Denker Zweifler Atheisten - Hans-Jürgen Ferdinand - ebook

Denker Zweifler Atheisten ebook

Hans-Jürgen Ferdinand

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Opis

Philosophen und Theologen, Schriftsteller, bekannte und unbekannte Menschen äußern sich zu Gott und seinem irdischen Bodenpersonal, zur Bibel und verschiedenen Religionen, zu Evolution, Sexualität, Weltuntergang, dem Sinn des Lebens und den Vorstellungen zum Tod. Sein Leben lang bewegte Hans-Jürgen Ferdinand die Frage nach Gott – und so war es ihm ein großes Bedürfnis zu erfahren, was andere Menschen darüber denken. Er las hunderte Bücher und Zeitschriften zu dem Thema, sammelte Bekenntnisse berühmter Persönlichkeiten, befragte Bekannte, Freunde und Priester in seinem persönlichen Umfeld. Auf diese Weise trug der Autor über 2500 Zitate aus drei Jahrtausenden zusammen. 2008 entstand daraus sein Buch „Gott im Fokus der Menschheit“. Das vorliegende „Denker Zweifler Atheisten“ ist die erweiterte Neuauflage dieser umfassenden Sammlung, die sowohl „Gläubigen“ als auch „Ungläubigen“ Gesprächsstoff liefert.

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Hans-Jürgen Ferdinand

Denker Zweifler Atheisten

Die Bibel im Keuzfeuer

Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek:

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte Dateien sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar

Impressum

© 2015 Verlag Kern GmbH

1. Neuauflage 2015

Nachfolger von GOTT – im Fokus der Menschheit

© Inhaltliche Rechte und Verantwortung bei Hans-Jürgen Ferdinand (Autor)

Verlag und Herstellung: www.verlag-kern.de

Umschlagdesign und Satz: www.winkler-layout.de

Titelmotiv: © ra2 studio - Fotolia.com

Buch ISBN: 9783957161-178

E-Book ISBN: 9783957161-611

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015

www.verlag-kern.de

Hans-Jürgen Ferdinand

Denker Zweifler Atheisten

Die Bibel im Kreuzfeuer

Dieses Buch ist meinen Enkeln Yannik, Luca und Tom zur Erinnerung gewidmet – mögen sie sich später in ihrem Leben bei ihrer eigenen Suche nach Gott stets ein feines Gespür für gute und schlechte Argumente bewahren.

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Widmung

Vorwort

Der Glaube im Fokus

Wer ist Gott?

Jesus – Gottes Sohn?

Aberglaube, Wunder oder Mystik?

Zweifel an Gott

Was ist Religion?

Was wäre die Kirche ohne gläubige Christen?

Hilft das Gebet?

Die Gräueltaten der christlichen Kirche

Die Bibel – das meistverkaufte Märchenbuch der Welt?

Frauen, Familie und Sexualität

Satansglaube und Fegefeuer

Vatikan, Priesterschaft und Zölibat

Die Weltuntergangs-Lüge

Politik, Gesellschaft und Religion

Christentum und Juden

Leben und Tod – Jenseits und Diesseits

Theologie

Schöpfung oder Evolution?

Atheismus im Fokus der Kirchen

Der Sinn des Lebens

Zukunft selbst gestalten?

Mein Fazit

Philosophisch-religiöses Lexikon – Erklärungen zu den Sternchen *

Weiterführende Literatur

Namensverzeichnis

Ebenfalls in diesem Verlag erschienen

Fußnoten

Vorwort

Die Entstehung dieses Buches geht letztlich auf meinen Enkel Luca zurück, der mich als ein aufgewecktes 9-jähriges Kerlchen im Zuge seines Kommunionunterrichts im Sommer 2006 einmal fragte: „Opa, glaubst du auch an den lieben Gott und ein Leben nach dem Tod?“ Ich habe ihm ausweichend geantwortet, dass ich das selbst noch nicht so recht wüsste und auch noch eine Menge Zweifel hätte, ihm dann aber eine baldige Antwort versprochen, die ich mit diesem Buch, wenn auch verspätet, nunmehr einlösen kann.

