Der Kaperschiffer vor hundert Jahren - Frederick Marryat - ebook

Der Kaperschiffer vor hundert Jahren ebook

Frederick Marryat

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Opis

Der Ich-Erzähler Alexander Musgrave berichtet in einer Reihe von Briefen an eine junge Frau von seinen Erlebnissen als Kaperschiffer. So kapert er in der Karibik ein französisches Schiff, wird in einen tödlichen Kampf mit zwei Kaperschonern verwickelt, wird gefangen genommen, gelangt auf abenteuerliche Weise nach Liverpool, heuert auf einem Schiff an, das nach Afrika fährt, wird dort versklavt und muss der Lieblingsfrau eines lokalen Königs dienen, welche er unter anderen im Busch vor wilden Tieren errettet. Schließlich wird er freigekauft, kehrt nach Liverpool zurück, wo er zahlreiche Verehrerinnen in der Damenwelt findet, lässt sich jedoch von den Verlockungen des süßen Lebens nicht beirren und sticht wieder in See… Diese Zusammenfassung beschreibt nur einen kleinen Teil der kurzweiligen und spannenden Abenteuer, die der Kaperschiffer in seinen langen Jahren auf See erlebt hat – erzählt von einem Meister der Seefahrerliteratur, der diese aufregende Welt in seinen eigenen Seefahrerjahren so gut kennengelernt hat wie seine Westentasche!

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Frederick Marryat

Der Kaperschiffer vor hundert Jahren

Neu aus dem EnglischenvonDr. Carl Kolb.

Saga

Erstes Kapitel.

Wir kreuzen in der Höhe von Hispaniola — nehmen ein französisches Schiff — verfolgen unsern Kreuzzug weiter — machen einen nächtlichen Angriff auf das Haus eines Pflanzers und werden mit Verlust zurückgeschlagen.

An Mistress —

Verehrte Frau!

In Willfahrung Eures Wunsches will ich aus dem Tagebuch meiner jüngern Jahre einige Abschnitte meines abenteuerreichen Lebens auszeichnen. Als ich sie niederschrieb, schilderte ich die Gefühle meines Herzens ohne Rückhalt, und es soll kein Wort daran geändert werden, da ich weiss, Ihr wünscht zu erfahren, wie ich damals empfand, nicht wie sich meine Gedanken jetzt gestaltet haben. Man sagt, dem Leben eines jeden Menschen, wie niedrig auch seine Lage sein mag, lasse sich eine Lehre entnehmen, wenn es anders der Wahrheit gemäss erzählt ist; ich glaube daher, wenn Ihr das, was ich zu schreiben im Begriffe stehe, gelesen habt, so werdet Ihr mit mir einverstanden sein, dass aus meiner Geschichte sowohl Alt als Jung Vortheil erholen dürfte: eine solche Wirkung hoffe ich mit Gottes Gnade zuverlässig, wenn je meine Erlebnisse der Oeffentlichkeit übergeben werden sollten. Uebergehen wir indess alle weitere Einleitung — ich beginne meine Erzählung mit dem Kreuzzug vor Hispaniola, welchen ich in dem Kaper „die Rache“ mitmachte.

Die Rache führte 14 Kanonen und hatte den Kapitän Weatherall, einen sehr berufenen Kaperschiffer, zum Befehlshaber. Eines Morgens um Tagesanbruch entdeckten wir von der Stengenspitze aus ein Schiff, auf das wir mit jedem Stich Tuch, welche wir aussetzen konnten, Jagd machten. Beim Näherkommen erkannten wir ein grosses, tief geladenes Schiff, welches uns als leichte Prise vorkam; als wir jedoch den Rumpf näher mustern konnten, stellte sich heraus, dass es gut bewaffnet war und sowohl vorn als hinten eine volle Reihe von Geschütz hatte. Später zeigte sich’s, dass das Fahrzeug 60 Tonnen Last nebst 24 Kanonen führte, von St. Domingo ausgesegelt war und nach Frankreich zu segeln gedachte.

Das Schiff war von einem französischen Gentleman gemiethet, einem sehr tapfern Mann, der sich in Westindien ein grosses Vermögen erworben hatte und nun im Begriffe war, mit seiner ganzen Habe und Familie — letztere aus einer Gattin und einem einzigen Sohn von siebenzehn Jahren bestehend — nach Haus zu reisen. Sobald er entdeckte, wer wir waren, und die Unmöglichkeit einsah, einem so schnell segelnden Schiffe, wie die Rache war, zu entrinnen, beschloss er, bis auf den letzten Augenblick zu fechten; auch hatte er wahrlich allen Grund dazu, denn wo das ganze Vermögen, Gattin, Kind, Freiheit und vielleicht gar das Leben auf dem Spiele stehen, kann sich ein Mann wohl zum Aeussersten gespornt fühlen. Wie wir später erfahren, hatte er grosse Mühe, seiner Mannschaft einen gleichen Entschluss einzuflössen, und er konnte sie erst zur Erfüllung ihrer Pflicht vermögen, nachdem er sich verbindlich gemacht hatte, ihr den Werth der halben Ladung zu überlassen, im Falle es ihr gelinge, uns abzuschlagen und wohlbehalten einen französischen Hafen zu erreichen.

Durch sein Beispiel gespornt, — denn er sagte, er verlange von Niemand mehr, als er selbst leisten werde, — und vielleicht noch mehr durch sein grossmüthiges Erbieten ermuntert, erklärten die französischen Matrosen, dass sie ihn bis auf den letzten Augenblick unterstützen würden, und gingen wohlgemuth an ihr Geschütz, um sich für den Kampf vorzubereiten. Sobald wir ziemlich nahe standen, kürzte der Franzose die Segel zum Kampf, nachdem er zuvor seine mit Todesangst erfüllte Gattin genöthigt hatte, in den Raum hinunterzugehen und dort den Ausgang eines Gefechts abzuwarten, von dem Alles, was ihr theuer war, abhing. Die entschlossene Haltung des Schiffs und die kalte Unerschrockenheit, mit welcher es beilegte, um uns zu erwarten, bewog auch uns, Vorbereitungen für einen scharfen Kampf zu treffen. Der Gegner war uns zwar an Geschütz überlegen; als Kriegsschiff aber hatte die Rache viele Vortheile, abgesehen davon, dass wir eine reichlichere Bemannung hatten. Während unseres Näherkommens wurden einige Buggeschütze abgefeuert; als wir jedoch auf Kabelslänge einander gegenüberstanden, wechselten wir eine halbe Stunde lang volle Lagen, worauf unser Kapitän zu entern beschloss. Wir liessen unser Fahrzeug an der Seite auffahren und versuchten unsere Mannschaft an Bord zu werfen, trafen aber einen kräftigen Widerstand. Der französische Gentleman, der an der Spitze seiner Leute stand, erlegte eigenhändig zwei unsrer wackersten Matrosen und verwundete einen dritten auf den Tod. Durch ein derartiges Beispiel ermuthigt, kämpfte sein Schiffsvolk mit solcher Entschlossenheit, dass wir nach einem schweren Kampf den Enterversuch aufgeben und uns eiligst nach unsrem eigenen Fahrzeug zurückziehen mussten. Acht oder zehn von unsern Schiffskameraden schwammen in ihrem Blute.

Unser Kapitän, der beim Entern nicht persönlich mit betheiligt gewesen, war wüthend über unsere Niederlage und schalt uns Memmen, weil wir uns von einem Deck hatten zurücktreiben lassen, auf dem wir bereits Fuss gewonnen; dann forderte er uns auf, den Kampf zu erneuern, ging selbst voran und war der Erste an Bord des Schiffs, wo er bald mit dem tapferen Franzosen handgemein wurde, der schon früher ein solches Gemetzel unter unserer Mannschaft angerichtet hatte. So gut und mannhaft auch Kapitän Weatherall seine Waffe zu führen wusste, hatte er jetzt doch mit einemmale einen Gegner gefunden, der ihm mehr als gewachsen war; er erhielt eine leichte Wunde und würde wahrscheinlich erlegen sein, wenn nicht das Vorstürzen unserer ganzen Mannschaft, welche inzwischen das Deck erreicht hatte, ihn von seinem Feinde getrennt hätte. Jetzt kam uns die Uebermacht unserer Zahl zu statten. Die französische Schiffsmannschaft focht zwar mit hoher Entschlossenheit, aber trotz ihrer Anstrengung und der Tapferkeit ihres Führers gelang es uns doch, sie nach dem Halbdeck zurückzutreiben. Hier erneuerte sich das Gefecht mit der grössten Hartnäckigkeit, denn unsre Gegner waren bemüht, ihren letzten Haltpunkt zu behaupten, während wir Allem aufboten, um unsere Eroberung zu vervollständigen. Die Franzosen konnten nicht weiter zurück, und unsere Vorderreihe sah sich von den hinteren, welche an dem Kampfe theilzunehmen suchten, vorwärts gedrängt. Da jeder Ausweg abgeschnitten war, so rangen die Franzosen mit der vollen Wuth des Hasses und der Verzweiflung, während wir, angefeuert von dem hartnäckigen Widerstand, in wilder Rachsucht nach dem Blut der Feinde dürsteten. In eine einzige Masse zusammengekeilt tobte nun der Kampf, für den es ganz und gar an Raum gebrach, im Handgemenge. Jeder suchte mit gekürzter Wehr das Herz seines Gegners auf; die Verwundeten fielen fechtend auf dem Deck über einander, wälzten sich unter den Todten und Sterbenden oder wurden von den Uebrigen, die das Gefecht mit ungeminderter Wuth fortsetzten, unter die Füsse getreten.

