101 Namibia - Reiseführer von Iwanowski - Michael Iwanowski - ebook

101 Namibia - Reiseführer von Iwanowski ebook

Michael Iwanowski

0,0

Opis

Namibia ist ein ideales Reiseland für Afrika-Liebhaber und solche, die es werden wollen: Die außergewöhnliche Natur und nahezu unendliche Weite in Kombination mit bequemen Direktflügen, geringer Zeitverschiebung, einem gesunden Hochlandklima sowie vielseitigen und guten Unterkunftsmöglichkeiten locken immer mehr Urlauber an. In "101 Namibia" stellt der Namibia-Experte Michael Iwanowski ein abwechslungsreiches Reise-Mosaik zusammen: Auf jeweils einer Doppelseite werden 101 bekannte und weniger bekannte Ziele aus den Kategorien Landschaft und Natur, Tiere und Pflanzen, Menschen und Kultur sowie Safaris vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt auf der Beschreibung der rund 60 schönsten Lodges und Gästefarmen, die an sich oft schon eine Reise wert sind. Die Auswahl spiegelt die Fülle der Möglichkeiten und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Auch organisatorische Fragen wie Anreise, Reisezeit, Mietwagen, Gesundheitsvorsorge, Camping und Sicherheit werden beantwortet. Ein weiteres Thema sind die Vor- und Nachteile von Selbstfahrertouren und Gruppensafaris.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 292

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



IWANOWSKI’S 101

101 NAMIBIA– TOP-ZIELE

Namibia gehört zu den am dünnsten besiedelten Gebieten der Erde und eignet sich ideal für grandiose Naturerlebnisse, sei es in den gewaltigen roten Dünen des Sossusvlei, in der touristisch kaum erschlossenen Einsamkeit des Khaudum National Park oder an der rauen Skelettküste, S. 10 Die „Big Five“ und mehr: Nicht nur im Etosha National Park, sondern auch in der Sambesi-Region oder im Kaokoveld lassen sich tolle Tierbeobachtungen machen. Trotz des im Allgemeinen trockenen Klimas gibt es in Namibia eine vielfältige Flora. Verschiedene Sukkulentenarten haben sich perfekt an ihre lebensfeindliche Umgebung angepasst, S. 42 Seit Jahrtausenden besiedeln alte Kulturvölker wie die San den Südwesten Afrikas. Noch heute finden sich zahlreiche Spuren vergangener Zeiten, etwa Felszeichnungen, Gravuren oder Werkzeuge. Auch die Kolonialzeit hat deutliche Spuren hinterlassen, was man vor allem in den Städten wie Swakopmund oder Windhoek sehen kann, S. 60 Wer eine Namibia-Reise plant, hat die Qual der Wahl: Tierbeobachtungen im Norden oder doch eine Rundtour durch das ganze Land? Lieber eine mehrtägige Wüstenwanderung oder eine Fly-in-Safari an der Skelettküste? Routenvorschläge für unterschiedliche Budgets, Zeitrahmen und Vorlieben helfen bei der Planung, S. 82 Von rustikalem Farmleben zwischen Rindern und Schafen bis zur Luxuslodge mit eigenem Butler, von der Gästefarm mit Familienanschluss bis zur exklusiven Einsamkeit in der Wüste – die Bandbreite der Unterkünfte in Namibia ist riesig, S. 100

Michael Iwanowski

101 Namibia

Die schönsten Reiseziele,Lodges & Gästefarmen

Im Internet:www.iwanowski.deHier finden Sie aktuelle Infos zu allen Titeln, interessante Links – und vieles mehr!Einfach anklicken!Schreiben Sie uns, wenn sich etwas verändert hat. Wir sind bei der Aktualisierung unserer Bücher auf Ihre Mithilfe angewiesen:[email protected]

101 NamibiaDie schönsten Reiseziele, Lodges und Gästefarmen3. Auflage 2017

© Reisebuchverlag Iwanowski GmbHSalm-Reifferscheidt-Allee 37 · 41540 DormagenTelefon 0 21 33/26 03 11 · Fax 0 21 33/26 03 [email protected]

Titelfoto: Dana Allen/Wilderness SafarisAlle anderen Farbabbildungen: siehe Bildnachweis Seite 237Redaktion und Lektorat: Mareike WegnerLayout: Ulrike Jans, KrummhörnKarten: Astrid Fischer-Leitl, MünchenTitelgestaltung: Point of Media, www.pom-online.deRedaktionelles Copyright, Konzeption und deren ständige Überarbeitung:Michael Iwanowski

Alle Rechte vorbehalten. Alle Informationen und Hinweise erfolgen ohne Gewähr für die Richtigkeit im Sinne des Produkthaftungsrechts. Verlag und Autoren können daher keine Verantwortung und Haftung für inhaltliche oder sachliche Fehler übernehmen. Auf den Inhalt aller in diesem ebook erwähnten Internetseiten Dritter haben Autoren und Verlag keinen Einfluss. Eine Haftung dafür wird ebenso ausgeschlossen wie für den Inhalt der Internetseiten, die durch weiterführende Verknüpfungen (sog. „Links“) damit verbunden sind.

ISBN epub: 978-3-86457-202-9ISBN Mobipocket: 978-3-86457-203-6ISBN pdf: 978-3-86457-204-3

