TransEurope-FootRace 2012 - Ingo Schulze - ebook

TransEurope-FootRace 2012 ebook

Ingo Schulze

0,0

Opis

Nach den Europaläufen 2003 (von Lissabon nach Moskau) und 2009 (von Bari zum Nordkap) ist der „TE-FR 2012“ (von Skagen nach Gibraltar) der vorläufig letzte dieser Läufe. Dieses Buch schildert den täglichen Ablauf über 64 Tage. Ein Lauf dieser Art verlief ohne Probleme? Der Autor lässt auch hinter die Kulissen blicken. Es könnte ein Handbuch für Läufer sein, die Ähnliches vorhaben. Aber auch potentielle Veranstalter können hiervon profitieren. Läufe in dieser Größenordnung gab es bislang nur in Amerika und 2001 in Australien. Ist wirklich das Ende der „TE-FR“-Ära gekommen?

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 312

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



Impressum

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.

Korrektur: Peter Bartel

Fotos im Innenteil und Rückseite: Wolfgang Bernath, Peter Bartel, Masakazu Kado, Christine Schröder, Gabi Gründling, Robert Wimmer, Satoshi Sanoyama, Thierry Poupard und Thomas Herget.

Foto Vorderseite: Thierry Poupard

Copyright (2013) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2013

ISBN 9783954889105

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titelseite

Impressum

Unterstützung bei der Textverarbeitung

Vorwort

Vorarbeit

Ankunft in Skagen

Streckenübersicht

01. Etappe: Von Skagen nach Oster Vra

02. Etappe: Von Oster Vra nach Stovring

03. Etappe: Von Stovring nach Bjerringbro

04. Etappe: Von Bjerringbro nach Uldum

05. Etappe: Von Uldum nach Haderslev

06. Etappe: Von Haderslev nach Eggebek

07. Etappe: Von Eggebek nach Hohenwestedt

08. Etappe: Von Hohenwestedt nach Ahrensburg

09. Etappe: Von Ahrensburg nach Bienenbüttel

10. Etappe: Von Bienenbüttel nach Stüde

11. Etappe: Von Stüde nach Gebhardshagen

12. Etappe: Von Gebhardshagen nach Ebergötzen

13. Etappe: Von Ebergötzen nach Waldkappel

14. Etappe: Von Waldkappel nach Queck

15. Etappe: Von Queck nach Zeitlofs

16. Etappe: Von Zeitlofs nach Dettelbach

17. Etappe: Von Dettelbach nach Assamstadt

18. Etappe: Von Assamstadt nach Heilbronn-Frankenbach

19. Etappe: Von Heilbronn-Frankenbach nach Renningen-Malmsheim

20. Etappe: Von Renningen-Malmsheim nach Horb-Nordstetten

21. Etappe: Von Horb-Nordstetten nach St. Georgen

22. Etappe: Von St. Georgen nach Bad Krozingen

23. Etappe: Von Bad Krozingen nach Valdoie

24. Etappe: Von Valdoie nach Noidans-le-Ferroux

25. Etappe: Von Noidans-le-Ferroux nach Saint-Seine-sur-Vingeanne

26. Etappe: Von Saint-Seine-sur-V. nach Saint-Seine-l'Abbaye

27. Etappe: Von Saint-Seine-L’Abbaye nach Avallon

28. Etappe: Von Avallon nach Guérigny

29. Etappe: Von Guérigny nach Charenton-du-Cher

30. Etappe: Von Charenton-du-Cher nach La Châtre

31. Etappe: Von La Châtre nach St-Sulpice-les-Feuilles

32. Etappe: Von St-Sulpice-les-Feuilles nach Bourganeuf

33. Etappe: Von Bourganeuf nach Meymac

34. Etappe: Von Meymac nach Mauriac

35. Etappe: Von Mauriac nach Jussac

36. Etappe: Von Jussac nach St-Cyprien-sur-Dourdou

37. Etappe: Von St-Cyprien-sur-Dourdou nach Cassagnes-Begonhes

38. Etappe: Von Cassagnes-Begonhes nach St-Sernin-sur-Rance

39. Etappe: Von St-Sernin-sur-Rance nach St-Pons-de-Thomières

40. Etappe: Von St-Pons-de-Thomières nach Lézignan-Corbières

41. Etappe: Von Lézignan-Corbières nach Estagel

42. Etappe: Von Estagel nach Arles-sur-Tech

43. Etappe: Von Arles-sur-Tech nach Sant-Joan-de-Les-Abadesses

44. Etappe: Von Sant-Joan-de-Les-Abadesses nach Berga

45. Etappe: Von Berga nach Guissona

46. Etappe: Von Guissona nach Lleida-La Bordeta

47. Etappe: Von Lleida-La Bordeta nach Caspe

48. Etappe: Von Caspe nach Calanda

49. Etappe: Von Calanda nach Escucha

50. Etappe: Von Escucha nach Teruel

51. Etappe: Von Teruel nach Canete

52. Etappe: Von Canete nach Motilla del Palancar

53. Etappe: Von Motilla del Palancar nach Tarazona de la Mancha

54. Etappe: Von Tarazona de la Mancha nach Lezuza

55. Etappe: Von Lezuza nach Villapalacios

56. Etappe: Von Villapalacios nach Villanueva del Arzobispo

57. Etappe: Von Villanueva del Arzobispo nach Baeza

58. Etappe: Von Baeza nach Jaén

59. Etappe: Von Jaén nach Albendin

60. Etappe: Von Albendin nach Puente Genil

61. Etappe: Von Puente Genil nach Campillos

62. Etappe: Von Campillos nach Ronda

63. Etappe: Von Ronda nach San Pablo de Buceite

64. Etappe: Von San Pablo de Buceite nach La Línea de la Concepción

Der „TE-FR2012“ ist nun Geschichte

Die Siegerehrung des „TE-FR2012“

Die Gesamtergebnisliste des „TE-FR2012“

Ausgeschiedene Läufer(innen) beim „TE-FR2012“

Die Mannschaft des „TE-FR2012“

Sieger und Platzierte aller „TE-FR“

Veranstalter von Transkontinentalläufen auf einen Blick

Erfolgreiche Transkontinentalläufer seit 1928

Sponsoren des „TE-FR2012“

Der Film „I WANT TO RUN“ über den „TE-FR2009“ im Kino

Warum nie wieder einen „TE-FR“?