Endlich gewann die Uebermacht der Zahl den Sieg, der aber jedenfalls theuer erkauft hatte werden müssen. Wir waren im Besitz des Decks, hatten die Flagge heruntergenommen und wollten uns nun nach der übermächtigen Anstrengung verschnauben, da wir uns schon ganz und gar für die Herren des Schiffs hielten; aber wir hatten die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Der erste Lieutenant des Kapers und sechs von uns waren nach der Hütte hinuntergestürzt, und wie wir eben in die Kajüte dringen wollten, um Beute aufzusuchen, fanden wir die Thüre von dem tapferen Franzosen, seinem Sohn, dem Kapitän des Schiffes und fünf französischen Matrosen vertheidigt. In ihrem Rücken befand sich die Gattin des französischen Gentlemans, deren Schutz sie sich geweiht hatten. Der Lieutenant, welcher uns anführte, bot ihnen Pardon an; aber von der Aussicht auf gänzliche Zugrundrichtung und auf die Gefangenschaft, die seiner harrte, bis zum Wahnsinn gespornt, wies der Gentleman den Antrag mit Verachtung zurück, stürzte auf unsern Lieutenant los, schlug ihm die Parade durch und war eben im Begriff, ihn niederzustossen, als ich noch zu guter Zeit eine Pistole auf ihn abfeuerte, um das Leben meines Offiziers zu retten. Die Kugel drang ihm durchs Herz, und so starb einer der tapfersten Männer, die mir je vorgekommen sind. Zu gleicher Zeit wurde sein Sohn mit einer Zimmeraxt zu Boden geschlagen; die Uebrigen warfen sich jetzt aufs Deck nieder und baten um Pardon. Unsere Leute waren aber durch diese Erneuerung des Kampfes so aufgebracht, dass der Lieutenant allem seinem Ansehen aufbieten musste, um das Blutbad zu verhindern, welches den nicht mehr Widerstrebenden zugedacht war.

Doch wer ist im Stande, die Lage der unglücklichen Dame zu schildern, welche Zeuge einer so schrecklichen Scene hatte sein müssen — vor ihren Augen der erschlagene Gatte, der einzige Sohn in seinem Blute ächzend, und sie allein, Alles dessen beraubt, was ihr theuer war! Am Morgen noch im Besitze eines grossen Reichthums, jetzt aber eine Wittwe, vielleicht kinderlos, eine Gefangene, eine Bettlerin und in den Händen gesetzloser Strolche, deren Fäuste noch von dem Blut ihres Gatten und ihres Kindes rauchten — ihrem Erbarmen preisgegeben und jedem Uebel ausgesetzt, das eine schöne, schutzlose Frau von Menschen zu befahren hat, die aller Grundsätze, allen Mitleids und aller Furcht baar sind! Wer konnte es dem verzweifelnden Wesen verargen, dass sie sich auf unsere Waffen zustürzte und den Tod suchte, der ihr unter solchen Umständen ein Segen sein musste? Nur mit Mühe konnten wir sie abhalten, sich ein Leides zu thun. Nach einem heftigen Kampf erlag endlich die Natur und sie sank ohnmächtig auf die Leiche ihres Gatten nieder, Kleider und Haar in das Blut tauchend, welches das Kajütendeck überflutete. Diese Scene des Elends erschütterte sogar diejenigen, welche sie verschuldet hatten. Unsere Matrosen, wie sehr sie auch an Blutthaten und Schändung gewöhnt waren, blieben still und unbeweglich auf ihre Wehren gestützt, während ihre Augen unverwandt auf der bewusstlosen Gestalt der unglücklichen Dame hafteten.

Die Wuth des Kampfes war jetzt vorüber; die Leidenschaften hatten sich gelegt, und wir fühlten uns über einen Sieg beschämt, der mit so unaussprechlichem Weh erkauft war. Das Getümmel des erneuerten Gefechts hatte den Kapitän herbeigerufen; er ertheilte Befehl, die Dame von diesem Schauplatz des Entsetzens fortzunehmen und in seiner eigenen Kajüte sorgfältig zu verpflegen. Auch wurde die Wunde des Sohns, der noch am Leben war, sogleich verbunden und der Rest der Gefangenen in Sicherheit gebracht. Schwer bedrückt von der Scene, die ich mitangesehen, kehrte ich auf das Deck zurück. Als ich daselbst umherschaute und die Bretter mit Todten und Sterbenden besät sah — Sieger und Besiegte ohne Unterschied durcheinander gemischt, so dass das Blut von beiden Nationen seine Ströme vereinigte — konnte ich mich der Frage nicht erwehren: „Ist’s möglich, dass dies rechtlich und gesetzlich sein soll? Kann ein solches Gemetzel, das keinen andern Zweck hat, als das Eigenthum Anderer zu gewinnen, durch die Händel der Könige gerechtfertigt werden?“ Vernunft, Religion und Menschlichkeit antworteten mir mit Nein.

Meine Unruhe und Niedergeschlagenheit wollte sich nicht beschwichtigen lassen; ich kam mir selbst wie ein Mörder vor. Dann stellte ich Betrachtungen darüber an, wie die Habe, welche in den Händen ihres früheren Besitzers vielleicht viele gute Früchte getragen hätte, jetzt verschwendet werden sollte, in Schwelgerei und Ausschweifungen — wie sie nur dazu diente, das Laster zu erkaufen und der wüstesten Schlemmerei zu fröhnen. Ich war damals noch jung und fühlte einen solchen Abscheu vor mir selbst und meiner ganzen Umgebung, dass ich, wäre ich in England gewesen, wahrscheinlich meinen Fuss nie wieder an Bord eines Kapers gesetzt haben würde.

Beschäftigung hinderte mich übrigens, weiter über die Sache nachzudenken. Die Decken mussten gesäubert, die Leichen über Bord geworfen, das Blut von den weissen Planken gewaschen, die Verwundeten untergebracht, ihre Wunden verbunden und die Beschädigungen am Holz- und Takelwerk ausgebessert werden. Nachdem Alles dies geschehen war, setzten wir die Segel aus, um mit unsrer Prise nach Jamaica zu steuern. Unser Kapitän, der eben so mild und wohlwollend gegen die Besiegten, als tapfer und entschlossen im Gefecht war, gab sich alle Mühe, der Dame ihre Gefangenschaft und ihren Schmerz zu erleichtern. Ihre Kleider, ihre Juwelen und Alles, was ihr gehörte, wurden ihr ungeschmälert aufbewahrt. Er duldete nicht einmal eine Durchsuchung ihrer Koffer und würde ihr sogar sämmtliche persönliche Effekten ihres Gatten gerettet haben, wenn sich nicht die Mannschaft bereits derselben als guter Prise bemächtigt und die Rückerstattung verweigert hätte. Ich schäme mich fast, zu sagen, dass der Degen und die Uhr des Franzosen mir zu Theil geworden waren; rührte es nun von dem Umstand her, dass ich die Waffe trug, oder hatte sie gesehen, wie ich die todbringende Kugel auf ihren Gatten abgefeuert — genug, die Dame drückte stets ihren Abscheu aus, so oft ich in ihre Nähe kam. Ihr Sohn erholte sich langsam von seiner Wunde, und als wir zu Port-Royal anlangten, gestattete der Admiral, ihn nach dem Königlichen Hospital zu bringen; die Mutter aber, die ihn aufs Zärtlichste liebte, begab sich gleichfalls ans Land und blieb in dem Krankenhaus, um ihn zu verpflegen. Ich freute mich über ihre Entfernung, da ich wohl wusste, wie viel sie Ursache hatte, mich zu hassen, und wie mir ihr Anblick stets Gewissensbisse bereiten musste. Sobald wir die nöthigen Ausbesserungen vervollständigt und das Schiff mit Mundvorrath und Wasser versehen hatten, fuhren wir zu einem zweiten Kreuzzug aus, der übrigens, wie sich bald erweisen wird, nicht so glücklich ablief.

Wir kreuzten fünf oder sechs Wochen ohne Erfolg, und unsere Mannschaft begann bereits zu murren, als eines Morgens unsere Boote in der Nähe der Küste von Hispaniola einen kleinen Schooner überraschten.

Ein Neger, der sich unter den Gefangenen befand, machte uns das Anerbieten, er wolle uns nächtlicher Weile durch die Wälder nach dem Hause eines sehr reichen Pflanzers führen, das ungefähr eine Meile von einer kleinen Bai und in einiger Entfernung von den übrigen Pflanzungen liege. Wie er versicherte, stand uns daselbst eine sehr werthvolle Beute bevor; auch stellte er uns ein grosses Lösegeld für den Pflanzer und seine Familie in Aussicht, abgesehen davon, dass wir eine beliebige Anzahl von Negersklaven mit uns fortnehmen könnten.

