ihnen lassen sich einige der Vorschläge und Beispiele sicherlich zeitnah realisieren. Uns ging es in diesem Kapitel allerdings vor allem darum, das enorme Spektrum des Mediums Video darzustellen und Sie auf ganz neue Ideen zu bringen. Was nutzt einem ein im übertragenen Sinne 360°-Medium, wenn Wissen und Ideenreichtum nur ausreichen, um 90° davon einzusetzen?

In Kapitel 6 lassen wir Unternehmen zu Wort kommen Wir haben für Sie O-Töne in großen und kleineren Unternehmen eingefangen und darüber hinaus eine Umfrage zum Thema Videobewerbung durchgeführt. Die qualitative Erhebung mittels Einzelinterviews gibt Ihnen tiefe Einblicke in die Einstellung der Unternehmen, kann allerdings in Summe nicht als repräsentativ erachtet werden.

Bevor wir Sie in die Welt der Videobewerbungen entlassen, noch ein Hinweis: Was hier aktuell geschieht, lässt sich eventuell mit der Erfindung des Fernsehens vergleichen. In ein durch Schrift geprägtes Umfeld hält plötzlich das Bewegtbild Einzug. Je eher Sie sich auf diesen Wechsel vorbereiten, desto besser werden Sie ihn bewältigen. Doch auch das Fernsehen hat die Bücher nicht völlig vertrieben, sondern sich seine eigenen Stärken zunutze gemacht. So ist auch die Videobewerbung zu betrachten, sie sollte mit Bedacht eingesetzt werden. Entscheiden Sie individuell für Ihren Einzelfall, ob sich eine Hybrid-Variante empfiehlt oder vielleicht auch gar kein Video verwendet werden sollte. Unser Buch gibt Ihnen Empfehlungen, wie Sie mit dem komplexen Thema Videobewerbung umgehen können. Dabei ist es uns nicht möglich, jede individuelle Situation, in der eine Videobewerbung oder ein Videochat zum Einsatz kommen könnte, umfassend abzubilden. Daher sehen Sie es uns bitte nach, dass Empfehlungen sich häufig an der Sache an sich, also an der Videobewerbung, orientieren und nicht an den äußeren Umständen. Die Übertragung der Learnings auf Ihren eigenen konkreten Fall stellt Ihre persönliche Herausforderung dar.

Berlin und Wien, im Mai 2017

Robindro Ullah und Jubin Honarfar

1Warum die Videobewerbung nun aktuell wird

Betrachtet man das Geschehen im Netz, lässt sich eine klare Tendenz von Text zu Foto zu Video erkennen. Sie werden kaum ein Netzwerk finden, in dem diese Entwicklung nicht vollzogen wurde. So mögen zunächst einige reine Fotonetzwerke auf die Welt gekommen sein, doch hat sich bald gezeigt, dass die Attraktivität sinkt, wenn sie nicht mit der Zeit gehen. Gleiches gilt für Arbeitgeber, wenngleich diese erst mit einer starken Verzögerung auf neuen Trends reagieren – auch sie müssen am Ball bleiben, wenn sie gute Mitarbeiter gewinnen wollen. Wir meinen, dass schon sehr bald kein Unternehmen an dem Thema Videobewerbung vorbeikommen wird. Wenngleich man annehmen könnte, dass sich Firmen nur sehr langsam in diese Richtung bewegen werden, wird heute schon deutlich, dass Unternehmen, die zu langsam sind, keine guten Überlebenschancen in einem extrem schnelllebigen Markt haben.