Amerika, Australien und Europa

Ist nun die Ära „TE-FR“ tatsächlich vorbei?

Worauf sollte sich der Organisator eines Ultra-Laufs einstellen?

Schlussbemerkung

Unterstützung bei der Textverarbeitung

Unterstützung bei der Textbearbeitung

Peter Bartel, Berlin

Seit 1978Ultralangstreckenläufer

Seit 1998Organisator von Volks- und Mehrtagesläufen

„Deutschlandlauf“ 1998, 2005, 2006, 2007, 2008 und 2010„Internationaler Spreelauf“ 2000, 2001, 2002, 2004 (2014 in Planung)„Horb-Berlin-Lauf“ 2011„Horber Silvesterlauf“ seit 1999„TransEurope-FootRace“ 2003, 2009 und 2012Diverse Stadt- und Volksläufe

Dieses Buch soll das Erlebnis „TransEurope-FootRace 2012“ greifbar machen. Es kann durchaus auch ein Leitfaden für ähnliche Veranstaltungen sein oder ein Nachschlagewerk für Läufer, die sich auf Mehrtagesläufe vorbereiten wollen!

Vorwort

Einmal geht noch?! Nach dem „TE-FR2003“ von Lissabon nach Moskau und dem „TE-FR2009“ vom italienischen Bari zum Nordkap sollte bei mir eigentlich mit Transkontinentalläufen Schluss sein. Beide Läufe waren sehr erfolgreich und erfreuten sich großer Beliebtheit. Waren es 2003 noch 44Teilnehmer, so wagten sich 2009 schon 67Läufer auf die Strecke. Wie würde ein dritter Lauf in Europa ankommen? War der Markt nicht inzwischen schon übersättigt? Die Frage ist berechtigt, weil 2011 der Lauf von Los Angeles nach New York, kurz „LA-NY2011“, stattfand. Dann 2012 gleich ein weiterer Lauf dieser Art in Europa?

Die Planung des „TE-FR2012“ begann im Oktober 2009, also ein gutes Vierteljahr nach Abschluss des „TE-FR2009“. Schon wenige Monate später war das Teilnehmerfeld voll. Es sollten 50Läufer zugelassen werden. Über 20 weitere Interessenten ließen sich auf die Warteliste setzen. Mit der Zeit sprangen einige Teilnehmer ab. Sollte sich die Warteliste etwa lichten? Nein, es rückten immer wieder Interessenten nach! Mit der Zeit wurde die Nachrückerliste aber kleiner und konnte gegen Ende 2010 ganz geschlossen werden. Die restlichen Nachrücker wurden später in die Teilnehmerliste aufgenommen.

Geplant war der Lauf ursprünglich vom schottischen John O' Groats nach Gibraltar. Leider war die Kommunikation mit den potentiellen Ansprechpartnern auf der Insel sehr schwierig. Obwohl sich sogar der in Schottland aufgewachsene Russell Secker (Texas) einschaltete, war kein Weiterkommen in der Angelegenheit möglich. Auch Carl Sommer aus England, den ich beim „Deutschlandlauf“ 2010 als Teilnehmer kennen lernte, bemühte sich, um

Verbindungen zu schaffen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Arbeitsministerium und Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel nahm für mich Verbindung zur „Deutschen Botschaft“ in Edinburgh auf. Aber auch von dort gab es nur sehr schleppend Reaktionen.

Beim „Deutschlandlauf“ 2010 kam ich in einer ruhigen Minute ins Grübeln und dabei kam leichte Panikstimmung auf. Gegen Ende des Laufes stand der Entschluss fest: Schottland und England mussten abgehakt, und es musste nach einer Alternative gesucht werden! Auch deswegen, weil Joachim und Brigitte Barthelmann schon viel Arbeit in die Planung investiert und bereits ab Roscoff die Strecke durch Frankreich bis zur Grenze nach Spanien erkundet hatten.

Die Fähre braucht mehr als 6Stunden von Plymouth nach Roscoff. Diese Fahrt hatte sich Joachim bei seiner Erkundung erspart. Der glückliche Umstand, dass der „Transe Gaule“ von Roscoff nach Gruissan-Plage startet, erlaubte ihm und seiner Frau Brigitte, sich hier dem „Transe Gaule“ 2010 anzuschließen. Etliche Etappen sollten dann später in den „TE-FR2012“ eingebaut werden. Das sollte uns viel Arbeit ersparen.

Mit dem Organisator des „Transe Gaule“ Jean-Benòit Jaouen, kurz „Je-Be“, bin ich seit Jahren gut befreundet. Der „Transe Gaule“ geht über 18Tage und 1.150km. 2009 und 2012 fiel dieser Lauf wegen der Transeuropaläufe aus.

Als dann der Entschluss stand, die Strecke zu ändern, war auch Joachim Barthelmann angenehm überrascht. Denn auch er war sich inzwischen nicht sicher, ob ein Start auf der Insel noch machbar sein würde. Es machte sich auch immer mehr Unmut unter den deutschen Läufern breit, die gerne den „TE-FR2012“ als Etappenläufer begleiten wollten. Diese Möglichkeit gab es auch bei den „TE-FR“ 2003 und 2009.Beim 2012er sollte es ihnen verwehrt sein? Schlussendlich entschieden wir uns für einen Start im dänischen Skagen! War jetzt eine Welle von Aussteigern zu erwarten? Lediglich ein Läufer meldete sich ab, denn er war ein Schottland-Fan. Aber auch eine Betreuerin, die immer wieder von Schottland schwärmte, wollte nicht mehr mitmachen.