Unser Kapitän, den der bisherige schlechte Erfolg verdross und dem es noch ausserdem um Ersatz der sehr geschmälerten Mundvorräthe zu thun war, ging auf den Vorschlag des Negers ein und steuerte nach der Bai in der Bucht von Lugan hinunter. Nachdem er in der Dunkelheit eingelaufen, warf er dicht an der Küste Anker, und wir landeten mit vierzig Mann, welche unter der Führung des Negers durch die Wälder nach dem Hause hinzogen. Der Neger wurde mit einem unserer kräftigsten und besten Leute fest zusammengebunden, damit er uns nicht entwische. Es war eine schöne Mondnacht; wir langten bald an dem Hause an, umringten es und brachen uns ohne Gegenwehr Bahn. Nachdem wir uns in den Aussengebäuden der Neger versichert und eine Wache über dieselben gesetzt, ferner auch Vedetten ausgestellt hatten, welche uns im Falle einer Ueberraschung zeitig Nachricht geben sollten, machten wir im Werke der Plünderung fort. Die Familie, aus dem alten Pflanzer, seiner Gattin und seinen drei Töchtern bestehend, von denen zwei sehr schön waren, wurde in einem einzigen Zimmer zusammengesperrt. Keine Worte sind im Stand, ihren Schrecken auszudrücken, als sie sich so plötzlich in der Gewalt eines wilden Haufens sahen, von dessen Rohheit sie alles Schlimme zu befürchten hatten. Auch waren ihre Besorgnisse durch die maslosen Ausschweifungen, welche die Kapermatrosen beim Landen an der Küste zu begehen pflegten, völlig gerechtfertigt, denn da man allgemein dieses Marodir-System als das heilloseste der ganzen modernen Kriegskunst betrachtet, so wird denen, welchen ein Versuch nicht glückt, nie Pardon ertheilt, wesshalb denn auch die Mannschaft eines Kapers bei ihren Unternehmungen vor keiner Grausamkeit zurückschaudert.

Stumm vor Schrecken und Entsetzen sass das alte Paar in der qualvollsten Seelenangst da, während die armen Mädchen, welche weit Schlimmeres als den Tod zu befürchten hatten, unter Thränenströmen dem Kapitän zu Füssen fielen, seine Kniee umarmten und ihn um Schonung wie auch um Schutz gegen seine Leute baten.

Kapitän Wheaterhall, der, wie ich bereits bemerkte, ein edler, menschenfreundlicher Mann war, richtete sie auf, und gab ihnen mit seinem Ehrenworte die Versicherung, dass sie keinen Unglimpf erleiden sollten. Da seine Anwesenheit unter der Mannschaft nöthig war, um ihre weitere Bewegungen zu lenken, so gab er mich, als den Jüngsten und am wenigsten Rohen im ganzen Haufen, den Mädchen als Wache bei, und bedrohte mich mit dem Tode, wenn ich bis zu seiner Rückkehr irgend Jemand in’s Zimmer lasse; auch befahl er mir, meine Schützlinge mit meinem Leben gegen jede Beschimpfung zu vertheidigen. Ich war damals ein enthusiastischer Jüngling, wohlwollenden Herzens und konnte in Vergleich mit der Mehrzahl meiner Genossen als rein betrachtet werden, wesshalb ich das mir vertraute Amt mit Entzücken annahm. Das Herz klopfte mir, dass mir ein so ehrenhafter Dienst übertragen worden war.

Ich bot allen meinen Kräften auf, um den Schreck der Gefangenen zu beschwichtigen und ihre Besorgnisse zu mildern; aber während ich noch in dieser Weise beschäftigt war, erschien ein irischer Matrose, der sogar unter unserer Mannschaft um seines abscheulichen Charakters willen berüchtigt war, an der Thüre und wollte sich den Eingang erzwingen. Ich trat ihm augenblicklich entgegen und hielt ihm die bestimmten Befehle des Kapitäns vor; er aber, der der Frauenzimmer ansichtig geworden war, betheuerte mit einem schrecklichen Fluche, er wolle bald ausfindig machen, ob ein junger Bursch, wie ich, im Stande sei, ihm Widerstand zu leisten, und als er bemerkte, dass ich nicht wich, hieb er mit Wuth auf mich ein. Glücklicherweise hatte ich den Vortheil der Stellung, und durch die Gerechtigkeit meiner Sache gehoben, schlug ich ihn mit Erfolg zurück. Er erneuerte indess den Angriff, und die armen Mädchen sahen mit zitternder Angst dem Ausgang des Kampfes entgegen, von dem aller Wahrscheinlichkeit nach ihr Leben und ihre Ehre abhing. Endlich kam ich schwer in’s Gedränge, denn ich hatte eine Wunde in meinen rechten Arm erhalten, wesshalb ich mit der Linken eine Pistole aus meinem Gürtel zog, sie auf den Unmenschen abfeuerte und ihn in die Schulter verwundete. Also wehrlos gemacht und zugleich voll Furcht, der Knall könnte den Kapitän zurückführen, von dem er wohl wusste, dass er nicht mit sich spielen lasse, zog er sich von der Thüre zurück, aber nicht ohne mir vorher schwere Rache zu geloben. Ich wandte mich sodann an die Mädchen, welche in athemloser Spannung Zeugen des Kampfes gewesen waren und in den Armen des unglücklichen alten Paars lagen; denn Letztere waren gleich beim Beginne des Gefechts herzugeeilt, um den Töchtern ihren nutzlosen Schutz anzubieten. Obgleich zu einer Kapermannschaft gehörig, konnte ich mich doch bei diesem Anblick der Thränen nicht erwehren. Ich versuchte auf’s Neue, sie zu ermuthigen, und erklärte ihnen in der feierlichsten Weise, dass ich im Nothfall für ihren Schutz gern mein Leben einsetzen wolle — eine Versicherung, durch die sie wieder etwas vertrauensvoller wurden. Als die armen Mädchen bemerkten, dass mir aus der erhaltenen Wunde das Blut über die Finger hinunterträufelte, versuchten sie mit ihren Taschentüchern den Strom zu stillen.

Diese Scene wurde jedoch bald durch einen Lärmruf unterbrochen. Wahrscheinlich war es einem Neger gelungen, zu entwischen, und die Umgegend unter Wasser zu bringen. Die Bevölkerung der übrigen Pflanzungen hatte sich versammelt, und da unser Haufen, wie es gewöhnlich beim Plündern der Fall ist, sich sehr unvorsichtig benahm, so waren die Vedetten überrascht worden, so dass diese kaum Zeit gewannen, sich zu flüchten und uns von der Gefahr Meldung zu thun. Es war kein Augenblick zu verlieren, und unser Heil hing blos von einem plötzlichen Rückzug ab. Der Kapitän sammelte eiligst alle seine Leute, und während er noch damit beschäftigt war, den Rückzug zu ordnen, drang der alte Pflanzer, welcher aus dem Knallen der Feuerwaffen wie aus dem Lärm und der Verwirrung aussen wohl errieth, was stattgefunden hatte, in mich, auf seinem Gute zu bleiben, indem er mir vorstellte, unsere Mannschaft müsse nothwendig überwältigt werden, und in einem solchen Falle könne ich mir wohl denken, dass Schonung der Besiegten ausser Frage sei. Er legte seine Finger in Kreuzform und gelobte mir, Pardon für mich zu bewirken; auch solle ich stets mich seines Schutzes und seiner Freundschaft zu erfreuen haben. Ich wies sein Anerbieten zwar freundlich, aber mit Festigkeit zurück, worauf er mit einem Seufzer von mir abliess und keine weiteren Worte mehr verlor. Die alte Dame dagegen steckte mir einen Ring, den sie selbst getragen, an den Finger, küsste mich auf die Stirne und sagte mir, ich solle auf diesen Ring Acht haben und fortfahren, so gut und edel zu handeln, wie ich eben gethan habe.

Da ich keine Zeit hatte, auch nur die dargebotenen Hände der Mädchen anzunehmen, so schwenkte ich blos die meinige und eilte fort, um mich meinen bereits im Rückzug begriffenen Kameraden anzuschliessen, und mit unsern Verfolgern Kugeln zu wechseln. Die Angreifenden bildeten eine grosse Mehrzahl, bestanden aber aus einem Gemisch von Pflanzern, Mulatten und Sklaven, von denen nicht die Hälfte bewaffnet war, so dass wir sie leicht zurückschlugen, so oft es zu einem Kampf in der Nähe kam. Die Unthaten der Kapernmatrosen hatten ihnen jedoch einen so grimmigen Hass eingeflösst, dass sie uns auf den Fersen folgten, ein sehr belästigendes Heckenfeuer unterhielten und uns hinzuhalten suchten, bis wir durch ihre Ueberzahl bewältigt werden könnten: denn da die ganze Gegend aufgeboten war, so strömten mit jeder Minute neue Massen hinzu. Unser Kapitän, der dies wohl bemerkte, beschleunigte den Rückzug so viel möglich, ohne übrigens die Ordnung aufzugeben, und wir eilten nach der Stelle, wo unsere Boote lagen, da jedes Entrinnen unmöglich war, sobald wir von diesen abgeschnitten wurden. Aber ungeachtet der Sorgfalt unseres Führers wurden doch mehrere der Unsrigen durch die Irrgewinde des Waldes oder durch erhaltene Wunden, welche es ihnen unmöglich machten, gleichen Schritt mit uns zu halten, von uns getrennt. Nachdem wir viele Angriffe, die sich jedesmal mit erneuertem Nachdruck wiederholten, abgeschlagen hatten, erreichten wir endlich unsere Boote, schifften uns mit der grössten Eile ein, und steuerten nach unserem Schooner. Durch unsere Flucht ermuthigt, strömten die Feinde in grossen Haufen an’s Ufer herunter, und wir mussten voll bitteren Ingrimms mit anhören, wie unsere Nachzügler, die in Gefangenschaft gerathen waren, um Gnade flehten; ihr Stöhnen aber und die darauf folgende Stille belehrten uns zur Genüge, dass ihnen Schonung versagt worden war.