Sie als Bewerber sind den Arbeitgebern in der Regel in diesem Punkt weit voraus. Das hat unterschiedliche Hintergründe, lässt sich aber letztlich auf die Zeichen der Zeit zurückführen. Wir leben erstmalig in einer Welt, in der so mancher Mitarbeiter bei sich zu Hause besser technisch ausgestattet ist als an seinem Arbeitsplatz. Diese Verschiebung, die natürlich nicht 100 Prozent der Arbeitsplätze betrifft, aber sehr wohl für einen Großteil gilt, zieht eine schnellere Adaption der medialen Gewohnheiten im Privatleben nach sich. Während Arbeitgeber heute Videokonferenzen noch immer eher zögerlich nutzen, war 2016 eine der Top-Funktionalitäten in sozialen Netzwerken das Livestreamen von Videos. Unsere Ausführungen werden Ihnen daher ebenfalls nach und nach transparent machen, wann eine Videobewerbung sinnvoll ist – auch wenn nach wie vor etliche Arbeitgeber mit diesem Format (noch) nichts anfangen können.

Allerdings ist das Thema Videobewerbung schon sehr viel älter, als vielleicht viele meinen, die ersten gingen 2012 bei den Unternehmen ein. Eine Variante sorgte für viel Furore, und zwar die sogenannte QR-Code-Videobewerbung. Ein Bewerber hatte 2012 eine klassische Printbewerbung mit einem QR-Code ausgestattet, der zu einem »Bewerbungsvideo« führte. Der Clou an der Bewerbung war, dass der Bewerber auf die Rückseite seines Lebenslaufs ein Foto von sich in DIN-A4-Größe gedruckt hatte, auf dem der Mundbereich mit der Form eines Smartphones verdeckt wurde. Der interessierte Personaler sollte nun den QR-Code abfotografieren, das Video starten und sein Smartphone auf den ausgesparten Bereich legen – ein grandioser Effekt.

Abb. 1: Bewerbung mit QR-Code; Quelle: www.youtube.com/watch?v=acnLepjWe8E, veröffentlicht am 5.6.2012 (26.5.2017)

Zu bezweifeln ist, ob wirklich viele Personaler das damals hinbekommen haben. Heute wäre diese Variante nicht nur theoretisch möglich, da sich die Anzahl der Personalmanager, die ein Smartphone besitzen, stark erhöht hat, sondern auch, weil mittlerweile fast jeder weiß, wie ein QR-Code benutzt wird.

!   Hinweis

Dieses Beispiel soll lediglich eine Anregung sein und nicht zur Nachahmung animieren. Solche Ideen sind klasse und der Bewerber hat allein durch sein YouTube-Video enorm Aufmerksamkeit gewonnen – vermutlich auch einen Job. Dennoch sind Ideen wie diese, die derartige Reichweiten generieren, auch schnell verbraucht.

Wie bereits erwähnt: Bei all unseren Empfehlungen soll es nicht darum gehen, möglichst ausgefallene Videobewerbungen zu präsentieren. Dies mag in Einzelfällen sinnvoll sein, würde aber die große Masse der Personaler schier überfordern. Vielmehr geht es uns um professionelle Bewerbungen, die im jeweils richtigen Moment zum Einsatz kommen. Dies kann in der Regel nur die Person erkennen, die über das notwendige Hintergrundwissen verfügt. Folgen Sie daher nun unserer Argumentationskette, die auch Zweifler davon überzeugen wird, dass die Videobewerbung über kurz oder lang kommen wird.

1.1Entwicklung der sozialen Netzwerke – vom Text zum Bild zum Video

Bei der Entwicklung von sozialen Netzwerken spielen viele Einflussfaktoren eine entscheidende Rolle. So hat sich der Wandel vom Text zum Bild zum Video natürlich nicht zufällig ereignet, sondern teilweise in Anlehnung an den technischen Fortschritt. Die Verfügbarkeit der entsprechenden Technologie ist Voraussetzung für den Siegeszug der Videobewerbung. Wir können uns noch sehr genau an den Moment erinnern, als die ersten Handys mit Farbdisplays auf den Markt kamen, wenig später ausgestattet mit einer kleinen Kamera – das war Ende der 1990er Jahre. Seitdem hat sich unheimlich viel getan. Der gesamte Kameramarkt wurde durch die Smartphones erschüttert. Die erzielbare Auflösung überstieg schnell die von kleineren Kompaktkameras. Zeitgleich entstanden erste Netzwerke, die auch über das Smartphone erreichbar waren, wenn auch die Bedienung keineswegs komfortabel war.