Die Organisationsarbeit für jeden der drei „TE-FR“ war mit recht unterschiedlichen Schwierigkeiten verknüpft. Daher sind die Läufe unter diesem Gesichtspunkt auch schwer miteinander vergleichbar. Wie war es 2003? Gerade Osteuropa sorgte bereits in der Vorbereitung für viele Probleme. Eines der Hauptprobleme lag in der Visumbeschaffung. Später waren es die vielen Informationen, die nach Russland gegeben werden mussten. Es war manchmal zum Verzweifeln! Selbst in Lissabon hatte ich noch keine Informationen darüber, wie der „TE-FR2003“ in Weißrussland und in der Russischen Föderation unterkommen sollte.

Gewiss, wir hatten einen Russen vor Ort, der sich um alles kümmern wollte, aber ich kam mit seiner Mentalität nicht klar. Immer wieder hörte man: „Am Ende wird alles gut!“ Es ist ein russisches Sprichwort. Schlimm war für mich auch immer wieder der Ausspruch: „In Russland halten viele die Hand auf und wenn du weiterkommen willst…?“ Es ist schwierig, mit solchen Aussagen angemessen umzugehen!

Beim „TE-FR2009“ sollte dann vieles einfacher sein, denn es war ja nun ein reicher Erfahrungsschatz vorhanden. Die Erfahrung nützt aber nicht immer sehr viel! Es ging in Italien mit einer der Fragen los: „Was, der Lauf beginnt erst 2009? Und da werde ich 2008 schon gefragt, ob eine Übernachtung möglich ist?“ Für Südländer ist es offenbar undenkbar, dass man sich bereits ein Jahr oder noch früher um solche Dinge kümmert.

Große Sorgen waren wohl auch für Skandinavien berechtigt. Es war primär die dünne Besiedelung, die Probleme bereitete. Die Ortschaften lagen manchmal über 80km auseinander. Man musste dann wirklich froh sein, wenn man überhaupt eine Unterkunft bekam. Von der Abendverpflegung ganz zu schweigen. Hier wurden die Läufer darauf vorbereitet, dass es auch einmal selbst gemachte kalte Platten geben würde. Das war dann aber nur ein Mal der Fall!

Die Vorbereitungen für den „TE-FR2012“ verliefen dann sehr zügig. Wenn man die Zeitpläne für die Läufe von 2003, 2009 und 2012 miteinander vergleicht, dann geschah vieles für den „TE-FR2012“ in einem sog. „Raketentempo“! Dänemark und Deutschland waren schnell abgehakt und wurden von mir selbst erledigt.

Für Frankreich standen Jean-Benoit Jaouen, der Organisator des „Transe Gaule“, und Fabrice Viaud zur Verfügung. Die Zwei teilten sich die Arbeit und konnten diese dadurch auch relativ schnell erledigen. Zu meiner Freude standen in Frankreich auch noch Nicole und Gérard dem „TE-FR2012“ zur Verfügung. Schwieriger wurde es in Spanien. Clara Pittermuz und Rachid Taibi machten viele Übersetzungen und telefonierten. Aber es war halt Südeuropa. Es drang immer wieder durch: „Mañana (Morgen)!“

Dennoch durfte man nicht meckern, denn Anfang des Jahres 2012 gab es bereits 56 feste Übernachtungszusagen. Auch waren Abendessen und Frühstück schon 32-mal bzw. 11-mal geregelt. Es fehlten also nur noch acht Übernachtungen in Spanien. Das Abendessen hatte noch Zeit. Das Frühstück sollte in der Regel von den Betreuern in Eigenregie übernommen werden.

Kann man die „TE-FR“ mit anderen Transkontinentalläufen vergleichen? Wie schon bemerkt, ist es schwierig, die Europaläufe untereinander zu vergleichen. Fakt ist aber bei den „TE-FR“-Läufen: Der Teilnehmer zahlt sein Startgeld und muss später nur noch LAUFEN, ESSEN und SCHLAFEN! Für den Läufer ist dieser Service sehr angenehm, denn er muss sich nur auf diese drei Dinge konzentrieren.

Anders ist es in Australien und in Amerika. Hier muss der Läufer selbst einen Großteil der Organisation übernehmen. Nämlich: Er braucht eigene Betreuer und ein eigenes Fahrzeug. Die Betreuer kümmern sich um Unterkunft und Verpflegung. Zeitweise müssen sie sogar selbst kochen, das Fahrzeug betanken und vieles mehr. Die Kosten sind dort letztendlich weit mehr als doppelt so hoch, wie bei einem Transeuropalauf.

Der Teilnehmer muss wissen, worauf er sich einlässt. 64

Vorarbeit

Der Entschluss zur Durchführung eines weiteren Transeuropalaufs war gefasst: Der „TE-FR2012“ sollte kommen! In der Vorarbeit war Joachim Barthelmann in starkem Maße aktiv. Er war auch beim „TE-FR2012“ Streckenplaner, Streckenvermesser, Streckenprüfer und später auch noch der Streckenmarkierer. Das Markieren der Strecke ist eine der wichtigsten Tätigkeiten überhaupt. Ist Joachim beim Kleben der Richtungspfeile nachlässig, dann läuft einiges schief. Wenn nicht sogar das ganze Unternehmen gefährdet ist! Von den orangefarbenen Papierpfeilen in der Größe 5,5cm x 2cm klebte Joachim etwa 26.000Stück an Leitpfosten, an Büsche usw.. Verbraucht wurden noch einige hundert Stück Tafelkreide, um auch den Asphalt zu „verzieren“.