Kapitän Weatherall war so wüthend über den Verlust der Leute, dass er Befehl ertheilte, wir sollten zurückrudern und den Feind an der Küste angreifen; wir fuhren aber ohne Rücksicht auf seine Bitten und Drohungen fort, auf den Schooner abzuheben. Ein panischer Schrecken hatte uns Alle ergriffen, und es war auch kein Wunder. Ja, wir scheuten sogar das schlecht gezielte, unregelmässige Feuer, das sie wegen uns unterhielten, obschon es unter anderen Umständen uns nur lachen gemacht haben würde. Der Schooner lag blos ein paar hundert Ellen von der Küste ab und wir befanden uns bald an Bord. Das Feuer vom Ufer aus machte fort, aber die Kugeln flogen über uns hin. Wir setzten eine Springe auf unsere Kabel, warpten die Breitseite gegen die Küste, luden jede Kanone mit Kartätschen, und begrüssten unsere Angreifer mit einer vollen Salve. Das darauf folgende Geschrei und Aechzen belehrte uns, dass die Wirkung furchtbar gewesen sein musste. Die Matrosen wollten auf’s Neue laden und abermals Feuer geben; der Kapitän jedoch verbot dies mit den Worten: „wir haben schon zu viel gethan.“ Ich dachte das Gleiche. Er ertheilte sodann Befehl, den Anker zu lichten, und von einer steifen Landbrise getragen, hatten wir bald diesen unglückseligen Ort weit im Rücken.

Zweites Kapitel.

Wir werden von zwei Kaperschoonern verfolgt, und da es uns nicht gelingt, ihnen zu entwischen, kommt es zu einem surchtbaren Kampf. — Drei Akte eines mörderischen See Dramas. — Wir ziehen den Kürzern. — Kapitän Weatherall fällt. — Ich werde geplündert und verwundet.

Ungefähr sechs Wochen nach der im vorigen Kapitel geschriebenen Unglücksgeschichte traf uns ein noch grösseres Missgeschick. Wir hatten vor dem spanischen Festland gekreuzt und mehrere Prisen genommen. Kurz nachdem wir die letzte derselben bemannt und fortgeschickt hatten, brach eine steife Bö los, und da die Rache damals gerade in Ufernähe lag, so sahen wir uns genöthigt, alles erforderliche Tuch auszuspannen, um vom Lande abzukommen. Wir mühten uns die ganze Nacht durch ab; als aber gegen Tagesanbruch der Sturm sich einigermassen legte, fanden wir, dass wir wegen der Strömung nicht viel hohe See gewonnen hatten. Noch wichtiger für uns war übrigens die Entdeckung des Auslugers auf der Stengenspitze, welcher zwei Segel ankündigte. Die Matrosen wurden unverweilt aufgeboten, um darauf Jagd zu machen; wir mussten aber bald finden, dass die beiden Fahrzeuge entschlossen auf uns abhielten, und als wir denselben näher kamen, stellte sich heraus, dass es zwei Kriegsschiffe waren. Eines davon kannten wir wohl — es war die Espérance, ein französischer Kaperschooner mit sechszehn Kanonen und 120 Mann; das andere erwies sich als einen spanischen Kaper, der in Gesellschaft mit dem Franzosen kreuzte und bei achtzehn Stück Geschütz eine volle Bemannung hatte.

Unsere ursprüngliche Anzahl hatte aus mehr als hundert Köpfen bestanden, die übrigens durch Todesfälle, schwere Verwundungen und Bemannung unserer Prisen auf fünfundfünfzig kampftüchtiger Leute zusammengeschmolzen waren. Einer so weit überlegenen Streitkraft gegenüber boten wir aller unserer Segel und Ruderkraft auf, um zu entwischen; da aber das Land leewärts von uns lag, und der Feind windwärts stand, so war dies unmöglich. Aus der Noth eine Tugend machend, nahmen wir also die Sache wie wir mussten, und schickten uns zu dem verzweifelt ungleichen Kampfe an.

Kapitän Weatherall, der das Leben und die Seele seiner Mannschaft war, liess es in solcher Bedrängniss an nichts fehlen. Mit der grössten Ruhe und Unerschrockenheit ertheilte er Befehl, alle kleinen Segel einzuziehen, und erwartete die Ankunft des Feindes. Sobald alles zum Gefecht bereit war, versammelte er die gesammte Mannschaft im Hinterschiff und gab sich Mühe, uns das gleiche Feuer einzuflössen, das ihn selbst beseelte. Er erinnerte uns daran, wie oft wir über viel stärkere Schiffe, als unser eigenes war, den Sieg davon getragen — dass wir den französischen Kaper bereits bei einer früheren Gelegenheit abgeschlagen, dass der Spanier durchaus nicht in Betracht komme, als wenn es gelte, die Verdienste des Doppelsiegs zu erhöhen, und dass unsere Stutzsäbel bald unsere Ueberlegenheit beweisen würden, wenn es einmal zum Handgemenge käme. Zugleich machte er uns darauf aufmerksam, dass unser Heil blos von unserer Mannhaftigkeit abhänge; denn wir hätten die Küste so schwer misshandelt und unser kürzlicher Angriff auf die Pflanzung werde in einem so gehässigen Lichte betrachtet, dass wir im Fall der Niederlage durchaus nicht auf Schonung zählen dürften. Dagegen könne er uns, wenn wir uns wacker hielten und wie Männer kämpften, einen sichern Sieg versprechen. Die Matrosen hatten so grosses Vertrauen in den Kapitän, dass seine Anrede mit drei Hurrah’s erwiedert wurde; dann kommandirte er uns auf unsere Posten, liess das St. Georgs-Wimpel nach der Stengenspitze des Hauptmastes aufziehen und legte für den Feind bei.

Der französische Schooner war der erste, der Seite gegen Seite neben uns auffuhr; er steuerte unter leichtem Winde nach uns herunter. Der Kapitän breiete uns zu, dass sein Schiff die Espérance sei, worauf unser Kapitän erwiederte, man melde ihm nichts Unbekanntes; auch ihnen werde bekannt sein, dass sein Schooner die Rache sei. Der französische Kapitän, welcher beigelegt hatte, antwortete sehr höflich, er wisse wohl mit welchem Schiff er zu thun habe; auch sei ihm die Tapferkeit und der ausgezeichnete Ruf des Kapitäns Weatherall nichts Neues. Unser Kapitän, der auf dem Schanddeck stand, nahm zu Anerkennung dieses Kompliments den Hut ab.

Kapitän Weatherall war also bekannt, und die beiden Schiffe konnten deshalb wohl wissen, dass sie einen scharfen Widerstand zu befahren hatten, den sie füglicherweise vermeiden konnten; denn wenn sie auch siegten, so konnten sie nichts als einen grossen Verlust an Mannschaft erholen. Der französische Kapitän redete daher Kapitän Weatherall abermals an und drückte seine Hoffnung aus, nun er einen so weit überlegenen Feind vor sich habe, werde er sich wohl auf keinen nutzlosen Widerstand einlassen wollen; unter obwaltenden Umständen könne ihm die Uebergabe nicht zur Schande gereichen, und da er dadurch das Leben vieler seiner tapferen Leute schone, so werde ihn seine bekannte Menschlichkeit wohl veranlassen, die Flagge zu streichen.

Dieses Ansinnen wies unser Befehlshaber mit ritterlicher Entschiedenheit zurück. Die Schiffe lagen jetzt so nahe beisammen, dass man einen Zwieback von einem Bord an den andern hätte werfen können. Es folgten nun noch weitere wohlgemeinte Vorstellungen, welche anhielten, bis das spanische Schiff in kurzer Entfernung von unserem Sterne stand.

„Ihr seht unsere Ueberlegenheit,“ sagte der französische Kapitän. „Versucht nicht den Kampf gegen das Unmögliche, sondern schont das Leben Eurer tapfern Leute, die Ihr andernfalls nutzlos in den Tod jagt.“

„Um Eure freundliche Gesinnung gegen mich zu erwidern,“ entgegnete der Kapitän Weatherall, „biete ich euch beiden Pardon an; auch will ich alles Privateigenthum respektiren, wenn Ihr unverweilt Eure Flagge streicht.

„Seid Ihr von Sinnen, Kapitän Weatherall?“ rief der französische Kapitän.

„Ihr gebt zu, dass ich mein Leben als ein Tapferer verbracht habe,“ versetzte Kapitän Weatherall, „und deshalb will ich Euch zeigen, dass ich Euch besiegen oder im Nothfalle auch als ein Tapferer sterben kann. Wohlan, zum Gefecht! Höflichkeitshalber biete ich Euch die erste Salve an.“

„Unmöglich,“ entgegnete der französische Kapitän, indem er seinen Hut abnahm.