Inhalt

Einleitung

Vorwort

Naturschutz und Tourismus in Namibia

Natur und Landschaft

1   Für Abenteurer: 4x4-Tour durchs Kaokoveld

2   Westcaprivi: Popa Falls und Bwabwata National Park

3   Offroad-Erlebnis im Khaudum National Park

4   Spektakuläre Skelettküste

5   Naturwunder und Stätte der Weltgeschichte: der Waterberg

6   Geheimnisvoller schwarzer Fels in der Savanne: das Brandbergmassiv

7   Klettern und Kunst: Spitzkoppe und Erongo

8   Die Nordspitze des Namib-Naukluft-Parks

9   Dünenwanderung im Sossusvlei

10 Wandern und 4-Pässe-Fahrt in der Naukluft

11 Gerettetes Wüstenparadies: das NamibRand Nature Reserve

12 Braune Hyänen in rauer Landschaft: das Diamantensperrgebiet und die Atlantikküste

13 Wandern im Fish River Canyon

14 Wilde Einsamkeit im Ai-Ais/Richtersveld Transfrontier Park

15 Entlang und auf dem Oranje

Tiere und Pflanzen

16 Tierparadies Sambesi-Region

17 Wüstenelefanten im Kaokoveld

18 Weltberühmt: der Etosha National Park

19 Heimat der Seebären: Cape Cross

20 Die Welwitschia-Route bei Swakopmund

21 Abstecher über Mata Mata zum Kgalagadi Transfrontier Park

22 Köcherbäume und andere Sukkulenten

23 Tierparadies Gondwana Canyon Park

Menschen und Kultur

24 Begegnungen mit Himba im Kaokoveld

25 Abstecher nach Botswana: Shakawe und Tsodilo Hills

26 Die Felsgravuren von Twyfelfontein

27 Alt und neu in Windhoek

28 Koloniales Erbe in Swakopmund

29 Walvis Bay: Fischfang und Vogelschutz

30 Namibias Weinanbau-Wunder: Neuras am Rande der Naukluft

31 Schloss in der Wüste: Duwisib Castle

32 Jugendstil-Architektur in Lüderitz

33 Vergangener Wohlstand: Kolmanskuppe

Safaris

34 Klassische Namibia-Rundreise

35 Namibias Norden: vom Atlantik bis zu den Victoria Falls

36 Wüstenwanderungen in Namibia

37 Heiraten und Honeymoon in Namibia

38 Namibia mit Kindern

39 Für Naturliebhaber und Ruhesuchende: Camping-Rundreise Namibia

40 Namibia barrierefrei

41 Fly-in-Safari entlang der Skelettküste

Lodges und Gästefarmen

42 Üppige Vegetation und Himba-Kultur: die Kunene River Lodge

43 Ongula Village Homestead Lodge: traditionelles Leben im Ovamboland

44 Hakusembe River Lodge: tolle Lage am Okavango mit Natur- und Kulturerlebnissen

45 Kayova River Lodge: die etwas andere Unterkunft hoch über dem Okavango

46 Nambwa Tented Lodge: afrikanisches Design direkt am Kwando

47 Lianshulu, Susuwe Island und Bush Lodge: Juwele in Afrikas Wildnis am Kwando

48 River Dance Lodge: ein Designer-Traum hoch über dem wilden Okavango

49 Nkasa Lupala Tented Lodge:Vorposten der Wildnis des Kwando-Linyanti-Flusssystems

50 Okahirongo Elephant Lodge im Kaokoveld und River Camp am Kunene

51 Ruhe und Natur pur: die Etosha Aoba Lodge

52 Minimalistische Eleganz vor den Toren des Nationalparks: [email protected]

53 NWR-Camps im Etosha National Park

54 Afrika pur für jeden Geschmack: Onguma

55 Die Mushara Collection: vom Kinderparadies bis zur Luxusvilla

56 Auf Tuchfühlung mit den schnellen Jägern: Geparde auf Otjitotongwe

57 Luxus und Naturschutz: das Ongava Game Reserve im Süden Etoshas

58 Die Gondwana Etosha Collection

59 Rustikal, herzlich und mit Familienanschluss: die Vreugde-Gästefarm

60 Uriger Charme in grandioser Landschaft:Grootberg Lodge und Hoada Campsite

61 Gästefarm Kamrav: Gastfreundschaft und Farmleben wie zu Omas Zeiten

62 Kambaku Safari Lodge: Wildlife und Natur erleben, reiten und relaxen

63 Ruhe und Erholung in der Huab Lodge

64 Gästefarm mit Fernsicht: Bambatsi

65 Ein Hauch von Luxus für jedermann: die Frans Indongo Lodge

66 Luxus der Stille auf dem „Platz Gottes“: das Mowani Mountain Camp

67 Waterberg Wilderness: Natur, Kultur und Geschichte erleben

68 Die Gästefarm Okonjima und AfriCat

69 Harmonie zwischen Natur und Architektur: die Erongo Wilderness Lodge

70 Tolle Bergkulisse und San-Kultur auf Omandumba

71 Urlaub auf einer echten Rinderfarm: die Gästefarm Haasenhof

72 Am „Ort des Wassers“: das Erindi Game Reserve

73 Traditionelle Gästefarm am Fuße der Erongoberge: die Farm Eileen

74 Zentral gelegen und gemütlich: die Namib Guestfarm Onduruquea

75 Komfort inmitten stiller, einsamer Landschaft: die Etusis Lodge

76 Leoparden und mehr auf der Gästefarm Düsternbrook

77 Die Hohenstein Lodge:eindrucksvolles Landschaftserlebnis im Erongogebirge

78 N/a’an ku sê Lodge und Kanaan N/a’an ku sê Desert Retreat

79 Tiere, Tiere, Tiere: die Okambara Elephant Lodge

80 Eningu Clayhouse Lodge: Hier stand das Stachelschwein Pate!

81 Namibias Küste entdecken: die Lagoon Loge in Walvis Bay

82 Traditionsfarm am Rande der Namib: die Gästefarm Niedersachsen

83 Segelfliegen, Kunsthandwerk und Sternbeobachtung auf der Gästefarm Kiripotib

84 Iglus in der Wüste: die Rostock Ritz Desert Lodge

85 Katiti’s Place: eine Luxusunterkunft zum Träumen und Genießen

86 Afrika-Feeling inmitten roter Dünen: das Intu Afrika Kalahari Game Reserve

87 Der Gondwana Namib Park mit Desert Lodge und Dune Star Camp

88 Naukluft Experience: die Gästefarmen Ababis und BüllsPort

89 Ruhe und Gastlichkeit im Herzen der Namib: die Weltevrede-Gästefarm

90 Vom Bett aus auf die Dünen schauen in der Sossus Dune Lodge

91 Der Gondwana Kalahari Park

92 Die Wüste erleben in Kalahari Red Dunes und Teufelskrallen Tented Lodge

93 Mit Blick auf die Dünen des Sossusvlei: die Little Sossus Lodge

94 Auf dem Rücken der Pferde … die Desert Homestead Lodge

95 Schlafen unter Sternen am Rande der Namib: die Kulala Desert Lodge

96 Im Einklang mit der Natur: Wolwedans Camps im NamibRand Nature Reserve

97 Ökologie und Gastfreundschaft im Namtib-Biosphärenreservat

98 Urige Gästefarmen in den Tirasbergen

99 Klein-Aus Vista im Gondwana Sperrgebiet Rand Park

100 Die Gondwana Fish River Canyon Collection

101 Nicht nur für Wassersportler: das Norotshama River Resort

Anhang

Allgemeine Reiseinformationen

Autofahren und Mietwagen

Infos und Tipps für den Campingurlaub in Namibia

Safari auf eigene Faust oder in der Gruppe?

