Kein Platz für Idioten - Felix Mitterer - ebook

Kein Platz für Idioten ebook

Felix Mitterer

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Opis

Ein berührendes Volksstück um einen Bauernburschen, der auf Grund seiner Behinderung von der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wird. "Kein Platz für Idioten" wurde 1977 als das erste Theaterstück des Tiroler Dramatikers Felix Mitterer uraufgeführt, seither gab es 76 Inszenierungen mit ca. 1240 Aufführungen, wobei der Autor selbst über 200mal die Rolle der behinderten Hauptfigur in Innsbruck, Wien und auf Deutschland-Tournee spielte. Das Stück wurde quer durch den deutschsprachigen Raum in zahlreiche Mundarten übersetzt sowie auch mehrmals von Fernsehanstalten (ORF, RAI, SRG, NDR) aufgezeichnet. Siebzehn Jahre nach der Uraufführung gab es einen Fernsehfilm des ZDF (Regie Gedeon Kovacs), dessen Drehbuch in manchem vom Stück abweicht.

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Liczba stron: 78

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Felix Mitterer

Kein Platz für Idioten

Die Herausgabe der Werksammlung wurde vom Land Tirol, dem Bundesministerium für Unterricht und Kunst und von der Gemeinde Telfs gefördert.

© 1992

HAYMON verlag

Innsbruck-Wien

www.haymonverlag.at

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Aufführungsrechte für alle Stücke beim Österreichischen Bühnenverlag Kaiser & Co., Am Gestade 5/II, A-1010 Wien

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-7099-7614-2

Umschlaggestaltung:

hœretzeder grafische gestaltung, Scheffau/Tirol

Dieses Stück wurde dem Sammelband »Stücke 1«, erschienen 1992 im Haymon Verlag, entnommen. Den Sammelband »Stücke 1« erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.haymonverlag.at.

INHALT

Vorbemerkung von Felix Mitterer

Kein Platz für Idioten

VORBEMERKUNG zu »Stücke 1«

Alle Stücke in dieser Gesamtausgabe sind in der Originalfassung abgedruckt, das heißt, in stilisierter Tiroler Umgangssprache, ausgenommen drei, bei denen ich aus bestimmten Gründen die Hochsprache gewählt habe. Dies sind »Die Kinder des Teufels« (spielt im Salzburg des 18. Jahrhunderts, soll aber auf exemplarische Weise einen Hexenprozeß darstellen), »Sibirien« (kann überall auf der Welt spielen) und »Ein Jedermann« (spielt in der Hochfinanz). Ich erwähne dies deshalb, weil es von den meisten meiner Stücke auch weitgehend an die Hochsprache angenäherte Fassungen gibt. Diese schrieb ich, weil auch immer wieder Theater an Aufführungen interessiert sind, deren Ensemblemitglieder aus allen Ecken und Enden des deutschsprachigen Raumes kommen und deshalb die Stücke nicht in einer einigermaßen einheitlichen Umgangssprache spielen können.

Die Art und Weise, wie ich den Dialekt niedergeschrieben habe, war nicht immer gleich, die Unterschiede sind in dieser Ausgabe beibehalten. Hauptsächlich variiert die Sprache je nach dem beschriebenen Milieu (archaisch etwa in »Die Wilde Frau«, heutig in »Besuchszeit«) oder je nach den auftretenden Personen (Herkunft, Beruf, Stand) und wird bei Aufführungen von Schauspielern aus unterschiedlichen Gegenden ohnehin wieder unterschiedlich gesprochen. In zwei Fällen (»Abstellgleis« in »Besuchszeit« und »Kein schöner Land«) gab es bei der späteren hochsprachigen Fassung auch kleine inhaltliche Veränderungen, die ich jetzt bei der endgültigen Publizierung der Gesamtausgabe beibehalten wollte. Hier sind die entsprechenden Passagen in den Dialekt zurückübertragen. In jedem Fall habe ich auf gute Lesbarkeit geachtet, was mir bei Theaterstücken — im Gegensatz zu Dialektgedichten — wichtig scheint.

Jedem der zwölf Stücke habe ich eine Vorbemerkung vorangestellt, die von der jeweiligen Entstehungsgeschichte und meinen Intentionen erzählt. Mein Wunsch war es aber vor allem, zu jedem Stück Szenenfotos von verschiedenen Aufführungen hinzuzufügen. Dies deshalb, weil Literatur fürs Theater erst auf der Bühne ihre Breitenwirkung entfalten kann, und das soll hier zumindest dokumentiert werden. Außerdem geht es mir darum, die Arbeit der Theatermacher zu würdigen, diejenigen zu zeigen, die ein Stück erst wirklich zum Leben erwecken. Auch ist es interessant zu sehen, wie verschieden ein Stück inszeniert werden kann. Die Auswahl der Aufführungsfotos erfolgte (abgesehen von der meist ausführlicher vorgestellten Uraufführung) mehr oder weniger zufällig, manchmal waren auch keine Bilder zu bekommen oder nur nichtssagende. Wichtig war mir, einen großen Querschnitt durch die verschiedenen Theater zu zeigen, die meine Stücke spielen, eingeschlossen Aufführungen von Laienbühnen, denen ich besonders zugetan bin.

