Das Feuer - Henri Barbusse - ebook

Das Feuer ebook

Henri Barbusse

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Opis

In "Das Feuer" verarbeitete Henri Barbusse seine eigenen Erfahrungen als Teilnehmer am Ersten Weltkrieg. Die episodenhafte Handlung des Buches erzählt in 24 Kapiteln die Geschichte einer Einheit von französischen Soldaten in den Schützengräben der Westfront. Authentizität zieht die Darstellung aus der Kriegsteilnahme und der damit verbundenen Zeugenschaft des Autors wie auch aus der narrativen Perspektive der ersten Person, die eine Identifikation des erzählerischen Ichs mit Barbusse selbst suggeriert.

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Das Feuer

Henri Barbusse

Inhalt:

Das Feuer

I. Die Vision.

II. In der Erde.

III. Der Abstieg.

IV. Volpatte und Fouillade.

V. Das Obdach.

VI. Gewohnheiten.

VII. Truppenverladen.

VIII. Auf Urlaub.

IX. Der wilde Zorn.

X. Argoval.

XI. Der Hund.

XII. Das Säulentor.

XIII. Kraftworte.

XIV. Die Bürde.

XV. Das Ei.

XVI. Idylle.

XVII. Die Sappe.

XVIII. Die Streichhölzer.

XIX. Beschiessung.

XX. Das Feuer.

XXI. Der Verbandplatz.

XXII. Der Gang durch die Stadt.

XXIII. Dienst.

XXIV. Das Morgengrauen.

Das Feuer, H. Barbusse

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

86450 Altenmünster, Loschberg 9

Deutschland

ISBN:9783849605438

www.jazzybee-verlag.de

www.facebook.com/jazzybeeverlag

[email protected]

Das Feuer

I. Die Vision.

Gegenüber der Dent du Midi, der Aiguille Verte und dem Mont-Blanc schauten auf der Liegehalle des Sanatoriums blutlose Gesichter aus den Decken.

Die Terrasse überragt auf der ersten Etage des Palace-Sanatoriums die Welt, hängt gleichsam frei in der Luft mit ihrer geschnitzten Holzgalerie und ihrer Glaswand, die sie vor Winden schützt.

Nichts regt sich unter den feinen, roten, grünen, tabakbraunen und weissen Wolldecken, aus denen die strahlenden Augen zarter Gesichter blicken; denn auf den Liegestühlen herrscht völliges Schweigen. Jemand hustet, dann hört man nur noch zuweilen das Geräusch einer Buchseite, die nach regelmässigen Pausen gewendet wird; dann und wann auch murmelt jemand eine leise Frage, auf die der Nachbar ebenso leise antwortet; plötzlich wieder schnurrt ein Fächergeräusch, wenn die Krähen aufflattern und in der klaren Luft wie ein schwarzer, perlender Rosenkranz davonfliegen.

Das Schweigen ist hier Gebot. Uebrigens haben jene reichen und unabhängigen Menschen, die sich aus allen Weltgegenden, vom gleichen Unglück heimgesucht, hier eingefunden haben, die Gewohnheit der Unterhaltung verloren. Sie sind mit sich selbst beschäftigt und denken über ihr eigenes Leben und über ihr eigenes Ende nach.

Ein Zimmermädchen ist auf der Liegehalle erschienen; sie schreitet sanften Schrittes in ihrer weissen Tracht und bringt Zeitungen, die sie verteilt.

– Der Würfel ist geworfen, sagt einer, der die Zeitung zuerst entfaltet hatte, der Krieg ist erklärt.

Wie sehr man auch auf diese Nachricht gefasst war, so ruft sie dennoch eine gewisse Bestürzung hervor; denn man ahnt das grenzenlose ihrer Tragweite.

Jene denkenden und gebildeten Leute, die, durch ihr Leiden vertieft, sich von den Dingen und vom Leben fast losgesagt haben und der übrigen Welt fernstehn, als seien sie schon ein Stück Nachwelt, – sie schauen vor sich ins Weite nach jenem Reich der Lebenden und der Wahnsinnigen hin, die sie nicht mehr verstehn.

– Es ist ein Verbrechen, das Oesterreich begeht, meint der Oesterreicher.

– Frankreich muss Sieger sein, sagt der Engländer.

– Ich hoffe, Deutschland wird besiegt werden, sagt der Deutsche.

*

Dann ziehn sie ihre Decken und ihre Kissen wieder zurecht, und vor ihnen leuchten die Berge am Himmel. Aber die Stille und die klare Luft sind voll jenes Ereignisses, das sich soeben offenbart hat.

– Krieg!

Einige wiederholen das Wort auf ihren Liegestühlen, sprechen es halblaut in die Stille hinein und denken darüber nach, dass es das grösste Ereignis der modernen Zeit und vielleicht der ganzen Weltgeschichte bedeutet.

Zugleich steigt, durch die Nachricht heraufbeschworen, ein düsterer Traum der Wirrnis über die friedvolle Landschaft, an der die starren Blicke jener Menschen haften.

Vom friedlichen Tal herauf mit seinen rosenfarbenen Dörfern, von den samtweichen Weiden her, von den farbenschwangeren Flächen der Berge, dem schwarzen Spitzengewebe der Tannen und dem weissen Spitzentuch des ewigen Schnees her bewegt es sich plötzlich wie lärmendes Menschendurcheinander.

Menschenmassen regen sich in sichtbaren Haufen; auf den Feldern stürzen sie zum Sturm vor, Welle auf Welle und bleiben plötzlich stecken; Häuser werden aufgeschlitzt wie Menschenleiber, und Städte stürzen wie jene Häuser. Dörfer liegen in kalkweissem Schutt, als wären sie vom Himmel auf die Erde geplatzt. Nun schleppen sich Ladungen von Toten und Verwundeten durch die Ebenen.

An den Grenzen nagt der Mord und die Nationen reissen sich ohn' Unterlass frische, vollblütige Soldaten vom Herzen; und man verfolgt mit den Augen diese Zuflüsse lebendiger Kraft in den Strom des Todes.

Im Norden, im Süden und im Osten, überall toben Schlachten in der Ferne; wohin man sich auch wendet, es gibt keine Himmelsrichtung, die nicht auf den Krieg deute.

Einer jener Bleichen zählt, auf dem Ellbogen gestützt, mit seherischem Geist die Kriegführenden auf, die gegenwärtigen und die zukünftigen: Dreissig Millionen Soldaten. Ein anderer aber stammelt, den Blick voller blutender Bilder:

– Zwei Armeen, die sich bekämpfen, sind eine grosse Armee, die Selbstmord an sich übt.

– Man hätte es nicht so weit kommen lassen sollen, meint der erste in der Reihe mit tiefer, schwindsüchtiger Stimme.

Ein andrer fügt hinzu:

– Es ist der Wiederbeginn der französischen Revolution.

– Die Throne werden wackeln! prophezeit einer murmelnd.

Der dritte aber fügt hinzu:

– Vielleicht ist es der letzte Krieg.

Dann tritt Schweigen ein und ein Schaudern geht über manche Gesichter, auf denen die fahle Tragödie der Nacht und die schweissfeuchte Schlaflosigkeit ihre bleichen Spuren hinterlassen hatte.

– Dem Krieg ein Ende setzen! Kann man wohl den Kriegen ein Ende setzen? Die Wunde der Welt ist nicht heilbar!

Jemand hustet. Dann leuchtet wieder im herrlichen Frieden der Sonne das Bild der prunkenden Wiesen, mit den glatten, sanften Kühen und den schwarzen Wäldern, den grünen Flächen und den blauen Fernen, dahinter die blutige Vision und der rote Schein des Feuers erlischt, in welchem die alte Welt brennend untergeht. Im grossen Schweigen verstummen die Hassgesänge und die Leiden der unheilvollen Weltverwirrung. Mählich zieht sich auf der Liegehalle jeder wieder in sich selbst zurück und seine Gedanken halten sich wieder an das Geheimnis seiner Lungen und das Heil seines Leibes.

Um die Stunde aber, da der Abend ins Tal schleicht, platzt ein Gewitter über dem Rücken des Mont-Blanc.

Dann ist es verboten auszugehen; denn der Abend ist heimtückisch; verspürt man doch selbst auf der Veranda – diesem Hafen, in den jene sich geflüchtet haben –, die letzten Wellen des Windes.

Diese Schwerverwundeten, die eine innere Wunde frisst, heften die Blicke auf jenes Bersten der Elemente: sie schauen zu, wie über dem Berg der Donner kracht und Wolkenbarren aufpeitscht wie ein Meer; wie er jedesmal zugleich einen Feuerpfeil ins Abenddämmern schleudert und Wolkensäulen türmt. Dann verfolgen jene fahlen Gesichter mit hohlen Wangen den Flug der Adler, die am Himmel kreisen und durch den Abenddunst hindurch vom Himmel auf die Erde hinabsehen.

– Den Kriegen ein Ende setzen, denken sie. Kann man den Gewittern ein Ende setzen?

Jene beschaulichen Menschen aber, die, an der Schwelle der Welt, geläutert von den Leidenschaften der Parteien, befreit von übernommenen Begriffen und von der blinden Macht der Ueberlieferung, das Leben überdenken, fühlen etwas wie von einer grossen Einfachheit der Dinge und ahnen Möglichkeiten, die sich auftun.

Der erste in der Reihe aber ruft aus:

– Sieht man dort unten nicht kriechende Kreaturen?

– Ja ... es sind wie lebendige Wesen.

– Sie sehn wie Gewächse aus ...