Gesundheit: Impfungen und andere Vorbeugungsmaßnahmen

Literatur

Stichwortverzeichnis

Michael Iwanowski bereist seit über 30 Jahren regelmäßig Namibia. 1983 veröffentlichte der studierte Geograf den ersten deutschsprachigen Reiseführer über das Land. Sein renommiertes Reiseunternehmen „Iwanowski’s Individuelles Reisen“ ist einer der Marktführer für Individualreisen in das südliche Afrika. In Iwanowski’s Reisebuchverlag sind viele weitere Reiseführer von ihm erschienen, unter anderem zu Südafrika, Botswana und Florida.Die freie Autorin und Redakteurin Daniela Kebel steuerte für diesen Band 6 Texte bei, diese sind namentlich gekennzeichnet.

Vorwort

„101 Namibia“: Der Titel will neugierig machen auf die vielen Facetten des abwechslungsreichen Landes im Südwesten Afrikas. Namibia ist noch heute sprachlich und kulturell geprägt von der relativ kurzen deutschen Kolonialzeit. Seit seiner Unabhängigkeit von Südafrika im Jahre 1990 hat es jedoch eine große Eigenständigkeit entwickelt und zieht immer mehr an Land und Leuten interessierte Reisende an.

Die außergewöhnliche Natur und unendliche Weite Namibias stellen einen besonderen Reiz für den Besucher dar und sie sind nur knapp 10 Flugstunden von uns entfernt. Maximal eine Stunde Zeitverschiebung, ein gesundes Hochlandklima, vielseitige und gute Unterkunftsmöglichkeiten, hohe Sicherheit für den Reisenden, keine besonderen Gesundheitsrisiken: in der Summe also das ideale Reiseland für Afrika-Liebhaber und solche, die es werden wollen.

In „101 Namibia“ stelle ich Ihnen ein Mosaik zusammen, das Lust auf mehr machen soll. Auf jeweils 2 Seiten sind Ziele aus den Kategorien Landschaft und Natur, Tiere und Pflanzen, Menschen und Kultur, Safaris sowie Lodges und Gästefarmen zusammengestellt. Dies ist kein Reiseführer im klassischen Sinne und es wird auch kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Stattdessen sollen ausgewählte Spots die Fülle der Möglichkeiten spiegeln. Ich möchte zeigen, wie schön, wie vielseitig und abwechslungsreich das Land zwischen Namib und Kalahari ist.

Dabei werden auch organisatorische Fragen erörtert: Wie anreisen? Wo übernachten? Wo gibt es weitere Informationen? Wer bietet Touren und Ausflüge an? So können Sie sich nach und nach Ihr eigenes Reisepuzzle Namibia zusammensetzen und alles nach Ihren persönlichen Wünschen und Bedürfnissen gestalten.

Im Anhang finden sich Informationen zu den Themen Autofahren und Mietwagen, Klima und Reisezeit, Sicherheit und Gesundheit sowie Campingurlaub in Namibia. Auch Vor- und Nachteile von Selbstfahrertouren bzw. Gruppensafaris werden thematisiert.

Für welche Route und welche Spots Sie sich auch entscheiden werden, ich wünsche Ihnen in jedem Fall eine gute Reise – Gute Pad!

Ihr Michael Iwanowski

Naturschutz und Tourismus in Namibia

Interview mit Mannfred Goldbeck, dem Geschäftsführenden Direktor der Gondwana Collection Namibia

Herr Goldbeck, Sie waren einmal Lehrer, wie und wann sind Sie mit dem Thema Naturschutz in Namibia in Berührung gekommen?

Schon als kleiner Junge war ich ständig in der Natur, denn ich bin auf einer Farm aufgewachsen. Als Geografie- und Sportlehrer habe ich versucht, meine Begeisterung für die Natur an meine Schüler weiterzugeben. Wir haben regelmäßig Ausflüge unternommen und uns dabei mit der jeweiligen Gegend beschäftigt, mit den geologischen Gegebenheiten, mit typischen Pflanzen und Tieren und auch mit der Geschichte. Wer sich für etwas begeistert, will es natürlich auch erhalten. So bekommt man einen scharfen Blick für Schäden und Gefahren – und macht sich dann Gedanken darüber, warum die Natur geschädigt wird und wie man sie besser schützen kann.

Ist die Situation in Namibia – beispielsweise durch ökologische oder historische Faktoren – eine Besondere?

Der Erhalt der Natur ist weltweit eine der wichtigsten Aufgaben des Menschen. Aber in Namibia hat der Naturschutz in der Tat einen besonderen Stellenwert. Zum einen, weil Namibia zum größten Teil aus Trockengebieten besteht; im Süden treffen mit Kalahari, Nama-Karoo, Sukkulenten-Karoo und Namib 4 Wüstensysteme zusammen. Wüsten sind hochempfindliche Ökosysteme, in denen jede einzelne Pflanzen- und Tierart eine lebenswichtige Rolle für das Ganze spielt. Ein Kameldornbaum, der an einem Rivierlauf steht und mit seinen bis zu 60 m langen Wurzeln das Grundwasser anzapft, ist eine Oase für rund 4.000 Insekten und Spinnentiere. Stirbt er, stirbt ein ganzer Mikrokosmos. Außerdem sind viele unserer Pflanzen- und Tierarten endemisch, kommen also nirgendwo sonst auf der Welt vor. Die Sukkulenten-Karoo im Südwesten Namibias gilt mit mehr als 6.000 Pflanzenarten als artenreichste Wüste der Welt.