Parallel zur Entwicklung der Hardware gab es bei der Infrastruktur schnelle Fortschritte. Das mobile Internet wurde tatsächlich »mobile«, außerdem schrittweise schneller und kostengünstiger. Dies war eine wichtige Voraussetzung für den Wechsel von Text zu Bild. Davor waren lediglich Netzwerke wie Flickr mit schon vorhandenen Fotos gefüttert worden. Der Prozess von damals ist heute gar nicht mehr vorstellbar: Man nahm seine Kamera oder sein Smartphone, schloss das Gerät an den PC an und transferierte die Fotos via Rechner ins Netz, zum Beispiel auf Flickr – oder legte als Early Adopter ein Fotoalbum auf Facebook an. Es ging also um den Austausch von »veraltetem« Bildmaterial. Die Notwendigkeit der Aktualität war, pauschal gesagt, vor dem Jahr 2008 noch nicht gegeben.

Eine erste große Veränderung beim Nutzerverhalten war dann 2009 spürbar, als Twitter auf dem Markt der Netzwerke global Fuß fasste. Eines der berühmtesten Ereignisse, das bezeichnend für den Wechsel von Text zu Bild war, hatte mit der Notlandung eines Flugzeugs im Hudson River in New York zu tun, die 2009 stattfand. Die ersten Bilder, die von diesem Unglück weltweit zu sehen waren, stammten von Privatpersonen, die das Ereignis zufälligerweise beobachtet und mit ihren Smartphones fotografiert hatten. Gleich im Anschluss wurden die Bilder auf Twitter geteilt und gingen binnen weniger Minuten um die Welt. Nicht nur Twitter profitierte von diesem Ereignis, sondern alle sozialen Netzwerke. Damit wurde einer der wesentlichen Vorteile der bildbasierten Social-Network-Kommunikation schlagartig sichtbar: die Sprachunabhängigkeit!

Das Unglück war darüber hinaus ein Meilenstein, was die klassische Berichterstattung angeht. Denn dieses Bild, das um die Welt ging, wurde auch von Fernsehsendern und Printmedien genutzt. Bis dato hatte sich kein größerer Nachrichtensender getraut, ins Social Web zu referenzieren. Sieht man heutzutage Nachrichtensendungen, ist es kaum vorstellbar, dass nicht auch auf soziale Netzwerke verwiesen sowie das entsprechende Bild und Videomaterial verwendet wird.

Abb. 2: Flugzeugnotlandung auf dem Hudson River; Quelle: http://content.time.com/time/photogallery/0,29307,1872244_1826420,00.html (23.5.2017)

Der Siegeszug der Bilder in Social Media schritt voran, bald wurden Netzwerke ins Leben gerufen, die nicht allein auf Sprache beruhten, sondern auch Bilder als wichtigen Nachrichtenbestandteil umfassten. Ein Jahr nach dem Ereignis am Hudson River wurden Instagram und Pinterest gegründet und starteten ihre Netzwerk-Karrieren. »Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte«, so lautete der etwas in Vergessenheit geratene Satz, der in der Gründungsphase von Instagram und fotobasierten Netzwerken wieder öfter zu hören war. »Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte – und das in allen Sprachen«, diese Erkenntnis war ein entscheidender Eckpunkt im Bildkonzept. Parallel wurde die Geschwindigkeit der mobilen Datennetze verbessert. 4G wurde 2008 eingeführt, nach und nach wurden immer mehr Telefone entsprechend ausgerüstet.

Technologisch gesehen wurden die Sprünge in den Folgejahren immer größer, bis 2015/2016 Virtual Reality (VR) und damit 360°-Videos in die Wohnzimmer der Nutzer einzogen. Das Thema VR war schon in den 1990er Jahren aufgekommen, aber aufgrund der sehr großen Technik, die benötigt wurde, nicht alltagstauglich. Erst eine der nächsten Generationen von Smartphones führte hier zu einem ersten Durchbruch. Allerdings ist VR-Technologie nach wie vor eher umständlich zu bedienen, sodass 2016 eine ganz andere Videotechnologie aufkam und sich durchsetzte: Live-Streaming.

