Perry Rhodan 1151: Das Babel-Syndrom - H.G. Ewers - ebook

Perry Rhodan 1151: Das Babel-Syndrom ebook

H.G. Ewers

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Opis

Chaos in Terrania - der Sturz in den Grauen Korridor beginnt Das 426. Jahr NGZ, das dem Jahr 4013 alter Zeitrechnung entspricht, nähert sich seinem Ende, und die Menschheit muss nach wie vor an zwei Fronten wachsam und aktiv sein. Da ist Perry Rhodan in der von Seth-Apophis beherrschten Galaxis M 82. Nach dem Zusammenfinden seiner wie Konfetti verstreuten Galaktischen Flotte gehen er und seine Getreuen den Geheimnissen nach, die M 82 und die Endlose Armada umgeben, die Rhodans Flotte beim Sturz durch den Frostrubin verfolgte. Und da sind Terra und Luna, die sich einige Zeit lang durch die Errichtung des Zeitdamms und die Erschaffung von Pseudoerde und Pseudomond vor den Angriffen Vishnas, der abtrünnigen Kosmokratin, schützen konnten. Nach dem Zusammenbruch des Zeitdamms herrscht im Erde-Mond-System Großalarm. Man rechnet mit einem neuen Angriff Vishnas und trifft die entsprechenden Vorbereitungen. Doch als dieser Angriff erfolgt - und zwar noch vor der Jahreswende 426/427 NGZ -, erkennt man ihn nicht sofort als solchen. Die Verantwortlichen der Liga Freier Terraner und der Kosmischen Hanse sind im wahrsten Sinne des Wortes verwirrt - dafür sorgt DAS BABEL-SYNDROM ...

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Nr. 1151

Das Babel-Syndrom

Chaos in Terrania – der Sturz in den Grauen Korridor beginnt

von H. G. Ewers

Das 426. Jahr NGZ, das dem Jahr 4013 alter Zeitrechnung entspricht, nähert sich seinem Ende, und die Menschheit muss nach wie vor an zwei Fronten wachsam und aktiv sein.

Da ist Perry Rhodan in der von Seth-Apophis beherrschten Galaxis M 82. Nach dem Zusammenfinden seiner wie Konfetti verstreuten Galaktischen Flotte gehen er und seine Getreuen den Geheimnissen nach, die M 82 und die Endlose Armada umgeben, die Rhodans Flotte beim Sturz durch den Frostrubin verfolgte.

Und da sind Terra und Luna, die sich einige Zeit lang durch die Errichtung des Zeitdamms und die Erschaffung von Pseudoerde und Pseudomond vor den Angriffen Vishnas, der abtrünnigen Kosmokratin, schützen konnten.

Nach dem Zusammenbruch des Zeitdamms herrscht im Erde-Mond-System Großalarm. Man rechnet mit einem neuen Angriff Vishnas und trifft die entsprechenden Vorbereitungen.

Die Hauptpersonen des Romans

Lassel Domaschek – Sozialingenieur für Außerirdische.

Chthon – Ein Schatten erscheint als Warner.

Digitalis Aura – Ein Siganese.

Reginald Bull und Galbraith Deighton

1.

Lassel Domaschek versuchte sich zu orientieren. Doch die Nebelschwaden, die zu dieser frühen Morgenstunde durch den Crest-Park trieben, waren so dicht, dass er keine fünf Meter weit sehen konnte.

Er ärgerte sich darüber, dass er keinen Taxigleiter genommen hatte, und er verwünschte Lellöy Nüttlün, der daran schuld war, dass die Sitzung des Weifei-Komitees um sieben Uhr morgens stattfinden musste. Angeblich konnte der Blue seinen Illusionssalon erst verlassen, wenn dessen Pforten sich geschlossen hatten. Das war nach sechs Uhr morgens. Da das Crazy Happening pünktlich um 14:00 Uhr wieder öffnete, musste Nüttlün bis dahin seinen Schönheitsschlaf absolviert haben.

Das Radio-Bullet in seinem linken Ohr unterbrach das Lärmkonzert und eine schnelle Stimme sagte: »Wie aus dem HQ-Hanse verlautete, soll heute der Psi-Trust einen neuen Versuch unternehmen, die von dem Maahk aus der Zukunft errichtete Barriere zu überwinden und den Zeitdamm zu regenerieren. Speedy-Quassel von der Morgen-Rassel wünscht dazu viel Daumen.

