Sozialtraining für Menschen im Autismus-Spektrum (AS) - Melanie Matzies-Köhler - ebook

Sozialtraining für Menschen im Autismus-Spektrum (AS) ebook

Melanie Matzies-Köhler

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Opis

Menschen im Autismus-Spektrum haben Schwierigkeiten, soziale Signale im zwischenmenschlichen Kontext zu deuten. Wie sieht ein wütendes Gesicht aus und was denken andere Menschen? Soziale Lerngeschichten (Anleitungen), Comic Strip Conversations (nach C. Gray) sowie Empathie- und Emotionstrainings helfen, soziale Schwierigkeiten über den Intellekt zu kompensieren. Soziale Kompetenzgruppen bieten soziale Erfahrungen in einem geschützten und strukturierten Rahmen und üben gezielt Verhaltensweisen ein. Diese Methoden des Sozialtrainings sind ausführlich für den deutschsprachigen Raum zusammengestellt und an hiesige Verhältnisse adaptiert. Die 2. Auflage ist um neue Trainings, die z.B. am PC eingesetzt werden können, erweitert. Zudem wird das Thema "Autismus" auch aus Betroffenen-Sicht dargestellt.

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Menschen im Autismus-Spektrum haben Schwierigkeiten, soziale Signale im zwischenmenschlichen Kontext zu deuten. Wie sieht ein wütendes Gesicht aus und was denken andere Menschen? Soziale Lerngeschichten (Anleitungen), Comic Strip Conversations (nach C. Gray) sowie Empathie- und Emotionstrainings helfen, soziale Schwierigkeiten über den Intellekt zu kompensieren. Soziale Kompetenzgruppen bieten soziale Erfahrungen in einem geschützten und strukturierten Rahmen und üben gezielt Verhaltensweisen ein. Diese Methoden des Sozialtrainings sind ausführlich für den deutschsprachigen Raum zusammengestellt und an hiesige Verhältnisse adaptiert. Die 2. Auflage ist um neue Trainings, die z.B. am PC eingesetzt werden können, erweitert. Zudem wird das Thema 'Autismus' auch aus Betroffenen-Sicht dargestellt.

Melanie Matzies-Köhler ist Diplom-Psychologin und arbeitet freiberuflich als Fachberaterin für Autismus. Sie ist als Therapeutin, Dozentin und Autorin im Bereich Autismus tätig.

Melanie Matzies-Köhler

Sozialtraining für Menschen im Autismus-Spektrum (AS)

Ein Praxisbuch

Mit Federzeichnungen von Daphne Großmann

2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

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Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.

2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 2015 Alle Rechte vorbehalten © W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print: ISBN 978-3-17-023087-3

E-Book-Formate

pdf:

ISBN 978-3-17-025295-0

epub:

ISBN 978-3-17-025296-7

mobi:

ISBN 978-3-17-025297-4

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Inhaltsverzeichnis

Geleitwort – Biodiversität und Neurodiversität, oder: Ab wie viel Störung sagt man Autismus?

Vorwort

1 Einleitung

2 Soziale Schwierigkeiten bei Menschen im Autismus-Spektrum (AS)

2.1 Kommunikation

2.2 Soziale Interaktion

2.3 Verhalten

3 Ursachen für soziale Schwierigkeiten bei Menschen im Autismus-Spektrum

3.1 Wahrnehmungsbesonderheiten

3.1.1 Über- und Unterempfindlichkeiten (intramodale Störungen)