– Sind es nicht Menschen?

Im schaurigen Blitzlicht des Gewitters, unter zerfetzten Wolkenschatten, die sich dehnen und sich über die Erde strecken gleich unseligen Engeln, glauben sie eine weite Ebene zu schauen. Gestalten kriechen aus der Ebene, die lauter Kot und Wasser ist, und sie krampfen sich wie schiffbrüchige Ungeheuer an die Erde, unter der Last des Kotes, der sie blind macht. Den Beschauern aber ist, als seien es Soldaten. Die ungeheure Ebene trieft von Feuchtigkeit und die parallelen Spuren langer Kanäle durchfurchen sie; Löcher bohren sich voll Wasser in die Erde. Jener Schiffbrüchigen aber, die aus der Erde kriechen, sind es Unzählige ... Und die dreissig Millionen Sklaven, die das Verbrechen und der Irrtum in jenen Krieg des Kotes gestürzt, heben ihr Menschenantlitz empor, in welchem endlich ein Wollen keimt. Die Zukunft liegt in den Händen der Sklaven und man versteht nun, dass eine neue Welt erstehn wird in der Verbrüderung jener, deren Zahl und Elend ohne Grenzen sind.

*

II. In der Erde.

Donnerschläge grollen unterm grossen, bleichen Himmel und jedesmal, wenn ein Blitz rotleuchtend aufzischt, zerfällt ein Feuerstrang dort unten, wo die Nacht noch dunkelt und eine Rauchwolke steigt hinauf ins anbrechende Morgenlicht.

Hoch oben, in der Ferne hört man den Flug schrecklicher, unsichtbarer Vögel, die mit machtvollem und schnurrendem Atemzug zum Himmel steigen, sich die Erde zu besehn.

Die Erde! Mählich erscheint diese Wüste, unbegrenzt und wassertriefend in der endlosen Trübseligkeit des Morgengrauens. Man entdeckt feuchte Flächen und Trichter, in denen das Wasser unter dem scharfen Morgenwinde erzittert; dann sieht man die wässrigen Spuren, die nächtliche Züge und Truppenteile in jenes Feld der Unfruchtbarkeit eingestampft haben. Wie lange Schienen ziehn sie sich durch die Ebene und haben einen metallnen Glanz im armseligen Dämmerlicht. Hier und dort stecken zerbrochne Pfähle einsam in Kothügeln und gekreuzte Stützpflöcke liegen zerschlagen neben aufgerollten, zerschundnen Drahtbüscheln. Es scheint, als schwimme ein riesengrosses, graues Tuch auf dem Meere, stellenweise überschwemmt. Es regnet nicht, aber alles ist nass, triefend schiffbrüchig und verwässert und das fahle Licht scheint über die Landschaft zu fliessen.

In langen Gräben, die sich durch die Ebene schlängeln, verkriechen sich die letzten Schatten der Nacht. Es ist der Schützengraben, auf dessen glitschigem Grund der Fuss kleben bleibt und sich bei jedem Schritt zischend loslöst. Es stinkt um die Unterstände herum vom Urin der Nacht und auch aus den Schlupfwinkeln stinkt es, wenn man sich im Vorbeigehn hineinbeugt, wie aus Mäulern.

Ich sehe aus den seitlichen Schachten Schatten ragen, die ihre plumpen und unförmigen Massen hin und her bewegen, wie knurrende, tappende Bären. Diese Schatten sind wir.

Wir sind eingemummt wie Lappländer und eingepackt in Wollzeug, in Decken und Säcke, die uns überragen und uns grotesk aufblähen. Einige strecken sich, laut gähnend. Man sieht rötliche oder bleifarbne Gesichter mit Schmutzstreifen, die ihnen wie Schmisse im Gesicht sitzen, ihre Augen blinzeln wie schläfrige Nachtlichter und haben klebrige Ränder. Verwilderte Bärte sitzen büschelartig an den Wangen; andere haben kotige Stoppeln am Kinn.

Tak! Tak! Pam! Gewehrschüsse schnarren, Kanonen brummen; über uns, überall her knattert es, donnert ein gedehntes Rollen oder knallen einzelne Schüsse; und dieses wütende, flammende Gewitter hat nie, nie ein Ende. Seit mehr als fünfzehn Monaten, seit fünfhundert Tagen dauern auf diesem Erdfleck das Gewehrfeuer und das Schiessen ununterbrochen an, vom Morgen bis zum Abend und vom Abend bis zum Morgen. Man hockt verscharrt in ein endloses Schlachtfeld, aber wie man damals in jener fast märchenhaften Zeit das Ticken der Uhren in unseren Stuben nur hörte, wenn man hinhorchte, so auch hier den Lärm.

Jetzt kriecht ein Puppengesicht aus der Erde mit aufgedunsenen Augenlidern und karminroten Bäckchen, als habe man sie mit roten Quadrätchen beklebt und öffnet ein Auge und dann das andere; es ist Paradis. Auf seiner Haut kleben noch wie Striemen die eingedrückten Spuren seines Zelttuches, in das er zum Schlafe den Kopf eingewickelt hatte.

Er blickt mit seinen kleinen Augen um sich, sieht mich, nickt mir zu und sagt:

– Wieder eine Nacht vorbei, Alter!

– Ja, mein Sohn, und wie viele werden wir noch durchzuhalten haben?

Er streckt seine dicken Arme zum Himmel, hat sich auf der Leiter aus dem Unterstand herausgequetscht und steht neben mir. Dann stolpert er über eine dunkle Masse, die im Halbdunkel kauert, kratzt sich krampfhaft unter rauhen Seufzern und humpelt von hinnen wie ein Pinguin in einer sündflutlichen Landschaft.

*

Allmählich tauchen die Leute aus ihren Schlupfwinkeln hervor und Schattenklumpen lösen sich aus allen Ecken los; dann bewegen sich diese menschlichen Schatten und nehmen deutlichere Formen an und einer nach dem andern wird erkennbar. Da steht einer, seine Decke über dem Kopf; er sieht aus wie ein Wilder oder vielmehr wie das Zelt eines Wilden, das schaukelnd herumschwankt. Von nahem unterscheidet man, in ein breites gestricktes Wollzeug eingerahmt, ein viereckiges, jodgelbes Gesicht mit dunklen Flecken und gebrochner Nase, eng zusammenstehenden Schlitzaugen mit rosiger Umrandung und einem kleinen Stoppel-Schnurrbart, feucht wie eine Fettbürste.

– Hola Volpatte! Wie gehts Firmin?

– Es geht, es geht, immer hin und her, sagt Volpatte.

Er hat einen trägen Tonfall, den seine Heiserkeit noch beschwert. Dann hustet er.

– Ein Husten, zum Verrecken! Du, hast du gehört heut Nacht, die Attacke? Alter, das war ein Bombardement, das reinste Absieden!

Er zieht die Luft durch seine eingefallne Nase und fährt mit dem Aermel drüber. Dann schiebt er die Hand unter Mantel und Weste, greift nach seiner Haut und kratzt sich.

– Dreissig Stück hab ich beim Kerzenlicht gefangen, grunzt er. Im grossen Unterstand neben dem Schleichweg kannst du was erleben; im Stroh sieht man sie rumkrabbeln, wie ich dich hier sehe.

– Wer hat angegriffen, die Deutschen?

– Sie und wir auch, bei Vimy; ein Gegenangriff. Hast du nichts gehört?

– Nein, antwortet für mich der dicke Lamuse, der Stier-Kerl. Ich schnarchte. Kannst dir ausrechnen, letzte Nacht Dienst gehabt.

– Ich hab was gehört, sagt Biquet, der kleine Bretone. Hab' schlecht geschlafen, oder, besser gesagt, gar nicht geschlafen. Ich hab 'nen Spezial-Unterstand. Das Hurenloch, da guck her.

Er zeigt mit dem Finger auf einen nicht sehr tiefen Graben, in dem es auf einem dünnen Mistbett gerade für einen Platz hat.

– In der Nusschale schlafen, sagt er, und nickt mit seinem kleinen, harten und eckigen Schädel, der aussieht, als sei er noch nicht fertig ausgefeilt. Ich hab fast nicht geschlafen; eingeschnarcht war ich zwar schon, aber die Ablösung vom 129ten ist hier durch und hat mich aufgeweckt, aber nicht durch den Lärm, sondern durch den Gestank. Die Kerle mit ihren Füssen an meiner Nase vorbei! Das weckt einen totsicher auf; Nasenfieber kriegst du davon.

– Ich kenne das. Wie oft bin ich nicht selbst im Schützengraben aufgewacht an jener schweren Stickluft, die eine Abteilung beim Marsche wie eine Spur hinter sich herzieht.

– Wenn die Läuse wenigstens dran kaput gingen, sagt Tirette.

– Bewahre, die kriegen im Gegenteil Beine davon, meint Lamuse. Je dreckiger du bist, je lausiger, sag ich dir, um so mehr lieben sie dich, die Läuse.

– Uebrigens war's mein Glück, fährt Biquet fort, dass sie mich mit dem Stinkgeruch aufgeweckt haben. Ich erzählte es soeben dem dicken Schmerbauch da, hab zur rechten Zeit meine Gucklöcher aufgesperrt und erwischte grad noch das Zeltdach über meiner Schlafkapsel, sonst hätte sie mir so ein schuftiger Mistkäfer gemaust.

– Lauskerle sind die vom 129ten.