Wusstet ihr übrigens schon, dass die Whistler-Company einen neuartigen, vielseitig verwendbaren Privat-Roboter mit der Typenbezeichnung Home-Sweet-Home auf den Markt geworfen hat? Nein, dann seht ihn euch auf dem Bildschirm eures Terminals an!

Aber ich will eure noch nicht voll entfalteten Gehirnwindungen nicht mit Informationen vergrämen. Es geht weiter mit den Hell Angels. Danach singen die Black Crystals ihren neuesten Song: Krippe, Sippe, Schippe. Viel Spaß dabei! Dabei?«

Das letzte Wort klang wie eine verblüffte Frage, doch Lassel kam nicht dazu, darüber nachzudenken, denn der Höllenlärm der Hell Angels setzte abermals ein. Er lockerte das winzige Radio ein wenig und wandte sich seufzend in die Richtung, in der er die Crest-Statue vermutete. Wenn er sie fand, würde er sich an ihr orientieren können, denn sie blickte genau in die Richtung, in der das Zentrum von Terrania lag – und er musste sich in die entgegengesetzte Richtung halten, um das KoZe von Garnaru zu erreichen. Verflixtes Trivideo! Hatten sie die hundertste Folge der Trivideoserie Der Space-Clan nicht früher bringen können! Ausgerechnet die hundertste Folge, die einen neuen Höhepunkt bringen sollte! Und dann war sie blass und nichtssagend wie alle anderen verlaufen. Aber er hatte vor Ärger zuviel von diesem exotischen Eisblütenschnaps getrunken, war zu spät in die Schlafzelle gekommen und mit einem fürchterlichen Kater erwacht. Zwar hatte sein Haushaltsroboter ihm nach dem Aufstehen eine Injektion dagegen verabreicht, die die Kopfschmerzen weggeblasen hatte, aber dafür sah er alles wie durch dichten Nebel.

Lassel Domaschek blieb abermals stehen und schüttelte den Kopf.

Nein, der Nebel entstand nicht in seinem Gehirn, sondern war real. Was sich die Kerle von der Wetterkontrolle bloß dabei gedacht hatten! Er würde sich noch heute beschweren.

Lassel blinzelte, als er zwischen den Nebelschwaden vor sich etwas Schattenhaftes auftauchen sah.

Das konnte nur die Crest-Statue sein!

Er setzte sich wieder in Bewegung und ging ein wenig schneller als vorher, doch schon nach ein paar Schritten verlangsamte er seine Gangart.

Herzina?

Unwillkürlich schüttelte Lassel den Kopf.

Doch nicht Herzina! Sie pflegte um diese Zeit fest zu schlafen, weil sie meist bis in die tiefe Nacht arbeitete. Nein, das war zwar nicht die Crest-Statue, aber keineswegs Herzina.

Die Gestalt, die er zuerst für die Crest-Statue gehalten hatte, näherte sich ihm, und mit schwindender Entfernung konnte er trotz des Nebels erkennen, dass es nicht seine Freundin war.

Es war ein Mensch, ein Mann, etwas größer als Herzina, die 1,81 Meter maß – und natürlich mit breiteren Schultern.

Instinktiv wich Lassel nach rechts aus, doch der Unbekannte folgte ihm. Seine Gesichtszüge waren irgendwie hart und kantig, aber nicht völlig unsympathisch.

»Warte!«

Der Unbekannte hatte nur geflüstert, aber irgend etwas in seiner Stimme zwang Lassel Domaschek, der Aufforderung zu folgen.

Er blieb stehen und sah dem Näherkommenden ins Gesicht.

Der Unbekannte war zweifellos ein Außerirdischer – trotz seines humanoiden Körperbaus. Seine Augen verrieten ihn. Kein Mensch hatte solche Augen. Die Augäpfel waren so schwarz, dass sie das Licht aufzusaugen schienen. Die Pupillen dagegen waren strahlend weiß. Noch nie hatte Lassel solche Augen gesehen. Sie wirkten dämonenhaft.

Lassel schalt sich einen Narren und zwang sich zu einem freundlichen Lächeln.

