Verkaufte Heimat - Felix Mitterer - ebook

Verkaufte Heimat ebook

Felix Mitterer

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Opis

Ein Familienschicksal und die Geschichte eines ganzen Südtiroler Dorfes zwischen 1938 und 1945 schildert Felix Mitterer in einem zweiteiligen Fernsehfilm, dessen Drehbuch er für diese Ausgabe bearbeitet hat. Das 1919 zu Italien geschlagene Südtirol erlebte 1939 das traurigste Jahr seiner Geschichte, als sich die Tiroler südlich des Brenner in der sogenannten "Option" entscheiden mussten, als italienische Staatsbürger ohne Schutz ihres Volkstums in ihrer angestammten Heimat zu bleiben oder ins Deutsche Reich auszuwandern. Die jahrelange Unterdrückung durch das faschistische Italien und ein ausgeklügelter Propagandafeldzug der Nationalsozialisten führten dazu, dass sich fast 90 Prozent der Südtiroler nach harten inneren Kämpfen zur "Umsiedlung" entschlossen. Die Auseinandersetzung rund um die "Option" entzweite Dörfer und Familien und hinterließ bis heute schmerzende Wunden. Der 1948 geborene Tiroler Autor Felix Mitterer, einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker der Gegenwart (u.a. "Besuchszeit", "Stigma", "Sibirien"), hat seine Kenntnisse über Zustände und Geschehen der Options- und Kriegszeit nicht nur aus der umfangreichen Literatur erarbeitet, sondern auch stundenlange Gespräche mit Zeitzeugen geführt, die den menschlichen Hintergrund aus unmittelbarem Erleben fassbar machten.

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Felix Mitterer: Verkaufte Heimat

Felix Mitterer

Verkaufte Heimat

Eine Südtiroler Familiensagavon 1938 bis 1945

Drehbuch

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem ORFund dem RAI-Sender Bozen

© 1989HAYMON verlagInnsbruck-Wienwww.haymonverlag.at

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-7099-7491-9

Umschlaggestaltung: Heinz Hauser unter Verwendung eines Standphotos von Petro Domenigg

Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.haymonverlag.at.

VORWORT

Wie kommt es, daß ein als besonders heimatverbunden geltendes Volk sich fast geschlossen entschließt, seine Heimat zu verlassen und in eine ungewisse Zukunft zu gehen? 86 Prozent der Südtiroler waren im Herbst 1939 offenbar dazu bereit, als sie bei der sogenannten Option für die deutsche Staatsbürgerschaft und damit für die Auswanderung stimmten.

Da ich der Meinung bin, daß die Aufarbeitung unserer Geschichte etwas sehr wichtiges ist, um zu lernen, um Fehler nicht zu wiederholen, aber auch um die Gegenwart besser zu verstehen, habe ich mich schon lange auch mit diesem tragischen Kapitel in der Geschichte Südtirols auseinandergesetzt.

Ende 1985 kam von Dr. Franz von Walther (RAI Bozen) an den ORF die Anregung, einen Fernsehfilm über die Option zu drehen und 1989 zum 50jährigen Gedenken zu senden. Dr. Peter Mertz vom ORF schlug mich als Drehbuchautor vor. Nun begann eine langwierige Arbeit, die sich über zwei Jahre erstreckte. Studium von Literatur und Dokumenten, Interviews mit Zeitzeugen, Reisen. Bis in die Tschechoslowakei kam ich und sprach mit den Leuten, die damals von ihren Höfen vertrieben wurden, um Platz für Südtiroler Bauern zu schaffen.

Dann hatte ich eine Unmenge von Informationen und eine Unmenge von Material. Jetzt mußte aber eine Geschichte entstehen, jetzt mußte ich all die vielen Standpunkte und Positionen bestimmten Figuren zuordnen und mit ihnen und über sie das Leiden der damaligen Zeit so darstellen, daß der Fernsehzuschauer es nachempfinden und verstehen kann. Da gab es die Italiener und die Südtiroler, die »Dableiber« und die »Geher«, die Armen und die Wohlhabenden, die Nazis und die Faschisten, den großen Krieg und dieses kleine Volk, das von der Politik unterdrückt und manipuliert wurde, bis es nicht mehr wußte, wie ihm geschah.

Eines war mir wichtig: ich wollte versuchen, gerecht zu sein, ich wollte nicht wieder neue Gräben aufreißen. Ich versuchte auch die »Geher« zu verstehen, die »Dableiber« zu verstehen ist für einen unbeteiligten Außenstehenden ja sehr einfach nach 50 Jahren; sie hatten ja recht. Aber wie hätte man selber entschieden, damals? Wäre man nicht auch in die Propagandafalle der Nazis und Faschisten gelaufen? Noch heute, nach so langer Zeit, gibt es eine unsichtbare Kluft zwischen den »Gehern« und den »Dableibern«. Zuviel hat man sich gegenseitig zugefügt, damals. Besonders die Mehrheit der Geher der Minderheit der Dableiber. Man redet nicht gern drüber. Immer noch schmerzt die Wunde. Man muß darüber reden. Auch wenn es weh tut. Nur was ausgesprochen wird, kann überwunden, kann »verschmerzt« werden.

Im Frühjahr 1988 waren die beiden Drehbücher fertig, in der Regie Karin Brandauers wurden sie vom Herbst 1988 bis Frühjahr 1989 an Originalschauplätzen in Südtirol verfilmt: in Glurns, im Ultental, in Meran und Bozen.