Ich habe mich sehr intensiv auf die Suche nach Gott begeben, hoffte ein meinem Verstand zugängliches, wie auch immer geartetes, aber mit göttlichen Attributen ausgestattetes Wesen zu finden.

Nach persönlichen Gesprächen mit einfachen Dorfpriestern, Theologen, Philosophen und einer Reihe von Zeitgenossen, und nach reichhaltiger Literatur, wollte ich zu einem Ergebnis kommen und vor mir selbst letztlich Farbe bekennen. Die Auffassung meiner Frau Ulla zu diesem Thema: „Mach dir doch mit diesem unerquicklichen Themenkomplex nicht die Nerven kaputt. Es kommt nach unserem Tod doch, wie es kommt.“, hat mich nicht befriedigt.

Bei einigen Zeitgenossen, besonders in meinem Freundes- und Bekanntenkreis bin ich häufig gegen eine Mauer des Schweigens und der unverbindlichen Aussagen gestoßen. Ich hatte manchmal den Eindruck, dass es unanständig sei, heutzutage jemanden zu fragen, ob er an Gott glaube. Viele Menschen halten ihren Glauben offenbar für eine schützenswerte Privatsache, intimer noch als Sex.

Da nicht zu verkennen ist, dass sich Menschen in meinem Alter auch vermehrt mit der eigenen Sterblichkeit, mit der Vorstellung des Todes und mit dem was danach kommt beschäftigen, habe ich dieses Thema als äußerst existenziell, aber auch als sehr spannend empfunden.

Die Idee von einem allmächtigen, allwissenden und gütigen Gott hat von jeher vielen Menschen Anlass zur Skepsis gegeben. Was spricht eigentlich dafür, dass es einen Gott gibt? Ist es angesichts des Leids in dieser Welt vernünftig, an ihn zu glauben? Sind wir tatsächlich auf ihn angewiesen, um sicherzustellen, dass die Menschen moralisch gut handeln? Bei der Suche nach meiner ganz persönlichen Antwort auf die Fragen: „Existiert Gott?“, „Brauchen wir Religion?“, „Was ist der Sinn des Lebens?“ und „Welches Fazit leitet sich für mich daraus ab?“, habe ich als Hilfestellung die Aussagen von zahlreichen Naturwissenschaftlern, Philosophen, Theologen und Zeitgenossen zusammengetragen. Das Spektrum aller gesammelten Aussagen und ihre Meinungsvielfalt sind so umfangreich, dass ich sie in Themenkomplexe zusammengefasst habe (Siehe Inhaltsverzeichnis).

Von diesem breitgefächerten Meinungsbild sicherlich beeinflusst, habe ich eine ganze Reihe eigener Kommentare und Antworten in diesem Buch eingestreut. Ich bin mir ganz sicher, dass auch Sie, verehrter Leser, durch die zahlreichen Aussagen zur kritischen Betrachtung und Diskussion angeregt werden.

Mir ist bei meinen Recherchen durchaus bewusst geworden, dass der Mensch bei der Suche nach Gott sehr schnell an natürliche Grenzen stößt und ein Irrtum der vermeintlich gewonnenen Erkenntnisse daher auch nicht auszuschließen ist. Gleichwohl hat mein Verstand es bei der eigenen Meinungsbildung nicht zugelassen, dass mich beflissene Glaubensdeuter mit intellektueller Unredlichkeit überzeugen konnten.

Die Frage nach Gott wird auch durch noch so intensives Nachdenken und Argumentieren nicht zu einer Frage, auf die es eine eindeutige und sichere Antwort gibt.