Gerade bei der ersten Begegnung mit einem Außerirdischen durfte man sich nicht von Vorurteilen leiten lassen. Diese Leute waren manchmal überempfindlich. Er wusste das aus langjähriger Berufserfahrung. Schließlich war er Sozialingenieur und zuständig für die Betreuung der im Stadtteil Garnaru lebenden Außerirdischen.

»Mein Name ist Lassel Domaschek«, sagte er. »Kann ich etwas für dich tun?«

»Ich bin Chthon«, antwortete der Fremde, der nun ebenfalls stehengeblieben war. »Anscheinend habe ich mich verirrt.«

Lassel lachte erleichtert.

»Das ist kein Wunder bei diesem Nebel. Sogar ich habe mich verirrt, und ich wohne ganz in der Nähe. Aber das ist kein großes Problem. Wir werden uns schon zurechtfinden. Hast du vielleicht die Crest-Statue gesehen, äh, Chthon?«

Komischer Name!

Der Fremde schien angestrengt nachzudenken. Lassel musterte sein Gesicht gründlicher und kam zu dem Schluss, dass den Fremden etwas bedrückte.

»Die Crest-Statue?«, wiederholte Chthon, als ob er den Namen zum ersten Mal gehört hätte – und als ob er ihm nichts sagte.

Aber schließlich konnte man von einem Außerirdischen nicht erwarten, dass er sich über jene längst vergangene Zeitepoche informiert hatte, in der ein Arkonide namens Crest der Menschheit selbstlos geholfen hatte, sich ihren Platz in der Galaxis zu sichern und zum kosmischen Denken zu finden.

»Die Statue eines Arkoniden«, erläuterte Lassel. »Sie steht im Zentrum dieses Parks, der wiederum die größte Parkanlage von Garnaru ist.« Grinsend, weil er dieses Wissen voraussetzte, fügte er hinzu: »Garnaru, Stadtteil von Terrania, Terra. Zufrieden, Chthon?«

»Ich bin dir dankbar, Lassel«, erklärte der Außerirdische. »Es ist schwierig für einen verlorenen Schatten, sich in einer Umgebung zurechtzufinden, die er nur aus Informationen kennt und die noch dazu in eine Atmosphäre düsterster Bedrohung gehüllt ist, durch die sich alles verändern wird.«

Erneut musterte Lassel Domaschek den Fremden, diesmal mit aufkeimendem Argwohn.

Der Psychologe in ihm sezierte den Gesichtsausdruck.

Zweifellos spiegelte sich darin ein gewisses Maß an Melancholie, eine pessimistische Lebenserwartung, die auch in seiner Aussage zum Ausdruck gekommen war.

Zirkuläre Psychose!

Diese Krankheit setzte meist im vierten bis fünften Lebensjahrzehnt ein und umfasste zwei Krankheitsbilder, einmal die Melancholie und dann den als Manie bezeichneten Zustand der Übersteigerung des Lebensgefühls, die sich abwechselten.

»Warum starrst du mich so an?«, fragte Chthon. »Ich bin, wie ich bin, und ich weiß, was ich weiß. Aber ich wollte, ich wäre ebenso unwissend.«

»Wie wer?«, erkundigte sich Lassel.

»Das ist jetzt unwichtig«, gab der Fremde ungeduldig zurück. »Bringe mich zu Perry Rhodan! Die Erde ist dem Untergang geweiht.«

»Immer mit der Ruhe, lieber Freund!«, sagte Lassel beschwichtigend.

Es ist schlimmer, als ich dachte. Er leidet an einer ausgeprägten Schizophrenie. Seine Umwelt ist ganz auf ihn selbst konzentriert. Seine Wahnideen entspringen einer Unheimlichkeitsstimmung, die sich bereits bis zur Vorstellung des Weltuntergangs steigert. Es würde mich nicht wundern, wenn er in eine Erlöser- und Prophetenrolle verfällt.

»Lass uns nachdenken!«, fügte er hinzu. »Du willst zu Perry Rhodan, hm! Das ist aber nicht so einfach, wie du dir das vorzustellen scheinst.«

Es ist sogar unmöglich, denn Perry Rhodan ist unerreichbar.

»Mich müsstest du doch verstehen«, sagte Chthon.

