Ich - Elton John - ebook

Ich ebook

Elton John

0,0
89,21 zł

Opis

Die erste und einzige Autobiografie des »Rocket-Man«

Elton John gehört zu den erfolgreichsten Künstlern aller Zeiten. »Your Song«, »Tiny Dancer« und »Candle in the Wind« sind nur einige von unzähligen Hits seiner beispiellosen Karriere. Erstmals erzählt er jetzt die Geschichte seines außergewöhnlichen Lebens und blickt zurück auf sieben Jahrzehnte voller Höhen und Tiefen.

Er enthüllt die Wahrheit über seine Kindheit im Londoner Vorort Pinner und über die schwierige Beziehung zu seinen Eltern. Reginald Dwight, der später als Elton John weltberühmt werden sollte, war ein schüchterner Junge, der heimlich davon träumte, Popstar zu werden. Im Alter von 23 spielte er seinen ersten Auftritt in den USA und begeisterte in quietschgelber Latzhose, einem sternenbesetzten T-Shirt und geflügelten Stiefeln sein Publikum. Elton John war angekommen – und die Musikwelt sollte nie wieder dieselbe sein.

Seine Autobiografie »Ich« ist voller Dramatik: Angefangen bei der Ablehnung der ersten Songs von Elton und seinem Songwriting-Partner Bernie Taupin bis hin zu seinem überwältigenden Erfolg als Weltstar; von den Freundschaften mit John Lennon, Freddie Mercury und George Michael bis hin zum Disco-Tanz mit der Queen; von Selbstmord versuchen bis hin zu seiner Drogensucht, die ihn über ein Jahrzehnt lang fest im Griff hatte.

Elton schreibt auch ausführlich über seinen Entzug und den Aufbau seiner AIDS-Stiftung. Er erzählt, wie er in David Furnish die wahre Liebe fand, mit Gianni Versace im Urlaub war und auf der Beerdigung seiner Freundin Prinzessin Diana sang. Und er beschreibt, wie er plötzlich spürte, dass er Vater werden will, und sein Leben sich noch einmal völlig verändert hat.

Humorvoll, unterhaltsam und tief bewegend – Elton Johns Autobiografie »Ich« nimmt uns mit auf eine intime Reise mit einer lebenden Legende.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi lub dowolnej aplikacji obsługującej format:

EPUB
MOBI

Liczba stron: 645




Kein anderer Singer-Songwriter ist schon so lange so erfolgreich wie Elton John. In eigenen Worten und mit großer Offenheit erzählt er jetzt erstmals seine außergewöhnliche Geschichte – mit all ihren Höhen und Tiefen, mit allen urkomischen und herzzerreißenden Momenten. Seine Autobiografie »Ich« ist voller Dramatik: Angefangen bei der Ablehnung der ersten Songs von Elton und seinem Songwriting-Partner Bernie Taupin bis hin zu seinem überwältigenden Erfolg als Weltstar; von den Freundschaften mit John Lennon, Freddie Mercury und George Michael bis hin zum Disco-Tanz mit der Queen; von Selbstmordversuchen bis hin zu seiner Drogensucht, die ihn über ein Jahrzehnt lang fest im Griff hatte.

Humorvoll, unterhaltsam und tief bewegend – Elton Johns »Ich« nimmt uns mit auf eine intime Reise mit einer lebenden Legende.

Ich

Elton

John

Die Autobiografie

Aus dem Englischen von

Harriet Fricke, Stephan Glietsch und Torsten Groß

WIlhelm Heyne Verlag

München

Die Originalausgabe erschien 2019 unter dem Titel »ME« bei Macmillan, an imprint of Pan Macmillan.

Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

© 2019, Elton John

All rights reserved

© der deutschsprachigen Ausgabe 2019 by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Redaktion: Lars Zwickies

Umschlaggestaltung: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich

nach der Vorlage von James Annal © Pan Macmillan

unter Verwendung eines Fotos von © Terry O’Neill, © HST Global Limited

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN: 978-3-641-21589-7V001

www.heyne.de

Dieses Buch ist meinem Mann David und

unseren wunderbaren Söhnen Zachary und Elijah gewidmet.

Ein besonderer Dank an Alexis Petridis,

ohne den dieses Buch nicht möglich gewesen wäre.

Prolog

Ich stand auf der Bühne des Latino in South Shields, als mir klar wurde, dass ich so nicht weitermachen konnte. Das Latino war einer dieser Supper Clubs, die es im Großbritannien der Sechziger- und Siebzigerjahre überall gab und die alle identisch aussahen. Leute in Abendgarderobe saßen an Tischen und tranken Wein aus Bastflaschen; die Lampenschirme hatten Fransen, die Tapeten Blumenmuster und die Kellner Fliegen um den Hals. Gerade so, als wäre man in die Vergangenheit zurückgeworfen worden. Draußen war es Winter 1967, und die Rockmusik veränderte sich so schnell, dass mir bei dem bloßen Gedanken der Kopf schwirrte: Magical Mystery Tour von den Beatles, die Mothers of Invention, The Who Sell Out, Axis: Bold as Love, Dr. John und John Wesley Harding. Im Latino ließen sich die Swinging Sixties nur deswegen erahnen, weil ich einen Kaftan und eine Kette mit Glöckchen trug. Das Outfit stand mir nicht. Ich sah aus wie ein Finalteilnehmer im Wettbewerb um Großbritanniens unglaubwürdigstes Blumenkind.

Die Idee mit dem Kaftan und den Glöckchen stammte von John Baldry. Ich war der Organist in seiner Begleitband Bluesology. John hatte mitbekommen, dass alle anderen R’n’B-Bands plötzlich auf psychedelisch machten. In der einen Woche sah man Zoot Money’s Big Roll Band noch Stücke von James Brown spielen, in der nächsten hießen sie Dantalian’s Chariot, trugen auf der Bühne weiße Gewänder und sangen davon, dass im Dritten Weltkrieg alle Blumen sterben würden. John hatte beschlossen, ihrem Beispiel zumindest in Sachen Mode zu folgen. Deshalb hatte er für alle Kaftane besorgt. Die Band musste sich mit billigen Modellen begnügen, während John sich seine bei Take Six in der Carnaby Street individuell anfertigen ließ. Wenigstens glaubte er das, bis er bei einem Gig im Publikum einen Mann entdeckte, der den gleichen Kaftan trug wie er. Mitten im Lied hörte er auf und rief dem Mann wütend zu: »Woher haben Sie das Hemd? Das ist meins!« Nach meinem Empfinden entsprach das so gar nicht dem Geist der Liebe, des Friedens und der Brüderlichkeit, für den der Kaftan eigentlich stand.

Ich bewunderte Long John Baldry sehr. Er war irrsinnig komisch, unglaublich exzentrisch, offensiv schwul und ein brillanter Musiker, vielleicht der beste Zwölf-Saiten-Gitarrist, den Großbritannien je hervorgebracht hat. In den frühen Sechzigern war er eine Schlüsselfigur im britischen Blues-Boom gewesen und hatte mit Alexis Korner, Cyril Davies und den Rolling Stones gespielt. Sein Blues-Wissen war enzyklopädisch. Er war quasi mein Lehrmeister, durch ihn habe ich jede Menge Musik kennengelernt, von der ich vorher noch nie gehört hatte.

Vor allem aber war er unglaublich aufmerksam und großzügig. Er hatte ein Gespür für gute Musiker und erkannte ihr Talent vor allen anderen; dann baute er sie auf und nahm sich die Zeit, ihr Selbstvertrauen zu stärken. Bei mir hat er es so gemacht und davor bei Rod Stewart, dem Sänger von Steampacket, Johns ehemaliger Band, die aus Rod, John, Julie Driscoll und Brian Auger bestand. Diese Band war fantastisch gewesen, hatte sich aber aufgelöst. Wie ich gehört hatte, war es zwischen Rod und Julie nach einem Auftritt in Saint-Tropez zum Streit gekommen. Julie schüttete ein Glas Rotwein über Rods weißen Anzug – Sie können sich vorstellen, wie gut das bei ihm ankam. Danach war Schluss mit Steampacket. Stattdessen waren Bluesology bei Johns Gigs als Backingband eingesprungen, und nun spielten wir in den angesagten Soul Clubs und Blueskellern des ganzen Landes.

Es machte großen Spaß, obwohl John recht eigenartige Vorstellungen von Musik hatte. Unsere Sets waren ganz schön schräg. Wir fingen mit knallhartem Blues an: »Times Getting Tougher Than Tough«, »Hoochie Coochie Man«. Wir hatten das Publikum fest im Griff, aber dann bestand John darauf, »The Threshing Machine« zu spielen, einen zotigen Novelty Song aus dem Südwesten Englands, der eher an die Lieder erinnerte, die Rugbyspieler im Vollrausch grölen. Stücke wie »’Twas on the Good Ship Venus« oder »Eskimo Nell«. John benutzte beim Singen sogar den passenden Akzent. Im Anschluss mussten wir etwas aus dem Great American Songbook spielen – »It Was a Very Good Year« oder »Ev’ry Time We Say Goodbye« –, weil John so gern die amerikanische Jazzsängerin Della Reese imitierte. Keine Ahnung, wie er auf die Idee kam, das Publikum hätte von ihm »The Threshing Machine« oder eine Della-Reese-Parodie hören wollen, aber er war felsenfest davon überzeugt, obwohl es zwingende Beweise gab, dass dem nicht so war. Man musste sich nur die Leute in der ersten Reihe angucken, die wegen der Blueslegende Long John Baldry gekommen waren, allesamt Mods, die Kaugummi kauten und uns entsetzt anstarrten. Was zum Geier macht der Typ da? Es war urkomisch, obwohl ich mich innerlich dasselbe fragte.