Zu unsern Füssen unterscheidet man, unten im Graben, eine menschliche Gestalt, die das Morgenlicht noch nicht traf; sie hockte unten im Loch und ramschte mit beiden Händen ihre Kleider zusammen und schüttelte sich; es war Vater Blaire.

Zwei Aeugelchen blinzelten in seinem staubigen Gesicht. Ueber der Oeffnung seines Mundes, in dem kein Zahn mehr zu sehen war, sass als gelber Büschel ein dichter Schnurrbart. Seine Hände hatten einen finstern Zug und ihr Rücken war derart verdreckt, dass sie ein Fell zu decken schien; die Handfläche war hart und grau. Seine ganze Gestalt, mürbe wie eine verschrumpfte, erdbedeckte Wurzel, hatte den muffigen Geruch eines alten Kochtopfes.

Er kratzte sich und sprach mit dem langen Barque, der ein wenig von ihm Abstand wahrte und nur sein Ohr hinhielt.

– Zu Hause bin ich nicht so dreckig, meinte er.

– Da hast du dich verdammt geändert, antwortete Barque.

– Dein Glück, platzte Tirette heraus, sonst kriegte nämlich deine Frau Negerbengels von dir.

Blaire wurde wild und zog seine Brauen an seiner schwarzbesudelten Stirn zusammen.

– So lass mich doch in Frieden. Was du nur mit mir hast? Krieg ist Krieg. Glaubst du, der ändert dir deine Manieren nicht, du Bohnenfratze? Begaff dich doch selbst, du Affenschnauze, Arschbackengesicht du! Die Redensarten bringt auch nur ein Kamel wie du raus.

Er fuhr mit der Hand über die graue Schicht, die sein Gesicht bedeckte; sie war durch den Regen dieser Tage klebrig geworden und tatsächlich nicht zum wegbringen. Dann fügte er hinzu:

– Uebrigens wenn ich bin, wie ich bin, so ist das meine Sache. Erstens hab ich keinen Zahn mehr. Der Bataillonsarzt hat mir schon lange gesagt: »Hast keinen Zinken mehr, das langt nicht. Bei der nächsten Pause, hat er gesagt, gehst du in den estomatologischen Wagen.«

– Tomatologischer Wagen, berichtigte Barque.

– Stomatologisch, belehrte Bertrand.

– Man kriegt's zwar umsonst, fuhr Blaire fort, aber gegangen bin ich doch nicht.

– Ha, und weshalb nicht?

– Halb wegen der Versetzung, antwortete er.

– Bist reif zum Küchenoberst, meinte Barque; das war eigentlich was für dich.

– Ganz deiner Meinung, machte Blaire einfach, worüber man lachte. Dies aber beleidigte ihn, er stand auf und meinte:

– Ich kriege Bauchgrimmen bei euch, ich geh 'nen Kaktus pflanzen.

Als er dann im Morgengrauen verschwunden war, wurde von den andern jene Wahrheit noch mal durchgekaut, dass es nichts gemeineres auf Erden gibt als die Köche.

– Wenn ein Kerl derartig schmierige Haut und dreckige Kleider hat, dass er nur noch mit Zangen anzugreifen ist, so kannst du Gift drauf nehmen, 's ist ein Küchenchef. Je dreckiger, desto eher ist er Küchenchef.

– Das ist sicher wahr und wahrhaftig, sagte Marthereau.

– Da kommt Tirloir. He! Tirloir!

Tirloir beschäftigt ein Gedanke; er schnüffelt nach rechts und schnüffelt nach links; sein dünner, chlorbleicher Schädel wiegt sich im Wulst seines Mantelkragens, der ihm viel zu dick und zu weit ist. Sein Kinn ist zugespitzt und die obere Zahnreihe vorspringend; um seinen Mund gräbt sich tief eine Falte ein wie ein Maulkorb. Er ist wütend wie gewöhnlich, und wie immer hat er was zu schimpfen.

– 's hat mir einer meinen Brotsack gemaust, heut Nacht.

– Wohl einer von der Ablösung vom 129ten. Wo lag der Brotsack?

Tirloir deutet auf ein Bajonett, das in der Wand steckt, neben dem Eingang eines Unterschlupfes:

– Da hing er, an dem Zahnstocher hier.

– Schafskopf! tönt es allgemein. Da langt doch jeder mit der Hand hin! Bist wohl verrückt?

– 'ne Gemeinheit ist es doch, jammert Tirloir.

Dann packt ihn plötzlich die Wut. Sein Gesicht schrumpft in Falten zusammen, wutschnaubend; seine kleinen Fäuste ballen sich wie Seilknoten, mit denen er in der Luft herumfuchtelt.

– Das kann ich nur sagen: wenn ich den Hund erwische, hau ich ihm 's Maul kaput, den Ranzen stoss ich ihm ein, ich ... ein ganzer Camembert war noch drin. Ich werde noch mal auf die Suche gehn.

Er massiert sich den Bauch mit der Faust, wie eine Gitarre mit kleinen, knappen Schlägen und macht sich davon. Seine Silhouette schreitet in die Morgendämmerung davon, würdig und zugleich wie die Fratze eines Kranken, der sich in seinen Schlafrock verkriecht. Noch hörte man ihn fluchen, bis er schliesslich verschwand.

– Das Kamel, machte Pépin, worauf die andern lachten.

– Er hat einen Spleen, er ist total verrückt, erklärt Marthereau, der die Gewohnheit hat, durch den gleichzeitigen Gebrauch zweier Synonyma seinen Aeusserungen das Rückgrat zu stärken.

*

Da, Alterchen, sagt Tulacque, der soeben erscheint, guck dir mal das an.

Tulacque ist ganz hervorragend. Er trägt ein zitronengelbes Wams, das er sich aus einem geölten Schlafsack zurechtgeschneidert hat. Für den Kopf hat er in der Mitte ein Loch herausgeschnitten und über das Ganze seine Achselriemen und den Gurt geschnallt. Tulacque ist gross und knochig im Bau. Wenn er geht, streckt er sein energisches Gesicht vor; in seinem Blick liegt etwas verdächtiges. In der Hand hält er einen Gegenstand.

Heut nacht hab ich das gefunden beim graben am »neuen Schlauch«, als man die verfaulten Holzrahmen ausgewechselt hat. Hat mir gleich imponiert, das Zeug. 'S ist ein Beil, älteres Kaliber.

»Aelteres Kaliber« stimmte unbedingt: es bestand aus einem zugespitzten Stein und einem braunen Knochen als Griff. Es schien mir ein prähistorisches Stück zu sein.

– Es liegt einem famos in der Hand, sagt Tulacque, indem er das Werkzeug schwingt. Tatsache, gar nicht so schlecht ausgedacht, jedenfalls besser, als das heutige Ordonnanz-Beil. Tadellos, weisst du; da, probier mal ... was? Aber wieder zurückgeben. Ich behalt mir das Zeug auf; das kann mir sicher mal Dienste leisten ...

Er schwingt sein vorsündflutliches Beil und scheint selbst ein Pitecanthropus mit Flittergold, der in den Eingeweiden der Erde haust.

*

An der Biegung des Schützengrabens stehen wir nun aneinander, wir von der Bertrandschen Korporalschaft und vom halben Zug. An dieser Stelle ist der Graben etwas breiter als an seinem geraden Teil, und wenn andre vorübergehn, drückt man den Rücken an die Wand, aber die Bäuche streifen noch aneinander.

Unsere Kompagnie steht in Reserve in einem Parallelgraben zweiter Linie. Hier gibts keinen Wachpostendienst. Nachts sind wir für Erdarbeiten vorne gut, aber tagsüber gibt es für uns nichts zu tun. So hocken wir aneinandergepfercht, Ellenbogen an Ellenbogen, und schlagen, wie's geht, bis zum Abend die Zeit tot.

Das Tageslicht ist schliesslich in die endlosen Erdschlitze, die diese Gegend durchfurchen, eingesickert und beleckt die Schwelle unserer Höhlen. Trübseliges Licht des Nordens, niedrer und schlammiger Himmel, an dem der Rauch und Gerüche von Fabriken zu kleben scheinen. In dieser bleichen Beleuchtung erscheint die Gelegenheitskleidung jener tiefsten Menschenschicht ungeschminkt in der unendlichen und verzweifelten Armseligkeit, die sie schuf. Aber es steht damit wie mit dem eintönigen Tik-Tak des Gewehrfeuers und dem Brummen der Kanonen: zulange schon dauert das Drama, das wir spielen, als dass man sich noch über das Aussehen aufhielte und über die Verkleidung, die man sich erfunden hat, zum Schutze gegen den Regen, der von oben kommt, gegen den Dreck, der von unten kommt und gegen die Kälte, die wie eine Unendlichkeit überall fliesst.

Tierfelle, Deckenbündel, Tücher, Pelzmützen, Wollkappen, gefütterte Mützen, Halstücher, dick über den Mund gezogen oder als Turban über dem Schädel auspolsternde Unter- und Oberleibchen, Ueberzüge von geteerten, gummierten und Kautschuk-Kappen, schwarze und solche in allen möglichen, verblichenen Regenbogenfarben; alles dies verhüllt die Leute, verwischt ihre Uniformen und ihre Gesichter und lässt sie ins Ungeheuerliche wachsen. Dem einen hängt im Rücken ein weiss- und rotkarriertes Wachstuch, das er im Vorübergehn irgend in einem gastfreundlichen Esszimmer aufgegabelt hat: es ist Pépin, den man von weitem schon an diesem Harlekinfetzen besser erkennt als an seinem bleichen Apachengesicht. Hier wölbt sich Barques Brustlatz, den er sich aus einer Steppdecke ausgeschnitten hat, früher mal rosafarben, jetzt aber unter Staub und Regen abgeschossen und moiriert. Dort steht der mächtige Lamuse wie eine Turmruine mit Reklame-Ueberbleibseln. Der kleine Eudore trägt einen Rückenpanzer aus Moleskin, so dass er von hinten aussieht wie ein polierter Käfer; aus allen heraus aber ragt Tulacque mit seinem gelben Häuptlings-Brustkasten.