»Natürlich verstehe ich dich.«

Möglichst unauffällig musterte er die Kleidung des Fremden.

Ein rauchgrauer schlichter Overall – sicher eine Anstaltskleidung! Der Mann ist vielleicht gemeingefährlich, und er heißt ganz bestimmt nicht Chthon. Der Name gehört zu der Rolle, in der er lebt.

Der Mann machte einen Schritt auf Lassel zu.

»Du wirst mich zu Perry Rhodan bringen! Ich muss ihn warnen, denn er ahnt nichts von dem, was ich weiß.«

Eisiger Schreck fuhr durch Lassel Domascheks Glieder, als ihm klar wurde, dass Chthon gar nicht zu ihm sprach. Oh, ja, er bewegte die Lippen, als spräche er! Aber damit versuchte er nur darüber hinwegzutäuschen, dass er seine Worte nur mental formte und unmittelbar auf das Gehirn seines Gegenübers übertrug.

»Fürchte dich nicht!«, bat Chthon.

Lassel erschrak noch mehr. Dieser Kranke konnte nicht nur Gedanken senden; er konnte sie auch lesen. Er war ein geistig Mutierter, der seine Gabe nicht verkraftet hatte und durch sie schizophren geworden war. Wer weiß, was für Parakräfte er sonst noch besaß.

Lassel Domaschek wirbelte herum, als der Fremde ihm noch näher kam, dann rannte er fort, ohne den nach ihm ausgestreckten Arm zu bemerken.

Als er ihn bemerkte, war er schon mit ihm zusammengestoßen – und durch ihn hindurchgegangen.

Gellende Schreie ausstoßend, rannte Lassel blindlings davon ...

*

Ein mobiler Ordnungsroboter hatte ihn aufgegriffen und ihn ursprünglich in eine mobile Cybermedstation verfrachten wollen. Nur mit viel Überredungskunst hatte Lassel Domaschek ihn davon überzeugen können, dass er geistig und körperlich gesund sei und dass er vor einem parapsychisch begabten gefährlichen Geisteskranken geflüchtet war, der sich im Crest-Park herumtrieb.

Eine entsprechende Meldung hatte die Zentrale Ordnungsstation in Garnaru alarmiert. Zwei Minuten später waren vier Gleiter des Ordnungsdiensts vorgefahren, hatten an vier verschiedenen Stellen des Parks angehalten und ihre Ladungen ausgespien: zwölf mobile Ordnungsroboter, acht uniformierte Angehörige des Ordnungsdiensts und vier Spürroboter.

Zwanzig Minuten später versammelten alle sich an der Stelle, an der Domaschek wartete – beschützt durch den Roboter, der ihn aufgegriffen hatte.

Lassel wurde unruhig, als die acht Ordnungshüter einen Kreis um ihn bildeten und ihn schweigend anstarrten.

»Was kann ich dafür, dass ihr ihn nicht gefunden habt!«, rief er schließlich. »Ihr denkt doch nicht etwa, dass ich mir einen dummen Scherz erlaubt habe!«

»Wir können es uns nur schwer vorstellen, weil wir dich lange genug kennen, Lassel«, sagte eine sonore Stimme von hinten.

Domaschek wandte sich um und sah, dass Kaefeer Vagnan, der Direktor des Ordnungsdienstes von Garnaru, soeben aus seinem schweren Dienstgleiter gestiegen war und auf ihn zukam. Vagnan war ein schlanker, hochgewachsener Mann von vierundachtzig Jahren, rotbrauner Haut und kupferfarbenem Haar, das bei besonderem Lichteinfall den für Zaliter typischen grünen Oxidationsschimmer zeigte.

Lassel atmete auf.

Er und Vagnan mochten sich nicht besonders, weil sie beide voneinander abweichende Ansichten über Ordnung und Disziplin vertraten. Doch sie respektierten sich gegenseitig.

Orlok Sukther, der epsalische Chef des Suchkommandos erschien vor Vagnan.

