Der Richter und sein Henker von Friedrich Dürrenmatt. - Friedrich Dürrenmatt - ebook

Der Richter und sein Henker von Friedrich Dürrenmatt. ebook

Friedrich Dürrenmatt

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KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 42

Textanalyse und Interpretation zu

Friedrich Dürrenmatt

DER RICHTER UND SEIN HENKER

Bernd Matzkowski

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgabe: Dürrenmatt, Friedrich: Der Richter und sein Henker. Roman. Zürich: Diogenes Verlag, 1985 (detebe Bd. 22535).

Über den Autor dieser Erläuterung: Bernd Matzkowski ist 1952 geboren. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Lehrer am Heisenberg Gymnasium Gladbeck. Fächer: Deutsch, Sozialwissenschaften, Politik, Literatur/Theater. Ausbildungskoordinator.

Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amt­lichen Neuregelung angepasst. Zitate von Dürrenmatt müssen auf Grund eines Einspruches in der alten Rechtschreibung beibehalten werden.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

3. Auflage 2014

ISBN 978-3-8044-6926-6

© 2001, 2011 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: Szenenbild aus der Verfilmung Der Richter und sein Henker, BRD/IT 1975 © Cinetext

Hinweise zur Bedienung

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Leben und Werk

2. Friedrich Dürrenmatt: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Wirtschaftswunderland

Politische Zeitbezüge im Roman

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

Der Einzelne und die Verantwortung. Anmerkungen zu einigen Figuren Friedrich Dürrenmatts

Vom Essen und Trinken – Motivverbindungen

Vom Zufall – Motivverbindungen

Verbrechen und Mord bei Dürrenmatt

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Erzählstruktur und Spannungsbogen

Ort und Zeit

Motive und Symbole

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Kommissar Bärlach

Gastmann

Tschanz

Der Schriftsteller und sein Figuren-Modell

Untersuchungsrichter Lutz und Nationalrat von Schwendi

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

Spiel mit dem Krimi-Genre

Die Rolle des Zufalls

Bärlach und die Wette

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Weitere zitierte Primärliteratur

Lernhilfen und Kommentare

Sekundärliteratur

Sonstige Literatur

Verfilmungen

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessanteste gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel beschreiben wir Friedrich Dürrenmatts Leben und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund dar:

Der Schweizer Autor Friedrich Dürrenmatt lebte vom 5. Januar 1921 bis zum 14. Dezember 1990. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in Bern, Basel und Neuchâtel, wo er auch starb.

Als Dürrenmatts Roman erscheint, sind die Entbehrungen der Jahre des Zweiten Weltkrieges schon fast vergessen; in Deutschland setzt die Phase des „Wirtschaftswunders“ ein.

Dürrenmatts Der Richter und sein Henker greift Themen (die Verantwortung des Einzelnen) und Motive (Zufall, Essen und Trinken) auf, die auch in anderen Werken des Schweizers eine Rolle spielen.

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

Der Richter und sein Henker – Entstehung und Quellen:

Dürrenmatts Roman erscheint zunächst als Fortsetzungsroman in einer Zeitschrift, knapp zwei Jahre später dann in Buchform. Eine Beeinflussung durch die Kriminalromane Friedrich Glausers wird häufig behauptet, wurde von Dürrenmatt aber bestritten. Dürrenmatt selbst gibt an, durch Theodor Fontane (Der Stechlin) beeinflusst worden zu sein.

Inhalt:

Der Roman ist in 21 Kapitel eingeteilt, die man zu vier größeren Erzählphasen mit vier Spannungshöhepunkten gruppieren kann.

In Der Richter und sein Henker beauftragt Kommissar Bärlach seinen Mitarbeiter Tschanz damit, den Mord an Schmied, der ebenfalls Mitarbeiter Bärlachs war, aufzuklären. Bärlach treibt von Anfang an ein doppeltes Spiel, da er zu der Erkenntnis gekommen ist, dass es Tschanz war, der Schmied aus Neid und Karrieresucht getötet hat. Schmied war auf den Verbrecher Gastmann angesetzt worden, den Bärlach sein ganzes Polizistenleben lang vergeblich zu überführen versucht hat und mit dem er schuldhaft in eine Wette verstrickt ist. Bärlach setzt nun Tschanz auf Gastmann an und manipuliert ihn so, dass Tschanz, um von sich abzulenken, Gastmann tötet und diesen als Mörder Schmieds präsentiert. In einem letzten Gespräch offenbart Bärlach Tschanz sein Wissen um den Mord an Schmied und gesteht Tschanz, dass er sich zum Richter über Gastmann gemacht und Tschanz als Henker für Gastmann gebraucht habe. Festnehmen lässt Bärlach Tschanz jedoch nicht. Dieser richtet sich selbst (er wird mit seinem Wagen von einem Zug überrollt).