Der Helm überm Kopf bringt eine gewisse Einförmigkeit, und dies auch nicht immer! Manchem sitzt er nämlich auf dem Käppi, wie dem Biquet, oder wie Cadilhac auf der Pelzmütze, andern wieder auf der Baumwollmütze, wie Barque; das alles kompliziert noch die Sache und bringt die verschiedensten Spielarten hervor.

Und unsre Beine! ... Eben kroch ich gebückt in unsern Unterstand, eine niedere Höhle, in der man über leere Konservenbüchsen und schmutzige Lumpen glitscht und wo es nach muffiger Feuchtigkeit riecht; zwei lange Leiber lagen schlafend am Boden, während eine knieende Gestalt beim Kerzenlicht in einem Brotsack stöberte ... Als ich nun wieder hinauskletterte, kamen mir, indem ich durch die rechteckige Oeffnung sah, Beine zu Gesicht. Da gab es wagrechte, senkrechte und schiefstehende, ausgebreitete, eingeklappte und verstrickte, die den Durchgang versperrten und die von jenen verwünscht werden, die sich durchdrücken möchten. Sie bieten jedenfalls eine an Farben und Formen äusserst reiche Auswahl: Gamaschen, schwarze und gelbe Wadenbekleidungen, lange und kurze, aus Leder, gegerbtem Tuch oder sonstigem wasserdichtem Gewebe: dunkelblaue, hellblaue, schwarze, resedafarbige, kaki und hellgraue Wadenbinden ... nur Volpatte trägt noch, einzig in seiner Art, von der Mobilisation her, die kleinen Ordonnanzbinden. Mesnil André führt seit zwei Wochen ein Paar dicke, grüne und gerippte Wollstrümpfe spazieren, während man Tirette von jeher mit grau und weiss gestreiften Tuchbinden gekannt hat, die von einer Zivilhose herrühren und gottweiss, wo diese Zivilhose bei Kriegsausbruch gehangen hat ... Und Marthereau erst, dessen Binden nicht genau gleich in der Farbe sind; als er sie nämlich zurechtschneiderte, konnte er unmöglich zwei Mantelfetzen ausfindig machen, die gleich abgenützt und dreckig gewesen wären. Daneben gibt es in Lumpen, ja sogar in Zeitungen eingewickelte Beine, um die sich Schnüre und, was noch praktischer ist, Telephondrähte spiralenförmig winden. Pépin protzt vor den Kameraden und den Passanten mit einem Paar fuchsgelben Gamaschen, die er einem Toten gepumpt hat ... Barque, der auf Findigkeit und Ideenreichtum Anspruch erhebt (womit er einem, weiss Gott, zuweilen auf die Nerven geht), der Bruder Barque leistet sich weisse Waden: er hat sich nämlich Verbandbinden um die Gamaschen gewickelt, um sie zu schonen; diese weisse Farbe an der Basis seiner Gestalt passt zu seiner Baumwollmütze, die unter seinem Helm herausschaut und unter der wiederum der feuerrote Haarbüschel eines Clowns hervorguckt. Poterloo marschiert seit einem Monat in den Stiefeln eines deutschen Infanteristen herum; es sind schöne, fast noch neue Stiefel mit Hufeisen am Absatz. Caron hat sie ihm anvertraut, als er seines Armes wegen wegkam. Caron selbst hatte sie einem bayrischen Mitrailleur abgenommen, der auf der Pylones-Strasse gefallen war. Ich höre noch Caron die Geschichte erzählen:

– Jawohl, mein Lieber, da lag er, der Bruder Hiroton, zusammengeklappt, den Hintern in einem Loch; er blinzelte den Himmel an, die Beine in der Luft. Er hielt mir seine Komisstiefel hin, als wollte er sagen, der Streich lohne sich. Werden wir schon machen, sagt ich mir. Aber Mensch, die Schinderei, dem die Stiefel auszuziehn! Abgeschunden hab ich mich, dran gezogen, gedreht, geschüttelt ... eine halbe Stunde, mein Ernst; mit seinen stocksteifen Haxen, ohne Behilflichkeit seinerseits. Und als ich eine lange Zeit dran gewürgt hatte, da gingen dem Leichnam schliesslich die Beine an den Knien aus dem Leim und seine Büchsen desgleichen und die ganze Bescherung nach, mit einem Ruck! Auf einmal stand ich da, in jeder Pfote einen gefüllten Stiefel. Und nun hiess es, die Beine und die Füsse rausnehmen.

– Na, du trägst dick auf!

– Frag den Radfahrer Euterpe, ob's nicht wahr ist. Wenn ich dir sag, dass er dabei war: mit den Händen haben wir Knochen, Sockenfetzen und Fusstücke rausgezogen. Aber guck her, gelohnt hat sich die Sache!

... Und während Carons Abwesenheit trägt Poterloo für ihn die Stiefel ab die der bayrische Mitrailleur nicht mehr selbst hat abtragen können.

Und so wehrt man sich mit regsamem Erfindungsgeist und allerlei kühnen Hilfsmitteln gegen den schrecklichen Mangel an häuslicher Einrichtung. Jeder ist wie ein Zeugnis dessen, was er in der tiefen Armseligkeit, die ihn überfallen hat, zu erfinden wusste und auszuführen sich nicht scheute.

Mesnil Joseph schlummert, Blaire gähnt, Marthereau qualmt stieren Blickes. Lamuse kratzt sich wie ein Gorilla und Eudore wie ein Seidenaffe; Volpatte hustet und sagt, ich werde verrecken; Mesnil André hat Spiegel und Kamm vorgeholt und pflegt seinen schönen braunen Bart wie eine seltene Pflanze. Die eintönige Stille wird zuweilen durch Anfälle verzweifelten Schüttelns unterbrochen, hervorgerufen durch die endemische, chronische und ansteckende Gegenwart der Parasiten.

Barque aber, der ein guter Beobachter ist, lässt seine Blicke in der Runde spazieren, zieht seine Pfeife aus dem Munde, spuckt, zwinkert mit dem Aug und meint:

– Man sieht sich doch verdammt unähnlich.

– Wie sollte man auch? fügt Lamuse hinzu; das wär schon ein Wunder.

*

Unser Alter? Alle möglichen Alter haben wir. Unser Regiment ist ein Reserveregiment, das durch verschiedentlichen Nachschub teils aus der aktiven Armee, teils aus der Landwehr ergänzt worden ist. In dem einen halben Zug gibt's Landwehr-Reserven, Anfänger und Halbflügge. Fouillade ist vierzig, Blaire könnte Biquets Vater sein, der selbst ein Fläumling ist und zum Jahrgang 13 gehört. Der Korporal redet den Marthereau mit »Grossvater« an oder mit »alter Schutthaufen«, je nachdem er im Spass oder im heiligen Ernst spricht. Mesnil Joseph wäre jetzt in der Kaserne, wenn nicht Krieg wäre. Es berührt uns schon merkwürdig, wenn wir uns führen lassen müssen von unserm Sergeanten Vigile, einem kleinen netten Kerl mit einem Anflug von Härlein an der Oberlippe und der letzthin im Standquartier mit kleinen Mädchen Seil hüpfte.

In unserer zusammengewürfelten Gruppe, in dieser Familie ohne Verwandtschaft, an diesem Herd ohne Heim sitzen dicht nebeneinander drei Generationen und leben, warten reglos wie unförmige Statuen, wie starrende Meilensteine.

Unsre Rassen? Alles mögliche ist bei uns vertreten und aus allen Gegenden sind wir zusammengelaufen.

Meine Nachbarn zum Beispiel: Poterloo ist Minen-Arbeiter aus der Calonne-Grube und hat eine rosige Gesichtsfarbe, strohgelbe Augenbrauen, flachsbläuliche Augen und einen dicken goldgelben Schädel, für den man lange in den Magazinen nach der mächtigen blauen Schüssel gesucht hat, die ihn behelmt. Fouillade dagegen ist Schiffsmann von Cette und rollt ein Paar teuflische Augen; er hat das lange, magere und geigenbraune Gesicht eines romantischen Haudegens und eingefallene Wangen; so sind meine beiden Nachbarn in der Tat voneinander verschieden wie Tag und Nacht.

Und nicht minder der Kontrast zwischen Cocon, jener langen, bebrillten Bohnenstange, mit der vom Grosstadtdunst zersetzten Hautfarbe und zwischen Biquet, dem rauh zugeschnittenen Bretonen mit grauer Gesichtsfarbe und seinem Pflastersteinkiefer; und André Mesnil, der gemütliche Apotheker aus der normannischen Unterpräfektur, der einen hübschen, zarten Bart trägt und der so viel und so gut spricht; er hat nicht viel gemeinsames mit Lamuse, dem fetten Bauern aus dem Poitou, mit seinen Faustbacken und seinem Stier-Nacken. Barque, der sämtliche Strassen von Paris abgeklopft hat, spricht die Sprache der Pariser Vorstadt, wogegen andere aus dem 3. Landwehr-Regiment den singenden, fast belgischen Akzent des Nordens haben; dazwischen tönt wiederum die klangvolle Sprache der 144., die über die Silben wie über Pflaster rollt und schliesslich der Dialekt der Auvergnaten vom 12., die sich wie Ameisen gegenseitig anziehen und inmitten der übrigen einen abgesonderten Block bilden ... Ich erinnere mich noch, wie Tirette, dieser Spassvogel, sich mit folgenden Worten vorstellte: »Ich, Kinder, ich bin von Clichy-la-Garonne! Wer hat da noch Worte?« Und jene erste Klage, die mich Paradis näher brachte, als er jammerte: »die andern futieren sich um mich, weil ich aus dem Morvanschen bin«.