Dann trat die Katastrophe ein: Long John Baldry landete einen Riesenhit. Normalerweise wäre das ein Grund zur Freude gewesen, aber »Let the Heartaches Begin« war schrecklich, ein zuckersüßer, massenkompatibler Schmachtfetzen, Marke Housewives’ Choice. Das Stück war Lichtjahre von der Musik entfernt, die John eigentlich hätte machen sollen, aber die Single hielt sich wochenlang auf Platz eins und wurde rund um die Uhr im Radio gespielt. Ich würde gern behaupten, ich hätte keine Ahnung gehabt, was er sich dabei gedacht hatte, aber ich wusste es nur allzu gut und nahm es ihm nicht mal übel. Er hatte jahrelang geschuftet und verdiente zum ersten Mal richtiges Geld. Von den Blueskellern wurden wir bald nicht mehr gebucht, dafür spielten wir in den Supper Clubs, die auch viel besser zahlten. Oft gaben wir an einem Abend zwei Shows. Die Leute dort interessierten sich nicht für Johns maßgebliche Rolle beim britischen Blues-Boom oder für seine Fertigkeiten an der zwölfsaitigen Gitarre. Sie wollten nur jemanden sehen, der im Fernsehen aufgetreten war. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie würden sich überhaupt nicht für Musik interessieren. Wenn wir in einigen Clubs länger als vereinbart spielten, ließen die Betreiber mitten in einem Stück den Vorhang fallen. Doch es war nicht alles schlecht: Die Gäste der Supper Clubs begeisterten sich für »The Threshing Machine« wesentlich stärker als die Mods.

»Let the Heartaches Begin« brachte noch ein weiteres Problem mit sich: Bluesology konnten es live nicht spielen. Nicht dass wir uns geweigert hätten. Wir konnten es einfach nicht spielen. Auf der Single wirkten ein Orchester und Sängerinnen mit, sie klang wie Mantovani. Wir waren eine achtköpfige Rhythm-&-Blues-Band mit Bläsern. Den Sound hätten wir niemals reproduzieren können. John kam auf die Idee, den Backingtrack auf Tonband zu überspielen. War der große Moment gekommen, schob er ein gigantisches Bandgerät von Revox auf die Bühne, drückte auf Play und sang dazu. Wir anderen standen derweil untätig auf der Bühne herum. In Kaftans und mit Glöckchenketten. Während die Gäste Hähnchen mit Pommes futterten. Es war unerträglich.

Eine Sache war allerdings ziemlich komisch: Sobald John »Let the Heartaches Begin« anstimmte, fingen die Frauen im Publikum an zu kreischen. Von Verlangen übermannt, ließen sie Hähnchen und Pommes stehen und liefen zum Bühnenrand. Dann grapschten sie nach Johns Mikrofonkabel und versuchten, ihn vom Podest zu zerren. Mit Sicherheit passierte Tom Jones das jeden Abend, und er wurde spielend leicht damit fertig, aber Long John Baldry war nun mal nicht Tom Jones. Statt sich in den Huldigungen seiner Verehrerinnen zu suhlen, rastete er aus. Er hörte auf zu singen und brüllte die Frauen an wie ein Schulmeister: »WENN SIE MEIN MIKROFON KAPUTT MACHEN, KRIEGE ICH VON IHNEN FÜNFZIG PFUND!« An einem Abend stieß die Drohung jedoch auf taube Ohren. Und während die Frauen weiter am Mikrofonkabel zerrten, hob John plötzlich einen Arm. Dann dröhnte ein lauter Knall durch die Lautsprecher. John hatte irgendeiner lustgeplagten Zuschauerin eins mit dem Mikrofon übergezogen. Dass er nicht wegen Körperverletzung verhaftet oder angezeigt wurde, grenzt im Nachhinein betrachtet an ein Wunder. Wenn John danach »Let the Heartaches Begin« sang, vertrieben wir anderen uns die Zeit damit, innerlich Wetten abzuschließen, ob er wieder eine kreischende Verehrerin vermöbeln würde.

Dieser Song lief auch, als mich in South Shields plötzlich die Erkenntnis traf. Seit meiner Kindheit hatte ich davon geträumt, Musiker zu sein. Diese Träume hatten alle möglichen Formen angenommen: Ich war abwechselnd Little Richard, Jerry Lee Lewis oder Ray Charles gewesen. Allerdings war darin nie vorgekommen, in einem Supper Club außerhalb von Newcastle auf der Bühne zu stehen und die Vox-Continental-Orgel nicht zu spielen, während Long John Baldry zu einem Tonband ins Mikrofon schmachtete und den Gästen androhte, ihnen fünfzig Pfund abzuknöpfen. Und trotzdem tat ich genau das. Und so sehr ich John auch mochte, ich musste dringend etwas anderes machen.

Das Problem war nur, ich hatte nicht gerade eine ganze Palette an anderen Möglichkeiten. Tatsächlich hatte ich keine Ahnung, was ich machen sollte. Singen und Klavier spielen konnte ich zwar, aber ich hatte nicht das Zeug zum Popstar. Zunächst einmal sah ich nicht aus wie einer – was sich nicht zuletzt darin zeigte, dass ich im Kaftan keine besonders gute Figur machte. Außerdem hieß ich Reg Dwight. Das war kein Name für einen Popstar. »Heute bei Top of the Pops, die neue Single von … Reg Dwight!« Das würde ganz sicher niemals passieren. Die anderen Mitglieder von Bluesology hatten Namen, die man sich gut bei Top of the Pops vorstellen konnte: Stuart Brown, Pete Gavin, Elton Dean. Elton Dean! Selbst der Saxofonist klang mehr nach Popstar, dabei wollte er das überhaupt nicht werden. Er war ein Vollblut-Jazzer, der bei Bluesology nur Zeit totschlug, bis er mit irgendeinem Impro-Quintett loslegen konnte.

Natürlich hätte ich meinen Namen ändern können, aber wozu sollte das gut sein? Es war nämlich nicht nur so, dass ich glaubte, nicht das Zeug zum Popstar zu haben. Man hatte es mir außerdem unmissverständlich zu verstehen gegeben. Einige Monate zuvor hatte ich bei Liberty Records vorgespielt. Sie hatten eine Anzeige im New Musical Express geschaltet: LIBERTY RECORDS SUCHT NEUE TALENTE. Wie sich zeig- te, hatten sie nicht mich gesucht. Ich war hingefahren, hatte Ray Williams ein paar Stücke vorgespielt und in einem kleinen Studio sogar ein, zwei Sachen aufgenommen. Ray meinte, ich hätte durchaus Potenzial, aber alle anderen beim Label sahen das anders. Danke, aber kein Bedarf. Damit hatte sich das er- ledigt.

Tatsächlich blieb mir nur eine Möglichkeit. Als ich mich bei Liberty vorgestellt hatte, hatte ich Ray gesagt, ich könnte Stücke schreiben, oder vielmehr halbe Stücke. Melodien bekam ich hin, aber keine Texte. Bei Bluesology hatte ich es mal versucht, und das, was dabei herausgekommen war, ließ mich nachts noch immer schweißgebadet im Bett hochschrecken: »We could be such a happy pair, and I promise to do my share.« Nachdem Ray mir eine Absage erteilt hatte, drückte er mir, fast wie einen Trostpreis, einen Umschlag in die Hand. Auf die Anzeige im New Musical Express hin hatte jemand ein paar Songtexte eingereicht. Ich hatte den Verdacht, dass Ray sie noch nicht mal gelesen hatte, als er sie an mich weitergab.

Der Texter kam aus Owmby-by-Spital in Lincolnshire, nicht gerade die pulsierende Welthauptstadt des Rock’n’Roll. Offenbar arbeitete er auf einer Hühnerfarm, wo er tote Vögel mit einer Schubkarre abtransportierte. Aber seine Texte waren ziemlich gut. Esoterisch, ein bisschen wie Tolkien, nicht weit von Procol Harums »A Whiter Shade of Pale« entfernt. Vor allem aber verspürte ich bei keinem davon das dringende Bedürfnis, mir vor Peinlichkeit den Kopf abzureißen. Insofern stellten sie eine erhebliche Verbesserung zu allem dar, was mir selbst bisher eingefallen war.

Aber das Entscheidende war, dass ich Musik dazu schreiben konnte, und das auch noch richtig schnell. Die Texte hatten etwas, das mich sofort ansprach. Mit dem Texter war es dasselbe. Er kam nach London, wir gingen zusammen Kaffee trinken und verstanden uns auf Anhieb. Wie sich herausstellte, war Bernie Taupin alles andere als ein Landei. Für einen Siebzehnjährigen war er ganz schön weltgewandt: langhaarig, attraktiv, belesen, ein großer Fan von Bob Dylan. Wir fingen an, zusammen Songs zu schreiben. Das heißt, richtig zusammen schrieben wir sie nicht. Er schickte mir seine Texte per Post aus Lincolnshire, ich komponierte die Musik zu Hause, in der Wohnung meiner Mutter und meines Stiefvaters in Northwood Hills. Mit dieser Methode schrieben wir Dutzende Lieder. Allerdings gelang es uns erst mal nicht, die verdammten Sachen an irgendeinen Künstler zu verkaufen, und wenn wir uns in Vollzeit in die Arbeit gestürzt hätten, wären wir bald pleite gewesen. Aber was hatten wir außer Geld schon groß zu verlieren? Eine Schubkarrenladung toter Vögel beziehungsweise zwei Nichteinsätze pro Abend, während »Let the Heartaches Begin« vom Band lief.