Letzten Endes muss auch bei einer rationalen Betrachtung jeder, der an der Gottesfrage ernsthaft interessiert ist, sich über die betreffenden Argumente sein eigenes Urteil bilden und sich auf der Basis dieses Urteils entweder für oder gegen die Annahme der Existenz Gottes entscheiden. Trotzdem ist und bleibt es ein gewaltiger Unterschied, ob jemand diese Entscheidung ohne Kenntnis oder nach sorgfältiger Prüfung der relevanten Argumente trifft. Auch derjenige Leser, der bei der Lektüre der zahlreichen nachfolgenden Aussagen und Zitaten zu der Gottesfrage zu anderen Ergebnissen wie der Autor dieses Buches kommt, wird durch seine kritische Beschäftigung mit diesen Argumenten seiner Einstellung zum Gottesglauben jedenfalls eine solidere Basis geben. Bei der Bewertung meiner Zugehörigkeit zu der katholischen Kirche hingegen, ist mir eine Schlussfolgerung wesentlich einfacher gefallen, konnte ich mich doch hier auf geschichtliche Wahrheiten, vorgegebene Dogmen* und Fakten berufen. Sehr schnell habe ich bei meinen Studien erkannt, dass die Geschichte des Christentums hauptsächlich eine Geschichte des menschlichen Elends und der menschlichen Unwissenheit ist, und nicht etwa eine Liebesgeschichte des Menschen mit Gott.

Um dem Leser ein Bild meines Denkens über Gott und Religion zu geben, zeichne ich kurz meinen religiösen Werdegang auf: Aus einer katholischen Familie eines Westerwalddorfes stammend, selbst bis zum 17. Lebensjahr Ministrant, hat die katholische Glaubenslehre meine Kindheit und Jugendjahre nachhaltig geprägt. Ja, ich habe mich als Kind und Heranwachsender in meiner dörflichen Glaubensgemeinschaft mit ihren Glaubensritualen und Gebräuchen, mit der jährlichen Schiffprozession von Vallendar nach Kamp-Bornhofen am Rhein sehr wohlgefühlt. Auch die abenteuerlichen Zeltlager für uns Ministranten der Diözese Limburg/​Lahn in Kirchähr im Gelbbachtal sind mir in guter Erinnerung geblieben. Mein Jugendführer und späterer Jungkaplan Werner Rasbach war ein Klassetyp, der mich weder unsittlich berührt noch jemals geohrfeigt hat und mir somit also noch keinen Grund für Religionskritik gegeben hat.

Das Fest meiner ersten heiligen Kommunion habe ich noch vor Augen, als sei es gestern gewesen. Ich erinnere mich auch noch an unseren Kommunionunterricht, in dem mir unser Dorfpriester auch die Ohrenbeichte und darüber hinaus die Schrecken des Fegefeuers und der Hölle nahegebracht hat. Mein Kommunionbild zeigt mich in einem schicken Kommunionanzug mit einer Baskenmütze und Lackschuhen, eine Bekleidung, die sich meine Eltern in einer ärmlichen Zeit kurz nach dem Krieg ganz sicher vom Mund absparen mussten.

Erste Zweifel bekam mein Glaube, als ich als Obersekundaner meinem Religionslehrer kritische Fragen zur katholischen Glaubenslehre und der im Namen der katholischen Kirche ausgeübten Verbrechen stellte. Als ich dann auch noch den Unfehlbarkeitsanspruch des Papstes in Glaubensfragen als anmaßend kritisierte, beachtete mein Religionslehrer mich nicht mehr. In meinem Reifezeugnis der Realschule aus dem Jahr 1961 zeugt ein „Mangelhaft“ in Religion ob meines kritischen und zweifelnden Aufbegehrens und gibt ein Bild von der unzureichenden Dialogfähigkeit meines intoleranten, verbitterten Religionslehrers und Priesters. Diese an mir, einem Kind und Jugendlichen, ausgeübte Indoktrination* der katholischen Kirche mit weltfremdem und unethischem Glaubensgut verzeihe ich ihr nie. An anderer Stelle innerhalb dieses Buches habe ich dieses Verhalten der katholischen Kirche an Kindern und jungen Menschen auch entsprechend als geistige Pädophilie* gebrandmarkt. Die vom Staat sanktionierte Taufe eines wehrlosen Säuglings ist in meinen Augen nichts anderes als eine religiöse Vergewaltigung und ein eklatanter Verstoß gegen Menschenrecht!