Unsere Berufe? Auch so ziemlich alles durcheinander. In früheren Zeiten, als man sich noch einer sozialen Stellung erfreute und man seine Zukunft in diese verregneten und beschossenen Maulwurfslöcher, die man immer wieder neu aufscharren muss, noch nicht vergraben hatte, damals waren wohl die meisten von uns Ackersleute und Arbeiter. Lamuse war Knecht, Paradis Fuhrmann; Cadilhac, dem der Kinderhelm auf seinem spitzen Schädel wackelt gleich einer Kuppel auf einem Kirchturm, wie sich Tirette ausdrückt, Cadilhac ist Grundbesitzer; Papa Blaire war Pächter in der Brie; Barque dagegen war Laufbursche und vollbrachte auf seinem Dreirad akrobatische Kunststücke, sich zwischen Pariser Trambahnen und Taxametern durchschlängelnd, wobei er, nach seiner eigenen Aussage, auf den Strassen und Plätzen den bestürzten Hühnerstall der Fussgänger in ganz hervorragender Art anbrüllte; Korporal Bertrand, der sich stets schweigsam und korrekt ein wenig abseits hält, mit seinem regelmässigen und exakt zugeschnittenen Gesicht, mit seinem schönen, wagerechten und mannhaften Blick, war Werkmeister in einer Röhrenfabrik. Tirloir bepinselte Kutschen, ohne zu murren, wie versichert wird. Tulacque hatte eine Weinpinte an der »barrière du Trône« und Eudore, der bleiche und sanfte Eudore führte an einer Landstrasse unweit von der jetzigen Front eine Wirtschaft; sie hat unter den Geschossen sehr gelitten – natürlich, denn, wie bekannt, hat Eudore kein Glück. Mesnil André, der noch die letzten Spuren von Zivilisation aufzuweisen hat und seine Haare pflegt, verkaufte Natron und garantiert unfehlbare Mittel (an einem grossen Platz); sein Bruder Joseph verkaufte Zeitungen und illustrierte Romane in einem Bahnhof der Staatseisenbahn, während Cocon, der Ziffermensch, fern von hier, in Lyon, hinter dem Ladentisch einer Eisenhandlung mit einer schwarzen Bluse und bleifarbenen, polierten Händen sich zu schaffen machte. Becuwe, Adolphe und Poterloo dagegen stiegen, wenn der Morgen graute, hinter dem armseligen Sternchen ihrer Laterne in die Kohlengruben des Nordens.

Und andere hat es noch, deren Berufe man immer wieder vergisst und die man miteinander verwechselt; und dann die Landstromer, die zehn Berufe zugleich in ihrem Ranzen führen, Pépin nicht zu vergessen, der zweifelhafte Pépin, der wohl nie einen Beruf gehabt hat (alles was man weiss, ist, dass er vor drei Monaten, nach seiner Wiederherstellung im Depot geheiratet hat, um ... die staatliche Unterstützung der Wehrmannsfrauen zu beziehen).

Freie Berufe gibt es keine in meiner Umgebung. Lehrer sind Unteroffiziere bei der Kompagnie oder bei der Sanität. Im Regiment befindet sich ein Marist als Sergeant, dem Sanitätsdienst zugeteilt; ein Tenor ist Radfahrer beim Bataillons-Arzt; ein Advokat Sekretär des Obersten; ein Rentier Küchenkorporal bei der Verwaltungs-Kompagnie. Bei uns dagegen nichts von alledem; denn wir sind kämpfende Soldaten, wir; und während dieses Krieges werden die wenigsten unter den Intellektuellen, den Künstlern oder den Reichen ihr Gesicht an eine Schiesscharte vorgewagt haben, allerhöchstens im Vorbeigehen oder mit ein paar Streifen am Käppi.

Gewiss, man ist grundverschieden von einander.

Und doch sieht man einander so ähnlich.

Trotz Altersunterschiede, trotz verschiedener Herkunft, Bildung und Stellung, trotz alledem, was früher war und trotz der Abgründe, die uns einst von einander trennten, sind wir im grossen und ganzen einer wie der andere. Hinter einer rauhen Silhouette verbergen sich und zeigen sich die gleichen Sitten, die gleichen Gewohnheiten, der gleiche vereinfachte Mensch, der auf den Urzustand zurückgekommen ist.

Die gemeinsame Ausdrucksweise, jenes mit einigen Neubildungen aus der Werkstatt-, Kasernensprache und Dialekt gewürzte Gemisch verbindet uns wie eine Sauce jener gedrängten Ansammlung von Männern, die seit Monden Frankreich entleert, um sich im Nord-Osten anzustauen.

Und dann kettet uns hier das gleiche unwiderrufliche Schicksal aneinander, wo uns eine höhere Macht und das gewaltige Abenteuer auf die gleiche Stufe stellt. So muss man wohl nach Wochen und Monaten einer allgemeinen Aehnlichkeit unterliegen. Die schreckliche Enge des gemeinsamen Daseins, das uns aneinanderdrängt, passt uns gegenseitig an, verwischt alle Unterschiede, und jeder wird unwiderruflich davon angesteckt; so dass wir einander schliesslich ähnlich sehen, ohne dass man erst aus der Ferne zum Eindruck jener Gleichheit gelangte, aus einer Ferne, für die wir nur Staubkörnchen sind, die in der Ebene umhergetrieben werden.

*

Man hockt da und wartet; dann wird man müde vom hocken und steht auf. Beim Aufstehen aber quetschen einem die Gelenke wie gleitendes Holz oder alte Türangeln; in der Feuchtigkeit rostet der Mensch ein wie 's Gewehr, langsamer zwar, aber gründlicher. Und dann fängt das Warten wieder von vorne an, und man versucht es auf andere Weise.

Ein Warten ohne Ende ist der Kriegszustand. Man wird zur Wartemaschine. Augenblicklich wartet man gerade auf die Suppe. Dann kommen die Briefe an die Reihe. Doch jedes Ding zu seiner Zeit: erst wenn man mit der Suppe fertig ist, wird man an die Briefe denken. Und dann wird es irgend was anderes zum abwarten geben.

Hunger und Durst sind brennende Instinkte, die auf den Geisteszustand meiner Kameraden mächtigen Einfluss haben. Und da die Suppe auf sich warten lässt, werden sie ungehalten und murren. Das Bedürfnis nach Nahrung und Trank knurrt ihnen zum Mund heraus.

– Acht Uhr schon. Wo bleibt diese gottverdammte Brühe?

– Und mir brummt schon seit gestern zwölf Uhr der Magen, knurrt Lamuse, mit sehnsuchtsfeuchten Augen und weinroten Backen.

Von Minute zu Minute wächst der Missmut zu Erbitterung an.

– Plumet hat sich wohl meinen Lakritzensaft hinter die Binde gegossen, anstatt ihn herzubringen und liegt besoffen, weiss der Teufel wo.

– Das ist sicher und gewiss, meint Marthereau.

– Halunken, Ungezieferbagage! brüllt Tirloir, gemeine Bande alle mit einander, diese Ober-Faulpelze! Auf dem Ranzen liegen den ganzen Tag, hinter der Front und sich nicht einmal zur Zeit herschleppen können. Wenn ich Prinzipal wäre, ich wollte sie schön an unserer Stelle in die Schützengräben stopfen, und dran glauben müssten die bequemen Herrn! Erstens müsste jeder mal schmutzig werden und die Brühe kochen dürfen; d. h. wer dazu Lust hätte, versteht sich. Und dann ...

– Pépère, der Schweinehund, schreit Coco, wird natürlich an der Bremserei schuld sein. Erstens tut er's mit Fleiss und zweitens kriegt man morgens den Satan nicht aus den Federn, das arme Kerlchen. Sechs Stunden Lauskapsel braucht er zum ausschnarchen, wie ein Milchsüppchen, und tags über liegt er auf der faulen Haut.

– Ich möcht ihm schon Feuer unter die Hosen zünden! schimpft Lamuse. Den wollt ich prompt aus den Federn jagen, wenn ich dabei wäre. Den Hirnkasten würd' ich ihm eintrommeln, an seinen Stelzen rausangeln sollte man ihn.

– Letzthin, sagt Cocon, hab ich's ausgerechnet: sieben Stunden siebenundvierzig Minuten hat er gebraucht vom Unterstand Nr. 31. Fünf gut gestampfte Stunden brauchst du, nicht mehr.

Cocon ist ein Zahlenmensch.

Er ist mit Gier ins Genaue-Dokumentiertsein vernarrt; überall steckt er wie ein Wiesel seine Nase hinein, ob es nicht nach Statistiken rieche, die er dann mit Ameisenfleiss anhäuft und jedem geduldigen Ohr als Schmaus anbietet. Augenblicklich fuchtelt er mit Zahlen herum wie mit einer Waffe und Wut verzerrt sein dünnes Gesicht, das aus lauter Dreiecken und Winkeln besteht, auf denen die zwei Kreise seiner Brillen ruhn.