Im Dezember, nach einem Auftritt in Schottland, verkündete ich John und den Mitgliedern von Bluesology, dass ich die Band verlassen würde. Keiner nahm es mir übel. Wie gesagt, John war unglaublich großzügig. Auf dem Rückflug überlegte ich mir, meinen Namen doch zu ändern. Aus irgendeinem Grund meinte ich, mir ganz schnell einen neuen einfallen lassen zu müssen. Vermutlich sah ich darin ein Symbol für meinen Neuanfang. Schluss mit Bluesology, Schluss mit Reg Dwight. Weil ich es eilig hatte, klaute ich mir die Namen von anderen. Elton aus Elton Dean, John aus Long John Baldry. Elton John. Elton John und Bernie Taupin. Das Songwriter-Duo Elton John und Bernie Taupin. Das klang gut. Ungewöhnlich. Einprägsam. Im Bus von Heathrow nach Hause erzählte ich meinen neuen Ex-Bandkollegen, wie ich in Zukunft heißen würde. Sie lachten sich schlapp, dann wünschten sie mir viel Glück.

Eins

Elvis Presley lernte ich durch meine Mutter kennen. Jeden Freitag nach der Arbeit holte sie ihre Lohntüte ab, hielt auf dem Heimweg bei Siever’s, einem Elektrogeschäft, das auch Schallplatten im Angebot hatte, und kaufte sich eine neue 78er-Schellackplatte. Für mich war das der schönste Tag in der Woche. Ungeduldig wartete ich zu Hause auf ihre Rückkehr. Meine Mutter ging gern tanzen, daher stand sie auf Big Bands – Billy May und sein Orchester, Ted Heath – und sie liebte amerikanische Sänger wie Johnnie Ray, Frankie Laine, Nat King Cole und Guy Mitchell mit seinem Hit »She Wears Red Feathers and a Huly-Huly Skirt«. Doch an einem Freitagnachmittag brachte sie etwas völlig anderes mit. Wie sie mir erzählte, hatte sie so etwas noch nie gehört, aber weil der Sänger so fantastisch war, hatte sie die Platte einfach kaufen müssen. Sobald sie den Namen Elvis Presley ausgesprochen hatte, wusste ich Bescheid. Am Wochenende davor war ich beim Friseur gewesen und hatte in einer Zeitschrift ein Foto des ungewöhnlichsten Mannes entdeckt, den ich je gesehen hatte. Alles an ihm wirkte besonders: die Kleidung, die Haare, sogar die Haltung. Verglichen mit den Leuten, die vor dem Fenster des Friseurladens im nordwestlichen Londoner Vorort Pinner vorbeischlenderten, hätte er ebenso gut knallgrüne Haut und eine Antenne auf dem Kopf haben können. Das Foto hatte mich dermaßen fasziniert, dass ich noch nicht mal den dazugehörigen Artikel gelesen hatte. Als ich nach Hause kam, hatte ich den Namen bereits vergessen. Jetzt fiel er mir wieder ein: Elvis Presley.

Sobald Mum die Platte auflegte, war klar, dass Elvis Presley genauso klang, wie er aussah – als käme er von einem anderen Planeten. Im Vergleich zu den Sachen, die meine Eltern sonst hörten, ging »Heartbreak Hotel« nicht mal als Musik durch. Eine Meinung, die mein Vater im Lauf der nächsten Jahre immer wieder nachdrücklich kundtat. Rock’n’Roll hatte ich zwar schon gehört (»Rock Around the Clock« war 1956 ein Megahit gewesen), aber »Heartbreak Hotel« klang völlig anders. Roh, sparsam instrumentiert, langsam, unheimlich. Und dann noch dieses merkwürdige Echo auf der Stimme. Man verstand kaum, was er sang. Ich begriff, dass sein Baby ihn verlassen hatte, aber danach verlor ich komplett den Faden. Was mochte ein »dess clurk« sein? Und wer war dieser »Bidder Sir Lonely«, den der Sänger immer wieder erwähnte?

Eigentlich waren die Worte völlig egal, denn der Gesang berührte einen fast körperlich. Man konnte die ungeheure Energie, die vom Sänger ausging, buchstäblich fühlen, fast so, als wäre sie ansteckend und würde aus dem Lautsprecher der Musiktruhe direkt in einen hineinfahren. Ich war damals bereits verrückt nach Musik und besaß eine eigene Sammlung von 78ern, bezahlt mit Gutscheinen für Plattenläden, die ich zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt bekam. Bis zu diesem Freitag war meine Heldin Winifred Atwell gewesen, eine große, mitreißend fröhliche Frau aus Trinidad, die auf der Bühne zwei Klaviere benutzte, einen Flügel für leichte Klassik und ein altes Stehklavier für Ragtime und Pub-Lieder. Ich liebte ihre gute Laune und die leicht theatralische Art, mit der sie verkündete: »So, jetzt setze ich mich an mein anderes Klavier«. Außerdem ihre Angewohnheit, sich beim Spielen nach hinten zu lehnen und dem Publikum ein breites Grinsen zu schenken, als würde sie sich königlich amüsieren. Ich fand Winifred Atwell einfach fantastisch, aber wenn ich ihr zugehört hatte, empfand ich nie so etwas wie bei diesem Lied. Tatsächlich hatte ich in meinem ganzen Leben noch nie so etwas empfunden. Während »Heartbreak Hotel« lief, hatte ich das Gefühl, alles hätte sich verändert und nichts würde mehr so sein wie früher. Wie sich herausstellte, stimmte das auch.

Gott sei Dank, denn die Welt hatte Veränderungen dringend nötig. Ich wuchs im Großbritannien der Fünfzigerjahre auf, und vor Elvis und Rock’n’Roll war es dort ziemlich trostlos. In Pinner zu leben machte mir nichts aus – ich bin keiner dieser Popstars, die sich von dem brennenden Wunsch antreiben ließen, der Vorstadt zu entkommen, sondern ich habe dort immer gern gewohnt. Aber leider befand sich das ganze Land in einem schlimmen Zustand. Die Menschen waren ängstlich, borniert und voreingenommen. Sie schielten mit sauertöpfischen Mienen hinter den Gardinen hervor, sie verstießen ihre Töchter, wenn diese sich in Schwierigkeiten gebracht hatten. Denke ich heute an die Fünfzigerjahre in Großbritannien zurück, dann sehe ich mich auf der Treppe vor unserem Haus sitzen und höre zu, wie der Bruder meiner Mutter, Onkel Reg, versucht, ihr die Scheidung von meinem Vater auszureden: »Du kannst dich nicht scheiden lassen! Was sollen die Leute denken?« Einmal hat er sogar die Phrase »Was werden die Nachbarn sagen?« benutzt. Onkel Reg konnte nichts dafür. Das war die Mentalität damals – den Schein zu wahren war wichtiger als glücklich zu sein.

In Wahrheit hätten meine Eltern niemals heiraten dürfen. Ich kam zwar erst 1947 auf die Welt, war im Grunde aber ein Kriegskind. Vermutlich wurde ich gezeugt, als mein Vater von der Royal Air Force ein paar Tage Heimaturlaub bekommen hatte – er war 1942, auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs, eingezogen worden und hatte den Dienst nach Kriegsende ver- längert. Meine Eltern waren zweifellos ein Kriegspaar. Ihre Geschichte klingt romantisch. Sie hatten sich in dem Jahr kennengelernt, als mein Vater zur Armee ging. Er war siebzehn gewesen und hatte vorher in Rickmansworth in einer Werft gearbeitet, die Kanalboote baute. Mum war siebzehn, ihr Mädchenname war Harris, und sie lieferte für United Dairies mit einem Pferdewagen Milch aus – eine Arbeit, die vor dem Krieg keine Frau verrichtet hätte. Mein Vater spielte leidenschaftlich gern Trompete und hatte meine Mutter im Publikum entdeckt, als er während eines Heimaturlaubs mit einer Band in einem Hotel in North Harrow spielte.

In Wahrheit war die Ehe von Stanley und Sheila Dwight alles andere als romantisch. Sie vertrugen sich einfach nicht. Beide waren dickköpfig und unbeherrscht, zwei überaus reizende Eigenschaften, die ich zu meinem unfassbaren Glück geerbt habe. Ich bin mir nicht sicher, ob sie sich jemals wirklich geliebt haben. Während des Krieges konnten die Leute gar nicht schnell genug heiraten – sie blickten einer ungewissen Zukunft entgegen, selbst noch im Januar 1945, als die Hochzeit meiner Eltern stattfand, und packten jede Gelegenheit beim Schopf. Vielleicht war das auch bei ihnen der Fall gewesen. Gut möglich, dass sie sich tatsächlich einmal geliebt hatten. Oder vielleicht hatten sie es wenigstens geglaubt. Jetzt schienen sie einander nicht mal mehr zu mögen. Von morgens bis abends stritten sie mitein- ander.