Inzwischen werden nicht nur die WiFi-Netze immer besser ausgebaut, sodass man in manchen Städten auf den Marktplätzen Zugang zu öffentlichem Internet hat, sondern uns steht auch ein sehr gut ausgebautes 4G/LTE-Netz zur Verfügung, mit dem Streaming tatsächlich unterwegs möglich ist. Facebook etwa gab zum Jahreswechsel 2016/2017 bekannt, dass die erfolgreichste Funktion des Netzwerks 2016 Live gewesen sei. Live ist die Streaming-Option von Facebook, die scheinbar deutlich besser bei den Nutzern ankam, als die Möglichkeit, 360°-Bilder und -Videos hochzuladen.

Lässt man diese technologischen Fortschritte einmal Revue passieren, ist kaum noch vorstellbar, dass es auch heute noch Lehrer und Eltern gibt, die – überspitzt gesagt – jungen Menschen erzählen, sie müssten sich (hand)- schriftlich bewerben. Aus eigener Erfahrung können wir von Eltern berichten, die die ausgedruckten Bewerbungsmappen ihrer Kinder bei uns persönlich abgegeben haben. Es erscheint uns sehr eigenartig, dass ausgerechnet in diesem Bereich die Zeit vor 100 Jahren stehengeblieben ist. Es ist kaum vorstellbar, aber die Schreibmaschine wurde im 19. Jahrhundert erfunden und ermöglichte damit zu Beginn des 20. Jahrhunderts theoretisch die getippte Bewerbung. Ob ich meine Bewerbung mit einer Schreibmaschine anfertige oder mit einem Computer und dann einen Ausdruck erstelle, das macht im Grunde keinen großen Unterschied. Noch merkwürdiger wird das Ganze, wenn man betrachtet, was weltweit geschieht: Selbst die Generation der Silver Surfer (Menschen im Alter ab etwa 55 Jahren) gehen heutzutage wie selbstverständlich mit Videotelefonie um.

»Revolution doesn't happen when society adopts new technologies, it happens when society adopts new behaviors.«

Clay Shirky in »Here comes everybody«

Dieses Zitat beschreibt einen wichtigen Sachverhalt, den der Autor Clay Shirky recht frühzeitig erkannte. Gewohnheiten müssen sich ändern, damit Revolutionen geschehen. Und die Gewohnheiten der Gesellschaft in Bezug auf das Kommunikationsverhalten haben sich längst geändert. An der veralteten Art der Bewerbung – und teilweise sprechen wir hier tatsächlich von Verfechtern der Printbewerbung – halten nur noch sehr wenige vereinzelte Zielgruppen fest. Zum einen sind es die Personaler in den Unternehmen, zum anderen viele der über die Nachwuchskräfte entscheidenden Lehrer, die in das konservative Lager fallen. Laut einer 2015 vom Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) durchgeführten Studie (U9-Studie: Kinder in der Digitalen Welt) haben die meisten Schüler im Alter von drei bis acht Jahren in Deutschland nicht den Eindruck, ihre Lehrer seien kompetente Ansprechpartner, wenn es um das Internet oder um digitale Medien geht.

1.2Technische Hürden, die es zu überwinden gilt

Im Zusammenhang mit den Themen, die wir hier insgesamt behandeln, sind, wie bereits erwähnt, zwei Hürden zu überwinden: Zunächst müssen die technischen Voraussetzungen gegeben sein; die allein sind aber nicht ausschlaggebend. Viel wichtiger ist die Änderung von Gewohnheiten, die eine Veränderung des Mindsets mit sich bringt. Und das dauert seine Zeit. Obwohl manche Technologien bereits seit Jahren verfügbar sind, bedeutet dies noch lange nicht, dass sie auch genutzt werden. Der gedankliche Sprung, etwas Neues zu wagen, verlangt vielen Menschen große Überwindung ab. Klar ist auch, dass Veränderungen nicht überall mit dem gleichen Tempo vor sich gehen. Insbesondere der Bereich der Bewerbung fällt durch Langsamkeit auf. Würde man das Mindset in diesem Bereich auf die Automobilindustrie übertragen, müssten die Autobauer wohl noch Kutschen produzieren.

