Agnes von Peter Stamm. Königs Erläuterungen. - Margret Möckel - ebook

Agnes von Peter Stamm. Königs Erläuterungen. ebook

Margret Möckel

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Opis

Königs Erläuterungen - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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Liczba stron: 150




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 405

Textanalyse und Interpretation zu

Peter Stamm

AGNES

Von Magret Möckel

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Stamm, Peter: Agnes. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 42011

Über die Autorin dieser Erläuterung: Magret Möckel, geboren 1952 in Lindau an der Schlei (Schleswig-Holstein), Studium der Germanistik und Anglistik an der Universität in Hamburg. Erstes und Zweites Staatsexamen in Hamburg. Seit 1979 Lehrerin für Deutsch und Englisch, erst an einem Gymnasium in Vechta, dann in Friesoythe, seit 2003 in Oldenburg an der Graf-Anton-Günther-Schule. Dort leitet sie als Oberstudienrätin die Fachgruppe Deutsch. Außerdem arbeitet sie für das Fach Deutsch in Kommissionen der Landesschulbehörde mit. Die Aufbereitung von Gegenwartsliteratur ist ihr stets ein wichtiges Anliegen. Frau Möckel ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

3. Auflage 2013

ISBN 978-3-8044-6952-5

© 2001, 2011 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: © plainpicture

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

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Verknüpfungen zu den Online-Aufgaben Im Abschnitt 6 „Prüfungsaufgaben“ finden Sie einen Hinweis zu zwei kostenlosen zusätzlichen Aufgaben. Diese Aufgaben können über die Webseite des Verlages aufgerufen werden. Tippen Sie auf die Verknüpfung und Sie werden direkt zu den Online-Aufgaben geführt. Dazu wird in den Web-Browser Ihres ePub-Readers gewechselt – sofern Ihr ePub-Reader eine Verbindung zum Internet unterstützt und über einen Web-Browser verfügt.

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Peter Stamm: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Stil

Auffassungswandel in Bezug auf die Wahrheit

Postmoderne Merkmale

Amerika-Thematik im schweizerischen Roman des ausgehenden 20. Jahrhunderts

Themen des Romans

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

Chronologie der Ereignisse

3.3 Aufbau

Die eingeschobenen Erzählungen und Episoden

3.4 Personenkonstellationen und Charakteristiken

Agnes

Der Ich-Erzähler

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

Zu den im Text angesprochenen Schriftstellern

Agatha Mary Clarissa Christie

Robert Frost

Ernest Hemingway

Hermann Hesse

William Shakespeare

Henry David Thoreau

Dylan Thomas

Paul Valéry

Zu den im Text angesprochenen Künstlern

Ernst Ludwig Kirchner

Oskar Kokoschka

Georges Seurat

Zu weiteren Personen

George Mortimer Pullman

Frank Lloyd Wright

Zum Namen und zur Person Agnes

Bildung des Namens

Die Person Agnes

3.6 Stil und Sprache

Leitmotive des Romans

Kälte, Schnee, Müdigkeit, Krankheit und Tod

Tod, Zeichen setzen und Spuren hinterlassen

Bilder, Porträts

Lichtpunkte, Sterne, Kristallgitter, Symmetrie und Asymmetrie

Weitere Leitmotive

3.7 Interpretationsansätze

Die Erzählperspektive und ihre Konsequenzen

Agnes – Eine Liebesgeschichte

Der Roman Agnes als Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit

Die Geschichte „Agnes“

Die Konstruktion einer Wirklichkeit und die Rolle des Lesers

4. Rezeptionsgeschichte

Zur Sprache und zum Stil des Romans

Zu den Themen des Romans

5. Materialien

William Shakespeare, Sonett 18

Robert Frost, Stopping by Woods on a Snowy Evening

Max Frisch, Du sollst dir kein Bildnis machen

Bertolt Brecht, Wenn Herr K. einen Menschen liebte

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 ***

Aufgabe 2 ***

Aufgabe 3 *

Aufgabe 4 *

Literatur

Zitierte Ausgaben

Prosatexte von Peter Stamm

Rezensionen und Sekundärliteratur zu Agnes

Rezensionen zu anderen Werken Peter Stamms (Auswahl)

Texte zum modernen Roman

Texte zu den künstlicheren Werken

Nachschlagewerke, weiterführende Literatur

Internet-Adressen

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Zu Beginn der Erläuterungen soll kurz dargestellt werden, was in diesem Bändchen behandelt wird.

