Der Besuch der alten Dame. Königs Erläuterungen. - Friedrich Dürrenmatt - ebook

Der Besuch der alten Dame. Königs Erläuterungen. ebook

Friedrich Dürrenmatt

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Opis

Königs Erläuterungen zu Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download ... sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. ... mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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MOBI

Liczba stron: 139




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 366

Textanalyse und Interpretation zu

Friedrich Dürrenmatt

DER BESUCH DER ALTEN DAME

Bernd Matzkowski

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame. Eine tragische Komödie (Neufassung 1980). Werkausgabe in siebenunddreißig Bänden. Band 5. Zürich: Diogenes, 1998 (detebe 23045).

Über den Autor dieser Erläuterung: Bernd Matzkowski ist 1952 geboren. Er ist verheiratet, hat vier Kinder und ist Lehrer (Oberstudienrat) am Heisenberg-Gymnasium Gladbeck. Fächer: Deutsch, Sozialwissenschaften, Politik, Theater.

Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst. Zitate Dürrenmatts und Brechts müssen auf Grund von Einsprüchen in der alten Rechtschreibung beibehalten werden.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

4. Auflage 2014

ISBN 978-3-8044-6907-5

© 2003, 2010 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: Therese Giehse als Claire, Kammerspiele München 1956, © Cinetext

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Friedrich Dürrenmatt: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

Der Einzelne und die Verantwortung – Anmerkungen zu einigen Figuren Friedrich Dürrenmatts

Vom Essen und Trinken – Motivverbindungen

Vom Zufall – Motivverbindungen

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Zeit, Ort, Kompositionsstruktur

Zum inneren Aufbau des Dramas: Kontraste, Paradoxien, groteske Elemente, Motive, Symbole, Requisiten und Themen

Das Chorlied

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Ill

Claire Zachanassian

Lehrer/Pfarrer/Bürgermeister/Arzt

Ills Familie

Pressevertreter

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

Zur Gattung: Die „tragische Komödie“

Ills Wandlung zum mutigen Menschen

Der Verlust der Liebe

Zur Auffassung Dürrenmatts vom Theater

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 ***

Aufgabe 2 *

Aufgabe 3 *

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Sekundärliteratur

Verfilmungen

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im zweiten Kapitel beschreiben wir Dürrenmatts Leben und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund dar.

Friedrich Dürrenmatt lebte vom 5. Januar 1921 bis zum 14. Dezember 1990. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in Bern, Basel und Neuchâtel, wo er auch starb.

Als Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame 1956 auf die Bühnen kommt, sind die Entbehrungen der Kriegszeit schon fast vergessen; Deutschland lebt in der Phase des „Wirtschaftswunders“.

Der Autor Dürrenmatt hat, als das Drama uraufgeführt wird, bereits Kriminalromane (Der Richter und sein Henker, Der Verdacht) und Theaterstücke (u. a. Romulus der Große, Die Ehe des Herrn Mississippi) veröffentlicht und ist Literaturpreisträger der Stadt Bern (1954).

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

Der Besuch der alten Dame – Entstehung und Quellen:

Dürrenmatts Drama greift Motive aus Entwürfen zu seiner Novelle Mondfinsternis auf (die er allerdings erst 1978 fertigstellt). Unmittelbar angeregt wurde Dürrenmatt zu seinem Drama wohl durch eine Bahnfahrt von Neuchâtel nach Bern und zurück. Der Zug hielt in zwei kleinen Orten an, und Dürrenmatt überlegte, was es für diese Orte bedeuten würde, wenn der Zug dort nicht mehr hielte. Zudem gibt es eine Reihe von Motivverbindungen zu anderen literarischen Werken, vor allem zu Mark Twains Der Mann, der Hadleyburg korrumpierte. (Abschnitt 3.1)

Inhalt:

Im verarmten Dorf Güllen warten die Bewohner auf den Besuch von Claire Zachanassian, einer Milliardärin, die vormals in Güllen lebte. Von ihr erhofft man sich eine finanzielle Zuwendung. Der Krämer Ill, ein Jugendfreund Claire Zachanassians, soll dabei, in Erinnerung an ihre vormalige Beziehung, den Weg für eine große Spende ebnen. Als Claire Zachanassian eintrifft, nennt sie die Bedingung, unter der sie der Gemeinde eine Milliarde zur Verfügung stellen will: Jemand soll Ill töten, denn dieser hat sie, als sie schwanger von ihm war, im Stich gelassen und seine Vaterschaft mit Hilfe von bestochenen Zeugen bestritten. Der Bürgermeister und alle Einwohner Güllens lehnen dieses Angebot zunächst empört ab, doch die Situation wird für Ill in der Folge immer bedrohlicher.

In einer Art „Schauprozess“ wird schließlich die kollektive Ermordung Ills durch die Güllener medial getarnt. Claire Z. besteigt, mit der Leiche Ills, den sie in einem Mausoleum aufbahren will, den Zug. Und die Güllener feiern in einem chorischen Lied ihren neuen Wohlstand.

Zeit, Ort und Kompositionsstruktur:

Der Handlungszeitraum des Dramas lässt sich nicht genau bestimmen, denn das verarmte Güllen steht am Ende als glitzernde Metropole da. Der Handlungskern vollzieht sich in mehreren Tagen.

Historisch ist das Drama in einer Phase der „Hochkonjunktur“ (früherer Untertitel) angesiedelt; es holt durch zahlreiche Hinweise und Anspielungen die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts auf die Bühne (Nennung von Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, zeitgeschichtliche Ereignisse etc.).

Der Handlungsort ist Güllen (=Jauche). Güllen steht aber nicht für einen konkreten Ort, sondern ist ein „Modell“. Anfang und Ende des Dramas sowie das Ende des II. Aktes spielen am Bahnhof, der den Charakter eines Symbolraums hat.

Das Drama hat drei Akte. Der erste Akt erfüllt die Funktion der Exposition, weist aber bereits ein steigerndes Moment auf. Der II. Akt enthält den Höhe- und Wendepunkt. Der III. Akt enthält ein retardierendes Moment, bevor die Katastrophe einsetzt.

Innerer Aufbau des Dramas – Kontraste, Paradoxien, groteske Elemente, Motive, Symbole, Requisiten und Themen:

Im Aufbau des Dramas werden die großen Themen (Recht und Gerechtigkeit, Verlust der Liebe und der Moral) und der Aufbau des Konflikts und seine Lösung über Kontraste (der Bahnhof zu Beginn und am Ende des Dramas), Paradoxien (ein Milliardär verliebt sich in eine Hure), Elemente des Grotesken (die aus „Ersatzteilen“ zusammengesetzte Claire Z.), zahlreiche Motive (Todesmotiv, Konsummotiv, Liebesmotiv), Symbole (der schwarze Panther) und Requisiten mit Zeichencharakter (z. B. die Zigarren, die gelben Schuhe) miteinander verknüpft. Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem Chorlied der Güllener zu. (Abschnitt 3.3)

Figuren:

Die Hauptfiguren sind:

Alfred Ill:

führt einen Krämerladen.

ist zu Beginn des Dramas die „beliebteste Persönlichkeit“.

war die Jugendliebe Claire Zachanassians.

wandelt sich vom Lügner und Opportunisten zum Helden.

Claire Zachanassian:

ist eine Milliardärin.

wurde als junges Mädchen von Ill geschwängert, der aber verleugnete seine Vaterschaft.

verlangt gegen eine Spende von einer Milliarde die Ermordung Ills.

hängt ihrer Jugendliebe nach und hat für Ill ein Mausoleum auf Capri errichtet.

Wir stellen diese Hauptfiguren ausführlich vor, gehen aber auch auf weitere Figuren und ihre Funktionen im Drama ein. (Abschnitt 3.4)

Stil und Sprache des Dramas:

Dürrenmatt führt im Drama die Sprache als Element der Lüge und Verschleierung vor:

Die Sprache wird von den Figuren häufig als Mittel der Täuschung eingesetzt.