Unser Kapitän erwiderte den Gruss, worauf er über das Schanddeck hinunterglitt und Befehl zu Füllung der Segel ertheilte. Nachdem er dem Franzosen eine Minute Zeit zur Vorbereitung gelassen, feuerte er das Gewehr, das er in der Hand hielt, in die Luft und gab damit das Zeichen zum Beginn des Gefechts. Wir eröffneten unverzüglich das Werk des Todes, indem wir eine Breitseite donnern liessen. Das Kompliment wurde in demselben Geiste erwidert, und mehrere Minuten lang dauerte die Kanonade wüthend fort; mittlerweile aber fuhr der Spanier, der sein Takelwerk voll Mannschaft hatte, an unserer Leevierung auf, um zu entern. Wir klappten unser Steuer luvwärts und holten unsere Fockschoten in den Wind, so dass wir quer von seiner Klüse abfielen und ihn vorn und hinten mit mehreren vollen Lagen bestreichen konnten. Unsere Kanonen waren mit Kartätschen und Bleikugeln geladen; da nun die Mannschaft des Spaniers vorn zu Hauf stand, um zu uns an Bord springen zu können, so gewann jetzt sein Deck ganz das Aussehen eines Schlachthauses. Die Offiziere bemühten sich vergeblich, ihre Leute zu ermuthigen; denn diese waren durch das Gemetzel so eingeschüchtert, dass sie, statt es auf unsere Decken abzuheben, sogar ihrer eigenen vergassen. Der Franzose bemerkte die Noth und Bestürzung seines Kameraden, weshalb er, um demselben Gelegenheit zu geben, sich aus seiner gefährlichen Lage zu winden, sein Steuer leewärts stellte, zu uns an Bord lief, und seine Leute über uns ausgoss; wir waren übrigens gut vorbereitet und hatten unsere Decken bald von den Eindringlingen gesäubert. Mittlerweile war der Spanier, dessen Bugspriet sich in unser Takelwerk verwirrt hatte, durch Kappen des letzteren wieder losgekommen, und fiel leewärts ab. Als der Franzose dies bemerkte, schor er ab, lief in den Wind und schoss uns voraus. Dies war der erste Akt dieses schrecklichen Drama’s. Bis jetzt hatten wir noch wenig Schaden erlitten, da wir durch die Ungeschicklichkeit des Feindes sowohl, als durch unser eigenes gutes Glück in die Lage gesetzt worden waren, die unvortheilhafte Lage unserer Gegner in bester Weise zu benützen.

Aber trotz der Ermuthigung, welche nothwendigerweise aus einem so günstigen Anfang quoll, waren wir doch in Mannschaft so sehr verkürzt, dass es unser Kapitän für Pflicht hielt, alle Segel auszubreiten und zu versuchen, ob es ihm nicht gelinge, den ungleichen Kampf zu vermeiden. Diesem widersetzten sich indess unsre Feinde durch die wüthendste Kanonade, die wir in einem rennenden Gefecht muthig entgegennahmen und erwiderten, bis uns zuletzt Fockraa und Fockstenge weggeschossen waren, so dass wir das Fahrzeug nicht länger in unserer Gewalt hatten. Aber obgleich wir bei unserem verkrüppelten Zustande an ein Entkommen nicht weiter denken konnten, machten wir doch unausgesetzt mit Feuern fort, und die beiden Schiffe trafen auf’s Neue Vorbereitungen zum Entern, während wir unsrerseits uns anschickten, sie warm zu bewillkommen.

Den Franzosen kannten wir als unsern schlimmsten Gegner, und da wir wussten, dass er uns auf dem Luvbuge entern musste, so brachten wir vier von unseren bis an die Mündung mit Musketenkugeln geladenen Kanonen auf die andere Seite, um diesen Feind zu empfangen; auch standen unsere Leute mit Handgranaten bereit und erwarteten den Angriff. Die Mannschaft der Esperance hing wie ein Bienenschwarm sprungfertig im Tackelwerk, und als das Fahrzeug gegen unsere Buge herunterkam, krachte unser Geschütz, ein schreckliches Gemetzel verbreitend. Die Matrosen wichen zurück, stürzten über die Getödteten oder Verwundeten, und der französische Kapitän, der wirklich ein trefflicher Krieger war, musste aller seiner Tapferkeit aufbieten, um durch sein Vorbild den Rest seiner Mannschaft zu ermuthigen. Dies gelang ihm endlich und ungefähr vierzig gelangten auf unser Vorderkastell, von dem sie unser schwaches Häuflein verdrängten. Ohne übrigens ihren Erfolg weiter zu benützen, behaupteten sie blos ihre Eroberung, denn sie wollten augenscheinlich abwarten, bis sie durch das Entern des Spaniers auf unserer Leevierung unterstützt würden, weil wir dann zwischen zwei Feuer gebracht werden konnten, und unsere kleine Streitmacht sich theilen musste. Mittlerweile hatte sich der Wind, der bisher nur leicht gewesen, fast zu völliger Windstille gelegt, und eine Schwelle auf der See trennte die beiden Schiffe. Der Spanier, welcher unserem Lee gegenüber stand, hatte nur wenig Steuergang und nicht Luv genug, so dass er uns nicht einholen konnte, sondern abfiel und leewärts trifftete. Die Franzosen an unserem Bord, welche unser Vorderkastell besetzt hielten, konnten wegen der trennenden Meeresschwelle von ihrem eigenen Schiff keinen Beistand erhalten, und von dem leewärts stehenden Spanier hatten sie noch weniger zu hoffen; wir warfen daher unter dreimaligem Hurrahruf eine Anzahl von Handgranaten unter sie, rannten mit unsern Halbpiken an, und richteten ein furchtbares Gemetzel an. Von den über Bord Getriebenen entkam nur ein Einziger, der mit verwundetem Dickbein nach seinem Schiff zurückschwamm. Jetzt trat eine Pause in dem Kampf ein — Ende des zweiten Akts.

Bisher war das Gefecht mit entschlossener Tapferkeit geführt worden, aber nach diesem Handgemenge und dem Gemetzel, mit welchem es endigte, schienen beide Theile zu einer wahren Tigerwuth gestachelt zu sein. Unsere zwei Gegner begannen nun aufs Neue mit einer eigentlichen Höllenkanonade, die wir mit gleichem Ingrimme erwiderten; aber es war jetzt eine todte Windstille eingetreten, und die Schiffe rollten mit der Schwellung so sehr, dass die Geschütze nicht mit Sicherheit abgefeuert werden konnten. Wir kamen allmählig mehr und mehr von unsern Feinden ab, und die Kanonade beschränkte sich zuletzt nur noch auf einzelne Schüsse. Während dieses theilweisen Nachlassens waren sich unsere Gegner näher gekommen, standen aber in beträchtlicher Entfernung von uns. Wir bemerkten nun, dass der Spanier zwei stark bemannte Boote aussandte, um den schweren Verlust, welchen sein Kamerad erlitten, wieder auszufüllen. Kapitän Weatherall liess jetzt die breiten Ruder ausstreichen, und wir drehten ihm unsere Breitseite zu, indem wir zugleich versuchten, die Boote auf ihrem Weg zu dem andern Schiffe in den Grund zu schiessen. Zwei oder dreimal geschah dies vergeblich; aber endlich traf eine Kugel, welche das erste der Boote dermassen zerschmetterte, dass es sich augenblicklich füllte und untersank. Das zweite Boot ruderte nun heran und suchte die Mannschaft zu retten; aber wir begrüssten auch dieses mit scharfen Lagen, und die fliegenden Kugeln schüchterten das Bootsvolk so sehr ein, dass es sein Heil im Zurückrudern nach dem Schiffe suchte, und die versinkenden Kameraden ihrem Schicksale überliess. Nachdem dieser Versuch fehlgeschlagen hatte, nahmen die beiden Schiffe ihr Feuer gegen uns wieder auf; da jedoch die Entfernung und das Schwellen der See kein sicheres Ziel gestatteten, so liessen sie zuletzt wieder nach und warteten, bis eine aufspringende Brise sie in den Stand setzen würde, den Kampf mit besserem Erfolge zu erneuern.

Es war jetzt ungefähr 11 Uhr Vormittags, und das Gefecht hatte gegen fünf Stunden gedauert. Wir nahmen nach der Anstrengung, der wir uns unterzogen, Erfrischungen ein, und trafen alle erforderlichen Vorbereitungen zur Wiederaufnahme des Kampfs. Die Thätigkeit hatte uns so aufgeregt, dass wir uns keinen Augenblick Zeit zum Denken liessen; nun aber, in den Augenblicken der beschäftigungslosen Ruhe gewannen wir Musse, über unsere Lage Betrachtungen anzustellen, welche aber nicht zu den wünschenswerthesten Ergebnissen führte. Wir waren von der übermässigen Anstrengung erschöpft, und das Bewusstsein unserer Schwäche machte uns kleinmüthig. Unsere besten Leute waren gefallen oder ächzten unter schweren Wunden; auch wussten wir, wie weit uns der Feind überlegen war, und da sie nach so furchtbarem Gemetzel noch immer Stand hielten, so konnten wir uns wohl denken, dass wir es mit einem tapferen, entschlossenen Gegner zu thun hatten. Das Glück und die überlegene Seemannskunst unseres Kapitäns waren uns zwar bis jetzt im Kampfe sehr zu statten gekommen; ersteres aber konnte recht wohl umschlagen, und unsere Mannschaft war bereits so geschmälert, dass wir, wenn der Feind entschlossen auf Fortsetzung des Kampfes beharrte, nothwendig überwältigt werden mussten. Unser wackerer Kapitän bemerkte die herrschende Zaghaftigkeit und gab sich alle Mühe, sie durch Rede und Beispiel zu bannen. Nachdem er den entschlossenen Muth, den wir bereits gezeigt, gelobt hatte, machte er uns darauf aufmerksam, dass, ungeachtet der Tapferkeit der feindlichen Offiziere, augenscheinlich doch die Soldaten an Bord der gegnerischen Schiffe durch ihr bisheriges Missgeschick und die erlittenen schweren Verluste eingeschüchtert seien; wenn daher ein abermaliger Enterversuch fehlschlage — und er setze in einen derartigen Erfolg nicht den mindesten Zweifel — so werde keine Ueberredungskunst im Stande sein, sie zu einem weiteren zu spornen, und es sei vorauszusehen, dass die feindlichen Kapitäne den nutzlosen Kampf aufgeben würden. Mit einem feierlichen Eide erklärte er, so lange er noch lebe, solle die Flagge nicht gestrichen werden; auch möchte er wissen, wer unter uns so niedrigen Sinnes sei, um nicht auf Tod und Leben bei seiner Farbe aushalten zu wollen. Seine Rede wurde abermals mit drei Hurrahs begrüsst; aber unsere Zahl war sehr gemindert, und der Ruf in Vergleichung mit dem früheren nur schwach, obschon er entschlossen genug klang, denn es war bei uns entschieden, dass wir unserem edeln Kapitän und unserer Flagge keine Schande machen wollten. Kapitän Weatherall sorgte dafür, dass diese Gefühle nicht wieder erschlafften, und liess reichlich Grog austheilen; auch nagelte er auf unser Verlangen die Flagge an den Mast, und wir sahen mit Ungeduld einer Erneuerung des Kampfes entgegen. Um vier Uhr Nachmittags sprang eine Brise auf. Die feindlichen Schiffe ordneten ihr Segelwerk und näherten sich uns schnell — allerdings nicht in der zierlichen Takelung, wie am Morgen, aber augenscheinlich mit der entschlossendsten Haltung. Langsam und stumm schlugen sie sich durchs Wasser. Kein Schuss fiel; aber die gähnenden Kanonenmündungen und die regungslose Haltung der Matrosen auf ihren Posten waren inhaltsvolle Vorzeichen des schweren Kampfes, welcher das seitherige scharfe Ringen um den Sieg zur Entscheidung bringen sollte. Sobald sie sich uns auf halbe Kabelslänge genähert hatten, begrüssten wir sie mit drei Hurrahs; sie erwiederten unsern trotzigen Ruf, fuhren beiderseits vor uns auf, und das Gefecht begann mit neuer Bitterkeit.