3.1.2 Filterschwäche und Überselektivität

3.1.3 Intermodale Störungen

3.1.4 Synästhesie

3.2 Zentrale Kohärenz bzw. Monotropismus- Theorie

3.2.1 Definition

3.2.2 Montropismus-Theorie als ein weiteres Erklärungsmodell für Autismus?

3.3 Theory of Mind (ToM) und Empathie

3.3.1 Definition Theory of Mind (ToM) vs. Empathie

3.3.2 Die Welt der Gefühle

3.3.3 Entwicklung der Theory of Mind

3.3.4 Auswirkung einer mangelhaften Theory of Mind im Alltag

3.4 Autismus: Mangelnde Ich-Du-Bezogenheit

3.5 Spiegelneurone als Basis für das Theory of Mind-Problem?

3.6 Eine Frage des männlichen Gehirns?

3.7 Einschub: Die Rolle des Oxytocins

3.8 Kurzer Abriss einer »Autistischen Psychologie« (nach Hajo Seng)

4 Intervention bei Autismus

4.1 Sozialtraining für Menschen im Autismus-Spektrum bzw. die Frage: Sozialtraining für Menschen im Autismus-Spektrum?

4.1.1 Soziale Anleitungen in Anlehnung an Social Stories von Carol Gray

4.1.2 Beispiele Sozialer Anleitungen

4.1.3 Social Stories und Comic Strip Conversations nach Carol Gray

4.1.4 Comic Strip Conversations nach Carol Gray

4.1.5 Erfahrungen mit Social Stories und Comic Strip Conversations

4.2 Gefühlsmanagement

4.2.1 Gesichter erkennen und benennen lernen

4.2.2 Körpersprache

4.2.3 Intensität von Gefühlen wahrnehmen (Kontinuum)

4.2.4 Gefühle verschiedenen Situationen, Wünschen und Glaubenssätzen zuordnen (ToM-Training)

4.2.5 Gefühlscollagen, Farben, Gefühle und Musik

4.2.6 Gefühlstagebücher schreiben

4.2.7 Umgang mit negativen Emotionen

4.3 Sicherheit und Selbstwertgefühl

4.3.1 Soziale Rezeptbücher

4.3.2 »Das kann ich gut«-Bücher

4.3.3 Einsatz von Literatur und Filmmaterial

4.3.4 Einsatz von Formeln

4.3.5 Einsatz von DVD-Material und Software-Programmen

5 Soziales Gruppentraining

5.1 Aufbau der Berliner Sozialgruppen für Menschen im Autismus-Spektrum

5.1.1 Zeitliche und räumliche Strukturierungshilfen in Anlehnung an den TEACCH-Ansatz

5.1.2 Strukturiertes Lernformat und exemplarische Lerninhalte

5.1.3 Verstärkersysteme

5.1.4 Weitere Methoden

5.1.5 Eltern(mit)arbeit und Effektivität

5.2 Erfahrungsberichte

5.2.1 Erfahrungsbericht von Ricarda Puchert, deren Sohn Max von 2005–2008 an der Sozialtrainingsgruppe teilnahm

5.2.2 Erfahrungsbericht von Tonke Laukat, Gruppenleitung seit 2007, zuvor Gruppenassistentin von 2005–2007

5.2.3 Erfahrungsbericht von Christine Peisker, Schulbegleiterin von Max Puchert

5.2.4 Eine sichere Basis: Erste Erfahrungen in Sozialkompetenzgruppen für Kinder im Autismus-Spektrum, von Vera Tautorat, Gruppenassisstentin

6 Ausblick: Variationen der Sozialtrainingsgruppen

6.1 Soziale Kunstgruppen für Menschen im Autismus-Spektrum: Betonung der Stärken

6.2 Aufbau und Ziele der Sozialen Kunstgruppen

7 Generalisierungsmöglichkeiten des Sozialtrainings in den Alltag

7.1 Methoden zur Förderung der Generalisierung im Alltag außerhalb therapeutischer Settings

7.2 Das TOMTASS-Training in Gruppensituationen

8 Abschließende Bemerkungen

Literatur

Bücher

Zeitschriftenartikel

Internetquellen

Anhang

Regeln für die Kommunikation mit Menschen im Autismus-Spektrum

Regeln für die Kommunikation für Menschen im Autismus-Spektrum

Glossar

Bildteil 1: Patricias Zeichnungen »Gefühle«

Bildteil 2: »Das kann ich gut«-Buch von Lenz

Bildteil 3: Material- und Kinderfotos aus der Gruppenarbeit

Die Kuhherde (von Sonja R.)

Sachwortverzeichnis

Geleitwort – Biodiversität und Neurodiversität, oder: Ab wie viel Störung sagt man Autismus?