Er steigt aufs Schiessbrett, das noch aus der Zeit stammt, als hier die vorderste Linie durchlief; dann streckt er seinen Kopf wütend über die Böschung; dabei sieht man im dünnen, kalten Lichtstreifchen, das über die Erde kriecht, die Brillengläser glänzen und auch einen Tropfen, der ihm wie ein Diamant an der Nase hängt.

– Und überhaupt mit dem Pépère, kein Wunder, so ein Spundloch; unglaublich, was er sich kiloweise Saft an einem Tag hinter die Binde giesst.

Der alte Blaire mistet seine Ecke. Man sieht, wie dabei sein dichter, weisslicher Schnurrbart zittert, der ihm wie ein weisser Kamm aus der Nase steht.

– Soll ich dir was sagen? Die Suppenmannschaft, das ist überhaupt der Typus eines Schweinetypus. Bei ihnen heisst's immer: scheiss drauf, leck mich am Arsch, Scheiss-Arsch und Compagnie.

– Auf dem Mist sind sie gewachsen, seufzt in tiefster Ueberzeugung Eudore, der der Länge nach mit halbgeöffnetem Mund wie ein Märtyrer auf dem Boden liegt und Pépin unentwegt betrachtet, der wie eine Hyäne hin- und herrennt.

Die hassgeschwängerte Erbitterung gegen die Verspäteten wächst von Minute zu Minute,

Tirloir, das Reklamierkaliber, kommt überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Er ist in seinem Element und stupft die Wut der Kameraden mit kleinen, spitzen Gesten an:

– Wenn man wenigstens den Trost hätte, dass einem die Sache schmecken wird, aber die Schlampe, die du dir in den Schlauch stopfen sollst.

– Und gestern, ha! meint Tirette, den Braten, den sie gebracht haben; Schleifstein ist nichts dagegen! Rindsbeefsteak nennen sie das; hat sich was mit dem Veloschlauch. Den andern hab ich gesagt, sie sollten beim kauen aufpassen: beisst euch die Dominos nicht dran kaput, hab ich gesagt, wenn der Schumacher im Falle einen Nagel dran vergessen hätt.

Tirette, heisst es, sei Exregisseur einer Kinotruppe; sein ausgeschriener Witz hätte zu einer andern Zeit die Lachmuskeln gereizt; jetzt aber ist die Stimmung getrübt und auf den Witz antwortet nur ein allgemeines Knurren.

– Und dann pappen sie einem als Fleisch zur Abwechslung was Weiches in den Magen; sowas wie ungesalzner Schwamm, oder fades Senfpflaster; beim Essen hast du's Gefühl, es rutscht dir ein Viertel Liter Wasser den Schlauch runter.

– All das Zeug ist ohne Bestand, meint Lamuse, und hält nicht an im Magen. Und wenn du meinst, du bist voll, dann hast du doch 'ne leere Kiste; und dann kippst du allmählich um von wegen zu wenig Nahrung.

– Das nächste Mal, schreit Biquet, geh ich zum Alten und sag ihm: »Herr Hauptmann ...«

– Ich, sagt Barque, meld mich bleich und sag zum Arzt: »Herr Major ...«

– Und wenn du Wände einrennst, hast du nichts davon. Die sind sich doch alle einig, den Soldaten auszunützen.

– Unsre Haut wollen sie, alle, sag ich dir!

– Genau wie mit dem Schnaps. Das Recht drauf haben wir; irgendwo, wo weiss ich nicht, aber irgendwo, weiss ich bestimmt, ist drüber abgestimmt worden; nun sind wir schon drei Tage lang hier, und Schnaps! Hat sich was, mit Heugabeln schenken sie ihn uns ein?

– Hol's der Teufel.

*

– Endlich kommen die Fressalien! meldet einer der an der Biegung Auslug hielt.

– Höchste Eisenbahn!

Nun legt sich plötzlich wie verhext das fluchende Gewitter, und die Wut wandelt sich in Zufriedenheit.

Drei Leute Suppenmannschaft stellen, ausser Atem und schweisstriefenden Gesichtes, zwei grosse Kannen, eine Petrolkanne, zwei Tucheimer und an einer Stange aufgespiesste Kugeln auf die Erde. An die Grabenwand gelehnt, wischen sie sich mit ihren Taschentüchern oder ihren Aermeln den Schweiss von der Stirn. Dabei seh ich Cocon sich an Pépin lächelnd heranmachen; schon hat er die Beleidigungen, mit denen er ihn vorhin bedacht hatte, vergessen, und deutet auf eine jener Feldflaschen, die dem Pépère wie ein Rettungsgürtel um den Bauch hängen.

– Was gibt's zu futtern?

– Da steht's, antwortete ausweichend der zweite Träger.

Die Erfahrung nämlich hatte ihn gelehrt, dass die Ankündigung des Speisezettels stets eine bittere Enttäuschung hervorruft.

Er schimpft auch deshalb, ohne noch seinen vollen Atem gefunden zu haben, über den langen und schlechten Weg, den er soeben zurückgelegt hatte: »Ueberall liegen sie herum wie die Beduinen, man kommt kaum durch. Dünn wie Zigarettenpapier müsste man sein, manchmal, um sich durchzuquetschen ...« »Und dabei hat's noch welche, die meinen, bei der Küchenmannschaft seien sie alle Drückeberger.« Dagegen behaupte er, tausendmal lieber im Schützengraben zu arbeiten oder auf dem Wachtposten zu stehn, als dies elende Handwerk zweimal in der Nacht und zweimal am Tag ausüben zu müssen.

Paradis hat die Deckel der Kannen gelüftet und den Inhalt untersucht:

– Oelbohnen, gekochtes Leder und Schlamm; das ist alles.

– Gottverdammich! Und wo bleibt der Wein? brüllt Tulacque und trommelt die Kameraden zusammen.

– Da schaut her! So was geht über's Bohnenlied! Nicht mal Wein haben sie gebracht.

Sie laufen alle zusammen und schneiden lange Gesichter; denn ihre Gaumen sind ausgetrocknet.

– Scheissbande! rufen die Leute, tief bis in die Eingeweide hinein enttäuscht.

– Und da drinnen, was hat's da drinn? meint einer der Träger, noch immer krebsrot und nass vom Schweiss, und deutet mit dem Fuss auf eine Kanne.

– Ja so, sagt Paradis, ich habe mich getäuscht, also doch Wein.

Drauf zuckt der Träger mit den Achseln und wirft ihm einen Blick grenzenloser Verachtung zu und sagt: Setz dir Kuhbrillen vor die Augen, wenn du blind bist.

Dann fügt er hinzu:

– Ein Viertelliter pro Mann ... kann sein, dass es nicht ganz reicht, 's ist mir nämlich im Wald so'n Rindvieh dran gestossen, dabei ist ein Tropfen rausgespritzt ... Dann fügt er aber schnell hinzu: wenn ich nicht beide Hände voll gehabt hätte, hätt ich dem Kerl den Absatz in den Bauch gesteckt, sag ich, ja wohl! Aber die vierte Geschwindigkeit hat er eingeschaltet, das Kamel!

Trotz dieser energischen Versicherung, macht er sich schleunigst auf die Socken, verfolgt von den beleidigenden Anspielungen, die die andern seiner Ehrlichkeit und seiner Temperenzlerseele nachwerfen und auch von den Verwünschungen, die die eingestandene unvollständige Ration auslöst.

Nichtsdestoweniger stürzt man sich auf die Nahrung, und sie essen stehend, kauernd, knieend, auf einer Kanne hockend oder auf einem Tornister, der aus dem Schlafloch gezogen wird; andre liegen auf dem nackten Boden, den Rücken in der Erde vergraben; die Vorübergehenden aber stören sie und man flucht sich gegenseitig an. Ausser diesen fluchenden Bemerkungen spricht keiner etwas, denn das Essen nimmt sie völlig in Anspruch; dabei trieft der Mund von Fett wie der Verschluss der Gewehre.

Nun ist alles zufrieden.

Nach einer Weile aber ruhn die Kiefer aus; dann werden Zoten aufgetischt. Alles fuchtelt mit den Armen durcheinander und jeder überschreit den Nachbar und hastet nach der günstigen Gelegenheit, seinen Witz anzubringen. Und Farfadet lächelt, Farfadet, der zerbrechliche Mairie-Beamte, der zu anfang den Anstand wahrte und sich putzte, dass man ihn für einen Fremden oder einen Rekonvaleszenten hielt. Lamuse aber zieht sein flixendes Maul bis hinter die Ohren und seine Augen blinzeln freudetriefend; wogegen das rote Gesicht von Poterloo strahlt und glänzt wie eine Pfingstrose; die Runzeln des alten Blaire zittern vor Ausgelassenheit; er ist aufgestanden, streckt die Nase vor und schüttelt seinen dünnen Leib, der wie ein Stiel für seinen mächtigen, hängenden Schnurrbart aussieht; ja selbst der arme Cocon hat ein Fünkchen Heiterkeit auf seinem kleinen Runzelgesicht.

*

– Ja und ... der Schlamm, wird der nicht gewärmt? fragt Becuve.

– Womit nur? Blas drauf, vielleicht kriegt er Hitze davon.

– Lasst mich nur machen. Ich weiss schon, wie das zu drechseln ist; wahrlich, keine Hexerei; macht ihr mir nur einen kleinen Herd mit den Käsmesserscheiden zurecht; ich geh derweil Späne holen mit meinem Messer; werdet schon sehn ... Mit diesen Worten macht er sich auf die Holzsuche.