Die Toleranzgrenze meiner katholischen Kirche zeigte sich erneut, als ich eine Frau evangelischen Glaubens heiratete und im katholischen Brautpaar-Unterricht versprechen musste, die Kinder aus dieser Ehe nicht nach protestantischen Leitlinien, sondern ausschließlich nach katholischer Lehrmeinung zu erziehen. Ich ärgere mich heute noch, dass ich damals dieser Überheblichkeit der katholischen Kirche nicht Einhalt geboten habe.

Mit dem Erwachsenwerden habe ich dann sehr schnell die mir von der katholischen Kirche vermittelten naiven Kindheitsvorstellungen von Gott hinter mir gelassen und der Kirche mehr oder weniger den Rücken gekehrt, eine längere religiöse Auszeit genommen. Statt der Suche nach Gott war bei mir viele Jahre Tore-Schießen als Vertrags- und Berufsfußballer und später eine Tätigkeit als selbständiger Kaufmann des Finanzierungs- und Immobiliensektors sowie der Unterhaltungsbranche angesagt.

Mir liegt es fern, irgendjemanden mit meinen Aussagen zu kränken und schon gar nicht zu missionieren. Allerdings möchte ich die Menschen ermutigen, die wie ich nicht durch übermäßige frühkindliche religiöse Indoktrination* zwanghaft an ihren Glauben gebunden sind, sich offen und vorurteilsfrei mit Religionsfragen zu beschäftigen. Dies gilt insbesondere für Menschen, die bereits Zweifel an ihrem Glauben haben, denen aber eine sachlich fundierte Grundlage fehlt. Ich habe auch die stille Hoffnung, dass der Leser in der Sexualunterdrückung durch die Kirche sehr deutlich erkennt, was damit bezweckt wird: nämlich nichts anderes als sich die Hörighaltung des Menschen zu erleichtern, was nicht selten bei Menschen eine seelische Kastration auslöst.

Zudem ist es mir wichtig, aufzuzeigen, dass ein erfülltes und sinnvolles Leben auch ohne einen religiösen Glauben möglich ist. Der Humanismus* eröffnet Perspektiven für ein Leben jenseits der Religion, worin die Zielsetzungen und Ideale nicht mehr mit der Realität im Widerspruch stehen müssen. Ethik bzw. Moral sind nicht vom religiösen Wertesystem abhängig. Es ist möglich, ethisch zu handeln, ohne eine religiöse Begründung dafür zu benötigen.

Ich für meinen Teil nehme mir das durch unsere Verfassung verbriefte Recht heraus, unverblümt meine Meinung zu äußern und in dem Bedürfnis des Menschen nach Gott und Religion einen folgenschweren geistesgeschichtlichen Irrtum zu sehen.

Die Frage nach Gott und einem etwaigen Weiterleben über den Tod hinaus stellt sich jedem Menschen. Niemand kann ernsthaft der Frage nach Gott aus dem Wege gehen und die Frage nach dem eigenen Tod und nach dem Sinn des eigenen Lebens auf sich beruhen lassen. Der geniale Mathematiker Blaise Pascal hielt schon vor dreihundert Jahren die Frage nach Gott für die wichtigste Frage des Lebens, für eine Frage, der niemand wirklich dauerhaft ausweichen kann, für eine Frage auf Leben und Tod.

Die Frage nach dem letzten Woher von Welt und Mensch – was war vor dem Ur-Knall? – die Frage, warum es etwas gibt und nicht vielmehr nichts, ist eine grundlegende Frage des Menschen, die der Naturwissenschaftler, der jenseits des Erfahrungshorizonts nicht mehr zuständig ist, nicht beantworten kann. Ist mit dem Tod wirklich alles aus? Die Frage berührt den Kern der menschlichen Existenz. Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele ist einer der ältesten Trostspender der Menschheitsgeschichte.

Niemand kann ohne metaphysische* Prämissen* denken. Man kann sich ihrer nicht bewusst sein; das ist gewiss. Aber man kann keinen Schritt ins Unbekannte tun, ohne Erwartungen einzuschließen, die metaphysisch sind, die jenseits der uns bereits bekannten Dinge liegen. Der Glaube und seine Kinder Religion, Philosophie und Weltanschauung sind in jeder Kultur unentbehrlich. Der Glaube ist der unersetzliche Rahmen für das Unerklärliche.