Ich danke den Redakteuren der beteiligten Rundfunkanstalten, vor allem Dr. Peter Mertz (ORF) und Dr. Franz von Walther (RAI Bozen) sowie der Regisseurin Karin Brandauer für die gute Zusammenarbeit bei diesem großen und schwierigen Projekt. Dank auch den auskunftgebenden Südtirolern, besonders Hanna Goldmann sowie Anna und Josef Engl, und den gastfreundlichen Bürgern von gumvald (Mähren). Von der vielen Literatur, die ich studiert habe, soll als erste und wichtigste Unterlage für meine Arbeit das Doppelheft der Zeitschrift »Föhn« über die Option genannt werden, erschienen 1980, mit zahlreichen Dokumenten und Beiträgen von Leopold Steurer, Claus Gatterer, Friedl Volgger, Gerhard Mumelter und anderen.

Innsbruck, November 1989 Felix Mitterer

In der Druckausgabe sind der leichteren Lesbarkeit wegen die film-technischen Hinweise eines Drehbuchs wie einzelne Einstellungen (Totalen usw.) und Kamerapositionen gestrichen. Andererseits enthält das Buch auch jene Szenen, die im Film nicht vorkommen, da er sonst zu lang geworden wäre.

PERSONEN:

(Das angegebene Alter der Personen bezieht sich auf das Jahr 1938)

Bauernfamilie Tschurtschenthaler:

Altbauer (65)

Altbäuerin (55)

Hermann (35), Hoferbe

Anna (25), Kellnerin

Toni (21), Arbeiter

Michael (18), Gymnasiast

Paula (30), Frau von Hermann

Kinder der beiden: Siegfried (10), Helga (7), Leni (5)

Bauernfamilie Oberhollenzer:

Hans (45)

Rosa (40)

Kinder: Erwin (16), Berta (12), Peter (10), Lisl (7)

Südtiroler im Dorf:

Pfarrer (60)

Paul Kofler (50), Wirt und VKS-Ortsgruppenleiter

Sepp Rabensteiner alias Giuseppe Pietracorvo (45), Taglöhner

Kathl (40), seine Frau

Kinder der beiden: Georg (14), Alfons (10), Hanni (7)

Frau Gemaßmer (50), ehemalige Lehrerin

Italiener im Dorf:

Bürgermeister (Podestä) und Lehrer (45)

Gemeindesekretär (35)

Dario Nardelli (55), Wegmacher (Trentiner)

Ettore Magalone (25), Carabiniere

Sergio (25), Carabiniere

Vincenzo (30), Carabiniere

Maresciallo der Carabinieri (50)

Lehrerin (30)

Briefträger (45)

Frau des Bürgermeisters (40)

Frau des Maresciallo (45)

Vorarbeiter

weitere Carabinieri, Finanzieri, Milizsoldaten

Weitere Personen:

Peter Hofer (45), Landesführer des VKS

Heinrich Himmler (39), Reichsführer SS

Präfekt von Bozen

Generalvikar Pompanin von Brixen

Kanonikus

Reicher Bauer

1.  Wartender Mann

2.  Wartender Mann

Luis (55), Knecht

Zwei Burschen

Willi (23), Freund von Toni

Enzo (40), italienischer Bauer

Francesca (35), seine Frau — und neun Kinder

1.  Bauer

2.  Bauer

Älterer Dableiber

Deutscher Anwerber

Nordtiroler Unteroffizier

NSV-Frau

Innsbruckerin

1.  Innsbrucker

2.  Innsbrucker

Widerstandskämpfer (45)

CIC-Hauptmann, emigrierter Tiroler

In Mähren:

Milos (30), »Knecht«

Magdalena (16), Dienstmagd

Sudetendeutscher Bauernführer (50)

Sudetendeutscher Gendarm

Vater von Milos

Tschechischer Bub

Russischer Offizier

1. Teil

»BRENNENDE LIEBE«

MÄRZ 1938

SÜDTIROLER DORF. Tag. — Blick auf das Dorf. Man hört Mädchenstimmen die faschistische Hymne singen.

VOLKSSCHULE. — Auf der Schule steht in relativ kleinen Buchstaben: »Scuole elementari« und darüber in großen Lettern: »Noi sogniamo l'Italia romana« (Wir träumen vom Italien der Römer). Die italienische Fahne an einer Stange, die an der Schulmauer befestigt ist. Durch ein Fenster sieht man eine Mädchenklasse (7jährige), die stehend die Hymne singt. Nahe beim Fenster Helga Tschurtschenthaler, neben ihr Lisl Oberhollenzer, vor ihnen Hanni Rabensteiner. Helga singt nicht mit, Lisl singt lustlos, Hanni singt begeistert und trägt die Uniform der faschistischen Jugendorganisation Piccole Italiane. Durch ein anderes Fenster sieht man andere Schülerinnen und die vorne stehende italienische Lehrerin (30) mit städtischer, moderner Kleidung und modischer Frisur. Sie dirigiert freundlich und singt. Das nächste Fenster gehört zu einer Bubenklasse mit 10jährigen. In einer Fensterbank sitzt Siegfried Tschurtschenthaler, neben ihm Peter Oberhollenzer, vor ihnen Alfons Rabensteiner in der Balilla-Uniform (faschistische männliche Jugend).

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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