Die andern rollen sich Zigaretten oder stopfen ihre Pfeife, solang der Kaffee kocht.

Hierzu zieht ein jeder seinen Tabakbeutel heraus, seinen Leder- oder Kautschukbeutel, den er beim Krämer gekauft hat; das leisten sich nur die wenigsten; Biquet holt seinen Tabak aus einem Strumpf hervor, dem er dann mit einer Schnur den Hals würgt. Die meisten gebrauchen als Tabaktasche die Wattesäckchen der Gasmasken. Sie sind aus wasserdichtem Stoff hergestellt und eignen sich vorzüglich zum Aufbewahren des Knasters. Andere aber bergen ihren Tabak einfach in den Tiefgründen ihrer Manteltasche.

Die Raucher spucken im Kreis herum gerade auf den Eingang des Unterstandes zu, in dem das Gros des halben Zuges haust und überschwemmen mit gelber Nikotinspucke gerade die Stelle, wo man auf Händen und Knieen ein- und auskriecht.

*

Ein Brief, den Marthereau von seiner Frau erhalten hat, bringt das Gespräch auf die Lebensmittelfrage.

– Meine Alte hat mir geschrieben, sagt Marthereau. Wisst ihr, was ein leibhaftiges Mastschwein kostet, jetzt?

... Die volkswirtschaftliche Frage artet in einen heftigen Streit zwischen Pépin und Tulacque aus.

Die endgültigsten Worte sind ausgetauscht worden, und schliesslich meint einer:

– Mir doch Wurst, was du sagst und was du nicht sägst. Halt's Maul!

– Wenn's mir passt, Scheisskerl!

– Ein drei Liter-Krug möcht dir s'Maul zufrieden stellen!

– Ja, und wo hast du den?

– Komm nur her, komm her doch!

Sie sind schäumend vor Wut und rücken zähneknirschend aufeinander los. Tulacque fasst sein prähistorisches Beil und seine zweideutigen Augen werfen Blitze von sich. Der andere steht da, bleich, mit grünlichem Auge und dreckiger Fratze und denkt offensichtlich an sein Messer.

Lamuse aber, mit blutrotem Gesicht streckt seine friedliche Hand, dick wie ein Kinderkopf, zwischen beide Männer, die sich mit den Blicken auffressen und mit Worten zerfleischen.

– Langsam, langsam, Kinder; ihr werdet euch doch nicht in Fetzen hauen; 's wär, weiss Gott, schade drum.

Dann treten auch die anderen dazwischen und die beiden Gegner werden von einander getrennt. Beide aber werfen sich über die Kameraden hinweg wütende Blicke zu.

Pépin spuckt noch seine letzten Flüche aus mit giftigem und schnaubendem Tonfall:

– Der Apache, der Halunke, der Stromer! Nur abwarten, ich werd's ihm schon heimzahlen!

Seinerseits vertraut sich Tulacque dem Soldaten an, der neben ihm steht:

– Der Lumpenkerl! Hast du ihn gesehn? Weisst du, richtig ist das schon: man verkehrt hier mit allerlei Kerlen und weiss nicht, woher das Pack alles herkommt. Man kennt einander und kennt einander eben doch nicht. Aber wenn der die grosse Schnauze haben will, so ist er an die richtige Adresse geraten: ich werde sie ihm dieser Tage schon mal demolieren, nur Geduld.

Während dann die Unterhaltung allgemein wieder in Gang kommt und sie das aussterbende Doppelecho übertönt, sagt Paradis zu mir:

– Also alle Tage; gestern wollte Plaisance ums Verrecken dem Furnex auf die Schnauze geben, weiss der Teufel weshalb, wegen Opiumpillen oder so was. Und wenns der eine nicht ist, dann ist es der andere. Wird man hier wirklich zum Stück Vieh, weil man äusserlich danach aussieht?

– Gott, das sind doch alles keine seriösen Leute, meint Lamuse, Kinder sind sie alle.

– Na, ja, 's wären doch sonst keine Männer.

*

Der Tag ist unterdessen vorgeschritten. Ein wenig mehr Licht sickert durch den Dunst auf die Erde; aber der Himmel bleibt bewölkt und jetzt schmilzt er zu Wasser. Der feuchte Dunst fällt in dünnen Fäden auf das Land. Es sickert Feuchtigkeit. Der Wind streicht über uns seine grosse nasse Leere mit verzweifelnder Trägheit. Unterm Nebel und den feuchten Tropfen weicht alles auf und wird grau: sogar der Möbelstoff, den sich Lamuse über die Backen zieht, und die gelbe Schale in der Tulacque steckt; und das Dunstwasser löscht in uns die helle Freude, die die Mahlzeit angefacht hatte. Der Himmel hat sich auf die Erde gedrückt, und so lehnt sich das Feld der Trübsal an den Acker des Todes.

Und man steht da wie angewachsen und ohne Beschäftigung. Heute wird das Ende des Tages wieder kaum zu erreichen und der Nachmittag schwer zu erwürgen sein. Man schlottert; alles ist ungemütlich und man drückt sich von Stelle zu Stelle, wie eingepferchtes Vieh.

Cocon erklärt seinem Nachbarn die Anlage und die Verquickung unserer Schützengräben. Er hat einen Hauptplan gesehen und sich darnach manches ausgerechnet. Der Sektor des Regimentes begreift fünfzehn Linien französischer Schützengräben; die einen stehen leer; das Gras ist wieder drüber gewachsen und sie sind fast wieder mit Erde ausgefüllt; die anderen werden andauernd offen gehalten und sind gespickt mit Menschen. Diese Parallelgräben sind verbunden durch unzählige Verbindungsschläuche, die sich durch die Erde winden wie alte Gassen. Das Grabennetz ist bedeutend dichter, als wir glauben, wir, die wir selbst drin leben. Auf die fünfundzwanzig Kilometer Breite, die die Front der Armee ausmachen, kommen tausend Kilometer Gräben; Schützengräben, Verbindungsgräben, Sappen. Und das französische Heer hat zehn Armeen. Es sind demnach auf französischer Seite rund zehntausend Kilometer Gräben zu rechnen und ebensoviel auf deutscher Seite ... Und die französische Front ist ungefähr nur der achte Teil der ganzen Kriegsfront, die sich über die Erde erstreckt.

So spricht Cocon und schliesst seine Rede mit der Bemerkung:

– Kannst Dir nun ausrechnen, was unsereins in der ganzen Geschichte vorstellt ...

Der arme Barque senkt das Haupt. Er hat das bleichsüchtige Gesicht eines Vorstadtkindes, und seine roten Schnauzhaare lassen es noch blasser erscheinen. An seinem Schädel aber sitzt ein Haarbüschel wie ein geschwungener Apostroph.

Bei Gott, wenn man's überlegt, dass ein oder sogar mehrere Soldaten in diesem Haufen rein nichts, weniger als nichts bedeuten, dann kommt man sich wie verloren und verwischt vor, wie ein paar Tropfen Bluts in diesem sündfluthaften Durcheinander von Menschen und Dingen.

Barque seufzt und verstummt – und dann hört man eine Geschichte, die einer in dieser Lautlosigkeit halbleise erzählt:

– Er war mit zwei Pferden gekommen. Pssiiii ... eine Granate. Dann blieb ihm nur noch das eine Pferd ...

– Man vergeht vor Langeweile, sagt Volpatte.

– Man muss durchhalten, murrt Barque.

– Wofür? fragt Marthereau, skeptisch.

– Es braucht keinen Grund, man muss einfach.

– Es hat auch keinen Grund, versichert Lamuse.

– Freilich hat's einen, sagt Cocon. Und zwar ... es hat sogar mehrere ...

– Klappe zu! Es ist besser, es hat keinen, da man nun doch mal aushalten muss.

– Und wenn ich's euch sage, knurrt Blaire, der keine Gelegenheit verpasst, seinen Vers aufzusagen: und wenn ich's euch sage, dass sie unsre Haut wollen!

– Anfangs, sagt Tirette, hab ich über allerlei nachgedacht, ich studierte, ich berechnete: jetzt denk ich überhaupt nicht mehr.

– Ich auch nicht.

– Ich auch nicht.

– Ich, ich hab's überhaupt nie versucht.

– Du bist doch nicht so dumm, wie du aussiehst, du Wanzenfratze, meint Mésnil André mit seiner spöttischen Fistelstimme.

Der andere, der nicht weiss, ob er sich geschmeichelt fühlen soll, führt weiter aus:

– Erstens, wissen kannst du überhaupt nichts.

– Es genügt dies eine zu wissen, nämlich dass die Deutschen im Land sind, eingewurzelt, und dass ihnen die Passage versperrt bleiben muss und dass man sie das eine oder das andere Mal – und zwar so schnell als möglich vor die Türe setzen muss, sagt Korporal Bertrand.

– Freilich, freilich, was denn sonst? 'S hat gar keinen Wert, sich weiter den Gehirnschmalz anzustrengen. Nur dauert die Geschichte ein wenig lang.

– Ha! ruft Fouillade aus, schon ein bischen lang!

– Ich, sagt Barque, ich fluche nicht mehr. Anfangs hab ich über alles geflucht, über die hinter der Front, über die Zivilisten, über die Bürger, über die Drückeberger. Geschimpft hab ich, das stimmt, aber es war am Anfang, da war ich noch jung. Jetzt seh' ich die Geschichte von der besseren Seite an.