Pausen gab es nur, wenn mein Vater nicht zu Hause war, was ziemlich oft vorkam. Er war inzwischen zum Hauptmann der Luftwaffe befördert worden und wurde regelmäßig zu Auslandseinsätzen geschickt, in den Irak oder nach Aden, daher wuchs ich in einem reinen Frauenhaushalt auf. Mit Ivy, meiner Großmutter mütterlicherseits, wohnten wir in der Pinner Hill Road Nummer 55 – im selben Haus, in dem ich geboren wurde. Es gehörte zu einer dieser mit öffentlichen Geldern erbauten Reihenhaussiedlungen, wie sie in den Zwanziger- und Dreißigerjahren überall in Großbritannien entstanden waren: drei Schlafzimmer, roter Klinker im Erdgeschoss, weißer Putz im ersten Stock. Tatsächlich wohnte bei uns auch ein weiterer Mann, obwohl man von ihm so gut wie nichts mitbekam. Mein Großvater war jung an Krebs gestorben, und meine Großmutter hatte wieder geheiratet, einen Mann namens Horace Sewell, der im Ersten Weltkrieg ein Bein verloren hatte. Horace hatte ein Herz aus Gold, war aber nicht gerade eine Plaudertasche. Die meiste Zeit war er draußen. Er arbeitete in der Gärtnerei Woodman’s, und nach Feierabend sowie an den Wochenenden hockte er in unserem Garten, wo er Gemüse anbaute und Blumen schnitt.

Vielleicht war er die ganze Zeit über im Garten, weil er meiner Mutter aus dem Weg gehen wollte, was ich ihm nicht verübeln könnte. Auch wenn mein Vater nicht da war, waren die Launen meiner Mutter unerträglich. Denke ich an meine Kindheit zurück, dann fallen mir zuerst Mums Stimmungsschwankungen ein. Oft senkte sich ohne Vorwarnung ein grässliches, finsteres Schweigen über das Haus, und ich schlich auf Zehenspitzen herum und überlegte mir jedes Wort dreimal, um sie nicht aufzuregen und mir eine Ohrfeige einzufangen. Hatte sie gute Laune, war sie lebhaft und nett. Aber sie schien immer nach einem Grund zu suchen, keine gute Laune haben zu müssen, wollte sich ständig streiten und das letzte Wort behalten. Onkel Reg sagte einmal, sie könne sogar in einem leeren Zimmer einen Streit vom Zaun brechen. Jahrelang habe ich geglaubt, es wäre meine Schuld und dass sie vielleicht nie Mutter werden wollte. Sie war bei meiner Geburt erst einundzwanzig und in einer unglücklichen Ehe gefangen gewesen. Außerdem war sie damals wegen Geldmangels dazu gezwungen, bei ihrer Mutter zu wohnen. Aber wie mir ihre Schwester, Tante Win, erzählte, war meine Mutter schon immer so gewesen – in ihrer Kindheit hätte stets eine dunkle Wolke über dem Kopf von Sheila Harris gehangen, die anderen Kinder hatten Angst vor ihr, und sie schien das zu genießen.

Was meine Erziehung anging, hatte Mum jedenfalls recht merkwürdige Ansichten. Damals sorgte man bei seinen Kindern mit Schlägen für Zucht und Ordnung und glaubte fest daran, mit einer gehörigen Tracht Prügel ließen sich sämtliche ihrer »Macken« korrigieren. Meine Mutter war eine leidenschaftliche Anhängerin dieser Philosophie, was besonders demütigend war, wenn sie ihre Leidenschaft in der Öffentlichkeit auslebte. Um das Selbstwertgefühl eines Kindes in seinen Grundfesten zu erschüttern, gibt es kein besseres Mittel, als ihm vor dem Sainsbury’s in Pinner eine Abreibung zu verpassen, während eine sichtlich interessierte Menschenmenge zusieht. Doch einige ihrer Erziehungsmaßnahmen waren selbst für die damalige Zeit extrem verstörend. Jahre später habe ich erfahren, dass sie mir als Zweijährigem das Windeltragen abgewöhnen wollte, indem sie mich mit einer Drahtbürste blutig schlug, wenn ich nicht aufs Töpfchen ging. Als meine Großmutter das herausfand, war sie verständlicherweise außer sich und sprach wochenlang kein Wort mehr mit ihr. Meine Großmutter tobte auch, als sie mitbekam, wie meine Mutter mich von einer Verstopfung kurieren wollte. Sie hatte mich auf das Abtropfbrett in der Küche gelegt und mir Karbolseife in den Po gesteckt. Falls es ihr tatsächlich Spaß machte, Menschen in Furcht zu versetzen, dann muss sie an mir die hellste Freude gehabt haben, denn ich hatte schreckliche Angst vor ihr. Ich habe sie geliebt – schließlich war sie meine Mutter –, aber ich war immer auf der Hut, um ja nichts anzustellen, was sie wütend machte. War sie zufrieden, war ich es auch, wenigstens vorübergehend.

Mit meiner Großmutter gab es diesen Ärger nicht. Sie war der Mensch, dem ich am meisten vertraute. Für mich war sie das Herz der Familie, die Einzige, die nicht arbeiten ging – meine Mutter fuhr inzwischen keine Milch mehr aus, sondern hatte eine Anstellung als Verkäuferin. Meine Großmutter war noch eine echte Matriarchin aus der Arbeiterklasse: pragmatisch, fleißig, lieb, lustig. Ich habe sie vergöttert. Sie war die beste Köchin, hatte den grünsten Daumen, trank ab und zu ein Gläschen und spielte gern Karten. Ihr Leben war sehr hart gewesen – als ihre Mutter schwanger geworden war, hatte sich der Vater des Kindes aus dem Staub gemacht, daher wurde meine Großmutter im Armenhaus geboren. Sie hat zwar nie darüber geredet, aber das Erlebnis hatte aus ihr offenbar einen Menschen gemacht, den nichts erschüttern konnte, nicht mal mein Geschrei, als ich mir die Vorhaut im Reißverschluss einklemmte und die Treppe runter raste, damit sie mir aus der Patsche half. Sie seufzte nur und machte sich ans Werk, als würde sie jeden Tag den Penis eines kleinen Jungen aus seinem Reißverschluss befreien.

In unserem Haus roch es nach Braten und Kohlenfeuer. Ständig klopfte jemand an die Tür: Tante Win oder Onkel Reg, mein Cousin John oder meine Cousine Cathryn, der Mietenkassierer, der Laufbursche der Watford Steam Laundry, der Kohlenlieferant. Außerdem lief immer Musik. Das Radio war quasi rund um die Uhr eingeschaltet: Two-Way Family Favourites, House- wives’ Choice, Music While You Work, The Billy Cotton Band Show. Wenn es einmal nicht lief, hörten wir Schallplatten aus der Musiktruhe, meistens Jazz, aber hin und wieder auch Klassik.

Ich konnte Stunden damit verbringen, diese Schallplatten zu betrachten und mir die unterschiedlichen Labels einzuprägen. Die blauen von Decca, die roten von Parlophone, die knallgelben von MGM, die von HMV und RCA, auf denen aus schleierhaften Gründen ein Hund abgebildet war, der ein Grammophon anschaute. Schallplatten waren für mich magische Objekte; dass sie Geräusche machten, wenn man eine Nadel darauf legte, kam mir vor wie ein Wunder. Es dauerte nicht lange, und ich wünschte mir als Geschenke nur noch Schallplatten und Bücher. Ich weiß noch, wie enttäuscht ich war, als ich einmal die Treppe runterkam und eine große, in Geschenkpapier eingewickelte Schachtel sah. O Gott, sie haben mir einen Metallbaukasten gekauft!

Und dann gab es bei uns zu Hause noch das Klavier, das meiner Großmutter gehörte. Tante Win spielte immer darauf, und irgendwann auch ich. In meiner Familie wurde gern erzählt, ich sei am Klavier ein Wunderkind gewesen. Der Legende nach hatte meine Tante Win mich mit drei Jahren auf ihren Schoß gesetzt, und ich konnte die Melodie vom »Schneewalzer« auf Anhieb nach dem Gehör spielen. Keine Ahnung, ob die Geschichte wahr ist, aber mit dem Klavierspielen habe ich tatsächlich sehr früh begonnen, etwa zu der Zeit, als ich in die Reddiford School kam. Ich spielte Kirchenlieder wie »All Things Bright and Beautiful«, die ich aus dem Gottesdienst kannte. So wie andere Menschen ein angeborenes fotografisches Gedächtnis haben, wurde ich eben mit einem guten Gehör geboren. Ich musste ein Lied nur einmal hören und konnte es am Klavier mehr oder weniger perfekt nachspielen. Mit sieben fing ich mit dem Musikunterricht an, die Lehrerin hieß Mrs. Jones. Bald dar- auf karrten meine Eltern mich zu Familienfesten und Hochzeiten, wo ich »My Old Man Said Follow the Van« oder »Roll Out the Barrel« zum Besten gab. Obwohl in unserem Haus ständig Schallplatten oder Radiosendungen liefen, liebte meine Familie diese Lieder zum Mitsingen am meisten.