Innsbruck, am 1. November 1992

Felix Mitterer

KEIN PLATZ FÜR IDIOTEN

Im Jahre 1974 wurde in einem Tiroler Fremdenverkehrsort eine Mutter mit ihrem behinderten Kind aus einem Gasthaus gewiesen, weil der Wirt befürchtete, sein Geschäftsgang würde durch die Anwesenheit des Kindes leiden. Ich schrieb aus diesem Anlaß ein Hörspiel, das 1975 vom ORF-Studio Tirol produziert (Regie: Franz Hölbing) und 1976 gesendet wurde. Die Sprecher waren fast ausschließlich Mitglieder der Volksbühne Blaas in Innsbruck, ich selbst spielte den behinderten Buben. Vom Darsteller des »Alten« (Albert Peychär) und von Helene Blaas, der Direktorin dieser Volksbühne, kam schließlich der Vorschlag, aus dem Hörspiel ein Theaterstück zu machen. Die Volksbühne Blaas war und ist ein ganzjährig bespieltes, halbprofessionelles Theater mit den besten Volksschauspielern des Landes. (Einige der Darsteller tauchten dann später immer wieder in meinen Filmen auf.) Der Spielplan besteht hauptsächlich aus traditionellen Bauernschwänken, aber zwei- bis dreimal im Jahr wird auch ein anspruchsvolles Stück aufgeführt. Im Zuschauerraum stehen Tische mit Stühlen, während der Vorstellung kann gegessen, getrunken und geraucht werden. Ich erkannte die Chance, daß ich an dieser Bühne vielleicht ein Publikum erreichen könnte, das sonst und an einem anderen Theater viel schwerer oder gar nicht zu erreichen ist. (Weil viele Menschen aus mir ganz verständlichen Gründen sich scheuen, einen der offiziellen Musentempel aufzusuchen. Ich selbst hatte auch lange Zeit das Gefühl, dort nichts verloren zu haben.) Nachdem ich dem Stück einen 1. Akt hinzugefügt hatte, kam es im September 1977 zur Uraufführung, wieder mit mir in der Rolle des Buben. Es wurde ein sogenannter großer Erstlingserfolg. Der Kampf ums Publikum war allerdings manchmal hart, denn es befanden sich immer einige Besucher darunter, die gar nicht genau wußten, was auf dem Spielplan stand, die sich einen der üblichen Schwänke erwarteten und sofort zu lachen begannen, wenn ich zu Beginn des 1. Aktes mit einer Faschingsmaske vor dem Gesicht auf die Bühne kam. Aber das Lachen verstummte jedesmal bald, und keiner verließ unbeeindruckt die Aufführung. Zur gleichen Zeit wurde übrigens im Theater am Landhausplatz »Stallerhof« von Kroetz gespielt, gewiß das größere und auch radikalere Kunstwerk, aber mit der geringeren Wirkung. Dort im Alternativtheater saßen die Studenten, die Intellektuellen, die ohnehin und von vorneherein der Meinung des Autors waren. Hier aber, an der Volksbühne, waren die Besucher ganz normale Menschen, mit ganz normalen Vorurteilen. Und manche von Ihnen begannen nachzudenken, nachdem sie die Geschichte des ausgestoßenen Buben gesehen hatten, und das war zumindest ein Beginn. Viele Diskussionen fanden statt, Behinderte kamen, erzählten von sich und wie sie von der Gesellschaft behindert wurden.

Natürlich soll man die Wirkung eines Theaterstückes — der Literatur insgesamt — nicht überschätzen. Es kann diese Wirkung immer nur ein winziger Bestandteil der Bemühungen all jener Menschen sein, die guten Willens sind, die zu einer positiven Veränderung in unserer Gesellschaft beitragen wollen. Und »Kein Platz für Idioten« stellte damals so einen Bestandteil dar. Noch wichtiger war allerdings, daß damals die Behinderten selbst zum ersten Mal aufstanden — im wahrsten Sinn des Wortes — und sich zur Wehr setzten. Einiges hat sich zum Positiven gewendet inzwischen (die abgeschrägten Gehsteigkanten z. B. gibt es), vieles liegt noch im argen, das Stück hat leider seine Aktualität nicht verloren.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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