Das zweite Kapitel ist der Biografie Peter Stamms gewidmet. Er wurde 1963 in der Schweiz geboren und begann nach vielfältigen Tätigkeiten in der ganzen Welt im Alter von 27 Jahren mit dem Schreiben. Nach der Produktion von nicht-fiktionalen Texten und Hörspielen war Agnessein erster Roman. Er erhielt für dieses literarische Debüt den wichtigsten österreichischen Literaturpreis. Es folgte eine Vielzahl von Erzählungen, Romanen, Hörspielen und weiteren Produktionen.

Mit Agnes liegt ein für die Neunziger Jahre typischer Text junger deutschsprachiger Autoren vor. Diese sind durch die Schlichtheit ihres Stils, die Einbeziehung des Lesers zum Füllen der Leerstellen und ihre Beziehung zur Wirklichkeit geprägt.

Das dritte Kapitel ist dem Text selbst gewidmet.

Agnes – Entstehung und Quellen:

Peter Stamm hat vielfältige Reisen, Lebenserfahrung und literarisches Wissen in seinen Roman eingebracht. Es gibt neben der Prosaform auch eine Hörspielfassung und ein Drehbuch. Alle Varianten des Themas haben eigenständigen Charakter.

Inhalt:

In dem Roman schreibt der männliche Partner, der Ich-Erzähler, anfangs auf die Bitte Agnes’ hin die Geschichte ihrer Beziehung auf. Zu dem Zeitpunkt, als die Geschichte die Gegenwart erreicht und überholt hat, verkehrt sich das Verhältnis: die Fiktion bestimmt die Wirklichkeit. Es kommt zu Problemen, wenn der Lebensalltag nicht literaturfähig ist oder den Vorstellungen des Ich-Erzählers nicht entspricht. Der Roman endet mit der Fiktion von Agnes’ Tod im Schnee und ihrem tatsächlichen Verschwinden. Eine Übersicht gibt Anhaltspunkte zur Chronologie der Ereignisse.

Aufbau:

Der Roman ist so angelegt, dass er eine Zirkelstruktur hat; das erste Kapitel schließt nahtlos an das letzte an, von Kapitel 2 an wird im Rückblick chronologisch weitererzählt. Es gibt viele eingeschobene Episoden und Geschichten.

Personen:

Die beiden Figuren des Romans werden dem Leser durch die subjektive Sicht des Erzählers nahe gebracht.

Agnes:

jung, Physikstudentin,

ordentlich, unsicher,

nicht sehr gesellig,

belesen.

Ich-Erzähler:

erheblich älter als Agnes,

Schriftsteller von Sachliteratur und Belletristik (u. a. die Geschichte „Agnes“),

will den Stoff und die Wirklichkeit beherrschen,

rechthaberisch, verschlossen, gibt Unsicherheiten nicht zu.

Sachliche und sprachliche Erläuterungen:

Der Roman enthält zahlreiche intertextuelle Referenzen. Damit diese aufgegriffen und in das Verständnis des Romans einbezogen werden können, werden Hinweise zu den entsprechenden Künstlern, Autoren und Texten gegeben.

Stil und Sprache Stamms:

Stilistisch ist der Roman durch seine schmucklose Sprache, die Reduktion der Dialoge und des Erzählten auf das Notwendigste geprägt. Es entstehen Leerstellen für den Leser, die dieser mit eigenen Vorstellungen füllen kann.

Eine Fülle von Leitmotiven, die eng miteinander verknüpft sind, vernetzen das Textganze und liefern eine weitere Bedeutungsebene.