Das Klavier erwies sich als besonders nützlich, wenn mein Vater im Urlaub nach Hause kam. Er war ein typischer Mann der Fünfzigerjahre – er schien jede Gefühlsregung außer Wut als fatale Charakterschwäche auszulegen. Er nahm mich nie in den Arm, sagte nie, dass er mich lieb hatte. Aber er mochte Musik, und wenn er mich Klavier spielen hörte, sagte er »gut gemacht« oder legte mir manchmal sogar einen Arm um die Schultern, was mir das Gefühl gab, er wäre ein bisschen stolz auf mich. Ich hatte wenigstens vorübergehend einen Pluspunkt bei ihm gesammelt, und das war für mich immens wichtig. Wenn ich vor ihm etwas weniger Angst hatte als vor meiner Mutter, dann nur, weil er so selten zu Hause war. Als ich sechs war, fasste meine Mutter den Entschluss, Pinner und der gesamten Familie den Rücken zu kehren und mit mir nach Wiltshire zu ziehen, wo mein Vater in der Luftwaffenbasis RAF Lyneham in der Nähe von Swindon stationiert war. Viel weiß ich aus der Zeit nicht mehr. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich auf dem Land gern draußen gespielt, aber ich fühlte mich durch den Umzug verunsichert und durcheinander, was sich auf meine schulischen Leistungen auswirkte. Lange wohnten wir dort nicht – meiner Mutter ist vermutlich schnell aufgegangen, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Und nachdem wir nach Pinner zurückgekehrt waren, kam mein Vater eigentlich nur noch auf Stippvisite zu uns.

Bei seinen Besuchen lief bei uns zu Hause vieles anders ab. Auf einmal gab es Dutzende neue Regeln. Ich handelte mir Ärger ein, wenn ich den Fußball aus Versehen in ein Blumenbeet kickte, aber ich bekam auch Ärger, wenn ich die Selleriestangen falsch aß. Richtig aß man sie (für den unwahrscheinlichen Fall, dass Sie das interessiert), indem man nicht allzu laut in sie hineinbiss. Einmal verdrosch er mich, weil ich meine Schuluniform angeblich falsch ausgezogen hatte; leider hatte ich wohl vergessen, wie man es richtig machte, obwohl dieses Wissen augenscheinlich lebensnotwendig war. Der Vorfall nahm meine Tante Win dermaßen mit, dass sie in Tränen aufgelöst zu meiner Großmutter lief. Womöglich hatten die Streitereien wegen Windelentwöhnung und Verstopfung meine Großmutter schon völlig zermürbt, denn sie riet meiner Tante, sich ja nicht einzumischen.

Was war bei uns bloß los? Keine Ahnung. Bis heute weiß ich über die Probleme meines Vaters genauso wenig wie über die meiner Mutter. Vielleicht lag es daran, dass er in der Armee war und dort alles nach festen Regeln ablief. Vielleicht war er auch ein bisschen eifersüchtig, weil er so oft weg war und sich von der Familie ausgeschlossen fühlte. Vielleicht war aber auch seine Erziehung schuld, obwohl mir seine Eltern – Großvater Edwin und Großmutter Ellen – nicht besonders streng vorkamen. Gut möglich, dass sich meine Eltern damit überfordert fühlten, ein Kind großzuziehen, schließlich besaßen sie darin keinerlei Erfahrung. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass bei meinem Vater schnell die Sicherungen durchbrannten und er offenbar nicht mit Worten umgehen konnte. Nie reagierte er besonnen und sagte so was wie: »Komm, wir setzen uns erst mal hin.« Er explodierte immer sofort. Die aufbrausende Art der Familie Dwight. Sie war der Fluch meiner Kindheit und blieb es mein Leben lang, weil ich sie offenkundig geerbt habe. Entweder war es mir von den Genen her vorbestimmt, schnell die Beherrschung zu verlieren, oder ich habe es mir unbewusst abgeschaut. Woran es auch immer gelegen haben mag, als Erwachsener hatten ich und die Menschen in meiner Nähe extrem damit zu kämpfen.

Wären meine Mutter und mein Vater nicht gewesen, hätte ich eine ganz normale, langweilige Fünfzigerjahre-Kindheit gehabt: Muffin the Mule im Fernsehen, am Samstagmorgen Kindervorstellungen im Embassy-Kino in North Harrow, am Sonntag im Radio die Goon Show und abends Schmalzbrote. Wenn ich nicht zu Hause war, ging’s mir prima. Mit elf wurde ich auf die Pinner County Grammar School versetzt, wo mein Verhalten auffällig normal war. Ich wurde nicht von anderen tyrannisiert und schikanierte auch selbst niemanden. Ich war kein Streber, aber auch kein Rabauke. Das überließ ich meinem Freund John Gates, der zu den Menschen gehörte, die offenbar ihre gesamte Kindheit über nachsitzen oder vor dem Büro des Schulleiters warten müssen, ohne dass sich die verschiede- nen Strafen irgendwie auf ihr Verhalten auswirken würden. Ich war ein bisschen pummelig, hielt mich im Sportunterricht aber recht wacker, ohne Gefahr zu laufen, zum Topathleten zu mutieren. Ich spielte Fußball und Tennis. Alles, nur kein Rugby. Wegen meiner Größe schickten sie mich beim Rugby immer ins Gedränge, wo meine Rolle hauptsächlich darin bestand, mir vom Pfeiler der gegnerischen Mannschaft wiederholt in die Eier treten zu lassen. Nein, danke.

Mein bester Freund hieß Keith Francis und gehörte zu einem festen Kreis aus Jungen und Mädchen, zu denen ich heute noch Kontakt habe. Ab und zu halte ich bei mir zu Hause sogar Klassentreffen ab. Beim ersten Mal war ich vorher total nervös: Fünfzig Jahre waren vergangen, ich war berühmt und wohnte in einem großen Haus – was mochten sie wohl von mir denken? Ihnen war das alles aber völlig egal. Als sie bei mir eintrafen, hätte es ebenso gut 1959 sein können. Groß verändert hatte sich eigentlich niemand. John Gates hatte noch immer dieses verschmitzte Grinsen im Gesicht, das einem verriet, wie faustdick er es hinter den Ohren hatte.

Jahrelang passierte in meinem Leben nichts Außergewöhnliches. Das Aufregendste war eine Klassenfahrt nach Annecy, wo wir bei unseren französischen Brieffreunden wohnten und beim Anblick eines Citroën 2CV den Mund nicht mehr zubekamen. Auf den britischen Straßen hatte ich ein solches Fahrzeug noch nie gesehen – die Sitze erinnerten eher an Liegestühle. Oder dieser Tag in den Osterferien, als Barry Walden, Keith und ich aus Gründen, die längst vom Nebel der Zeit verschluckt worden sind, beschlossen, mit unseren Rädern von Pinner nach Bournemouth zu fahren, und ich mich, als mir aufging, dass ihre Räder im Gegensatz zu meinem über Gangschaltungen verfügten, fragte, ob das wirklich so eine schlaue Idee gewesen war. Doch die größte Gefahr bestand darin, dass sich einer meiner Freunde zu Tode langweilte, wenn ich anfing, über Schallplatten zu reden. Sie nur zu sammeln reichte mir nicht. Jedes Mal, wenn ich mir eine kaufte, machte ich mir in einem Heft Notizen dazu. Ich schrieb die Titel der A- und B-Seiten auf sowie alle weiteren Informationen, die auf dem Aufkleber standen: Songwriter, Label, Produzent. Dann merkte ich mir alles und wurde so zum wandelnden Musiklexikon. Wenn jemand fragte, warum die Nadel bei »Little Darlin’« von den Diamonds immer sprang, erklärte ich jedem in Hörweite, dass »Little Darlin’« von den Diamonds auf Mercury Records herausgekommen war, die in Großbritannien von Pye vertrieben wurden, dass Pye das einzige Label war, das 78er statt auf das alte Schellack auf neumodisches Vinyl presste, und dass Schellacknadeln auf Vinyl nun mal anders reagierten.

Aber ich will mich nicht über mein langweiliges Leben beklagen – mir gefiel es nämlich sehr gut. Zu Hause war es schon anstrengend genug, sodass mir das ereignislose Leben vor meiner Haustür sehr gelegen kam. Vor allem, als meine Eltern beschlossen, es noch einmal mit dem Zusammenwohnen zu versuchen. Das war kurz nachdem ich auf die Pinner County gewechselt war. Mein Vater war an den Luftwaffenstützpunkt in Medmenham in Buckinghamshire versetzt worden, und wir zogen in die Potter Street Nummer 111 in Norwood, gut zehn Minuten von Pinner entfernt. Dort lebten wir drei Jahre lang, und die Zeit reichte mehr als aus, um endgültig zu beweisen, dass die Ehe meiner Eltern einfach nicht funktionierte. O Gott, es war schrecklich. Ständig gab es Streit, unterbrochen nur von eisigem Schweigen. Man konnte nicht ein einziges Mal durchatmen. Weil ich die ganze Zeit auf den nächsten Wutausbruch meiner Mutter oder die nächste spontan aufgestellte Regel meines Vaters wartete, wusste ich am Ende nicht mehr, wie ich mich überhaupt verhalten sollte. Die Ungewissheit, was als Nächstes passieren würde, erfüllte mich mit Angst. Ich war zutiefst verunsichert und fürchtete mich vor meinem eigenen Schatten. Zu allem Überfluss glaubte ich, schuld am Zustand der Ehe meiner Eltern zu sein, weil es in ihren Streitereien oft um mich ging. Wenn mein Vater mit mir schimpfte, mischte sich meine Mutter regelmäßig ein, und dann stritten sie über meine Erziehung. Das ließ mich an mir selbst zweifeln und führte dazu, dass ich lange Zeit Minderwertigkeitskomplexe wegen meines Aussehens hatte. Jahrelang ertrug ich den Blick in den Spiegel nicht. Ich hasste alles an mir: Ich war zu dick, zu klein, mein Gesicht sah seltsam aus, meine Haare machten nie, was ich wollte, wozu auch gehört hätte, nicht vorzeitig auszufallen. Eine weitere Folge war meine Angst vor Konfrontation. Die hielt sich über Jahrzehnte. Weil ich Ärger vermeiden wollte, verharrte ich in beruflichen und privaten Beziehungen, die nicht gut für mich waren.

