Am kürzeren Ende der Sonnenallee - Thomas Brussig - ebook

Am kürzeren Ende der Sonnenallee ebook

Thomas Brussig

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Opis

Königs Erläuterung zu Thomas Brussig: Am kürzeren Ende der Sonnenallee - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben. In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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Liczba stron: 107




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 409

Textanalyse und Interpretation zu

Thomas Brussig

AM KÜRZEREN ENDE DER SONNENALLEE

Volker Krischel

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben:Brussig, Thomas:Am kürzeren Ende der Sonnenallee. Frankfurt/M.: Fischer, 2001.

Über den Autor dieser Erläuterung: Volker Krischel, geb. 1954, arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Geschichte, Katholischen Theologie, Erziehungswissenschaften, Klassischen Archäologie, Kunstgeschichte und Geografie mehrere Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter – besonders im Bereich der Museumspädagogik – am Württembergischen Landesmuseum Stuttgart. Heute ist er als Oberstudienrat in Gerolstein, Eifel, tätig. Er hat mehrere Arbeiten zu Autoren der neueren deutschen Literatur sowie zur Museums- und Unterrichtsdidaktik veröffentlicht.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

3. Auflage 2014

ISBN 978-3-8044-6929-7

© 2001, 2011 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: Grenzübergang aus dem Film Sonnenallee, BRD 1999, © Cinetext/Jahnke

Hinweise zur Bedienung

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Thomas Brussig: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Die DDR in der Ära Honecker

Gorbatschows neue Politik

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Formale und inhaltliche Struktur der Kapitel

Übersicht über die (Haupt-)Handlungsträger und die Handlungsstränge

Chronologie und Schauplätze

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Die Hauptpersonen

Die Clique

Michas Familie

Die „Anderen“

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

Am kürzeren Ende der Sonnenallee – ein Episodenroman

Am kürzeren Ende der Sonnenallee – ein Jugend- und Entwicklungsroman

Am kürzeren Ende der Sonnenallee – ein Zeit- und Raumroman

Am kürzeren Ende der Sonnenallee – ein „Musikroman“

Am kürzeren Ende der Sonnenallee – eine märchenhafte Heilslegende

Am kürzeren Ende der Sonnenallee – ein satirischer Roman

4. Rezeptionsgeschichte

Sprachliche Darstellungsweise

Darstellung und Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit

5. Materialien

Der politische Witz in der DDR

Konsum in der DDR

Der Abkürzungsfimmel in der DDR

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 **

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 *

Aufgabe 4 *

Literatur

Zitierte Ausgabe:

Weitere Ausgabe:

Lernhilfen und Kommentare für Schüler:

Sekundärliteratur (Rezensionen):

Sonstige Literatur:

Materialien aus dem Internet:

Verfilmungen von Brussigs Werken:

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich der Leser in diesem Band schnell zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine kurze Übersicht.

Das 2. Kapitel beschreibt Brussigs Leben und stellt den zeitgeschichtlichen Hintergrund vor.

Thomas Brussig wurde 1964[1] in Ostberlin geboren und lebte bis zur Wende in der DDR. 1990 zog er nach Westberlin.

Ostberlin war geprägt durch die sozialistisch-kommunistische Politik der DDR, aber auch durch die unmittelbare Nähe zum westlich-kapitalistischen Lebensstil im Westteil der Stadt.

Der Roman Am kürzeren Ende der Sonnenallee basiert auf dem Film Sonnenallee und wurde 1999 veröffentlicht. Brussigs Werk umfasst Romane, die z. T. dramatisiert wurden, ein Theaterstück sowie mehrere Filmdrehbücher und MonologErzählungen.

Das dritte Kapitel bietet eine Textanalyse und -interpretation.

Am kürzeren Ende der Sonnenallee – Entstehung und Quellen:

Am kürzeren Ende der Sonnenallee basiert auf Brussigs Drehbuch zum Film Sonnenallee. In den Erlebnissen seiner Hauptpersonen spiegelt Brussig eigene Erfahrungen aus seinem Leben in der DDR.

Inhalt:

Der Roman umfasst 14 Kapitel.

Er erzählt die Erlebnisse einer Gruppe Jugendlicher in der Endphase der DDR. Die Hauptperson, der 16-jährige Micha(el) Kuppisch, lebt im Ostteil der Sonnenallee, in unmittelbarer Nähe der Mauer und verbringt hier eine ganz normale ostdeutsche Jugend, in der sich der Alltag um Spaß, Musik und Mädchen, aber auch um das typische Leben im DDR-System dreht.

Chronologie und Schauplätze:

Der Roman spielt innerhalb von 1,5 bis 2 Jahren. Schauplatz ist die DDR-Seite der titelgebenden Sonnenallee.