Der Mythos postalische Bewerbung und das Anschreiben

Jedes Jahr werden unzählige Studien im Bereich Personalgewinnung und Bewerbungen durchgeführt. Eine davon, deren Ergebnisse uns immer wieder aufs Neue überrascht, ist die der u-form Testsysteme GmbH & Co. KG. Dabei werden Azubis und Bewerber (Schüler) unter anderem zu ihrem Bewerbungs- und Mediennutzungsverhalten befragt.

Abb. 3: Umfrageergebnisse zum Thema Bewerbungsformen; Quelle: u-form Testsysteme GmbH & Co. KG, Azubi-Recruiting Trends 2015

Markant ist, dass die Befragten eine Bewerbung über das Smartphone für unseriös erachten. Ebenso scheinen moderne Formen der Bewerbung eher als nicht so verbindlich angesehen zu werden. Leider gibt die Studie keine Auskunft darüber, woher dieses verschobene Bild der Realität stammt. Man kann lediglich vermuten, dass vor allem die direkten Vorbilder (Lehrer und Eltern) den gedanklichen Fortschritt bremsen. Wir finden es beinahe erschreckend, dass 71 Prozent der Befragten sich am liebsten postalisch bewerben würden.

Kritiker werden behaupten, dass die postalische Bewerbung im Vergleich mit einem Online-Bewerbungsformular mehr Möglichkeiten bietet, sich persönlich auszudrücken und zu positionieren. Da sich dies jedoch vor allem darauf bezieht, dass die Ausdrucke in eine Mappe einsortiert versendet werden, betrachten wir E-Mail und postalische Bewerbung als gleichwertig. Wenn es tatsächlich um persönliche Eindrücke geht, dann sollte die Videobewerbung schon sehr bald auf Platz eins stehen – sowohl bei Bewerbern als auch bei Unternehmen.

Bei den Unternehmen lässt sich allerdings, wie gesagt, keine Aufbruchsstimmung feststellen. Dies ist umso erstaunlicher, als so manche von ihnen angesichts ihrer Einsparungsziele längst erkannt haben müssten, dass eine Modernisierung des Bewerbungsprozesses und der Bewerbung an sich große Einsparpotenziale birgt. Doch noch immer unterliegen viele Personaler und auch Führungskräfte dem Irrglauben, dass ein aussagekräftiges Anschreiben mehr über einen Kandidaten verraten kann als ein Video.

Leider geht mit diesem Mindset auch die Annahme einher, dass es sinnvoll ist, möglichst viele Bewerbungen zu bekommen. Je mehr Kandidaten sich um eine Stelle bemühen, umso besser. Auch dies ist ein Mythos aus vergangenen Tagen. Letztlich hat jedes Unternehmen in der Regel genau eine Stelle je Ausschreibung zu besetzen. Das bedeutet: Wer seinen Bewerbungsprozess optimal gestaltet, braucht im Grunde nur einen Bewerber oder eine Bewerberin pro Stelle. Ansprache und Auswahl sollten so gestaltet sein, dass Bewerber und Unternehmen sich kennenlernen und frühzeitig im Prozess herausfinden, ob sie zusammenpassen oder nicht.

Unternehmen verstecken sich hinter technischen Hürden

Die Videobewerbung ist die ideale Lösung für ein Dilemma, in dem Unternehmen schon seit Längerem stecken. Die Frage ist, wie sie sich schnell und kostengünstig einen authentischen Eindruck vom Kandidaten verschaffen können. Alle Bewerber zum Gespräch einzuladen sprengt meist das Budget. Die Vorauswahl anhand der Bewerbungsunterlagen samt Anschreiben kann allerdings dazu führen, dass eventuell kulturell passende Bewerber wegen ihrer unkonventionellen Lebensläufe schon nach dem Vorab-Screening auf der Strecke bleiben.