»Das in Frage kommende Terrain wurde systematisch durchsucht!«, meldete er. »Wir fanden alle Fußspuren, die Lassel hinterlassen hat und konnten mit Hilfe der Spürroboter auch infrarotnachführungstechnisch alle seine Handlungen innerhalb des Crest-Parks aufzeichnen. Eine zweite Person hat sich während der rekonstruierbaren Zeitspanne nachweislich nicht in diesem Gebiet aufgehalten.«

»Handlungen, Handlungen!«, wiederholte Lassel verächtlich. »Ich habe niemals behauptet, im Crest-Park mit irgend etwas gehandelt zu haben.«

»Das habe ich auch nicht gesagt«, erklärte Sukther gekränkt. »Ich habe nur von deinen Handlungen gesprochen.«

»Nun, ich bin sehr für Humor«, meinte Vagnan. »Aber wir wollen dem guten Lassel nicht unterstellen, er besäße im Crest-Park Handlungen, beispielsweise für Obst und Gemüse.« Er lachte knapp.

»Und ich habe auch nichts hinterlassen«, ergänzte Lassel. »Noch bin ich nicht verscharrt.«

»Verscharrt?«, erkundigte sich ein anderer Ordnungsdienstler. »Hat man dir mit Mord gedroht, Lassel?«

»Bleiben wir bei der Sache!«, mahnte Vagnan.

»Bei welcher Sache?«, fragte Sukther verständnislos. »Es handelt sich doch um eine Person und nicht um eine Sache.«

»Bleiben wir also bei der Person!«, lenkte Vagnan ein. »Lassel, äußere dich bitte!«

Lassel Domaschek fand die Ausdrucksweise des Direktors zwar ungewohnt ordinär, doch da er loswerden wollte, was ihm auf der Seele lag, redete er.

»Er sprach mich an und sagte, er hätte sich verirrt. Dann forderte er mich auf, ihn zu Perry Rhodan zu bringen. Die Erde wäre dem Untergang geweiht, behauptete er.

Ich habe sofort gemerkt, was mit ihm los ist. Er ist hochgradig schizophren und noch dazu ein Telepath und Gedankensender. Da er Anstaltskleidung trägt, muss er aus einem Sanatorium oder einer Spezialklinik ausgebrochen sein. Bestimmt ist er gefährlich.«

Orlok Sukther schüttelte den massigen Kopf.

»Da war niemand, Chef. Sonst hätten die Spürroboter doch seine dreidimensionale Infrarotform aufgezeichnet. Sie haben aber noch nicht einmal Fußabdrücke entdeckt.«

Lassel fühlte sich immer unbehaglicher. Er hatte es bisher strikt vermieden, die Körperlosigkeit des Armes zu erwähnen, weil er voraussah, wie die Gehirne von Ordnungsdienstlern darauf reagieren würden. Doch jetzt war er in die Enge getrieben und sah keinen Ausweg mehr.

»Er war offenbar nicht völlig materiell«, sagte er vorsichtig.

Kaefeer Vagnan runzelte die Stirn.

»Nicht völlig materiell«, wiederholte er, und es war ihm anzumerken, dass er sich nur weiter mit diesem Fall befasste, weil er Lassel Domaschek gut genug kannte, um zu wissen, dass er sich keine Schauermärchen aus den Fingern sog. »Wie sollen wir das verstehen, Lassel?«

Domaschek geriet ins Schwitzen. Er versuchte angestrengt, sich die Erscheinung Chthons so genau wie möglich vorzustellen.

»Es ist eigenartig«, sagte er mehr zu sich selbst. »Zuerst hielt ich ihn für meine Freundin.«

Einige Ordnungsdienstler lachten, verstummten jedoch unter Vagnans verweisendem Blick wieder.

»Nun, ja, daran war vielleicht der Nebel schuld«, fuhr Domaschek fort. Er sah, dass der Nebel sich inzwischen fast völlig aufgelöst hatte und beeilte sich, zu erklären: »Er war viel dichter als jetzt. Nun, ich sah jedenfalls bald, dass ich es mit einem Fremden zu tun hatte. Mir fielen besonders die Augäpfel auf. Sie waren schwarz. Die Pupillen dagegen waren weiß. Jetzt erinnere ich mich auch daran, dass seine Haut und sein Haar farblos waren.«

Er kniff die Augen zusammen.

»Rauch! Ja, das ist es! Sein Overall war nicht nur rauchgrau; er wallte auch wie Rauch – oder wie Nebel.«