Rosa Luxemburg - Luise Kautsky - ebook

Rosa Luxemburg ebook

Luise Kautsky

0,0

Opis

1929 veröffentlicht Luise Kautsky 'Rosa Luxemburg – Ein Gedenkbuch'. Es ist eine sehr persönlich gehaltene Lebensdarstellung ihrer Freundin, beschreibt aber auch Rosa Luxemburgs politische Entwicklung bis hin zum Bruch mit der deutschen Sozialdemokratie.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 90

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



Luise Kautsky

Rosa Luxemburg. Ein Gedenkbuch

Gesammelte Schriften – Band 1

Impressum

Luise Kautsky – Gesammelte Schriften
herausgegeben von 
Günter Regneri
Band 1: Rosa Luxemburg. Ein Gedenkbuch
heptagon Verlag
2. verbesserte Auflage
Berlin 2019
www.heptagon.de
ISBN: 978-3-934616-02-8
Das E-Book folgt der Buchausgabe: Luise Kautsky: Rosa Luxemburg. Ein Gedenkbuch, E. Laubsche Verlagsbuchhandlung. Berlin 1929.
Die Orthografie wurde behutsam an die neue Rechtschreibung angepasst, offensichtliche Fehler im Druck wurden stillschweigend korrigiert, die Schreibweise von Personen, Organisationen und Zeitschriften vereinheitlicht.
Dieses Buch ist auch als Printbuch (ISBN: 978-3-96024-000-6) erhältlich.

Inhalt

Impressum
Einleitung
Biografische Skizze
Rosa Luxemburgs Charakterbild
Rosas Eigenart als Frau
Rosa Luxemburgs politische Einstellung
Nachwort des Herausgebers
Luise Kautsky – Gesammelte Schriften
Rosa Luxemburg
Über Unendlichkeiten, Schwester, reich‘ ich dir die Hand, Über fernen Dämmerweiten In der Sonne tiefsten Brand. Feuergeist, Der dich beseelte, der dir Adlerflügel gab, Unter vielen Auserwählte, Armer Menschheit Licht und Stab. Deine schwache Form zerbrach Wilder Unverstand der Menge, Und du starbest, ihr zur Schmach ... Doch in Finsternis und Enge

Einleitung

Im Jahre 1923 veröffentlichte ich in der E. Laubschen Verlagsbuchhandlung einen Band Rosa LUXEMBURG: Briefe an Karl und Luise Kautsky. Das Buch erweckte allgemeines Interesse und wurde mit großem Beifall aufgenommen. Von vielen Seiten stellte man an mich die Frage, ob nicht noch mehr solcher Briefe existierten, und ob diesem ersten Band nicht ein zweiter folgen könne. Auch wurde allgemein der Wunsch nach einer Lebensbeschreibung Rosas laut. Man bat und drängte so lange, bis ich mich entschloss, an alle jene Freunde Rosas heranzutreten, die auch die meinigen geblieben waren, um sie zu bitten, mir Rosas Briefe zur Veröffentlichung zu überlassen. Fast alle kamen meinem Wunsche nach. Binnen Jahresfrist hatte ich denn auch eine so reichliche Anzahl von Briefen beisammen, dass sie einen stattlichen Band gefüllt hätten.

Rosas Erben, allen voran ihr Bruder Dr. Josef Luxemburg, mit dem ich stets freundschaftlich verkehrte, hatten, ebenso wie bei dem ersten Band der Briefe, auch zur Veröffentlichung dieses zweiten freudig ihre Einwilligung gegeben, der Verlag hatte die buchhändlerischen Anzeigen schon in die Welt hinausgeschickt, und mit dem Satz war bereits begonnen worden, da meldeten sich die Kommunisten und erhoben Einspruch gegen die Veröffentlichung. Sie hatten Rosas Bruder dahin zu bestimmen gewusst, dass er einen Vertrag mit ihnen unterzeichnete, in dem er ihnen das alleinige Recht zur Veröffentlichung von Rosas gesamtem literarischen Nachlass zugestand. Wohl hatte er den Versuch gemacht, zu erwirken, dass mit den von mir gesammelten Briefen eine Ausnahme gemacht und mir das Recht eingeräumt würde, eine kleine Auflage in bestimmter Höhe zu publizieren; aber da der in Frage kommende kommunistische Verlag daran die Bedingung knüpfte, dass ich ihm das gesamte Briefmaterial sowie das von mir geschriebene Vor- und Nachwort zur »Begutachtung« vorlegen müsse, war die ganze Angelegenheit für mich so gut wie negativ erledigt. Denn obgleich sowohl Rosas Bruder als auch der juristische Vertreter meines Verlags und ich selbst uns noch sehr um eine Verständigung bemühten, so scheiterten doch alle Versuche an der Hartköpfigkeit der Kommunisten, deren Rechtsvertreter oft monatelang keine Antwort auf unsere Vorstellungen gaben, und die schließlich auf ihrer Zumutung beharrten, dass ich das geplante Buch ihrer Zensur bedingungslos unterwerfen müsse, ohne irgendein Einspruchsrecht gegen ihre Beschlüsse zu erhalten. Nach jahrelangen Bemühungen musste ich daher zu meinem aufrichtigen Schmerz das druckreife Werk beiseitelegen, und es ruht nun müßig in meinem Archiv, statt so wie der erste Band Tausenden von Lesern Freude und Anregung zu bringen.