Eine besondere Verantwortung tragen wir aber auch, wie Sie richtig ansprechen, vor dem Hintergrund der Geschichte. Das meiste Land wurde ab dem 19. Jahrhundert schrittweise von deutschen und südafrikanischen Siedlern übernommen und bewirtschaftet. Seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 versucht die Regierung mit der Bodenreform, das Land an afrikanischstämmige Namibier umzuverteilen, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen und insgesamt für sozialen Frieden zu sorgen. Oberstes Ziel ist außerdem die Entwicklung der Wirtschaft. Daher lässt sich reiner Naturschutz, der Pflanze und Tier, aber nicht dem Menschen nützt, nicht rechtfertigen und praktizieren. Dass sich Natur und Entwicklung vereinbaren lassen im Rahmen des Tourismus, ist bis heute vielen Namibiern nicht bewusst – kein Wunder, denn mehr als die Hälfte von ihnen lebt im hohen Norden des Landes, der von Landwirtschaft geprägt ist und kaum Tourismus kennt. Trotzdem hat die Regierung uns ermöglicht, ab 1995 am Fish River Canyon Land für einen großen Naturpark zu erwerben. Sie hat erkannt, dass sich das Gebiet für Landwirtschaft kaum eignet, und uns vertraut, dass wir das Land zum Wohle aller nutzen. Wir stehen nun in der Verantwortung, dem Vertrauen der Regierung gerecht zu werden, indem wir Naturschutz betreiben, Arbeitsplätze schaffen und nach Kräften zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Namibias beitragen.

Die 3 Säulen der Gondwana-Philosophie sind: Natur, Tourismus, Menschen. Können Sie das dahinterstehende Konzept noch etwas genauer erläutern?

Wie bereits gesagt, kann Land in den Wüsten Namibias an geeigneten Stellen mit Gastbetrieb viel besser genutzt werden als mit Viehwirtschaft. Betten bringen höhere Einnahmen als Ziegen und Schafe, schaffen mehr und bessere Arbeitsplätze und belasten die Natur viel weniger. Damit sind wir bei unseren 3 Säulen: Tourismus, Natur und Mensch. Alle 3 Säulen sind nötig, damit es langfristig erfolgreich funktioniert. Denn ohne Natur keine Touristen; ohne Touristen keine Einnahmen und damit auch kein Naturschutz und keine Arbeitsplätze; ohne Mitarbeiter und Unterstützung durch die Menschen, die in der Umgebung leben, kein Gastbetrieb und kein Naturschutz.

Welche allgemeinen Entwicklungen und Tendenzen im Verhältnis von Naturschutz und Tourismus beobachten Sie und welchen Handlungsbedarf sehen Sie für die Zukunft?

Der Tourismus hat in den 20 Jahren seit der Unabhängigkeit stark zugenommen. Es gibt Stimmen, die vor Massentourismus warnen. Diese Befürchtungen halte ich für unbegründet. Obwohl unsere natürlichen Ressourcen begrenzt sind, sehe ich noch viel Spielraum für Wachstum. Dieses Wachstum geschieht im Rahmen klarer Konzepte und Gesetze, die den Gastbetrieb regulieren und die Natur schützen. Das Problem ist eher, dass diese Gesetze nicht immer so konsequent angewandt werden, wie man es sich wünscht. Das liegt auch daran, dass die Regierung dem Tourismus und Naturschutz noch immer keine so hohe Priorität einräumt wie etwa dem Bergbau, dem Fischfang oder der Landwirtschaft. Dabei steht der Tourismus in der Zahl der Arbeitsplätze an zweiter und beim Beitrag zum Bruttosozialprodukt an dritter Stelle. Zudem gilt er als Sektor mit dem größten Wachstumspotenzial. Je mehr der Gastbetrieb zunimmt, desto mehr wird er von der Regierung wahrgenommen und berücksichtigt. Für ganz wichtig halte ich außerdem, die Jugend frühzeitig an Tourismus und Naturschutz heranzuführen, indem man an den Schulen entsprechende Pflichtfächer einführt. Kinder sind die besten Naturschützer – heute und morgen.

Der Name „Gondwana“

Gondwana war der südliche Ur-Kontinent, der sich vor Jahrmillionen in Afrika und Südamerika spaltete – was dazu beitrug, dass der Fish River Canyon, das Kalahari-Becken und der Wüstenstreifen an der Küste mit Sukkulenten-Karoo und Namib entstanden. Der Name Gondwana steht also für die Wüsten Namibias.

Für Abenteurer: 4x4-Tour durchs Kaokoveld

Das Kaokoveld zählt zu den besonders unberührten Landstrichen in Namibia. Im Nordwesten des Landes gelegen und an den Kunene grenzend, ist es das Gebiet der hererosprechenden Himba. Im Westen schließt sich die unwirtliche Skelettküste an, seit jeher eine natürliche Barriere. Die Buchtenarmut und die sturmgepeitschte See hielten Eroberer fern, die zerklüftete Gebirgswelt tat ihr Übriges: kein Land für Eindringlinge! In dieser Abgeschiedenheit konnte sich das Volk der Himba zumindest teilweise seine ethnische Eigenart und Kultur bewahren.

Insgesamt betrachtet, ist das Kaokoveld sehr bergig. 3 Gebirgszüge erheben sich: der Ehombo, die Zebraberge und das große Baynes-Gebirge. Die Landschaft zeichnet sich durch die bizarren, pastellfarbenen Gebirge, urtümliche Flüsse sowie eine äußerst dünne Besiedlung aus. Dem Reisenden steht nur eine sehr dürftige touristische Infrastruktur zur Verfügung. Individualreisende sollten deshalb grundsätzlich mit 2 Geländewagen und entsprechendem Vorrat an Wasser, Lebensmitteln und Benzin unterwegs sein. Gutes Kartenmaterial und ein Navigationssystem sind absolut notwendig. Viele der „Straßen“ sind schwere Pisten oder kaum erkennbare Wege, die nur dem geübten Geländewagen-Fahrer vorbehalten sind.

Man muss sich entlang der gesamten Strecke praktisch ausschließlich auf Camping einrichten. Wildes Campen ist noch überall erlaubt. Angelegte Campingplätze gehören im Kaokoveld oft den Communities oder kleinen Unternehmern. Solche Campingplätze liegen z. B. im Bereich Marienfluss-Tal/Kunene, an den Epupa Falls und an der Strecke von Swartbooisdrift nach Ruacana.