Wurde mir alles zu viel, lief ich nach oben und schloss mich in meinem Zimmer ein; das hatte ich mir als Kind bei den Streitereien meiner Eltern angewöhnt. Ich ging in mein Zimmer, wo ich alles in perfekter Ordnung hielt. Abgesehen von Schallplatten sammelte ich Comics, Bücher und Zeitschriften. Und ich war in allem sehr akribisch. Wenn ich nicht gerade alle Informationen zu einer neuen Single in meinem Heft notierte, schrieb ich sämtliche Single-Charts aus dem Melody Maker, New Musical Express, Record Mirror und Disc ab, verglich die Ergebnisse, rechnete den Mittelwert aus und stellte meine persönlichen Charts auf. Ich war schon immer ein Statistik-Freak. Selbst heute noch lasse ich mir täglich Hitlisten zuschicken – die Radio-Charts aus Amerika, aber auch die der Kinofilme und Broadway-Shows. Die meisten Künstler machen das nicht, weil es sie nicht interessiert. Unterhalte ich mich mit einem von ihnen, weiß ich oft mehr über die aktuelle Position seiner Single als er selbst, was schon verrückt ist. Meine Ausrede ist dann immer, dass ich mich auf dem Laufen halten muss, weil ich eine Firma besitze, die Filme produziert und Künstler betreut. In Wahrheit würde ich es aber genauso machen, wenn ich in einer Bank arbeiten würde. Das ist nun mal ein Spleen von mir.

Ein Psychologe würde vermutlich erklären, ich hätte als Kind versucht, in einem chaotischen Leben für Ordnung zu sorgen. Ich hatte keine Kontrolle über die sporadische Anwesenheit meines Vaters und die ständigen Zurechtweisungen und Streitereien oder die Stimmungsschwankungen meiner Mutter, wohl aber über die Sachen in meinem Zimmer. Objekte konnten mir nicht wehtun. Sie gaben mir Trost. Ich redete mit ihnen und tat so, als hätten sie Gefühle. Ging etwas kaputt, fühlte ich mich elend, gerade so, als hätte ich den Gegenstand umgebracht. Bei einem besonders schlimmen Streit warf meine Mutter mit einer Schallplatte nach meinem Vater, und sie zerbrach in Gott weiß wie viele Stücke. Es war »The Robin’s Return« von der Ragtime-Pianistin Dolores Ventura. Ich weiß noch, dass ich damals dachte: »Wie kann man nur? Wie kann man etwas so Schönes einfach kaputtmachen?«

Mit der Ankunft des Rock’n’Roll explodierte meine Schallplattensammlung. Und es geschahen weitere Dinge, die andeuteten, dass sich selbst in den Vororten von London die graue Nachkriegswelt allmählich veränderte. Bei uns zu Hause gab es bald einen Fernseher und eine Waschmaschine, und in der High Street von Pinner eröffnete eine Kaffeebar, was unvorstellbar exotisch war – bis im nahe gelegenen Harrow ein Chinarestaurant aufmachte. Aber dieser Wandel vollzog sich langsam. Mit dem Rock’n’Roll verhielt es sich anders. Er kam quasi aus dem Nichts und so schnell, dass man zuerst gar nicht begriff, wie sehr er alles veränderte. In einem Moment stand der Begriff Popmusik noch für den den guten alten Guy Mitchell und »Where Will the Dimple Be?« oder Max Bygrave mit seinem Lied über Zahnbürsten. Harmlose Schnulzen für Eltern, die nichts Aufregendes oder Schockierendes hören wollten. Während des Krieges hatten sie davon schon so viel abbekommen, dass es für ein ganzes Leben reichte. Im nächsten Moment bedeutete Pop dann Jerry Lee Lewis und Little Richard, die unverständliches Zeug sangen, als hätten sie Schaum vor dem Mund, und von unseren Eltern abgrundtief gehasst wurden. Selbst Mum, der Elvis-Fan, nahm bei Little Richard Reißaus. Für sie war »Tutti Frutti« nur entsetzlicher Krach.

Rock’n’Roll war wie eine Bombe, die einfach immer weiter detonierte. Eine Reihe von Explosionen, so schnell, dass man es kaum verarbeiten konnte. Auf einmal wurde eine fantastische Platte nach der anderen veröffentlicht. »Hound Dog«, »Blue Suede Shoes«, »Whole Lotta Shakin’ Goin’ On«, »Long Tall Sally«, »That’ll Be the Day«, »Roll Over Beethoven«, »Reet Petite«. Ich musste mir einen Wochenendjob besorgen, damit ich mit dem Kaufen noch hinterherkam. Zum Glück suchte Mr. Megson von Victoria Wine fürs Lager eine Aushilfe, die leere Bierflaschen in Kisten packen und diese dann stapeln sollte. Zuerst hatte ich mir wohl vorgestellt, etwas Geld auf die hohe Kante legen zu können, dabei war dieses Vorhaben eigentlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Victoria Wine lag gleich neben dem Plattenladen von Siever’s. Mr. Megson hätte meine zehn Shilling auch gleich dort in die Kasse legen können. Schon damals zeigte sich meine Einstellung zum Shopping: Wenn es etwas gibt, das ich kaufen möchte, kann ich mein Geld nicht lange in der Tasche behalten.

Sechzig Jahre später lässt sich nur noch schwer erklären, welche revolutionäre und erschütternde Wirkung der Rock’n’Roll auf uns hatte. Nicht nur die Musik, auch die Kultur, für die er stand, die Klamotten, die Filme, die Haltung. Rock’n’Roll war das Erste, das nur uns Teenagern gehörte, wodurch wir uns anders fühlten als unsere Eltern und den Eindruck hatten, etwas erreichen zu können. Ebenso schwer lässt sich beschreiben, wie sehr die ältere Generation Rock’n’Roll verabscheute. Man gebe sämtliche Popmusikstile, die in der bürgerlichen Welt für moralische Entrüstung gesorgt haben – Punk und Gangster-Rap, Mods und Rocker, Heavy Metal –, zusammen und verdoppele ihren Effekt: Das war das Ausmaß an Empörung, das Rock’n’Roll auslöste. Die Älteren hassten ihn wie die Pest. Und niemand hasste ihn mehr als mein Vater. Natürlich mochte er die Musik nicht, er stand auf Frank Sinatra, aber noch mehr hasste er die gesellschaftliche Wirkung des Rock’n’Roll. Er hielt ihn für moralisch verwerflich. »Wie die sich anziehen, wie die sich benehmen – sie wackeln mit den Hüften und zeigen ihre Pimmel. Dass du mir da ja nicht mitmachst.« In seiner Vorstellung bestand nämlich Gefahr, dass ich mich in einen »wide boy« verwandelte. »Wide boy« ist ein alter englischer Ausdruck für einen Kleinkriminellen – einen Trickbetrüger, der krumme Geschäfte macht und andere übers Ohr haut. Da er ohnehin schon glaubte, mein Unvermögen, Sellerie richtig zu essen, würde mich dafür prädestinieren, vom rechten Weg abzukommen, war er nun felsenfest davon überzeugt, Rock’n’Roll würde mich ins Verderben führen. Sobald ich Elvis oder Little Richard auch nur erwähnte, hielt er mir eine Strafpredigt darüber, wie nahe dran ich war, mich in einen wide boy zu verwandeln: In einem Moment hörte ich mir noch »Good Golly Miss Molly« an, und im nächsten versuchte ich womöglich den Leuten im Nachtjackenviertel von Pinner gestohlene Nylonstrümpfe anzudrehen oder sie zum Hütchenspiel zu verführen.

Die Gefahr, dass ich mich in diese Richtung entwickelte, war nicht besonders groß – es gibt Benediktinermönche, die wilder sind, als ich es in meiner Teenie-Zeit war. Aber mein Vater wollte lieber kein Risiko eingehen. Als ich 1958 an die Pinner County Grammar School kam, trugen dort alle bereits modernere Sachen, aber mir wurde ausdrücklich verboten, irgendetwas anzuziehen, das auch nur im Entferntesten nach Rock’n’Roll aussah. Keith Francis sorgte mit seinen Schuhen für Furore, weil sie vorne so lang und spitz waren, dass sie etliche Minuten vor ihm das Klassenzimmer zu betreten schienen. Ich hingegen sah noch immer aus wie eine Miniversion meines Vaters. Meine Schuhe waren leider nur so lang wie meine Füße. Das Einzige, was an mir ansatzweise rebellisch wirkte, war meine Brille oder vielmehr die Tatsache, dass ich sie immer auf der Nase hatte. Eigentlich war sie mir verschrieben worden, damit ich die Buchstaben auf der Tafel lesen konnte. Da ich unter der Wahnvorstellung litt, damit auszusehen wie Buddy Holly, trug ich sie jedoch von morgens bis abends und ruinierte mir dadurch die Augen. Danach musste ich sie tatsächlich ständig tragen.