Mit mir trauerten um das unverdient harte Schicksal dieses Buchs alle jene, die mir freudig ihre Briefschätze überantwortet hatten: so u.a. die Genossinnen Mathilde Wurm und Marta Rosenbaum, die Genossen Adolf Geck und Konrad Haenisch, der besonders lebhaften Anteil an der Veröffentlichung gezeigt, und der mir außer seinen Briefen auch noch anderes interessante Material zur Verfügung gestellt hatte. Auch die Erben Arthur Stadthagens hatten mir übergeben, was sich noch an Briefen Rosas im Nachlass Stadthagens vorgefunden hatte. Das Glanzstück der ganzen Sammlung aber hätte eine große Anzahl von Briefen Rosas an ihren Herzensfreund Dr. Hans Diefenbach gebildet, der im Weltkrieg Ende Oktober 1917 fiel, und mit dessen Namen die Leser der von mir bereits veröffentlichten Gefängnisbriefe vertraut sein dürften.

Von ihm sagte mir Rosa, als wir bei einem Besuch im Breslauer Gefängnis auf seinen Tod zu sprechen kamen: »Niemand weiß so gut wie ich, was wir beide an ihm verloren haben, denn niemand hat ihn so gut gekannt als ich. Alle Menschen aus unserem Kreise hat er an innerer Vornehmheit, an Güte, an Reinheit übertroffen. Nie und nimmer hätte er eine Gemeinheit begehen können, er war aus dem reinsten, besten Stoff, aus dem Menschen gemacht werden. Soweit er eine Schwäche hatte, bestand sie nur darin, dass er für den brutalen Lebenskampf nicht genug ausgerüstet war, so dass ich ihm immer helfen wollte, diese innere Angst vor der grausamen Realität des Lebens möglichst zu überwinden.« Und weiter sagte sie mir: 

»Nicht einmal du kannst ermessen, was er mir war. Er war mir der teuerste Freund, der wie kein Zweiter jede meiner Stimmungen, jede Empfindung verstand und mitempfand. In der Musik, in der Malerei wie in der Literatur, die ihm wie mir Lebensluft waren, hatten wir dieselben Götter und machten wir gemeinsame Entdeckungen ... Nun ist alles dahin! ...«

In den Briefen, die sie ihm ins Feld schrieb, und mit denen sie den in tiefster Seele unter den Kriegsgräueln Leidenden trösten und aufrichten wollte, treten ihre Gefühle für ihn klar zutage. Ja, man kann sagen, ihm gelten die schönsten Briefe, die sie je geschrieben hat. Ihm fühlte sie sich völlig wesensverwandt, er hat es verstanden, die tiefsten und reichsten Quellen ihres Geistes zu erschließen und sprudeln zu machen. Und da »nicht allein der Schreiber, sondern auch seine Beziehung zum Empfänger wichtig ist«, und da Rosas Briefe doch meist nur ein Echo auf die von ihm geschriebenen bildeten, so glaube ich, dass einige Daten aus dem Leben dieses leider so früh Verstorbenen, der Rosa so nahestand wie kaum ein zweiter Mensch, die Leser wohl interessieren dürften. Ich verdanke diese Daten der von mir sehr hochgeschätzten Schwester des Dr. Diefenbach, mit der mich eine herzliche Freundschaft verbindet.

Hans Diefenbach war im Jahre 1884 in Stuttgart geboren, ein sehr zartes und zärtliches Kind, von klein auf schon sehr aufgeweckt und originell, sehr empfindsam veranlagt und schon als kleiner Junge weichherzig, gütig und immer hilfsbereit, stets geneigt, den Schwächeren gegen den Stärkeren in Schutz zu nehmen, sogar dort, wo es für ihn selbst nicht ohne Gefahr war. Er war, wie Rosa es selbst ausdrückt: »ein zarter Knabe, der stets instinktiv zu den Schwachen und Bedrückten, nicht zu den Starken und Triumphierenden sich hingezogen fühlte.«

In ganz jungen Jahren schon ein Bücherwurm, war es insbesondere die schöne Literatur, die ihn fesselte, und in deren Studium er durch den reich belesenen, ebenfalls literarisch sehr interessierten Vater eingeführt und gefördert wurde. Dieser Vater, auf den sich nach dem frühen Tod der Mutter die ganze leidenschaftliche Zärtlichkeit des Knaben konzentrierte, lehrte ihn stets nur nach den besten Büchern greifen, ein Prinzip, dem er auch als Erwachsener nie untreu wurde, und das er mit seiner späteren Freundin Rosa Luxemburg teilte.