Sebastian Bentele ist seit dem ersten „Deutschlandlauf“ 1998 dabei. Er gestaltet und pflegt die Internetseite www.transeurope-footrace.org. Während des Rennens hat er damit nahezu täglich zu tun. Es passiert immer wieder, dass die Zeitnehmer vor Ort auf Probleme stoßen. Dies können, neben Bedienungsfehlern, auch Probleme mit dem System sein. Dann muss Sebastian ran, denn alle Welt will über den neuesten Stand des Rennens informiert sein.

Kathleen Pachol, eine gute Bekannte aus meinem Ort, übernahm die Buchführung und war ständig in Kontakt mit dem Steuerbüro und dem Finanzamt. Sie bereitete die Jahresbilanzen vor, was dem Steuerberater Zeit ersparte und dem „TE-FR2012“ so manchen Taler.

Ich wurde immer wieder gefragt, weshalb ich keine oder kaum Sponsoren im eigentlichen Sinne habe. Das ist nun mal leider so! Ich bekomme zwar hier etwas und da mal etwas. Aber keinerlei oder kaum finanzielle Zuwendungen! Ich muss also mit dem Budget arbeiten, was ich durch die Startgelder erhalten habe. Es sei ruhig erwähnt, dass das Finanzamt nicht schüchtern ist, denn vom Startgeld gehen umgehend 19% an die Finanzkasse. Ich hatte in der Vergangenheit mehrere Personen und auch Medienfirmen, die das Sponsoring in die Hände nehmen wollten.

Ein potentieller Sponsor fragt in der Regel: „Was bietest du?“ Ich biete ihm im Web eine Platzierung seines Firmenlogos gleich auf der Startseite des „TE-FR2012“, die immerhin von über 8.000 bis 10.000Besuchern täglich während Laufs geöffnet wurde. Über die 64Etappen wurde die Seite etwa 635.000-mal besucht.

Ankunft in Skagen

Skagen hat etwa 8.350Einwohner und ist die nördlichste Stadt Dänemarks. Die Hafenstadt liegt an der Nordspitze von Jütland und ist von langen Sandstränden umgeben. Ihr Hafen, „Skagen Havn„, gilt als größter Fischereihafen Dänemarks.

Alle Teilnehmer und Betreuer sind pünktlich zur offiziellen Eröffnung in Skagen. Für den Veranstalter ist das sehr beruhigend und Nerven schonend! Auch Henry Wehder trifft am 18.August gegen 15Uhr ein und will sich dem „TE-FR2012“ anschließen. Er ist bereits seit dem 24.Juli auf Achse. Henry startete am Nordkap und will die Strecke von dort bis nach Gibraltar in 90Tagen schaffen. Mit bisher 2.290km plus der Laufstrecke des „TE-FR2012“ würde er auf insgesamt 6.468km kommen. Sein bisheriger Tagesschnitt beträgt 88,1km. In der Schlussrechnung wird er es auf 71,9km im Schnitt, statt, wie die übrigen Europaläufer, auf 65,3Tageskilometer gebracht haben.

O-Ton Henry Wehder: „Es ist schließlich nur eine Frage der Motivation und letztendlich des Kopfes, ob der Mensch sein Ziel erreicht. Wir wissen ja aus eigener Erfahrung, dass im Leben alles erreicht werden kann, wenn wir uns für unsere Ziele auch wirklich begeistern können. Die Umsetzung ist dann nur noch eine Frage von Zeit“.

Dänemark ist sehr schön, aber leider, wie in Skandinavien üblich, auch sehr teuer. Als ich die Rechnung für zwei Übernachtungen, einmal Frühstück und einmal Abendessen zahlen will, glaube ich, dass mich der Schlag trifft. Ich habe daran mindestens eine Stunde zu beißen. Was mir nicht in den Kopf will: Für eine Übernachtung im Bett sind 14.-€ fällig – okay! Dass ich aber auch für die Leute, die in ihrem eigenen Auto auf dem Parkplatz schlafen, dieselbe Summe zahlen muss, das geht bei mir nicht runter! Andere Länder, andere Sitten! Oder habe ich nur Pech mit dem Hausmeister? Oder hätte ich mit ihm noch handeln können? Auch ein Einheimischer war über die Zahlung ein wenig verwundert. Okay, vergessen! Nun gilt die volle Konzentration dem „TE-FR2012“! Geärgert habe ich mich aber trotzdem!

01.Etappe: Von Skagen nach Oster Vra Dänemark: Sonntag, 19.08.12 56,0km/​56,0km

Jetzt wird es ernst. Heute konnte man noch einigermaßen ausschlafen, denn erst um 6Uhr wurde geweckt. Ab morgen dann wird es bereits gegen 4Uhr in der Halle lebhaft werden! Nach dem Wecken ist es noch leicht windig. Der Himmel schaut aber recht gut aus und es ist zu erwarten, dass wir beim Start Sonnenschein haben werden.

Frühstück gibt`s um 7Uhr. Dann folgen die Gepäckverladung und ein gemeinsamer Fußmarsch zum Hafen. Der Startplatz vor der schönen Hafenkulisse wurde bereits gestern erkundet. Es werden so viele Fotos gemacht, dass ich schon um einen pünktlichen Start fürchte. Der Startschuss soll durch den Bürgermeister von Skagen, Herrn Lars Möller, erfolgen.

50Läufer stehen an der Startlinie: 41Männer und 8Frauen, die bis nach Gibraltar laufen wollen, sowie Sigrid Eichner als Etappenläuferin und Peter Bartel mit seinem „Kickbike“ (Tretroller mit Eigenwertung).