Mein nachlassendes Sehvermögen hatte auch unvorhergesehene Auswirkungen auf meine sexuelle Neugier. Ich kann mich nicht mehr an die genauen Umstände erinnern, als mein Vater mich zum ersten Mal beim Masturbieren erwischte. Ich glaube, ich war nicht mehr mit der Tat an sich beschäftigt, sondern wollte gerade das Beweismaterial verschwinden lassen. Aber in meiner Erinnerung war ich nicht halb so beschämt, wie ich es hätte sein müssen, was wohl hauptsächlich daran lag, dass ich gar nicht so genau wusste, was ich da eigentlich tat. In Sachen Sex war ich ein echter Spätzünder. Bis Anfang zwanzig interessierte ich mich nicht besonders dafür, obwohl ich mich danach mächtig ins Zeug legte, um das Versäumte nachzuholen. In der Schule war ich nur verwirrt, wenn ich einen meiner Freunde darüber reden hörte: »Hey, ich hab sie ins Kino eingeladen und dafür ’ne Handvoll Titten gekriegt.« Hä? Was meinte er bloß damit?

Bei meinem ersten Selbstbefriedigungsversuch ging es vermutlich eher darum, etwas Schönes zu empfinden, als mich an meiner aufkeimenden Sexualität zu berauschen. Wie dem auch sei, als mein Vater mich dabei erwischte, drohte er mir mit dem alten Spruch: »Wenn du so was machst, wirst du eines Tages noch blind.« Das Gleiche hörten sich vermutlich Tausende von Jungs im ganzen Land an, aber ihnen war klar, wie blödsinnig diese Drohung war, und sie ignorierten sie geflissentlich. Mir dagegen setzte sie richtig zu. Was, wenn es stimmte? In meinem verzweifelten Versuch, wie Buddy Holly auszusehen, hatte ich mir schon die Augen ruiniert, vielleicht würde ihnen das den Rest geben? Ich beschloss, das Risiko lieber nicht einzugehen. Während viele Musiker gern erzählen, welch enormen Einfluss Buddy Holly auf sie gehabt hat, bin ich vermutlich der einzige, den er unbeabsichtigt vom Wichsen abgehalten hat – es sei denn, er hat The Big Bopper auf einer gemeinsamen Tour einmal dabei erwischt.

Mein Vater konnte mir noch so oft vorschreiben, wie ich mich anzuziehen hatte, oder mich vor meinem unvermeidlichen Abstieg in die Kriminalität warnen, vom Rock’n’Roll fernhalten konnte er mich nicht mehr. Ich hatte mich ihm nämlich bereits mit Haut und Haaren verschrieben. Im Kino hatte ich Gold aus heißer Kehle und Schlagerpiraten gesehen. Bald besuchte ich die ersten Konzerte. Jede Woche ging eine große Gruppe von Schulfreunden ins Granada in Harrow: Keith, Kaye Midlane, Barry Walden, Janet Richie und ich waren die treusten Stammgäste, zusammen mit Michael Johnson, der als einziger so musikbesessen war wie ich. Manchmal schien er sogar noch mehr zu wissen. Ein paar Jahre später kam er mit der Single »Love Me Do« von einer gewissen Band namens Beatles in die Schule und behauptete, sie würden die größte Nummer seit Elvis werden. Ich fand, er trug ein bisschen dick auf, aber dann spielte er mir das Stück vor, und ich gab ihm recht: der Beginn einer neuen musikalischen Obsession.

Eine Karte fürs Granada kostete zwei Shilling und einen Sixpence oder fünf Shilling, wenn man auf einem Plüschsessel sitzen wollte. In beiden Fällen war es gut angelegtes Geld, denn in den Shows traten gleich mehrere Sänger und Bands auf. An einem Abend konnte man bis zu zehn Künstler sehen, zwei Stücke von jedem, bis der Hauptact auf die Bühne kam und vier oder fünf Songs spielte. Früher oder später trat dort jeder auf: Little Richard, Gene Vincent, Jerry Lee Lewis, Eddie Cochran, Johnny and the Hurricanes. Und wenn sich doch jemand weigerte, die Bühne des Granada in Harrow zu beehren, konnte man mit der U-Bahn schnell mal nach London reinfahren. Im Palladium sah ich Cliff Richard and the Drifters, bevor sich die Begleitband in The Shadows umbenannte. In den Vororten holten sich bald auch kleinere Läden wie der Club der South Harrow British Legion oder der Kenton Conservative Club Bands ins Programm. Solange man genug Geld hatte, konnte man in einer Woche zwei oder drei Shows besuchen. Lustigerweise kann ich mich nicht daran erinnern, auch nur ein schlechtes Konzert gesehen zu haben oder einmal enttäuscht nach Hause gegangen zu sein, obwohl einige Auftritte schlimm gewesen sein müssen. Der Sound war mit Sicherheit grauenhaft. Ganz bestimmt verfügte die South Harrow British Legion nicht über eine Soundanlage, die die wilde, ungebändigte Kraft des Rock’n’Roll richtig rübergebracht hätte.

Wenn mein Vater nicht zu Hause war, übte ich Stücke von Little Richard und Jerry Lee Lewis auf dem Klavier. Die beiden waren meine absoluten Helden. Das lag nicht nur an ihrer Art zu spielen, obwohl die fantastisch war: Sie hauten dermaßen aggressiv in die Tasten, als wollten sie das Instrument zertrümmern. Es lag auch daran, dass sie beim Spielen aufstanden, den Hocker wegkickten und auf das Klavier sprangen. Sie vermittelten dir das Gefühl, Klavier zu spielen sei so aufregend, sexy und wild, wie Gitarre zu spielen oder zu singen. Davor hätte ich mir das niemals vorstellen können.

Mich spornten sie jedenfalls dazu an, bei ein paar Auftritten einer Band namens Corvettes in einem nahe gelegenen Jugendclub mitzuspielen. Es war keine große Sache, alle Mitglieder gingen noch zur Schule – auf die weiterführende Northwood School –, und die Band löste sich schon nach wenigen Monaten auf. Bei den meisten Gigs wurden wir in Coca-Cola ausbezahlt. Dennoch hatte ich mit einem Mal eine Vorstellung davon, was ich aus meinem Leben machen wollte. Und die hatte wenig mit den Plänen zu tun, die mein Vater für mich hatte, nämlich entweder zur Royal Air Force zu gehen oder in einer Bank zu arbeiten. Laut hätte ich es natürlich niemals auszusprechen gewagt, aber im Stillen entschied ich, dass er sich beide Pläne in den Hintern schieben konnte. Vielleicht hatte mich der Rock’n’Roll in gewisser Hinsicht doch rebellisch werden lassen, wie es mein Vater immer befürchtet hatte.

Vielleicht hatten wir außer der Leidenschaft für Fußball auch einfach nichts gemeinsam. Mein Vater kam aus einer Familie von Fußballfans, und die wenigen glücklichen Kindheits- erinnerungen, die ich mit ihm verbinde, hängen alle mit Fußball zusammen. Zwei seiner Neffen, Roy Dwight und John Ashen, waren Profispieler, beide bei Fulham im Südwesten von London. Zur Belohnung nahm er mich manchmal mit ins Craven-Cottage-Stadion, damit ich ihnen von der Seitenlinie aus zuschauen konnte, in der Zeit, als Jimmy Hill dort rechter Flügelstürmer und Bedford Jezzard Torschützenkönig war. Selbst wenn sie nicht auf dem Spielfeld standen, waren Roy und John für mich schillernde Persönlichkeiten; bei Familientreffen hatte ich immer ein bisschen Ehrfurcht vor ihnen. Nach dem Ende seiner Karriere entwickelte sich John zum gewieften Geschäftsmann mit einer Vorliebe für amerikanische Autos. Wenn er uns mit seiner Frau Bet in Pinner besuchte, parkte er seinen fantastisch aussehenden Cadillac oder Chevrolet vor unserem Haus. Roy war ein großartiger Fußballer, ein Rechtsaußen, der zu Nottingham Forest wechselte und 1959 sogar für sie beim FA-Cup-Finale antrat. Ich schaute mir das Spiel zu Hause im Fernsehen an, eingedeckt mit einem Vorrat an Schokoladeneiern, die ich in vorfreudiger Erwartung des großen Augenblicks seit Ostern aufbewahrt hatte. Völlig überdreht saß ich vor dem Gerät und stopfte mir Schokolade in den Mund. Ich konnte kaum glauben, was sich vor meinen Augen abspielte. Nach zehn Minuten schoss Roy das erste Tor. Er war bereits kurz davor gewesen, in den Kader der englischen Nationalmannschaft gerufen zu werden. Jetzt hatte er den Sack mit Sicherheit zu- gemacht: Mein Cousin – ein Verwandter von mir – würde in der englischen Nationalelf spielen. Das war so unglaublich wie Johns Autogeschmack. Fünfzehn Minuten später trugen sie Roy vom Platz. Er hatte sich beim Zweikampf ein Bein gebrochen, und das besiegelte letztendlich sein Schicksal. Seine ak- tive Fußballerkarriere war damit vorbei. Er versuchte es zwar wieder, kehrte aber nie mehr zu alter Form zurück. Am Ende wurde er Sportlehrer an einer Jungenschule im Süden von London.