Die fünf großen Religionsgemeinschaften der Erde: Judentum, Christentum, Islam*, Hinduismus* und Buddhismus* mit ihren verschiedenen Glaubensrichtungen haben viele Erscheinungsformen und Gesichter, aber eine gemeinsame Grundidee: die Suche nach dem Sinn des Lebens.

Ist es rational, an den Gott der monotheistischen Religionen, insbesondere des Christentums, zu glauben? Das ist die Kernfrage, mit der sich Philosophen, Theologen und Zeitgenossen auseinandersetzen und mit ihren vermeintlich besten Argumenten pro und kontra eine Antwort suchen. Wer sich als Leser ernsthaft mit der Gottesfrage beschäftigen möchte, wird in diesem Buch eine Fülle unterschiedlichster und häufig kompromissloser Denkweisen finden.

Das Christentum stand immer in der Auseinandersetzung mit radikalen Kritikern des Glaubens. Seit der Aufklärung jedoch hat sich der kritische Druck verstärkt; gerade prominente Vertreter des Geisteslebens stellen die Existenz Gottes in Frage. Der darin liegenden Herausforderung haben sich die Christen meist allzu schnell mit apologetischen* Formeln entzogen. Eine solche Haltung wird aber dem Ernst der Fragestellung nicht gerecht!

Die hier vorliegende Sammlung von über 2000 Beiträgen von ca. 1400 Dichtern, Denkern, Wissenschaftlern, Politikern, Theologen und ganz normalen Zeitgenossen wendet sich an Menschen, die eine sinnvolle Lebensgestaltung anstreben. Ohne kritischen Einspruch, ohne das Engagement unbequemer Denker verkümmert eine Gesellschaft. Die in ihrer Bandbreite doch sehr unterschiedlichen Aussagen und Bekenntnisse zu Gott, Glauben, Religion, Christentum und Kirche sollen dazu beitragen, das in unserer Gesellschaft vorhandene Defizit an alternativer Information zu diesem existenziellen Thema zu verringern.

Dieses Buch soll auch all jenen Menschen dienen, die wie ich, im Blick auf das Christentum in eine belastende Orientierungsnot und Konflikthaftigkeit geraten sind und/​oder in einer solchen weiterhin leben - häufig unbefriedigend überdeckt durch eine pragmatische Haltung, scheinbarer, Gleichgültigkeit, weil ihnen aufgrund ihrer eigenen defizitären religiösen Sozialisation die adäquaten* Informationen für eine begründete und verantwortbare Entscheidung für oder gegen das Christentum, für oder gegen eine Kirchenzugehörigkeit fehlen. Ich hoffe, dass die vielen unterschiedlichen Aussagen zu Gott und der Religion den Nerv unserer heutigen Zeit treffen und auch all jenen, die nicht glauben möchten oder glauben können, neue Sichtweisen eröffnen. All jenen Suchenden und Zweifelnden möchte ich mit jener bescheidenen Weisheit Sigmund Freuds Mut zusprechen: Die Stimme der Vernunft ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör verschafft hat.

Ich muss aber auch eine Warnung für alle fundamentalistisch-bibelfesten Gläubigen aussprechen: In diesem Buch wird von atheistisch geprägten Philosophen des 17. bis 20. Jahrhunderts, wie Meslier, Nietzsche, Marx, Feuerbach, Freud und Mitscherlich, aber auch Religionskritikern der Gegenwart wie Buggle, Dawkins, Onfray, Schmidt-Salomon, Hoerster, Comte-Sponville, Hitchens, um nur einige zu nennen, nicht nur mit der Möglichkeit des Auszugs aus liebgewordenen kirchlich-religiösen Gehäusen gespielt, hier in diesem Buch werden neben zahlreichen despektierlichen Glaubensbekundungen, nicht nur Zäune und Barrieren beiseitegeschoben, die vor der Kirche liegen, sondern auch solche, die vor Bibel, biblischem Gott und selbst der Gestalt Jesu als religiösem und ethischem Lehrer aufgerichtet sind. In vielen Beiträgen der Philosophen, aber auch einfacher, theologisch ungebildeter Zeitgenossen, wird keine Rückzugsmöglichkeit in eine biblischchristliche oder gar kirchliche Religiosität in Reserve gehalten, sondern der Rückweg, so man die Tugend der Redlichkeit für sich in Anspruch nimmt, versperrt.