Chronologie und Schauplätze:

Der Roman spielt in der Landschaft am Bieler See und in der Stadt Bern. Die erzählte Zeit (des Handlungskerns) umfasst wenige Tage im November 1948, auf einer zweiten Erzählebene (Vorgeschichte Bärlach – Gastmann) greift die Zeit rund vierzig Jahre zurück. Der „innere Aufbau“ des Romans konstituiert sich über zentrale Motive und Symbole (Wette, Zufall, Essen, Schlange).

Personen:

Die Hauptpersonen sind

Kommissar Bärlach:

zur Zeit der Handlung über 60 Jahre alt, magenkrank,

verhält sich unkonventionell,

manipuliert seinen Mitarbeiter Tschanz,

hat durch eine Wette mit Gastmann Schuld auf sich geladen;

Gastmann:

ist ein erfolgreicher und angesehener Geschäftsmann,

ist in zahlreiche Verbrechen verstrickt,

ist ein „Nihilist“, der aus der Laune heraus Gutes und Böses tut,

ist Kontrast- und Parallelfigur zu Bärlach;

Tschanz:

ist der Mörder Schmieds,

ist karrieresüchtig,

wird zum Mörder Gastmanns, um von seinem Mord an Schmied abzulenken.

Wir stellen diese Hauptpersonen ausführlich vor und geben auch Erläuterungen zu anderen Personen.

Stil und Sprache Dürrenmatts:

Die Sprache des Romans ist nicht zu kompliziert zu lesen, weist in geringem Umfang regionale Einsprengsel auf, ist mehrfach durch Licht- und Wettermetaphorik gekennzeichnet und teilweise klischeehaft. Auffallend ist die Lichtmetaphorik.

Auf folgende Interpretationsansätze gehen wir näher ein:

Dürrenmatts Spiel mit dem Genre „Krimi“,

die Bedeutung des Zufalls,

Bärlach und die Wette.

2.Friedrich Dürrenmann: Leben und Werk[1]

Friedrich Dürrenmatt 192–1990 © Cinetext/ Barbara Koeppe

2.1Biografie

Jahr

Ort

Ereignis

Alter

1921

Konolfingen (Kanton Bern)

Dürrenmatt wird am 5. Januar als einziger Sohn des protestantischen Pfarrers Reinhold Dürrenmatt und seiner Ehefrau Hulda (geb. Zimmermann) geboren.

1935

Bern

Die Familie zieht nach Bern um; Dürrenmatt besucht zunächst das „Freie Gymnasium“ und später das „Humboldtianum“.

14

1941

Bern

Maturität (schwz. Hochschulreife)

Dürrenmatt nimmt das Studium der Philosophie und der Literatur- und Naturwissenschaften auf (Zürich, Bern).

20

1943

Bern

Erste schriftstellerische Versuche. Es entsteht u. a. das Theaterstück Komödie, das aber weder im Druck noch auf der Bühne erscheint.

22

1946

Basel

Heirat mit Lotti Geißler

Dürrenmatt zieht nach Basel.

25

1947

Basel

Das Drama Es steht geschrieben wird uraufgeführt.

26

1948

Ligerz

Dürrenmatt lebt in Ligerz am Bielersee.

Das Stück Der Blinde wird uraufgeführt.

27

1949

Ligerz

Das Stück Romulus der Große wird uraufgeführt.

28

1950

Ligerz

Der Kriminalroman Der Richter und sein Henker erscheint in der Zeitschrift Der Schweizerische Beobachter (von Dezember 1950 bis Mai 1951). 1952: Buchausgabe.

29

1952

Neuchâtel

Das Stück Die Ehe des Herrn Mississippi wird uraufgeführt.

Das Theaterstück wird zu Dürrenmatts erstem Bühnenerfolg. Dürrenmatt erwirbt ein Haus in Neuchâtel und lebt dort fortan mit seiner Frau sowie den Kindern Peter, Barbara und Ruth.

31

1953

Neuchâtel

Das Stück Ein Engel kommt nach Babylon wird uraufgeführt.