Mein Vater war Fan des weit weniger glanzvollen und ehrfurchtgebietenden FC Watford. Ich war sechs, als er mich zum ersten Mal zu einem Spiel mitnahm. Die Mannschaft dümpelte auf den unteren Tabellenplätzen der Third Division South herum; weiter konnte man in der Fußballliga nicht sinken. Tatsächlich war sie, kurz bevor ich regelmäßig zu den Spielen ging, wegen ihrer miserablen Leistung aus der Fußballliga geflogen, durfte aber in die Third Division zurückkehren, nachdem sie sich um die Wiederaufnahme beworben hatte. Das Stadion in der Vicarage Road verriet einem alles, was man über die Mannschaft wissen musste. Dort gab es nur zwei sehr alte, sehr wacklige, sehr kleine Tribünen. Zu anderen Zeiten wurden im Stadion Greyhound-Rennen ausgetragen. Hätte ich nur einen Funken Verstand besessen, ich hätte einen Blick aufs Stadion geworfen, an die aktuelle Form der Mannschaft gedacht und mir stattdessen ein Team ausgesucht, das tatsächlich Fußball spielen konnte. Damit hätte ich mir zwanzig Jahre fast endlosen Kummers erspart. Aber so läuft es beim Fußball nicht – oder sollte es wenigstens nicht. Man hat es im Blut. Watford war die Mannschaft meines Vaters, deshalb war sie auch meine.

Außerdem machten mir der schlimme Zustand des Stadions, die aussichtslose Situation der Mannschaft und die bittere Kälte nichts aus. Für mich war es Liebe auf den ersten Blick. Es war wahnsinnig aufregend, in Watford aus dem Zug zu steigen und durch den Ort zum Stadion zu laufen, in der Halbzeit die Zeitungsverkäufer zu erleben, die dir die Ergebnisse der anderen Spiele verrieten, das Ritual zu zelebrieren, immer an derselben Stelle zu stehen, in der Fankurve, die sich gleich neben Shrodells Stand befand. Wie eine Droge, von der man sofort abhängig ist. Bald war ich vom Fußball genauso besessen wie von der Musik. Wenn ich im Kinderzimmer meine persönlichen Charts zusammenstellte, schnitt ich aus meinen Comicheften auch die Fußballtabellen aus und heftete sie an die Wand, wobei ich immer darauf achtete, dass sie auch wirklich aktuell waren. Das ist eine Sucht, von der ich nie losgekommen bin, weil ich das auch gar nicht wollte; sie war erblich und wurde von meinem Vater an mich weitergegeben.

Als ich elf war, schlug mich meine Klavierlehrerin für die Royal Academy of Music in London vor. Ich bestand die Aufnahmeprüfung, und in den folgenden fünf Jahren sahen meine Samstage so aus: vormittags klassische Musik, nachmittags auf nach Watford. Mir war der zweite Programmpunkt lieber. Damals roch es in der Royal Academy of Music förmlich nach Angst. Alles wirkte einschüchternd, das gewaltige Gebäude in der Marylebone Road, die erhabene Geschichte der Academy voller berühmter Komponisten und Dirigenten, die Tatsache, dass alles, was nicht zur klassischen Musik gehörte, strengstens verboten war. Heute geht es dort ganz anders zu. Wenn ich vorbeischaue, herrscht dort eine fröhliche Atmosphäre. Die Schüler werden dazu ermutigt, sich neben der klassischen Ausbildung auch an Pop oder Jazz zu versuchen und eigene Stücke zu komponieren. Doch damals wäre es ein Sakrileg gewesen, an der Royal Academy auch nur über Rock’n’Roll zu reden. Als würde man in die Kirche gehen und dem Pfarrer erzählen, man wolle lieber den Teufel anbeten.

Doch der Unterricht an der Royal Academy brachte auch Spaß. In Helen Piena hatte ich eine wunderbare Lehrerin, ich mochte das Chorsingen und spielte Mozart, Bach, Beethoven und Chopin wahnsinnig gern. An anderen Tagen langweilte ich mich zu Tode. Als Schüler war ich faul. Oft vergaß ich meine Hausaufgaben oder erschien erst gar nicht zum Unterricht. Ich rief von zu Hause aus an, meldete mich mit verstellter Stimme krank und nahm – damit meine Mutter nicht merkte, dass ich schwänzte – den Zug zur Baker Street. Dort setzte ich mich einfach in die U-Bahn. Dreieinhalb Stunden lang fuhr ich mit der Circle Line im Kreis und las The Pan Book of Horror Stories, statt Stücke von Bartók einzustudieren. Dass ich kein klassischer Musiker werden wollte, war mir früh klar gewesen. Zum einen war ich dafür nicht gut genug. Ich habe nicht die Hände eines Pianisten. Meine Finger sind zu kurz. Schauen Sie sich nur mal Fotos von Konzertpianisten an: Deren Hände sehen aus wie Tarantulas. Zum anderen war es nicht die Musik, die ich machen wollte. Alles war genau vorgegeben, man musste zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Noten mit dem richtigen Gefühl spielen, für Improvisation gab es keinen Platz.

In gewisser Hinsicht kann man von einer Ironie des Schicksals sprechen, dass ich von der Royal Academy später zum Ehrendoktor ernannt wurde. Als ich dort studierte, hätte ich keinen Preis als Musterschüler gewonnen. Doch in anderer Hinsicht war es gar nicht mal so abwegig. Ich würde nie behaupten, die Royal Academy sei für mich reine Zeitverschwendung gewesen. Ich bin sehr stolz, dass ich sie besuchen durfte. Und ich habe Benefizkonzerte für sie gegeben, Geld für eine neue Orgel gesammelt, war mit dem Royal Academy Symphony Orchestra in Großbritannien und Amerika auf Tour und finanziere pro Jahr acht Stipendien. Dort habe ich viele Menschen kennengelernt, mit denen ich als Elton John später zusammengearbeitet habe – den Produzenten Chris Thomas, den Arrangeur Paul Buckmaster, die Harfenistin Skaila Kanga und den Percussionisten Ray Cooper. Was ich dort gelernt habe, ist in meine Musik eingeflossen: wie man mit anderen zusammenarbeitet, wie Akkordfolgen funktionieren, wie man einen Song schreibt. Nur wegen meines Studiums wuchs mein Interesse, Stücke mit mehr als drei oder vier Akkorden zu komponieren. Wenn man sich das Album Elton John und im Prinzip jedes Album danach anhört, kann man die Einflüsse der klassischen Musik und der Royal Academy deutlich wahrnehmen.

Während meiner Zeit dort ließen sich meine Eltern tatsächlich scheiden. Man muss es ihnen hoch anrechnen, dass sie sich um eine funktionierende Ehe bemüht hatten, obwohl jedem klar war, wie wenig sie einander ausstehen konnten. Vermutlich wollten sie mir ein stabiles Zuhause geben. Das war zwar das Schlimmste, was sie machen konnten, aber immerhin haben sie es versucht. 1960 wurde mein Vater nach Harrogate in Yorkshire versetzt, und in seiner Abwesenheit lernte meine Mutter einen neuen Mann kennen. Das war das Ende ihrer Ehe.

Mum und ich zogen zu ihrem neuen Partner Fred, einem Maler und Dekorateur. Finanziell gesehen war es keine einfache Zeit. Fred war ebenfalls geschieden, hatte eine Exfrau und vier Kinder und musste jeden Penny zweimal umdrehen. Wir lebten in einer schrecklichen Wohnung in Croxley Green voller Schimmel und mit Tapeten, die sich von den Wänden ablösten. Fred arbeitete rund um die Uhr. Zusätzlich zu den Malerarbeiten putzte er Fenster und übernahm andere Gelegenheitsjobs, nur damit wir genug zu essen auf dem Tisch hatten. Für ihn waren es schwierige Zeiten, und für meine Mutter auch. Onkel Reg hatte recht gehabt – Geschiedene wurden damals stigma- tisiert.

Ich freute mich sehr über die Scheidung. Die täglichen Reibereien zwischen meinem Vater und meiner Mutter waren endlich vorbei. Meine Mutter hatte bekommen, was sie wollte – sie war meinen Vater los –, und eine Zeit lang schien sich die neue Situation positiv auf sie auszuwirken. Sie war glücklich, und das Glück färbte auf mich ab. Die Stimmungsschwankungen traten seltener auf, und sie kritisierte auch nicht mehr alles und jeden. Außerdem mochte ich Fred sehr. Er hatte ein großes Herz und blieb immer gelassen. Nachdem er etwas Geld zur Seite gelegt hatte, kaufte er mir ein Fahrrad mit Rennlenker. Als ich mir angewöhnte, seinen Namen rückwärts auszusprechen und ihn Derf zu nennen, fand er das witzig, und der Spitzname blieb hängen. Mir wurde nicht mehr vorgeschrieben, was ich anzuziehen hatte. Schon einige Jahre, bevor Derf und Mum heirateten, bezeichnete ich ihn anderen gegenüber als meinen Stiefvater.