Ich möchte gern wissen, was „Herr“ auf Dänisch heißt. Die Vermutung liegt bei „Herrer“ oder so ähnlich. Die Aufklärung folgt: Die förmliche Anrede „Sie“ gibt es in Dänemark nicht mehr. Es werden nur noch die Mitglieder des Königshauses mit „Sie“ angesprochen. Aber auch die älteren Dänen haben diese Anrede noch nicht ganz abgelegt. Dass ich den Bürgermeister jetzt einfach mit seinem Vornamen ansprechen soll, kommt mir etwas fremd vor.

Lars fragt nach der Startpistole. Ach, die habe ich im Wohnmobil vergessen. Und das, obwohl ich schon vorher um diese gebeten wurde. Der Start sollte doch angemessen erfolgen! Michael Larsen leiht mir sein Fahrrad, damit ich schnell zu meinem Fahrzeug komme. Der förmliche Start ist gerettet! Aber nun denn: „Lars, gib den Startschuss ab!“ Wir können mit nur einer Minute Verspätung starten, nämlich genau um 9.01Uhr.

Bei den ersten Kilometern wird noch gefrotzelt. Frage: „Ingo, wo geht es lang?“ Antwort: „Immer gen Süden, und wenn du mal auf dem falschen Weg bist, dann fragst du einfach, wo es nach Gibraltar geht. Gibraltar kennt jeder und kurz vor Gibraltar ist auch ausgeschildert!“ Ein anderer fragt aber auch: „Wie weit ist es noch“„ Diese Frage hätte auch von mir kommen können!

Bedanken möchte ich mich bei Frau Dorthe Brasse. Sie war mir im Vorfeld und für die ersten zwei Etappen sehr behilflich. Danke auch allen, die den Start zum „TE-FR2012“ durch ihr Mitwirken möglich gemacht haben. Hilfe benötigte ich ständig. Sei es von der Polizei, den Bürgermeistern, den Straßenverkehrsbehörden, der Presse, usw.. Nun steht einem erfolgreichen „TE-FR2012“ hoffentlich nichts mehr im Wege. Danke auch an Michael Larsen. Er wird in ganz Dänemark bei uns sein, um bei jedem Wetter die Pfeile wieder abzutrennen, die Joachim vorher liebevoll an Straßenlaternen, Leitpfosten usw. angebracht hat. Die Dänen sind da sehr empfindlich.

Es muss sich ab heute erst noch alles einspielen. Wichtig ist primär die Zeitmessung. Sebastian Bentele hat ein Programm für die Zeitnahme entworfen, das sich in der Vergangenheit sehr bewährt hat. Es wurde auch immer wieder verbessert, sodass man eigentlich beruhigt sein müsste. Die Zeitnehmer, Louise Scholl aus England und der Franzose Thierry Poupard, haben sich bereits von mir in das Programm einweisen lassen. So ganz fit bin ich mit diesem allerdings auch noch nicht. Jedoch steht uns Sebastian jederzeit über Telefon zur Problemlösung zur Verfügung.

Louise arbeitet im IT, also im Bereich der Informationstechnik. Sie wird uns nach 5Tagen verlassen. Sie hat dann anderweitig für 14

02.Etappe: Von Oster Vra nach Stovringy Dänemark: Montag, 20.08.12 63,5km/​119,5km

Wir haben noch Probleme mit der Technik, die wir aber in den nächsten Tagen beheben werden. Es trifft einiges zusammen: Für die Einweisung stand nur wenig Zeit zur Verfügung und es ging mehr oder weniger im „Hauruckverfahren“. Ich stehe zwar immer wieder mit meinem spärlichen Wissen zur Seite. Wenn wir aber damit nicht weiterkommen, dann müssen wir Sebastian anrufen. Das ist nicht immer einfach, denn er ist oftmals nicht erreichbar. Das kostet dann viel Nervenkraft, weil man nicht weiterkommt. Heute gibt es aber keinen Bedienungsfehler, sondern es liegt am System des Programms. Es wird von Sebastian umgehend korrigiert.

Peter Bartel erschien gestern nicht auf der Ergebnisliste. Das wird aber nachgeholt. Wie schon erwähnt, muss sich einiges noch einspielen. Dumm ist nur, wenn die Angehörigen ihren Athleten nicht auf der Ergebnisliste finden. Dann vermuten sie manchmal das Schlimmste. Es sind heute 49Läufer, Peter Bartel mit seinem „Kickbike“ und Sigrid Eichner als Etappenläuferin auf der Strecke. Der Himmel ist bedeckt und es kommen immer wieder ein paar Regentropfen herunter. Im Grunde genommen ist es das ideale Laufwetter!

Stéphane Pelissier kommt mit einer Zeit von 5:19:20Std. als Erster ins Ziel. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit liegt daher knapp unter 12km/​Std.. Als Nächster beendet Robert Wimmer die Etappe, ehe es eine längere Einlaufpause gibt. Dann jedoch kommen die Läufer Schlag auf Schlag.

Einen Schlag bekomme ich aber auch, als Ilse Hofbauer mir sagt, dass ihr Richard am letzten VP ausgestiegen ist. Das kann doch nur nach einem Unfall passiert sein?! Nein, er hatte so starke Krämpfe, dass es nicht mehr weiterging. Nun kann man sagen: Vom letzten VP bis zum Ziel sind es nur noch sieben Kilometer! Richard hätte noch viel Zeit gehabt und als Geher wäre es doch noch gegangen. Wir stecken da aber nicht drin und die Entscheidung lag allein bei ihm. Das ist tragisch! Er musste schon beim „TransAm1994“ aussteigen. Weil ihm damals der Betreuer fehlte, musste er buchstäblich wegen Hunger aufgeben. Einen weiteren Versuch einer Kontinentquerung startete er beim „TE-FR2009“. Aber auch da wurde es nichts. Der „TE-FR2012“ war seine letzte Chance. Ein Finish hier wäre die Krönung seiner Laufbahn gewesen. Er ist 77Jahre alt und man hätte es ihm von ganzem Herzen gegönnt.