Der Kunene bildet im Kaokoveld Namibias natürliche Grenze zu Angola

Im Geländewagen durch das Hartmanntal

Für eine Tour durchs Kaokoveld sind auf jeden Fall die trockenen und kühleren Monate zwischen April und September vorzuziehen. Vorsicht: Wenn es eine starke sommerliche Regenzeit gab, können viele Wege noch schlimmer sein, als sie es üblicherweise sind! Selbst im Winter wird es tagsüber 30–35 °C heiß, die Temperaturen fallen aber nachts durchaus auf bis zu 5 °C ab. Im Bereich der Hartmannberge und des westlichen Kunene-Tals kommt oft Küstennebel in den frühen Morgenstunden auf – die Temperaturen fallen dann entsprechend.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Kaokoveld noch ein wildreiches Gebiet. Neben den kleineren Antilopenarten, wie Springböcken, Stein- und Gemsböcken, gab es auch Löwen, Nashörner und Elefanten. Dieser Wildreichtum lockte Jäger an, die den Tierbestand stark dezimierten und manche Arten in dieser Region komplett ausrotteten. Durch konsequente Bekämpfung der Wilderei in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten konnte sich aber wieder eine reiche Fauna im Kaokoveld entwickeln. Berühmt sind die Wüstenelefanten. Man schätzt ihre Zahl auf 500 bis 800 Exemplare. Daneben gibt es Nashörner, Zebras, Kudus, Schakale und viele andere an die harten Bedingungen angepassten Tiere. Unterwegs wird man häufig Oryxantilopen, Springböcken und manchmal Giraffen begegnen, die gerne in akazienbestandenen Flusstälern leben.

INFO

Übernachten: Wer sich statt Camping mal ein festes Dach über dem Kopf gönnen möchte, hat u. a. die Wahl zwischen der exklusiven Okahirongo Elephant Lodge (S. 118) und der erschwinglicheren Kunene River Lodge (S. 102).

Touren: Geführte Campingsafaris ins Kaokoveld bieten zum Beispiel Namibia Tracks & Trails (www.namibia-tracks-and-trails.com) an.

Westcaprivi: Popa Falls und Bwabwata National Park

Der sogenannte Caprivizipfel ist mit seiner charakteristischen Fingerform ein topografisches Unikum auf der Landkarte des südlichen Afrika. 2 große, majestätisch wirkende Flüsse durchqueren das Gebiet von Norden nach Süden: der Okavango und der Kwando. Über den westlichen Eingang des Caprivizipfels gelangt man ins frühere Kavangoland. Dem Reisenden offenbart sich eine wunderschöne Landschaft: fruchtbares Uferland und eine für Landesverhältnisse üppige Vegetation. Etwa 500–600 mm Niederschlag fallen hier jährlich. Weiter südlich des Okavango nehmen die Niederschläge ab. In Ufernähe findet man Getreidefelder, Obstund Gemüseanbau.

Die Popa Falls bei Bagani werden von den Einheimischen auch „Mpupo“ genannt, was so viel wie „stürzendes Wasser“ bedeutet. Sie sind ein idealer Zwischenstopp bei einer Durchquerung des Caprivizipfels. Es handelt sich hierbei weniger um einen Wasserfall als vielmehr um Stromschnellen. Der Okavango stürzt hier über felsigen Untergrund (dunkler Quarzit) etwa 3 m tief. Während der Trockenzeit ist der Eindruck dieser Kaskaden imposanter als zu Zeiten hohen Wasserstandes, wo der Fluss leichter über die Felsklippen hinweghuscht. Das Wasser ist herrlich klar, sodass man die Fälle auch manchmal als „White Water Falls“ bezeichnet. Immer wieder gibt es Pläne zum Bau eines Stausees mit dem Ziel der Elektrizitätsgewinnung. Mit Sicherheit würde die Realisierung eines solchen Projekts viel von der malerischen Schönheit des Gebiets nehmen.

Sonnenuntergang am Okavango

15 km südlich der Popa Falls – auf dem Wege nach Botswana (Shakawe) – liegt der ehemalige Mahango Game Park. Dieser ist seit 2007 ein Teil des großen Bwabwata National Parks, zu dem außerdem das Gebiet des ehemaligen West Caprivi Game Parks gehört. Der nicht eingezäunte Park umfasst nun etwa 6.000 km2 und liegt zwischen dem Okavango und dem Kwando. Hier leben heute mehr als 5.000 Elefanten, Büffel, Flusspferde, Löwen und Leoparden sowie die savannentypischen Antilopenarten.

Zwar sind Teilstrecken je nach Jahreszeit mit einem normalen Pkw mittlerweile befahrbar, doch die 19 km lange Rundfahrt kann man nur mit einem Allradfahrzeug unternehmen. Diese Rundfahrt führt durch den Thinderevy-Omuramba, später über eine Dünenkette in den Mahango-Omuramba und entlang der Okavango-Flussaue zurück.

Da das Gebiet teilweise am Okavango liegt, kann man hier Flusspferde, Krokodile und Litschiantilopen beobachten. In der Trockenzeit stehen die Chancen gut, viele Elefanten anzutreffen, die aus Angola, Sambia und Westcaprivi kommen. Vor allem für Ornithologen ist das Gebiet sehr interessant. Die riesigen Baobab-Bäume im Ostteil sind ebenfalls sehenswert.

Wegen des extrem klaren Wassers werden die Popa Falls auch „White Water Falls“ genannt

INFO

Übernachten: Das kürzlich umfassend renovierte Popa Falls Camp von Namibia Wildlife Resorts (NWR) liegt direkt am Okavango, an den letzten Stromschnellen, bevor der Fluss ins Okavangodelta fließt. Die schön gestalteten Chalets mit eigener Terrasse stehen unter Schatten spendenden hohen Bäumen. Restaurant, Schwimmbad und Campingplatz sind vorhanden (www.nwr.com.na). Schöne Alternativen in der Region sind die Kayova River Lodge (S. 108), die noch ein richtiger Geheimtipp ist, sowie die renommierte Divava Okavango Lodge mit Spa (www.divava.com).

Sonstiges: Eine Malariaprophylaxe ist ganzjährig notwendig.

Offroad-Erlebnis im Khaudum National Park

Für abenteuerlustige Offroad-Fahrer ist der Khaudum National Park eine besondere Herausforderung. Das 3.842 km2 große Wildreservat ist der einzige Teil Namibias, in dem das Kalahari Sandveld unter absolutem Naturschutz steht. Hier kann man Giraffen, Elefanten, verschiedene Antilopenarten (Oryx- und Pferdeantilopen, Springböcke, Kudus, Steinböcke), Hyänen, Schakale, Leoparden und Löwen beobachten, aber auch für Ornithologen ist das Gebiet hochinteressant. Der Park ist nicht eingezäunt, sodass die Tiere ihren Migrationsrouten ungehindert folgen können.