Begriffe und Formulierungen sind deshalb oft mehrdeutig.

Die Sprache ist Ausdruck des gemeinsamen Denkraums der Güllener.

In Dialogen stimmen Gemeintes und Gesagtes zumeist nicht überein.

Die Sprache ist auf der Ebene der Stilmittel u. a. durch Wortspiele, Anspielungen, Ironie, verkürzte Sätze, Stilbrüche und Phrasen gekennzeichnet. (Abschnitt 3.6)

Folgende Interpretationsansätze werden näher dargestellt:

Der Besuch der alten Dame als „tragische Komödie“

Die Wandlung Ills zum mutigen Menschen

Der Verlust der Liebe und der moralischen Werte

Die Theaterauffassung Dürrenmatts (Abschnitt 3.7).

2.Friedrich Dürrenmatt: Leben und Werk[1]

Friedrich Dürrenmatt 1921–1990 © Cinetext/Barbara Köppe

2.1Biografie

Jahr

Ort

Ereignis

Alter

1921

Konolfingen

(Kanton Bern)

Dürrenmatt wird am 5. Januar als einziger Sohn des protestantischen Pfarrers Reinhold Dürrenmatt und seiner Ehefrau Hulda (geb. Zimmermann) geboren.

1935

Bern

Die Familie zieht nach Bern um; Dürrenmatt besucht zunächst das „Freie Gymnasium“ und später das „Humboldtianum“.

14

1941

Bern

Maturität (Hochschulreife)

Dürrenmatt nimmt das Studium der Philosophie und der Literatur- und Naturwissenschaften auf (Zürich, Bern).

20

1943

Erste schriftstellerische Versuche. Es entsteht u. a. das Theaterstück Komödie, das aber weder im Druck noch auf der Bühne erscheint.

22

1946

Basel

Heirat mit Lotti Geißler

Dürrenmatt zieht nach Basel.

25

1947

Es steht geschrieben (Uraufführung)

26

1948

Ligerz

Dürrenmatt lebt in Ligerz am Bielersee.

Der Blinde (Uraufführung)

27

1949

Romulus der Große (Uraufführung)

28

1950/

1952

Ligerz

Der Richter und sein Henker (Kriminalroman)

29/31

1952

Neuchâtel

Die Ehe des Herrn Mississippi (Uraufführung).

Das Theaterstück wird Dürrenmatts erster großer Bühnenerfolg. Dürrenmatt erwirbt ein Haus in Neuchâtel und lebt dort fortan mit seiner Frau sowie den Kindern Peter, Barbara und Ruth.

31

1953

Ein Engel kommt nach Babylon (Uraufführung)

Der Verdacht (Kriminalroman)

32

1954

Bern

Literaturpreis der Stadt Bern

33

1955

Grieche sucht Griechin (Eine Prosakomödie)

34

1956

Der Besuch der alten Dame (Uraufführung)

Die Panne (Erzählung/Hörspiel)

35

1957

Hörspielpreis der Kriegsblinden

36

1958

Das Versprechen (Roman)

Prix Italia

37

1959

Frank der Fünfte (Uraufführung)

38

1962

Die Physiker (Uraufführung)

41

1963

Herkules und der Stall des Augias (Uraufführung)

42

1966

Der Meteor (Uraufführung)

45

1967

Die Wiedertäufer (Uraufführung/eine Neubearbeitung von Es steht geschrieben)

46

1970

Porträt eines Planeten (Uraufführung)

49

1973

Der Mitmacher (Uraufführung)

52

1977

Nizza / Jerusalem

Buber-Rosenzweig-Medaille

Ehrendoktor der Universität Nizza und der Hebräischen Universität Jerusalem

56

Beerscheba

Ehrenmitglied der Ben-Gurion-Universität in Beerscheba

1981

Neuchâtel

Ehrendoktor der Universität Neuchâtel

60

1983

Tod seiner Frau Lotti

Achterloo (Uraufführung)

62

1984

Heirat mit der Schauspielerin Charlotte Kerr

Österreichischer Staatspreis für Literatur

63

1985

Justiz (Roman)

64

1986

Der Auftrag (Novelle)

65

1990

Neuchâtel

Tod am 14. Dezember (Herzinfarkt)

69

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame kommt 1956 auf die Bühne:

Deutschland erlebt die Phase des „Wirtschaftswunders“.