Interpretationsansätze:

Zur Erschließung des Romans spielt der Erzähler eine entscheidende Rolle. Er ist ein Ich-Erzähler, der aus der Erinnerung und in Verwicklung in die Ereignisse erzählt. Seine Motivation und sein Erinnerungsvermögen bestimmen, was erzählt wird, was verschwiegen, abgeändert wird oder sogar gelogen ist. Der Leser muss sich emanzipieren, darf dem Erzähler nicht alles glauben, sondern muss ihm kritisch gegenüberstehen.

Die knappe und bis auf das Notwendigste reduzierte Erzählweise erfordert außerdem das Füllen von Leerstellen. Der Leser selbst muss Zusammenhänge herstellen, Ergänzungen vornehmen, interaktiv auf den Text reagieren. Auf diese Weise komplettiert er den Text mit eigenen Vorstellungen, bringt neu entdecktes Wissen durch die Erschließung intertextueller Bezüge hinein, wird zum Co-Autor. Diese wichtige Rolle, die der Leser bekommt, macht auch das mehrfache Lesen des auf den ersten Blick einfach erscheinenden Textes besonders spannend. Auch das Gespräch über den Roman wird besonders ergiebig, da jeder Leser eine eigene Lesart einbringt.

Auf der inhaltlichen Ebene liest sich der Roman auch als Liebes- und Beziehungsgeschichte, in einer Welt, in der Distanz und Fremdheit bestimmend sind. Die Subjektivität der Sicht, der sich der Leser im Prozess der Wahrnehmung seiner Lektüre bewusst wird, wird durch die Figuren veranschaulicht. Jeder lebt in seiner eigenen Welt, ein Verstehen und eine Annäherung wird in Frage gestellt, als geradezu utopisch herausgestellt. Lediglich in der Fiktion scheinen glückliche Momente, Liebe und Sinngebung vorübergehend möglich.

Der Umgang mit und das Verwischen der Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit werden auf verschiedenen Ebenen aufgegriffen. Das literarische Porträt von Agnes verselbstständigt sich und bestimmt die Wirklichkeit, literarische und künstlerische Vorlagen fließen ein, Medien tauchen in verschiedensten Zusammenhängen auf.

Der Erzähler ist gleichzeitig Autor und gibt Einblick in Konstruktionsmechanismen von Literatur. Das Erzählte wird erkennbar als Konstrukt, alle Bestandteile des literarischen Kommunikationsprozesses (Leser, Text, Schreibprozess, impliziter Leser, Stil, Erzähler, Autor, erzählte Handlung und Lebenswirklichkeit) werden vorgeführt, verdoppelt, gespiegelt, in ihrer Funktion gezeigt. Eine wichtige Rolle spielt auch die Sprache, die als Codierungs- und Kommunikationssystem vorgeführt wird.

So bietet sich der Roman als ein Beispiel postmodernen Erzählens auf vielfältige Weise an.

2.Peter Stamm: Leben und Werk

Peter Stamm * 1963 © Cinetext/Bruder

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1963

Weinfelden (Schweiz) längere Aufenthalte in Paris, New York, Skandinavien u. a.

Geburt

kaufmännische Lehre

Studium der Fächer Anglistik, Psychologie, Psychopathologie, Wirtschaftsinformatik

Praktika und Aushilfs- sowie Teilzeitbeschäftigungen in Psychiatrischen Kliniken, Swissair u. a.

1990

Zürich

Beginn der Tätigkeit als freier Schriftsteller

Arbeit für: Neue Zürcher Zeitung, Tages-Anzeigen-Magazin, Weltwoche u. a.

