Lob des Realismus - Bernd Stegemann - ebook

Lob des Realismus ebook

Bernd Stegemann

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Opis

"Die Realität der Gesellschaft wird wieder zum Gegenstand des Theaters. Das Ende der Selbstreferenz in der Kunst ist gekommen. Es gibt eine Realität und wir können sie erkennen. Es gibt eine Darstellung der Realität und wir können sie nutzen, um die Welt zu verändern." Bernd Stegemann Nach der "Kritik des Theaters", die den zwingenden Zusammenhang von neoliberalem Kapitalismus und postmoderner Ästhetik erstmals für das Theater bekannt gemacht hat, erinnert Bernd Stegemann in seinem neuen Buch "Lob des Realismus" an die folgenreichen Debatten um die realistischen Künste und schließt sie an die aktuellen Diskussionen um einen Neuen Realismus an. Das dialektische Denken, die Frage nach dem Klassenbewusstsein und die Hoffnung auf eine bessere Welt werden aus der vermeintlichen Rumpelkammer befreit, in die die postmoderne Weltanschauung sie verbannt hat. Dazu werden die beliebtesten Vorurteile bürgerlicher Kunst beispielhaft auf ihre Ideologie hin untersucht: Ironie, Selbstreferenz und Paradoxie spielen im Neuen Realismus nur noch eine untergeordnete Rolle. Stattdessen formiert sich ein neues Interesse an einer realistischen, d. h. die Realität meisternden Darstellung des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen. Exemplarisch werden die Stücke von Henrik Ibsen, Peter Hacks und Heiner Müller sowie von René Pollesch, Kathrin Röggla und Elfriede Jelinek nach ihrem Realismus befragt.

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Bernd Stegemann

Lob des Realismus

Bernd Stegemann

Lob des Realismus

Bernd StegemannLob des Realismus

© 2015 by Theater der Zeit

Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich im Urheberrechts-Gesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlages. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmung und die Einspeisung und Verarbeitung in elektronischen Medien.

Verlag Theater der ZeitVerlagsleiter Harald Müller| Winsstraße 72 | 10405 Berlin | Germanywww.theaterderzeit.de

Lektorat: Nicole GronemeyerTitelbild und Gestaltung: Kerstin Bigalke

ISBN 978-3-95749-019-3 (print)ISBN 978-3-95749-027-8 (eBook)

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Die Debatte um den Realismus

Maxim Gorki – Die Fantasie als Produktivkraft und ihre Eigentümer

Georg Lukács – Eigentümer erzählen vom Eigentum anders als alle anderen

Bertolt Brecht – Realismus ist die Antwort der Kunst auf eine Welt, die von Widersprüchen zerrissen ist

Markus Gabriel – Realität ist dasjenige, was nicht verschwindet, wenn du ihm die Zustimmung entziehst

Postmoderne Klassiker – Unterbrechung, Re-entry und Selbstreferenz

Slavoj Žižek – Der Einbruch des Realen ist nicht realistisch

II. Realismus der bürgerlichen Klasse

Wahr ist, was sich gut anfühlt

Der authentische Bürger

Gefühlsökonomie und Political Correctness

III. Realismus der Situation

Dialektik und tragische Kollision

Die dramatische Situation des Theaters der frühen Neuzeit

Die dramatische Situation des bürgerlichen Theaters

Die dramatische Situation des epischen Theaters und der Postmoderne

IV. Berichte aus der Arbeitswelt

Henrik Ibsen „Ein Volksfeind“

Peter Hacks „Die Sorgen und die Macht“

Kathrin Röggla „wir schlafen nicht“

Elfriede Jelinek „Die Kontrakte des Kaufmanns“

René Pollesch „Kill your Darlings! Streets of Berladelphia“

Schluss

Anmerkungen

Über den Autor

Einleitung

„Der realistische Wert eines Werkes ist vollkommen unabhängig von allen imitativen Eigenschaften.“

Fernand Léger1

I.

Die Realität meldet sich seit einigen Jahren mit Gewalt zurück. Das Ende der Geschichte scheint vorbei zu sein und es werden wieder Fragen gestellt, die ein realistisches Bild der Gesellschaft hervorbringen wollen. Die leninsche Frage: „Wer wen?“ gehört heute ebenso dazu wie die Frage nach den Interessen der Macht und ihrer Legitimation. Die wattierten Zeiten, in denen man mit einer Aussage wie: „Der Golfkrieg findet nicht statt“ als großer Philosoph galt, enttarnen sich langsam als das, was sie schon immer waren: die geschwätzige Seite der neoliberalen Ideologie.

Das neu erwachte Interesse an der Realität hat viele Ursachen. Die Vehemenz, mit der der Alltag von angeblich unregierbaren Kräften beeinflusst wird, lässt immer mehr Menschen an den Dogmen der Kontingenz zweifeln. Die Schockstrategien des Kapitals, die Naturkatastrophen aufgrund der Klimaveränderungen, die Kriege um Rohstoffe und Nahrung, sie alle werden offiziell noch als kontingente Ereignisse einer globalisierten Welt dargestellt. Doch immer weniger Menschen wollen ihr Leben vom Ohnmachtsgefühl bestimmen lassen, in einem Spielcasino oder einer Naturkatastrophe gefangen zu sein. Und immer weniger Menschen wollen die Epoche, in der sie notwendigerweise dieses eine Leben führen müssen, als ein kompliziertes Spiel akzeptieren, dessen Regeln sie nicht durchschauen dürfen.

Und so erinnert man sich daran, dass die Kunst in früheren Zeiten nicht nur an der Verrätselung der Welt gearbeitet hat, sondern mindestens in gleichem Maße auch an ihrer Sichtbarkeit und Verstehbarkeit. Alle künstlerischen Realismen waren sich in zwei Punkten einig: Es gibt eine Realität, und wir können versuchen, sie zu verstehen. Und es gibt eine künstlerische Erfahrung, die den Menschen ein gemeinsames Erleben ermöglicht, das sie momentweise davon befreit, ihr eigenes Leben als unverständliche Folge von Zufällen zu erleiden. Eine realistische Darstellung hilft, die Welt begreifen und sich ihre Veränderbarkeit vorstellen zu können.

Heute wagt der Realismus an verschiedenen Stellen in der Gesellschaft einen neuen Anfang, und es ist spannend, dabei mitzuhelfen, dass im Zentrum einer postmodernen Kultur der Glaube an Erkennbarkeit und Veränderbarkeit neu entsteht. Die gegenwärtigen Versuche, sich aus dem zähen Nebel des Relativismus und der Kontingenz zu befreien, sind so vielfältig und ihre Formen so divergent, dass es an der Zeit ist, an einige Traditionen des Realismus zu erinnern.

II.

Bei der gegenwärtigen Wiederentdeckung des Realismus fällt als Erstes auf, dass er zu einem Containerbegriff umgebaut worden ist. Eine hyperkomplexe Realität und eine Kunst, die die Schule der Wahrnehmung in eine totale Ambivalenz gesteigert hat, bilden bei jedem Wahrnehmungsakt eine Gleichung mit Unbekannten auf beiden Seiten. Es lässt sich nicht mehr bestimmen, was realistische Kunst ist und was gerade nicht, denn es lässt sich nicht mehr beurteilen, ob etwas dargestellt wird oder die Darstellung ihr eigener Inhalt geworden ist. Alles kann Ausdruck von Realität sein, wenn es der Kontext und die Rezeption so wahrnehmen wollen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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