– Es gibt nur eine Seite, die Dinge zu nehmen: man nimmt's, wie's gerade kommt.

– Verdammt! Es wäre sonst zum verrückt werden. Man wird schon so blöd genug, meinst du nicht, Firmin?

Volpatte nickt zustimmend mit dem. Kopf, völlig überzeugt, spuckt und betrachtet seine Spucke starren und nachdenklichen Blickes

– Weiss der Teufel, bestätigt Barque.

– Nur nicht lange nachgrübeln hier; in den Tag hineinleben, von Stunde zu Stunde, wenn du's fertig bringst.

– Freilich, freilich, du Affe; machen, was man einem sagt, bis man uns sagt, dass wir gehn können.

– So ist es, gähnt Mesnil Joseph.

Die verbrannten, lohfarbnen und staubdurchsetzten Gesichter stimmen zu und verstummen. Das ist allerdings die Meinung jener Männer, die vor anderthalb Jahren, aus allen Ecken und Enden ihr Heim verlassen haben, um sich an der Grenze anzuhäufen: sie verzichten drauf, irgend etwas zu verstehn, sie verzichten auf sich selbst und hoffen, dem Tod zu entgehn und wehren sich um ein möglichst erträgliches Dasein.

– Machen was man einem sagt, schon recht, aber wehren muss man sich doch gegen den Scheissdreck, meint Barque, der mit dem Fuss den Kot zerreibt.

*

– Das musst du freilich, bestätigt Tulacque. Wehrst du dich nicht selber, so tut's keiner für dich, hab nur keine Bange.

– Den haben sie noch nicht erfunden, der sich um die andern kümmert.

– Jeder für sich, heisst es im Krieg!

– Freilich, freilich.

Dann wieder ein Schweigen. Dann malen sich jene Männer in ihrer Armseligkeit die glücklichen Zeiten aus.

– Es war doch was anderes, das schöne Leben damals in Soisson, meint Barque.

– Gottverdammich!

Und wie der Schimmer eines verlorenen Paradieses leuchtet es in ihren Augen auf und scheint auf den von der Kälte geröteten Gesichtern zu liegen.

– Jawohl, das Schlemmerleben, seufzt Tirloir, der sich kratzte und plötzlich in Gedanken versunken damit aufhört; dann schaut er ins Weite durch die Erde des Grabens hindurch.

– Herrgott! diese fast ausgestorbene Stadt, die, hol's der Teufel, unser war; die Häuser mit den Betten ...

– Und die Schränke!

– Und die Keller!

Dem Lamuse kommen bei diesen Gedanken die Tränen in die Augen, sein Gesicht strahlt wie ein Blumenstrauss und es wird ihm schwer ums Herz.

– Seid ihr lange dort geblieben? fragt Cadilhac, der seither mit dem Zuschub der Auvergnaten hinzugekommen ist.

– Mehrere Monate ...

Nun flammt in der Erinnerung an jene Zeit des Ueberflusses das Gespräch wieder auf.

– Man sah, erzählt Paradis wie im Traum, Soldaten sich hinter die Häuser drücken nach dem Quartier, zurückkommen mit Hühnern auf dem Bauch und unter jeder Flosse ein Kaninchen, das sie sich von einem Bürger oder einem Frauenzimmer gepumpt hatten, ohne den Bürger oder das Frauenzimmer jemals gesehn zu haben, oder wiederzusehn.

Und sie denken an den vergangenen Genuss, den ihnen früher ein Huhn oder ein Kaninchen bereitet hatte.

– Es gab auch Zeug, wofür man blechte. Die Moneten liess man nämlich auch tanzen, denn man war damals noch bei Kasse.

– Zu Hunderttausenden sind die Franken in die Läden gehüpft.

– Jawohl, millionenweise. Den ganzen Tag, sag ich dir, das ging nur so, machst dir gar keinen Begriff; wie 'n überirdisches Fest war das.

– Glaub's oder glaub's nicht, sagt Blaire zu Cadilhac, aber was bei der ganzen Schlemmerei, wie überall, wo du hinkommst, am meisten fehlte, das war das Feuer. Nachlaufen musste man ihm, nachschnüffeln, kurz, man hat sich's verdienen müssen. Herrgott, was man bloss dem Feuer nachgelaufen ist! ...

– Wir, wir waren im Quartier der Verwaltungstruppen; Küchenchef war der lange Martin César. Der hatte eine Nase, sag ich dir, für's Holz ausfindig machen.

– Teufel, ja! Das war ein feines Luder. Da kann man nicht dran tippen, der hatte das Zeug los!

– Immer hatte der Feuer in der Küche, wenn ich dir sage. Ueberall liefen Küchenchefs rum in der ganzen Stadt und plärrten, weil sie weder Holz noch Kohle fanden; er – immer hatte er welches. Und wenn nichts mehr da war, da sagte er einfach: »Nur Geduld, ich werde die Sache schon deichseln.« Und lange hat er nie gesucht.

– Manchmal allerdings war's schon toll. Das erste Mal, wo ich ihn gesehn habe in der Küche, weisst du womit er den Braten gekocht hat? Mit einer Geige, die er im Haus aufgestöbert hatte.

– Gemein ist das schon, meint Mésnil André. Gewiss, eine Geige, was die Nützlichkeit betrifft, ist ja schon wenig bedeutend, aber ich meine doch ...

– Anderemale hat er Billardstöcke gebrannt. Zizi hat sich gerade noch einen mausen können, um einen Stock draus zu machen. Das übrige flog ins Feuer. Dann kamen so allmählich die Sessel dran aus der guten Stube, die waren aus Mahagoni. Sie haben sie nachts abgemurkst und zerhackt, weil ein Offizier hätte schnauzen können.

– Starkes Stück ist das schon, sagt Pépin ... Wir haben an einem alten Möbel zwei Wochen zu feuern gehabt.

– Warum kriegt man auch rein nichts? Da soll man Suppe kochen, aber Holz kriegst du keines und Kohlen kriegst du keine. Und nach der Verteilung stehst du da mit deinen leeren Flossen vor dem Fleischhaufen, und die andern stehen rum und feixen dich aus, bis sie dich schliesslich anschnauzen. Und dann? ...

– Da können wir nichts dafür.

– Schnauzten die Offiziere nicht, wenn man Radau machte?

– Die, die hielten sich den Bauch vor lachen, und wie! Weisst du noch, Desmaisons, der Leutnant Viroin, wie der mit dem Beil die Kellertüre einhaute? Und wie der Soldat ihn gesehn hat, wie ihm da der Leutnant die Tür zum kleinhauen gegeben hat, dass er nichts weiter erzählen sollte.

– Und der arme Saladin, der Verwaltungsoffizier: sie haben ihn abends aus einem Kellerloch kriechen sehn mit zwei Pullen Weissem unter jedem Arm, wie so 'ne Amme mit vier Säuglingen. Aber wie sie ihn gesehn haben, da musste er wieder runter in die Pullenmine und den andern welche verteilen. Und wie Korporal Bertrand, der sich Prinzipien leistet, keinen davon hat trinken wollen. Ah! das weisst du noch, du Schweinswürstchen, du!

– Und wo ist jetzt der Koch, der immer Holz zum feuern hatte? fragte Cadilhac.

– Tot ist er. Eine Granate ist ihm in den Kochtopf geflogen. Gemacht hat's ihm nichts, aber gestorben ist er doch; vor Schreck nämlich, wie er gesehn hat, dass die Makkaroni die Beine in die Luft streckten. Herzkrampf hat der Arzt gesagt. Er hatte nämlich ein schwaches Herz; nur das Holz ausfindig machen, das war seine Stärke. Man hat ihn auch anständig begraben. Mit den Parkettbrettchen aus einem Zimmer hat man ihm den Sarg gezimmert. Die Nägel haben sie genommen aus den Gemälden, die im Haus hingen, und haben sie mit Backsteinen eingeschlagen. Und wie sie ihn fortgetragen haben, da hab ich mir gesagt: »Sein Glück, dass er tot ist, wenn er das wüsste mit den Parkettbrettchen, dass er nicht an die gedacht hatte für's feuern, darüber hätte er sich nicht mehr trösten können.« Eine Nummer war's doch, der verdammte Kerl!

– Schon, aber wenn einer an sich denkt, dann ist es immer auf Kosten von andern. Wenn einer von der Mannschaft das beste Stück oder den besten Platz wegnimmt, dann müssen eben die andern dran glauben, philosophiert Volpatte.

– Ich, meint Lamuse, ich hab mich oft gedrückt vor dem Schützengraben, ich kann's schon gar nicht mehr an den Fingern abzählen wie vielmal; das muss ich schon zugestehn. Aber wenn die Kameraden in Gefahr sind, dann drück ich mich nicht mehr. Dann vergess ich die Uniform, dann vergess ich alles. Ich sehe nur Leute vor mir und drauf los. Aber sonst, weisst du, da denk ich an meine Wenigkeit ...

Was Lamuse behauptet, sind keine leeren Worte. Er ist allerdings ein Virtuos im Sichdrücken; daneben aber hat er Verwundeten das Leben gerettet, die er unter dem Kugelregen hervorholte.

Er erzählt das ohne jede Prahlerei:

– Wir lagen auf dem Bauch im Gras. Es knallte. Pam! pam! Zim, zim ... da sah ich sie umfliegen und bin aufgestanden, obwohl mich die andern anbrüllten: »leg dich hin!« Aber ich konnte sie einfach nicht liegen lassen. Ich hab kein weiteres Verdienst dabei, ich konnte eben nicht anders handeln.