Die Japaner und ihre Fotoapparate! Was würden sie ohne diese machen? Mir gefallen die Japaner. Sie sind sehr freundlich und bedanken sich immer wieder. Heute feiert Yorimasa Watanabe seinen 71.Geburtstag. Sein Landsmann Satoshi Sanoyama blickt gleichzeitig auf die Vollendung seines 59.Lebensjahres zurück. Es wird ihnen ein kleines Ständchen gesungen und beide bekommen als Erinnerung ein Handtuch vom „TE-FR2012“. Meine Inge hat diese Tücher extra für alle Geburtstagkinder des Laufes angefertigt. Sie freuen sich darüber sehr und am Abend wird allen ein Bierchen spendiert.

Der Schulleiter Jens begrüßt die Teilnehmer des „TE-FR2012“ und zollt ihnen großen Respekt. Kurz darauf beehrt uns noch Anny Winter, die Bürgermeisterin der 6.900

03.Etappe: Von Stovring nach Bjerringbro Dänemark: Dienstag, 21.08.12 65,7km/​185,2km

Louise Scholl hat mich heute vor dem Herzinfarkt gerettet. Es ist schon nervig, wenn man mit der Technik nicht klarkommt. Man gibt sich Mühe, damit alles schön läuft, und dann klappt es doch nicht so, wie man es gern hätte! Die Berichte vom ersten und vom zweiten Tag und einige Bilder sind jetzt im Netz. Leider ist Louise ja nur noch bis Mittwoch bei uns. Bis dahin soll Thierry PC-fit gemacht werden.

Das Problem mit unserem Rollerfahrer Peter Bartel muss noch gelöst werden. Er steht mit seiner Etappenzeit auch heute wieder nicht auf der Ergebnisliste. Wir werden es aber bis morgen hinbekommen – wäre ja gelacht! Leider fällt mir das Lachen aber manchmal schwer, denn ich habe an Pannen immer leicht zu beißen. Die tröstenden Worte „Das darf man nicht so verbissen sehen!“ retten mich leider nicht. Perfekt ist niemand, aber jeder sollte sein Bestes geben!

In Bjerringbro werden wir von Rolf Bücking empfangen. Die riesige Halle steht uns leider nicht zur Verfügung. Wir bekommen stattdessen zwei Räume, die mit Teppichboden ausgelegt sind. Es steht aber sonst alles zum Besten. In Dänemark werden wir, was das Platzangebot und die Verpflegung anbelangt, sehr verwöhnt. Wenn nur die Preise niedriger wären! Nun aber, wo alle ihren Schlafplatz eingerichtet haben, schauen die Räume doch ein wenig eng aus. Einige werden deshalb auf den Flurbereich ausweichen. Dieser ist ebenfalls mit Teppichware ausgelegt, sodass es sich dort ganz gut schlafen lässt.

Schon jetzt mache ich mir Gedanken, wie es den Leuten beigebracht werden soll, dass sie in Eggebek, dem ersten Etappenziel in Deutschland, statt in einer Halle in einem großen Zelt schlafen sollen. Sicherlich reicht dieses Großzelt dennoch platzmäßig nicht aus und es werden daher einige ihr eigenes kleines Zelt aufschlagen müssen. Andererseits ist dieser Umstand seit ewigen Zeiten bekannt!

Die ersten Kilometer sind heute nicht so schön zu laufen. Es geht auf der Straße 541 entlang. Später geht es dann auf der 180 und der 517 weiter. Der Verkehr ist jedoch erträglich und die Dänen sind auch eher defensive Autofahrer. Verlaufen hat sich heute Robert Wimmer. Wie er aber später bestätigt, war die Markierung prima. Man kommt leicht in einen Trott und dann werden die Richtungspfeile nicht immer wahrgenommen. Es kann leider auch vorkommen, dass ein Auto auf der Markierung parkt. Besonders ärgerlich aber ist es, wenn „nette“ Zeitgenossen die Pfeile entfernen oder gar andersherum wieder ankleben.

Veronika Möller besetzt heute den 3.VP und meldet, dass der Japaner Yasuo Kanai nicht mehr laufen kann. Er kam gestern bereits mit einiger Verspätung ins Ziel und wäre eigentlich schon aus der Wertung gefallen. Er sollte aber noch einmal seine Chance haben. Was ist mit Yasuo Kanai in diesem Jahr los? Die Rennen „TransAm2002“, „TE-FR2003“ und „TE-FR2009“ hatte er durchgestanden! Nun muss er leider passen.

Er wäre der erste Läufer weltweit gewesen, der vier Transkontinentalläufe absolviert hätte. Zurzeit gibt es neun Menschen, die drei Kontinentquerungen geschafft haben. 32Läufer waren zweimal erfolgreich und 150Aktive einmal. Die Transkontinentalläufe wurden also bisher von 10Frauen und 182Männern 241Mal bewältigt! „TE-FR“-Läufer gibt es namentlich 95, außerdem 132Läufer durch Amerika und 14 durch Australien.

Auch Yorimasa Watanabe hat das Rennen aufgegeben. Nun werden die ersten Stimmen laut: „Wenn das so weitergeht, dann kommen kaum Läufer in La Línea de la Concepción an!“ Falsch! Die Erfahrung zeigt, dass die Ausfallquoten bei Rennen dieser Art in den ersten drei Wochen enorm hoch sind. Danach ebbt es ab und nach vier Wochen steigt kaum noch jemand aus! Es sei schon jetzt erwähnt, dass es beim „TE-FR2012“ nicht anders sein wird.