Personen:

Die Hauptpersonen sind

Michael (Micha) Kuppisch

fantasievoll

wissbegierig

schüchtern

hartnäckig

Miriam

geheimnisvoll

sensibel

Michas Familie

zeigt verschiedene Aspekte der Bürger der DDR:

Angepasstheit (Mutter, Vater)

politisches Desinteresse (Schwester)

beeinflussbar (Bruder und Schwester)

die Clique

typische Vertreter der DDR-Jugend:

rebellisch (Mario, Existenzialistin)

in eigener Welt lebend (Wuschel)

Die Personen werden ausführlich und in ihrer Beziehung zueinander vorgestellt

Stil und Sprache Brussigs:

Der Leser wird mitten ins Geschehen versetzt

Einfache sprachliche Mittel erzeugen eine realistische Atmosphäre

Lakonischer Humor

Verschiedene Interpretationsansätze werden vorgestellt:

Am kürzeren Ende der Sonnenallee ist

ein Episodenroman

ein Jugend- und Entwicklungsroman

ein Zeit- und Raumroman

ein „Musikroman“

eine märchenhafte Heilslegende

ein humoristisch-satirischer Roman

2.Thomas Brussig: Leben und Werk

Thomas Brussig * 1964 © ullstein bild – C. T. Fotostudio

2.1Biografie

Jahr

Ort

Ereignis

Alter

1964[2]

Ostberlin

Geburt Thomas Brussigs

1971–1984

Ostberlin

Schulbesuch; Berufsausbildung als Baufacharbeiter

Abitur

7–20

1984–1990

Ostberlin

wechselnde Jobs, u. a. als Möbelpacker, Museumspförtner, Tellerwäscher, Fabrikarbeiter, Reiseleiter und Fremdenführer, dazwischen Ableistung des Wehrdienstes

20–26

1990–1993

Westberlin

Studium der Soziologie an der Freien Universität Berlin (nicht abgeschlossen)

26–29

1991

Veröffentlichung seines ersten Romans Wasserfarben unter dem Pseudonym Cordt Berneburger

27

ab 1993

Potsdam-Babelsberg

Dramaturgie-Studium an der Filmhochschule „Konrad Wolf“, Kennenlernen seiner späteren Lebensgefährtin Kirstin Ziller

29

1995

Berlin

literarischer Durchbruch mit dem Helden- und Wenderoman Helden wie wir;freiberuflicher Schriftsteller und Drehbuchautor

31

1996

Berlin

Uraufführung von Helden wie wir am Deutschen Theater Berlin (Regie: Peter Dehlers, Hauptrolle: Klaus Schubert)

32

1999

Drehbuchpreis der Bundesregierung (zus. mit Leander Haußmann) für Sonnenallee, Premiere der Kinofilme Sonnenallee (Regie: Leander Haußmann) und Helden wie wir (Regie: Sebastian Peterson), Roman: Am kürzeren Ende der Sonnenallee

35

2000

Bundesfilmpreis in Silber für Sonnenallee, Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster, Schauspiel Heimsuchung (Uraufführung im Staatstheater Mainz, Regie: Kirstin Ziller)

36

2001

(Monolog-)Erzählung Leben bis Männer

37

2002

Berlin

Uraufführung von Leben bis Männer an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin (Regie: Peter Ensikat, Darsteller: Jörg Gudzuhn)

38

2004

Drehbuch zu Heimat 3. Teil, Chronik einer Zeitenwende (gemeinsam mit Edgar Reitz), Wenderoman Wie es leuchtet

40

2005

Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz, Drehbuch zur Filmkomödie NVA (Regie: Leander Haußmann)

41

2007

Berliner Orgie. Reportage-Roman, SchiedsrichterFertig. Eine Litanei

43

2008

Uraufführung von Schiedsrichter Fertig am Staatstheater Nürnberg (Regie: Alexander Schilling, Darsteller: Thomas Klenk)

44

2011

Text zu Udo Lindenbergs Musical Hinterm Horizont,

Kinderbuch Der Wurm am Turm

47

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Das Leben in der DDR der 1980er-Jahre

Die alles beherrschende Stellung der Partei

Aufbegehren der Jungen

Gorbatschows Politik von Glasnost und Perestroika

Die DDR in der Ära Honecker

Thomas Brussigs Roman Am kürzeren Ende der Sonnenallee spielt in Ostberlin Ende der 70er-/Beginn der 80er-Jahre. Schauplatz ist der Stadtteil Neukölln/Treptow, Bezirk Berlin-Baumschulenweg, Sonnenallee, wo die Menschen in unmittelbarer Nähe der Mauer leben. Hier trennen Todesstreifen und Schießbefehl den Ostteil Berlins vom Westteil, die DDR von der Bundesrepublik.