Dabei muss Religionskritik nicht notwendigerweise einen Weg in den Nihilismus*, in die Verzweiflung gehen. Ganz im Gegenteil, Religionskritik kann den Raum freimachen für neue Weltdeutungen, auch religiöse, die nicht weiterhin ein so hohes Maß an Unredlichkeit, Verbiegungen und Heuchelei, auch gegenüber sich selbst, erfordern und so der Würde des Menschen, seiner notwendigen Selbstachtung gerecht werden.

Der Glaube im Fokus

Nach einer verbreiteten Vorstellung, die in unserer Gesellschaft nahezu unter allen– auch den nicht religiösen– Menschen anerkannt wird, ist religiöser Glaube gegenüber Beleidigungen besonders empfindlich, weshalb man ihn mit einer besonders dicken Mauer des Respekts schützen sollte. Dieser Respekt gehört demnach in eine ganz andere Liga als der Respekt, den jeder Mensch jedem anderen entgegenbringen sollte. Kritik an den religiösen Vorstellungen anderer Menschen vorzubringen gilt als respektlos. Warum? Wenn jemand eine Partei wählt, mit der man nicht einverstanden ist, darf man so viel darüber streiten, wie man will; jeder wird ein Argument für oder wider haben, aber keiner ist darüber gekränkt. Wenn ich aber die leibliche Auferstehung Jesus oder seine jungfräuliche Geburt als Unsinn abtue, gelte ich einem gläubigen Katholiken gegenüber als respektlos.

Auch darf man in den Augen eines gläubigen Katholiken keine andere Meinung darüber haben, wie das Universum entstanden ist und wer es erschaffen hat, weil das heilig ist? Rational betrachtet hat er jedoch keinen Anspruch auf meinen Respekt, denn es gibt keinen Grund warum diese Dinge nicht genau so offen diskutiert werden sollten wie alle anderen. Wir sind es gewohnt, religiöse Ideen nicht anzugreifen, dabei sind sie genau so diskussionswürdig wie alles andere.

Achtung verehrter Leser: Die folgenden Bekenntnisse und Zitate könnten Ihre Gefühle verletzen. Sollte dies so sein, liegt es meines Erachtens weniger an den Bekenntnissen und Zitaten als an Ihrer mangelnden inneren Sicherheit. Ein vernünftiger Glaube wird durch Zweifel nicht erschüttert, sondern eher gefestigt.

Zitate zum Thema

„Die ganze Welt steckt in dem Vorurteil, dass der Glauben etwas Hohes und der Unglauben etwas Niederes sei. Mit diesem furchtbaren Unsinn muss gebrochen werden.

(Theodor Fontane, dt. Dichter, 1819-1863)

„Ich glaube, dass etwas die Welt im Innersten zusammenhält. Eine Kraft, die in mein Leben hineinwirkt, in dem sie mich vor Prüfungen stellt. Gelingt es mir, diese zu lösen, erreiche ich eine höhere Stufe. Schaffe ich es nicht, kommt die Prüfung in einer anderen Form wieder. Letztlich geht es bei diesen Prüfungen darum, ein besserer Mensch zu werden. Es gibt doch diesen Spruch: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut– das gefällt mir sehr gut. Ich möchte ein faires Leben führen, ohne Doping siegen und auch Vorbild sein. Ich will nicht mit erhobenem Kopf durch die Welt gehen und rufen: Ich bin so toll! In meinen Augen sind alle Menschen gleich.“– Auf die Frage: An welchen Gott glauben Sie?

(Britta Steffen, dt. Schwimmerin, geb. 1983.Fragen an das Leben. Aus: Chrismon, das evangelische Magazin, 3/​2010)

„Religion ist der naive Glaube an die Wirklichkeit von Wahnbildern.“

(Epikur, griech. Philosoph und Begründer des Atheismus, 341-270v.Chr.)