Auf dem Weg in den Khaudum

Eine günstig gelegene Zwischenstation auf dem Weg von Zentralnamibia in den Nationalpark ist die nahe der B8 gelegene Gästefarm Wildacker. Von hier aus fährt man zunächst über die C44 nach Tsumkwe und dann weiter ins Khaudum-Gebiet (Gesamtstrecke ca. 260 km). Wildacker ist eine sehr persönlich geführte Unterkunft in einem 150 km2 großen privaten Wild- und Naturschutzgebiet. 5 großzügige, modern ausgestattete Bungalows stehen für die Gäste bereit. Die familiäre Atmosphäre sowie die abwechslungsreiche Landschaft und Tierwelt laden auch zu einem längeren Aufenthalt auf der Farm ein.

Die Vegetation besteht aus Trockenwäldern. Das Gebiet erhält im Sommer meistens so viel Regen, dass das Gras sehr hoch wächst und die Tierbeobachtungen erschwert werden. Da der Park nur von wenigen Touristen besucht wird, ist das Wild sehr scheu. Durch das Parkgebiet ziehen vereinzelte San-Familien, dier hier Wildfrüchte sammeln.

Die Tour erfordert gute Planung und Offroad-Erfahrung

Die Khaudum-Region gehört zu den westlichen Ausläufern der Kalahari-Sandwüste. Vor mehr als 100 Millionen Jahren bildete das Kalahari-Becken eine riesige, flache Mulde, die allmählich mit Sedimenten zugedeckt wurde. Im südwestlichen Gebiet lagerten sich Sandschichten in einer Dicke von bis zu 350 m ab, im östlichen Teil dagegen erreichten sie nur 50 m. Vor ca. 3 Millionen Jahren formten Winde von Osten nach Westen verlaufende Dünen, die in der feuchteren Folgezeit durch Vegetation verfestigt wurden.

Nur an wenigen Stellen tritt aus diesem Sandmeer Grundgestein an die Oberfläche, so z. B. bei Andara am Okavango, wo alte Basaltformationen zu Tage kommen oder in der Nähe des Camps Sikereti, wo man an einigen Stellen Quarzite entdecken kann.

Die Tiere können ungehindert ihren Migrationsrouten folgen

Der Park ist durchzogen von sogenannten Omiramba. Diese Bezeichnung stammt aus der Herero-Sprache und heißt so viel wie „schlecht zu erkennender Flusslauf“. Fast alle Omiramba (in Nordafrika auch Wadis genannt, in den USA Creeks) führen bzw. fließen (falls Wasser vorhanden ist) parallel zu den in ostwestlicher Richtung verlaufenden Dünen. In der geologischen Vergangenheit, als es in diesem Gebiet viel mehr regnete, führten diese Flüsse wahrscheinlich in Richtung Okavangobecken.

Heute fließen sie nicht mehr: Nur in der Regenzeit kann es vorkommen, dass Teile der Flusstäler für kurze Zeit gefüllt werden. Dann sickert das Wasser durch die Sandschichten zum Okavangobecken, während umgekehrt in der Trockenzeit die Fluten des Okavangobeckens für ein Ansteigen des Grundwasserspiegels der Omiramba im Khaudum-Gebiet sorgen. Für die Tierwelt bedeutet das: Da die Vegetation in den Omiramba attraktiv ist (u. a. gesäumt von Akazienwäldern und durchzogen von Riedbetten) und in der Trockenzeit einige Pools mit Wasser gefüllt zurückbleiben, sind diese fossilen Flussbette hoch frequentierte Wanderrouten der Tiere und damit optimale Beobachtungsstellen.

INFO

Übernachten: Im südlichen Parkteil liegt das Camp Sikereti, im nördlichen Teil das (schönere und wildreichere) Camp Khaudum. Im Camp Khaudum gibt es derzeit (Juni 2016) eine Rezeption, Toiletten und Duschen, Sikereti ist dagegen ziemlich verfallen. Im Nordteil entsteht eine neue Lodge (Xaudum Lodge, www.namibia-exclusive.com/). Vorerst muss man sich aber noch auf Selbstversorgung einrichten, auch Wasser ist nicht immer verfügbar. Die Camps sind nicht eingezäunt, mit Elefanten- und Löwenbesuchen ist zu rechnen.

Spektakuläre Skelettküste

Der abweisend klingende Name dieses nördlichen Küstenabschnitts verrät die wahrlich raue Natur einer der lebensfeindlichsten Landschaften der Welt. Die sturmzerzauste See des Südatlantiks und die dichten Nebel über dem kalten Benguela-Meeresstrom ließen hier schon viele Schiffe stranden. Die Skelettküste reicht vom Fluss Ugab bis zum Kunene an die angolanische Grenze. Heute gehört sie zum Skeleton Coast National Park. Dieser besteht aus 2 Teilbereichen: dem nördlichen Gebiet zwischen den Flüssen Hoanib und Kunene und dem südlichen Gebiet zwischen Hoanib und Ugab.

An der Skelettküste ist es ganzjährig kühl, oft neblig und – besonders in den nördlichen Teilen – stürmisch. Manchmal liegen in Küstennähe Salzpfannen und Lagunen. Die Strände sind oft steinig. Landeinwärts sind die Felsmassen durch Winde, die Sand mit sich führen, abgeschliffen. Durch starke Winde ist die Sicht immer behindert; man spricht in diesem Zusammenhang von den „Roaring Forties“, aus denen die Stürme wehen. Selbstverständlich ist diese Küste quasi unbewohnt. Nur in kurzlebigen Bergwerkssiedlungen oder an Stellen, wo Prospektoren tätig sind, leben zeitweise Menschen.

Alte, verrostete Schiffswracks säumen die Küste und legen Zeugnis von so manchem furchtbaren Schicksal ab. Zwischen Sand und Geröll liegen gebleichte Knochen und Menschenschädel. Verschiedene Faktoren führten dazu, dass immer wieder Schiffe strandeten: die Unterströmung des Benguela-Stroms, die starken, landeinwärts wehenden Südwest-Winde und die enorme Sichtbehinderung durch den Nebel. Selbst wenn es einem Schiffbrüchigen gelungen war, das rettende Ufer zu erreichen, so verschlug es ihn an den Rand der Namib, die ihn menschenleer und ohne Nahrung und Wasser empfing. Glaubte man, nur die Küstendünen überwinden zu müssen, um in fruchtbare Gebiete zu gelangen, stellte man nach einigen Kilometern ins Landesinnere fest: Auch hier gab es keine Chance zum Überleben.