Auch sein Vetter, der schwäbische Volksparteiler und Abgeordnete Friedrich Haußmann, der nicht nur ein hochgebildeter und feinsinniger, sondern auch ein aufrechter und freisinniger Mann war, hatte in dieser Hinsicht großen Einfluss auf den jungen Hans. Diesem Vetter und Freund war er aufrichtig zugetan, und zu ihm schaute er mit tiefer Verehrung auf.

Auch sonst waren die Musen dem heranwachsenden Knaben hold: Ludwig Pfau, der tapfere Achtundvierziger, dem die deutsche Literatur so manche kraftvolle poetische Gabe verdankt, zählte zu den Intimen des Hauses, und in Justinus Kerner, einem der besten Vertreter der schwäbischen Dichterschule, dem Freunde Schwabs und Uhlands, verehrte die Familie Diefenbach einen erlauchten Ahnen.1

Mütterlicherseits war sein Großvater Reichs- und Landtagsabgeordneter und zeitweilig Präsident der Badischen Kammer gewesen. So standen Poesie und Politik vereint an des Knaben Wiege, und ihnen hat der Jüngling und der Mann lebtäglich Treue gehalten. Rosa hat nicht nur Diefenbachs Geschmack und Begabung, sondern stets auch seinen politischen Charakter hoch eingeschätzt.

Da Stuttgart keine Universität besitzt, so musste der junge Hans, um zu studieren, das Vaterhaus verlassen. Er ging zuerst nach München und nachher nach Berlin, wo er die Jurisprudenz studieren wollte. Bald aber wandte er sich der Medizin zu, die seinem ganzen Wesen besser entsprach, schon deshalb, weil er durch die Ausübung des Studiums alsbald in die Lage kam, seinen Mitmenschen zu helfen. In München wurde ihm das besondere Glück zuteil, im Hause der sozialistischen Ärztin Hope Adams-Lehmann, eine zweite Heimat zu finden.

Der Name dieser Frau ist der älteren Generation der deutschen Sozialdemokratie ein sehr vertrauter. Sie zählte zu den tapfersten Vorkämpferinnen der Frauen, der u.a. ein August Bebel freundschaftlich nahestand, und der er die höchste Verehrung zollte, und an die ein Friedrich Adler mit Dankbarkeit und Rührung zurückdenkt.

In ihrem schönen, gastfreien Heim in München trafen sich Ärzte, Künstler und Gelehrte mit verschiedenen Parteigenossen in zwangloser und freier Geselligkeit. Sich zu ihren Freunden zählen zu dürfen, wurde von jedermann als Auszeichnung empfunden.

Wer diese auserlesene Frau kannte, vermag ohne weiteres zu ermessen, was sie dem hochgestimmten Jüngling wurde, was sie in seinem Leben bedeutete, und wie schwer ihr tragischer Tod ihn traf, der etwa vierzehn Tage vor dem seinigen erfolgte.

Er hat ihr und sich selbst in einem ihrem Andenken gewidmeten Nekrolog ein wundervolles Denkmal gesetzt. Denn wie kaum ein zweiter war er in das Wesen dieser seltenen Frau eingedrungen, deren hervorstechendsten Charakterzüge – Reinheit und Adel der Gesinnung, Hilfsbereitschaft für jede leidende Kreatur, vollste Vorurteilslosigkeit gegen anders Gesinnte, gepaart mit dem mächtigen Trieb, die Menschen zu bessern und zu heben, – auch die seinigen waren. Den Sozialismus, zu dem ihn seine ganze Lebensauffassung längst getrieben hatte, sah er hier in einer seiner edelsten Gestalten verkörpert.

Von München kommend, lernte er dann Rosa kennen. Kein Wunder, dass sie, die leidenschaftliche Stürmerin, diesen Jüngling, dessen Herz für alle jene Ideale glühte, um deren Verwirklichung Rosa zeitlebens kämpfte, sofort in ihren Bann zog, als sie seinen Weg kreuzte, dass sie ihn dauernd zu fesseln wusste, und dass ihr freundschaftlicher Verkehr zu einer Quelle höchsten Genusses für beide Teile wurde.

Gleich hart wie Rosa traf auch ihn nicht nur der Ausbruch des Weltkrieges, an dessen Möglichkeit er überhaupt nicht hatte glauben können, sondern fast noch mehr die Haltung der Sozialisten aller Länder, insbesondere die der deutschen Sozialdemokratie bei diesem Anlass.