27

1991

Sendung des Hörspiels Ich und die anderen (DRS 1)

28

1993

Sendung des Hörspiels Die Nacht der Gewohnheiten (DRS 1)

30

1994

Sendung des Hörspiels In Vitro (DRS 1)

31

1995

Sendung des Hörspiels Der letzte Autofahrer (DRS/RB), Herausgabe von Alles über die Männer (Satire)

32

1996

Sendung des Hörspiels Bildnis eines Knaben mit Peitsche (DRS 2)

33

1997

Sendung des Hörspiels Ableben (WDR), Erscheinen des Textes Gotthard – Die Steinerne Seele der Schweiz. Aufnahme der Tätigkeit als Redakteur der Literaturzeitschrift Entwürfe für Literatur

34

1998

Erscheinen von Agnes (Roman), Agnes als Hörspiel, als Spielfilm in Vorbereitung. Auszeichnungen des Kantons und der Stadt Zürich

35

1999

Schweiz, Berlin

Sendung der Hörspiele Nachtkampf oder die Kunst des Teewegs (DRS 1 Basel), Warum wir in der Stadt wohnen (DRS 1). Verleihung des Rauriser Literaturpreises (wichtigster österreichischer Debütantenpreis) für Agnes. Erscheinen von Blitzeis (Erzählungen).

Dreimonatiges Berlin-Stipendium des Kanton Zürich

36

2000

Schweiz

Sendung der Hörspiele Passion (SWR), Was wir können (WDR), Blitzeis (WDR). Hörspielpreise der Stiftung Radio Basel für Der letzte Autofahrer und Warum wir in der Stadt wohnen

37

2001

Erscheinen der Kurzgeschichte Die ganze Nacht und der Erzählung Grace sowie des Romans Ungefähre Landschaft

Ehrengabe der Stadt Zürich

38

2002

Erscheinen des Theaterstückes Après Soleil oder Wen der Wind zur Insel trägt

Preis der Schweizerischen Schillerstiftung und des Carl-Heinrich-Ernst-Kunstpreises

39

2003

Erscheinen von In fremden Gärten (Erzählungen) und Diensttage. Schweizer Schriften. Peter Stamm (Hrsg.)

40

2004

Wiesbaden

Erscheinen der Theaterstücke Der Kuss des Kohaku und Die Töchter von Taubenhain

Poetikdozentur: junge Autoren der Fachhochschule Wiesbaden

41

2005

Herausgabe von Warum wir in der Stadt wohnen mit Illustrationen von Jutta Bauer

42

2006

Erscheinen des Romans An einem Tag wie diesem

43

2008

Erscheinen von Wir fliegen (Erzählungen) und der illustrierten Ausgabe von Heidi (nach Johanna Spyri)

45

2009

Winterthur

Erscheinen des Romans Sieben Jahre

46

2011

Erscheinen von Seerücken (10 Erzählungen); nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse

48

2013

Erscheinen des Romans Nacht ist der Tag

50

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Agnes als exemplarisches Werk des ausgehenden 20. Jahrhunderts:

Schlichtheit und Schmucklosigkeit des Stils, Reduktion auf das Notwendigste

Umgang mit Fiktion und Wahrheit, Konstruktionsprinzip der Wirklichkeitsüberblendung, Aufhebung der verlässlichen Erzählerinstanz

Postmoderne Elemente:

Einbeziehung des Lesers

Aufhebung der Unterscheidung zwischen „ernster“ und unterhaltender Literatur

Intertextuelle Referenzen

Durchschaubarkeit der Konstruktionsmechanismen

Amerika als Schauplatz der Handlung

Themen: Beziehungslosigkeit, Paarbeziehungen, Suche, Erzählen und Erzähltes

Bei dem Roman Agnes (1998) handelt es sich um ein in verschiedener Hinsicht interessantes und typisches Werk der Literatur des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Einige Aspekte sollen im Folgenden angedeutet werden:

Stil

Viele Werke junger deutschsprachiger Autoren sind stilistisch geprägt durch eine Sprache, die auf Schnörkel und rhetorischen Schmuck verzichtet. Die konsequente Reduktion in der Sprache lässt sich als Merkmal Schweizerischer Literatur schon in den 50er, 60er Jahren nachweisen, beispielsweise in den Tagebüchern Max Frischs. Mit anderen Vorzeichen wird dieser Sprachstil jetzt wieder aufgenommen. Einfache, teilweise sehr kurze Hauptsätze werden aneinandergereiht. Der Leser muss logische Verknüpfungen häufig selbst herstellen und Leerstellen füllen, Doppelsinn erschließen. Bilder und Dialoge wirken kühl, beherrscht und ungekünstelt und sind dennoch mit einer großen sprachlichen Ökonomie verfasst, „nach allen Regeln der Kunst kunstlos.“[1] Diese Sprache erinnert in ihrer Pointiertheit und Konzentriertheit an die Sprache der Schriftsteller nach 1945. Die Autoren der Trümmerliteratur und der Kahlschlagperiode versicherten sich ihres sprachlichen Inventars und seiner Möglichkeiten neu, indem sie auf Bilderreichtum, Metaphernfülle, lyrische Elemente verzichteten. Nach der Zeit des Missbrauchs der Sprache durch die Faschisten ging es um illusionslose und schmucklose Sprache, die helfen sollte, sich in der Welt zu orientieren:

Günter Eich, 1956

„Ich schreibe Gedichte, um mich in der Wirklichkeit zu orientieren. Ich betrachte sie als trigonometrische Punkte oder als Bojen, die in einer unbekannten Fläche den Kurs markieren. Erst durch das Schreiben erlangen für mich die Dinge Wirklichkeit. Sie sind nicht meine Voraussetzung, sondern mein Ziel.“[2]

Nach der Zeit der postmodernen Fülle von Stilrichtungen in den 80er und 90er Jahren entsteht ein neuer Schreibtrend, der einen neuen Glauben „an die Ausdruckskraft des Wortes“[3] zeigt.

Beispiele:

Zoe Jenny, Das Blütenstaubzimmer (1997)

Zoe Jenny, Der Ruf des Muschelhorns (2000)

Karin Duwe, Regenroman (1999)

Maike Wetzel, Hochzeiten (2000)

Bernhard Schlink, Der Vorleser (1995)

Peter Stamm, Agnes (1998), Blitzeis (1999) u. v. m.

Auffassungswandel in Bezug auf die Wahrheit

Nicht nur in der Schweiz, sondern allgemein in Philosophie und Literatur veränderte sich die Auffassung zum Verhältnis zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Noch in den 70er Jahren glaubte man an eine objektive, singuläre Wahrheit, die durch die Literatur ans Licht gebracht werden konnte. Literatur kam damit einer aufklärenden und Lügen aufdeckenden Funktion nach. Der anschließende Rückzug in die Autobiografie und die ‚neue Subjektivität‘ enthüllen die Einsicht in das Versagen der Fiktion vor der Wirklichkeit. Infolge von wachsenden Bedenken gegenüber realistischen Darstellungsmöglichkeiten und zunehmender Skepsis gegenüber der Ich-Identität und -Authentizität verlor sich auch der Glaube an eine einzelne Wahrheit. Der Anspruch an Wiedergabe von Wirklichkeit (als einzelne Wahrheit oder dem Nebeneinander vieler Wirklichkeiten) durch Literatur wurde in den 80er Jahren aufgegeben. Stattdessen verwies sie in zunehmendem Maß auf sich selbst und den Akt des Schreibens (z. B. in Friedrich Dürrenmatts Novelle Der Auftrag oder Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter, 1986). Wenn nichts mehr als Wahrheit sprachlich abzubilden ist, besinnt man sich auf das eigentliche und grundlegende Thema der Literatur: das Schreiben selbst und das durch Sprache erzeugte Produkt. So gibt es eine Vielzahl von Texten, in deren Zentrum der Schreibende steht, dessen Identität vorwiegend durch den Schreibakt bestimmt ist. Die Hervorhebung der Produktionsinstanz wiederum betont (neben anderen Merkmalen) die Fiktionalität des Dargestellten. Die Texte, wie auch der vorliegende, legen es geradezu darauf an, als Fiktion entlarvt zu werden, weil eine unüberschaubare Welt nicht als auch nur im Ansatz abbildbar gesehen wird. „Mit dem Abschied von realistischer Darstellung büßte das Erzählte Linearität, Konsistenz und Mimesis ein. Sprachskepsis, ja der Zweifel an der Übereinstimmung von Zeichen und Bezeichnetem überhaupt, schienen der Literatur den Boden zu entziehen: Ihre Verankerung in der Welt.“[4] Statt der Vermittlung einer Geschichte durch eine glaubwürdige Erzählinstanz gibt es jetzt Varianten, Irritationen, „das Konstruktionsprinzip der Wirklichkeitsüberblendung“.[5]