Grenzübergang Sonnenallee im Film Sonnenallee (BRD 1999) © Cinetext/Jahnke

Die 80er-Jahre sind die „Ära Honecker“. Erich Honecker (1912–1994) ist als Generalsekretär der „Partei der Arbeiterklasse“, der „Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ (SED) und als Staatsratsvorsitzender der „starke Mann“ der DDR. Er sichert den Herrschafts- und Führungsanspruch seiner Partei weiter. Ihr Selbstbewusstsein drückt sich deutlich in einem Parteilied aus:

„Hirn der Klasse, Sinn der Klasse, Kraft der Klasse, Ruhm der Klasse – das ist die Partei. Sie hat uns alles gegeben, … war das Leben, was wir sind, sind wir durch sie. Sie hat uns niemals verlassen, … uns schützt die Mutter der Massen, uns trägt ihr mächtiger Arm. Die Partei, die Partei hat immer Recht und Genossen, es bleibt dabei: denn, wer kämpft für das Recht, der hat immer Recht gegenüber Ausbeuterei. Wer das Leben beleidigt, ist dumm und schlecht, wer die Menschheit verteidigt, hat immer Recht.“[3] 

Die Bevölkerung ist nach wie vor in Massenorganisationen eingebunden, die zum Teil immer noch „Triebriemen“ für die Politik der Partei und ihres Vorsitzenden sind.[4] So sind die Jugendlichen etwa in der „Freien deutschen Jugend“, der FDJ. Die FDJ ist die einzige zugelassene Jugendorganisation der DDR. Die dazugehörige Kinderorganisation sind die „Jungen Pioniere“. Ca. 99 % aller Schulkinder des 1. bis 7. Schuljahres gehören ihr an.

Nach der Jugendweihe mit ihrem Gelöbnis „alle Kräfte für die allseitige Stärkung und das Wohl ihres sozialistischen Vaterlandes einzusetzen und im Geiste des proletarischen Internationalismus zu leben, zu arbeiten und zu kämpfen“[5] wird man meist Mitglied der FDJ und gehört ihr i. d. R. bis zum 25. Lebensjahr an.

Die FDJ dient im Wesentlichen der staatlichen Jugendpolitik, was sich auch deutlich in ihren Statuten zeigt. Sie versteht sich „als der aktive Helfer und die Kampfreserve der Partei“[6].

Auch die Schulen der DDR haben nicht allein die Aufgabe, ihre Schüler fachlich und allgemeinbildend zu qualifizieren, sondern § 1 des Bildungsgesetzes der DDR nennt als Ziel: „Bildung und Erziehung allseitig und harmonisch entwickelter sozialistischer Persönlichkeiten“. Es sollen sich bei den Schülern „Charakterzüge im Sinne der Grundsätze der sozialistischen Moral“[7] herausbilden.

So kommt es bei der Entscheidung, ob ein Schüler nach erfolgreichem Abschluss der 10. Klasse der polytechnischen Oberschule eine zweijährige Berufsausbildung macht, die zweijährige erweiterte Oberschule (EOS) mit dem Abschluss des Abiturs oder gar eine Abiturklasse der Berufsausbildung (hier kann man innerhalb von drei Jahren sowohl das Abitur, wie auch eine Facharbeiterausbildung machen) besuchen darf, nicht nur auf den Notendurchschnitt an, sondern auch darauf, ob ein Schüler durch eigenes Handeln etwas für die „Stärkung und Verteidigung des Sozialismus, den weiteren gesellschaftlichen Fortschritt (und) die Festigung der politischen Macht der Arbeiterklasse“[8] getan hat.

Hat der Schüler schließlich seinen Schulabschluss, muss er den 18-monatigen Wehrdienst bei der „Nationalen Volksarmee“ (NVA) ableisten. Auch sie steht unter der strikten Kontrolle der SED. 99 % der Offiziere gehören der SED an. Es gibt zwar die Möglichkeit, den Wehrdienst aus religiösen Gründen zu verweigern und stattdessen einen waffenlosen Dienst als „Bausoldat“ innerhalb der NVA abzuleisten, aber, wer das tut, muss anschließend mit Benachteiligungen rechnen.

Die Partei und als ihr Instrument der Staat sind also im Leben der DDR-Bürger allgegenwärtig. Nicht nur, dass sie, wie gezeigt, über die Schule und die NVA „herrschen“, sondern sie mischen sich selbst in die Freizeit ihrer Bürger ein. So finden Discoabende im Rahmen der FDJ oder vorwiegend in staatlichen Lokalen statt. Die Diskjockeys brauchen eine Lizenz der FDJ und haben die Vorgabe, nur 40 % der Musik aus westlichen Ländern, die restlichen 60 % aus sozialistischen Ländern zu spielen.

Nichtpartei- bzw. nichtstaatskonformes Benehmen wird meist umgehend sanktioniert, etwa durch Schulverweis oder Nichtzulassung zum Studium. So ist die Mitgliedschaft in der FDJ zwar freiwillig, allerdings muss, wer ihr nicht angehört, Nachteile in Kauf nehmen. Daher ist es sicher kein Zufall, dass gerade in Abiturklassen und bei Studenten überproportional viele FDJ-Mitglieder zu finden sind (ca. 85 % – 95 % gegenüber sonst knapp 70 %)[9].

Alles, was als „unsozialistisch“ angesehen wird, hier besonders alles, was westliches Lebensgefühl symbolisiert, ist verboten oder zumindest nicht gerne gesehen.

Man versucht zu überleben, indem man sich (scheinbar) äußerlich anpasst. Dabei zeigt sich aber immer wieder der Widerspruch zwischen der inneren Denkweise und dem nach außen gezeigten (scheinbaren) sozialistischen Denken, das man offiziell gegenüber Staat und Partei vertreten muss, obwohl man im Inneren (oft) eine ganz andere Haltung hat.[10]