Ein Schwan stirbt selten allein - Horst Bieber - darmowy ebook

Ein Schwan stirbt selten allein ebook

Horst Bieber

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Opis

Münsterland-Krimi von Horst Bieber Der Umfang dieses Buchs entspricht 89 Taschenbuchseiten. Marc Petersen steigt nach einem langen Flug und einer noch längeren Bahnfahrt aus Sentimentalität in Münster aus, weil er dort einmal ein Semester studiert hat. Auf einer Bank am Aasee schläft er vor Erschöpfung ein. Eine Studentin fragt ihn, ob sie ihm helfen soll - er geht mit Lena Seidel in ein Café; sie tauschen Handy-Nummern aus und, als der in Hamburg wohnende und verheiratete Marc wenig später geschäftlich in Lengerich zu tun hat, treffen sie sich in einem Hotel und beginnen ein Verhältnis, das sehr rasch eine feste Beziehung wird. Marc Petersens Geschäfte in Lengerich entpuppen sich schnell als großer Erfolg, was ungebetene Gäste anlockt. Weil viele Geld wittern, viel Geld, bleibt Gewalt schließlich nicht aus. Denn wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Vergangenheit holt das junge Glück von Marc und Lena ein. Die Situation wird immer brenzliger und schließlich geschieht ein Mord. Von diesem Moment an ist nichts mehr, wie es vorher war.

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Liczba stron: 92

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Horst Bieber

Ein Schwan stirbt selten allein

Ein Cassiopeiapress Münsterland Krimi/ Edition Bärenklau

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Ein Schwan stirbt selten allein

Krimi von Horst Bieber

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 89 Taschenbuchseiten.

 

Marc Petersen steigt nach einem langen Flug und einer noch längeren Bahnfahrt aus Sentimentalität in Münster aus, weil er dort einmal ein Semester studiert hat. Auf einer Bank am Aasee schläft er vor Erschöpfung ein. Eine Studentin fragt ihn, ob sie ihm helfen soll - er geht mit Lena Seidel in ein Café; sie tauschen Handy-Nummern aus und als der in Hamburg wohnende und verheiratete Marc wenig später geschäftlich in Lengerich zu tun hat, treffen sie sich in einem Hotel und beginnen ein Verhältnis, das sehr rasch eine feste Beziehung wird.

Marc Petersens Geschäfte in Lengerich entpuppen sich schnell als großer Erfolg, was ungebetene Gäste anlockt. Weil viele Geld wittern, viel Geld, bleibt Gewalt schließlich nicht aus. Denn wo Licht ist, ist auch Schatten.

Die Vergangenheit holt das junge Glück von Marc und Lena ein. Die Situation wird immer brenzliger und schließlich geschieht ein Mord. Von diesem Moment an ist nichts mehr wie es vorher war.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

[email protected]

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

Roman © by Horst Bieber und Edition Bärenklau, 2015

Lektorat: Antonia Zehm

Cover © by Firuz Askin und Dmitriy Melnikov/123RF, 2015

Personen

Marc Petersen verheirateter Physiker und Unternehmer, lebt in Hamburg, hat beruflich viel im Münsterland zu tun

Gunda Petersen Marcs Ehefrau

Lena Seidel Studentin, wohnt und studiert in Münster

Irene Seidel Geschäftsfrau, Lenas Mutter

Andrea Steffens Marcs Cousine, Ärztin

Lothar Steffens Marcs Onkel, Unternehmer und Andreas Vater

Bernd Möller erfolgreicher Tüftler und Erfinder

Niels Ricken Mitarbeiter in Petersens Firma

Nora Ohlig Kriminaloberkommissarin

Dirk Laase Noras Kollege

Helga Schütte Anwärterin in Noras Abteilung

Alle Personen, Taten und viele Orte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären also rein zufällig. Auch die „Möllersche Röhre“ gibt es - leider - nicht, dafür aber den Savonius-Rotor.