Kriegstrümmer werden beseitigt.

Die Menschen können sich wieder Waren kaufen; ein bescheidener Wohlstand entwickelt sich.

Dürrenmatts Schweizer Heimat wandelt sich von einem agrarisch geprägten Land zu einer modernen (industriell geprägten) Gesellschaft.

Als Dürrenmatts Drama uraufgeführt wird, sind erst 11 Jahre seit dem Ende des 2. Weltkrieges vergangen. Man hat sich gerade im Frieden eingerichtet und ist dabei, die Zeit des Nationalsozialismus zu vergessen bzw. zu verdrängen. In Deutschland sind die Trümmer des Krieges nahezu weggeräumt, das sogenannte „Wirtschaftswunder“ der sozialen Marktwirtschaft hat eingesetzt, die Westintegration der Bundesrepublik ist abgeschlossen, denn die BRD ist mittlerweile Mitglied des Europarats und durch die Pariser Verträge (1954) auch Mitglied der Westeuropäischen Union und der NATO. Politisch ist das Klima dieser „Restaurationsjahre“ durch die konservativen Regierungen aus CDU und CSU bestimmt, die 1957 unter Konrad Adenauer einen Wahlsieg erringen, bei dem sie 50,2 Prozent aller Stimmen auf sich vereinigen können. Der zentrale Wahlslogan hieß (bezeichnenderweise): „Keine Experimente!“

Die Menschen in Deutschland sehen eher optimistisch in die Zukunft. Die Einkommen lassen ersten bescheidenen Wohlstand zu, man sieht vermehrt Autos auf den Straßen: 1953 hat der Bestand an PKW und Motorrädern in der BRD den von 1939 in Gesamtdeutschland bereits überschritten, bei Volkswagen laufen täglich rund 1500 „Käfer“ vom Fließband. Die ersten weiteren Reisen werden geplant.

Das Drama verweist deutlich auf seine Entstehungszeit in den 1950er Jahren. Der wirtschaftliche Aufschwung wird ins Stück geholt. Der Besuch der alten Dame vollzieht sich in Bezug auf die Schweizer Heimat Dürrenmatts zudem in einer Periode des Umbruchs, der Entwicklung einer agrarisch geprägten Naturlandschaft zum städtischen Raum:

„Drückten die immer besseren Kleider den anwachsenden Wohlstand aus, diskret, unaufdringlich, doch immer weniger zu übersehen, wurde der Bühnenraum stets appetitlicher, veränderte er sich, stieg er in seiner sozialen Stufenleiter, als siedelte man von einem Armeleutequartier unmerklich in eine moderne, wohlsituierte Stadt über … Die einst graue Welt hat etwas Blitzblankes.“ (S. 131 f.)

Das Stück enthält zahlreiche Hinweise auf die (historische) Zeit. So sind die Medienvertreter Presseleute (Zeitungen), Radioreporter und ein Kameramann der „Filmwochenschau“, die in Kinos der 1950er Jahre (vor dem eigentlichen Spielfilm) gezeigt wurde. Das Fernsehen hat seinen Siegeszug noch nicht angetreten (in der Bundesrepublik begannen im November 1950 die ersten Versuchssendungen an lediglich drei Wochentagen).[2] Aber einen Fernsehapparat, als Zeichen der kommenden Zeit, schafft sich die Güllener Familie Stocker bereits an (siehe II. Akt).