Der Franzose wollte sich diesmal nicht bei uns an Bord legen, bis er sich überzeugt hatte, dass von Seiten des Spaniers leewärts geentert war — er fuhr fort windwärts zu luven, und uns mit vollen Lagen zu bearbeiten, bis der Spanier mit uns im Handgemenge stand; dann erst fuhr er herab und legte sein Schanddeck gegen unsern Bug. Der Spanier hatte uns bereits auf der Windvierung geentert, und wir waren eben mit Abwehr dieses Angriffs beschäftigt, als uns der Franzose in dieser Weise zu Leib ging. Es war ein Kampf der Verzweiflung. Unsere Picken verliehen uns einen solchen Vortheil über die Stutzsäbel und Messer der Spanier, dass sie zurückwichen. Durch den verzweifelten Widerstand, den sie trafen, eingeschüchtert, verliessen sie unsere Decken, die sie mit ihren todten und sterbenden Kameraden bestreuten, und flüchteten sich in grosser Verwirrung nach ihrem Schiffe. Aber ehe es so weit gekommen war, hatte uns der Franzose auf dem Luvbug geentert. Seine Mannschaft trieb die paar Leute, die wir ihr hatten entgegen schicken können, vor sich her; gewann unser Hauptdeck und brach sich gegen das Halbdeck hin Bahn, wo jetzt all unser noch übriges diensttüchtiges Volk versammelt war. Es kam zu einem verzweifelten Gefecht; aber nach einiger Zeit schienen unsere Picken und der Vortheil unserer Stellung über die Mehrzahl die Oberhand zu gewinnen. Wir trieben die Franzosen vor uns her, und hatten schon das Hauptdeck wieder erobert, als unser tapferer Befehlshaber, der an unserer Spitze stand, und uns allen seinen Muth eingeflösst hatte, einen Schuss durch’s rechte Handgelenk erhielt. Er fasste seinen Degen mit der Linken und drang unter Ermunterungsrufen noch immer vorwärts — aber jetzt traf ihn eine Kugel in die Brust und er brach todt zusammen. Mit seinem Falle sank auch die Tapferkeit und der lange aufrecht erhaltene Muth seiner Mannschaft. Um das Unglück zu vervollständigen, wurden auch einige Sekunden nach dem Oberbefehlshaber der Lieutenant und die beiden noch übrigen Offiziere von ihrem Geschick ereilt. Bestürzt und erschreckt hielten die Matrosen in ihrer Siegesbahn inne und sahen sich verwirrt nach einem Führer um. Die Franzosen, die sich nach dem Vorderkastell zurückgezogen hatten, bemerkten jetzt unsere Bestürzung und erneuerten den Angriff. Die noch übrigen Wenigen wurden von panischem Schrecken ergriffen, und warfen die Waffen weg; wir baten um Pardon, während noch einen Augenblick früher der Sieg in unsern Händen war — so das Ende unseres blutigen Drama’s.

Von fünfundfünfzig Leuten waren zweiundzwanzig in diesem mörderischen Kampfe gefallen und fast alle Ueberlebenden auf den Tod oder doch sonst schwer verwundet. Die meisten hatten sich nach dem Ruf um Pardon durch die Lucke hinuntergeflüchtet, um den Säbeln der wüthenden Sieger auszuweichen. Ich und ungefähr acht Andere, die an der Lucke vorbeigetrieben worden, warfen nun gleichfalls die Waffen weg und baten um Schonung, ohne jedoch der Hoffnung, dass sie uns erwiesen werden könnte, Raum zu geben. Unsere Feinde wollten Anfangs nichts von Pardon wissen, sondern hieben mehrere unserer entwaffneten Leute in Stücke. Als ich dies bemerkte, kletterte ich auf das Schanddeck, um über Bord zu springen, weil ich hoffte, ich könnte nach geendigtem Gemetzel wieder aufgelesen werden; aber jetzt kam ein französischer Lieutenant heran, der uns schützte und den kleinen Ueberrest unserer Mannschaft der Wuth seiner Leute entriss. Freilich war unser Leben das Einzige, was wir diesem Schutze dankten, denn wir wurden unverweilt ausgezogen, und ohne Erbarmen geplündert. Alles, was ich besass, kam in die Hände der Feinde; die Uhr, der Ring und der Degen, die ich dem tapfern Franzosen abgenommen hatte, waren mir bald entrissen, und weil ich mich nicht so schnell entkleidete, als es ein Mulattenmatrose gern wünschte, so versetzte mir dieser mit dem Pistolenschaft einen Schlag unter das linke Ohr, so dass ich in die Lucke, neben welcher ich stand, hinunterstürzte und besinnungslos liegen blieb.

Drittes Kapitel.

Wir werden an Bord des Rache eingesendet und mit grosser Grausamkeit behandelt — später durch einen Kaper wieder genommen und an den Franzosen gerächt. — Ich komme nach dem Hospital in Port Royal, wo ich die französische Dame wieder treffe. — Ihre wilde Freude über meinen Zustand. — Sie wird von einem meiner Kameraden gezüchtigt.

Als ich wieder zur Besinnung kam, lag ich vollkommen nackt auf dem Boden und litt schwere Schmerzen. Mein rechter Arm war zerbrochen, und durch den Sturz meine Schulter sehr beschädigt; auch hatte ich während des Gefechts drei Säbelhiebe erhalten, und in Folge davon so viel Blut verloren, dass ich nicht Kraft genug besass, um mich aufzurichten oder irgend etwas für mich zu thun. Aechzend lag ich auf dem Ballast des Schiffs und machte mir von Zeit zu Zeit Gedanken über die Erlebnisse des Kampfs, über den Tod unseres wackern Führers, über den Verlust unseres Schiffs, über das traurige Geschick so vieler meiner Kameraden, und über unsere Gefangenschaft. Nach einiger Zeit kam in Folge Befehls von Seiten des französischen Kommandeurs der Wundarzt herunter, um nach meinen Verletzungen zu sehen. Er behandelte mich mit der grössten Grausamkeit, und als er mein zerbrochenes Glied umherzerrte, konnte ich mich des Schmerzrufes nicht erwehren. Er zwang mich jedoch durch Schläge und Flüche zum Schweigen, indem er zugleich den artigen Wunsch beifügte, wenn ich doch lieber meinen schurkischen Hals gebrochen hätte, als dass er da bemüht werden müsse, zu mir herunter zu kommen und mich zu verbinden. Indess erfüllte er doch diese Pflicht aus Furcht vor seinem Kapitän, von dem er wohl wusste, dass er nicht säumen würde, die Runde zu machen, um nachzusehen, ob seine Befehle vollzogen seien; ehe er mich aber verliess, versetzte er mir noch zum Andenken einen Stoss in die Rippen. Bald nachher trennten sich die Schiffe. Vier von uns, die am schwersten verwundet waren, wurden in der Rache gelassen, welche einen Offizier und zwanzig Franzosen zur Bemannung erhielt. Sie hatten die Weisung, die Prise nach Port-au-Paix zu bringen. Unsere übrigen Leute kamen an Bord des französischen Kapers, welcher mit denselben weiter segelte, um ein gewinnreicheres Abenteuer aufzusuchen.

Etwa eine Stunde, nachdem unser Schiff unter Segel gebracht worden war, blickte der Offizier, der das Kommando führte, durch die Lucke hinunter, und als er meinen kläglichen nackten Zustand bemerkte, warf er mir ein paar Hosen zu, welche seinen Leuten zu schlecht gewesen waren; desgleichen fand ich im Schiffsraum ein zerlumptes gestreiftes Hemd. Aus diesen zwei Kleidungsstücken nebst einem Stückchen alten Taus, welches ich als Schlinge für meinen zerbrochenen Arm um den Hals trag, bestand meine ganze Garderobe. Abends half ich mir nach dem Deck hinauf, um mich in der Luft ein wenig zu erholen. Der Seewind kühlte meinen fiebrischen Leib und stellte mich einigermassen her.