Erstes Kapitel

Marc Petersen war spontan in Münster ausgestiegen und fragte sich, als er endlich ein Schließfach für Koffer und Aktentasche gefunden hatte, was er eigentlich hier wollte. Vielleicht hatte er einfach das Sitzen nicht länger ausgehalten. Erst der Flug von Rio nach Frankfurt, auf dem er wenig und schlecht geschlafen hatte und in Frankfurt war er mit so großer Verspätung gelandet, dass seine Anschlussmaschine nach Hamburg schon abgehoben hatte. Alles Bitten und Betteln und Drängeln half nichts, man bot ihm erst für eine Maschine am frühen Abend einen Platz an. Also hatte er seinen Koffer organisiert und war mit der S-Bahn nach Wiesbaden gefahren, wieder einmal über die Wilhelmstraße gebummelt und zum Neroberg hochgefahren. Gunda war erst sehr spät ans Telefon gegangen: „Tut mir leid, ich war im Bad.“ Und das war der einzige Ort, wie er wusste, an den sie ihr Handy nicht mehr mitnahm, nachdem ihr einmal ein funkelnagelneues, sehr teures Handy in eine gefüllte Badewanne gefallen war. Wann landest du nun?“

„Ich habe meinen Flug in Frankfurt nicht mehr bekommen und kann erst am späten Nachmittag fliegen.“

„Macht nichts. Ruf mich an, ich hole dich rechtzeitig ab.“

Als er die Müdigkeit spürte, entschloss er sich, nach Mainz zurückzufahren und dort den nächsten Zug Richtung Hamburg zu nehmen. Er hatte Glück und bekam noch einen Fensterplatz, schlief sogar zwischen Bingen und Bonn und wachte erst auf, als ihn die Ansage weckte, man würde in wenigen Minuten in Köln einlaufen. Ab Dortmund hatte er dann das Gefühl, er könne keine zehn Minuten länger stillsitzen. Es war sommerlich hell und angenehm warm. Und dann sagte die Stimme, der nächste Halt sei Münster in Westfalen. Petersen hatte vor zwanzig Jahren ein Sommersemester in Münster studiert und war seitdem nie mehr dort gewesen. Aber an den Aasee erinnerte er sich noch gut und hatte mit Vergnügen eine Sendung im Fernsehen angeschaut, als ein unglücklicher Schwan sich offenbar in ein riesiges, weißes Tretboot in Form eines Schwans verliebt hatte.

Gunda knötterte; er hatte sie wohl aus ihrem Schönheits-Mittagsschläfchen gerissen: „Wo bist du? - In Münster - Was treibst du denn da? Ach so, die reine Sentimentalität. Okay, dann musst du dir ein Taxi nehmen. Am Dammtor fahre ich nicht mehr vorbei. Im Radio haben sie verkündet, die Bauarbeiten würden noch drei Monate länger dauern.“

Danach stand er staunend vor dem Haupteingang und bewunderte die Menge der abgestellten Fahrräder. Schon zu seiner Zeit beherrschten die Radler die Straßen der Stadt, aber das war sozusagen nur eine Vorhut der Haupt-Pedalmacht gewesen.

Wenn er die Straße dort hochging, würde die bald die Promenade der Wallanlagen kreuzen, wenn er sich richtig erinnerte, und dann musste er nach links abbiegen und auf der Promenade immer geradeaus gehen. Der Aasee würde dann halb links vor ihm auftauchen. Während des Semesters war er oft um den See herumgegangen, zum Teil aus Lust an der Bewegung, zum Teil aber auch, weil er nach dem Mensa-Essen seinen regelmäßig rumpelnden Magen beruhigen wollte.

An diese Zeit dachte er nicht gern zurück. Er hatte sich schrecklich einsam gefühlt, weder im Studium noch außerhalb der Uni Anschluss gefunden und sich immer häufiger gefragt, ob Physik wirklich das richtige Fach für ihn sei. Und sein Onkel Lothar Steffens, der Bruder seiner Mutter, fühlte sich durch ihn nur gestört, weshalb er ihm schon nach dem einzigen Besuch aus dem Weg gegangen war. Nach dem ersten Semester hatte Marc Petersen die Uni Münster verlassen und war zum Wintersemester mit einem Schulfreund nach Göttingen gegangen. Dort fand er auch Anschluss und dort bekam er auch wieder Spaß an der Physik.