Prof. Dr. Reinhard Krüger

1 Albert Einsteins 72. Geburtstag, oder: Wie viel Normalität kann man eigentlich ertragen?

Nichts ist normaler als ein Ritual und nichts ist ritualisierter als das Ereignis, das man alle Jahre wieder feiern kann – oder muss –, nämlich wenn sich der Tag der eigenen Geburt jährt. Zum besonderen Muss wird dies, wenn man auch noch berühmt ist und die Öffentlichkeit erwartet, dass man sich feiern lässt. Also werden für solche Menschen Geburtstagsfeiern von der Gesellschaft vorbereitet, die sie damit verpflichtet, an ihrer Feier auch teilzunehmen ... also das alljährlich Normale zu tun. So auch in Princeton, der Universitätsstadt im US Bundesstaat New Jersey, am 14. März 1951: Es ist der 72. Geburtstag Albert Einsteins, der hier schon vor seinem Zwangsexil aus Nazi-Deutschland als Professor tätig war. Er hat nicht viel für derartige Veranstaltungen übrig, doch ergibt er sich in sein Schicksal und folglich auch dem Ritual. Nach dem Lunch aber verlässt er seine Feier, steigt von Fotografen verfolgt in ein bereitstehendes Auto, wo auch der Fotograf Arthur Sasse seine Kamera hineinhält: Einstein streckt ihm seine Zunge heraus, Sasse drückt ab und es entsteht das berühmteste Einstein-Foto überhaupt.

Abb. 1: Arthur Sasse: Albert Einstein, 14.3.1951

Es dokumentiert den Moment, in dem die Bedrängnis durch soziale Umstände so groß geworden ist, dass sich Einstein nur mit einer aggressiven Geste der Abwehr verteidigen kann. Die Zunge herauszustrecken, gilt in zahlreichen Kulturen als Zeichen äußerster, symbolischer Aggression, Abwehr und Beleidigung. In der Öffentlichkeit ist diese Geste als Ritual zu beobachten, wenn neuseeländische Sportmannschaften auf andere treffen und dort das kommende sportliche Aufeinandertreffen mit ihrem ritualisierten, aus der Maori-Kultur stammenden Kampftanz des »Haka« vorbereiten.

Abb. 2: Gesichtsausdrücke der Maori während des Haka, Neuseeland.

Obgleich sich Einstein sicherlich durch die Situation des Erleidens von Sozialstress dazu verleiten ließ, die Zunge herauszustrecken und damit in jedes Fettnäpfchen getreten ist, das bereitstand, gibt er später eine ganz andere Interpretation der Situation. Seiner Vertrauten Johanna Fantova gegenüber, einer Bibliothekarin in Princeton, die sich Notizen über ihre Gespräche mit Einstein machte, interpretierte er diese Geste im Kontext des politischen Klimas in den USA der McCarthy-Zeit folgendermaßen: »Die ausgestreckte Zunge gibt meine politischen Anschauungen wieder.«1 Später fasste er die politische Lage in den USA in einem Satz zusammen: »Die Herrschaft der Dummen ist unüberwindlich, weil es so viele sind und ihre Stimmen genauso zählen wie unsere.« Er interpretierte seine Lage offenbar so, dass er sich in Opposition gegenüber jener US-amerikanischen Mehrheit fühlte, die Michael Moore viel später als die beschreiben wird. Seine Resistenz gegenüber den Unbilden des sozialen Zusammenlebens unterstreicht Einstein mit den Worten: »Es gibt niemanden, der mich verletzen kann, es fließt an mir ab wie Wasser am Krokodil.« Es ist offensichtlich so etwas wie eine undurchlässige ›innere Haut‹ der Abwehr sozialer Daten, die ihn dazu veranlasste, in Abwehrhaltung zu gehen, wenn er hinsichtlich der Wahrung der Regeln sozialer Kommunikation zu sehr gefordert war. Doch kannte Einstein diese Regeln ganz genau. Er konnte unterscheiden zwischen demjenigen, der sich diese Geste in der Öffentlichkeit erlauben darf, und dem, der diese in keinem Fall zeigen darf. Auf einem Exemplar der insgesamt neun Abzüge dieses Bildes, die Einstein anfertigen ließ, schrieb er folgende Widmung an den Journalisten Howard K. Smith in deutscher Sprache: »Diese Geste Dir gefällt, weil sie gilt der Menschenwelt. Der Zivilist kann es sich leisten, kein Diplomat kann sichs erdreisten. Ihr treuer und dankbarer Zuhörer. A. Einstein.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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