In diesem Zustand verblieben wir mehrere Tage — gequält von Schmerz, vielleicht aber noch mehr durch die Unverschämtheit und Prahlsucht der Franzosen, die ihres Triumphirens und Selbstlobens kein Ende wussten. Unter denen, welche der Prise zugetheilt waren, befanden sich Zwei, von denen der Eine meine Uhr, der Andere meinen Ring hatte; der Erstere pflegte mir seine Beute grinsend vorzuhalten und mich zu fragen, ob Monsieur zu wissen wünsche, wie viel Uhr es sei, während der Andere mit dem Ringe Parade machte und mir bedeutete, sein Liebchen werde ihn ganz besonders schätzen, wenn sie erfahre, dass er einem besiegten Engländer abgenommen worden sei. So ging es jeden Tag, und ich musste ihre Stichelreden hinnehmen, ohne dass ich ein Wort der Erwiederung wagen durfte.

Am eilften Tage nach unserer Niederlage, als wir bereits in der Nähe von Port-au-Paix standen und noch vor Einbruch der Nacht Anker werfen zu können glaubten, bemerkten wir eine grosse Hast und Verwirrung auf dem Deck. Die Franzosen zogen augenscheinlich alles nur thunliche Tuch auf, und als wir sie bald nachher ihre Sternkanonen abfeuern hörten, wurde uns klar, dass unser Schiff einen Verfolger gefunden hatte. Entzückt über die Aussicht einer baldigen Erlösung brachen wir in ein dreimaliges Hurrah aus. Die Franzosen drohten uns zwar von dem Deck aus mit einem Kugelgrusse; aber wir wussten wohl, dass sie dies nicht wagen durften, weil die Rache im Gefecht so verkrüppelt worden war, dass sie unmöglich so viele Segel aufbringen konnten, um ein Entkommen möglich zu machen. Da ausserdem ihre Bemannung an Bord viel zu schwach war, um im Falle des Eingeholtwerdens Widerstand leisten zu können, so kehrten wir uns nicht an ihr Drohen, sondern fuhren in unserem Jubel fort. Endlich hörten wir Kanonen abfeuern und die Kugeln über dem Schiff hinzischen, während zugleich ein Paar in unseren Rumpf einschlugen. Bald nachher traf uns eine volle Lage, und die Franzosen strichen jetzt die Flagge. Wir gewannen dadurch die Befriedigung, dass alle diese Prahlhanse in den Raum hinunter getrieben wurden, um unsere Plätze einzunehmen. Jetzt kam an sie die Reihe, niedergeschlagen und kleinmüthig zu sein, während wir uns dem Uebermaasse unserer Freude hingaben. Der Stiel wurde sofort umgedreht und wir nahmen uns die Freiheit, unsre Kleider und unsre sonstigen Habseligkeiten, die sie auf dem Leib oder in ihren Taschen trugen, wieder an uns zu bringen. Ich muss gestehen, dass wir ihnen keine Schonung widerfahren liessen.

„Wie viel Uhr ist’s, Monsieur?“ sagte ich zu dem Kerl, der meine Uhr hatte.

„Zu Euern Diensten, Sir,“ versetzte er, indem er de- und wehmüthig das fragliche Instrument herauszog und es mir einhändigte.

„Danke schön,“ entgegnete ich, die Uhr in Empfang nehmend und ihn mit einem Fusstritt vor den Magen begrüssend, so dass er einknickte und sich im Halbkreis drehte. Ich versetzte ihm sodann einen andern Tritt auf sein Hintertheil, um ihn wieder zu strecken.

„Der Ring, Monsieur, der Eurem Liebchen so werth sein wird?“

„Hier ist er,“ erwiederte der Mensch mit kriechender Geberde.

„Danke, Sir,“ versetzte ich, ihn mit demselben Doppelstoss bekomplimentirend, mit welchem ich seinen Kameraden beehrt hatte. „Sagt Eurem Liebchen, ich schicke ihr dies,“ rief ich, „das heisst wenn Ihr je wieder zu der Mamsell zurückkommt.“

„Hör, Bruder,“ rief Einer unserer Leute, „ich möchte dich um die Jacke bemühen, die du mir letzthin abgeborgt hast. Zum Entgelt dafür magst du in diese paar eiserne Strumpfbänder schlüpfen (er hielt ihm dabei die Fussschellen hin), die du um meinetwillen tragen musst. Ich denke, sie werden dir gut passen.“

„Monsieur,“ rief ein Anderer, „meine Perücke da passt nicht zu deiner Hautfarbe; du musst also wohl so gut sein, sie mir zurückzugeben. ’s wäre Schade, wenn ein Gesicht, wie das deinige, durch solche Locken entstellt würde. Und weil du doch eben daran bist, so werde ichs dir Dank wissen, wenn du dich ganz und gar auskleidest. Ich denke deine Gewandung wird mir passen, denn sie ist ohnehin viel zu hell für einen Gefangenen.“

„Durch Eure Menschenfreundlichkeit blieb ich kürzlich nackt liegen,“ sagte ich zu einem Andern, der gut und schmuck herausgeputzt war. „Ihr werdet so gut sein, Euch bis auf die Haut abzustreifen, oder wenn ich hinter Euch komme, soll Euch nicht einmal die Haut übrig bleiben.“

Und ich begann mit meinem Messer seine Ohren zu bearbeiten, als ob ich im Begriff sei, meinen Worten Kraft zu geben.

Dieser Zug fiel für mich doppelt glücklich aus, denn ich fand in seinem Gurt ungefähr zwanzig Dublonen. Er hätte sich sein Geld gar gerne gerettet, und hielt damit zäh an sich; aber nachdem ich ihm mein Messer einen halben Zoll tief in die Seite gesteckt hatte, überantwortete er mir die Prise. Sobald wir die Franzosen ausgeplündert und alle ihre Kleider an uns gebracht hatten, begannen wir sie mit Fusstritten zu bearbeiten, ein Geschäft, welches wir eine halbe Stunde lang mit so eifriger Wirksamkeit verfolgten, dass sie alle zu Hauf stöhnend auf dem Ballast liegen blieben. Dann verfügten wir uns nach dem Deck hinauf.

Der Kaper, welcher uns wieder genommen hatte, war der Held von New Providence. Die Franzosen wurden herausgenommen und einige unserer Landsleute auf die Rache gesetzt, um uns nach Port Royal zu bringen; denn da wir verwundet waren und nicht Lust hattten uns der Mannschaft des Helden anzuschliessen, so durften wir an Bord bleiben. Zu Port Royal angelangt, wurde uns gestattet, uns in dem königlichen Hospital ausheilen zu lassen. Als ich nach dem mir zugewiesenen Saale die Treppe hinaufging, traf ich auf die französische Dame, deren Gatten ich getödtet hatte, und die ihren noch immer kranken Sohn in dem Hospital verpflegte. Trotz meines sehr veränderten Aussehens erkannte sie mich augenblicklich wieder, und wie sie meine Blässe und Abgezehrtheit, wie auch den Arm in der Schlinge bemerkte, fiel sie auf die Knie nieder, um mit lauter Stimme Gott zu danken, dass er einen Theil des Elendes, welches wir über sie gebracht, unsern eigenen Häuptern zugewendet habe. Sie war höchlich entzückt, als sie vernahm, wie Viele der Unsrigen in dem mörderischen Kampfe erschlagen wurden, und freute sich sogar über den Tod des armen Kapitän Weatherall, was ich für sehr unchristlich hielt, da derselbe sich aufs Wohlwollendste und Rücksichtsvollste gegen sie benommen hatte.

Es fügte sich, dass ich nicht nur in denselben Saal, sondern auch neben ihren Sohn zu liegen kam; denn ich musste das Bett suchen, da mir die freudige Aufregung über die Wiedereroberung unseres Schiffs und die Anstrengung, welche mich die Zerarbeitung der Franzosen gekostet hatte, schlecht bekommen waren. In Folge davon erlag ich einem Fieber, das mir bitter zusetzte; die Frauensperson aber freute sich über meinen Schmerz und verhöhnte mein Stöhnen, bis ihr endlich der Wundarzt bedeutete, sie habe es als grosse Gunst zu betrachten, dass ihr Sohn, statt in’s Gefängniss, nach dem Hospital gebracht worden sei; wenn sie sich daher nicht schicklicher benehmen wolle, so werde er Befehl ertheilen, dass sie in Zukunft nicht mehr zugelassen werde. Ueberhaupt solle sie sich fürderhin nicht mehr unterstehen, leidende Mitmenschen in dieser Weise zu quälen, und bei der ersten Beschwerde von meiner Seite werde er Sorge dafür tragen, dass ihr Sohn nach dem Gefängniss gebracht werde, um daselbst seine Kur zu vollenden. Dies brachte sie zur Besinnung. Sie bat um Verzeihung und versprach keinen Anstoss mehr zu geben, hielt aber nur für ein paar Tage Wort; denn als der Wundarzt bei Gelegenheit des Verbandes einen Knochensplitter aus meiner Wunde nehmen musste und ich vor Schmerzen laut hinausschrie, lachte sie hellauf. Diese Rohheit brachte einen meiner Kameraden in hohem Grade auf. Da er sich aber nicht an ihr selbst vergreifen wollte, sondern wohl wusste, wie er sie noch schlimmer verwunden konnte, so zerklopfte er mit der Faust den Kopf ihres im Bett liegenden Sohnes dermassen, dass die kaum verharrschte Wunde wieder aufging.