Robert und Stéphane laufen um 12.40

04.Etappe: Von Bjerringbro nach Uldum Dänemark: Mittwoch, 22.08.12 70,9km/​256,1km

Das Frühstück wird von den Betreuern angerichtet. Danach stehen die Läufer bei strömendem Regen vor der Halle und warten auf das Startsignal. Es werden von mir schnell noch Einwegregenponchos verteilt. Die meisten Läufer haben aber schon eigenen Regenschutz angelegt. Dennoch ist man für die zusätzliche Schutzkleidung sehr dankbar. Es ist nur zu hoffen, dass es nicht allzu oft regnet. Sonst geht der Vorrat an Regenponchos zur Neige!

Pünktlich um 6Uhr startet die erste Gruppe mit 38Läufern. Die zweite Gruppe startet mit 8Läufern um 7Uhr. Der Regen hat leicht nachgelassen und die Sonne lugt immer mal wieder hinter den Wolken hervor. Kaum freut man sich darüber, kommt es von oben schon wieder herunter!

Die ausgestiegenen Läufer Yasuo Kanai und Yorimasa Watanabe werden ab heute die Etappen mal laufen, dann im Auto mitfahren, dann wieder laufen, und wieder im Auto mitfahren usw., denn die Japaner haben ein eigenes Fahrzeug speziell für ihre ausgefallenen Landsleute angemietet. Sie wollen einfach nur weiterhin dabei sein. Diese Option wurde in den „Teilnahmebedingungen“ auch so festgehalten.

Zur ursprünglichen Teilnehmerliste: Gemeldet waren 53Läufer plus Peter Bartel mit seinem „Kickbike“. Einige mussten aber kurzfristig aus gesundheitlichen oder anderen Gründen ihre Teilnahme absagen: Carl Sommer (GB), Rüdiger Dittmann (GER), Pascal Peron (FRA) und Julia Fatton (GER). Es waren daher in Skagen 49Teilnehmer am Start, nämlich 8Frauen und 41Männer. Peter wird extra gewertet. So war es mit ihm auch beim „TE-FR2009“ und beim „LANY2011“. Peter ist der erste Mensch weltweit, der an drei Transkontinentalläufen mit dem Tretroller teilnimmt. Dass er auch den „TE-FR2012“ durchstehen wird, ist keine Frage!

Bis zum 2.VP laufen die Läufer noch auf einer Landstraße, auf der reger Verkehr herrscht. Wenn man aber an den „TE-FR2009“ in Italien zurückdenkt, dann ist das hier die reinste Spielstraße. Später verläuft die Strecke auf ruhigen Nebenstraßen und Ingo meckert weniger, wenn immer mal wieder rechts gelaufen wird. Als Peter am 4.VP vorbei fährt, gießt es aus allen Eimern. Es geht gerade schön bergab und da könnte man es laufen lassen. Dann aber die Ernüchterung– Richtungspfeil übersehen!

Die Halle in Uldum, einem Ort mit 7.800Einwohnern, ist schnell gefunden. Die Halle ist sehr groß, aber leider nicht für uns zugänglich. Dort wird zwischen 16Uhr und 21Uhr noch Sport getrieben. Wir werden daher in einer Nebenhalle untergebracht, die relativ klein ist. Nun gut, die Unterkunft, die wir heute am Morgen verließen, war ja auch nicht gerade riesig! Es heißt heute wieder (vornehm ausgedrückt) mit den Popos zusammenzurücken!

Zum Abendessen müssen wir nachher 800Meter marschieren. Es ist das Gasthaus KÖG.Das Frühstück wird morgen wieder von uns selbst gemacht. Helmut und Inge haben dafür schon eingekauft.

Ich werde beim Abendessen die Gelegenheit beim Schopfe packen und die Mannschaft auf eine Nacht morgen im Zelt vorbereiten, in dem aber nicht alle Platz finden werden. Ich telefonierte diesbezüglich gerade eben mit Eggebek. Einige Läufer werden also tatsächlich das eigene Zelt aufschlagen müssen. Hoffentlich bleibt es morgen trocken! Heute ist es nämlich noch sehr stürmisch, regnerisch und kalt.

Etappenläufer, die jetzt zu uns stoßen, um die „TE-FR2012“-Luft zu schnuppern, haben hoffentlich meine Nachrichten gelesen und müssen sich dann entscheiden: „Schlafe ich in Eggebek im Zelt oder suche ich mir doch lieber eine andere Unterkunft?“

Es bot sich eine Dame per email an, die Wäsche der Läufer am Sonntag zu waschen. Leider habe ich den Kontakthinweis verlegt. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn die Dame meldet sich noch einmal im Etappenziel. Ich kann ihr dafür gar nicht genug danken. Sie wird aber meinen Tagesbericht auf der WEB-Seite lesen. Daher hier noch einmal: „Vielen Dank!“

05.Etappe: Von Uldum nach Haderslev Dänemark: Donnerstag, 23.08.12 72,2km/​328,3km

„Alt“ heißt auf Dänisch „Gammel“. Nun stellt sich mir die Frage, ob Altersheim dann „Gammelhus“ heißt? Nein - nämlich Plejehjem! Würde man Altersheim wörtlich ins Dänische übersetzen wollen, so käme Alderhjem heraus. Ich hoffe, dass ich da richtig liege. Diese Weisheit wurde einem Wörterbuch entnommen. Das Wort „Gammel“ für „Alt“ findet man in den Straßenbezeichnungen und Sonstigem immer wieder. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran.