Zahlreiche Produkte finden im Stück Erwähnung, die für die 50er Jahre als typisch gelten können: man trinkt Steinhäger, leistet sich bessere Zigarren (wie der Bürgermeister), schafft sich einen „Opel Olympia“ an (die Adam Opel AG hatte bis Ende 1951 bereits mehr als 250 000 Wagen in Nachbarländer wie die Schweiz exportiert; der „Opel Olympia“ wurde bis 1957 produziert) oder einen „Messerschmitt“ (einen dreirädrigen Kabinenroller) und kauft sich (die damals noch recht teure) Schokolade. Die Menschen werden aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs zu Konsumenten, Mangel und Not der Nachkriegszeit geraten allmählich in Vergessenheit. Auch über die Erwähnung von Personen der Zeitgeschichte werden die 50er Jahre ins Stück geholt. So bekommt Claire Zachanassian z. B. Post von „Ike“, also dem amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower, und Nehru (indischer Premierminister).

2.3Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

ZUSAMMENFASSUNG

Dürrenmatt

zeigt in Dramen und Kriminalromanen den „mutigen Einzelnen“.

gestaltet häufig das Motiv des Essens.

thematisiert das Motiv des Zufalls.

Bereits die Zeitleiste (2.1), die selbst wiederum ja nur eine Auswahl aus dem Werk Friedrich Dürrenmatts präsentiert, dürfte deutlich gemacht haben, wie umfangreich das Gesamtwerk des Autors ist. Jeder Versuch, alleine dem dramatischen Schaffen Dürrenmatts auf wenigen Seiten gerecht zu werden, muss deshalb zum Scheitern verurteilt sein und wird hier gar nicht erst unternommen. Vielmehr sollen ausschnitthaft die Figuren Ill und Romulus aus Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame und Romulus der Große sowie Kommissar Bärlach aus den Kriminalromanen Der Richter und sein Henker und Der Verdacht sowie Möbius aus der Komödie Die Physiker beleuchtet werden, weil es zwischen ihnen Berührungspunkte gibt. In einem weiteren Abschnitt dieses Kapitels soll auf einige Motivverbindungen zwischen dem Drama Der Besuch der alten Dame und anderen literarischen Werken Dürrenmatts hingewiesen werden.

Die im Textteil gegebenen Erläuterungen werden am Ende des Kapitels in einem Schaubild zusammengefasst.

Der Einzelne und die Verantwortung – Anmerkungen zu einigen Figuren Friedrich Dürrenmatts

1949 kommt Dürrenmatts Vier-Akter Romulus der Große, eine „ungeschichtliche historische Komödie“, auf die Bühne (Uraufführung am Stadttheater Basel).[3]

Romulus, der letzte Kaiser des römischen Imperiums, wird damit konfrontiert, dass die Germanen vor den Toren Roms stehen. Er ist aber zu der Einsicht gekommen, dass das Römische Reich zum Untergang verurteilt ist. Aus dieser Einsicht heraus weigert sich Romulus, die verbliebenen Truppen Roms in ein letztes und aussichtsloses Gefecht zu führen. Als Romulus dem Germanenfürsten Odoaker, dem Eroberer Roms, begegnet, stellt Romulus fest, dass Odoaker mit ihm die Vorliebe für die Hühnerzucht und die Müdigkeit, ein Weltreich zu erobern, teilt. Beide Männer verständigen sich darauf, noch einmal eine kaiserliche Pose einzunehmen: Romulus ernennt Odoaker zum König von Italien, Odoaker schickt Romulus feierlich in Pension.

Kommissar Bärlach ist die Mittelpunktfigur der Kriminalromane Der Richter und sein Henker (1950/52) und Der Verdacht (1953). In Der Richter und sein Henker beauftragt Kommissar Bärlach seinen Mitarbeiter Tschanz damit, den Mord an Schmied, der ebenfalls Mitarbeiter Bärlachs war, aufzuklären. Bärlach treibt von Anfang an ein doppeltes Spiel, da er zu der Erkenntnis gekommen ist, dass es Tschanz war, der Schmied aus Neid und Karrieresucht getötet hat.