„Da gibts einen Schmerz, über den du auch lachen kannst, du verteufelte Französin,“ rief er.

Und wohl hatte er Recht, denn der arme junge Mensch musste die Ungezogenheit seiner Mutter mit dem Leben büssen.

Der Wundarzt war sehr zornig über den Uebelthäter, erklärte jedoch der Französin, als sie schluchzend an der Seite ihres Sohnes kniete, sie habe durch ihren eigenen Unverstand und ihre Grausamkeit sich und ihm dieses Loos zugezogen. Ob sie dies einsah, oder ob sie eine Wiederholung fürchtete, weiss ich nicht; so viel aber ist gewiss, dass sie mich nicht mehr quälte. Ja, ich glaube sogar, dass sie im Gegentheil bitterlich litt, als sie bemerkte, dass es mit mir rasch der Besserung zuging, während die ihres Sohnes gar nicht vorwärts rücken wollte. Endlich waren meine Beschädigungen geheilt und ich verliess den Spital mit der Hoffnung, sie nie wieder zu sehen.

Viertes Kapitel.

Ich segle in der Sally und Kitty nach Liverpool aus und gerathe in eine Bö. — Ein Knabe fällt über Bord und ich ertrinke beinahe im Versuche, ihn zu retten. — Besuch bei dem Rheeder zu Liverpool. — Ich schiffe mich in dem Dalrymple nach der afrikanischen Küste ein und lange vor dem Senegal an.

Da wir viel Prisengeld anzusprechen hatten, so besuchte ich den Agenten zu Port-Royal, um einen Vorschuss zu erhalten, setzte aber denselben durch meine Forderung in nicht geringe Verlegenheit. Da Kapitän Wheaterall und so viele von den Offizieren gefallen waren, so wusste er kaum, ob diejenigen, welche sich an ihn wandten, zu Prisengeld berechtigt waren, oder nicht. Mochte er nun mein Aussehen für ehrlicher halten, als das der Uebrigen, oder hatte er einen andern Grund dafür — genug, er ersuchte mich, da ich von sämmtlichen Vorgängen unterrichtet sei, eine Weile bei ihm zu bleiben, und als er fand, dass ich gut lesen und schreiben konnte, musste ich ihm eine richtige Liste der Mannschaft sammt den Namen derjenigen, welche gefallen waren, desgleichen die Angaben über die näheren Umstände aufzeichnen. Ich konnte ihm jede erforderliche Auskunft, wie auch beziehungsweise Stellung der Einzelnen mittheilen, denn es hatten sich schon bei mehreren Gelegenheiten Kaper-Matrosen bei ihm eingefunden, die sich für Unteroffiziere ausgaben, während sie an Bord doch nur als Gemeine gedient hatten — eine Täuschung, durch die sie ihn bewogen, grössere Vorschüsse auszuzahlen, als sie überhaupt im Ganzen zu fordern hatten.

Sobald er seine Liste gehörig in Ordnung gebracht hatte, fragte er mich, ob ich nach England zu gehen gedenke; in diesem Falle wolle er mir alle Papiere und Dokumente an den Rheder zu Liverpool mitgeben, da derselbe meines Beistandes bedürfen könnte, um die Rechnungen zu bereinigen. Weil ich damals das Kaperleben übersatt hatte, so willigte ich ein. Ich war von meinen Wunden und Beschädigungen völlig hergestellt und verbrachte nach meinem Austritt aus dem Spital ein paar Monate recht angenehm. Jetzt aber schiffte ich mich in dem Westindienfahrer, die Sally und Kitty genannt, nach Liverpool ein. Der Commandeur des Schiffs hiess Kapitän Clarke und war ein sehr leidenschaftlicher Mann.

Wir waren noch keine zwölf Stunden zur See, als wir von einer Bö befallen wurden, die mehrere Tage anhielt und uns diese ganze Zeit unter dichtgerefften Mars- und Sturmstagsegeln erhielt. Der Sturm machte uns eine volle Woche zu schaffen und warf berghohe Wellen auf, die übrigens lang und regelmässig waren. Am siebenten Tage legte sich der Wind, aber die See ging noch immer hoch. Gegen Abend wehte nur eine ganz leichte Brise; aber jetzt trat ein Vorfall ein, welcher mich beinahe das Leben gekostet hätte, wie Ihr selbst zugeben werdet, Madame, wenn ich Euch die Geschichte erzähle. Während der Hundewache zwischen Sechs und Acht, als eben einige Matrosen im Fockmars zu thun hatten, die andere Wache beim Nachtessen sass und der Kapitän mit sämmtlichen Offizieren in der Kajüte war, hörte ich vom Steuer aus, bei dem ich stand, eine Stimme meinen Namen rufen, die augenscheinlich von dem Meere herkam. Ueberrascht eilte ich nach der Seite des Schiffes und sah einen jungen Menschen, Namens Richard Pallant, hinten vom Schiff im Wasser schwimmen. Er war aus den Fock-Puttingen gefallen und hatte mich um Hülfe angerufen, weil er wusste, dass ich mich am Steuer befand. Ich rief augenblicklich sämmtliche Matrosen auf und machte ihnen die Mittheilung, dass Jemand über Bord gefallen sei. Der Kapitän eilte mit allen Andern auf’s Verdeck und befahl das Steuer leewärts zu stellen. Das Schiff drehte sich, fiel dann ab und trieb schnell vor der Welle hin, bis wir es endlich zum Beiliegen gebracht hatten.

Der Kapitän, obschon sonst ein entschlossener Mann, war sehr bestürzt und verwirrt über die Gefahr des Knaben, denn die Verwandten desselben waren reiche Leute zu Ipswich und hatten ihn seiner besondern Obhut vertraut. Er rannte hin und her, laut hinaus wehklagend, dass der Knabe umkommen müsse, denn der Wellenschlag sei so hoch, dass er es nicht wagen dürfe, ein Boot auszusetzen, weil es eine solche See nicht auszuhalten im Stande sei; wenn aber das Boot mit der Mannschaft zu Grunde gehe, so blieben ihm nicht Leute genug an Bord, um das Schiff nach Haus zu bringen. Da der junge Mensch keine hundert Ellen vom Schiffe ab schwamm, so deutete ich auf die Möglichkeit hin, ihn durch Schwimmen mit der Tieflothleine zu erreichen; diese werde stark genug sein, um sowohl den Verunglückten, als den, der die Rettung versuche, an Bord zu ziehen. Kapitän Clarke wurde darüber sehr aufgebracht, erklärte mit einer Betheurung, dass dies unmöglich sei, und fragte mich, wer zum Teufel denn gehen werde. Aergerlich über eine solche Antwort und von dem Verlangen beseelt, dem Knaben das Leben zu erhalten, erbot ich mich selbst zum Versuch. Ich entkleidete mich, befestigte die Leine um meinen Leib und sprang über die Schiffsseite in’s Wasser. Aber das Tau war neu und steif im Bug, so dass es nicht fest um mich anschloss; es entschlüpfte mir daher und ich schwamm durch, konnte es übrigens noch mit den Füssen erfassen und dadurch festmachen, dass ich den einen Arm und den Kopf durch die Schlinge zog. In Folge der Tragkraft des Wassers in diesen Breiten wurde mir das Schwimmen leicht, und ich hielt gerade auf den Unglücklichen ab, hatte aber kaum die Hälfte des Weges zurückgelegt, als sich die Leine an Bord plötzlich verfing und mich rücklings unter das Wasser zerrte. Ich erholte mich bald wieder und griff auf’s Neue aus. Mittlerweile aber hatte man, um die Leine an Bord loszumachen, einige der verwirrten Theile durchschnitten und in der Verwirrung der Hast den unrechten Strang getroffen, so dass das Ende über Bord ging und das halbe Tau an meinem Leibe hing, während das andere trifftig vom Schiff niederfiel. Man rief mir augenblicklich zu, ich solle umkehren; aber vor dem Rauschen der Wellen konnte ich kein Wort verstehen, und ich glaubte daher, dass man mich zum Fortfahren ermuntere. Ich antwortete mit einem Hurrahruf, um das Vertrauen an den Tag zu legen, das ich zu mir selbst besass. Mit Leichtigkeit kam ich über die Wellen vor mir weg, obschon es dabei nur langsam vorwärts ging und ich den Knaben nur in Zwischenräumen, wenn ich mich auf der Höhe der Woge befand, bemerkte. Der Arme konnte nur schlecht schwimmen und hob nicht auf das Schiff ab, sondern hielt die Augen gen Himmel geheftet und plätscherte wie ein Hund, um sich über dem Wasser zu erhalten. Ich begann nun die Last der Leine an mir zu fühlen und fürchtete, dass ich es nicht werde aushalten können. Reue über meine Voreiligkeit bemächtigte sich meiner, und ich gab dem Gedanken Raum, dass ich blos mich selbst geopfert habe, ohne dass eine Möglichkeit vorhanden sei, den Verunglückten zu retten. Gleichwohl kämpfte ich mich eifrig weiter, bis ich den Platz erreicht hatte, wo sich meiner Vermuthung nach der Knabe befinden musste. Als ich umherschaute, ohne ihn zu bemerken, fürchtete ich schon, er müsse versunken sein; beim Steigen der nächsten Welle aber entdeckte ich ihn im Troge, wo er, von der langen Anstrengung fast aufgerieben, aus Leibeskräften kämpfte, um sich über dem Wasser zu erhalten.