Der Kriminalroman Der Verdacht erscheint.

32

1954

Bern

Literaturpreis der Stadt Bern

33

1955

Bern

Die Prosakomödie Grieche sucht Griechin erscheint.

34

1956

Bern

Das Stück Der Besuch der alten Dame wird uraufgeführt.

Die Erzählung/Das Hörspiel Die Panne erscheint.

35

1957

Bern

Hörspielpreis der Kriegsblinden

36

1958

Bern

Der Roman Das Versprechen erscheint.

Prix Italia

37

1959

Bern

Das Stück Frank der Fünfte wird uraufgeführt.

38

1962

Bern

Das Stück Die Physiker wird uraufgeführt.

41

1963

Bern

Das Stück Herkules und der Stall des Augias wird uraufgeführt.

42

1966

Bern

Das Stück Der Meteor wird uraufgeführt.

45

1967

Bern

Das Stück Die Wiedertäufer wird uraufgeführt (eine Neubearbeitung von Es steht geschrieben).

46

1970

Bern

Das Stück Porträt eines Planeten wird uraufgeführt.

49

1973

Bern

Das Stück Der Mitmacher wird uraufgeführt.

52

1977

Nizza/ Jerusalem

Buber-Rosenzweig-Medaille

Ehrendoktor der Universität Nizza und der Hebräischen Universität Jerusalem

56

Beerscheba

Ehrenmitglied der Ben-Gurion-Universität in Beerscheba

1981

Neuchâtel

Ehrendoktor der Universität Neuchâtel

60

1983

Neuchâtel

Tod seiner Frau Lotti

Das Stück Achterloo wird uraufgeführt.

62

1984

Neuchâtel

Heirat mit der Schauspielerin Charlotte Kerr

Österreichischer Staatspreis für Literatur

63

1985

Neuchâtel

Der Roman Justiz erscheint.

64

1986

Neuchâtel

Die Novelle Der Auftrag erscheint.

65

1990

Neuchâtel

Tod am 14. 12. (Herzinfarkt)

69

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Als Dürrenmatts Roman 1950 erscheint, sind die Entbehrungen des Krieges in Deutschland schon fast Vergangenheit, zumal im „Boomland“ Schweiz. Die internationale Politik ist durch den Gegensatz zwischen „Ost“ und „West“ („kalter Krieg“) gekennzeichnet, was im Roman allerdings lediglich im Hintergrund aufleuchtet (Gastmanns Abendgesellschaft mit Vertretern „fremder“ Mächte), ebenso wie die fehlende Auseinandersetzung mit der opportunistischen Haltung der Schweiz gegenüber dem NS-Regime.

Wirtschaftswunderland

Der Richter und sein Henker erscheint in einer Zeit der wiedergewonnenen politischen und sozialen Stabilität und der beginnenden wirtschaftlichen Prosperität.

„Um 1950 begann eine neue Zeit. (…) Die Wirklichkeit bekam wieder Glanz. Sonntag und Alltag waren wieder zu unterscheiden. Es gab wieder eine Spur von Luxus, wieder etwas, worauf sich Ehrgeiz und Träume projizieren ließen.“[2]

Die Trümmer des Krieges sind fast überall weggeräumt, der Neuaufbau und das Wirtschaftswunder setzen ein. Und die Schweiz, vom Krieg und seinen Folgen kaum berührt, vollzieht diese Entwicklung zum Modernen nach 1945 rascher und drastischer als etwa Deutschland: Ein Bauboom erfasst das Land, eine Motorisierungswelle ergreift seine Bürger, die Konjunktur zieht an.

„In der unzerstörten Schweiz wurde schneller offenbar, was in den anderen westeuropäischen Ländern, voran der Bundesrepublik, noch lange kaschiert wurde: Dass der Umbau des kleinen, landwirtschaftlichen Landes in einen modernen Industriestaat nicht nur Aufbau, sondern vor allem auch Zerstörung einer menschlichen, überschaubaren, natürlichen, aber auch besonders schönen Landschaft zugunsten einer abgezirkelten, scheinbar sauberen, planen Industriewelt war.“[3]

Anzeichen für den einsetzenden Boom lassen sich im Roman finden. Auch Tschanz, der Mitarbeiter Bärlachs, ist von der Motorisierungswelle erfasst; er leistet sich ein großes und teures Fahrzeug, nämlich einen Mercedes. Gastmann, der Gegenspieler Bärlachs, hat Geschäftsverbindungen in die ganze Welt, schwimmt auf der Woge des wirtschaftlichen Aufschwungs. Bei ihm verkehrt die Elite der schweizerischen Industrie (vgl. S. 53). Der weiten Welt der Geschäftsbeziehungen steht die Idylle der schweizerischen Landschaft gegenüber.