Wer beim Kentern noch davonkam, hatte in der unbarmherzigen Namib keine Überlebenschance

Die meisten Wracks an der Skelettküste stammen von amerikanischen Walfangbooten

Wenn man die Tagebücher der frühesten Händler oder Berichte der ersten kolonialen Küstenexpeditionen in den 1890er-Jahren liest, wird deutlich, wie zutreffend der Name Skelettküste ist. Hier befindet sich nach Meinung von Experten der größte Schiffsfriedhof der Welt. In den alten Dokumenten erfährt man von Wrackteilen, die von portugiesischen, holländischen, britischen, hauptsächlich jedoch von amerikanischen Walfangbooten stammen. Überall fanden sich Schiffszubehör, Harpunen, Ketten, Tranfässer, Anker, Planken, die Gebeine von Glücksrittern und Seeleuten, die dem Atlantik zwar getrotzt und sich an Land gerettet hatten, um dann hier elendig zugrundezugehen.

Manche Besucher suchen allerdings vergeblich nach den Schiffswracks … In der Tat liegen diese zumeist sehr abgeschieden und schwer zugänglich. Viele befinden sich gar nicht im Bereich des Skeleton Coast Parks, sondern südlich von Walvis Bay, an der Küste nach Lüderitz. Dorthin führen Flugsafaris ab Swakopmund.

INFO

Übernachten: Im allgemein zugänglichen Teil des Parks bietet der NWR einfache Bungalows und Campingplätze an (Terrace Bay Resort bzw. Torra Bay Camp, www.nwr.com.na).

Touren: Flugsafaris in das Konzessionsgebiet werden von Skeleton Coast Safaris angeboten. Nicht billig, aber dafür unvergesslich sind die 4–6-tägigen Touren, bei denen man in Kleinflugzeugen in geringer Höhe über die spektakuläre Küstenlandschaft fliegt (www.skeletoncoastsafaris.com).

Naturwunder und Stätte der Weltgeschichte: der Waterberg

Der freistehende Waterberg erstreckt sich auf etwa 48 km Länge und bildet ein Plateau von 8–16 km Breite. Das Plateau wird von einer 180–200 Millionen Jahre alten Etjo-Sandschicht gebildet. Diese ist porös und speichert daher das Wasser, das langsam durch den Sandstein sickert, bis es auf ein wasserundurchlässiges, lehmartiges Gestein stößt. Entlang dieser Schicht gibt es vor allem am südöstlichen Hang viele Quellen, die für eine reiche Pflanzen- und Tierwelt sorgen. Da er bis zu 200 m aus der flachen Buschsavanne der Kalahari herausragt, fängt der Waterberg in der Regenzeit oft Wolken ab. Deshalb ist er vegetationsreicher als die Umgebung.

Schon seit Urzeiten war die Region um den Waterberg bevorzugtes Siedlungsland. Davon zeugen u. a. Felszeichnungen am Okarakuwisaberg (dem nördlichen Teil des Waterbergs). 1851 entdeckten Francis Galton und Charles Andersson als erste Weiße dieses Gebiet. In ihren Tagebüchern berichten die Forschungsreisenden von San, die sie hier antrafen. Für die Herero war das Gebiet um den Waterberg stets eine beliebte Weidelandschaft. Der Herero-Häuptling Kambazembi ließ hier eine Herde von annähernd 40.000 Rindern weiden. Da hier viele Menschen lebten, ließen auch die Missionare nicht auf sich warten: 1873 gründete die Rheinische Mission bei Otjozondjupa eine Station, die allerdings während des Herero-Khoikhoi-Kriegs einige Jahre später zerstört und 1891 wieder aufgebaut wurde. 1896 errichtete die deutsche Kolonialverwaltung hier einen Polizeiposten. Das Wohnhaus für die Beamten wurde nach Einrichtung des Parks stilvoll renoviert und dient heute als Restaurantgebäude des staatlichen Rastlagers.

Blick in die Ebene

Ein Ort der Weltgeschichte wurde der Waterberg durch die größte Schlacht zwischen den Herero und der deutschen „Schutztruppe“ (11. August 1904). Das Vorgehen der Deutschen nach der Schlacht gilt als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts und ist ein Grund für die besonderen Beziehungen Deutschlands zu Namibia. Jährlich findet am Waterberg eine gemeinsame Gedenkfeier von Herero und Deutschen statt.

1972 wurde das 405 km2 große Plateau des Waterbergs zum Nationalpark erklärt, um die einmalige Tierwelt zu schützen. Anfangs vor allem für die Elenantilope gedacht, wurden bald seltene Arten wie Pferde- und Rappenantilope aus den Regionen Kavango und Sambesi (Caprivi) angesiedelt; hinzu kamen Büffel aus dem Nordosten Namibias und Breitmaulnashörner aus Südafrika. 1989 setzte man auch bedrohte Spitzmaulnashörner aus dem Nordwesten Namibias aus. Mittlerweile werden im Waterberg Plateau Park immer wieder überschüssige Tiere gefangen und umgesiedelt oder auf Auktionen verkauft.

Weitere Tierarten am Waterberg sind Giraffe, Schwarznasenimpala, Säbel- und Leierantilope, Kudu, Warzenschwein und Pavian. An Raubtieren finden sich hier Gepard, Leopard, Braune Hyäne, Schabrackenschakal sowie Wüstenluchs. Die zierlichen Damara-Dik-Diks sieht man des Öfteren am Wegesrand am Berghang. Mehr als 200 Vogelarten wurden am Waterberg beobachtet. Besonders eindrucksvoll sind die Kapgeier, deren einzige Brutstätte in Namibia hier am Okarakuwisaberg liegt.

Insgesamt ist das Plateau des Waterbergs jedoch eher von landschaftlichem Reiz, da man dort die meisten Tiere nur selten zu Gesicht bekommt.

Giraffenfamilie im Waterberg Plateau Park

INFO

Internet:www.waterberg-namibia.com

Übernachten: Waterberg Wilderness Lodge (S. 152) oder Waterberg Rest Camp des staatlichen Betreibers Namibia Wildlife Resorts (www.nwr.com.na). Die Frans Indongo Lodge (S. 148) liegt ebenfalls in der Nähe, von hier aus muss man allerdings bis zu 2 Stunden Anfahrt für den Ausflug zum Waterberg einplanen.