Das große weiße Tretboot und der unglückliche Schwan ließen sich nicht blicken. Petersen lief langsam, spürte bald seine Waden und kämpfte gegen die Erschöpfung. Zum Glück kam bald eine leere Bank in Sicht, er setzte sich und schlief umgehend ein. Als er wegen der unbequemen Lage aufwachte, stand eine junge Frau vor ihm, betrachtete ihn besorgt und fragte: „Kann ich Ihnen helfen?“

„Nein, danke“, gab er verwundert zurück: „Mit mir ist alles in Ordnung. Warum fragen Sie?“

„Ich dachte, es wäre was, weil Sie hier in so unbequemer Haltung schlafen.“

Er schaute sie scharf an. Anfang zwanzig schätzte er, schlank und beweglich, mit einem hübschen Gesicht und hellbrünetten, kurz geschnittenen Haaren. Jeans und Shirt und Laufschuhe. Eher unauffällig, aber nett. Und sie meinte es ernst, siewollte ihm helfen, weil sie dachte, er sei krank oder habe sich verletzt.

„Nein, machen Sie sich keine Sorgen. Mit mir ist alles in Ordnung.“ Und weil sie skeptisch lächelte, fügte er hinzu: „Ich bin heute Nacht aus Rio gekommen und muss noch weiter nach Hamburg. Im Flugzeug schläft man doch immer schlecht.“ Bei dem Wort „Rio“ wechselte ihr Miene zu neugieriger oder neidischer Bewunderung. Er grinste: „Sie könnten mir doch zwei Gefallen tun.“

„Ja?“

„Sagen Sie mir die Nummer des zuverlässigsten Taxiunternehmens, damit ich die programmieren kann?“

Sie wusste die Nummer auswendig.

„Ich sollte Ihnen doch zwei Gefallen tun?“

„Als ich in Münster studiert habe, gab es am Ende des Sees ein Café und einen Bootsverleih.“

„Beide gibt es noch.“

„Würden Sie mich dorthin begleiten, damit ich Sie zu Kaffee und Kuchen einladen darf?“

Sie zögerte einige Sekunden, aber als er ein „Bitte“ hinzusetzte, willigte sie ein. „Gerne“, sagte sie forsch und streckte ihm eine Hand hin: „Guten Tag, ich heiße Lena Seidel.“

„Sehr angenehm. Marc Petersen.“

Sie schlenderten die restliche Strecke bis zum See-Ende. Dass er sozusagen frisch aus Brasilien mit ihr am Aasee spazieren ging, beflügelt ihre Fantasie und mehr noch ihre Neugier. Er gab bereitwillig Auskunft: Marc Petersen aus Hamburg, 43 Jahre alt, gelernter Physiker und Miteigentümer einer kleinen Firma, die Anlagen für den Umweltschutz entwickelte und herstellte - ja, verheiratet. Nein, keine Kinder, auch nur ein Semester in Münster, dann in Göttingen, Zürich und Boston zu Ende studiert. Danach stellte sie sich dem Kreuzverhör. Lena Seiler, 20 Jahre alt, Studentin im zweiten Semester- Latein und Griechisch für das höhere Lehramt.

„Das gibt es noch?“, staunte er und sie schnitt eine Grimasse. Die Erklärung gab sie erst, als sie vor Kaffee und Tellern mit Apfelkuchen und viel Sahne saßen. „Ein Kompromiss.“

„Wo ist da der Kompromiss?“

„Latein und Griechisch fürs Lehramt.“

„Das verstehe ich nicht.“

Sie hätte, wenn es nur nach ihr gegangen wäre, Archäologie und Orientalistik studiert, seit sie von einer Grundschulklassenkameradin, der Tochter eines Dozenten aus Saudi-Arabien, Arabisch gelernt hatte. Aber ihre Mutter hatte sie beschworen, auch an die Finanzen in der Zukunft zu denken. Wo konnten Archäologen und Orientalisten später ihr Geld verdienen? An den sogenannten Orchideenfächern wurde doch allenthalben gespart, und Latein und Griechisch „schadeten“ doch nicht, wenn sie eine Gelegenheit finden sollte, ins Fach Archäologie zu wechseln. Ihre Mutter hatte eine Kundin, deren Ehemann in der Eifel nach römischen Wasserleitungen grub. Es gab Archäologie sozusagen vor der Haustür und nicht nur im Orient.