Beispiele:

Peter Bichsel, Die Jahreszeiten (1967), Der Busant. Von Trinkern, Polizisten und der schönen Magelone (1985)

Otto F. Walter, Der Stumme (1983), Das Staunen der Schlafwandler am Ende der Nacht (1983)

Reto Hänny, Ruch. Ein Bericht (1984), Flug (1985)

Matthias Zschokke, Max (1982, Prinz Hans (1984), ErSieEs (1986)

Italo Calvino, Wenn ein Reisender in einer Winternacht (1983)

Robert Schneider, Schlafes Bruder (1992)

Postmoderne Merkmale

Aufgabe des Zwanges, ständig etwas Neues machen zu müssen (Innovationszwang)

Auflösung der trennenden Gattungszuordnungen, Aufhebung der Grenze zwischen unterhaltender und ‚ernster‘ Literatur

Werk ist als literarisches Konstrukt erkennbar. Durchschaubarkeit der Konstruktionsmechanismen

Nebeneinander vieler verschiedener Lesarten durch die Vielfalt der intertextuellen Bezüge (Spiel mit Zitaten, Verweise auf andere Werke der Literatur und der Kunst), Mehrfachkodierung (Doppeldeutigkeiten; Zuordnung und Verstehen auf verschiedenen Ebenen möglich), Leser als Co-Autor

Metatextualität (Reflexion eines Textes über sich selbst, ein auf einem anderen Text beruhender Text), Verlust des Erzählers als verlässliche Instanz

Amerika-Thematik im schweizerischen Roman des ausgehenden 20. Jahrhunderts

In der Schweizer Literatur gibt es eine Vielzahl von Texten, in denen der Schauplatz der Ereignisse (zumindest teilweise) Amerika ist und in denen ein bestimmtes Bild von Amerika im Verhältnis zur Schweiz vermittelt wird. Zu diesen gehören Werke von Peter Bichsel, Franz Böni, Friedrich Dürrenmatt, Christoph Geiser, Jürg Federspiel, Max Frisch, Eveline Hasler, Urs Jaeggi, Hanna Johansen, Rolf Lappert, Hugo Loetscher, Erica Pedretti, Kuno Raeber, Gerold Späth, Walter Vogt, Urs Widmer, Gertrud Wilker.[6] Auch in Agnes wird mit Klischees, Vorurteilen und neuen Sichtweisen von Amerika bzw. der Schweiz umgegangen (vgl. Agnes S. 52, 100 f., 121 f., 124, 142 f., 85, 104, 137; dazu auch Bühler, Markus / Stamm, Peter: Gotthard. Die Steinerne Seele der Schweiz. AS Verlag 1997).

Auf andere Weise mit Schweizer Literatur verknüpft sich Agnes durch die Erinnerung an den Selbstmord des Schriftstellers Robert Walser auf einem einsamen Spaziergang im Schnee in der Schweiz.

Themen des Romans

Peter Stamms Agnes nimmt eine Reihe von wichtigen Themen der Gegenwartsliteratur auf:

unerfüllte Sehnsucht nach Liebe heutiger Menschen, Kühle und Beziehungsunfähigkeit; moderne Singles zwischen Freiheit und Sinnlosigkeit der Einzelexistenz; Eis, Kälte, Schnee als Metapher dafür

Einsamkeit und Tod

Heimatlosigkeit und Fremdheit

Wirkung und Macht der Medien

Gefühl des Mangels, Suchen nach dem Wesentlichen und Sinnhaftigkeit, Oberfläche und dahinter Stehendes, Bedeutungsverlust

Erzähler und Erzähltes