Touren:Es werden Geländewagenfahrten, geführte Wanderungen und Wanderwege angeboten (www.nwr.com.na, www.waterberg-wilderness.com).

Geheimnisvoller schwarzer Fels in der Savanne: das Brandbergmassiv

In den ariden Wüsten- und Trockensavannenzonen Namibias findet man häufig tiefschwarz glänzende Gesteine, die im Volksmund als „Wüstenlack“ bezeichnet werden. Tatsächlich aber handelt es sich um das Ergebnis chemischer Prozesse an der Oberfläche der Gesteine, hervorgerufen durch extreme Sonneneinstrahlung und die damit verbundene Hitze. Der Wüstenlack ist eine glänzende Mineralkruste auf Fels- und Gesteinsflächen, die aus einer 1–3 mm dünnen Schicht von Mangan-, Kieselsäure- oder Eisenverbindungen besteht, welche durch das Aufsteigen von Lösungen an der Gesteinsoberfläche angereichert wird. Kondensierende Feuchtigkeit (z. B. Tau) sowie die hohe Verdunstung begünstigen die Entstehung von Wüstenlack, und da sich dieser mantelartig um das Gestein herumlegt, nennt man ihn auch „Wüstenrinde“.

Die White Lady

Unter diesem Deckmantel können sich daher Gesteine unterschiedlicher Farbe verbergen. Der Glanz kommt vor allem durch sogenannten Windschliff zustande: Feine Sandpartikelchen, vom Winde transportiert, schleifen Fels und Gesteinsflächen allmählich blank („Wüstenpolitur“).

Ein Beispiel ist das gewaltige Brandbergmassiv im Westen Namibias, in dem sich die große Tsisabschlucht befindet. Seine Gesteinsmassen erwecken den Eindruck, dass es hier gebrannt habe. Die Umrisse des Brandbergmassivs sind von der Form her oval, ca. 30 km lang und 23 km breit. Hier befindet sich der höchste Berg Namibias, der 2.580 m hohe Königstein. Als erster Bezwinger wird Reinhard Maack genannt, der den Berggipfel am 2. Januar 1918 erreichte.

Überzogen von „Wüstenlack“: der Brandberg

Im Gebiet des Brandbergs wurden ca. 45.000 Felszeichnungen gefunden, an deren Entstehung verschiedene ethnische Gruppen beteiligt waren und von denen die ersten bereits 2.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung geschaffen wurden. Neben Jagdszenen und schamanischen Motiven ist die berühmteste Zeichnung die ca. 45 cm hohe sogenannte White Lady. Reinhard Maack interpretierte sie als Darstellung eines Kriegers, befand sie aber für nicht allzu spektakulär.

Elefanten am Fuße des Brandbergs

Die Zeichnung geriet in Vergessenheit, bis der französische Priester und Prähistoriker Abbé Breuil in den 1950er-Jahren hierherkam, Kopien des Gemäldefrieses anfertigte und die Zeichnung trotz Fehlen weiblicher Formen enthusiastisch als Darstellung einer Frau mit einem Gefäß bzw. einer Lotusblüte in der Hand beschrieb. Heute geht man davon aus, dass die Zeichnung einen Krieger oder Schamanen darstellt und die Gegenstände in der Hand der Figur eine Jagdausrüstung andeuten. Das Weiße an der Lady ist eine Art von Körperbemalung, wie sie bei vielen afrikanischen Kulturen (Himba, Herero, Xhosa) zu rituellen Zwecken üblich war und auch heute noch ist.

Der Fußmarsch zur Weißen Dame dauert ca. eine Stunde und ist nur mit Führung möglich. Auf dem Weg ist es fast das ganze Jahr über sehr heiß, sodass man die Mittagszeit auf jeden Fall meiden sollte. Man muss über Felsen und Steine klettern; ein nicht leichter, aber lohnender Ausflug.

INFO

Übernachten: Direkt am Fuß des Brandbergs liegt die White Lady Lodge mit einfachen Chalets und Restaurant mit Blick auf den Brandberg (www.brandbergwllodge.com).

Buchtipp: Archäologischer Reiseführer Namibia von Peter Breunig, Africa Magna Verlag, Frankfurt a. M., ISBN 978-3-937248-39-4, 328 S. Einzigartiger Reiseführer, der die archäologischen Fundstätten in Namibia und die Vorgeschichte des Landes aufzeigt. Neben bekannten Stätten wie der White Lady und Twyfelfontein werden zahlreiche versteckte Felsmalereien und Gravuren im ganzen Land beschrieben.

Klettern und Kunst: Spitzkoppe und Erongo

Das „Matterhorn von Namibia“ wird die 1.728 m hohe Spitzkoppe in der Nähe des kleinen Städtchens Usakos genannt. Und das nicht etwa aufgrund ihrer Höhe – sie ist bei weitem nicht die höchste Erhebung des Landes. Trotzdem haben sich schon viele Kletterer erfolglos an ihrer Besteigung versucht. Aufgrund der wenig Halt bietenden Steilhänge des Inselbergs ist es nur erfahrenden Bergsteigern mit entsprechender Ausrüstung möglich, den Gipfel bzw. das Gipfelplateau zu erklimmen. Zudem macht die Erhitzung des Gesteins das Klettern im Sommer nahezu unmöglich. Erstmals gelang die Besteigung 1946.

Bewohner der Erongoregion

Die Spitzkoppe gehört zur Erongo-Bergregion, die, ebenso wie das Brandbergmassiv, während der Kontinentalverschiebung (vor ca. 100 Millionen Jahren) entstand, als Magmamassen in den alten Gesteinssockel eindrangen. Im Zuge der Erosion wurden diese Granit-Intrusionen später freigelegt und bilden die heutigen Gebirge. Neben der Großen Spitzkoppe, die ca. 800 m vom Plateau emporragt, gibt es die Kleine Spitzkoppe (1.580 m über dem Meeresspiegel) sowie die Schwarze Spitzkoppe (1.178 m).

Als Bergbarriere bildet die Spitzkoppe einen Regenfänger inmitten eines sonst sehr trockenen Umlandes, sodass sich Wasser in geschützten Senken und Felsmulden lange halten kann. Ebenso wie beim Brandbergmassiv reizte diese Naturgunst schon vor langer Zeit San, sich hier in Höhlen niederzulassen. Die Felszeichnungen des sogenannten Buschmannparadieses sowie der Nashornwand zeugen von früher Besiedlung.

Das Erongogebirge