Der „TE-FR2012“ verlief bisher ziemlich unspektakulär. Wir hatten Besuch von fünf bis sieben Reportern und von drei Bürgermeistern. Das war’s! Kommt das „Spektakel“ vielleicht noch? Wichtig für uns ist, dass wir überall freundlich und nett aufgenommen werden. Das war bisher der Fall. Noch kurz etwas über die Dänen aus meiner Sicht. Die Straßen sind picobello sauber und es gibt schöne und gepflegte Vorgärten. Auch die Autofahrer sind diszipliniert. Und mit dem Sparen der Ressourcen scheint man es sehr ernst zu nehmen. In den Hallen und sonstigen Gebäuden findet man kaum Lichtschalter. Du kommst in einen Raum hinein, zwinkerst kurz mit den Augen und das Licht geht an. Du verlässt den Raum, schaust dich um und hinter dir ist es wieder dunkel.

Mit dem Wetter haben wir heute mehr Glück. Es ist wohl etwas windig und es kommen gelegentlich einige Tropfen herunter, aber ansonsten kann man sagen: „Trocken bis heiter!“ Heute wird durch mehrere große Orte gelaufen. Man kommt aber gut durch, denn die Strecke verläuft ziemlich gerade.

In der Regel setze ich mich etwa eine halbe Stunde nach dem Start der ersten Gruppe in Bewegung und rolle das Teilnehmerfeld von hinten auf. Hier und da fällt von mir noch einmal ein Spruch oder ich frage gelegentlich im Vorbeifahren die Läufer kurz nach ihrem Befinden. Wenn es die Zeit erlaubt, dann stoppe ich an dem einen oder anderen VP und erkundige mich auch hier nach den Läufern. Die Informationen von den VP-Besatzungen sind sehr wichtig und aufschlussreich, denn hier (Wo auch sonst?) lässt man seinen Dampf ab.

Man muss die Aussagen und Emotionsausbrüche der Läufer allerdings differenziert sehen. Einer, der sich gerade verlaufen hat, artikuliert sich anders als jemand, der heute in Höchstform ist. Wie dem aber auch sei, später in der Halle ist die Welt meist wieder in Ordnung!

Stéphane Pelissier und Robert Wimmer liefern sich schon jetzt ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Stéphane liegt 1:02Std. vor Robert. Nach der 4.Etappe ist das aber fast nichts. Wetten oder Prognosen kann man frühestens bei Halbzeit des Rennens abliefern. Und auch dann kann noch viel passieren. Ich würde daher die momentane Stunde Abstand gar nicht beachten und sagen, dass sie nahezu Gleichstand haben. Trond Sjavik und Christian Fatton sind den beiden Führenden auf den Fersen. Eine Überraschung ist für mich Markus Bernhard, der ganz vorn mitmischt.

Der Löbauer Alten- und Krankenpfleger Henry Wehder, der in Norwegen lebt und arbeitet, ist dabei, sich einen Traum zu erfüllen. Nachdem er beim „TE-FR2009“ von Bari ans Nordkap gelaufen ist, will er nun von der Nordzur Südspitze Europas laufen. Also begann er damit vor 26Tagen vor dem Start des „TE-FR2012“ am Nordkap. Durchschnittlich knapp 90km legte er bis Skagen täglich zurück. Betreut wurde er von einem Freund. Ohne einen Tag Pause ging es dann weiter Richtung Gibraltar.

Henry meint, dass ihm die langen Etappen in Skandinavien, auf denen er sogar die Anstiege im Laufschritt zurücklegte, beim „TE-FR2012“ zum Vorteil gereichen werden. Keine einzige Etappe ist hier so lang wie die, auf denen er seine letzten sechsundzwanzig „Trainingseinheiten“ absolviert hat.

Ria Buiten und Trond Sjavik waren schon beim „TE-FR2009“ dabei. Während die heute 58jährige Niederländerin Ria seinerzeit nach etwa der Hälfte der Strecke aussteigen musste, erreichte ihr zwei Jahre jüngerer Freund Trond das Nordkap in seiner norwegischen Heimat. Ria führt zurzeit das Frauenfeld mit deutlichem Vorsprung an.

Christian Marti aus der Schweiz, Finisher beim „TE-FR2009“, kündigt lachend an, die braungebrannten und durchtrainierten Beine von Ria zu fotografieren, um der Damenwelt in der Heimat zu zeigen, welche Figur man mit 58Jahren noch haben kann, wenn man läuft.

Ebenfalls aus Norwegen ist Spartathlon-Fan Eiolf Eivindsen im Feld. Der Arbeitskollege von Trond Sjavik ist bereits 9-mal erfolgreich von Athen nach Sparta gerannt. Bei den Spartathleten ist er dadurch bekannt, dass er sich nicht darauf beschränkt, den Zeh des König Leonidas zu berühren, vielmehr erklimmt er die ganze Statue. Das Emblem dieses Laufs hat er sich auf seinen Brustmuskel tätowieren lassen. Da Eiolf bei schönem Wetter gerne „oben ohne“ läuft, ist König Leonidas dann für jedermann sichtbar.

Am Knöchel von Fabrice Viaud befindet sich das Logo des „TE-FR2009“. Der 53jährige Lehrer war schon damals mit dabei, musste aber in Skandinavien aussteigen, weil er eine Infektion in der Hand hatte und diese dringend operiert werden musste. Er kann diese Hand bis heute noch nicht wieder vollständig benutzen, sie ist leicht steif. Das hindert ihn aber nicht an einem gleichmäßigen Lauf mit einem Schnitt von etwa 6:25 min/​km für das gesamte Rennen.

Mit der Startnummer 02 ist der Franzose Stéphane Pelissier im Rennen. Auch er war beim „TE-FR2009“ schon an Bord und kam als Zehnter am Nordkap an. In diesem Jahr läuft er ganz vorn mit. Stéphane war einer der Protagonisten im Dokumentarfilm „I want to run“ über den „TE-FR2009“, der im Sommer 2012 in ausgesuchten deutschen Kinos lief und inzwischen auch im Ausland gezeigt wurde.