Dass Video-Interviews eine Alternative sein können, wird erst seit wenigen Jahren so richtig wahrgenommen. Allerdings sind sie nach wie vor mit dem Nachteil verbunden, dass erheblicher Koordinationsaufwand entsteht. Dennoch ist der Schritt zur Videobewerbung aus Controllingsicht völlig logisch. Aber warum wird er nicht beschritten?

Eine einfache Antwort lautet: Es liegt am Stand der Technik. Bewerbungen sollten idealerweise leicht archivierbar sein und sich durchsuchen lassen. Selbst sehr gute Personaler können sich nicht alle Einzelheiten jeder Bewerbung in einem Besetzungsverfahren merken. Deshalb sollte das schnelle Nachschlagen möglich sein, um dem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Diesen Anforderungen genügen Bewerbungsvideos heutzutage nicht. Heute läuft es so ab, dass die Videos einmal angesehen werden. Die Adressaten müssen sich dabei Notizen machen, auf die sie im Zweifelsfall zurückgreifen können. Auch die Kompatibilität zwischen Videos und heutigen sogenannten Bewerbungssystemen größerer Unternehmen ist noch nicht gegeben. Wie eine sinnvolle Archivierung aussehen könnte, ist für die meisten Anbieter noch unklar.

Viele Arbeitgeber nehmen diesen Umstand gerne hin. Die Videobewerbung kann also aus technischen Gründen gar nicht in Unternehmen realisiert werden, denn das würde den Prozess ungemein verkomplizieren und unnötig in die Länge ziehen – so der allgemeine Konsens. Trotzdem haben sich bereits einige Unternehmen aus der Deckung gewagt und lassen Videobewerbungen zu. Die Deutsche Technikberatung (www.deutsche-technikberatung.de) ist einer der Vorreiter, die die Vorzüge der neuen Bewerbungsform bereits erkannt haben. Über eine schlaue Software eliminieren sie viele der Nachteile, die mit der Technik verbunden sind. So wird die Videobewerbung strukturiert durchgeführt, das heißt, der Bewerber folgt bei seinem Videodreh einer Reihe von Fragen. Dieser Ansatz soll laut der Deutschen Technikberatung enorme Einsparungen und Verbesserungen beim Bewerbungsprozess ermöglichen (mehr dazu im Internet unter https://youtu.be/0nC432pE6F4, veröffentlicht am 23.1.2017 (26.5.2017)).

Die Welt entwickelt sich weiter

Obwohl es auf Unternehmensseite in Bezug auf die Videobewerbung derzeit noch düster aussieht, wollen wir Sie sorgfältig auf Ihre erste Videobewerbung vorbereiten und für diesen Weg begeistern. Die Gründe hierfür sind sehr vielschichtig und haben auch etwas mit Bewerbungsstrategien zu tun, über die Sie im Buch mehr erfahren werden. Einer der wichtigsten Punkte, warum man sich bereits heute als Bewerber mit der Videobewerbung auseinandersetzen sollte, ist die Tatsache, dass die technische Hürde, von der wir im letzten Abschnitt sprachen, im Jahr 2016 von einem Start-up aus New York genommen wurde.

Das Start-up Dextro entwickelte einen Algorithmus, der das Transkribieren von Videos in Echtzeit erlaubt. Damit ist der erste Schritt getan, um in Zukunft das gesprochene Wort in Videos durchsuchbar zu machen. Um dies nochmals in anderen Worten zu umschreiben: Stellen Sie sich bitte vor, dass Sie beim Durchsuchen von YouTube nicht mehr auf die Verschlagwortung der Ersteller angewiesen sind, sondern es könnte möglich sein, Videos nach gesprochenen Inhalten zu durchsuchen. Bei längeren Uploads wären Sie sogar in der Lage, an die entsprechenden Stellen in den Videos zu springen. Das klingt wie Science-Fiction, ist aber in der Realität tatsächlich in greifbare Nähe gerückt.