„Da hat sie Recht!“

„Ja, hat sie“, stimmte Lena zu und es klang, als wünschte sie sich das Gegenteil. „Mutter ist sehr praktisch veranlagt.“ Mutter besaß, wie er erfuhr, eine Boutique in der Nähe des Picasso-Museums, das er noch nicht kannte. Ein kleines Geschäft, aber mit einer festen Stammkundschaft. Mutter und Tochter konnten gut davon leben und konnten sogar, wie sie säuerlich ergänzte, auch noch Boris, den Freund der Mutter „durchfüttern“. Dann schaute sie hoch und musterte ihn halb verlegen, halb herausfordernd. „Wenn Sie schon auf einer 'sentimental journey' sind, ist doch die Frage erlaubt, ob Ihre Reisekasse ein zweites Stück Kuchen hergibt?“

„Doch, ohne weiteres“, grinste er.

„Ich habe heute noch nichts gegessen und muss gleich in einen Kursus. Der Dozent spricht sehr leise und würde durch meinen laut kollernden Magen mächtig gestört.“

„Wenn Kuchen dagegen hilft, schließe ich mich an.“

Sie blinzelte etwas verlegen, bevor sie fragte: „Kommen Sie jetzt häufiger nach Münster?“

„Hat der Laden hier das ganz Jahr geöffnet?“

„Weiß ich nicht, aber bestimmt bis Ende September.“

„Dann treffen wir uns sicher noch einmal zum Apfelkuchenessen.“

Natürlich war der IC nach Hamburg gerade abgefahren, als er auf den Bahnsteig kam. Doch es gab leere Bänke, und es war noch warm genug, um in aller Ruhe auf den nächsten Zug zu warten. Gunda brummelte, als er anrief. „Wahrscheinlich bin ich dann schon im Bett“, knurrte sie ihn an. Dass sie sich nicht vor Sehnsucht nach ihm verzehrte, wusste er längst. Sie waren seit sieben Jahren verheiratet und hatten sich bereits völlig auseinandergelebt. Er hätte sich auch scheiden lassen, wenn es da nicht einen Schuldschein geben würde, wonach er mehr würde zahlen müssen als das Geschäft zur Zeit abwarf - Gundas Vater hatte ihm einen großen Teil des Geldes geliehen, dank dessen er damals seine Firma gründen konnte. Und sie würde bestimmt darauf bestehen, dass er das große Haus verlassen müsste, das ihnen ihre Eltern zu Hochzeit geschenkt hatten. Heute war Petersen nicht mehr davon überzeugt, dass die Eltern nur aus Liebe zu ihrer einzigen Tochter so großzügig gewesen waren; es war eine elegante Methode, ein schwieriges, verwöhntes und lästig gewordenes Kind loszuwerden. Er döste vor sich hin und nickte immer wieder für Minuten ein. Archäologie und Orientalistik als Studienwunsch. Was es nicht alles gab! Ein hübsches Mädchen, patent und liebenswürdig, hilfsbereit und beweglich. Wie gut, dass sie ihre Handynummern ausgetauscht hatten. Er würde Lena Seidel gern wiedersehen. Dann kam ihm eine Idee. Er rief Onkel Lothar an: „Tut mir leid, dass ich dich heute verpasst habe, Onkel Lothar“, log er ohne Zögern.

„Wieso, warst du denn heute in Münster?“

„Ja. Ich hatte mich mit einem Studienkollegen verabredet, aber der hat mich versetzt. Aber beim nächsten Mal schaue ich bestimmt bei dir herein.“

„Das wäre gut. Wir haben einiges zu besprechen, Marc.“

„Geht in Ordnung, Onkel Lothar.“

Onkel Lothar Steffens hatte entweder vergessen, dass Marc, damals Student im ersten Semester, nach dem „Antrittsbesuch“ ohne Begründung weggeblieben war oder hatte es ihm verziehen. Beides sollte ihm recht sein. Für alle Fälle gab er ihm seine Handynummer, Onkel Lothar würde nie in der Firma anrufen. Und auch bei ihm privat nicht. Onkel Lothar hatte Gunda auf der Hochzeit kennengelernt und seinen Neffen als erstes entsetzt gefragt: „Wie kann man nur so einen Stockfisch heiraten?“ Onkel Lothar schlich im Familienkreis der Ruf nach, ein ausgewiesener und erprobter Frauenkenner zu sein.