„Die Landschaft, besonders schön und geruhsam gezeichnet, ist die Landschaft um die ‚Festi’ in Ligerz herum, wo Dürrenmatt mehrere Jahre wohnte.“[4]

Politische Zeitbezüge im Roman

Auch die politische Großwetterlage der 1950er-Jahre spielt in den Roman hinein. Als Bärlach und Tschanz bei der Abendgesellschaft von Gastmann auftauchen, geraten sie in eine Konfrontation mit Nationalrat von Schwendi, der Bärlach bezichtigt, ein Separatist bzw. Kommunist zu sein (vgl. S. 36). Hier wird, wenn auch nur nebenbei, deutlich, dass der politische Hintergrund des Romans der Kalte Krieg ist. Die Allianz zwischen den Westmächten und Russland ist zerfallen, längst stehen sich zwei politische und militärische Blöcke gegenüber, längst sind die Kommunisten wieder zum Feindbild geworden, was Gastmann aber nicht daran hindert, auch mit chinesischen Kommunisten Beziehungen zu pflegen (vgl. S. 53). Ebenfalls en passant spielt der Roman auf die jüngste Vergangenheit an, nämlich die Rolle der Schweiz zur Zeit des Nationalsozialismus.

Dies geschieht über Hinweise auf den Lebenslauf Bärlachs. Bärlach hat lange im Ausland gelebt, zunächst in Konstantinopel und dann in Deutschland, wo er der Kriminalpolizei in Frankfurt vorgestanden hat. 1933, im Jahre der Regierungsübernahme Hitlers und am Beginn der nationalsozialistischen Diktatur, verlässt Bärlach Frankfurt und kehrt nach Bern zurück, nicht weil er Bern besonders liebt, sondern wegen einer „Ohrfeige (…), die er einem hohen Beamten der damaligen neuen deutschen Regierung gegeben hatte.“ (S. 8) Diese Tat wird in der Schweiz ganz unterschiedlich bewertet, „endlich sogar als die einzige für einen Schweizer mögliche Haltung; dies aber erst fünfundvierzig.“ (ebd.) Dürrenmatt kritisiert hier die opportunistische Haltung der Schweiz gegenüber dem NS-Regime. Eine antinazistische Position kommt erst zum Tragen, als der Nationalsozialismus sich bereits erledigt hat und die politische Stellungnahme wohlfeil zu vertreten ist. Der Antinazismus ist bei von Schwendi zur reinen Attitüde verkommen und wird als Argumentationsfigur gegen die Polizeiuntersuchungen missbraucht: „(…) wir haben noch lange nicht die Gestapo.“ (S. 46) Dürrenmatt verspottet das Parteiensystem der Schweiz mit dem Hinweis darauf, dass Lutz und von Schwendi Mitglieder der „konservativen liberalsozialistischen Sammlung der Unabhängigen“ sind (S. 45), womit alle Strömungen des demokratischen Parteienwesens bis zur Profillosigkeit vermischt sind. Die Schweiz, diese sprichwörtliche Idylle, hat letztlich, so der Roman, kein politisches Profil, sondern nur ein ökonomisches Interesse: „Millionen stehen auf dem Spiel (…), Millionen!“ (S. 55)

2.3Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

ZUSAMMENFASSUNG

Als der Roman Der Richter und sein Henker 1952 erscheint, liegen die großen Erfolge Dürrenmatts als Autor noch vor ihm. Seine wohl bekanntesten Theaterstücke Der Besuch der alten Dame und Die Physiker kommen erst in den Jahren 1956 und 1962 auf die Bühne. Trotz der Behandlung unterschiedlicher Themen und Probleme sowie der verschiedenen Genres (Drama, Kriminalroman etc.), gibt es zwischen den Werken Dürrenmatts verbindende Elemente:

Dürrenmatt präsentiert Figuren, die in Schuld verstrickt sind oder sich, obwohl sie das Gute wollen, in Schuld verstricken. Er zeigt uns den mutigen Einzelnen, der versucht, die Ordnung der Welt in seiner Brust wiederherzustellen.