„Wenn Gott uns wirklich etwas zu sagen hat, warum sagt er es nicht uns selbst? Ganz direkt und unmittelbar und nicht durch selbsternannte Vertreter vermittelt. Wenn Gott wirklich auf unserer Seite steht, warum zeigt er uns das nicht so unmissverständlich, dass es nicht der Interpretationshilfe sich in so vielfacher Weise widersprechender „Zwischenhändler“ bedarf? In seiner Allmacht und Weisheit dürfte es ihm nicht schwerfallen, Mittel und Wege zu finden, uns unmittelbar und glaubhaft anzusprechen. Eine solche direkte göttliche Ansprache würde wohl jeden Menschen überzeugen und machte dann die riesigen kirchlichen Verkündungsbetriebe und die Heerscharen von Vertretern, die Gottes Wort glauben erklären zu müssen, überflüssig.“

(Uwe Lehnert, geb. 1935.Aus: Warum ich kein Christ sein will, 3.Aufl. 2009)

„Wenn es einen Gott gibt, muss ihm der Atheismus als eine geringere Beleidigung als die Religion erscheinen.“

(Edmond de Concourt, frz. Schriftsteller, 1822-1896)

„Während die Irrtümer in der Philosophie bloß lächerlich sind, sind die Irrtümer in der Religion gefährlich.“

(David Hume, engl. Philosoph, 1711-1776)

„Die Natur brachte uns hervor– die Natur schuf alles– nicht die Götter der Religionen. Religion ist Unsinn und alle Bibeln sind Menschenwerk.“

(Thomas Alva Edison, US-amerik. Erfinder und Unternehmer)

„Religionen stehen im Widerspruch zu allem, was ich verehre: Mut, Ehrlichkeit, klares Denken und vor allem Liebe zur Wahrheit.“

(H.L.Mencken, US-amerik. Schriftsteller, 1880-1956)

„Ohne ein verschärftes Bedürfnis nach Kitsch und Irrsinn gäbe es keine Religion.“

(Wiglaf Droste, dt. Satiriker, geb. 1961)

„Dies könnte die beste aller Welten sein, wenn es nur keine Religion in ihr gäbe.“

(John Adams, 2.Präsident der Vereinigten Staaten, 1735-1826)

„Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Glaube an Gott überflüssig weil ein unbewiesenes Phänomen nicht als Basis für eine Erklärung ausreicht.“

(Franz M.Wuketits, österr. Biologe, geb. 1955)

„Man kann Religionen als eine Frucht der Sehnsucht nach Sinn sehen.“

(Stefan Klein, dt. Wissenschaftsautor, geb. 1965)

„Christen können nach meiner langjährigen Erfahrung schlichtweg nicht ertragen, dass ein Mensch glücklich und zufrieden leben kann, ohne die Krücken der Kirche zu gebrauchen.“

(Horst Herrmann, Theologe, geb. 1964)

„Religion sagt nichts aus über Gott, aber viel über die Gläubigen“

(Dieter Nuhr, dt. Kabarettist)

Codex Atheos– Mein atheistischer Glauben in sieben Leitlinien

In seinem Denken ohne Gott befreit sich der Mensch mit letzter Konsequenz aus einer wie auch immer behaupteten transzendenten Welt. Der Mensch erreicht damit ein Bewusstsein, mit dem er ganz im Diesseitigen steht.

Mit einem Diesseits ohne Gott löst sich der Mensch aus allen religiösen Vorstellungen eines Lebens nach dem Tod, auch von der Furcht vor einem Weltgericht Gottes über die Menschen am Ende der Welt. Er anerkennt den Tod als den ganz natürlichen Abschluss des menschlichen Lebens. Das Leben vor dem Tod wird dadurch zur einzigen Realität einer individuellen Existenz.

Durch die Loslösung von Gott als der höchsten religiösen Autorität setzt sich der Mensch zugleich frei von der größtmöglichen Fremdbestimmung. Indem er sich herausnimmt aus göttlicher Bevormundung, entwickelt er sich zu einem sich selbstbestimmten Individuum.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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